Flock- der Browser des Social Web jetzt in Version 0.9

Der Webbrowser Flock basiert auf Mozilla Firefox. Während die Rendering Engine Gecko vollständig übernommen wurde, sind andere Teile des Browsers wie das GUI oder die Einbindung einzelner Webdienste grundlegend anders und machen Flock zu dem was es ist oder zumindest sein will: _Der_ Browser des Web2.0.

You’ve come a long way, Baby

Flock startete 2005, und damit in der Webzeitrechnung vor einem halben Dutzend Äonen. Damals war der Hype um Flock groß.

Es war der erste Browser, der einen eingebauten Blogeditor hatte. Die späteren Firefoxerweiterungen zum Bloggen direkt im Browser bauten zum Teil auf diesen Blogeditor auf. Eine weitere Neuerung war die Einbindung von del.icio.us. Man konnte gleichzeitig Seiten lokal und auf seinem del.icio.us-Account ablegen. Auch ein Feedreader gehörte von Anfang an zu Flock dazu. So weit, so zwonullig.

Irgendwann wurden die meisten der Neuerungen von Flock als Erweiterungen für Firefox umgesetzt. Im Falle von del.icio.us sogar mit einer Fülle an Alternativen, die keine Wünsche offen liesen -abgesehen von Flocks Synchronisation und der auf Tags basierten lokalen Ablage.

Diese Entwicklung und die Tatsache dass es in den Folgejahren bis vor ein paar Tagen eher ruhig um Flock geworden war, lies die Frage aufkommen, ob Flock es überhaupt bis zur 1.0 schaffen wird.

Nun, mit 0.9 ist auf jeden Fall eine größeres Release veröffentlicht worden, das eine deutliche Weiterentwicklung aufzeigt. Ob das reicht, Flock genügend Fahrwasser für die nächsten Monate bis zur im Herbst geplanten 1.0-Version und darüber hinaus zu geben, wird sich zeigen.

Neues und Altes in 0.9

Besonders das GUI hat in 0.9 eine Generalüberholung bekommen. Die flockspeziellen Funktionen findet man jetzt aufgereiht links neben der Lesezeichenleiste.

flock-myworld2

Als da wären:

  • Myworld (siehe Screenshot): Eine Startseite, auf der eine Art Übersicht geschaffen werden soll. Neben den häufig angeklickten FavoriteSites, werden neue Feeditems und Media-Items, wie Videos und Fotos angezeigt. Letztere kommen von den Accounts auf den Foto- oder Videoseiten.
  • Mediabar: Bei Anklicken wird eine zusätzliche Leiste zwischen Fenster und Lesezeichenleiste geöffnet. In dieser kann man durch die Fotos und Videos von sich und seinen Freunden scrollen. (unterstützte Dienste: Photobucket, Flickr und Youtube)
  • Favorite Sites: In einer Sidebar findet man die abgelegten Bookmarks. Lokal und auf den genutzten Diensten. Unterstützt wird neben del.icio.us jetzt auch Ma.gnolia .
  • Accounts and Services: Ebenfalls in einer Sidebar kann man seine Accounts verwalten.
  • die zum Feedreader gehörende Feedbar
  • Web Clipboard: ebenfalls eine Sidebar. In diese kann man per drag and drop alles reinwerfen, was einem beim Surfen über den Weg läuft. Nützlich wenn man später drüber bloggen will:
  • Blog Editor: Seit ich glaube 0.7 als eigenständiges Fenster ist der Blogeditor in meinen Augen immer noch ein Highlight von Flock. Alles was nicht bei 3 auf den Bäumen ist, lässt sich mit Flock im Handumdrehen bloggen. Man kann jederzeit im Kontextmenü ‚Blog this‘ auswählen und, well, das dann bloggen. Ebenfalls wieder recht nützlich: alles auch per drag&drop ins Editorfenster hievbar.
  • Uploader: Bequemes Hochladen von Fotos usw.

 

Der flockinterne Feedreader ist nett aber das war’s dann auch schon. Hier hat sich seit den Vorversionen nicht sonderlich viel getan. Man kann die Feeds auf verschiedene Arten anzeigen lassen und das Abonnieren geht auch flink von der Hand. Aber das Alles reicht zumindest mir nicht, da mir, die Älteren unter Euch werden es bereits ahnen, ein anderer Feedreader etwas besser gefällt .

flock-feeds

 

Firefoxerweiterungen funktionieren mittlerweile zum Großteil auch in Flock, ohne dass Anpassungen nötig wären. Von den von mir getesteten Erweiterungen verweigerte lediglich Noscript die Zusammenarbeit. Störriges Ding.

 

Fazit

Ich bin mir noch nicht sicher, ob mir die neue Oberfläche gefällt. Miss pixelgraphix mag sie nicht. Zumindest bei der myworld-Seite muss ich ihr zustimmen: in der aktuellen Inkarnation ist die Seite nicht sonderlich gut gelungen.

Den Rest finde ich nicht schlecht. Allerdings habe ich Bedenken, dass Flock so wie es jetzt ist, bei normalsterblichen Surfern Anklang finden würde. Auch wenn das Flockteam es sichtlich vermeiden wollte: Flock ist ziemlich geeky, vielleicht noch mehr als das vorher schon der Fall war.

Das wahre Problem liegt aber unter der Haube: Das Hauptproblem war und ist die Unterstützung von nur einigen wenigen Diensten. Der Longtail des Web2.0 wird völlig außer acht gelassen. Und so bleibt Flock eben für eine Menge von Usern uninteressant.

Was Flock dringend braucht, ist eine zusätzliche Schnittstelle, so dass Drittentwickler weitere Dienste einbinden können. Die Schnittstelle für Firefox-Erweiterungen reicht hierfür nicht aus. Die in Flock eingebundenen Dienste greifen tiefer in den Browser ein als es die Erweiterungen bei Firefox je könnten. Das Einbinden ist vom Flockteam selbst aber nicht allein zu bewerkstelligen. Notwendig für den Erfolg ist es dennoch. Denn erst wenn eine signifikante Zahl von Diensten unterstützt wird, kann das Konzept Flock seine wahre Pracht entfalten.

Schließlich ist das Zusammenführen der social Puzzleteile nachwievor ein ungelöstes Problem.

P.S.: Ironie des Schicksals: Es zeichnet sich ab, dass bei vielen Aspekten der größte Konkurrent von Flock um die Lösung dieses Problems kein Browser sondern mit Facebook ein Social Network sein wird .

weitere Artikel:

Ausführliches Review von Flock 0.9 auf readwriteweb

und auf deutsch bei pixelgraphix

[tags]Flock[/tags]

About Marcel Weiß

Marcel Weiß, Jahrgang 1979, ist Gründer und Betreiber von neunetz.com.
Er ist Diplom-Kaufmann, lebt in Berlin und ist seit 2007 als Analyst der Internetwirtschaft aktiv. Er arbeitet als (Senior) Strategy Analyst bei Exciting Commerce, schreibt für verschiedene Publikationen, unterrichtet als Gastdozent an der Popakademie Mannheim und hält Vorträge zu Themen der digitalen Wirtschaft. Mehr zum Autor.
Marcel Weiß auf Twitter und auf Facebook abonnieren. (Mehr)