Angesichts der gestern verkündeten neuen landesspezifischen Inhaltsfilter bei Twitter lassen sich zwei Dinge festhalten:

1. Je zentraler eine Kommunikations- oder Transaktionsform im Internet gestaltet ist, desto leichter wird sie logischerweise zensier- und lenkbar. Das ist bedauerlich, aber nicht neu. Und Twitter hat jedes Recht, auf seiner Plattform zu machen was sie wollen, solang es im Rahmen der Gesetze geschieht. Pro-Nazi-Tweets in Deutschland auszublenden, ist sogar im Sinne des deutschen Gesetzes. (Ohne das jetzt in die Nähe von Zensur rücken zu wollen: Auf technisches Ebene lässt sich das Abschalten von MegaUpload auch mit der Zentralität des Angebots leichter erledigen. Das Schliessen großer Bittorrenttracker hatte in der Vergangenheit maximal einen kleinen, kurzfristigen Einfluss auf den Traffic und die Nutzung des dezentralen BitTorrent-Netzwerks.)

2. Selbst die chinesische Regierung, die sehr engagiert bei der Internetzensur ist, kann die Geschwindigkeit des Microbloggings nicht aufhalten und verliert mittlerweile zumindest teilweise die Kontrolle über öffentliche Debatten. Das lässt sich beispielsweise an einem Zugunglück festmachen, das in China für viel Ärger besonders in der aufsteigenden Mittelschicht gesorgt hat. The Economist im August letzten Jahres:

Microblogging sites, notably Sina Weibo, China’s homespun version of the banned Twitter, ran unusually free comment. Reining it in would have been hard or counterproductive. Microblogs also provided an avenue for Chinese journalists to publish details on the accident in the crucial early hours, before slower-footed propaganda authorities could issue “guidance”.

[..]

The irrepressible nature of the internet is more troubling for them in the long run, even though having an outlet for people to let off steam can do the regime a service. The leaders may regret the haste with which they built the high-speed rail network. But they may come to regret more the haste with which they fostered that other high-speed network, Sina Weibo.

Die auf dem Microblogging-Dienst Sina Weibo öffentlich zum Ausdruck gebrachte Wut konnte sogar in China auf die staatlichen Zeitungen überspringen. Ein Novum.

The Economist im September letzten Jahres:

Moreover, the Dalian protest erupted only weeks after an explosion of popular anger, mostly expressed through micro-blogging services such as Sina Weibo, which blamed official neglect for a rail crash between two new high-speed trains that killed 39 people. The criticism was so widespread that even state-supervised media joined in.

[..]

There is no single explanation for the new middle-class activism. Given the rise in their numbers, it was probably bound to happen at some point. The spread of micro-blogging services has surely made some difference. Sina Weibo claims 140m users, mostly from China’s urban middle class. They posted 10m messages about the rail crash within days.

Während es also sicher enttäuschend ist, dass Twitter sich regionalen Gesetzgebungen beugt, so bleibt zumindest die Gewissheit, dass allein die Geschwindigkeit und die Masse der Einträge bei Microblogging die öffentlichen Meinungsäußerungen auf den Plattformen nur sehr schwer bis gar nicht auf eine strenge Regierungslinie bringen lassen.

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Holzfetisch

by Marcel Weiß on 27. Januar 2012

in Medienwandel

SPON-Redakteur Christian Stöcker auf Vocer über die noch immer weit verbreitete Verwechslung von Medienträger und Inhalt:

Es ist verblüffend, wie intensiv der Datenträger Papier mit bestimmten, geradezu mythischen Eigenschaften aufgeladen wird – obwohl doch auch die “Bild”-Zeitung, Hardcore-Pornografie und sogar “Mein Kampf” auf Papier gedruckt werden. Die einzige Erklärung ist, dass hier wieder einmal jemand der so unbedingten wie anlasslosen Überzeugung ist, dass Papier als Datenträger Bildschirmen überlegen sei. Dass Nachrichten irgendwie besser, wahrer, wertvoller werden, wenn man sie auf Papier druckt, das danach quer durchs Land gekarrt werden muss, damit die Papierstapel frühmorgens überall auf den Türschwellen der Abonnenten abgelegt werden können.

Die Tageszeitung ist in ihrer Darreichungsform längst ein Anachronismus, und diese kaum zu leugnende Erkenntnis bereitet so manchem solche Schmerzen, dass er sein Heil in begründungslosen Behauptungen sucht.

 

 

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engag.io ist ein relativ neuer Dienst, der Kommentare und Reaktionen auf verschiedenen Social Networks und Blogs zusammenführt und so für Übersicht und leichte Reagierbarkeit sorgt.

engag.io zeigt damit nebenbei auch die Chancen für Startups im Sektor der Social-Network-Clients auf.

engagio

Nico Lumma erklärt engag.io so:

Social Network hier, Blog-Kommentarsystem dort, irgendwie fehlt da eine Verknüpfung, die es für die Nutzer einfacher macht, eine Übersicht über die Diskussionen zu behalten. Engag.io versucht, diese Lücke zu füllen und tut dies, indem Verknüpfungen mit Twitter, Facebook, Google+, Tumblr, Foursquare, Disqus und Hacknews erstellt werden, so daß die jeweiligen Diskussionen, an denen man beteiligt ist, fein säuberlich in eine Gmail-artige Übersicht fließen. Dort kann man dann fröhlich weiterkommentieren, sich aktuelle Links aus seinen Netzwerken anzeigen lassen oder einfach nur einen Überblick bekommen, wo man gerade aktiv ist und mit wem man alles so redet.

engag.io zeigt, was ich meine, wenn ich über die Chancen und das Potential von Clients für die nähere Zukunft spreche.

engag.io deckt einen konkreten Bedarf für eine bestimmte Zielgruppe ab. Der Dienst bietet den Überblick über Reaktionen und Kommentare auf verschiedenen Präsenzen im Social Web. Die Zielgruppe ist relativ offensichtlich: Alle, die professionell im Web unterwegs und deswegen auf vielen Plattformen aktiv sind. Das reicht von Bloggern bis PR-Vertretern, die die Online-Präsenzen ihrer Unternehmen verwalten.

engag.io zeigt auch, dass im Client-Bereich Felder abgesteckt werden können, die von den Plattformprovidern nur schlecht besetzt werden können. Einmal angenommen, Facebook und Twitter würden zusätzlich zu ihren allgemeinen Oberflächen für die normalen Nutzer zusätzliche Features für Poweruser anbieten. Durchaus eine nachvollziehbare Entwicklung. Aber: Was die Plattformprovider nicht machen werden ist, eine Oberfläche anzubieten, auf der auch ihre direkten Konkurrenten leichter bedienbar werden.

Hier liegt die Chance für Startups: Auf die bestehenden Plattformen, also die großen Social Networks, aufsetzen, und nutzenstiftend Multihoming, also die gleichzeitige Nutzung mehrerer Plattformen, anbieten beziehungsweise vereinfachen.

Multihoming schützt vor der Substituierung durch den Plattformprovider. Oder stellt diesen zumindest vor nicht geringe Probleme, wie man am Beispiel Twitter und Tweetdeck sehen kann und wird.

Auch interessant: Während sich Aktivisten und Anbieter, die mit einem auf Open Source und Dezentralität setzendes Social Web punkten wollen, noch auf einen Facebook-Killer setzen (oder darauf hoffen), zeigt das kommerzielle Web, nicht nur wie es weiter gehen kann, sondern ist auch erneut schon einige Schritte weiter. (Die Zusammenführung von Social Networks und Blogkommentaren auf engag.io ist etwa nur möglich, weil das kommerzielle Kommentarsystem Disqus, das auch auf neunetz.com zum Einsatz kommt, eine API anbietet.)

engag.io befindet sich noch in der Private Beta.

Siehe auch:

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Aktuelles 27. Januar 2012

by Marcel Weiß on 27. Januar 2012

in Kurz

Lesenswerte Analysen, Hintergrundberichte und interessante News:

  • “Dieser Tweet ist in deinem Land nicht verfügbar” – Twitter führt offenbar länderspezifische Zensur ein › netzpolitik.org "Begründet wird die Filterung u.a. mit Regelungen in Deutschland und Frankreich, die “pro Nazi”-Inhalte verbieten würden, was so natürlich schon mal überhaupt nicht stimmt. Es trifft stattdessen vermutlich leider eher Jannis’ Einschätzung zu, dass es bei der Maßnahme eigentlich um Länder wie China geht, zu dessen Markt sich Twitter mit dieser Selbstunterwerfung der Zensur Zugang verschaffen könnte."
  • The year of the iPad for the second year in a row | asymco "The new data shows that the iPad alone would be the largest PC vendor and Apple with iPad and Mac combined is selling 5 million more units (or 30%) than the top PC vendor."
  • Exciting Commerce: Exceed Impulse 2012: Make it social, make it fast(er)! geplante Vorträge auf der Exceed-Konferenz u.a.:
    "Andreas Bersch (Futurebiz/Berliner Brandung) zu Social Filtering ("Wie der Open Graph den Webshop befruchten kann")
    Leander Wattig zum Abo-Prinzip im Social Web
    Marcel Weiß mit einem Disruption 101 für Startups"
  • Die Stahlhelmfraktion im Urheberrecht » Engeln.de "Wer das politische Geschehen verfolgt, der konnte bereits feststellen, dass Günter Krings für den Bereich digitales Urheberrecht und Netzpolitik ungefähr die Stellung einnimmt, die Hans-Peter Uhl im Bereich liberaler Bürgerrechtspolitik einnimmt. Wie jener auch, so hat im Grunde genommen Günter Krings außer einer Meinung aus dem letzten Jahrhundert nichts beizusteuern zum Thema Urheberrecht im digitalen Zeitalter oder Netzpolitik. Während anderenorts in “der CDU/CSU” wichtige Fragen aufgeworfen werden und sogar erste Ansätze in die öffentliche Diskussion eingebracht werden, gibt Krings quasi die Einmann-Stahlhelmfraktion im Urheberrecht: Jeder Einsicht und Erkenntnis abhold, verschanzt er sich im Schützengraben seiner betonierten Meinung."
  • DDos-Attacken auf das EU-Parlament wegen #ACTA › netzpolitik.org "Einerseits kann ich die Wut über die Unterzeichnung und den ganzen intransparenten ACTA-Prozess nachvollziehen, andererseits sind DDos-Attacken gegen das EU-Parlament mehr als kontraproduktiv, während zahlreiche ACTA-Gegner versuchen, dort Mehrheiten gegen das Abkommen zu organisieren."
  • Techmeme has redesigned. Drudge Report is now indisputably the web’s ugliest news site – Techmeme News Das wird ein wenig Gewöhnung benötigen.
  • Apple vs. PC Shipments: "PC" Decline Worse Than Reported – The Small Wave. "The originally reported dismal "PC" growth of -5.9% becomes an even more dismal -8.5% without Apple's numbers propping it up. That -2.6% delta is not insignificant, it's over 40% worse than what was reported."
    Interessant wird es, wenn Windows den Go-To-Faktor beim Mainstream verliert. So wie es aussieht, ist das nur noch eine Frage der Zeit.
  • Flatrate für Hörbücher & Hörspiele "Audiobooks.com bietet für 24,95 Dollar im Monat unbegrenzten Hörspaß – gestreamt wird auf PC oder Smartphone."

Weitere Linktipps zu lesenswerten Artikeln.

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Juli 2010 habe ich ein Experiment gestartet. Auf meinem Notizblog schrieb ich damals:

Kleiner Selbsttest: Ich habe in meinem Standard-Browser Google Chrome jetzt mal die Standardsuche von Google auf Bing umgestellt. Mal sehen, ob das funktioniert.
Ich benutze Google für Websuchen praktisch ausschließlich seit 1999.

Ich bin selbst überrascht, dass der Start meines Selbsttests nun schon 18 Monate zurückliegt. Angesichts der Debatte rund um die Veränderung der Google-Suche versuchen jetzt einige von Google loszukommen. Felix Schwenzel versucht es mit Duck Duck Go. Auf Gizmodo berichtet einer der Schreiber, dass er zu Bing gewechselt ist. Und auch Dave Winder denkt darüber nach, ob Bing dem komplexer werdenden Google gefährlich werden kann.

Grund genug also, über meine Erfahrungen zu berichten.

bing

Wie bereits im obigen Zitat geschrieben, habe ich mit Microsofts Bing begonnen. Das Erste, das mir auffiel, war, dass Bing, zumindest 2010 und zumindest für meine damalige Verbindung (Berlin, Alice DSL), sich oft sogar einen Zacken schneller anfühlte als das bereits schnelle Google.

Die zweite Erkenntnis sollte sich wie ein roter Faden durch die letzten anderthalb Jahre ziehen: Bing ist ein guter Ersatz für Google, so lang es um Standardsuchen geht. So bald es komplexer wird, fällt schnell auf, dass Google im Hintergrund sehr viel mehr macht als Links zählen. Google kann oft komplexe Suchen besser interpretieren als Bing oder die anderen Konkurrenten.

Ich habe Bing zufriedenstellend für das tagtägliche Suchen benutzt. Habe ich nicht gefunden, was ich gesucht habe, habe ich Google benutzt.

Mir scheint auch der Index von Bing noch nicht an den von Google heranzureichen.

Bing ist vom Aussehen sehr nah am klassischen Google. Das geht bis hin zur Farbe der Links und der Anzeige von direkten On-Site-Links bei populäreren komplexen Websites. Der Wechsel zu Bing dürfte vielen am leichtesten fallen.

Positiv an Bing hervorzuheben ist die Bildersuche. Sie scheint mir nicht nur besser zu sein als Google. Ich habe sogar bis dato keine allgemeine Bildersuche gesehen, die besser ist als Bing. Allein für das Suchen von Bildern lohnt sich Bing also.

duck duck go

Nachdem ich Bing einordnen konnte, habe ich als zweite Suchmaschine Duck Duck Go ausprobiert. Das immer noch kleine, aber auch sehr schnell wachsende Duck Duck Go besticht auf den ersten Blick durch ein unfassbar hässliches Logo. Man sollte sich davon aber nicht beirren lassen.

Duck Duck Go bietet einige innovative Features an: Zum Beispiel werden Daten von Wikipedia und anderen vertrauenswerten Sites ausgewertet, um strukturierte Ergebnisse anzuzeigen. Als Beispiel kann die Suche nach Union Square Ventures dienen: Kurze Erklärung der Firma, Wikipedialink, Link zu offizieller Site, und ein Link zu einem Verzeichnis von VC-Firmen auf Duck Duck Go. In der rechten Sidebar werden Vorschläge gemacht, welche Suchbegriffe man hinzufügen kann, um die Suchergebnisse zu verbessern.

Das besondere an Duck Duck Go sind die sogenannten !Bangs. Mit denen ist es möglich, direkt in Duck Duck Go interne Suchen von Sites oder andere Suchmaschinen zu benutzen:

We call these commands !bangs, and this syntax works for 100s of sites:
Most big sites work, e.g. !youtube (see full list below)
Most generic keywords work too, e.g. !images
There are also shorter versions, e.g. !g (google) !i (images) !yt (youtube)
!ducky or ‘! ‘ or ‘\’ will take you to the first result.
!safeoff will run a search with safe search off.

Sucht man zum Beispiel mit !g etwas auf Duck Duck Go, wird man auf die Google-Suche mit den Suchergebnissen umgeleitet. Eine eigene Bildersuche hat Duck Duck Go nicht. !images leitet auf die Bildersuchergebnisse von Google um.

Wie auch Bing versagt Duck Duck Go oft, wenn es komplexer wird. !g ist also recht praktisch, um einfach Google zu Rate zu ziehen wenn nötig.

Im Oktober 2011 hat unter anderem Union Square Ventures (Twitter, Tumblr, Etsy und weitere) in Duck Duck Go investiert.

Duck Duck Go wirbt seit Sommer letzten Jahres damit, keine Personalisierung seiner Suchergebnisse zu betreiben.

blekko

Nach Duck Duck Go benutze ich nun Blekko als Standardsuche. Blekko hat letztes Jahr für Aufsehen gesorgt, weil sie publicityträchtig ‘Spam’ aus ihren Suchergebnissen entfernt haben. Noch vor Googles Herunterranken von Contentfarmen hat Blekko diese aus seinem Index ausgeschlossen.

Das macht Blekko besonders für auf Google spamverseuchte Suchen nützlich. Zusätzlich bietet Blekko sogenannte Slashtags an, mit denen man die Suche auf eine Kategorie von händisch oder automatisch gesammelten Sites beschränken kann.

Michael Arrington schrieb 2011 darüber, wie beides zusammen wirkt:

The company has also increased search relevance substantially by auto-including some 1,000 slash tags, up from just a handful previously. That means that for many results you are looking at hand picked sites that are known to have high quality content. Content farms just can’t get through slashtags.
Search for “pregnancy tips” and you’ll see to slash tags, for /pregnancy and /health, and quite good results compared to Google. But on Blekko you’re not done. Click on one of those slash tags to drill down into results relevant to that tag. Answer relevance goes even higher.

Blekko ist tatsächlich relativ mächtig.

Aber auch für Blekko gilt noch das Gleiche wie für Bing und Duck Duck Go. Für den Alltag ist Blekko ein mehr als ausreichender Ersatz für Google, aber je abwegiger eine Suche wird, desto wahrscheinicher ist es, dass Google das bessere Ergebnis liefert.

Die Slashtags sind allerdings ein sehr mächtiges Instrument für alle, die oft speziellere Suchen im Web ausführen (Journalisten, Blogger). Man kann so leicht die Suche vom Web auf spezielle Sites einschränken und wieder ausweiten. Mit /date kann man auch die, sofern mit Datum versehen, letzten statt die relevantesten Ergebnisse mit den Suchbegriffen anzeigen lassen. Wer einen Account bei Blekko anlegt, kann mit dem Import einer OPML-Datei einfach eigene Slashtags anlegen. Auch aus den Suchergebnissen heraus lassen sich leicht Websites zu bestehenden Hashtags hinzufügen.

Blekko bietet mit den Slashtags ein weitaus mächtigeres Werkzeug als die CSEs von Google, wenn es um das Durchsuchen von bestimmten Sites für den eigenen Workflow geht.

Die Bildersuche von Blekko ist keine Erwähnung wert.

Blekko bietet auch interessante Fakten und Zahlen an, wie etwa diese Gegenüberstellung von integrierten Facebook-Like-Buttons und Google-+1-Buttons.

Fazit

Jede der getesteten Suchmaschinen liefert ausreichend gute Ergebnisse, um im Alltag auf Google verzichten können. Je spezieller allerdings die Suchen sind, die man durchführt, desto stärker fällt auf, dass zum einen die Konkurrenten noch nicht so große Indizes wie Google besitzen und zum anderen, dass Google im Hintergrund sehr erfolgreich im Verbinden und Auswerten der Datenmassen war und ist. Google ist oft schlicht relevanter.

Faustregel: Je mehr Suchwörter benötigt werden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass man eher mit Google das findet, was man sucht.

Über die letzten anderthalb Jahre ist mir noch etwas bewusst geworden, dass man leicht übersieht: Google ist praktisch überall default, abgesehen von IE. Egal welchen Browser man auf dem Desktop installiert (abgesehen von IE), egal ob iPhone oder iPad: Überall ist Google voreingestellt. Die Wechselkosten weg von Google sind zwar minimal. Aber sie sind vorhanden.

Ich glaube nicht nur, dass diese Defaulteinstellungen Google sehr viel stärker helfen, als vielen bewusst ist. Ich glaube auch, dass die Tatsache, dass wir immer mehr Geräte mit Internetzugang benutzen, Google an der Default-Front angreifbar wird: Google mag mit Google Chrome stark auf dem Desktop sein und Firefox weitere drei Jahre verpflichtet haben. Aber Google kann weder beeinflussen, welche Suche Apple bei seinen mobilen Geräten voreinstellt, noch was zum Beispiel Amazon auf dem Kindle Fire macht.

Wer bereit ist, mehrere Suchmaschinen nebeneinander zu verwenden, dem würde ich folgendes Setup empfehlen:

  • Duck Duck Go oder Blekko für alltägliche Suchen
  • Blekko für das Durchsuchen einer festen Zahl an Websites aus der eigenen Branche oder andere Aufgaben, die man vorher einer CSE von Google anvertraut hat.
  • Bing für die Bildersuche
  • Google für alle Suchanfragen, die auf den anderen keine zufriedenstellenden Ergebnisse brachten

Letztlich muss man allerdings festhalten, dass unter dem Strich Google nach wie vor die beste allgemeine Suchmaschine ist.

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So beginnt die Erosion der Netzneutralitätheise online:

In den kommenden Monaten schaltet der Mobilfunknetzbetreiber Orange in insgesamt 20 Ländern den Zugriff auf die mobilen Wikipedia-Seiten frei. Beim Abruf der Seiten fallen dann keine Datenübertragungskosten an.

Einzelnen Sites einen kostenfreien Zugriff zu erlauben, ist genau so eine Verletzung von Netzneutralität, wie für den Zugang zu trafficintensiven Sites, wie YouTube etwa, mehr zu Geld zu verlangen. Leider beschränkt man sich bei der Beschreibung von Netzneutralität immer auf letzteres Beispiel.

Der Mobilfunknetzanbieter Orange macht die mobile Wikipedia natürlich nicht aus Eigennutz kostenfrei:

Der Schritt ist nicht uneigennützig: “Die große Mehrheit unserer Kunden in Afrika nutzt Prepaid-Verträge und setzt SIM-Karten verschiedener Anbieter ein”, erklärt Orange-Sprecher Yann Kandelman. “Mit der neuen Initiative wollen wir dazu beitragen, dass die Orange-Karte in Zukunft bevorzugt benutzt wird.”

Es ist ausgesprochen bedauerlich, dass Wikipedia und Wikimedia mit Orange hierbei kooperieren. Auch wenn das Ziel nachvollziehbar ist, stellt sich doch die Frage, ob der Zweck die Mittel heiligt.

Es ist durchaus diskutierbar, ob in diesem Fall die Verletzung der Gleichbehandlung der Daten rechtfertigbar ist. Wenn das aber rechtfertigbar ist, wird die Netzneutralität selbst Verhandlungsmasse. Das heißt, man muss sich in diesem Fall schon entscheiden; statt zu ignorieren.

Wahrscheinlich wird diese Verletzung von leider noch nirgendwo gesetzlich festgeschriebener Netzneutralität aber erneut niemanden interessieren, denn es ist nicht das erste Mal, dass auf diese Weise einem einzelnen Webangebot Vorzüge eingeräumt werden, ohne dass das jemanden stört:

Auch Facebook bietet in vielen Ländern kostenfreie Zugriffe auf eine abgespeckte Version des sozialen Netzwerkes (‘Facebook Zero’) über kooperierende Mobilfunkanbieter an.

Seit der Bekanntgabe von Facebook Zero im Mai 2010 blieb ein Aufschrei in der Netzaktivistenszene aus. Unwahrscheinlich, dass nun ausgerechnet bei Wikipedia die Kritiker aufwachen werden.

Siehe auch:

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Carta macht weiter

by Marcel Weiß on 26. Januar 2012

in Allgemein

Die Nachricht des Tages: Carta macht weiter. Tatjana Brode:

Wir werden Carta in den kommenden Wochen sukzessive wieder hochfahren. Damit der Neustart gelingen kann, brauchen wir auf lange Sicht weitere Partner und Sponsoren. Für Vorschläge und Unterstützung sind wir dankbar.

Das Netz freut sich.

Ausgewählte Texte von neunetz.com werden künftig auch wieder auf Carta erscheinen. Ich freue mich auf die Diskussionen.

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Aktuelles 26. Januar 2012

by Marcel Weiß on 26. Januar 2012

in Kurz

Lesenswerte Analysen, Hintergrundberichte und interessante News:

  • Techdirt: State Of The Union Address Highlights The Dirty Trick Of Hiding More Draconian IP Rules In ‘Trade Agreements’ "One thing that anyone just becoming aware of these fights needs to know: the entertainment industry lobby is very, very good at what they do, and they never put all their eggs in one basket. While they love pushing for ever more draconian federal laws, they're always working multiple angles, including international trade agreements, laws in foreign countries and… state laws around the US, which they can then leverage to get other states to follow suit. If SOPA/PIPA really fails on the federal level, you'll see the same ideas pop up in all of those other places. In fact, we're already hearing stories of such plans in all three things, which we'll be covering in the days and weeks ahead."
  • Europe’s ‘Right to Be Forgotten’: Privacy as Internet Censorship "Thus, for a “right to be forgotten” to work, a more formal and robust information control regime will need to be devised to censor the Net and make it “forget”about the digital footprints we left online. Will the DMCA’s “notice and takedown” model be applied? Beyond the chilling effect associated with dragnet takedowns of online information, it’s unlikely that approach will really work. Keep in mind, this isn’t as simple as just telling large social media operators to delete information on demand. The reality is, as computer scientist Ben Adida notes in his essay “(Your) Information Wants to be Free,” the same forces and factors that complicate other forms of information control, such a copyright and speech restrictions, also complicate the protection of facts about you. “[I]nformation replication doesn’t discriminate: your personal data, credit cards and medical problems alike, also want to be free. Keeping it secret is really, really hard,” Adida correctly notes."
  • New Rules for the New Economy "Technology is no panacea. It will never solve the ills or injustices of society. Technology can do only one thing for us–but it is an astonishing thing: Technology brings us an increase in opportunities."
  • SPD will Cookies strenger regulieren | heise Security "Die SPD-Bundestagsfraktion möchte das Setzen von Cookies in der Regel nur noch nach Einwilligung des Nutzers erlauben."
  • Timehop, A Time Machine For Your Social Media Updates, Gets $1.1M From Foursquare Founders And Others | TechCrunch ich mag meine tägliche Email.
  • Exciting Travel: Google Hotel Finder: "Welches Hotel liegt nur 5 Minuten zu Fuß entfernt?" Praktisch.
  • Warum Social Media so reizvoll ist, das verrät uns jetzt die Babette "Der Bundestag braucht kein Handbuch – er braucht ein Social Network im Intranet."
  • live.hackr : Wundermichkit "ich fürchte auch, dass das wunderkit auf den ersten blick ganz nett ausschaut, aber nicht wirklich gut skaliert und schnell eine fürchterliche mess wird. was wiederum benutzungstechnische selbstdisziplin erfordert, da natürlich niemand hat. ich vermute also stark, dass die wunderlist ihr grosser hit bleiben wird."
  • Neue Broschüre: Wie das Internet funktioniert | Digitale Gesellschaft Super Sache: "Unser Plan ist: Wir wollen die Broschüre drucken und an PolitikerInnen und EntscheidungsträgerInnen verteilen. Damit das klappt, freuen wir uns über finanzielle Unterstützung in Form einer Spende. Auf jeden Fall wollen wir jedem der 620 Bundestags- und 99 deutschen Europaabgeordneten eine Broschüre zukommen lassen. Der Druck und die Verteilung an diese ist nicht so aufwändig, da wir hierfür eine Startauflage von 1000 Stück nehmen und sie direkt in Berlin und Brüssel in ihre Briefkästen stecken können.
    Aber wir würden gerne auch noch die 1852 Abgeordneten in den Länderparlamenten erreichen und warum nicht auch weitere EntscheidungsträgerInnen in Länder- und Bundesministerien sowie Medien?! Das würde jedoch den finanziellen Aufwand für Druck und Verteilung erheblich erhöhen und das können wir nur mit Eurer Unterstützung bewältigen. Spendet daher hier, wenn ihr das Projekt unterstützen möchtet."
  • Starting Over | Get Real | Jason Fried | Inc.com 37signals bauen Basecamp nochmal neu: "The problem is that we cannot make these kinds of changes in the existing product. Over time, software builds up legacy. The old technology is baked in, and the roots of the product are so knotted that simply unwinding them becomes a massive undertaking. Think about trying to uproot a 250-year-old oak tree versus a two-year-old one."
  • Daring Fireball Linked List: Cook on iCloud Yep: "iCloud is as central to Apple’s next 10 years as the digital hub strategy was to the previous 10 years — and financial analysts are likely to ignore it, just like they did Apple’s digital hub strategy. I think Steve Jobs had his fingers in as many projects as he could manage in his final year, but it’s no coincidence that his last product announcement was iCloud. Put another way, I don’t expect any new Apple products that aren’t related in some way to iCloud."
  • Takeaways from Apple’s (Q4) 2011 – Matt Richman "In 2009, Apple sold more iPhones than it did in 2007 and 2008 combined. In 2010, Apple sold more iPhones than it did in 2007, 2008, and 2009 combined. Last year, Apple sold 93.1 million iPhones, slightly more than it did in in 2007, 2008, 2009, and 2010 combined. The pattern continued." (via daring fireball)
  • What is Acta and why should you be worried about it? – A guide to ACTA (Wired UK) "Acta hangs on a vote from the European Parliament, which could take place as soon as 26 January. The treaty will still need to be ratified by the European Parliament and member states individually. If Acta is not ratified there it will get rejected in its entirety."
  • Discover New Music For Free With The New & Improved Spotify Radio "Spotify Radio can be used in many different ways:-
    As a radio station creator, as the name suggests: Make a selection, press ‘Play‘, and you’ll have music blasting until you press ‘Stop‘.
    As a tool for discovering new music: You love a particular band but have listened to them to death, then Spotify Radio will help you find artists of a similar style or mood.
    As a means of discovering what’s popular: Keeping tabs on the ‘Popular‘ stations as shown in the screenshot above."
  • Sterbende Produkte neu verpackt – iPhoneBlog.de Die Mobilfunkanbieter-App, die die SMS (und ihre Einkünfte) bei den Anbietern ersetzen soll, ist schon länger geplant: "Nur gut, das Apple keinem Mobilfunkanbieter erlaubt, Unfug im Adressbuch zu treiben. Und erwähnte ich, dass der Dienst bereits für letztes Jahr angekündigt war und uns seit 2008 als große Neuerung versprochen wird? Nee? Der Focus-Artikel nämlich auch nicht."

Weitere Linktipps zu lesenswerten Artikeln.

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Leander Wattig macht eine wichtige Beobachtung zur Buchbranche:

Wenn ich ein Bestseller-Buchautor wäre, würde ich mich fragen, warum ich einen Deal eingehen soll, der in letzter Konsequenz ermöglicht, andere Autoren querzufinanzieren. Wenn ein solcher Deal besteht, heißt das ansich nur, dass für mich als Bestseller-Autor nicht der bestmögliche Deal herausgeholt wurde. Wäre es nicht nur konsequent, wenn Autoren zunehmend Dienstleistungs-Verhältnisse suchen und einfordern, die – wie auf anderen Märkten auch – dem Dienstleister nur das wirklich notwendige Geld zuweisen? Was aber passiert mit den bestseller-abhängigen Publikumsverlagen, wenn gerade die Top-Autoren und somit die Stützen der Häuser mehr und mehr einfordern oder sich gar abwenden? Stichwort Pottermore …

“Das Geschäftsmodell ändert sich.” ist ein leicht dahin gesagter Satz. Dahinter stecken aber auch komplexe Veränderungen wie etwa sich verschiebende Anforderungen von unterschiedlichen Parteien, die eine Veränderung des Angebotsbündels und der eigenen Aufgabe (und ihrer Wahrnehmung) zur Folge haben müssen.

“Das Geschäftsmodell ändert sich.” bedeutet nicht, einfach alles digital so zu machen, wie man es vorher analog gemacht hat.

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Je länger man sich mit der Debatte zum Urheberrecht und Filesharing beschäftigt und je mehr man sich die Details anschaut, desto atemberaubender wird die Tatsache, wie stark der Diskurs von Prämissen bestimmt wird, die seit über zehn Jahren nicht nur nicht bewiesen wurden, sondern sogar in Studien bereits wiederlegt sind.

Der Diskurs wird von Bauchgefühlen und Milchmädchenrechnungen bestimmt, die sich als moralische Positionen tarnen.

Vollkommen unbeeindruckt von fehlenden Beweisen wird immer weiter argumentiert, als sei Filesharing etwa Diebstahl, weil jede heruntergeladene Datei immer gleich ein entgangener Verkauf ist.

Selbst wenn diese falsche Ausgangslage zutreffen würde, sehen die aktuellen Gesetztesvorhaben wie das (vorerst?) gescheiterte SOPA oder das internationale ACTA immer noch unverhältnismäßig aus, wie wie Ars Technica an einer Analogie schön aufzeigt:

in the real world, where enforcement has direct costs to the taxpayer, regulation has costs on the industries it burdens, and the reduction in piracy they’re likely to produce is very small, it seems important to point out that the credible evidence for the magnitude of the harm is fairly thin.

As a rough analogy, since antipiracy crusaders are fond of equating filesharing with shoplifting: suppose the CEO of Wal-Mart came to Congress demanding a $50 million program to deploy FBI agents to frisk suspicious-looking teens in towns near Wal-Marts. A lawmaker might, without for one instant doubting that shoplifiting is a bad thing, question whether this is really the optimal use of federal law enforcement resources. The CEO indignantly points out that shoplifting kills one million adorable towheaded orphans each year. The proof is right here in this study by the Wal-Mart Institute for Anti-Shoplifting Studies. The study sources this dramatic claim to a newspaper article, which quotes the CEO of Wal-Mart asserting (on the basis of private data you can’t see) that shoplifting kills hundreds of orphans annually. And as a footnote explains, it seemed prudent to round up to a million. I wish this were just a joke, but as readers of my previous post will recognize, that’s literally about the level of evidence we’re dealing with here.

Tatsächlich lässt sich etwa leicht aufzeigen, dass die betroffenen Industrien ihren Output nicht zurückgefahren haben. Im Gegenteil: Er ist sogar gestiegen.

Musik:

Nielsen SoundScan data shows new album releases stood at 35,516 in 2000, peaked at 106,000 in 2008, and (amidst a general recession) fell back to mid-decade levels of about 75,000 for 2010. That’s against a general background of falling sales since 2004—mostly explained by factors unrelated to piracy—which finally seems to have reversed in 2011. The actual picture is probably somewhat better than that, because SoundScan data is markedly incomplete when it comes to the releases by indie artists who have benefited most from the rise of digital distribution.

Und Film:

If we look at movies, the numbers compiled by the industry statistics site Box Office Mojo show an average of 558 releases from American studios over the past decade, which rises to 578 if you focus on just the past five years. The average for the previous decade—before illicit movie downloads were even an option on most people’s radar—is 472 releases per year.

Natürlich entsteht ein Schaden, wenn ein Drittel des illegalen Filesharings entgangene Verkäufe sind (das ist die Zahl aus unabhängigen Studien) für Unternehmen mit Geschäftsmodellen, die nicht darauf vorbereitet sind.

Angesichts der gesamten Entwicklung der Branchen erscheinen die von ihren Lobbyisten vorangetriebenen Gesetzesvorhaben aber vollkommen unverhältnismäßig.

Die Gesetze sind sogar so unverhältnismäßig, dass sie selbst der analogiegetriebenen Wunschrealität der Lobbyisten nicht standhalten würde. Deshalb ist Hollywood gefährlich.

(via Boing Boing)

Warum Filesharing kein Diebstahl ist:

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