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Deutsche Startups auf US-Blogs – bringt’s was?

Martin von zweinull.cc meint :

Für viele Internetstartups aus dem deutschen Sprachraum kommt es einem Ritterschlag gleich, bei einem der einflussreichen englischsprachigen Web 2.0 Blogs vorgestellt zu werden.

und schaut sich daraufhin die Archive der großen Techblogs an und erstellt eine Liste der Artikel über deutsche Startups an diesen Stellen.

Allerdings frage ich mich, ob ein Artikel auf Techcrunch und co. -zumal über ein ausländiges Startup- noch so viel bringt, wie vor ein oder zwei Jahren. Markus stellt zu recht in den Kommentaren auf zweinull.cc die Vermutung auf:

Man müsste sich fast einmal anschauen, welchen impact eine TC oder Mashable Review hat, die Zeiten wo man sich automatisch high fives geben konnte sind glaub ich vorbei

Das vermute ich auch. Warum?

 

den Wald vor lauter Bäumen

Zum Einen sind nahezu alle großen Techblogs, Techcrunch, gigaom, readwriteweb, mashable, die vor zwei Jahren noch Einmannshows waren, heute Gruppenblogs. Mit entsprechend gestiegenem Output ( Besonders mashable tut sich als Pressemitteilungsschleuder hervor, mit angeschlossenem extremsten Linkbaiting mit deren Listenpostings; aber das ist eine andere Geschichte).

Das heißt, man muss heute viel mehr herausstechen, um die Leser der Techblogs hinterm Geekofen hervorlocken zu können. Natürlich brauchte es schon immer Qualität um irgendwo hinzukommen, aber die Messlatte liegt mittlerweile höher. Und nur weil man auf Techcrunch gereviewt wird, melden sich die User nicht mehr hordenweise an (Es gab tatsächlich eine Zeit, da habe ich 90% der auf Techcrunch vorgestellten Seiten ausgetestet).

Ich denke, was man vor 2 Jahren mit einem Techcrunchposting erreichte (an Neuanmeldungen), erreicht man heute nur noch, wenn man auf TC, RWW und Mashable genannt wird. Trotz einer um ein Vielfaches größeren Leserschaft. Aber erst so entsteht eine gewisse -tatsächliche oder eingebildete- Relevanz. Ironisch, oder?

 

a little bit Sättigung

Es gibt noch mehr Gründe, die ein Artikel heute auf einem großen US-Techblog kein highfive mehr rechtfertigen lässt (oder maximal ein einziges highfive).

Eine gewisse Sättigung bei den Grundformen der neuen Dienste hat sich eingestellt. Grundbedürfnisse wie beispielsweise Onlinebookmarking werden nicht perfekt, aber doch recht gut abgedeckt. Natürlich kann man auch hier noch scoren. Aber Jeder, der der Meinung ist, sich da zu behaupten, sei heute nicht um ein Vielfaches schwerer als noch vor 1, 2 Jahren, hat keine Ahnung vom Markt. Eintrittsbarrieren werden höher.

Hinzu kommt das social burnout syndrom. Die schnellen Early Adopters suchen mittlerweile Dienste, die vorhandene zusammenführen um wieder wertvolle Freizeit aufzutauen. Wer heute mit Diensten kommt, die vielleicht hilfreich sind, aber bereits von anderen zum Teil abgedeckt werden, wird es schwer haben, sich ohne einen Großteil der Early Adopters durchzusetzen. Und die springen nach hunderten von Seiten auf denen sie sich mal angemeldet haben, heute nicht mehr so behende hin und her wie früher.

In vielen Bereichen im Web2.0 findet eine Konsolidierung statt. Grundbedürfnisse vieler Netizens sind abgedeckt. User-Erdrutsche durch einzelne Techblogartikel dürften heute weitaus seltener sein .

Eine interessante Entwicklung: Die Aufmerksamkeitsökonomie ist hier in vollem Gange. Das Erzeugen von Aufmerksamkeit ist heute weitaus schwieriger, aufwendiger und ungewisser als die eigentlichen ‘harten’ Kosten (für Server, Personal usw.). Nicht unbedingt teurer, denn man kann keine kaum teure Werbeplätze kaufen die automatisch zum Erfolg führen.

 

Fazit

Vielleicht sehe ich die Entwicklung ein wenig übertrieben. Man berichtige mich gern. Aber ich glaube, dass heute ein Indiz für einen Erfolg eher daran erkennbar ist, wenn es ein Artikel zu einem Startup auf Memetrackern wie Techmeme nach oben schafft, als an einem oder zwei Artikeln auf Techcrunch und co.

Erst ein solcher Artikel führt natürlich zur Erwähnung auf einem Memetracker. Aber er ist heute nicht mehr allein der implizierte ‘Ritterschlag’.

Wieviele deutsche Startups haben es auf Techmeme geschafft?

 


Und bevor man mich falsch versteht: Es gibt trotzdem keine Internet-Blase .

 

—-
P.S.: Als ich die Überschrift schrieb und den Artikel veröffentlichte, übersah ich in der Eile leider, dass einige der englischsprachigen Techblogs gar nicht aus den USA sind: zB. readwriteweb (Neuseeland) und Mashable (UK wenn mich nicht alles täuscht). Nur um Besserwisserkommentaren vorzubeugen. ;)

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    Marcel Weiß, Jahrgang 1979, ist Gründer und Betreiber von neunetz.com.
    Er ist Diplom-Kaufmann und lebt in Berlin. Marcel Weiß ist seit 2007 als Analyst zu Themen der Internetwirtschaft aktiv. Er ist einer der Autoren bei Exciting Commerce. Artikel vom ihm erscheinen unter anderem in Publikationen wie "Musikmarkt" und "Der Freitag". Texte von ihm sind erschienen unter anderem in "Medienwandel kompakt 2008-2010" und im beim Springer Vieweg Verlag verlegten "Erfolgreich publizieren im Zeitalter des E-Books". Er unterrichtet als Gastdozent an der Popakademie Mannheim und hält Vorträge zu Themen der digitalen Wirtschaft. Mehr zum Autor.
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