Archive for November, 2007

1 Jahr Neunetz.com: Retrospektive und Ausblick

“Der Anfang. Der vielversprechende Anfang meines Medienimperiums.”

Meine Antwort auf die Frage was denn neunetz.com sei. Gestellt und beantwortet auf der Afterparty des BarcampBerlin2. Fragesteller habe ich leider (und eventuell bezeichnenderweise) vergessen.

 

Auf den Tag genau vor einem Jahr fing ich an, auf neunetz.com Artikel über Themen rund um das Netz zu schreiben. Ein turbulentes Jahr, das schneller verging als jedes Andere. Viele Leute habe ich kennengelernt in dieser Zeit, manche nur virtuell manche im first life. Es freut mich, mittlerweile mehr und mehr Reaktionen auf meine Artikel hier zu erfahren. Man schreibt ja, um gelesen zu werden.

Meine Begeisterung für das Netz und die Themen rund um dieses ist weiterhin ungebrochen (Ein Grund, warum ich überhaupt in der Lage bin diesen Zeitfresser hier aufrechtzuhalten). Ich glaube, dass das Netz und die aktuellen technischen Entwicklungen, die wir zur Zeit beobachten können, von der gesellschaftlichen Tragweite sich in der selben Größenordnung wie die Industrialisierung bewegt. Spannende Zeiten!

Ein Wort zu den Inhalten: Im ersten Halbjahr stellte ich hauptsächlich neue, praktische Webdienste vor. Wie man in meiner Zusammenfassung hier sehen kann. In den letzten sechs Monaten hat sich das Gewicht stark auf Analysen und Kommentare zu aktuellen Entwicklungen in der Webwelt verlagert. Ich plane, da künftig ein besseres Gleichgewicht zwischen diesen beiden Themenschwerpunkten herzustellen.

Für einen guten Überblick über die besten Beiträge des letzten Jahres empfehle ich das Best-of-Archiv .

 

Für das letzte Jahr:

Dank an: alle Leser und Kommentatoren, meine Mutter, etc etc

Speziellen Dank an: Carsten Pötter für seine hervorragenden Artikel rund um OpenID, Markus Spath, der mehr als jeder andere dieses Jahr auf neunetz.com gelinkt hat (und jetzt bei Blognation Germany mitschreibt, das ironischerweise obwohl englischsprachig, das zumindest in meinen Augen beste deutsche Techblog ist [dicht gefolgt von zweinull.cc ])

Tonight the drinks are on me.

 

P.S.: Wir fangen gerade erst an. Let’s bring it on.

Revisited: Wie ich Hunderte von Feeds lese und manage

googlereader-trends

Vor einigen Monaten hatte ich erklärt, wie ich über 300 Feeds lese und manage. Unerwartet entwickelte sich dieser Artikel zu einem der beliebtesten auf neunetz.com. In fact: Er steht auf Platz zwei direkt hinter dem Überblick über Musikdienste. Und nun wurde der Feedmanagement-Artikel sogar in der c’t aufgegriffen:

Es gibt Blogger, die von sich behaupten, mit Hilfe von Google Reader und einer geschickten, abgestuften Organisation der Nachrichtenkanäle mehrere hundert Feeds im Blick behalten zu können.

Der Blogger Marcel Weiß zum Beispiel ordnet Blogs in nach Priorität gestaffelte Ordner ein. Im Ordner mit der höchsten Priorität landen nur die allerwichtigsten Blogs, diejenigen, die er täglich liest. Die Blogs im zweiten Ordner sind zwar ebenfalls wichtig, müssen aber nicht mehr unbedingt gelesen werden. Insgesamt hat Weiß neun solcher Ordner angelegt. Die Zuordnung der Blogs ändert er ständig, je nach Laune und Interessen, aber auch abhängig von der Aktualität und der Qualität der Beiträge.

(c’t 25/07, S.164, 165)

 

Genug Gründe also, um einmal zu schauen, inwiefern sich das System durch tägliche Nutzung in den letzten Monaten geändert hat und somit eine Bestandsaufnahme zu machen. Alles, was ich damals schrieb, stimmt weitestgehend immer noch so, abgesehen von den im Folgenden erläuterten Änderungen:

 

Erstens: Weniger Abstufungen bei den Prioritäten

Ich bin mittlerweile von den vielen Abstufungen wieder zurückgegangen auf einige wenige. Da ich neben neunetz.com auch seit geraumer Zeit für imgriff.com schreibe habe ich mir Abstufungen in den jeweiligen Topics zugelegt. Man kann das Prinzip so zusammenfassen:

1. Prio MustRead (breaking news, Meinungsführer),
2. Prio könnte man ja, muss man aber nicht lesen

Bei meinem Hauptinteresse -Techzeugs-, habe ich immer noch 4 Prioritätsabstufungen, bei Produktivität 3 Ordner, usw. Ich kann immernoch den GoogleReader nur empfehlen, da man dort eine Vermengung der Prioriäten und Topics via Tags durch Mehrfachvergabe vornehmen kann.

Eine strengere Topicabgrenzung, wie ich sie jetzt vorgenommen habe, empfehle ich aber nach wie vor nur, wenn es unbedingt sein muss. Sprich, wenn man also unbedingt auf getrennten Gebieten auf dem Laufenden sein muss weil man damit sein Geld verdient. Und diese Tasks voneinander trennen möchte.

 

Zweitens: Ich unsubscribe von keinem Feed mehr

Yup, richtig gelesen. Ich werfe keine Feeds mehr aus meinem Reader. Lese ich Feeds nicht mehr , weil sie nicht mehr so interessant sind oder mit 20+ Posts pro Tag nach Aufmerksamkeit schreien wie ein kleines Einzelkind, kommen sie in einen speziellen Ordner am Ende der Nahrungskette.

Warum? Mein Feedreader, der GoogleReader, unterstützt seit geraumer Zeit eine interne Suche. Und die ist richtig gut. Man kann alle abonnierten Feeds durchsuchen, oder nach Tags/Ordnern auswählen. Auch einzelne Feeds kann man durchsuchen. Praktisch ist das vor allem zur schnellen, effizienten Recherche. Denn so durchsuche ich zunächst erstmal nur Quellen, denen ich irgendwann mal weit genug vertraut habe, dass ich sie abonniert habe. Ein handverlesenes, persönliches Quellenarchiv sozusagen, da GoogleReader alle Posts der abonnierten Feeds archiviert und durchsuchbar hält. Das weiße Rauschen ist bei dieser Form der Suche minimiert. Das ist natürlich nicht immer sinnvoll. Aber wenn, dann spart man sich so unglaublich viel Zeit. Zum Beispiel habe ich den Link zu einem Artikel über Mozillas Finanzen für meinen Mozilla-Artikel so in rund einer Minute gefunden.

 

Drittens: Ordner mit niedriger Priorität werden in der Titelansicht gescannt

Feeds in einem niedrigen Prio-Ordner -also beim Tech quasi Priorität 4- lese ich so gut wie gar nicht mehr. Stattdessen schalte ich von der Vollansicht in die Listenansicht, in der nur die Titel der Artikel angezeigt werden. So kann man schnell checken ob was interessantes dabei ist.

 

Bonustipp: zusätzlicher Ordner für Vielposter

Ich habe mir einen extra Ordner angelegt in dem ich zusätzlich zu den zugeteilten Prioritätenordnern Vielposterfeeds einsortiert habe. Also alles, was mehr als 15 Posts am Tag raushaut. Beispielsweise Newsfeeds wie heise oder golem. Komme ich mal 2 oder mehr Tage nicht dazu meine Feeds zu lesen, verstopfen diese Feeds den gesamten Reader. Ich gehe dann also auf diesen Ordner und gehe “mark all read”.

So sind dieses Vielposter mit ihren naturgemäß nicht so optimalen Signal-Noise-Ratio von der Bildfläche verschwunden und ich kann ohne weiteres wieder aufholen. (Was nicht heißt, dass ich nicht ab und an ‘mark all read’ auch auf normalen Ordnern gehe. Wie gesagt, man muss das alles ja nicht lesen).

Dieser Tipp funktioniert leider nur im GoogleReader, da dieser mit Tags statt mit Ordnern arbeit. Ich kann den GReader nach wie vor nur empfehlen, besonders für Feedvielleser. Hier nochmal der Link zum Artikel über alles Wissenswerte zum GoogleReader.

Wird Google Skype kaufen?

Onlinekosten.de beruft sich auf Businessweek:

Nun gießt Businessweek zusätzlich Öl auf die Flamme: Dem US-Technikmagazin zufolge soll nicht nur Google mit Skype liebäugeln, sondern auch der Medienkonzern News Corp. und Yahoo. Aus unterrichteten Kreisen will Businessweek jetzt erfahren haben, dass eBay den VoIP-Anbieter erstmal aufpolieren möchte, bevor er auf den Markt geworfen wird. So sei es den Magazin-Quellen zufolge denkbar, dass die Skype-Community künftig stärker mit eBay verflochten wird, indem beispielsweise in einer neuen Programmversion des VoIP-Angebots im Frühjahr kommenden Jahres neue Funktionen integriert werden, die es dem Internet-Auktionshaus ermöglichen würden, digitale Inhalte über Skype zu verkaufen.

Sollte es wirklich zum Verkauf von Skype kommen, ist Google der heißeste Anwärter auf Käuferseite.

Googles auf Jabber basierender IM-Dienst GTalk hat nie wirklich durchgestartet. Und das obwohl Jeder mit einer GMail-Adresse auch gleichzeitig einen GTalk-Account hat. Der de-facto-Standard in Voip, der nebenbei noch mit einem sehr weit verbreiteten IM-Netzwerk kommt: das würde sich gut in Googles Portfolio machen.

2 Gedanken schossen mir bei diesem Gerücht durch den Kopf:

Toll, das geradezu absurd extremstproprietäre Skype würde sich alten Googletraditionen folgend damit endlich öffnen und auch von anderen Clients ansprechen lassen und beispielsweise auch in Meebo oder Mabber integrieren lassen.

Oh noez, noch mehr Daten für Google.

 

(Das war übrigens voraussichtlich das letzte Mal, dass ich auf Onlinekosten.de verlinke. Dieses Gebaren, nie nach außen und nur auf sich selbst zu linken, geht mir auf den Keks. Trottel. Sollten sich ein Beispiel an heise nehmen.)

Facebook Beacon: Probleme und mögliche Lösung für Facebook

Noch ein Wort zum umstrittenen Facebook-Beacon-Adsystem :

  1. Es muss per default ausgeschalten sein. Alles andere ist schlicht evil.
  2. Wo ist der Nutzen für den User?

 

Etwas ausführlicher:

In den USA nimmt der Widerstand gegen Beacon ja zu (ich spare mir mal die Links, it’s all over the place). Ich finde, zu recht.

 

Zu 1. Vielerorts wird der Aufruhr bezüglich Beacon mit dem Widerstand zum Newsfeed (der jetzt von Myspace nachgeahmt wird, kluge, vorhersehbare Reaktion, der Newsfeed ist sehr groß) verglichen. Das ist aber etwas oberflächlich: Der Newsfeed erfasst Aktivitäten von Facebook auf Facebook auf einer aggregierten Seite. Der Las-Vegas-Spruch stimmte damals noch: Was auf Facebook passierte, blieb auf Facebook.

Und jetzt? Wenn aus der abstrakten Gefahr etwas Handfestes wird, sagen wir, ein User kauft oder leiht Porno eigenwillige DVDs auf einer Facebookpartnerseite aus und übersieht das kleine Popup unten rechts, das besagt, dass diese Aktion auf Facebook verbreitet wird und stellt dann wenig später fest, dass sein gesamter auf Facebook vorhandener Bekanntenkreis davon erfahren hat, nun, dann ist Rom offen. Es kann schlicht nicht sein, dass per default etwas so Weitreichendes wie Facebook Beacon eingeschaltet ist.

Noch etwas. Was, wenn man auf den Partnerseiten gar nicht erfährt, dass die Aktion auf Facebook verbreitet wird? Man lese diesen Artikel :

Charlene Li, a Principal Analyst at Forrester Research who specializing in social software trends and marketing, writes in her blog post Close encounter with Facebook Beacon :

I put a lot of trust in sites like Facebook to do the right thing when it comes to privacy. After all, the only stuff that gets out into the public is the stuff that I actually put in. Until now.

Earlier this week, I bought a coffee table on Overstock.com. When I next logged into Facebook and saw this at the top of my newsfeed:

I was pretty surprised to see this, because I received no notification while I was on Overstock.com that they had the Facebook Beacon installed on the site. If they had, I would have turned it off.

I used my personal email address to buy the coffee table, so I was puzzled why and how this “personal” activity was being associated with my “public” Facebook profile.

und

David Treadwell, a corporate vice president of Windows Live, writes in his blog post entitled Blockbuster, you’re fired:

[..]

I am not normally uptight about privacy issues, but you guys really crossed the line on this one:

* I had never told either Blockbuster or Facebook that you should share my movie selections with friends.
* Neither of you asked me if you could take this action. You just went ahead and did it, assuming that I would not mind.
* This sharing of information about me without my informed consent about the mechanism of sharing is absolutely unacceptable to me.

 

Muss ich nun als Facebook-Nutzer permanent fürchten, dass meine Surf-Aktionen im Facebookfeed auftauchen, wenn ich nicht im Browser Vorkehrungen treffe ? Oder wird nicht einmal das helfen, wenn eine Identifizierung per Email stattfindet?

Bitte, das kann es doch nicht sein. Beacon ist ein so weitreichender Eingriff in die Privatsphäre, dass es schlicht per default ausgeschaltet sein muss. Und zwar komplett. Nur wer weiß, was er da tut und was das bedeutet, soll sich darauf einlassen können.

 

Zu 2. Was uns zu Punkt Zwei bringt: Was hat der User davon? Nochmal zurück zum Newsfeed: Die höhere Sichtbarkeit von Aktivitäten war neu, aber man gewöhnte sich daran. Und schließlich hat der Newsfeed für Facebook und User einen hohen Nutzen. Erstere erhöhen ihre Stickyness und zweitere sind sehr viel mehr in the loop mit ihren Freunden.

Beacon hat nur einen Nutzen für Facebook und seine Werbepartner, nicht aber für die Nutzer. Es gibt also keinen Grund, hier auf Opt-In zu gehen.

Ich fasse das mal in andere Worte: Etwas, dass auch viele deutsche Dienste, die auf User Generated Content setzen, nicht zu verstehen scheinen, ist Folgendes: User Generated Content funktioniert nur wenn er auf Mikro- und Makroebene Nutzen stiftet .

Beispiel Onlinebookmarkingdienst del.icio.us’ Tagging: Ich tagge meine gespeicherten Seiten, so dass ich sie wiederfinde. Ich könnte natürlich irgendwelche Spasstags verwenden, aber nach 1000 oder 2000 gespeicherten Bookmarks würde ich nix mehr wiederfinden, wenn ich nicht vollkommen durchgeknallt bin. Also verwende ich möglichst deskriptive Tags (Mikroebene). Da Andere zu den gleichen Schlüssen kommen und ebenfalls deskriptiv taggen, entsteht, ohne dass der Einzelne das beabsichtigte, eine Ordnung, da die passendsten deskriptiven Tags von Vielen verwendet werden. Eine Ordnung, die die Seite auch für Aussenstehende nutzbar macht (Makroebene).

Was das mit Beacon zu tun hat: Meine an den Feed übertragenen Aktionen sind UGC. Was aber hab ich als Nutzer davon? Facebook-Freunde, die genervt sind oder sich über mich amüsieren weil sie etwas erfahren, dass nicht für ihre Augen bestimmt war. Ich hab nicht nur keine Vorteile davon, sondern auch noch Nachteile.

 

Eine mögliche Lösung

Facebook gibt den Nutzern die Möglichkeit des OptIn in Beacon, wenn sie das möchten. Dafür erhalten sie eine wie auch immer geartete Gegenleistung. Denkbar wäre eine komplett werbefreie Facebookseite. Oder eine Provision für über den Feed zustande gekommene Transaktionen. Ein Facebookaffiliateprogramm quasi.

Eine andere Idee: Das Protokollieren von Tätigkeiten ist vielleicht nicht die beste Idee. Interessanter wäre die Richtung umzudrehen: Gib mir die Möglichkeit, ausgewählte Aktivitäten mit meinen Freunden zu teilen .

 

Wie auch immer: So wie es jetzt ist, ist Facebooks Beacon schlicht broken und grenzt an eine Frechheit. Das Facebook-Team scheint vergessen zu haben, dass seine Kunden nicht die Werbenden sondern die Nutzer sind. Bleibt Beacon wie es ist, laufen die bald hordenweise weg (und deshalb wird es nicht so bleiben).

StudiVZ und das damalige Angebot von Facebook

Es war allgemein bekannt, dass Ende 2006 Vertreter von Studivz in den USA waren und mit Facebook über einen Verkauf verhandelten. Bekanntlich wurde daraus nichts und Holtzbrinck übernahm das Studentennetzwerk.

FAZ-Blogger Holger Schmidt hat nun Details des damals anvisierten Deals zwischen Studivz und Facebook auf seinem Blog veröffentlicht. Da er nichts zu seiner Quelle sagt, genießen wir das mal mit Vorsicht. Sollte es stimmen, ist das durchaus interessant:

Holtzbrinck und Springer bieten Geld, Facebook-Chef Mark Zuckerberg dagegen einen 5-Prozent-Anteil an seinem Unternehmen. Damals ist gerade die Yahoo-Offerte für Facebook über eine Milliarde Dollar bekannt geworden, was den 5-Prozent-Anteil mit 50 Millionen Dollar bewertet hätte.

Selbst wenn man annimmt, dass die aktuell für Facebook anvisierten 15 Milliarden $ überzogen sind, hätte man mit 5% an Facebook einen richtig guten Deal gemacht.

Interessant auch:

Auch weil StudiVZ-Gründer Ehssan Dariani darauf besteht, das gleiche Gehalt wie Zuckerberg zu beziehen, platzt der Deal.

Größenwahn, anyone?

 

» Netzökonom : Wie StudiVZ 750 Millionen Dollar vergeigte

Die Zukunft des Lesens

Und so beginnt es

“Music and video have been digital for a long time, and short-form reading has been digitized, beginning with the early Web. But long-form reading really hasn’t.”

Amazon: Reinventing the Book | Newsweek.com

Viel* wurde diese Woche über Amazons neuen E-Reader Kindle geschrieben. Ein paar Anmerkungen.

 

Amazon, Innovator

Amazon ist in meinen Augen ein was die Innovationen im Netz angeht leicht unterschätztes Unternehmen. Es ist nicht nur das größte E-Commerce-Unternehmen der Welt, es hat auch mit den User-Reviews eine der Grundsäulen des Web2.0 (User Generated Content) bereits eingeführt, als Tim O’Reilly von dem Begriff des Web2.0 noch gar nicht träumte. Und als das Web2.0 in den Köpfen von jedem ankam, der Entrepreneur fehlerfrei buchstabieren kann, und an jeder Ecke Angebote für Konsumenten aus dem Boden schiessen, was macht da Amazon? Es bietet für diese Startups die Infrastruktur hinter den Kulissen an und steht damit nebenbei wie kein anderes Unternehmen als Synonym für die in der Techszene beliebt gewordene Cloud (Pl0gbarliebling Mogulus läuft zum Beispiel komplett, also ohne eigen Server, auf Amazon S3 und EC2 ).

 

Kindle, ein Anfang

Jetzt also ein E-Reader. Es bietet sich ja an. Amazon kennt sich mit Büchern ja aus. Und mit digitaler Distribution auch. Fotos von Kindle gibt’s auf neuerdings zuhauf. Dort haben die Kollegen auch eine 4-teilige Serie zum E-Reader gestartet.

Bei allen Unzulänglichkeiten, die Kindle hat, und da gibt es einige, ist Amazon hier wohl trotzdem der erste massentauglichere E-Reader gelungen. Immerhin: Nach nur fünfeinhalb Stunden war Kindle ausverkauft.

Was ist das Besondere an Kindle?

Specifically, it’s an extension of the familiar Amazon store (where, of course, Kindles will be sold). Amazon has designed the Kindle to operate totally independent of a computer: you can use it to go to the store, browse for books, check out your personalized recommendations, and read reader reviews and post new ones, tapping out the words on a thumb-friendly keyboard. Buying a book with a Kindle is a one-touch process. And once you buy, the Kindle does its neatest trick: it downloads the book and installs it in your library, ready to be devoured.

schreibt Newsweek. Kommt das Prinzip des bequemen Auseinerhand bekannt vor? Genau, das ist wie itunes für Bücher.

Das ist natürlich ein großer Vorteil. Aber auch wie mit ipod/itunes einer der großen Nachteile. Mit der appligen Bequemlichkeit kommt auch das applige LockIn. Schön mit DRM drumrum.

Und das ist auch die große Ironie bei der Sache: Da kommt Amazon daher und startet als erstes großes Unternehmen einen DRM-freien MP3-Shop -weil es anders nicht in den Markt reinkommt. Aber bei einer anderen Form von Content, da muss DRM wieder sein. Es wäre amüsant, wenn es nicht so traurig wäre: Es ist immer der selbe Zyklus, wenn heute neue Vertriebsmöglichkeiten von Inhalten von Industriegrößen erprobt werden: Markt wird mit DRM besetzt, Konkurrent oder Nachfolgeprodukt ohne DRM rollt langsam Markt von hinten auf (immer *überraschenderweise*), während die Konsumenten sich anderenorts illegal bedienen.

Kindles Hauptnachteile:

  • DRM, wie eben ausgeführt,
  • LockIn, es ist nicht ein Produkt, sondern ein Amazon-Service, ohne Amazon geht hier (fast) gar nix
  • es ist in der Tat nicht sonderlich hübsch
  • diverse Skurrilitäten, wie die Möglichkeit, einige Blogs gegen Bezahlung zu abonnieren (angeblich um die Übertragungskosten zu decken)
  • Feedreader: Bloglines ist über den Browser erreichbar, GReader nicht (weil Kindle kein Javascript kann), Feedlesen auf E-Readern ist aber _das_ Killerfeature (siehe unten), die Nichtbeachtung dieses Umstandes wird im Nachhinein als der größte Fehler beim (ersten) Kindle betrachtet werden
  • es diskriminiert uns Linkshänder, unverschämt

 

E-Reader will kill the Printstar

Kindle ist erst der Anfang. Irgendwann in den nächsten Jahren, voraussichtlich noch in diesem Jahrzehnt, wird ein E-Reader auf den Markt kommen, der tatsächlich die Medienrevolution, von der wir Geeks die ganze Zeit reden, weil wir sie schon kommen sehen bzw. mittendrin stecken, in die breite Öffentlichkeit tragen wird.

Massentauglich wie der Ipod für portable Musikplayer, wird dieser E-Reader wie ein Durchlauferhitzer für den Übergang von Analog zu Digital in der Medienlandschaft wirken.

Ich habe eine mehrteilige Serie über die kommenden Veränderungen in den Medien in Vorbereitung. Gedanken zu künftigen E-Readern und dessen Auswirkungen sind ein wichtiger Bestandteil davon. Hier jetzt schon mal ein paar Gedanken dazu:

Vorteile von E-Readern:

  • Gegenüber anderen Gadgets wie iphone und co.: auf angenehmes Lesen hin optimierter Screen. E-Ink und co gehören zu den wichtigsten Technologien der nächsten Jahre
  • ebenfalls gegenüber anderen Gadgets: höhere Akkulaufzeit (Kindle hält 30 Stunden laut Amazon, und ist in zwei Stunden wieder aufgeladen)
  • Fontgrößenanpassung (Jeder Ü50 wird sich darüber freuen)
  • Textsuche
  • Updates (bei Sachbüchern etwa könnten die Daten immer auf dem aktuellen Stand gehalten werden, wissenschaftliches Zitieren wird lustig in der Zukunft)
  • Bookmarks, Anmerkungen und Kommentare , kollaborativ so wie man es heute bereits bei Webseiten kennt
  • Besonders bei regelmäßigen Publikationen wie Tageszeitungen, sind bzw. werden E-Reader schlicht praktischer sein, sowohl was das Erhalten als auch was das Transportieren angeht (die viel und verzweifelt beschworene Papierhaptik spielt bei Tageszeitungen keine wirkliche Rolle, im Gegensatz zu Büchern)
  • ebenfalls praktischer sind E-Reader für das Lesen von Newsfeeds, das mit ihnen einen nicht vorstellbaren Aufschwung erleben wird. Feeds und E-Reader sind ein Match made in heaven, und die in baldiger Zukunft dominierende Konsumform von Nachrichten. Netvibes bringt jetzt schon ein leichtes Zeitungsfeeling mit, ein solcher Feedreader auf einem E-Reader, das würde recht gut passen. Aber auch andere Feedreader wie der GoogleReader passen wie die Faust aufs Auge. Die perfekte Applikationart zur Contentverbreitung verbunden mit der optimierten Hardware zur Contentkonsumierung.

Auswirkungen von E-Readern:

  • E-Reader werden Print nahezu komplett ablösen sobald sie eine gewisse kritische Masse an Nutzern erreicht haben. Grund: Kosten, digital Distribuiertes wird mehr Profit abwerfen
  • alte MedienMarken werden direkt mit den neuen Mikropublikationen (aka Blogs) konkurrieren, letzere werden heute noch nicht vorhersehbare Zuwachsraten an Lesern haben
  • und mehr

 

Fazit

Kindle in der 1.0-Version dürfte nicht der große Wurf sein. Zuviele Kinderkrankheiten scheinen in dem Gerät noch zu stecken. Kindle ist aber zweifelsohne der Anfang vom Ende des analogen Textes. Mit Kindle hört die Produktform des E-Readers auf, ein marginalisiertes Randthema zu sein. Sie werden massentauglicher.

Die nächste oder übernächste Generation an E-Readern wird wie eine Bombe einschlagen und Kioske unter sich begraben.

Sobald ein E-Reader den GoogleReader unterstützt und per Wlan (oder von mir aus auch per obskuren Mobilfunknetz) automatisch füttert, bin ich sogar bereit mehr als 400$ dafür hinzublättern.

Denn wenn einem schon von rund um den Globus täglich Texte vom Umfang von zweieinhalb ‘Zeit’-Ausgaben vor die Nase gepusht wird, dann will man die auch so angenehm wie möglich lesen.

 

 

Jeff Bezos:

This is the most important thing we’ve ever done

 

Ladies and Gentlemen, the Revolution is on its next stage.

 

* Wöllte man die Bloglandschaft in einer Fallstudie untersuchen, eine Bestandsaufnahme quasi machen, würde sich die Berichterstattung zur Einführung des Kindle geradezu aufdrängen. Es war/ist alles vertreten, drüben wie hier. Von guten, hintergründigen Berichten zum Produkt bis hin zu substanzlosem Mumpitz, der auf einem Video und einem(!) inoffiziellen Vorabfoto basiert, das vorher bereits auf mehreren(!) Blogs als nicht repräsentativ aufgrund seiner unvorteilhaften Perspektive bezeichnet wurde. Aus der Hüfte abgefeuertes Halbwissen galore. Und wer Kindle mit dem Iphone vergleicht, hat nichts, aber auch gar nichts, verstanden.

(Disclaimer: In diesem Text finden sich einige Links zu einem Blogwerkblog. Ich schreibe auch für ein Blogwerkblog. Die Links entstehen, weil ich da die einzigen vernünftigen deutschen Artikel zum Thema fand (siehe auch Fußnote), zumindest innerhalb der deutschen Blogosphäre. Auf Oldmediaseiten nach Artikeln zu suchen, ist mir jetzt zu aufwendig. Give me fullfeeds and I’ll recognize you.)

Firefox-Erweiterungen galore

Auf imgriff.com habe ich einen langen Artikel über die aus meiner Sicht nützlichsten Erweiterungen für Firefox geschrieben. Check it oot (wie der Kanadier sagen würde):

Firefox: 10 essentielle Erweiterungen » imgriff.com

 

[Abt. shameless selflink, Unterabt. von hackr lernen, heißt siegen lernen]

Hotspotsuche

Stereopoly hat 5 Möglichkeiten zur Hotspotsuche zusammengestellt:
Stereopoly: 5 Wege zur schnellen Hotspot-Suche

Im Januar diesen Jahres, in Internetzeit also vor mindestens zwei Dekaden, hatte ich ebenfalls Seiten zusammengestellt, auf denen man Hotspots finden kann:
neunetz.com » Hotspots in Deutschland finden

Facebook wächst in Deutschland um 30%

Jeff Pulver hat auf seinem Blog das Wachstum von Facebook nach Ländern aufgedröselt. Deutschland landet im betrachteten Zeitraum vom 26. Oktober bis zum 11. November mit einem Wachstum um 30% auf Platz 9. Das kommt zwar an den Spitzenreiter Türkei mit unglaublichen 280% Wachstum nicht ganz ran, ist aber doch erstaunlich hoch.

Am 11. November zählte Facebook nach Pulver 339.760 Mitglieder aus Deutschland.

Neben der mittlerweile recht gut etablierten Facebook-Plattform dürfte auch die, in meinen Augen immer noch ungeschlagene, Usability von Facebook für das internationale Wachstum mitverantwortlich sein. Facebook ist einfach sticky.

Festzuhalten bleibt das erstaunlich gut international verteilte Wachstum von Facebook. Facebook scheint sehr viel internationaler zu werden als beispielsweise das hauptsächlich in Lateinamerika große Orkut oder das in Asien starke Friendster.

Die Wachstumszahlen zeigen auch, dass Facebooks Potential noch lang nicht ausgereizt ist.

 

(via f8club)

xkcd: 1337

1337 : Part 1
1337 : Part 2
1337 : Part 3
1337 : Part 4
1337 : Part 5

xkcd1337

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