Kampf der Contentindustrie gegen illegales Filesharing wird härter

Heute live von den Fronten in den USA, Belgien und Deutschland.

Media Defender, ein Unternehmen, das im Auftrag für die amerikanische Filmindustrievereinigung MPAA illegalen Movietradern das Handwerk legen soll, schreckt auch nicht vor dem Verletzen der Privatsphäre der vermeintlichen Todfeinde zurück:

The site, MiiVi.com, complete with a user registration, forum, and „family filter“, offers complete downloads of movies and „fast and easy video downloading all in one great site.“ But that’s not all; MiiVi also offers client software to speed up the downloading process. The only catch is, after it’s installed, it searches your computer for other copyrighted files and reports back.

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Da wird eine Fakeseite eingerichtet auf der u.A. eine Software angeboten wird, welche hinterrücks die Festplatte der Opfer durchwühlt. holy crap.

Zum Glück war man dumm genug, die Seite auf Media Defender selbst zu registrieren. Was wiederrum über eine whois-Anfrage die ganze Sachlage leicht aufdeckte. miivi.com ist zur Zeit unten.

Die Administratoren der Piratebay sind nicht sonderlich begeistert von der ganzen Geschichte, indeed die sind ganz schön angefressen, und wollen Media Defender jetzt lieber pleite alles andere sehen. Media Defender soll jetzt der Zugang zu den Piratebay-Trackern (zwecks Mitschneiden der IP-Adressen der User) endgültig verwehrt werden. Notfalls auf rechtlichem Weg:

Companies like Media Defender (who have already had their attention drawn to the changes) should take extra care to read this part of the Usage Policy.

“The tracker may not be used by anyone with the intention to track usage, log ip addresses/usage or anything else that we consider intrusion of privacy or disruption of tracker service. If you are not sure if this would be the case for your usage, please contact us in order to get our permission.”

Brokep has informed Media Defender that if they manage to access the tracker, they will be breaking the terms of the Usage Policy and unfortunately, The Pirate Bay will have no choice but to invoice them at the following rates:

Basic Fee: EUR 5000
plus bandwidth
plus other costs that may arise due to the violation.

 

On related news:

In Belgien hat ein Gericht entschieden, dass Internetprovider gezwungen werden können, den durch ihre Leitungen gehenden Traffic zu beobachten. Und notfalls müssen die Provider urheberrechtlich geschütztes Material in P2P-Börsen filtern bzw. blocken. Was ist gleich nochmal das belgische Wort für Verhältnismäßigkeit?

 

-In Deutschland verabschiedete der Bundestag heute den 2. Korb der Urheberrechtsnovelle:

Eine durchsetzungsfähige Privatkopie gibt es immer noch nicht. Verbraucher dürfen immer noch nicht souverän mit kopiergeschützten Medien umgehen. Die analoge Privatkopie ist durchsetzbar, die digitale nicht. Verbraucherinteressen spielen hier keine Rolle. Stattdessen werden alte Geschäftsmodelle geschützt.[..]

Durch die Änderung soll es jetzt auch möglich sein, den Download zu bekämpfen. Das Justizministerium hatte eine “Bagatellklausel” in den Gesetzesentwurf aufgenommen, damit junge Menschen nicht für den unerlaubten Download eines Songs strafrechtlich belangt werden können. Die Union hat sich aber zusammen mit der Lobby durchgesetzt und die Bagatellklausel ist raus. [..]

Die “EU Richtlinie zur Durchsetzung von Geistigen Eigentum” wird gerade debattiert. Die Lobbys der Unterhaltungsindustrie möchte zusammen mit der Union ein Auskunftsrecht ohne Richtervorbehalt schaffen. Die Musikindustrie möchte bei Urheberrechtsverletzungen direkt vom Provider Auskunft erhalten, wer hinter einer IP-Adresse sitzt. Der Richter und der Rechtsstaat stären da nur. Und damit man auch ausreichend Datenmaterial zur Verfügung hat, möchte man auch wiederum auf die Daten der Vorratsdatenspeicherung zugreifen können.

(Hervorhebungen von mir)

Jesus fucking Christ on a bike.

 

Moral dieser 3 Geschichten:

Man kommt auch mit dem größten Unsinn durch, solang man nur mittels umfangreicher Lobbyarbeit den Gesetzgeber auf seiner Seite weiß.

About Marcel Weiß

Marcel Weiß, Jahrgang 1979, ist Gründer und Betreiber von neunetz.com.
Er ist Diplom-Kaufmann, lebt in Berlin und ist seit 2007 als Analyst der Internetwirtschaft aktiv. Er arbeitet als (Senior) Strategy Analyst bei Exciting Commerce, schreibt für verschiedene Publikationen, unterrichtet als Gastdozent an der Popakademie Mannheim und hält Vorträge zu Themen der digitalen Wirtschaft. Mehr zum Autor.
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  • P2P? AB INS AUSLAND!
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    Tja, dann werde ich wohl den Zugangspunkt zum öffentlichen Netz ins Ausland verlegen. Dahin, wo man nicht zum gläsernen Surfer wird.

    Nach Schweden: [www.relakks.com]
    Oder in die Schweiz: [www.swissvpn.net]