Facebook – Die ersten Tage nach der Öffnung

Die Öffnung von Facebook hin zum ersten offenen Social Network als Plattform für Drittanbieter ist nun ein paar Tage her. In diesen Tagen hat sich bereits Einiges getan.

Bereits jetzt kann man eine beachtliche Zunahme der Funktionenvielfalt auf facebook beobachten, die jedes andere Social Network locker in den Schatten stellt. Einige der mit dem Launch gestarteten Integrationen sind erstaunlich gut in die Oberfläche eingepasst und präsentieren sich wie vollständige zusätzliche Funktionen.

Wie zum Beispiel die Integration vom Filmnetzwerk Flixster, die nebenbei facebook quasi zum vollwertigen Netzwerk für Filmfreunde aufwertet. Dabei kann Flixster mit über 10 Millionen Usern selbst bereits eine große Userzahl außerhalb von facebook vorweisen. Mit 30boxes wurde einer der besten Onlinekalender integriert, mit hotornot facebook zur Flirtseite ausgebaut (beziehungsweise das Flirtpotential erweitert..). Man liest es sicher zwischen den Zeilen heraus, ich bin begeistert.

Die zur Zeit beliebtesten Facebookfremdapplikationen

Der Musikempfehldienst iLike ist seit einigen Tagen auf Platz 1. Der mit Prä-Facebook-Zahlen von 40.000 Usern eher mäßig erfolgreiche Dienst zählt aktuell bei Facebook über 670.000 Nutzer. Das ist eine Steigerung gegenüber gestern von mehr als 200.000 Nutzern. iLike scheint auf facebook nicht mehr aufhaltbar und ist geradezu ein Paradebeispiel für den Netzwerkeffekt in full mode. Unglaublich.

Weitere erfolgreiche Applikationen sind eine Horoskopfunktion von rockyou mit über 320.000 Benutzern, Games von Bunchball mit 140.000 Usern und der Fotoeditierdienst von picnik mit über 110.000 Nutzern. All das seit letzten Donnerstag.

Die Zahlen in ein, zwei Monaten dürften interessant werden.

Skepsis und Zukunft

Facebooks Schritt wird aber nicht nur positiv gesehen. Er ist sicher ein Schritt in die richtige Richtung. Er bringt aber auch einen (verlockenden) walled Garden für die beteiligten Drittanbieter mit.

vecosys hat sich die Terms of Service für die Developer genauer angesehen und bemerkt unter anderem:

Will Facebook impose a ‘tollbooth’ or tax on successful widgets? Sure looks like they want to. Will they be building their own competitive versions? Sure looks like they want to. Can they cut you off from the platform at any time? Sure looks like they can. Can they change the ground on which you operate? Sure looks like they can.

Facebooks Vorgehen ist nachvollziehbar. Man sichert sich mit einigen der Bestimmungen in den ToS gegen mögliches Fehlverhalten der Drittanbieter ab. Diese haben auf der anderen Seite allerdings auch keinen auf ewig zugesicherten Zugang. Man könnte ausgesperrt werden wie bei bei myspace oder später um Gebühren gebeten werden. Allerdings halte ich ersteres ohne ernsthafte öffentliche Begründung von seiten facebooks für eher unwahrscheinlich, da es der aktuell eingeschlagenen Richtung von Facebook so grundlegend widersprechen würde, dass man sich da unglaubwürdig machen würde.

Auch Jochen Krisch von exciting commerce äußert hier einige Skepsis bezüglich des Nutzens der facebook-Plattform (auch die Diskussion in den Kommentaren beachten).

Allerdings sehe ich die Probleme, wie sie Jochen Krisch äußert, eher nicht so drastisch, da in der Regel die Drittanbieter auf facebook statt sich komplett darauf zu konzentrieren, lediglich ein weiteres Betätigungsfeld aufmachen (auch wenn dieses wie im Falle iLike zum Zentrum des Unternehmens werden kann). Niemand wird auf die Millionen User außerhalb von Facebook verzichten nur weil man einen besseren Zugang zu den Facebookern hat.

Interessant bleibt auf jeden Fall, ob dieser Schritt facebooks nicht langfristig zu einem Standard für offene APIs bei Social Networks führen wird. Und das wäre dann in der Tat ein Meilenstein.

 

weiterhin Lesenswertes:

hackr.de: positive Analyse, in der die Vorteile für alle Beteiligten aufgezeigt wird (hatte ich schon im Linkblog verlinkt)

readwriteweb: ‚They may well have just leap-frogged MySpace by providing an environment that encourages developers to make Facebook more useful for its users.‘

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About Marcel Weiß

Marcel Weiß, Jahrgang 1979, ist Gründer und Betreiber von neunetz.com.
Er ist Diplom-Kaufmann, lebt in Berlin und ist seit 2007 als Analyst der Internetwirtschaft aktiv. Er arbeitet als (Senior) Strategy Analyst bei Exciting Commerce, schreibt für verschiedene Publikationen, unterrichtet als Gastdozent an der Popakademie Mannheim und hält Vorträge zu Themen der digitalen Wirtschaft. Mehr zum Autor.
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