In Folge der Prism-Aufdeckungen fordern deutsche Innenpolitiker, Experten vom Fach wie Dieter Wiefelspütz (SPD ) und Hans-Peter Uhl (CSU), eine deutsche Alternative zu Google und vergessen dabei, bewusst oder unbewusst, die unzähligen Millionen Euro, die bereits in solche Projekte auf Deutschlandebene und EU-Ebene geflossen sind.
Stephan Dörner gibt im Techblog des Wall Street Journal Nachhilfe in Geschichte:
Gemeint ist also: Deutschland – oder zumindest Europa – sollte auf die Übermacht amerikanischer Dienste im Internet reagieren – möglicherweise auch mit staatlich geförderten Alternativen. [..] Die deutschen Subventionen sind aber bereits geflossen – und zwar in dreistelliger Millionenhöhe. Der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder und Frankreichs damaliger Staatspräsident Jacques Chirac verkündeten 2005 das gemeinsame Forschungsprojekt für Suchmaschinen-Technologie Quaero – ein europäischer Konkurrent ist dabei bis heute nicht herumgekommen. Ende 2006 zog sich Deutschland aus dem Projekt zurück und begann ein deutsches Forschungsprogramm namens Theseus. Das Programm wurde nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums mit 100 Millionen Euro gefördert und 2012 abgeschlossen, es befindet sich in der Phase der Auswertung. Es gäbe über 1.700 konkrete Ergebnisse. Darunter 130 Prototypen, knapp 60 Patente und andere geschützte Ergebnisse, 19 Standardisierungsaktivitäten, 5 Existenzgründungen und rund 900 Publikationen. Ein deutsches Google war allerdings nicht dabei.
Der Ruf nach deutschen, staatlich finanzierten Alternativen ist die Vorstufe zum unüberlegten Aktionismus: Von der Realität losgelöste Aussagen, die Schlagzeilen für uninformierte Bürger produzieren sollen, immerhin ist Bundestagswahljahr.
Selbst wenn man hinter der Aussage stehen würde, wäre der Ruf nach deutschen Alternativen – auf der gleichen Ebene der Operation und der Qualität – bestenfalls naiv. Als sei das Anbieten einer Google-Alternative nur eine Frage der Entscheidung.
Amüsant in diesem Zusammenhang natürlich immer auch die FAZ:
Der FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher ist voll auf dieser Linie und schreibt: „Das braucht Subventionen, eine Vision groß wie die Mondlandung. Aber auch das Silicon Valley ist das Ergebnis von fünfzig Jahren staatlicher Subvention.“ Tatsächlich ist das Silicon Valley vor allem ein Ergebnis enger Zusammenarbeit von US-Militär, Universitäten und Tech-Unternehmen.
Ich wiederhole meine Frage diesbezüglich gern noch einmal: Die FAZ war massgeblich daran beteiligt, das Presseleistungsschutzrecht mittels Propaganda zum Gesetz werden zu lassen. Wenn ein FAZ-Herausgeber nun in einer Welt mit dem Presseleistungsschutzrecht eine staatliche Suchmaschine fordert, fordert er dann am Ende eine staatliche Teilfinanzierung der FAZ?
by Marcel Weiß on 18. Juni 2013
in Kurz
Lesenswerte Analysen, Hintergrundberichte und interessante News:
- Bundeswirtschaftsministerium wird nicht Drosselkom-Pläne stoppen "Und Erinnerungen an Neelie Kroes werden wach. Die rennt momentan auch herum und erzählt allen, dass die EU die Netzneutralität gesetzlich festschreiben wolle. Damit meint sie aber wie Philipp Rösler nur das sogenannte Best-Effort-Internet (“das freie und offene Internet”…). Unternehmen wie die Deutsche Telekom sollen selbstverständlich noch parallele Internets betreiben dürfen, im Jargon auch Managed-Services genannt und da kann man sich natürlich auch auf die Überholspur einkaufen."
- ISPs to include porn filters as standard in UK by 2014 (Wired UK)
- Netzneutralitaet.cc – Wie die Telekom Dir ein falsches Internet unterjubeln will
- The Sony SmartWatch takes wearable tech into open-source territory
- LA Times restaurant critic gets his own Foursquare badge "Foursquare users can unlock the badge by liking the LA Times and checking in at the restaurants on Gold’s list of the top 101 restaurants in LA. To make them easier to find, the Times has created a Foursquare list that includes photos and tips from Gold. As you check in to more places on the list, you’ll unlock new levels of the badge."
- Largest Newspaper Owner In Nation Apparently Doesn’t Want To Be In Newspaper Business "To be sure, though Gannett owns 82 daily newspapers that reach nearly 12 million readers daily, the word “newspaper” was not used once in the entire 964 word press release announcing the deal. Gannett is instead a “diversified, higher-margin multi-media company” or an “international media and marketing solutions company.”" Auch deutsche Presseverlage werden bald aufhören, sich als Presseverlage zu verstehen.
- ADN’s Dalton Caldwell talks micro-blogging, mixing, and being the platform | iMore.com ADN's Dalton Caldwell talks micro-blogging, mixing, and being the platform | iMore.com
- Blindenverband pocht auf eindeutige Regelungen "Im deutschen Urheberrecht gibt es schon jetzt eine sogenannte Schrankenregelung zugunsten behinderter Menschen, die die Vervielfältigung und Verbreitung eines urheberrechtlich geschützten Werkes auch ohne Genehmigung des Rechteinhabers in einem Format erlaubt, das diesen Menschen das betreffende Werk zugänglich macht. Die Vervielfältigung darf dabei nicht Erwerbszwecken dienen und ist angemessen zu vergüten. Dies geschieht in Deutschland mit den im Verein Medibus zusammengeschlossenen Blindenhörbüchereien. Laut Deutschem Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) habe sich dieses Verfahren in Deutschland gut bewährt, nun soll es weltweite Ausnahmeregelungen geben."
- Microsoft plant 600 Windows Stores in Best-Buy-Filialen
- Dropbox bekommt schnelleres Sharing
- Handgreiflichkeiten bei Urheberrechtskonferenz | Digital Life | futurezone.at: Technology-News "Es sei eine Unverschämtheit mit Steuergeldern urheberrechtsfeindlichen Leuten ein Podium zu bieten, hatte der Musikervertreter der Tätlichkeit vorausgeschickt. Er forderte Niemann auch auf, mit ihm vor die Tür zu gehen. Der Vorfall wurde von mehreren Konferenzbesuchern beobachtet. Die futurezone konnte Skrepek am Freitag nicht für eine Stellungnahme erreichen."
- Schweden: Öffentlicher Sektor darf Google Apps nicht mehr nutzen
- Martin Lindner – Google+ – Lange nichts mehr von meinem #Buchprojekt zur Digitalen… "Es scheint so, dass die großen Verlage in 2013 nur noch 3/4 der Bücher machen, die sie 2012 gemacht haben. Der Digitale Klimawandel verhindert, dass ich mein Buch über den Klimawandel auf Papier drucken kann. (Das ist gleich mehrfach dialektisch.)"
Weitere Linktipps zu lesenswerten Artikeln.
by Marcel Weiß on 17. Juni 2013
in webware
Digg wird nächste Woche seinen eigenen Feedreader vorstellen; also kurz vor knapp, denn bereits am 1.7. wird GoogleReader eingestellt.
Digg über die Features:
Easy migration and onboarding from Google Reader.
A clean reading experience that gets out of the way and puts the focus squarely on the articles, posts, images, and videos themselves.
Useful mobile apps that sync with the web experience.
Support for key actions like subscribing, sharing, saving and organizing.
[..]
Launch is always an exciting moment, but it’s what follows that will matter most to our users. In the 60 days following launch, our focus will be on:
Android app.
Speed.
Integration with additional third party services (like Buffer, Evernote, and IFTTT).
Better tools to sort, filter and rank your reading lists and feeds, based on your networks, interests, likes, and so on.
Collecting and responding to user feedback.
Besonders spannend klingen die Filter- und Rankingoptionen.
WordPress-Macher Automattic hat die Zeichen der Zeit erkannt und die iOS-App Poster übernommen. Poster ist, im Gegensatz zur fürchterlichen offiziellen WordPress-App, eine hervorragende App zum Bloggen über das iPad (gewesen), die sich auf das Wesentliche konzentriert und genau richtig ist für das Tabletumfeld. Das in der Appwelt hinterherhinkende Automattic kann also viel von dem Macher lernen. Das ist gut.
Was aber besonders schmerzt ist, dass Poster eingestellt wird:
So what’s changing? Poster will no longer be available for purchase, but if you’ve already bought the app you’ll always be able to re-download it. I’m continuing to support it, and I’m always just an email away if you’ve got any questions.
As for me, I get to keep doing what I love: creating apps and experiences that enable and delight. The only difference is that I get new opportunities to continue to learn and develop personally and now get to work with some amazing people. I truly believe that something great will come from devoting my time and attention to Automattic.
Ich blogge seit einiger Zeit regelmäßig mit dem iPad und nutze dafür Poster. Auch dieser Artikel ist mit Poster entstanden. Mit einem Schlag hat der Appstore seine mit großem Abstand beste Bloggingapp für WordPress verloren.

Am 1.7.2013 wird der Google Reader eingestellt. Eine Übersicht über Alternativen zum Google Reader findet man hier. Carsten Pötter hat ebenfalls eine Matrix über Feedreader (Web, Mobile, Desktop, Import, Export, Sync und Preis) angelegt.
Wer sich noch nicht entscheiden kann, sollte sich zumindest einmal bei Feedly mit dem Google-Login einloggen. Feedly synchronisiert anschließend nicht nur die abonnierten Feeds und den Status der gelesenen und ungelesenen Artikel sondern auch die im GReader mit Sternen versehenen Artikel.
Das ist ein kaum Zeit in Anspruch nehmender Export der Inhalte auf GReader. Das ist kein vollwertiger Ersatz für den Export der Daten von Google direkt, aber dafür kostet es auch kaum Zeit. Feedly bietet zwar noch keinen Export für OPML an, aber die API, welche die kommende Synchronisation mit Clients wie Reeder erlaubt, dürfte dieses Problem mittelfristig lösen. (Im Notfall kann man künftig die eigenen Feeds im OPML-Format auch über einen der Clients exportieren.)
Wer sich weiter informieren will, dem sei der Tag RSS auf neunetz.com empfohlen. Ich sammele auch unter dem Tag RSS auf Pinboard.in weitere Einträge zum Thema.