Leseempfehlungen:
Carr-Interview und Bubblegeneration

Zwei Leseempfehlungen zum Wochenende:

1. Im Wired Magazine gibt es ein Interview mit Nicholas Carr. Carr hat oft die Angewohnheit, das genaue Gegenteil des (zumindest in der Techwelt) allgemein anerkannten Standpunktes zu vertreten, wo er dann auch gern und oft mal krachend falsch liegt (nicht unwahrscheinlich, dass er das in Kauf nimmt um eine relativ sichere, gut bezahlte Rolle im Medienzirkus spielen zu können: Nicht wenige Journalisten wollen in ihren Artikeln, geblendet von der Illusion der Objektivität, immer konträre Meinungen im Artikel nennen und zitieren; das ist nicht nur wenn es um den Klimawandel geht eine unsinnige Herangehensweise. Nach dem Motto: auch wenn es Blödsinn ist, Hauptsache es ist eine gegenteilige Meinung..).

Aber das heißt ja nicht, das von diesem Herrn nicht auch Kluges kommen kann, wie zum Beispiel in diesem Interview. Thesen, über die man mal nachdenken sollte:

I used to think we’d end up with something dynamic and heterogeneous — many companies loosely joined. But we’re already seeing a great deal of consolidation by companies like Google and Microsoft. We’ll probably see some kind of oligopoly, with standards that allow the movement of data among the utilities similar to the way current moves through the electric grid.[..]

The scariest thing about Stanley Kubrick’s vision wasn’t that computers started to act like people but that people had started to act like computers. We’re beginning to process information as if we’re nodes; it’s all about the speed of locating and reading data.

 

2. Umairs Bubblegeneration hat sich in den letzten Wochen und Monaten zu einem meiner absoluten Lieblingsblogs gemausert. Immer wieder schafft er es einfach, die Themen so treffsicher auf den Punkt zu bringen, dass es unheimlich aber vor allem eine Freude ist. Für jeden, der wissen will, wie das Netz funktioniert und wo es hingeht, eine Pflichtlektüre. Ein Beispiel:

The Strategic Bankruptcy of the Boardroom, Writers‘ Strike Edition

[..]I’m astounded (honestly) that in 2008, the general counsel of NBC can say:

„…Fair use in the digital age is the same as fair use in the non-digital age.“

Oh, the epic, epic lulz.

Nothing could be further from the truth. Tim Wu, in the same debate, argues what I pointed out a depressingly long time ago: that in fact, the economics of copyright are deeply + irreversibly broken, because in an edgeconomy, people sharing/hacking/using/etc your goods can actually create massive amounts of value for you.

How massive?

Well, for example, MySQL just created $1 billion of value. That’s an existence proof the size of Jupiter of the negative value of fair use.

und

Guys like Rick Cotton are still arguing furiously about a world which no longer exists. Media boardrooms are stuck in fantasyland: they’ve totally – seemingly absolutely – lost the ability to think, reason, and judge with any validity or accuracy.

So direkt bekommt man die Wahrheit selten.

About Marcel Weiß

Marcel Weiß, Jahrgang 1979, ist Gründer und Betreiber von neunetz.com.
Er ist Diplom-Kaufmann, lebt in Berlin und ist seit 2007 als Analyst der Internetwirtschaft aktiv. Er arbeitet als (Senior) Strategy Analyst bei Exciting Commerce, schreibt für verschiedene Publikationen, unterrichtet als Gastdozent an der Popakademie Mannheim und hält Vorträge zu Themen der digitalen Wirtschaft. Mehr zum Autor.
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