Google wird Facebook folgen und sich noch weiter öffnen

wowhsa! Jetzt schau ich noch kurz auf Techmeme und dort springt mir ein Techcrunchartikel ins Gesicht, der es in sich hat:

Yesterday a select group of fifteen or so industry luminaries attended a highly confidential meeting at Google’s headquarters in Mountain View to discuss the company’s upcoming plans to address the “Facebook issue.”

[..]

Google’s goal – to fight Facebook by being even more open than the Facebook Platform. If Facebook is 98% open, Google wants to be 100%.
The short version: Google will announce a new set of APIs on November 5 that will allow developers to leverage Google’s social graph data. They’ll start with Orkut and iGoogle (Google’s personalized home page), and expand from there to include Gmail, Google Talk and other Google services over time.

Holy frekkin cow!

Das ging schnell. Noch bevor myspace den angekündigten Schritt in diese Richtung macht, will Google facebook folgen, bah! es überholen!, und seine SocialGraph-Daten von Orkut und später der gesamten Googleproduktpalette per API Drittanbietern zur Verfügung stellen:

In the long run, Google seems to be planning to add a social layer on top of the entire suite of Google services, with Orkut as their initial main source of social graph information and, as I said above, possibly adding third party networks to the back end as well. Social networks would have little choice but to participate to get additional distribution and attention.

Das heißt also, auch wenn man Orkut jetzt nicht benutzt und das auch nicht plant, könnte sich das bald ändern. Googles Social Network könnte innerhalb kurzer Zeit zum Kleber werden, der alle anderen Googledienste und den Mehrnutzen durch die Öffnung zusammenhält, und das alles noch mit Diensten von außerhalb kommunizieren lässt.

Mit Googles Standing und Bekanntheit im Mainstream und einer Öffnung, die tatsächlich noch die von Facebook wie geplant übersteigen würde, könnte Orkut gar zum zugrundeliegenden verbindenden Element zwischen den ganzen kleinen, mittelgroßen und letztlich ganz großen Social Networks werden. Man stelle sich eine Art OpenID/PortableSN-Grundlage unter der Fuchtel von Google vor. Meine Fresse, wenn wir nicht aufpassen, ist das das tatsächliche Ende des Internets, das auch ohne Google noch funktionieren könnte.

Denn das Interessante liegt ja nicht unbedingt nur beim mäßig erfolgreichen Orkut und dessen Einsatzmöglichkeiten mit der Öffnung. Sondern auch in der Möglichkeit, Dienste wie GMail und den GoogleReader Drittanbietern zu öffnen. GMail mit einem Xobni-Plugin, now there we’re up to something.

Nicht nur das: diese Google-Tools als Grundlage, als Infrastruktur für die Dienste, die auf ihnen gebaut werden. Standing on the shoulders of giants usw. etc.

Das wird mindestens das ganze Wochenende die US-Techblogosphäre beherrschen und Techmeme vollständig übernehmen. Big News!

Ladies and Gentlemen, we are now officially on the frikkin highway.

 

UPDATE: Marshall Kirkpatrick fasst die Bedenken auf read/writeweb gut zusammen , was das in Sachen Machtzuwachs für Google mittelfristig für uns alle bedeuten könnte:

Arrington says that Google’s social networking software Orkut is what will lay over the top of all its services. I think what’s needed is a federated ID system like OpenID to tie everything together, not one corporate body that can already claim near omniscience. We need the attitudes of Brad Fitzgerald’s old employer, Six Apart, not the arrogance of Google.

 

(Note to self: Nicht mehr ‚mal kurz auf Techmeme schauen‘ wenn man eigentlich ins Bett gehen will)

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About Marcel Weiß

Marcel Weiß, Jahrgang 1979, ist Gründer und Betreiber von neunetz.com.
Er ist Diplom-Kaufmann, lebt in Berlin und ist seit 2007 als Analyst der Internetwirtschaft aktiv. Er arbeitet als (Senior) Strategy Analyst bei Exciting Commerce, schreibt für verschiedene Publikationen, unterrichtet als Gastdozent an der Popakademie Mannheim und hält Vorträge zu Themen der digitalen Wirtschaft. Mehr zum Autor.
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  • Und ich dachte eigentlich, es würde ein gemütliches Wochenende werden….

    Tatsächlich steht Google unter Zugzwang, wenn Social Networks wie Facebook immer größer werden, dabei aber (relativ) abgeschottet vom übrigen Netz bleiben. Und für Google wäre es das reinste Gift, wenn die Facebook User über eine Google-Applikation Internet-Suchen im großen Stil durchführen könnten. Google hätte dann die Arbeit (als Suchmaschine), während Facebook fröhlich von der Bannerwerbung auf den Profilseiten seiner User leben würde…

    Freuen wir uns also auf den „Krieg der Plattformen“!

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