TV-Browser gezwungen Sender aus dem Programm zu nehmen

Der kostenlose, auf OpenSource basierende, elektronische TV-Programmplaner TV-Browser nimmt laut Mitteilung Ende des Jahres mehrere Sender aus der Programmanzeige. Dabei sind unter anderem RTL, RTL2, Sat1, ProSieben und Vox. Also im Grunde alle großen privaten deutschen TV-Sender .

Warum? Weil :

Leider müssen wir euch allerdings auch mitteilen, dass die VG Media ab dem 1.1. für alle Sender, die in der VG Media vertreten sind, eine Gebühr für die Nutzung der Daten erheben wird. Die VG Media ist eine Verwertungsgesellschaft für Medienunternehmen, vergleichbar zur VG Wort oder der GEMA für Musik.

Unfassbar. Die Macher hinter TV-Browser lehnen die Zahlung natürlich ab:

Wir sind nicht bereit, für diese Daten Geld zu zahlen, da wir diese als Werbung für die TV-Sender ansehen und wir mit diesen Daten selbst kein Geld einnehmen. Der TV-Browser bleibt kostenlos.

Das ist spot on. Für diese Art der Verwendung der Daten Geld zu verlangen, ist nichts anderes als pervers dumm.

Es gibt nicht viel ökonomisch Dümmeres, als Geld dafür zu verlangen, dass Andere Werbung fürs eigene Produkt (Das TV-Programm der Sender) machen (Die VG Media agiert als Verwertungsgesellschaft im Auftrag der TV-Sender). Mehr noch, das alles wird auf freiwilliger, nichtkommerzieller Basis zur Verfügung gestellt. Und dafür will man Geld verlangen. Da bleibt einem die Spucke weg.

Oh nein, kostenlose Werbung! Über die Internetze? Oh oh, geht weg! Teufelszeug!

And you wonder why we abandon you?

 

Übrigens: der TV-Browser ist eine sehr nützliche Software für Win, Mac und Linux für alle die noch dem zeitabhängigen TV frönen. Sehr customizierbar (ist das ein Wort?). Aber wer macht das schon noch heutzutage, zeitabhängiges Fernsehen schauen, pff.

 

(via zdnet.de, und eigentlich via heisegestern, wenn es mir im Reader aufgefallen wäre, ist es aber nicht, weil heise einen dummen Überschriftenonlyfeed ausliefert, der das Übersehen fördert)

About Marcel Weiß

Marcel Weiß, Jahrgang 1979, ist Gründer und Betreiber von neunetz.com.
Er ist Diplom-Kaufmann, lebt in Berlin und ist seit 2007 als Analyst der Internetwirtschaft aktiv. Er arbeitet als (Senior) Strategy Analyst bei Exciting Commerce, schreibt für verschiedene Publikationen, unterrichtet als Gastdozent an der Popakademie Mannheim und hält Vorträge zu Themen der digitalen Wirtschaft. Mehr zum Autor.
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  • *lach*
    Wie geil ist das denn?
    Wer bitte schön verzichtet denn freiwillig auf Werbung?
    Ich würde zu gern wissen, was in den Köpfen der Macher vor sich geht, das die auf die Idee kommen für die Auflistung ihres Fernsehprogrammes Geld zu nehmen.
    Dann müssten Fernseh-Zeitungen doch wahrscheinlich ab Januar auch Gebühren zahlen, oder?
    Ich würd den TV-Sendern was husten *lol*

  • Rob

    Ich muss sagen, das überrascht mich nicht… Ich habe im Rahmen einer Marketing-Aktion auch erlebt, dass Kaufleute und Gewerbetreibende kostenlose Werbung ABLEHNEN. Meinem verständnislosen Lächeln folgten nur Monologe über „versteckte Folgekosten“ und „jaja, nix is um sonst!“ Alle Rechtfertigungsversuche meinerseits – „studentisches Projekt“, „keine Profitabsicht“ usw. prallten an versteinerter Ignoranz ab…
    Solchen „Überzeugungstätern“ kann man eben nicht helfen, auch wenn man es noch so gut meint…