Nicht ganz neu, aber niemand, mit dem ich bisher darüber geredet habe, kannte das Modell, also:
Die Artikel bei nsfwcorp.com (“The future of journalism with jokes”, ruhig anklicken, es ist trotz des Namens überwiegend safe for work) stecken teilweise hinter einer Paywall. Als Abonnent kann man sie trotzdem verlinken und Freunden zu lesen geben, indem man einen Link erzeugt, unter dem der jeweilige Artikel dann 48 Stunden lang öffentlich zugänglich ist. Hier zum Beispiel Gary Brechers Text über das Hauptproblem der Drohnen (nämlich ihren niedrigen Preis): War Nerd: The Worst Thing about Drones.
Als Abonnent kann man pro Monat zehn Links teilen. Das behebt für den Anbieter einen der zentralen Paywall-Nachteile, die Abschottung gegen das soziale Netz. Auch aus Abonnentensicht ist es angenehm, wenn man sich über die Texte mit anderen austauschen kann, anstatt nur “tja, geht halt nicht” zu sagen oder Artikel mühsam zu kopieren und als Screenshot oder PDF zu verschicken. Mir scheint das ein zukunftsträchtiges Verfahren; falls es Nachteile hat, die mir bisher verborgen geblieben sind, soll Marcel die nach seinem Urlaub erklären.
Nur so zum Spaß, meine aktuellen Buchempfehlungen in der Android-Kindle-App nach 15 Jahren Amazonkundschaft und etwa 150 Kindle-Käufen, die – man muss es eigentlich nicht dazusagen – nichts mit dem Folgenden zu tun hatten:
Plato: The Collected Works
Musil: Der Man (sic) ohne Eigenschaften
Marx: Das Kapital
Proust: A la recherche du temps perdu
Balzac: Œuvres complètes
Kafka: Sämtliche Werke
Carl von Clausewitz: Vom Kriege
Cambridge Medieval History Volumes 1-5
iRef Guide German Grammar, Kindle Edition
The Complete Aristotle
Plotinus: The Enneads
The Works of Jean-Jacques Rousseau
Und so weiter. Die Amazon-Empfehlungen waren nie gut, die Kindle-Empfehlungen waren noch schlechter, aber dieses vollständig generische Niveau ist neu. Falls jemand über Geheiminformationen aus der Amazon-Algorithmenabteilung verfügt: eine Erklärung würde mich interessieren.
Wenn ich mich mit erwachsenen Menschen über Coworking Spaces unterhalte, weiß die eine Hälfte nicht, was das ist, und die andere hält es für halt wieder so ein schillernd-sinnloses Hipster-Ding, das nur in Berlin existieren kann. Die Berichterstattung beschränkt sich bisher weitgehend auf “Viele Freiberufler fühlen sich einsam, wollen nicht alleine arbeiten” oder irgendwas mit Café Oberholz und Latte Macchiato. Dabei gäbe es über Ursachen, Folgen, Entwicklung und Ökonomie der Coworking Spaces viel zu sagen. Einiges davon wird auch gesagt, nämlich im Onlinemagazin deskmag.com, dessen Lektüre auch denen ans Herz gelegt sei, die (so wie ich bis heute Nachmittag) glauben, sie wüssten schon alles, was es über Coworking Spaces zu wissen gibt. Eine Auswahl:
- Ein bisschen Geschichte und Statistik, Stand August 2012: ”Wir zählten 1779 Coworking Spaces, 93% mehr als letztes Jahr. Knapp 700 davon befinden sich in den USA, etwas mehr als 700 in der EU. Innerhalb der Europäischen Union bleibt Deutschland mit 167 Coworking Spaces an der Spitze. Spanien und Großbritannien legten hier am stärksten zu und besitzen jetzt jeweils 114 und 98 Coworking Spaces.”
- Update, April 2013: “Mehr als 110,000 Menschen arbeiten heute in einem von knapp 2500 Coworking Spaces weltweit. Gegenüber dem Vorjahr existieren heute 83% mehr Coworking Spaces, die insgesamt 117% mehr Mitglieder betreuen! Auf Werktage umgerechnet, entstanden weltweit in den letzten zwölf Monaten täglich 4,5 neue Coworking Spaces.”
- Coworking mit Kindern: “Der Coworking Space bietet Plätze für 24 Kinder im Alter zwischen 0 und 8 Jahren und fast genauso viele Arbeitsplätze für ihre Eltern, eine Etage darüber. Mit diesem Kombikonzept räumten die Gründer Shazia Mustafa und ihr Mann, Yusuf Chadun bereits mehrere Auszeichnungen ab.”
- Kostenlose oder fast kostenlose Coworking-Plätze in den Niederlanden: “Vor vier Jahren erweiterte Seats2Meet das Konzept. Sie schufen große offene Arbeitsbereiche und luden Personen ein, ihren Laptop zu schnappen und vorbeizukommen. Darüber hinaus gibt es mittags ein Buffet sowie Tee und Kaffee so viel man möchte. Das alles steht für die Nutzer kostenlos zur Verfügung.”
Ich werde die nächsten Tage eine kleine Auszeit vom Schreiben auf neunetz.com nehmen. Im Zuge dieses so ungewöhnlichen wie mutigen Schrittes freue ich mich ankündigen zu dürfen, dass die von mir hochgeschätzte Kathrin Passig für die kommenden Tage sozusagen die Urlaubsvertretung übernehmen und hier auf neunetz.com über ihre Sicht auf die Themen schreiben wird, mit denen wir uns hier beschäftigen.
Kathrin schreibt regelmäßig an unterschiedlichen Stellen kluge Dinge über das Internet. Zuletzt gemeinsam mit Sascha Lobo in “Internet – Segen oder Fluch” (Review steht noch aus.) oder in “Standardsituationen der Technologiekritik”.
Für alle, die Kathrin noch nicht kennen, empfehle ich als erste Lektüre diesen Text von 2009 und diesen Text von vor ein paar Tagen auf Zeit Online über den Einfluss von E-Books auf ihr Leseverhalten. Sie macht außerdem das Zufallsshirt.
Kathrin Passig kann man auf den handelsüblichen Social Networks folgen: Twitter, Facebook, Google+. Eine eigene Website hat sie auch. Und last not least kann man sich auch in der Wikipedia über ihr Schaffen informieren.
by Marcel Weiß on 17. Mai 2013
in Podcast
Ich spreche mit Carsten Pötter (carstenpoetter.de, Twitter, App.net, Google+) über die Adblocker-Debatte, die wir zum Anlass nehmen, um über die grundlegende Werbemisere im Medienwandel zu sprechen. Außerdem sprechen wir über den ersten Monat von Facebook Home und Googles aktuelle Ausrichtung, die auch beim neuen Hangouts und “Google Play Music All Access” (Ernsthaft?) sichtbar wird.
Dauer: 1 Stunde, 23 Minuten
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