Particls – ein persönlicher Newsticker auf RSS-Basis

particls-logo

Da die Feedsmanagement-Reihe letzte Woche so viel Spaß gemacht hat, legen wir fröhlich gleich nochmal eine Schippe RSS nach.

Particls, so viel vorweg, ist eine außergewöhnliche Applikation. RSS hat in vielerlei Hinsicht die Nutzung des Webs revolutioniert. Erst mittels Webfeeds wurde es möglich, auf bequeme Art den Content von vielen Seiten, wie etwa Blogs, zu konsumieren. Aufgrund des Wechsels vom Pull- zum Pushprinzip*-also zum Content der automatisch zum Konsumenten kommt- kann man getrost bei RSS vom Newsticker des kleinen Mannes reden.

Nun denkt der gewöhnliche Nachrichtenkonsument aber bei Newstickern nicht an einen Feedreader mit einem Strauß Feedabos sondern an ein Laufband auf dem die Nachrichten an einem vorüberziehen. Genau das -und mehr- bekommt man mit Particls.

Der Newsticker und Popup-Alerts

In der Grundeinstellung startetParticls am oberen Rand des Desktops ein Laufband, das sich über alle Programme pflanzt und diese erst darunter beginnen lässt.

particls-liveticker

In diesem Ticker werden die für den Nutzer interessanten Nachrichten aufgrund der eingestellten Präferenzen des Users angezeigt (dazu gleich mehr), und laufen dort von rechts nach links. So wie man es eben von CNN, n-tv und co. kennt.

Fährt man mit der Maus über eine der Nachrichten, erscheint ein Fenster mit einem Ausschnitt aus dem zugehörigen Text. Mittels Rechtsklick lassen sich verschiedene Optionen wahrnehmen, wie etwa die Nachricht zu bookmarken oder die Quelle zu gewichten.

particls-bookmarken

Klickt man auf das Dokumentsymbol (im Screenshot links neben dem Text unter dem Kreuz für ‚gelesen‘), wird die Nachricht vom Ticker abgedockt und verbleibt im Hintergrund auf dem Desktop bis man sich mit ihr befasst.

Neben diesem Laufband gibt es noch Popup-Alerts. Diese poppen unten rechts auf. Da das für den sonstigen Arbeitsverlauf recht störend sein kann, kann man das auch abstellen bzw. hier nur die wirklich wichtigen Nachrichten anzeigen lassen.

verschiedene Level der Unterbrechung

Sowohl für die Popups als auch für den Ticker lässt sich einstellen, welche Nachrichten angezeigt werden sollen. Die Abstufungen reichen von „only very important“ bis hin zum kompletten Abstellen des jeweiligen Outputmoduls. So kann man lediglich den Ticker laufen lassen und die Popups ausschalten, oder umgekehrt. Je nach eigenen Vorlieben.

Da besonders ein mit ständigen Bewegungen versehenes Objekt auf dem Monitor als auch Popups je nach aktueller Aktivität störend bzw. ablenkend sein können, sind diese detaillierten Einstellungen äußerst nützlich.

Tracking von Content

Particls erlaubt unterschiedliche Möglichkeiten, Webcontent zu tracken. Man kann die eigene OPML-Datei importieren. Außerdem kann man eine Liste von Stichwörtern eingeben, nach denen Particls dann das Netz durchsucht und entsprechende Nachrichten anzeigt. Analog gibt es auch eine Blacklist für Nachrichten mit Stichwörtern, die nicht angezeigt werden sollen.

Nach einer gewissen Zeit fängt Particls an, nach den Vorlieben des Nutzers neue Feeds zu abonnieren. Diese und die anderweitig importierten Quellen kann man in den Optionen bearbeiten und gewichten. Leider funktioniert das aus welchem Grund auch immer noch nicht zu jeder Zeit (beta..). Was etwas frustrierend sein kann.

Aussichten

Da Particls als Plattform angelegt ist, können Entwickler von außerhalb eigene Input- und Outputadapter entwickeln. Das könnte recht interessant werden. Davon abgesehen, ist Particls auch allein schon auf dem Weg zu einem unverzichtbaren Werkzeug für Informationbroker aller Art zu werden.

Fazit

Particls ist sicher nicht etwas für Jeden. Journalisten, professionelle und semiprofessionelle Blogger, und Newsjunkies generell, dürften mit Particls ihre helle Freude haben. Diese können ein sehr personalisiertes Nachrichtensystem aufbauen, das weit über die Möglichkeiten herkömmlicher Newsreader hinausgeht.

Particls muss man in diesem Zusammenhang auch als Zusatz zum normalen Feedreader verstehen. Ersetzen kann und will es diesen nicht.

Ich nutze Particls nun seit gut 2 Monaten. In der Regel habe ich nur die Popups aktiv. Und diese auf ‚only very important‘ eingestellt. Würde ich zu einem der oben genannten Typen zählen, was ich nicht tue (auch wenn mich sicher der Eine oder Andere zum letztgenannten Typus zählt), würde ich Particls bei meiner täglichen Arbeit am Rechner öfter und wesentlich intensiver einsetzen.

Particls ist seit dem 28. Mai in der Public Beta. Seit der Private Beta habe ich aber keine nennenswerten Verbesserungen auf der Oberfläche feststellen können. Unter der Oberfläche allerdings schon: Besonders das Tracken auch nichtenglischen Contents, also hier des deutschsprachigen, funktioniert mittlerweile recht gut.

Ich hoffe, dass die vereinzelten, seht störenden Bugs bald behoben werden, denn Particls ist ein einzigartiges, sehr vielversprechendes Konzept.

Particls ist aktuell Windows only.

weitere Links und Artikel zu Particls

ausführliches Review auf read/writeweb

Review auf Techcrunch

ein Video in dem Particls vorgestellt wird (leider etwas langwierige Einleitung)

Screencasts über die Particlsseite

 


*Technisch gesehen gehören zwar auch Webfeeds zum Pullprinzip, da der Feedreader den Server nach neuem Content abfragt und nicht umgekehrt. Da das aber in der Regel im Hintergrund ohne Zutun des Nutzers abläuft, kann das von der Nutzung her dem Pushprinzip zugeordnet werden.

[tags]Particls, rss[/tags]

About Marcel Weiß

Marcel Weiß, Jahrgang 1979, ist Gründer und Betreiber von neunetz.com.
Er ist Diplom-Kaufmann, lebt in Berlin und ist seit 2007 als Analyst der Internetwirtschaft aktiv. Er arbeitet als (Senior) Strategy Analyst bei Exciting Commerce, schreibt für verschiedene Publikationen, unterrichtet als Gastdozent an der Popakademie Mannheim und hält Vorträge zu Themen der digitalen Wirtschaft. Mehr zum Autor.
Marcel Weiß auf Twitter und auf Facebook abonnieren. (Mehr)