Vernetzte Welt #24: Google OnHub, LoRaWAN, TU Wien

Immer Dienstags erscheint an dieser Stelle eine kommentierte Übersicht zu den wichtigsten Entwicklungen und besten Analysen aus der Welt der vernetzten Geräte, dem ‚Internet der Dinge‘.
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Top-News: Google stellt mit Google OnHub eigenen Wireless-Router/künftigen Smart-Home-Hub vor

Google hat mit dem Google On Hub einen eigenen Wireless-Router vorgestellt, der bereits das Potenzial zum Smart-Home-Hub mitbringt.

Google OnHub

Ein paar Anmerkungen zu diesem bemerkenswerten Schritt:

  • Der OnHub hat eine eigene Subdomain bekommen: https://on.google.com/hub/ Ein Indiz von vielen, die darauf hindeuten, dass der OnHub nur das erste Produkt einer neuen Produktfamilie ist.
  • Google OnHub ist das erste Brillo-Device. Brillo ist die heruntergebrochene Version von Android für das Internet der Dinge. OnHub beherrscht neben Bluetooth & Wifi auch das Google-eigene Weave-Protokoll, das ebenfalls für IoT und Machine-to-Machine-Kommunikation ausgelegt ist. Siehe zu den Vorstellungen von Brillo und Weave auf der diesjährigen Google I/O auch Vernetzte Welt #14. OnHub wird also Googles Hub für das Smart Home.
  • Warum gehört OnHub nicht zu Nest und Nest nicht zur On-Familie? Hier sieht man die erste von vielen Fragen die sich der neuen Alphabet-Holding stellen werden. (Nest, das smarte Thermostat mit Smart-Home-Hub-Potential, das von Google Anfang 2014 übernommen wurde, wird unter der neuen Holding ein eigenständiges Unternehmen.)
  • Der OnHub ist so formschön wie Amazon Echo, weil er nicht im Schrank verschwinden soll, sondern für maximale Sendefähigkeit frei im (Wohn-)Zimmer stehen möchte.
  • Ein zweites Nexus Q? Der OnHub kostet 199$. Er ist auf einfache Benutzung ausgelegt. Technisch wenig Interessierte werden sich kaum einen teuren Router kaufen. Diejenigen, die interessiert sein müssen, sind early adopter des Smart Homes; tendenziell eher technisch interessierte Menschen. Die Positionierung ist also zumindest nicht offensichtlich. Das erste Kontingent für Preorders im Onlineshop von Google war aber zumindest schnell ausverkauft.
  • Google begann sein Leben im Browser, im Web. Mit Android hat Google ein erstes Mal auf die Entwicklung weg vom Browser reagiert. Der OnHub ist in dieser Linie zu sehen. Wenn immer mehr Internet-Interaktionen mit vernetzten Geräten im Smart Home stattfinden, warum sollte Google da nicht im Mittelpunkt mit einem eigenen Gerät stehen wollen? Und welche Geräte stehen mehr im Mittelpunkt des vernetzten Heims als Router und Smart-Home-Hub?

Berichte zu Google OnHub:

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Smart Home

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Wearables

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Analysen und Berichte

Schlagwort Industrie 4.0

Peter Liggesmeyer, Präsident der Gesellschaft für Informatik, im Interview im Südkurier:

Unternehmen wie Google oder Facebook sind reine Softwareunternehmen. Bei der Industrie 4.0 muss die Software mit Technologie – also mit Förderbändern, Robotern, Drehmaschinen oder Stanzen – verknüpft werden. Da sind wir in Deutschland und Europa mindestens so weit wie die USA. In diesem Bereich müssen wir uns vor den USA nicht verstecken.

  1. Software ist bis jetzt in jeder Branche, in die es eingedrungen ist, der wichtigere Bestandteil geworden, weil die größere Flexibilität flexiblere Geschäftsmodelle ermöglicht (und dem jeweiligen Softwareprovider damit die Fähigkeit verleiht, sich in eine Machtposition zu bewegen).
  2. Das profitabelste, in einer in der Wirtschaftsgeschichte einmaligen Dimension produzierte Produkt, das iPhone, wird in Kalifornien entworfen und in China hergestellt. Es gibt wenige Produkte mit einer Gewinnmarge von 40% und es gibt kein Produkt in der gesamten Wirtschaftsgeschichte, das in seiner Lebenszeit in solch hohen Stückzahlen hergestellt wurde. (Das iPhone macht beispielsweise einen höheren jährlichen Umsatz als Mercedes Benz und Audi zusammen.)

Deutschland ist ein Industrieland mit einer starken fertigenden Industrie. Aber die Herausforderungen der nächsten Jahre sind kaum zu überschätzen. Wir sollten mit den Verharmlosungen aufhören.

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TCS-Umfrage: In Reise/Transport, Medien/Unterhaltung und Industrie werden bis zu 0,6 Prozent des Umsatzes in IoT investiert

Holger Schmidt auf netzoekonom.de über eine Umfrage von TCS:

Nach einer Umfrage von TCS unter 795 Managern investieren die befragten Unternehmen aus den Bereichen Reise/Transport, Medien/Unterhaltung und Industrie mit bis zu 0,6 Prozent ihres Umsatzes vergleichsweise aggressiv ins Internet der Dinge. (Zum Vergleich: Das gesamte IT-Budget beträgt im Durchschnitt etwa 1 Prozent des Umsatzes). Etwas vorsichtiger gehen die Versorger, Banken und auch die Autohersteller zu Werke, während Versicherungen, Konsumgüterhersteller und Unternehmen aus der Öl- und Gasbranche noch recht zaghaft agieren. Regional zeigen die Amerikaner die höchste Investitionsbereitschaft, gefolgt von den Europäern und den Asiaten. Je teurer das Produkt, desto höher sind länderübergreifend die Investitionen in die neue Technik: Unternehmen, deren Produkte für 10 Millionen Dollar und mehr verkauft werden, investieren durchschnittlich 335 Millionen Dollar in das IOT. Kostet das Produkt maximal 100 Dollar, geben die Hersteller nur 39 Millionen Dollar im Durchschnitt aus.

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LoRaWAN: The Things Network in Amsterdam

LoRaWAN im Einsatz in Amsterdam: Vera Bauer auf mobilegeeks.de über The Things Network:

The Things Network ist das erste seiner Art, dass einen niedrigen Batterieverbrauch, eine geringe Bandbreite und eine hohe Reichweite hat. Die Technologie, die hier verwendet wird, nennt sich LoraWAN (Long Range Radio) und versorgt die ganze Stadt mit einem drahtlosen Signal. Im Gegensatz zu anderen smart-City-Projekten, wurde dieses hier komplett von den Bürgern der Stadt finanziert und nur in sechs Wochen zusammengesetzt.
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Alles was zu einem LoraWAN Netzwerk nötig ist, ist ein Sender, der auf der The Things Network Website auch angeboten wird. Die werden einfach auf den Hausdächern über Amsterdam verteilt und so entsteht eine Fläche aus einem allgegenwärtigen und freien Netz. LoraWAN hat eine Reichweite von 10 Kilometern und kommt damit weiter als WLAN. Die Internetgeschwindigkeit ist auf 50 kbit/s begrenzt.

Siehe auch The Next Web:

Think ’email’ rather than ‘WhatsApp’ for the Internet of Things, then. Or, as Giezeman preferred to put it, “Sigfox is like pagers and LoRaWAN is like the first mobile phones.”

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Niederländisches Mesh-Netzwerk-Startup Undagrid erhält Finanzierung von niederländischer Airline KLM und Amsterdamer Flughafen Schiphol

Tech.eu:

Dutch ‚Internet of Things‘ startup Undagrid has raised an undisclosed amount of seed funding from KLM (Royal Dutch Airlines), Amsterdam airport Schiphol, Rabobank and the Delft University of Technology – who together manage an investment fund dubbed Mainport Innovation Fund (MIF).

Undagrid basically offers a platform to connect devices with each other and the Internet. 

The company’s technology lets devices form their own self-expanding network, instantly, without any configuration or the need for any type of controller. Crucially, Undagrid claims it can work on a single battery for multiple years.

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Apple Watch lässt Verkäufe herkömmlicher Armbanduhren in USA sinken

Bloomberg:

US watch sales fell the most in seven years in June, one of the first signs Apple’s watch is eroding demand for traditional timepieces.

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Fobo Tire Plus ist ein Sensor für Autoreifen

Sendet Daten per Bluetooth an mobile App, die über Luftverlust informiert. Connectedly:

Fobo Tire Plus retails for $229, with includes four valve stem caps. While this may seem like a lot, even if it helps you detect a problem with your tires early, it can prevent further damage to the tire and will pay for itself.

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TU Wien, Bosch, Siemens: Forschungsfabrik für vernetzte Produktion gegründet

Futurezone:

Die TU Wien hat gemeinsam mit 20 Unternehmen – darunter Bosch, Siemens und SAP – eine Modell- und Forschungsfabrik auf dem Gelände der Seestadt Aspern in Wien gegründet.
In der Fabrik, die am Montag offiziell eröffnet wurde, sollen keine kommerziellen Produkte für den Markt produziert werden. „Das Produkt der Pilotfabrik ist Wissen“, erklärte der zuständige Minister Alois Stöger (SPÖ) am Montag in einer Pressekonferenz. 

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Blendle: Wer braucht ein „iTunes für Zeitungsartikel“?

blendle
Blendle ist ein bald in Deutschland startendes Angebot, in dem man publikationsübergreifend (ZEIT, Süddeutsche, Spiegel, FAZ, etc.) auf die Archive der letzten Monate zugreifen und einzelne Artikel kaufen und lesen kann. Zu Blendle zählt unter anderem auch eine Filter-/Discover-/Kurationsfunktion. Blendle kann man sich als eine Art Digitalkiosk vorstellen. Es ist quasi der wahrgewordene Wunsch des „iTunes für Zeitungsartikel“, der seit Jahren von Journalisten auf Panels zum Thema Medienwandel geäußert wird.

Felix Schwenzel über blendle.de:

dem offenen, freien netz, der linkkultur, dem offenen austausch tut ein solches angebot natürlich nicht gut, wie man an den blendle-links, die ich oben gesetzt habe sieht; 99% meiner leser schicke ich mit den links gegen eine undurchdringbare wand, weil blendle noch nicht offen ist und die wenigsten zugriff auf blendle haben. aber selbst wenn blendle endlich für jeden zugänglich sein sollte, steht vor dem lesen eine kurze anmeldeprozedur und ein geschlossenes ökosystem. exemplarisch ist dafür ein ganz ordentlich recherchierter artikel von philipp sickmann im tagesspiegel (den ich zuerst auf blendle, dank der empfehlungsfunktion, gefunden habe). sickmann fasst darin die bedenken einiger früher internetnutzer zusammen, die vor den gesellschaftlichen folgen warnen, die entstehen könnten, „wenn die Sicht auf die Welt von wenigen Diensten bestimmt wird.“ sickmann zitiert den iranischen blogger hossein derakhshan:

In seinem Beitrag „The Web We Have To Save“, erschienen auf Medium.com, kritisiert er die Entwicklungen unserer Zeit: Die vorherrschenden sozialen Netzwerke würden den Hyperlink entwerten, der allgegenwärtige Stream sei nun die dominante Form, um Informationen zu organisieren.

das schreibt er auf tagesspiegel.de, ganz ironiefrei, ohne einen einzigen link. ok, der text enthält zwei hyperlinks auf andere tagesspiegel-texte. auf blendle findet sich im text kein einziger link.

Für manche Vielleser ist Blendle sicher interessant.

Wer aber glaubt -wie sicherlich viele in der deutschen Pressebranche-, dass ein Angebot, bei dem artikelbasiert bezahlt wird, die digitale Erlös-Nadel bei klassischen Massenmedien bewegen wird, ist schief gewickelt.

Selbst wenn wir Produkte und Kostenstrukturen der klassischen Massenmedien einmal beiseite lassen (beides kaum überlebensfähig in der Zukunft), müsste eine Bezahl-Lösung für Publikumsmedien eher wie Netflix aussehen: Bündel-Abos, Flatrates. Und selbst das würde nur auf einem Niveau funktionieren, das die aktuellen Strukturen nicht tragen könnte; was uns zurück zum Anfang dieses Absatz bringt: man kann dieses Aspekte nicht beiseite lassen.

In der Schweiz sind die Presseverlage weitaus weniger interessiert als in Deutschland. Einen Unterschied wird es so oder so nicht machen.

Facebook verdrängt Google als größte Trafficquelle für US-Medien

Fortune veröffentlicht Zahlen von Parse.ly, die zeigen, dass in den USA Facebook mittlerweile Google als größte Trafficquelle für Medien verdrängt hat.Facebook Trafficquelle Nr. 1 für US-Medien

Dieses Mal ist es endgültig:

The social network took the top spot by a small amount last October, but this month’s lead is far more dramatic — and the Parse.ly CTO said that from the company’s data, it’s clear that search has hit a kind of plateau and isn’t really growing any more as a referral source for media. Meanwhile, Facebook’s influence has “shown it’s on a continued growth trajectory.”

Social Media mit Facebook als mit Abstand größtem Block ist demnach mittlerweile für 43 Prozent der Besucher im Parse.ly-Netzwerk verantwortlich, während Google auf 38 Prozent kommt. Entscheidender: Während Suche ein stabiles Niveau erreicht zu haben scheint als Trafficquelle für Medien, befindet sich Facebook weiterhin im Wachstum.

Zu den Kunden des Statistikanbieters Parse.ly zählen unter anderem Wired, The Atlantic, Reuters, Mashable, und Business Insider, und kommen insgesamt auf 6 Milliarden Pageviews pro Monat und eine Milliarde Besucher pro Monat.

Es ein Treppenwitz des Medienwandels, dass sich der Wandel der Verteilung der Besucherströme von Google (Suche) zu Facebook (Social) vollzog, als die deutschen Presseverlage ihre Zukunft im von ihnen dem Gesetzgeber diktierten Leistungsschutzrecht suchten; ein Gesetz, das praktisch ausschließlich auf Google abzielte. (und sämtliche Folgekosten für alle Beteiligten und Unbeteiligten ignorierte)

Die Passivität der deutschen Massenmedien an den Stellen, an denen es zählt (Geschäftsmodell, Inhalte), wird dafür sorgen, dass der Aufschub, den sie durch die langsame Adaption digitaler Medien in Deutschland geniesen, langfristig keine positiven Effekte haben wird.

Vernetzte Welt 23: Forschungszentrum, Versicherungen, Landwirtschaft

Immer Dienstags erscheint an dieser Stelle eine kommentierte Übersicht zu den wichtigsten Entwicklungen und besten Analysen aus der Welt der vernetzten Geräte, dem ‚Internet der Dinge‘.
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„Internet of Things (IoT) Market Ecosystem Map“

Teil des IoT-Ökosystems
Komplette Karte und Anmerkungen vom Macher der Karte hier

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Brand Eins: „Industrie 4.0: Mehr Ding als Internet“

Brand Eins fasst einige Aspekte von IoT und „Industrie 4.0“ lesenswert zusammen.

Die Verschiebung der Wertschöpfung durch die Infusion von Software wird aber auch hier (dank der befragten Experten) erheblich unterschätzt:

Im Geschäft mit Endkunden hat die Digitalisierung neue Märkte geschaffen. Es gab zuvor keine Suchmaschinen oder virtuellen sozialen Netze. Es müssen aber weiterhin Werkzeugmaschinen, Schiffe und Kraftwerke gebaut werden. Das ist ein grundlegender Unterschied – der Kern der Fertigungswelt lässt sich nicht digitalisieren.
Stefan Wolff, Gründer des Industrie- und Logistik-Datendienstleisters 4flow aus Berlin sagt es so: „Die eigentliche Wertschöpfung bleibt zum Großteil ein physischer Vorgang.“
Das industrielle Internet der Dinge ist also mehr Ding als Datennetz. Doch diejenigen, die Daten nicht nutzen, um ihr Geschäft klüger zu betreiben, werden es damit schwer haben.

Das ist zu weiten Teilen (irreführende) Beruhigung der Partner, ob Beratungskunden oder Geschäftspartner.

Siehe auch hier:

Unter Gründern und Beratern kursiert die Meinung, die Digitalisierung sei gleichbedeutend mit der Ablösung alter Geschäftsmodelle. Vollkommen neue Unternehmen übernähmen die Macht. Doch im Industrie-Geschäft hinken die ewigen Vergleiche mit Apple, Google und Facebook. Ein iPhone hat mit einem grünen Tastentelefon von Siemens auf dem Abstelltisch in der Diele nicht mehr allzu viel gemein. Die wichtigste Aufgabe einer Heizungspumpe wird aber auch in 50 Jahren noch sein, zuverlässig Wasser durch die Anlage zu pumpen. Auf dieser Kernfunktion ließen sich „hybride Geschäftsmodelle“ aufbauen, wie ten Hompel es nennt. Die industriellen Champions von heute seien dabei in einer guten Ausgangsposition.

„Hybride Geschäftsmodelle“, das was man beispielsweise im durch den Onlinehandel gebeutelten Handel Multichannel nennt, wird in über 90 Prozent der Fälle nicht funktionieren. Es wird immer Ausnahmen geben, wo die Geschäftsabläufe so fundamental sind, dass die Infusion von Software keine nennenswerten Verschiebungen in der Wertschöpfung verursacht.

Aber das sind die Ausnahmen, die Ausreisser, die weder als Best Practice noch als Analysengrundlage herhalten können. Selbst B2B-Sektoren sind nicht veränderungsresistent; es dauert ’nur‘ länger als im Endkonsumentenbereich.

Die schmerzhafte Regel sind massive Verschiebungen in den Machtverhältnissen aller Branchen weil Software flexibel macht was vorher starr war.

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Implikationen

Die Medium-Publikation Backchannel über die Implikationen einer vernetzten Welt, die unter dem Begriff „Internet der Dinge“ leicht verloren gehen können:

When we’re thinking about the IoT (and yes, I’ll use the damn term) we should really be situating it within the larger context of a global technological flourishing that’s taking place all around us. We’re seeing simultaneous, once-in-a-hundred-years technology revolutions taking place in multiple sectors, from energy and transport to manufacturing, finance and healthcare. It’s the result of an inevitable technological push that’s going to drop humanity into a sea of meshed connections, with mind-blowing consequences.

(..)

So ignore the stories about fridges speaking to your phone, or smart forks that keep track of how fast you’re eating. Just because a device can be packed with sensors and put online, doesn’t mean it actually serves a consumer purpose. Those are products driven by marketing, and they distract us from the bigger issues at stake. Once connectivity is embedded within our physical environment the use cases will be far more interesting and transformative.

Start thinking differently about the IoT. Make sure you place it within its larger technological context, and join the vanguard that’s establishing new design practices and principles for how we’re going to manage it. It’s not more of the same. It’s something new. And once we get past that stupid name, it’s going to change the world.

Man vergleiche das auch mit den Aussagen in der Brand Eins.

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„Smart City auf dem Sachsenring“

Oiger:

Nun kennt man Roboterautos zwar bereits aus US-Dokus, die Live-Vorführung in Sachsen geht aber noch einen Schritt weiter. So kann der aufgerüstete eGolf nicht nur autonom fahren und in komplizierten Verkehrssituationen ausweichen, sondern erkennt auch am Straßenrand umhertollende Kinder und verständigt sich per Funk mit intelligent vernetzten Ampeln. Dafür beklebt NXP die Taschen von Kindern und anderen Passanten mit Funkchips (RFIDs). Die wiederum verständigen sich dann drahtlos mit der Auto-Bordelektronik und einer vom Unternehmen „Dresden Elektronik“ speziell konstruierten Ampel. Schlagen die RFID-Etiketten Annäherungsalarm zur Straße („Vorsicht. Kinder kommen!“), leitet der Golf automatisch vor einem Zebrastreifen ein Bremsmanöver ein, an einer anderen Querung schaltet die Ampel für Autos auf Rot.

Wenn jede/r RFID-Chips bei sich tragen muss, um nicht von selbstfahrenden Autos überfahren zu werden, ist das Ergebnis nicht sonderlich smart (und auch nicht sonderlich beeindruckend). Das ist keine Zukunftsvision sondern eine Redundanz-Komponente.

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Die vier Datenarten im Internet der Dinge

ReadWrite identifiziert vier Datenarten im IoT: Status Data, Location Data, Personalized Data und Actionable Data.

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Neues IoT-Forschungszentrum am Georgia Tech Research Institute in Atlanta

OStatic:

The recently established Center for the Development and Application of Internet-of-Things Technologies (CDAIT) at the Georgia Institute of Technology is shaping up to be a primary research center. AirWatch, AT&T and Samsung Electronics are among the founding members of the center.
(..)
Housed at the Georgia Institute of Technology in the Georgia Tech Research Institute, the Center for the Development and Application of Internet-of-Things Technologies (CDAIT pronounced sedate) is positioned as a global, non-profit, partner-funded center located in Atlanta.

Mehr auf der Website des Forschungszentrums.

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E-Commerce of Things: Dash-Buttons und Co.

Dr. Katja Flinzner via netzaktiv.de auf T3N:

Was auf den ersten Blick nach einem Paradies für bequeme Verbraucher aussieht, ist bei näherem Hinschauen vor allem ein Geschenk des Himmels für Händler und Hersteller. Nicht nur, dass die neuen Gadgets und Geräte die perfekten Datensammler sind – eine bessere Methode zur Kundenbindung gibt es wohl nicht. Wenn an meinem Kühlschrank der Maccaroni-und-Cheese-Button von Kraft hängt, werde ich wohl kaum zum Konkurrenzprodukt greifen. Und während ich mich an den bequemen Knopfdruck gewöhne, gewöhne ich mir gleichzeitig ab, überhaupt darüber nachzudenken, wo ich die nächste Packung Windeln kaufe. Das bedeutet nicht nur, dass ich mit immer geringerer Wahrscheinlichkeit zu einem anderen Händler abwandere, sondern auch, dass Preisüberlegungen für meine Einkäufe kaum noch eine Rolle spielen.

Dash und Co. sind also in allererster Linie Kundenbindungsinstrumente par excellence.

Siehe zum Thema auch ausführlichst die Podcast-Episode Exchanges #98 („Amazons Dash-Strategie unter der Lupe“), in dem Jochen Krisch und ich die Potenziale analysieren, und Thingonomics 5, worin Martin Spindler und ich ebenfalls unter anderem über den Dash-Button sprechen.

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IoT & Versicherungen: Unausweichlich

TechCrunch über die unausweichlichen Versicherungsmodelle:

As IoT continues to explode, so too does the pool of unique data to which insurers will have access. Accenture found that 78 percent of insurance customers would be willing to share personal information with their insurance companies in return for benefits like lower premiums or faster claims settlements.

For your insurance company, data from IoT devices can offer a much more calculated look into hazard and risk based on your distinct daily behavior. That means more hard evidence to support the claims process, more information to prevent claims in the first place and a more frequent dialogue between you and your providers.

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IoT und Versicherungen II: Apple Watch und deutsche Versicherungen

Gründerszene über einen Vorstoß der Techniker Krankenkasse:

Nach der AOK Nordost will nun auch Deutschlands mitgliederstärkste gesetzliche Krankenkasse Fitness-Tracker wie die Apple Watch bezuschussen: Die Techniker Krankenkasse plant, ihren Mitgliedern einen Betrag von bis zu 250 Euro zu erstatten, sagte eine TK-Sprecherin gegenüber Gründerszene. Die Apple Watch kostet in der günstigsten Variante 399 Euro.

Das klingt nur radikal, bis man die Bedingungen sieht:

Die Mitglieder müssen vorher allerdings auch etwas für ihre Gesundheit tun: Wenn sie innerhalb eines Jahres an neun verschiedenen Maßnahmen des Bonusprogramms der Krankenkasse teilnehmen, haben sie einen Anspruch auf den Zuschuss. Darunter fallen zwei Früherkennungs- oder Vorsorgeuntersuchungen, zwei Gesundheitskurse und fünf andere Aktivitäten – etwa die aktive Mitgliedschaft in einem Sportverein oder ein Sportabzeichen.

Die Apple Watch ist nur ein besonders attraktives Zuckerli. Eine (von Beobachtern etwa befürchtete) verknüpfte Datenanalyse findet noch nicht statt (und dürfte in Deutschland auch schwierig umsetzbar sein).

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Wearables im Arbeitsbereich

The Inquirer:

Research company Tractica has said that wearables will start popping up in enterprise and industrial settings in a big way. The firm believes that wearables, much like smartphones, will ultimately become a standard integration in the office of the future as the technology improves, the market explodes and organisations realise their potential.
„Expect growth to include devices that are part of a ‚bring your own wearable‘, or BYOW, trend, as well as devices provided by employers as part of a corporate wellness programme,“ said Tractica research director Aditya Kaul.
„Smartwatches will be the largest category of workplace wearables, followed by fitness trackers and internet-connected smart glasses. Smart clothing is [also] on the horizon.“

Interessante Zahlen:

The Human Cloud at Work study by the university’s Institute of Management Studies found that wearable technologies can boost employee productivity by 8.5 percent and job satisfaction by 3.5 percent, and that each employee will create upwards of 30GB of data a week from an average of three wearable devices. This device-generated raw data can be stored and analysed by employers to understand how human behaviour and environmental properties affect productivity, performance, well-being and job satisfaction.

Auch Wearables im Arbeitsbereich werden noch zurückgehalten von fehlenden Standards:

Juniper’s report warned that, despite the UK government recently urging retailers to embrace the IoT in a bid to improve productivity, automate supply chains and boost delivery times and stock efficiencies, companies must have the right systems in place to embrace the IoT and the data it produces. And at the moment, they don’t.
The IoT’s growth is being held back by the risk of conflicting standards. Intercompatibility is a big problem in IoT application at the moment, as there are conflicting standards from many different groups all doing the same thing. However, it’s not to say that no-one is trying.

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Vernetzte Kühe

Microsoft PR:

When I get up in the morning and put on my boots, I don’t go to the stables first,” he says. “I check my PC for alerts about whether any cows are sick, and I’m in the know right away.”

The reason is a modern breakthrough for a traditional industry. SCR Dairy calls its approach “HealthyCow24,” a solution based on the Internet of Things that uses Windows Embedded software and Microsoft Azure cloud technology.

Farmer Steffen Hake and his father, Erwin, use SCR Dairy’s technology on the farm.
This cow-monitoring system gives farmers insights that can boost milk production, smooth the calving process and ensure healthier cows — all while saving time.

And time is important for farmers like Hake, who has worked on his parents’ co-op farm in Wagenfeld-Ströhen, Germany, since 2005 and now manages 240 cows with help from his father and a few other workers. He’s part of a younger, tech-savvy generation that wants to do and experience more, both on and off the farm.

„HealthyCow24“.

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Daten in der Landwirtschaft, Teil II

Noch ein weiteres Beispiel aus der Landwirtschaft in Forbes:

Take John Deere, for example.  For decades, they’ve sold the tractors that make farming on a 21st century scale easier and more profitable. But since 2012, they’ve added data connectivity to their equipment, giving farmers information about which crops to plant where and when, when and where to plow, and even the best route to take while plowing.  They are essentially now in the business of selling data as much as they are selling tractors.

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Crowdfunding-Kampagne der Woche: Mycroft, Open-Source-Alternative zu Echo

Caschys Blog:

Im Gegensatz zu dem auf Amazon-Dienste zugeschnittenem Echo, läuft Mycroft unter Open Source. Als Taktgeber haben die Entwickler sich für Raspberry Pi 2 und Arduino entschieden. Die Grundfunktionen sind also frei programmierbar, sofern entsprechende Kenntnisse vorhanden sind. Außerdem verfügt das System über integrierte Lautsprecher, über die Antworten ausgegeben werden oder Musik abgespielt werden.

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Vernetzte Welt #22: Bosch, Amazon, Daimler

Immer Dienstags erscheint an dieser Stelle eine kommentierte Übersicht zu den wichtigsten Entwicklungen und besten Analysen aus der Welt der vernetzten Geräte, dem ‚Internet der Dinge‘.
Vernetzte Welt kann per Email und per RSS-Feed abonniert werden. Achtung: ‚Vernetzte Welt‘ macht für die nächsten zwei Wochen Pause.

Erste Vermutungen, wie sich die Apple Watch auf dem Markt schlägt

Ergebnisse der jüngsten Quartalszahlen von Apple hier im Blog:

Die Apple Watch wird von Apple unter „Others“ neben unter anderem iPods und Beats-Zubehör geführt. Genaue Umsatz- und Gerätezahlen fehlen also bei dieser neuen Produktreihe.

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Bosch investiert in Zimplistic

Robert Bosch Venture Capital beteiligt sich an einer Investiontsrunde in Zimplistic, das mit Crowdfunding begonnen hat:

Zimplistic, the kitchen robotics company devoted to making healthy eating easy has completed a Series B investment round of $11.5 million from NSI Ventures and RBVC. The funds will go towards mainly the company’s fully automatic flatbread maker, Rotimatic.

Rotimatic

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Apple fordert strikte Verschlüsselung für Bluetooth-LE-Verbindungen in HomeKit

Forbes:

Apple is requiring device makers using both WiFi and Bluetooth LE to use complicated encryption with 3072-bit keys, as well as the super secure Curve25519, which is an elliptic curve used for digital signatures and exchanging encrypted keys.

“These security protocols are bleeding edge,” said Diogo Monica, a security lead at Docker and an IEEE security expert.

WiFi-enabled devices can handle these security requirements, but it seems devices running over Bluetooth LE are having some issues. The intensive processing demands for generating and sending these security keys is what’s likely causing these lag times, said Monica.

Elgato, a Munich, Germany-based electronics company, is building a line of low-energy sensors under HomeKit and is using Bluetooth LE. When the company first started, just figuring out if a door was opened or closed took 40 seconds, said Lars Felber, a spokesman for Elgato.

Auch interessant für das deutsche Elgato:

Elgato was not anticipating having to go make these modifications initially, and now the company hopes to make a side business selling its tweaks to other device makers wanting to build HomeKit devices with Bluetooth LE.

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Amazon Launchpad

Amazon startet in den USA mit Launchpad eine Sektion nur für Produkte von Startups. Natürlich gibt es bei Launchpad auch eine Unterkategorie Connected Products.

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Studie: 80 Prozent der Bundesbürger kennen das „Internet der Dinge“ nicht

Kein überraschendes Ergebnis. Ein gleiches Resultat hätte eine Umfrage mit der Frage nach dem Internet in der ersten Hälfte der 1990er Jahre ergeben.
SPON:

Ein gutes Zeichen ist, dass es offenbar nur eine Konkretisierung braucht, damit die Worthülsen verständlich werden. So wurden bei der Umfrage auch Anwendungsbeispiele zum Internet der Dinge abgefragt: vom Handy, mit dem sich die Haustechnik bedienen lässt, bis zum Auto, das sich weitgehend selbst steuert. Solche Projekte waren der Mehrheit der Befragten bekannt. Und auch von der vielleicht meistzitierten Internet-der-Dinge-Vision, dem Kühlschrank, der eigenständig Lebensmittel nachbestellt, haben bereits 44 Prozent der Befragten gehört.

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Daimler plant teilautonome LKWs

inside-it.ch:

Noch in diesem Jahr könnten auf Deutschen Autobahnen selbstfahrende Trucks unterwegs sein. Wie der Daimler-Vorstand Wolfgang Bernhard gegenüber der ‚Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung‘ sagt, hoffe der Konzern noch in diesem Jahr die Genehmigung zu bekommen. Dem Bericht zufolge plant das Unternehmen landesweite Testfahrten, die in Baden-Württemberg beginnen sollen.

heise:

Bereits Anfang Mai war ein autonomer LKW von Daimler im US-Bundesstaat Nevada für Testfahrten zugelassen worden. Der muss vom Fahrer auf den Highway gebracht werden, wo dann der Autopilot übernimmt. Viel von dem, was der Automobilhersteller auf den US-Straßen lernt, will er nun auch in Deutschland einbringen.

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Züge und Daten

Gerhard Kress, der Director of Mobility Data Services von Siemens, auf O’Reilly Radar:

A good example is the high-speed train from Madrid to Barcelona, Spain. The rail operating company, Renfe, is successfully competing with airline flight services on this route. The train service brings passengers from city center to city center in 2.5 hours, compared to a pure flight time of 1 hour 20 minutes. Part of what makes this service so competitive is the reliability of the trains. Renfe actually promises passengers a full refund for a delay of more than 15 minutes. This performance is ensured by a highly professional service organization between Siemens and Renfe (in a joint venture called Nertus), which uses sophisticated data analytics to detect upcoming failures and prevent any disruptions to the scheduled service.

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Blynk, App-UI für Rasperry Pi

Blynk ist ein Frontend in Form einer mobilen App für Raspberry Pi und Arduino:

Blynk is a Platform with iOS and Android apps to control Arduino, Raspberry Pi and the likes over the Internet.

It’s a digital dashboard where you can build a graphic interface for your project by simply dragging and dropping widgets.

Blynk

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Ist Jet.com ein erfolgversprechender Amazon-Herausforderer?

Was ist Jet.com?

Jet.com ist der große, mit viel Risikokapital, 220 Mio. $ vor dem Launch, ausgestattete neue Onlinehandelsansatz, der in den USA den Onlineriesen Amazon herausfordern soll.

jet.com

Alexander Graf auf Kassenzone über Jet.com:

In der Internetworld wird das Modell heute kurz erklärt. Jet.com ist eine Art Marktplatz mit Eintrittsgebühr (50$ im Jahr) der auf jegliche Handelsspanne verzichten will und alle Kickback Einnahmen (Affiliate Guthaben….) direkt den Kunden zuschreibt. Ok, ich schreibe hier mal “laut” mit:

Jet.com gewinnt Kunden mit dem Versprechen, dass man dort Produkte zum niedrigsten Preis kaufen kann und presst bei weiterem Wachstum so viel Handelsmarge wie möglich aus dem System, so dass strategisch weder für Hersteller, noch für Händler Sinn macht Produkte an/über Jet.com zu liefern. Für Kunden macht der Kauf solange Sinn wie das enorme Funding der Plattform in die Subventionierung des Angebotes gesteckt werden. Eine echte Kundenbindung gibt es nicht. (Die Jahresgebühr bindet mE nicht). Gut, eine ähnliche Strategie hatte Amazon auch – aber die haben das schon vor 20 Jahren gemacht und hatten keine bösartigen Wettbewerber, wie z.B. Amazon :-). Gedankliches Zwischenfazit: WTF

Jet.com ist interessant. Ich sehe es nicht so skeptisch wie Graf aus verschiedenen Gründen.

Alles im Fluß

Der Vergleich von Jochen Krisch und Alexander Graf (und Investoren) mit Costco ist naheliegend. Mitgliedergebühr, günstige Preise. Ende der Geschichte. Nun ist das aber nur die Launch-Inkarnation von Jet.com.

Ich habe mir über die Jahre der Marktbeobachtung abgewöhnt, (Tech-)Unternehmen als feste Gebilde mit fester Ausrichtung zu betrachten; was leichter gesagt als getan ist. Je länger der Betrachtungszeitraum, desto wahrscheinlicher ist die gedankliche Schublade zu eng. Besonders (aber nicht nur) im digitalen Sektor zeichnen sich erfolgreiche Angebote dadurch aus, dass sie sich im Zeitverlauf konzeptionell weiterentwickeln.

Amazon ist kein reiner Buchverkäufer mehr, Google keine reine Suchmaschine und Facebook mehr als ein Social Network und Apple mehr als ein Computerhersteller. Und Uber war nie nur als reiner Taxi-Konkurrent gedacht.

Angebote nicht als stehendes sondern als fließendes Gewässer betrachten: Den Zeitverlauf, also den Betrachtungshorizont und die unwiderrufliche Veränderung, zumindest als (strategisch wichtiges) Potenzial immer mitdenken, ist enorm wichtig.

Kein Produkt ist so anpassbar wie Software, und daraus folgend Websites, Apps, Services; auch von Onlinehändlern.

Jet.com einordnen

Diese Betrachtungsweise ist auch hilfreich, um zum Beispiel Jet.com einzuordnen.

  1. Wenn wir einen Vergleich brauchen, dann würde ich Jet.com nicht als ein neues Costco sondern eher als ein von Amazon entbündeltes Prime betrachten.

  2. Heißt also: 50$ Mitgliedsgebühr pro Jahr. Was kann man damit machen? Zunächst erst einmal niedrige Preise, weil man nicht auf die Handelsmarge angewiesen ist. Es lässt sich datengetrieben mit bereits stattfindenden Warenkorb-Optimierungen arbeiten. Prime zeigt aber auch, was noch geht: Musikstreaming, Filmstreaming, schnelle/bequeme Lieferung. Ein attraktives, im wahrsten Sinne des Wortes unvergleichliches (also unvergleichbares) Angebot.

  3. Ein von Amazon entbündeltes Prime könnte all das beispielsweise in weiten Teilen über Partnerschaften abdecken: Musikstreaming mit einem speziellen (quersubventionierten) Deal mit Rdio, Deezer oder Rhapsody, also Second-Tier-Streaminganbietern. TV mit Hulu, HBO oder Showtime, Lieferungen mit Shyp und co.

  4. Bandbreite der Preismodelle: All das kann je nach Partnerschaft im Grundangebot enthalten sein oder zusätzlich gegen eine geringere Monatsgebühr für Jet.com-Mitglieder angeboten werden. Jet.com-Mitglieder zahlen nur die Hälfte oder ein Drittel des normalen Preises für HBO Now zum Beispiel. Oder Jet.com bietet Mitgliedern ein zusätzliches Entertainment-Bündel an: Film-& Musikstreaming für die ganze Familie von vom Kunden ausgewählten Anbietern für zusätzliche 10$ im Monat. Eine ausreichende Zahl an Partnerschaften vorausgesetzt, kann Jet.com zum einen sehr attraktiv für Kunden werden, weil sich die Mitgliedsgebühr mit vergünstigten Flatrates wegkalkulieren lässt, und gleichzeitig auf der anderen Seite ein wichtiger Distributionskanal für andere Anbieter werden. (Witzigerweise wäre die Jet.com-Mitgliedsgebühr auf dieser Seite wieder ein Argument gegen die Angst vor Selbstkannibalisierung.)

  5. Es gibt hier, das dürfte nach (3) und (4) deutlich geworden sein, zumindest das Potenzial für sehr viele Experimente beim Geschäftsmodell. Das digitale Gesamtökosystem ist weit genug, um in die Hände von Jet.com zu spielen.

Diese Potenziale sprechen für Jet.com, nicht zuletzt weil es dank des vielen Risikokapitals auch ein bisschen Spielraum bekommt, diese anzugehen. (Für die für Jet.com notwendigen Größenordnungen braucht es allerdings sehr viel mehr Risikokapital.)

Was gegen Jet.com spricht:

Die von Alexander Graf angesprochenen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gegen die AGBs der Anbieter verstoßende Nutzung von Affiliategebühren, die dem Kunden als Preisnachlass zugeschrieben werden, deuten auf ein großes Problem für Jet.com hin:

Amazon ist nicht der fette Mittelsmann, dem man einfach nur die Marge wegkürzen muss.

Amazon arbeitet selbst preisfixiert und mit geringen Gewinnmargen. Da bleibt für einen Herausforderer wie Jet.com nicht viel Handlungsspielraum, um nicht nur niedrigere sondern, für das Modell wichtig, spürbar niedrigere Preise anbieten zu können. Entsprechend verzweifelt ist die Affiliate-Strategie.

Letztlich könnte das auch darauf hindeuten, dass Jet.com sich nicht zu stark über seine Position zu Amazon definieren sollte.

(Eine auch unabhängig von der konkreten Situation sinnvolle Überlegung. Man darf Amazon nicht ignorieren, aber man darf sich auch nicht hundertprozentig über einen Konkurrenten, Amazon oder ein anderes Unternehmen, definieren.)

Auf jeden Fall sollte Jet.com bald von der reinen Preisfixierung –siehe auch Grafs Argumente– weggehen und mehr mit den Bündelmöglichkeiten à la Prime spielen. Das macht die Kundenansprache weniger einfach. („Die günstigsten Preise!“ vs. „Schaut mal, was ihr hier alles für 50$ pro Jahr bekommen könnt.“) Aber das erscheint mir notwendig, weil der niedrige Preis allein an keiner Front reichen wird.

(Vernachlässigbar bei der Betrachtung erscheinen mir dagegen die zum Teil hohen Anfangsverluste pro Bestellung bei Jet.com, wenn man es als Kunde darauf anlegt. Das ist mehr oder weniger eine reine Herausforderung der Umsetzung, die man ohne konkrete Einblicke in die Prozesse nicht sinnvoll beurteilen kann. Tendenziell würde ich mir aber erst Sorgen machen, wenn das nach einem Jahr, und nicht nur direkt nach dem Start, immer noch beobachtbar ist.)

Fazit

Das alles bringt uns zu dem Blick, unter dem man Angebote wie Jet.com (und alle anderen Startups) bewerten kann: Nicht nach dem Zustand, in dem sie starten, sondern anhand der Geschwindigkeit, in der sie sich weiterentwickeln und auf die Herausforderungen des Marktes reagieren, lassen sich Unternehmen einschätzen.

Die Frage ist also: Was wird uns Jet.com in den nächsten 12 Monaten präsentieren?

Erst die Antwort auf diese Frage wird uns bei der Beantwortung der Frage in der Überschrift weiterhelfen.

3 von 4 verkauften Smartwatches in Q2 2015 waren Apple Watches

Die Marktanalysten von Strategy Analytics kommen zu dem Schluss, dass die Apple Watch aus dem Stand 75 Prozent des Smartwatch-Marktes in Q2 2015 übernommen hat:

According to the latest research from Strategy Analytics, global smartwatch shipments grew an impressive 457 percent annually to hit a record 5 million units in the second quarter of 2015. Apple Watch was the star performer, capturing a dominant 75 percent marketshare in first place.

An zweiter Stelle kommt Samsung mit 7,5 Prozent Marktanteil.

Der gesamte Smartwatch-Sektor ist, aufgrund der Apple Watch, gewachsen:

Global smartwatch shipments grew an impressive 457 percent annually from 1.0 million units in Q2 2014 to hit a record 5.3 million in Q2 2015. It was the smartwatch industry’s fastest ever growth rate. Volumes in the second quarter of 2015 were higher than for the whole of last year, when 4.6 million smartwatches shipped globally in 2014.

Es ist also für die Industrie durchaus positiv: Die Apple Watch macht den Formfaktor bekannter, vergrößert den Kuchen.

Man sollte aber die anfängliche Dominanz dieses jungen Marktes durch Apple nicht beschönigen: 3 von 4 verkauften Smartwatches in Q2 2015 waren Apple Watches.

 

(via)

Argumentationsfiguren der Urheberrechtsmaximalisten

Leonhard Dobusch auf netzpolitik.org über Argumentationslinien von Urherberechtsmaximalisten:

Jede Stärkung von Urheberrechten, sei es durch längere Schutzfristen oder durch Ausweitung des Schutzbereiches (z.B. neue Leistungsschutzrechte) wird ausschließlich positiv gesehen. Urheberrecht kann demnach nicht „zu stark“ sein und jede Einschränkung des Schutzniveaus (z.B. durch neue oder erweiterte Schrankenregelungen) wird abgelehnt bzw. als prinzipieller Angriff auf das Urheberrecht gewertet.

Eine derartige Position verkennt aber, dass es nicht nur zu wenig Schutz – häufig und oft fragwürdig als „Tragedy of the Commons“, Tragik der Allmende bechrieben –, sondern auch zu viel Schutz geben kann. Der US-Urheberrechtsforscher Michael Heller spricht in diesem Zusammenhang von „Anti-Commons“ oder „Gridlock“, der aus zu weitreichenden und verteilt gehaltenen Rechtspositionen resultiert. Fehlen bei der Tragedy of the Commons Anreize zu produzieren und kommt es deshalb zu Unterversorgung und -nutzung, führt die Tragedy of the Anti-Commons aus anderen Gründen – zu komplizierte und damit teure Rechteklärung – zu denselben negativen Ergebnissen. Ein Beispiel für Anti-Commons-Probleme sind Mashups, Klangcollagen aus einer größeren Zahl vorhandener Songs, die sich zwar wachsender Beliebtheit in sozialen Netzwerken erfreuen – David Wessel aka Mashup Germanyverfügt über mehr als 250.000 Facebook-Fans – aber mangels praktikabler Rechteklärung weder im Radio gespielt noch verkauft werden dürfen. Selbst die bloße nicht-profitorientierte Veröffentlichung ist entweder mit Abmahngefahr verbunden oder nur bis auf Widerruf durch Plattformbetreiber wie Soundcloudmöglich. Übermäßig weitreichende Urheber- und Leistungsschutzrechte führen so dazu, dass eine ganze Kunstform marginalisiert wird.

tragedy of the commons vs. tragedy of the anti-commons

Seinem Fazit kann ich nur zustimmen:

Die Penetranz und Akzeptanz urheberrechts-extremistischer Argumentationsfiguren im aktuellen Urheberrechtsdiskurs ist einer der Gründe dafür, dass jede auch noch so moderate Anpassung des Urheberrechts an die Anforderungen einer digitalen Gesellschaft unendlich schwer fällt. Es ist deshalb an der Zeit, diese Positionen als Extrempositionen zu erkennen und zu benennen.

Diese Schieflage des Diskurses wird sich aber, vor allem im von den konservativen Ländern Deutschland und Frankreich geführten Europa, auf längere Zeit nicht ändern. Dafür sind die hiesigen Industrien zu stark eingebettet und zu der Technologiesektor zu schwach.

Spannend wird es in den USA, wenn 2023 das Copyright für Mickey Mouse ausläuft. Disney wird erneut versuchen, aus diesem Grund eine Schutzfristverlängerung zu erwirken, könnte aber erstmals scheitern.

Gerücht des WSJ: Audi, BMW und Daimler kaufen Here Maps von Nokia

Es sieht so aus, als würde das deutsche Autombil-Konsortium um Audi, BMW und Mercedes tatsächlich künftig Kartenbesitzer und -betreiber sein. Wall Street Journal:

A group of German auto makers agreed to pay slightly more than €2.5 billion ($2.7 billion) for Nokia’s digital mapping service, prevailing over Silicon Valley bidders in a battle for a key enabling technology for self-driving cars.

German luxury car makers Audi, a unit of Volkswagen AG, Mercedes-Benz parent Daimler AG, and BMW AG have agreed in principle to purchase the telecommunications group’s digital mapping service Nokia Here, according to a person familiar with the situation.

Sollte der Deal zustande kommen, gibt es einiges zu analysieren. Denn es ist nicht eindeutig, ob die deutschen Automobilhersteller mit einem eigenen Kartendienst wirklich einen Vorteil im kommenden Umbruch gewinnen. (Genau so wenig lässt sich aber auch sagen, dass sie keinen eigenen Kartendienst kontrollieren müssen.)

Karten sind wichtig. Die Frage ist aber vor allem, was man mit ihnen macht.

Earnings Report Apple: iPhone 6 weiterhin hohe Verkäufe, Watch erfolgreich

Apple-Logo Apple hat im dritten Quartal 2015 erneut ein Rekordergebnis vorgelegt. Hier ein paar Zahlen und (wichtiger) Einordnungen.

Allgemeine Zahlen: iPhone dominiert, Wachstum bei Services, Verdoppelung der iPhone-Verkaufszahlen in Deutschland

Apples Q3/2015 ist gegenüber dem Vorjahr um 33 Prozent auf einen Umsatz von 49,6 Milliarden US-Dollar gewachsen.

Der Anteil des iPhones am Gesamtumsatz von Apple wächst weiter an und liegt jetzt bei 63 Prozent.

Entwicklung der iPhone-Verkäufe visualisiert:

iphoneverkäufe

Bemerkenswert auch, auf welche Größe Services (hautpsächlich Appstore und Download-Verkäufe über iTunes) gewachsen ist:

apple services

Für die Perspektive Services im Vergleich mit dem Mac:

Apple Services vs Mac

iPhoneBlog.de:

 

  • Der durchschnittliche iPhone-Verkaufspreis liegt bei 660 US-Dollar. Das sind 99 US-Dollar mehr als noch vor einem Jahr. Der Grund: das iPhone 6 Plus.
  • Erst 27-Prozent der iPhone-Bestandskunden haben das Upgrade auf einen 6/6 Plus wahrgenommen.
  • Die iPhone-Verkäufe wachsen gegenüber dem Vorjahr um 35-Prozent – dreimal stärker als die Branche insgesamt wächst. In Deutschland und Südkorea verdoppelten sich beispielsweise die Verkäufe; Indien legt um 93-Prozent zu.

 

(Hervorhebung von mir.)

Besonders die deutschen Zahlen sind interessant. Deutschland ist (war?) traditionell ein starkes Android-Land. Das könnte sich drehen, jetzt wo sich der Smartphone-Markt vom Wachstumsmarkt zum gesättigten Markt wandelt und die ‚Konkurrenz‘ nicht mehr Featurephones sondern andere Smartphones sind. (Und mehr Menschen lernen, was sie sich eigentlich von einem Smartphone wünschen.)

China bleibt, auch dank des iPhone 6 Plus, ein Wachstumstreiber:

China sales grew 112%, Asia-Pacific 26%, Europe 19%, Americas 15%, Japan 9%.

Apple Watch ein Hit

Die Apple Watch, unter „Others“ mit iPod, Apple TV und Beats-Zubehör geführt und deshalb nur mit reverse engineering analysierbar, ist ein Wearables-Hit.

The Verge:

In an interview with The New York Times, Apple CFO Luca Maestri said that sales for the Apple Watch „sales in its first nine weeks exceeded those of the iPhone and iPad in their first nine weeks of availability.“ Apple itself said that the iPad sold 3 million units in the first 11 weeks, so that gives us some kind of ballpark. More specifics may be hard to come by, though. In Apple’s press release, CEO Tim Cook said it was „a great start for Apple Watch“ and also noted that watchOS 2 would come out in the fall.

One thing we can look at is the revenue in that „Other“ category. As you can see in the chart below, Apple earned around $1.7 billion last quarter in the category. This quarter, that number jumped to $2.64 billion. That’s a big jump, and though of course we can’t say it’s all due to the Apple Watch, that’s going to be the thing everybody supposes until Apple tells us otherwise.

Marktanalyst Jan Dawson errechnet auf Basis der bekannten Daten folgende Zahlen für die Apple Watch:

$1-1.2 billion in revenue

2-3 million shipments

$400-450 ASP.

Mit mehr oder weniger einer Milliarde Umsatz in einem Quartal hat die Apple Watch in ihrem ersten Quartal mehr Stückzahlen verkauft als alle anderen Smartwatches in diesem Quartal zusammen.

Eine Milliarde $ Umsatz in einem Quartal ist (wenig überraschend) höchstwahrscheinlich ein Rekord auf dem Wearables-Markt.

Die große Frage ist natürlich auf welchem Updatezyklus die Apple Watch sich einpendeln wird. Also alle wie viele Jahre alte Geräte durch neue ersetzt werden. Die ersten Quartale des iPads lieferten höhere Verkaufszahlen als das iPhone. Die Verkaufszahlen des iPads sind in letzter Zeit aber gefallen, weil die Geräte über 3, 4 und mehr Jahre benutzt werden können. Das Leben eines iPads ist lang im Vergleich zum iPhone-Bruder, was spürbaren Einfuss auf die Verkaufszahlen hat.

Wir sind beim iPad immer noch im ersten Upgrade-Zyklus. Das werden wir bei der Apple Watch auch auf absehbare Zeit bleiben. (Unwahrscheinlich, dass die Mehrheit der Watch-Nutzer öfter neue Watches kaufen wird als iPhones. Für die nächsten 3+ Jahre sind wir jetzt im ersten Upgrade-Zyklus bei der Apple Watch.)

Alle bisherigen Earnings Reports der großen Technologie-Unternehmen auf neunetz.com findet man in dieser Übersicht.