Was der September-Start von Netflix für deutsche TV-Sender bedeutet

Im Rahmen des Quartalsberichts hat Netflix bekanntgegeben, dass der On-Demand-Streaming-Anbieter im September nach Deutschland, Österreich, Schweiz, Frankreich, Belgien und Luxemburg kommt.

Die internationale Expansion in die genannten europäischen Länder war lang bekanntWenig überraschend verzeichnet Netflix, das im Heimtmarkt USA unangefochtener Marktführer ist, den Großteil des Wachstums mittlerweile international:

The company added 1.12 million subscribers in its international markets, compared to 610,000 a year ago, and now has 13.80 million subscribers abroad, up from 7.75 million a year ago.

Dieses Wachstumspotenzial incentiviert Netflix, auch hierzulande in den Katalog zu investieren. Man darf gespannt sein, was tatsächlich zum Start auf Netflix verfügbar sein wird.

Vor einem Jahr haben wir über die Frage debattiert, was ein starker Streaminganbieter wie Netflix für deutsche TV-Sender bedeuten kann:

 Netflix ist bekanntlich massgeblich für den Erfolg und damit das Weiterbestehen der TV-Serie “Breaking Bad” verantwortlich, die wahrscheinlich nicht allein in dieser Situation ist. Es ist somit nicht verwunderlich, dass der verhältnismäßig kleine US-Kabelsender AMC, bei dem Breaking Bad läuft, gut mit Netflix zusammen arbeitet. Dass sie statt zu einem UK-Sender zu Netflix gehen, spricht ebenfalls Bände über die Summen, die Netflix mittlerweile zahlen kann. Sie scheinen mit denen regulärer TV-Sender konkurrieren zu können.

Die langfristigen Auswirkungen dieser Entwicklungen auch etwa für den deutschen TV-Markt, der zu großen Teilen auf Lizenzen von US-Formaten angewiesen ist, werden enorm sein.

Was wenn Netflix, Amazon Instant Video, Watchever und co. zu den bevorzugten internationalen Lizenzpartnern für das US-TV werden?

Die Streamingdienste sind nicht nur in der Regel ebenso US-Unternehmen, was die Verhandlungen erleichtert. Noch wichtiger sind die strukturellen Unterschiede zwischen On-Demand-Streaming und linearem Fernsehen.

Je größer die Streamingangebote werden, desto eher werden sie die Anlaufstelle für die US-Lizenzgeber werden. Ein Amazon oder ein Netflix, dass eine Serie, sagen wir, in den 40 wichtigsten internationalen Märkten (in der Originalsprache sofort und etwas später lokalisiert) verfügbar machen kann, wird zunehmend attraktiver werden als TV-Sender, die immer nur für einzelne Märkte Lizenzen erwerben. Skaleneffekte, Transaktionskosten und die höhere Benutzerfreundlichkeit gegenüber dem linearen TV tun dann ihr Übriges.

Die Frage lautet: Wer wird in ein paar Jahren weltweit liefern können und wer wird auf den lokalen Markt beschränkt bleiben?

Watchever, mit viel Werbung in den deutschen Markt gedrückt, hat bisher keine Wellen auf dem deutschen TV-Markt machen können. Watchever-Mutter Vivendi plant Gerüchten(!) zufolge bereits wieder die Einstellung beziehungsweise den Verkauf des Streaminganbieters. Wohl weil die Zeit vor dem Netflixstart hierzulande nicht gereicht hat, um massgebliche Marktanteile aufzubauen.

Noch ist offen, mit welchem Katalog Netflix in Deutschland starten wird. In deutschen Presseartikeln zum geplanten Deutschlandstart wird impliziert, dass Netflix quasi eine vollwertige Alternative zum Fernsehen sein wird.

Das wird nicht der Fall sein.

Netflix und die Mitbewerber sind wie jeder andere Absatzkanal an die Releasefenster der Rechteinhaber gebunden. Netflix bewegt sich hier, da passt die Analogie zur Videothek wieder, ungefähr auf der zeitlichen Höhe wie die DVD. Das heißt, Serien und Filme erscheinen in der Regel frühestens zeitgleich mit der DVD-Box im Laden auch auf Netflix. Ausnahmen sind Eigenproduktionen und gesondert verhandelte Filme und Serien, bei denen sich für alle Beteiligten die Ausnahme offensichtlich lohnt. Aber es ist eben noch das: Eine Ausnahme.

Das ist jetzt noch so, wird sich aber in den nächsten Jahren, wie oben angedeutet, ändern, weil sich langsam die Verhandlungspositionen ändern werden. (Man könnte auch sagen, Netflix kann langsam immer mehr für Rechte bezahlen und eben auch immer mehr mit einem Schlag viele Märkte bedienen.)

Weil Deutschland schwach im Breitbandausbau ist, werden viele ländliche Gegenden weiter in die alte Röhre schauen müssen. Mit der steigenden Popularität von Netflix und Amazon Instant Video könnte der Druck der Bevölkerung auf Politik und Wirtschaft wachsen, dieser Misere ein Ende zu machen.

In der Zwischenzeit, also auf absehbare Zeit, wird Netflix allerdings nicht ansatzweise alle deutschen Internetnutzer bedienen können. Der adressierbare Markt könnte also kleiner sein als gemeinhin angenommen.

Die künftige Entwicklung scheint recht offensichtlich: Aus Unwissenheit schaffen die berichtenden Journalisten eine überzogene Erwartung an Netflix, die der deutsche Katalog zum Start nicht wird erfüllen können. Die vermeintliche öffentliche Enttäuschung wird dankbar von den deutschen TV-Sendern aufgenommen werden, die Netflix als unbedeutend abtun werden. Zum Teil haben sie damit auch recht. Netflix wird weder dieses noch nächstes Jahr für sie gefährlich werden. Aber das Netflix-Modell ist die Zukunft.

Der Stack der Zukunft des Fernsehen ist bereits da; und wird quasi monatlich besser. AppleTV, Chromecast, FireTV und darauf Netflix, iTunes, Google Play, Amazon Instant Video, Vimeo und last not least YouTube. Netflix wird diese Entwicklung dank eines sehr guten Gesamtangebots (das auch vor allem technisch einem Watchever haushoch überlegen ist) auch hierzulande beschleunigen.

Was heute und morgen verlacht werden wird, wird in ein paar Jahren einer der Hauptgründe sein, warum die ersten deutschen privaten TV-Sender verschwinden werden.

Buzzfeed erhält mehr Traffic von Pinterest als von Twitter

Pinterest ist zur zweitgrößten Trafficquelle nach Facebook in der Kategorie Social geworden.

Forbes:

“Pinterest is huge. It’s giant,” Nguyen says. “It’s regular. I wouldn’t say it’s predictable, because very few networks are, but it’s untapped.”

To improve its feel for how Pinterest users interact with content, Buzzfeed has an internal “Pin Ops” group whose members meets regularly and compare notes. In March, they presented some of their insights to other publishers at a conference Pinterest held for its media partners.

Der am stärksten unterschätzte Aspekt von Buzzfeed ist die folgerichtige Betrachtung der Social Networks als potenzielle Distributionsquellen, die entsprechend analysiert werden und anschließend auf diese hin optimiert wird:

Of course, Pinterest and Twitter are very different animals, so there’s no reason to treat the competition as a zero sum one — except in some ways it is. A new Harvard Business School case study on Buzzfeed includes the interesting tidbit that the site stopped showing “Tweet” buttons to readers who come from Pinterest’s desktop site because they weren’t ever getting clicked on. Instead, it started using the space to enlarge the size of the Pinterest button — and saw the rate of shares double.

Man betrachte die Entwicklung auch vor dem Hintergrund des damit nur eingeschränkt kompatiblen Urheberrechts.

Quirky Wink hat gute Chancen, die dominierende Smart-Home-Plattform zu werden

Screen shot 2014 06 23 at 10 55 18 am In der jüngsten Ausgabe der neuen Smart-Devices-Rubrik auf Exciting Commerce haben wir uns auch mit Quirky und dessen neuen Ableger Wink beschäftigt. Quirky, das wir auf Exciting Commerce seit einigen Jahren verfolgen (“Wo steht Quirky mit seiner Plattform für Produkterfindungen? ”) setzt mit Wink ein neues Unternehmen auf, das sich auf Smart-Home-Produkte konzentrieren wird. Der Grund: eine von vier Produktideen der Quirky-Community bezieht sich mittlerweile auf das vernetzte Haus. Wink wird vor allem eine Software anbieten, die eine offene Betriebssystembasis für vernetzte Heimgeräte und eine vereinende Smartphone-App zur Steuerung bieten soll. New York Times berichtet ausführlich:

“For the last year, Quirky has worked with a group of manufacturers, encouraging them to adopt its technology and approach. Fifteen companies plan to offer nearly 60 Wink-enabled products in July. The companies are as varied as giants like General Electric, Honeywell and Philips and fast-growing start-ups like Rachio. The connected products include light bulbs, video cameras, garage doors, water heaters and lawn sprinklers.”

Aber noch einmal einen Schritt zurück. Was ist Quirky überhaupt? 2014 07 21 um 10 27 55 Quirky geht seit einigen Jahren einen besonderen Weg bei dem Produktfindungsprozess. Communitymitglieder können Produktideen einreichen. Diese Produktideen, Tausende pro Woche werden eingereicht, werden anschließend von der Community bewertet. Eine Gruppe aus Branchenexperten und Communitymitgliedern entscheidet schließlich, welche der Ideen in reale Produkte übersetzt werden. Die Community wird auch bei der Umsetzung des Produkts einbezogen. Die Ideengeberin wird schließlich am Gewinn mit dem endgültigen Produkt beteiligt.

Was macht die Quirky-Tochter Wink nun so besonders?

Wie so viele Unternehmen in diesem Bereich versucht auch Wink eine verbindende Plattform für den Smart-Home-Sektor zu etablieren. Wink ist das erste Unternehmen, das dafür gut aufgestellt ist. Warum das so ist, habe ich in der Exchanges #60 ausgeführt. Hier noch einmal kurz die Gründe:

1. Wink ist weder Apple noch Google. Das macht Wink attraktiv für Hersteller wie Philips und General Electric, die keinen starken Digitalkonzern ohne Konkurrenz auf ihren Kernmärkten sehen wollen. Das ist wichtig, um eine Plattform zu etablieren, die attraktiv für die verschiedenen Seiten ist. Wink hat gute Chancen auf eine marktumfassende Kompatibilitätsgarantie (Stichwort Multihoming).

2. Direkt aus (1) folgend: Wink hat etablierte Hersteller als Partner gewinnen können. GE hat eine winkkompatible vernetzte Glühbirne für massenmarktkompatible 15$ vorgestellt. GE hat außerdem letztes Jahr 30 Millionen $ in Quirky investiert und die eigenen Patente für die Quirky-Community geöffnet.  GE ist ein extrem starker strategischer Partner für Quirky. Darüber hinaus steht Wink auch im (US-)Handel gut da: Quirkys Wink ist außerdem der Technologiepartner von Home Depot. Home Depot verkauft aktuell 600 Smart-Home-Geräte. Das ist sechs Mal mehr als vor zwei Jahren. Der Hardware-Hub wird sowohl bei Home Depot als auch bei Amazon verkauft.

3. Alle Smart-Home-Produktideen aus der Quirky-Community werden natürlich Wink-kompatibel sein. Von Quirky kommen die Innovationen, das Abseitige, das in Konzern-R&D-Abteilungen keine Chance hätte, aber vielleicht die Killeranwendung von morgen ist. Bereits heute bezieht sich eine von vier Produktideen auf Quirky auf das Smart Home, wie oben bereits erwähnt. Man sollte das nicht unterschätzen, besonders nicht auf einem Markt, der sich noch für lange Zeit in der Experimentierphase befinden wird.

Das sind die drei Säulen von Wink: Gute Ausgangslage für eine attraktive Plattform (1), Starke etablierte Partner in Produktion und Distribution (2) und einen einzigartigen Innovationsarm (3).

Eine ausführliche Einordnung von Wink findet man auch auf Wired.

Fazit: So sehen die Anfänge einer erfolgreichen Plattform aus.

Exchanges #60: Die neue Welt der Smart Devices

In den neuesten Exchanges tauchen Jochen Krisch und Marcel Weiß ein in die Welt der Smart Devices – von vernetzbaren Geräten für Haus und Hof bis hin zu Wearables und Tracking Devices. Was bedeuten diese neuen Facetten der Digitalisierung für den Handel von morgen?

Links zu den Themen hier.

Das ist eine sehr gute Folge geworden, die einen guten Einblick in einen im Entstehen begriffenen Markt gibt, der uns die nächsten Jahre intensiv beschäftigen wird.

neunetzcast 45: Jemand muss die Wohnung der Gründer putzen

Facebook und Google sind relativ junge Organisationen mit für ihr Alter bereits hoher und weiter steigender gesellschaftlicher Relevanz. Es wird Zeit, sich intensiver mit den Organisationen hinter den Produkten auseinanderzusetzen. Ich spreche mit Johannes Kleske über die Digitalkonzerne, was sie antreibt und ihre zum Teil erstaunlich abwesenden Corporate Governance-Strukturen.

Mit den deutschen Pessimisten in den Massenmedien auf der anderen Seite stellt sich in diesem Zusammenhang zunehmend die Frage, ob wir hier vor einem Krieg der Ideologien stehen, bei dem wir alle verlieren werden.

Johannes im Netz:

Links zu den Themen:

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Aktuelles 16. Juli 2014

Lesenswerte Analysen, Hintergrundberichte und interessante News:

Die Linktipps können auf Twitter und auf App.net abonniert werden.

neunetzcast 44: Wie können zeitgemäße öffentlich-rechtliche Medien aussehen?

Ich spreche mit Cay Wesnigk (u.a. AG DOK) über die aktuelle Situation des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Wie gehen die Öffentlich-Rechtlichen mit den Produzenten ihrer Werke um?  Wie gut oder schlecht sehen die deutschen Öffentlich-Rechtlichen im Vergleich mit der britischen BBC aus? Und, die wichtigste dieser Fragen in unserer Zeit: Wie könnten zeitgemäße öffentlich-rechtliche Medien aussehen?

Cay Wesnigk im Netz:

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Das Medienmärchen vom allmächtigen Google

Googlelogo

Folgt man der deutschen Debatte über Google, könnte man den Eindruck gewinnen, der Konzern beherrsche jeden Markt, in den er geht und zerdrücke jeden Konkurrenten ohne Mühe. Google ist tatsächlich ein großer und mächtiger Digitalkonzern. Und Google ist auch der einzige Konzern, der die Hybris hat, sich alles zuzutrauen.

Das heißt aber nicht, dass auch wir ihm alles zutrauen müssen.

Eher im Gegenteil. Gerade um die Schwächen eines mächtigen Players zu wissen, hilft, um mit ihm konkurrieren zu können.

Google versucht beispielsweise mit dem vorgestellten Android TV zum sechsten Mal in die TV-Geräte zu kommen. Die unterschiedlichen Richtungen, die Android und iOS nehmen, bedeuten auch, dass Googles Plattform nicht überall wird hingehen können, wo Apples iOS hingeht; und umgekehrt.

Auch die Makrosicht auf das Marktumfeld ist sinnvoll. Jörg Friedrich zieht Parallelen zwischen Microsoft und Google auf heise online:

Warum wird Microsoft heute nicht mehr als der große, böse Monopolist betrachtet, obwohl doch noch immer auf fast allen PCs das Betriebssystem der Firma läuft, obwohl PowerPoint inzwischen zum Synonym für Präsentation geworden ist, obwohl wir unsere Texte ganz selbstverständlich als Word-Dokumente verschicken?

Der Wettbewerb ist auf ganz anderen Gebieten entstanden, die Wettbewerber, die Microsoft das Leben schwer gemacht haben, waren nicht die Anbieter anderer Office-Software, sondern die, die völlig neue Handlungsmöglichkeiten eröffnet haben. Wir schreiben immer noch mit Word, und Microsoft hat viel dafür getan, dass wir uns nicht davon trennen wollen, aber die Informationen, die wir für den Text brauchen, suchen wir bei Google und mit dem Browser Chrome, und in Verbindung mit anderen bleiben wir nicht per MSN, sondern per Facebook, WhatsApp und anderen Kommunikationsmöglichkeiten.

Facebook, und nicht irgendeine neue Suchmaschine, stellt eine Disruption des Googleschen Geschäftsmodells dar.

Facebook ist eine riesige, immer größer werdende schwarze Box, in die Gogle nicht hineinschauen kann. Und Facebook bekommt Arten von Daten, die Google nicht erlangen kann. Und Facebook verdient sein Geld mit Werbung wie Google.

Aber damit nicht genug. Es ist kein Geheimnis mehr, dass sich mehr und mehr Internetnutzung auf mobile Endgeräte verlagert und in naher Zukunft die dominierende Nutzungsart sein wird.

Google hat zwar mit Android das weltweit marktführende Betriebssystem geschaffen, aber das bedeutet nicht, dass Google damit auch entsprechend Geld verdient. Google verknüpft Android mit seinen Services und übt über diese Verknüpfung Kontrolle über die Hersteller aus, weil Google in diesen Services zum einen Daten sammelt und zum anderen Werbung anzeigt. Google ist darauf angewiesen, dass irgendwo auf den Android-Geräten Google-Werbung angezeigt wird.

Deshalb wird etwa der Play Store, Googles Appstore für Android nur schleppend weiterentwickelt, wie Matthäus Krzykowski in neunetzcast 43 erzählt, weil Google selbst vom eigenen Werbegeschäftsmodell her kommend, geringe Anreize hat, die Welt der mobilen Apps voranzutreiben. Das Playstore-Team bekommt deshalb bei Google nicht die Unterstützung, die es bräuchte.

Ein Spannungsfeld: Auf der einen Seite muss Googles Android attraktiv für App-Entwickler sein, damit das OS auch attraktiv für Endnutzer ist. Auf der anderen Seite will Google nicht viele kleine Blackboxes schaffen, in die es nicht hineinschauen kann. Das ist der Hintergrund, vor dem Google auf der diesjährigen I/O die Verschmelzung von Apps und Web vorangetrieben hat. Google hätte lieber Apps, die mehr wie Websites agieren.

Deshalb verkaufen sich auch Android-Apps nicht sonderlich gut. Google treibt die Paymentoptionen nicht ausreichend voran. Statt Android-Apps, die man kaufen kann, sieht Google lieber kostenfreie Apps, die sich mit Google-Werbung refinanzieren.

Und auch hier kommt Facebook Google wieder in die Quere. Denn App-Entwickler für iOS und Android setzen mehrheitlich auf Facebook für Werbung für ihre Apps. Wie Matthäus Krzykowski in neunetzcast 43 ebenfalls ausführt, geht in der Werbewelt der mobilen Apps nichts ohne Facebook.

Aber Google kontrolliert immerhin das populärste mobile Betriebssystem, richtig?

Es ist nicht gegeben, dass das in zwei, drei Jahren noch so sein wird.

Es werden bereits 41 Prozent aller neuen Android-Geräte in China verkauft. Googles Services sind in China aber nicht präsent. Das heißt, diese Geräte basieren auf der Open-Source-Variante von Android (AOSP).

Hier aus China kommen auch die Hersteller, die Google gefährlich werden können. Xiaomi setzt auf AOSP und verkauft die eigenen Geräte auf Kostenbasis und verdient Geld mit den eigenen (Software-)Services. Xiaomi wird dieses Jahr 60 Millionen Geräte verkaufen und treibt aktuell die internationale Expansion voran.

Das macht nicht nur dem größten Android-Hersteller Samsung zu schaffen. Das wird auch Google in Bedrängnis bringen. Oder wie wir in der letzten neunetzcast-Ausgabe schlussfolgerten: Google ist im mobilen Internet auf dem Rückzug.

Google hat Allmachtsphantasien. Sie glauben, sie können alles. Es gibt keinen Grund, ihnen das zu glauben.

Aktuelles 10. Juli 2014

Lesenswerte Analysen, Hintergrundberichte und interessante News:

  • Samwer Report: Glossybox rückt erstmals Umsatzzahlen heraus “Mit 160 Mitarbeitern verschicke Glossybox jeden Monat “über 200.000 Boxen”. Im Schnitt bleiben die Abonnenten sechs bis neun Monate.Zum Vergleich: Birchbox hat inzwischen 800.000 Abonnenten und im April 60 Mio. Dollar Wachstumskapital eingesammelt, nachdem Glossybox seine 55 Mio. Euro größtenteils verbraucht haben dürfte.”
  • Über ein Dutzend smarte Geräte steuern: IFTTT wird zur Schaltzentrale für das Internet der Dinge
  • Late late majority “The CD Player reached 55% in seven years and the Boom Box about 62%. If measuring the period between 9% penetration and 90%[1] the smartphone in the US will have a lifespan of about 9 years starting in 2008. Before this period, the product was largely experimental and participating vendors[2] mostly failed. After this period most products will be “commoditized” with decreasing margins and increasing consolidation.”
  • API Documentation Change Notifications API Changelog “API Changelog monitors the docs of APIs you depend on and sends you notifications when they change.”
  • Über uns | Edition F Neues Onlinemagazin:
    “EDITION F ist das digitale Zuhause für Frauen, die mehr wollen – im Job und im Leben. Und ihre Freunde.”
  • Neuer Doppelagent der USA enttarnt. Fall noch ernster. Aber keine Panik, das sind die Guten! | netzpolitik.org “Was ist eigentlich mit der anlasslosen Massenüberwachung unserer Kommunikation durch US-Geheimdienste und ihrer Partner? Was machen wir mit diesen kriminell agierenden Geheimdiensten, die im Namen der Sicherheit nur massive Unsicherheit schaffen und unsere IT-Infrastrukturen kaputt machen?”
  • Die öffentliche Demontage von Media Saturn und Karstadt « Exciting Commerce
  • Inbox – The next-generation email platform “The core of Inbox is an open source sync engine that integrates with existing email services like Gmail, and exposes a beautiful, modern REST API. We’re pleased to announce that beginning today, you can download the Inbox engine, sync an account, and begin building on top of Inbox in your local development environment.”
  • Tablet Shipments Will Finally Overtake PCs in 2015: Report
  • Plagiatsverdächtiger zensiert Vroniplag mit Urheberrecht | Telepolis
  • Amazon’s strategy in streaming television is beginning to take shape – Quartz
  • Google Restores Some Links To Articles Removed In ‘Right To Be Forgotten’ Mess “It appears that the current “appeals” process is based on how much attention and ridiculousness happen in response to the revelations. Because late last week, Google restored some of the links for the Guardian (mainly the ones where the removals made no sense at all).Either way, this has now created quite a mess, which was easily predictable as soon as the court’s ruling came down. How anyone can think a somewhat arbitrary censorship mechanism would function smoothly is beyond me.”
  • Wie schnell kann Douglas Thalia und Christ abstoßen? “In der Sanierung muss Thalia ebenso um seine Zukunft bangen wie Weltbild. Dort hat der ausgemachte Käufer (“Weltbild geht an Paragon wie einst Neckermann an Sun Capital”) nun alle Zeit der Welt. Der zunehmend eskalierende Machtkampf um Weltbild erinnert weiter an den Fall von Neckermann.”
  • It’s getting harder to tell what’s a real Silicon Valley startup and what’s a parody “I think Parker Higgins hinted at a really useful way to think of whether an idea is ethically questionable: Namely, does it produce some kind of value for all endpoints within the service — users, contributors, suppliers, etc. — or is it just about extracting some kind of value that already exists in the system so that the founders can get rich?”
  • The Two Entrepreneurial Paths to Monopoly
  • The next phase of smartphones “Unlike the previous differences in philosophy between the platforms, which were mostly (to generalise massively) about method rather than outcome, these, especially as they evolve further over time, point to basic differences in how you do things on the two platforms, and in what it would even mean to do specific tasks on each.The user flows become different. The interaction models become different. I’ve said before that Apple’s approach is about a dumb cloud enabling rich apps while Google’s is about devices as dumb glass that are endpoints of cloud services. That’s going to lead to rather different experiences, and to ever more complex discussions within companies as to what sort of features they create across the two platforms and where they place their priorities. It also changes somewhat the character of the narrative that the generic shift of computing from local devices to the cloud is a structural problem for Apple, since what we mean, exactly, when we say ‘cloud’ on smartphones needs to be unpicked rather more.”
  • TW Reads – About that Facebook study | Third Wave GmbH “5 articles that show how to elevate a conversation about big data, the tech industry and the scientific community.”
  • Totalüberwachung: Vom vermeintlichen Fehlen der Empörung
  • AGL is a collaborative project sponsored by the… – newnetland “AGL is a collaborative project sponsored by the Linux Foundation that brings together a host of partners from the automotive industry, communications, computing hardware, academia and other sectors. The first release of the open source operating system, which appeared June 30 and is available for free online, is based on Tizen IVI, a Linux-based platform designed to provide operating system solutions for a broad range of devices, from smartphones to TVs to cars to laptops.”
    -Automotive Grade Linux Released for Open Source Cars | Open Source Application Software Companies content from The VAR Guy

    Faszinating that it is based on Samsungs Tizen. Might not amount to much. But at least there are alternatives to Apples and Googles offerings for car manufacturers.

    If I were a car manufacturer I would play the multihoming card even more heavily than what they do already.

    What I mean by that: Don’t only integrate iOS and Androids car cousins but also any viable third option.

  • CDU/CSU verspricht 2-Klassen-Netz | netzpolitik.org Die Union will keine Netzneutralität und ist für Datendiskriminierung.
  • In eigener Sache: Branchendienst für Wearable Devices geht an den Start – tragbar.technology “Unter www.tragbar.technology werden täglich interessante Links, tiefergehende Analysen und kritische Kommentare veröffentlicht.”
  • Schlecht Kopiert: Urheberrechtsreform in Österreich mit Leistungsschutzrecht | netzpolitik.org “Der einzige Unterschied ist also, dass in Österreich sogar noch die Ausnahme von kleinsten Textausschnitten (“Snippets”) beim Kopieren vergessen wurde. Darüber hinaus hat man sich in Österreich beim deutschen § 87g UrhG bedient. Wenn gut kopiert besser ist als schlecht erfunden, was ist dann in Fällen, wo (grotten)schlecht kopiert wurde?”
  • Stefan Niggemeier | Lügen fürs Leistungsschutzrecht (7) “Ich nehme nicht an, dass die Verwechslung von Google-Suche und „Google News“ ein Versehen ist. Die Darstellung, dass der Suchmaschinenkonzern im vergangenen Jahr die Verlage quasi dazu erpresst habe, ihr Einverständnis zur Anzeige von Ausschnitten ihrer Angebote zu geben, indem er drohte, dass sie sonst nicht mehr in der Google-Suche, ist zwar falsch, aber als Propaganda sehr überzeugend.”
    Es ist sehr offensichtlich, wie die Vertreter der Presseverlage absichtlich lügen. Und es ist bei diesem Thema natürlich nichts neues.

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Europäische Politiker wollen verhindern, dass Europa ‘digitale Kolonie’ der USA wird

Martialische Zusammenfassung im Guardian zur politischen Lage in Europa in digitalen Themen:

Within the salons of the Elysée Palace, along the corridors of the European parliament and under the glass dome of the Reichstag, Old Europe is preparing for a new war. This is not a battle over religion or politics, over land or natural resources. The raw material that Paris, Brussels and Berlin are mobilising to defend is the digital environment of Europe’s inhabitants; their enemies are the Silicon Valley corporations that seek to dominate it.

Interessant vor dem Hintergrund der aktuellen Anti-Google-Kampagne in den deutschen Medien:

When Germany’s chancellor, Angela Merkel, withdrew her support for Cameron in his push to promote an alternative candidate to Juncker, fingers were pointed at Döpfner, whose group publishes the influential German tabloid Bild. Döpfner is said to have persuaded Merkel to back Juncker in the belief that he would support the battle against Google.

Juncker has not publicly indulged in Google-bashing, but he has made the creation of a strong digital economy in Europe the first priority of his presidency.

Um Europäischen Digitalunternehmen eine Chance gegen ihre US-Gegenspieler und andere zu geben, scheint man in Brüssel auf einen harmonisierten, vereinheitlichten Europäischen Markt zu setzen. Die Begründung: US-Unternehmen als auch etwa chinesische Unternehmen haben große heimische Märkte, auf denen sie erst einmal Größenordnungen mit spürbaren Skaleneffekten erreichen können, bevor sie international expandieren.

Durchaus keine schlechte Argumentation. Ein stärkerer Europäischer Binnenmarkt würde nicht schaden. Aber das allein wird im globalen Wettbewerb nicht reichen.

Mehr Angst, mehr, mehr, mehr.

Vor einigen Tagen ist den sonst sehr gefassten Autoren des Perlentauchers angesichts der Einseitigkeit der öffentlichen Auseinandersetzung mit digitalen Themen doch einmal die Hutschnur geplatzt: Im Leitartikel auf der Seite 1 der FAZ möchte … [Continue reading]

neunetzcast 43: Google ist im mobilen Internet auf dem Rückzug

Ich spreche mit Matthäus Krzykowski von der Appsuchmaschine Xyo über die Welt der mobilen Apps, die Gegenwart und Zukunft der Appstores von iOS und Android, die Bedeutung von Facebook für die Verbreitung mobiler Apps und die reale Möglichkeit, dass … [Continue reading]

6. Staffel von “Community”: Auch Yahoo produziert jetzt TV-Serien

Die US-TV-Serie Community wird nach der Absetzung durch den US-Sender NBC von Yahoo reanimiert. Yahoo wird für sein eigenes Videostreamingangebot eine sechste Staffel finanzieren. Nach Amazon Instant Video und Netflix ist Yahoo damit nun der dritte … [Continue reading]

Horace Dediu: Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft durch Technologie

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Horace Dediu hat auf dem Censhare FutureDay 2014 in München über die Verbreitungszyklen verschiedener Technologien der letzten 100 Jahre gesprochen. Ein hervorragender Blick aus der Vogelperspektive auf die technologische Entwicklung, der kaum … [Continue reading]

Exchanges #57: Wie stehts um Rakuten in Deutschland?

So schwer man sich in Deutschland tut, international zählt Rakuten zu den ambitioniertesten Playern im Online-Markt. In den neuesten Exchanges lassen Jochen Krisch und Marcel Weiß die Entwicklungen der letzten Monate Revue passieren und fragen sich, … [Continue reading]

Aktuelles 3. Juli 2014

Lesenswerte Analysen, Hintergrundberichte und interessante News: Google bekommt Gesellschaft - Leistungsschutzrecht: Klagen gegen 1&1 und Yahoo Xiaomi sells 26.1 million smartphones in first half of 2014 Competing effectively against your … [Continue reading]

Auf Smartphone werden durchschnittlich pro Monat mehr Internetdienste genutzt als jemals auf dem Desktop

In einer Nielsen-Studie, hier zusammengefasst von TechCrunch, wird noch einmal deutlich welche (Mediennutzungs-)Macht Smartphones erlangen: According to Nielsen, U.S. iPhone and Android users over 18 have been increasing the time they spend using … [Continue reading]

Mediendisruption: Deutsche Presseverlage in der Dauerschleife

Robin Meyer-Lucht im Perlentaucher am 22.05.2003: Manchmal hat man den Eindruck, die deutschen Verlagshäuser würden das Internet am liebsten wieder abschaffen. Wohl kaum einem Medium misstrauen sie inzwischen mehr: Die Ratlosigkeit und Verzagtheit … [Continue reading]

Aktuelles 30. Juni 2014

Lesenswerte Analysen, Hintergrundberichte und interessante News: Eine Farce nähert sich ihrem Höhepunkt Gute Analyse zum LSR von Till Kreutzer, die allerdings völlig außer acht lässt, was im Koalitionsvertrag bereits angedeutet wird. Worum geht … [Continue reading]

Die nächste Milliarde Android-Nutzer wird für alle Beteiligten kaum profitabel sein

Ben Bajarin fasst auf Techpinions die Aussichten für Android zusammen: There are over a billion active users of Google’s version of Android. Add AOSP and we are probably in the 1.6 to 1.7 billion range of users on Android. Both will grow — however, … [Continue reading]