StudiVZ has lost the plot

gapingvoid-markets

Es folgt eine lange Analyse über die eben bekanntgewordenen Pläne von StudiVZ (neue ÜberVZ-Seite, proprietäre Schnittstelle mit Zugangsbeschränkungen) mit Begründungen, warum es eine Reihe von Fehlentscheidungen ist.

Okay, ganz so schlimm wie in der bildesken Überschrift ist es nicht, aber Hut ab in Richtung StudiVZ für das konsequente Verfolgen der unsinnigsten Netzwerkstrategie seit AOL versuchte, seine Kunden einzuschließen ever:

Wir werden unmittelbar nach dem Übergang auf die neue Softwarearchitektur unsere VZ-Markenfamilie in dem Segment oberhalb von StudiVZ erweitern. Die neue Marke richtet sich an alle Freunde unserer StudiVZ-Nutzer, die nicht mehr studieren oder gar nicht studiert haben.

so StudiVZ-CEO Marcus Riecke im Interview mit Holger Schmidt von der FAZ

Das Geräusch, das Sie eben vernahmen, war mein Kopf, der dezent auf der Tischkante aufschlug. Als Holtzbrinck bei bookya einstieg, wunderte ich mich noch, warum man eine solche Funktion -eine Onlinebücherbörse- nicht bei StudiVZ selbst einbaute, und ich schrieb am Ende halb im Scherz:

Stattdessen erwartet man, dass der Student, der bereits auf Studivz angemeldet ist, sich auch noch bei bookya anmeldet. Der Student, der als Schüler bei schuelervz angemeldet war. Und sich irgendwann nach dem Abschluss dann bei Alumnivz und in ein paar Dekaden bei rentnervz anmeldet? Ich bin dann mal auf facebook.

‚Halb‘ im Scherz weil ich ahnte, dass man soetwas Ähnliches tatsächlich plant.

Wie meschugge muss man sein, um mehrere parallele Netzwerke aufbauen zu wollen wenn man alles unter einem Dach machen könnte? Hat man bei StudiVZ/Holtzbrinck Angst vor dem Netzwerkeffekt? Warum beginnt man immer wieder nahe bei Null? Lust an der Herausforderung? Masochismus?

Zumindest plant man diesmal eine Durchlässigkeit zwischen den Seiten. StudiVZ-CEO Riecke:

Es wird eine große Durchlässigkeit zwischen StudiVZ und der neuen Marke geben. Wir wollen den Nutzern keineswegs vorschreiben, ob sie bei StudiVZ bleiben oder zur neuen Marke wechseln. Wir erwarten, dass viele ehemalige Studenten die neue Marke bevorzugen. Auf der neuen Plattform können die Nutzer auch ihre Arbeitgeber-Kontaktdaten sehr viel ausführlicher angeben.

Das Auslandsengagement von StudiVZ ging zum Großteil in die Hose weil es keine Verbindungen der Seiten untereinander gab -im Gegensatz zu wahrlich globalen Seiten wie Myspace und Facebook ein nicht unerheblicher Nachteil. Der so selbstgeschaffene Mehraufwand, wenn man in jedem Land komplett bei Null beginnt, war wohl doch größer als vermutet.

Jetzt macht StudiVZ aber wieder einen ähnlichen Fehler . Die Leute bauen sich ihr Netzwerk in StudiVZ auf und sollen nach Studienabschluss das Gleiche an anderer Stelle nochmal machen. Selbst wenn man soziale Verbindungen und vielleicht andere Daten (archivierte Privatkorrespondenz? Gruppenzugehörigkeiten? Bilder und dort Verlinkte?) übernehmen kann, ist diese Vorgehensweise, gelinde ausgedrückt, abstrus.

Was man stattdessen hätte machen sollen

Das Gleiche, was das andere große dt. Social Network (OpenBC->Xing) gemacht hat: Goodbye zum Namen sagen und die Community auf einen passenderen Namen umziehen. Und dort unter einem Dach das gesamte Netzwerk zusammenführen. Denn Studenten haben auch *gasp* Nichtstudenten als Freunde. Warum an dieser unnützen Trennung festhalten? Oder umgedreht gefragt: Warum nicht gleich richtig machen und eine eigene Seite für jedes Bundesland oder gar jede Universität? Eben, es ist kontraproduktiv.

Die Trennung von SchuelerVZ und den anderen Seiten ist richtig aufgrund des nötigen Jugendschutzes (jetzt mal abgesehen davon ob das und inviteonly für den Schutz ausreichen). Aber alles andere, selbst wenn die
Seiten irgendwann untereinander kommunizieren können sollten, macht es für die Nutzer komplizierter als nötig.

Möchte man den Leuten ermöglichen, sich verschiedenen Personenkreisen unterschiedlich zu präsentieren, kann man das auch über granulare Privacyeinstellungen und verschiedene Versionen von Userprofilen in Verbindung mit Freundeslisten realisieren. Dazu muss man keine zusätzliche Seite aufsetzen.

Vor allem: Welche der beiden Vorgehensweisen kann man seinen Nutzern wohl eher vermitteln? (Und außerdem: Werden Leute die vom StudiVZ ins ÜberVZ ziehen, dann doppelt gezählt? Wäre eine schöne Inflation der VZ-Gesamtzahlen.)

Weitere Punkte des Gesprächs:

  • „gesamte Softwarearchitektur komplett umgeschrieben“
  • Man konzentriert sich jetzt ganz auf das deutsche Geschäft.
  • Keine öffentlichen, indizierbaren Profile.
  • Break Even ist bei StudiVZ 2007 erreicht worden.
  • Mitglieder StudiVZ und SchülerVZ zusammen 7,5 Millionen
  • Umsatz StudiVZ 2007: „einstelliger Millionenbetrag“
  • Ein eigener Newsfeed wird „geprüft“
  • Einen Beitritt zu OpenSocial hält man nun für wahrscheinlich. (Vor wenigen Wochen wurde das noch kategorisch abgelehnt.)

Außerdem:

Eine proprietäre Schnittstelle mit Zugangsbeschränkungen..

StudiVZ-CEO Riecke hierzu und zum eventuellen Einstieg bei OpenSocial:

Es kann durchaus sein, dass wir Applikationen, die wir mit einem externen Entwickler erarbeiten, für uns behalten wollen. Wenn wir eine tolle Idee haben, macht es Sinn, wenn diese Idee in einem anderen Netzwerk nicht funktioniert. Die Applikationen sind ein Weg zur Differenzierung im Wettbewerb. Das Vorgehen hält uns alle Möglichkeiten offen: Wir können Anwendungen komplett allein entwicklen, wir können Anwendungen über die proprietäre Schnittstelle mit einem ausgewählten Entwickler erarbeiten oder wie bieten eine offene Schnittstelle an.

Eher heute hatte ich einen Artikel zu den aktuellen Facebooknews angefangen, den ich jetzt nicht mehr bringen werde (Am besten dem Link folgen, dort steht alles Wichtige). Ich schrub unter Anderem:

Facebook ist der Early Mover, der seinen Vorsprung immer weiter ausbaut.

Der Early Mover auf einem Markt, von dem man im Holtzbrinck/Studivz-Lager noch gar nicht zu wissen scheint, dass er überhaupt existiert.

Das muss ich nun korrigieren: StudiVZ hat diesen Markt mittlerweile gesehen. Ihn aber leider völlig falsch eingeschätzt.

Denn StudiVZ-CEO Riecke weiter:

Dann sollen alle Entwickler mal programmieren und die beste Anwendung soll sich auf der Plattform durchsetzen. Dieser letzte Punkt war der ursprüngliche Facebook-Weg. Das hat zu einer Vielzahl von Applikationen geführt. Wir sind nicht überzeugt, dass die Nutzer sie alle haben wollen.

Riecke liest scheinbar zu viele schlechte deutsche Blogs (schlechte deutsche Blogs? Ein Pleonasmus ?).

..ist der falsche Weg

Ich bringe den Vergleich aus meinem Artikel über die strategische Relevanz von (offenen) Plattformen gern nochmal:

Man muss Facebook, um das Konzept dahinter zu begreifen, mit einem Betriebssystem wie Windows und dessen Programmvielfalt vergleichen. Man kann natürlich argumentieren, dass 95% der Windowsprogramme kein oder kaum ein Windowsnutzer braucht. Stimmt. Ist dann aber die daraus gezogene logische Schlussfolgerung, dass ein Windows die optimale Lösung ist, bei dem Microsoft bestimmt, welche Programme darauf laufen dürfen?

Oder hat der Markt vielleicht für eine bessere Gesamtlösung gesorgt?

Hätte man ein Betriebssystem mit Zugangsbeschränkungen und eins ohne: Welches wäre nützlicher?

DAS ist der Punkt. DAS muss man verstehen als (Big) Player im SocialNetwork-Segment.

Auf bubblegeneration würde man jetzt davon lesen, dass StudiVZ/Holtzbrinck, die bei jeder Weggabelung traumwandlerisch die falsche Entscheidung zu treffen scheinen, schlicht die falsche DNA für diesen Markt mitbringen. Sie scheinen unfähig, das Internet zu verinnerlichen und seine Eigenschaften für sich nutzen zu können. (Lustigerweise das genaue Gegenteil zu Facebook)

Ja, sie haben noch nicht einmal begriffen, was ihre künftige Rolle ist. (Hint: Infrastrukturanbieter)

Mit Müh und Not hat man bei StudiVZ jetzt bekanntgegeben, dahin zu gehen, wo Facebook im Mai letzten Jahres ankam und der Rest der SocialNetwork-Welt im Herbst letzten Jahres entschied, ebenfalls hinzugehen.

Da will man also bei StudiVZ jetzt plötzlich auch hin, aber nur so halb. Irgendwie. Den Kuchen behalten und ihn essen:

StudiVZ setzt auf offenen Protektionismus und will versuchen, so Alleinstellungsmerkmale aufzubauen. Es könnte lustig werden zu beobachten, ob(!) man tatsächlich Entwickler überzeugen kann, die Überapp, statt für Zig Millionen von Facebookern oder per OpenSocial erreichbaren Nutzern, exclusiv für das im Vergleich dazu mickrige VZ-Netzwerk zu bauen. Und dann der nette indische Student von nebenan in Windeseile das Gleiche für Facebook umsetzt- nachdem es 5 andere vor ihm in verschiedenen Varianten für jeden Geschmack umgesetzt haben. Ob man dann als ehemaliger Facebook-Clon versuchen wird, Facebookapp-Entwickler abzumahnen? Oder wie auch immer man in anderen Ländern dann vorgehen müsste.

Selbst wenn man die Vormachtstellung in Deutschland für spezielle regionale Apps exclusiv für StudiVZ ausnützen wöllte, bezweifle ich, dass das klappen würde. StudiVZ kommt dafür etwas spät. Facebook hat eine ausgewachsene Plattform und einen baldigen Deutschlandstart. Ob der Vorsprung der Größe von StudiVZ ausreichen wird eine Gängelung bezüglich Exklusivität zu rechtfertigen? Nun, das wird sich zeigen. Dafür steht aber mal besser eine funktionierende Plattform parat. Etwas, an dem man bei der Vergangenheit von StudiVZ, was die technischen Belange angeht, wohl zweifeln darf. Angesichts der Probleme von OpenSocial scheint das Umsetzen einer Plattform wie F8 nicht so trivial wie man vielleicht vermuten könnte. Eine funktionierende StudiVZ-Applikation, die mehr als ein Widget ist, sehen wir sicher frühestens Ende ’08 -wenn überhaupt.

Abgesehen davon wird StudiVZ/Holtzbrinck sowieso mit traumwandlerischer Sicherheit genau die Applikation(en) ablehnen, die auf Facebok zu Killerapplikation(en) werden wird..

 

Es fällt immer wieder darauf zurück: Es ist keine taktische sondern eine strategische Entscheidung, die langfristig(!) über Gedeih und Verderb von Plattformen bzw. WebOS -und die sind die nächste Stufe in der Evolution von Social Networks- entscheiden wird: Markt oder Hierarchie. Was hat mehr Potential Nutzen zu stiften und damit Nutzer zu binden und selbst weiter zu wachsen?

Meine Meinung dazu ist hinlänglich bekannt.

 

(pic by gapingvoid )

About Marcel Weiß

Marcel Weiß, Jahrgang 1979, ist Gründer und Betreiber von neunetz.com.
Er ist Diplom-Kaufmann, lebt in Berlin und ist seit 2007 als Analyst der Internetwirtschaft aktiv. Er arbeitet als (Senior) Strategy Analyst bei Exciting Commerce, schreibt für verschiedene Publikationen, unterrichtet als Gastdozent an der Popakademie Mannheim und hält Vorträge zu Themen der digitalen Wirtschaft. Mehr zum Autor.
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  • Chris

    Junge, lies doch mal richtig. Das neue „überVZ“ ist direkt mit dem studiVZ gekoppelt, also nichts mit kompletten Freundeskreis neu anlegen..

  • „Chris“, auf die Durchlässigkeit bin ich auch eingegangen. Es wird sich zeigen, was man da alles von Netzwerk zu Netzwerk wird mitnehmen können. Dass da die Freunde dabei sein werden, ist klar. Aber wie wird das aussehen? Nur die, die bei studivz und dem neuen vz sind? oder wird das netzwerk auch konstant über bei beide seiten laufen können? usw. Ich bin nicht sehr optimistisch, dass da mehr dabei ist als das Nötigste.
    Übrigens das nächste Mal bitte eine gültige Mailadresse angeben. Danke.

  • Carsten

    Hey,

    ich finde die Idee von Studivz nicht schlecht da sie so mehrere Seiten schaffen, auf denen man den Überblick nicht irgendwann verliert. Also mit als FacebookUser ist Facebook im Moment viel zu undruchsichtig und schwer zu bedienen.

    Ist denn schon irgendwas über den neuen Namen bekannt oder kann man aufgrund von Markeneinträgen Rückschlüsse auf diesen ziehen?

  • Carsten,
    ob die Mehrzahl an Seiten zu einem besseren Überblick führen, wage ich zu bezweifeln. Was findest Du an Facebook denn unübersichtlich? Vollgestopfte Profile? Dagegen gibt es mittlerweile ein Mittel, das die Apps ausblendet. Ansonsten ist Facebook in meinen Augen das Netzwerk mit dem besten Interface zur Zeit. Würde mich also interessieren, was Du meintest, denn vielleicht bin ich da ja schon etwas betriebsblind. :)

    Über den Namen des neuen Netzwerks ist noch nichts bekannt.

    (Und nochmal der Hinweis, hier bitte echte Emailadressen zu verwenden, danke.)

  • FFD

    Cool. Endlich bringt es mal jemanden auf den Punkt! Danke Marcel. Ich hatte schon Angst, daß alle ehrfurchtsvoll in den Lobeschor einstimmen: „StudiVZ nimmt den Kampf gegen Facebook auf“, oder so ähnlich. Dabei ist Facebook derzeit die innovativste Anwendung im Netz, und StudiVZ sollte sich mit so einer Strategie eher auf Märkte wie Moldawien und Usbekistan konzentrieren.

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  • Benedikt

    Hallo Marcel,

    exzellente Analyse. Die Statements entsprechen absolut meiner Einstellung! Holtzbrinck versteht den Markt überhaupt nicht. auch, wenn sie es oft auf sehr arrogante Weise behaupten… Aber gut! Es wird sich zeigen…

    Grüße,
    Benedikt

  • Daniel

    Cooler Beitrag! Ich habe bisher ja nicht viel von StudiVZ gehalten und daran scheint sich wohl auch in Zukunft nichts ändern zu müssen ;-)
    Vor einigen Wochen wollte man Seitens StudiVZ von OpenSocial nichts wissen und nun geht man mit dem Thema zu halbherzig um… Nach dem Motto: wir machen alles wie Facebook, nur eben doch ein wenig schlechter. Wenn man es schon nicht hinbekommt technisch an der Konkurrenz vorbeizuziehen, dann bräuchte man doch nur zuschauen und dann gut nachbauen.
    Wahnsinn, dass man sowas noch an die große Glocke hängt! Ist man sich da seiner Sache zu sicher?

  • Pet

    „Masochismus?“

    Genial, das fasst den Artikel noch einmal treffend zusammen ;)

    Ich kann mir allerdings schon vorstellen, dass SVZ die Positionierung von Facebook als Infrastruktur-Anbieter durchaus verstanden hat, das aber für sich selbst ausschließt. Zum Beispiel weil Facebook da führend ist und/oder es möglicherweise kaum Geld abwirft. Oder weil sie selbst auch mal originell sein wollen. „Alles aus einer Hand“ kann auch durchaus ein vernünftiger Weg sein, siehe Apple. Die kontrollieren auch von der Hardware bis zu iTunes alle Schichten und können davon auskömmlich leben, proprietär, aber halt gut. Die könnens halt.

    Und da sehe ich dann auch eher das Problem von StudiVZ. Klasse, was die sich vorgenommen haben und die Mitglieder-/Umsatz-Ziele lesen sich auch schön. Aber wenn man sieht, wie wenig die bisher ihre Technik im Griff hatten, darf man wohl durchaus bezweifeln, dass sie Ihre Ziele überhaupt umgesetzt bekommen. Die könnens nämlich nicht. Insofern kann man nach der unterhaltsamen Lektüre des großspurigen Interviews gespannt sein und fragen:

    „Masochismus?“

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  • Matthias

    Zunächst mal ein Lob für diesen tollen Artikel.

    Gehst du mit deiner Meinung auch soweit, dass es auf kurz oder lang unsinnig werden wird, Social Networks für Nischenthemen (z.B. Briefmarkencommunity) auf eigene Beine zu stellen? Denkst du, dass es besser und erfolgreicher sein wird, solche Angebote in Infrastrukturanbieter, wie es eben Facebook ist oder dabei ist zu werden, einzubetten?

    Deine Meinung dazu würde mich sehr interessieren.

    Matthias

  • FFD, Benedikt: Danke!

    Daniel: Was und wie es Riecke im Interview sagt, das ist typischer CEO-Sprech. Das kann man ihm vorhalten, ist aber müßig.
    Seiner Sache war man sich im Holtzbrinck-Lager leider immer schon viel zu sicher. Ich meine, da eine gewisse Lernresistenz, gekoppelt mit Arroganz zu vernehmen. Wahrscheinlich auf dem Wissen gefußt, man könne mit den entsprechenden Geldern im Netz alles andere schon platt machen und so handeln wie man möchte. Meiner Meinung nach eine Fehleinschätzung. Die Vorteile großer Unternehmen wiegen im Netz weitaus weniger als in der analogen Welt (und dort bröckelt es auch, aber das ist eine andere Geschichte).

    Pet: Dein Apple-Vergleich ist nicht schlecht. Passt aber imho nur auf den ersten Blick. Der Vergleich passt nur dann, wenn Apple entscheiden würde, welche Musik angeboten werden darf. Mit dem Argument: Weil 95% der Musik von kaum jemand angehört wird. Das fällt mir jetzt erst auf: StudiVZ blendet den Long Tail völlig aus. Hmm, interessant.

    Matthias: Danke fürs Lob.
    Zu Deiner Frage: Kurz: Ja.
    Lang: Es kommt drauf an. Irgendwann wird es keinen Sinn mehr ergeben, eine Seite zu starten, die nicht in irgendeiner Weise mit diesen Plattformen verbunden ist. Wann das sein wird, kann niemand sagen.
    Je nach Ausgangssituation der Community -und StudiVZ steht hier ja eigtl. nicht schlecht da, trifft nur gerade die falschen Entscheidungen-, kann das jetzt aber auch ohne ankoppeln noch eine Weile gut gehen.
    Aber fakt ist, dass Facebook mit seinem F8 und irgendwann auch OpenSocial eine immer stärker zunehmende Gravitation erzeugen werden. Und wenn es dann dort neben allem anderen auch ein Substitutionsgut für das eigene Angebot auf dieser Plattform gibt (und das wird nahezu immer der Fall sein), dann hat man mit einer von diesen Welten abgetrennten Seite irgendwann(!) ein Problem.

    Man sollte diesen Effekt jetzt nicht überschätzen, da er kurzfristig noch keine große Auswirkung außerhalb der Geekosphäre haben wird, und die Plattformen auch noch nicht so weit sind. Aber das wird immer wichtiger werden. Besonders da neue Konkurrenten in der eigenen Niche über F8& Co. viral schneller wachsen können.

    Je eher man hier aber eine Strategie entwickelt und Kompetenzen aufbaut, umso besser wird man mittel- und langfristig dastehen.

    Die Sache ist aber weitaus komplexer als ich jetzt hier aufgeschrieben habe. Ein paar weitere Punkte:
    -Dataportability wird wichtig werden, ist aber jetzt noch vernachlässigbar.
    -Wer andockt und zwar richtig, wird immer schneller wachsen als andere, gleichzeitig werden die Plattformen dadurch immer attraktiver (in etwa vergleichbar mit dem Nutzenunterschied damals zwischen privaten Geocities-Seiten und Friendster, dem weltersten SN damals; klar wo die Leute hinströmen werden..)
    -Siehe als Beispiel für eine gelungene Verbindung die Flixster-App auf Facebook (Flixster selbst ist ein SN rund um Filme mit 45Mio Nutzern)
    Social Media Burnout Syndrom spielt auch eine Rolle, wenn auch zunächst hauptsächlich bei Geeks. (Bei Normalsterblichen wirkt der gleiche Umstand von der anderen Seite her: Durch Plattformen werden sie mehr Seiten/Webdienste nutzen als vorher. Weil es so erst bequem möglich wird.)
    -Zustäzlich sich selbst potenzierender Nutzenzuwachs durch Apps die irgendwann miteinander kommunizieren werden können
    -Was andere Aspekte wie interne Entscheidungsfindung angeht siehe auch Markt vs Hierarchie

    Ich könnte da jetzt noch mehr schreiben, hör jetzt aber mal auf, da mir die Zeit fehlt und es zu schade nur als Kommentar wäre. :)

  • Sehr guter Artikel. Das Problem scheint mir zu sein, dass man noch in Kategorien des Web 1.0 denkt und darauf vertraut, mit etwas Marketing die Sache schon richten zu können. Die Entwicklung hin zu Plattformen bzw. zum Infrastrukturanbieter haben allerdings noch die Wenigsten erkannt.

    Und damit zu meinem Namensvetter hier in den Kommentaren: Ja, Social Networks für Nischenthemen werden irrelevant. Die Themen müssen zum Traffic kommen, nicht umgekehrt. Wie da die Geschäftsmodelle aussehen werden, ist aber noch weitgehend unklar und eine ziemlich spannende Sache!

  • Matthias

    Jetzt stellt sich natürlich die Frage, bis wann man in welchem Maße eine solche Integration angehen muss/soll.

    Der erste und eigentlich längst fällige Schritt wird sicher sein, dass sich der User nicht mehr bei jedem Network erneut anmelden muss. Stichworte: Data-Portabilty und APIs

    Hier tut sich allerdings wieder das Problem auf. In wessen Hände lege ich meine Daten? Aber dies gehört wahrscheinlich an anderer Stelle diskutiert (wollte ich nur loswerden).

    btw: Blog is soeben in meinen Reader gewandert :)

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  • Andreas

    Hm also du sagst selber das du SchuelerVZ auch seperart lassen würdest.
    Dennoch schreibst du so lange Absätze darüber wie schlimm es ist das StudiVZ als Marke gelassen wird und nicht mit der neuen Seite fusioniert? Ohne zu wissen wie die Verzahnung, die ja extra angekündigt wird aussehen wird?
    Das leuchtet mir gerade nicht ein, zudem solltest du bedenken, dass auch viele Studenten ein bestimmtes „Wir“ Gefühl haben und es cool finden gerade eine STUDIvz Seite zu benutzen, es gibt auch genügend die sich schon jetzt beschweren das auch Nicht-Studis die Seite nutzen.
    Ich persönlich finde es gut das es keine große Mischmaschseite gibt.
    Und zu dem allgemeinen Holtzbrinck Bashing und das sie ja keine Ahnung haben, so ganz erfolglos ist StudiVZ ja nun nicht, das sollte man sich vielleicht ab und an wieder in Erinnerung rufen bevor man die Beacon Jungs von Facebook (wir protokollieren was ihr bei Amazon kauft, wir geben euer Profil für Suchmaschinenen frei) sehnsüchtig empfängt.
    Alles mal wieder etwas zu einseitig, aber natürlich auch sehr typisch für Deutsche Blogs wenn sie sich mit StudiVZ „beschäftigen“.
    Disclaimer: Ich bin sowohl bei Facebook als auch bei StudiVZ registriert und arbeite leider für keine der Seiten.

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  • xenon

    Das wundert mich aber jetzt ein bisschen:

    Du hast irgendwo einen Hinweis auf Umair Haque und stellst gleichzeitig facebook als die „so macht mans richtig“-Alternative dar. Konsequenterweise hättest du dann eigentlich deutlich negativer über StudiVZ schreiben müssen.

    Nicht, dass (auch meiner Meinung nach) Mr. Zuckerberg jetzt schon einige Fehlgriffe in Sachen Strategie getätigt hat, aber die StudiVZ-Strategie ist ja wohl ein deart bahnbrechender Bullshit, dass es schon weh tut.

    Vllt. hättest du den einen oder anderen Hinweis auf die OpenSocial-Initiative setzen sollen – damit würde StudiVZ vor dem Hintergrund silo/walled garden dann um einiges deutlicher als der pappnasetragende „KeineAhnung von Social“-Wicht dastehen….da fallen intern sicher solche Begriffe wie „Markenstretching“ und „Diversifikation“ und „1+1+1=4.5“.

    Anyway – was die Gründer nicht schafften, schaffen jetzt offensichtlich die Holtzbrinck-Consultant-Klone.

  • Matthias 2.0: upgegradet, wie? :) Was die Geschäftsmodelle angeht, denke ich, ist immer noch eine Mischung aus Free und Preiumaccounts eine gute Strategie, wenn richtig umgesetzt. Ich schreibe dann dazu gleich noch einen Artikel, über den ich schon den ganzen Tag nebenbei nachgedacht habe.

    Matthias: Wie man eine solche Integration priorisiert, hängt logischerweise stark davon ab, wie die eigenen Ressourcen aufgestellt sind. Ich bin aber, wie man bereits ahnt, der Meinung, dass man das nicht ins hintere Drittel legen sollte. Je eher man weiß, wie man sich da verhalten muss und auf was man achten muss, um Märkte zu besetzen umso besser. Wer in diesem jungen Markt frühzeitig Erfahrungen sammelt und am Ende gar Erfolge vorweisen kann, kann dann sogar seine Expertise als Beratung zusätzlich noch monetisieren. usw. etc etc

    Andreas: Wie ich bereits ausgeführt hatte, nimmt SchuelerVZ eine Sonderposition aufgrund des nötigen Jugendschutzes ein. Das muss man zwingend getrennt handhaben.
    Was die Verzahnung angeht:
    Entweder:
    Entweder wird diese nicht alles umfassen. Und dann fehlen auf der einen Seite dann Dinge von der anderen. Beispielsweise was wird mit den Gruppen? Wenn man in einer ernsthaften Gruppe tätig ist und die dann im neuen Umfeld fehlt, ist das ein massiver Nachteil und eine Schwelle zum wechseln. Oder was ist mit hunderten hochgeladenen Fotos, auf denen die Freunde verlinkt sind? Alles nochmal neu machen? Nur zwei Beispiele.
    Oder:
    Das wird alles integriert und die Kommunikation zwischen beiden Seiten ist allumfassend. Dann bleibt die Frage: Warum eine zusammenhängende Community willkürlich auf zwei Domains verteilen? Für Verwirrung galore?
    Wie man es dreht und wendet, dieses Vorgehen ist, um es mit dem Worten des Dir nachfolgenden Kommentators zu sagen, „Bullshit“.
    Was den Erfolg von StudiVZ angeht: Der ist nicht auf dem Mist von Holtzbrinck gewachsen. Die Seite war schon groß und damit ein Selbstläufer als sie übernommen wurde. Und groß wurde sie, weil sie die ersten waren und genau _eine_ Sache richtig gemacht haben: viral via Campuscaptains.

    Xenon: Facebook hat spätestens mit Beacon gezeigt, dass sie auch Fehler machen usw. Das habe ich hier im Blog als eines der wenigen deutschen Blogs auch verfolgt: Beaconberichterstattung
    Auch darauf hätte ich noch eingehen können, ja. Aber ernsthaft, irgendwo muss man auch mal aufhören. Der Artikel war auch so schon sehr lang geworden. Und letztenendes habe ich Facebook auch nicht als die alle glücklich machende Lösung hingestellt (zumindest nicht bewusst). Sondern lediglich deren unbestreitbar immer weiter steigenden technologischen Vorsprung hervorgehoben. Und das sie, auch das ist kaum bestreitbar, unheimlich viel einfach richtig machen.

    Lustig auch, dass zwei Kommentatoren hintereinander mir einmal vorwerfen zu einseitig negativ über StudiVZ und zu positiv darüber zu schreiben. :)
    Nur so viel: Du hättest die erste Fassung dieses Artikels sehen sollen. Ich habe mich zusammengerissen, um meine Argumente nicht (völlig) unter Polemik zu begraben. Und so möglichst unvroeingenommen über StudiVZ zu schreiben.

    die StudiVZ-Strategie ist ja wohl ein deart bahnbrechender Bullshit, dass es schon weh tut.

    Dem kann ich nicht widersprechen.

    was die Gründer nicht schafften, schaffen jetzt offensichtlich die Holtzbrinck-Consultant-Klone.

    Es sieht ganz danach aus.

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  • Sehr schöner Artikel.
    Mir kommt es so vor, als habe man bei studiVZ plötzlich Angst vor Facebook bekommen.
    Wer soll denn in dieses neue überVZ wechseln? Was passiert dann mit dem Profil bei studiVZ, wenn ich das neue überVZ nutzen sollte? Kann ich das löschen und trotzdem weiter mit meinen Freunden in Kontakt bleiben, die nicht wechseln? Die Zukunft wird meine Fragen beantworten.
    Es wäre mit Sicherheit einfacher, wenn studiVZ gleich für alle geöffnet wird. Irgend jemand vor mir schrieb, dass die Studenten weiterhin studiVZ nutzen wollen, um quasi unter sich zu sein. Ähm .. in meiner Kontaktliste sind 65 Personen, davon studieren aktuell 20 Personen, 12 ehemalige und 33 haben nie studiert. Also über 50% gehören gar nicht zur Zielgruppe. Soviel zum Thema „unter sich sein/bleiben“. Und genau unter diesem Hintergrund kann ich es nicht nachvollziehen, warum man studiVZ nicht schon viel eher auch offiziell für Nichtstudenten geöffnet hat. Das meine besagten 33 Kontakte in dieses überVZ umziehen, will ich stark bezweifeln. Ein Teil geht gleich zu Facebook, auch weil sie da internationale Kontakte haben und die weniger wechselfreudigen bleiben im studiVZ .. egal was es sonst noch gibt.
    Zitat: „Auf der neuen Plattform können die Nutzer auch ihre Arbeitgeber-Kontaktdaten sehr viel ausführlicher angeben.“ Guten Morgen .. wer das wirklich will, ist schon längst bei Xing. Und da auch Xing an dem OpenSocial Projekt teilnimmt, kann sich überVZ die Illusion sparen. Besonders da man ja plötzlich selbst am OpenSocial teilnehmen möchte. Warum sollte ich den jetzt in dem neuen überVZ noch mal ein Profil anlegen und die selben Daten wie bei Xing eintragen? Da warte ich lieber was wirklich aus OpenSocial wird, oder ob Google eines Tages nicht doch noch mal was eigenes macht bzw. Orkut weiter ausbaut und interessanter macht.

  • Bernd

    Sorry, aber warum sollte SVZ mit Millionen Usern sich anderen Netzwerken öffnen?

    Jedes SN versucht doch durch Alleinstellungsmerkmale zu glänzen.

    Und bei FB sind nunmal 95% der Apps sinnlos oder lediglich Copycats vorhandener Apps.

    Da brauch man wirklich nicht 100 Varianten einer App, die man dann alle installen muss damit die geschmackserprobten Freunde auch ja alle bedient sind.

    Letztendlich gilt: Ihr würdet natürlich alles „besser“ machen (und dabei gnadenlos floppen).

  • xenon

    Ich sags mal so: Open Social >>>F8>>>StudiVZ API

    Wenn Facebook für seine marginale Begrenzung aus strategischer Sicht bereits vor Monaten „an die Wand gestellt wurde“ – dnn StudiVZ mit noich restriktiverem Ansatz ja wohl um das hundertfache.

  • Joshi: Gibt’s nichts hinzuzufügen.

    Bernd: Lies den Artikel doch bitte richtig:

    Man muss Facebook, um das Konzept dahinter zu begreifen, mit einem Betriebssystem wie Windows und dessen Programmvielfalt vergleichen. Man kann natürlich argumentieren, dass 95% der Windowsprogramme kein oder kaum ein Windowsnutzer braucht. Stimmt. Ist dann aber die daraus gezogene logische Schlussfolgerung, dass ein Windows die optimale Lösung ist, bei dem Microsoft bestimmt, welche Programme darauf laufen dürfen?


    xenon: naja, opensocial ist bis jetzt noch immer nicht mehr als eine Skizze, eine gute Idee. Bestenfalls eine aufgebohrte Widgetplattform.

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  • nilsn

    Ich glaube, der gewichtigste Unterschied ist die Sprache. Ich glaube das „die Deutschen“ da eine relativ große Barriere gegenüber englischsprachigen Produkten haben. Wenn Facebook eine gute Übersetzung hin bekommt, dann wird es erst interessant für StudiVZ.

  • Du sprichst mir aus dem Mund, genialer Artikel. StudiVZ war ein FB Klon, jetzt wird auch noch das Apps-System geklont, aber die Idee dahinter haben sie noch immer nicht begriffen.

  • Naja, dieses guruhafte „das Prinzip nicht verstehen“ geht mir ja ganz schön auf den Keks. Die Leute besuchen solche Seiten um Ihre kostbare Lebenszeit zu verdaddeln, was Ihr gutes Recht ist. Da sie von den Facebook Apps ordentlich zu gespammed werden, erinnern sie sich häufiger daran das ja schon seit mind. 30 minuten keine zeit mehr verdaddelt haben und es jetzt mal wieder tun könnten. Das hat StudiVZ nun begriffen, da geht es nicht um irgendein Prinzip, sondern schlicht und einfach um Spam, im Applikations Mantel.

    Oder glaubt jemand ernsthaft das die Superwall und Magapoke für irgendeinen Menschen auf der Welt eine Bedeutung hat.

    Und ob die Schnittstelle nun frei ist oder nicht, hat wohl den einzigen Grund darin das die Seite so mieserabel programmiert ist, dass alles zusammenbrechen würde, wenn jemand ungetestet eine app hochstellt. :-D

  • Urs Schäuble

    Hi Marcel,

    finde Deine Analyse auch brilliant. Das Beste, was ich seit langem zum Thema StudiVZ gelesen habe.

    Zwei Fragen:

    1. Du gehst in Deinem Beitrag davon aus, dass das Markt-Entdeckungsverfahren für die Entwicklung von Applikationen dem proprietären Ansatz von StudiVZ überlegen ist. Volle Zustimmung, nur setzt Du ungeschrieben voraus, dass es eine solche Applikation, die den Nutzen der User eines Social-Networks signifikant erhöht, tatsächlich gibt (sie im Moment nur noch nicht gefunden wurde). Was macht Dich so sicher, dass es eine solche Applikation, die über momentane Spielerei hinausgeht und einen für den Nutzer sofort erkennbaren, dauerhaften Mehrwert beinhaltet, wirklich gibt. Gerade weil das Internet in den letzten Jahren so viele Neuheiten für uns bereithielt, ist man geneigt zu glauben, dass das immer so weiter geht. Ist aber keineswegs sicher, dass das so stimmt. Möglicherweise gibt es gar keine durchschlagenden Neuerungen für die social networks mehr, nach denen noch zu suchen wäre. Ich meine, alle potenziellen „Killer-Applikationen“, die wenigstens das Geld für die Server wieder reinspielen sollen, müssten doch letztlich auf irgendeine Kombination des Freundesnetzwerks mit Verkaufen von irgendwas rauslaufen, und gerade damit hat sich facebook doch gerade eine blutige Nase geholt.

    2. Was sind genau Deine Einwände gegen das vom StudiVZ geplante „BerufstätigenVZ“, wenn es tatsächlich auf eine 1:1-Portabilität hinauslaufen sollte. Ich sags mal überspitzt: Theoretisch kann das VZ doch da im Hintergrund ein und dieselbe Verzeichnis-Software laufen lassen, nur je nachdem, unter welcher URL Du das Verzeichnis ansurfst, wird halt ein anderes CSS geschaltet und andere Daten angezeigt. Für das VZ eine billige Lösung, mit der sie um ihr in der Tat fettes Namens-Problem rumkommen, und der User, der über die Atmosphäre auf einer solchen Plattform ohnehin zunächst mal emotional optisch über das Design urteilt, würde sich wohlfüllen: Sei es im StudiDesign mit flotten Sprüchen dazu, oder in einem BerufstätigenVZ in seriösem Dunkelblau mit optionalem Lebenslauf für potenzielle Arbeitgeber.

    Ansonsten wie gesagt brilliante Analyse!

  • Der Roman

    Spannender Artikel mit interessante Analysen, denen ich zum großen Teil zustimme; nichtsdestoweniger hab ich zwei Kritikpunkte:

    1. Wie die Integration der verschiedenen VZs nach einer Erweiterung der „VZ-Markenfamilie in dem Segment oberhalb von StudiVZ“ konkret aussehen wird ist m.W. zur Zeit nicht bekannt. Ich glaube zwar, dass – wie Du ja schon suggerierst – Holtzbrinck den Markt hier nicht verstanden hat und dass deswegen nichts Gutes dabei herauskommen wird. Trotzdem kann man eine solche Integration auch auf eine geschickte und markttaugliche Art und Weise betreiben (Stichwort: blindes Huhn). Insofern kommt mir Deine Analyse hier etwas überzogen vor. „Die Leute bauen sich ihr Netzwerk in StudiVZ auf und sollen nach Studienabschluss das Gleiche an anderer Stelle nochmal machen.“ … das ist halt (noch) nur eine Mutmaßung …

    Im Übrigen habe ich persönlich mir gezielt zwei separate Netzwerke aufgebaut (XING und Facebook), weil ich eben Berufliches von Privatem sauber getrennt halten will.

    2. Trägheit der Masse: Als „Early Adopter“ und „technische Insider“ mag es uns leicht fallen, Facebook als die technisch und strategisch besser aufgestellte Plattform zu identifizieren. Das wird allerdings nicht zwangsläufig zur Folge haben, dass auch ein Großteil der jetzt bestehenden studiVZ-Nutzergemeinde diese Dinge ebenso klar sieht. Immerhin ist auch ein Umzug zu z.B. Facebook mit echter Arbeit verbunden. Aus leidvoller Erfahrung kann ich sagen, dass es extrem schwierig ist, Leute zu motivieren, studiVZ hinter sich zu lassen. Immerhin haben sie im studiVZ ein funktionierendes Netzwerk. Da kann Facebook aus technischer Sicht noch so cool sein, es interessiert die Leute einfach nicht … :-) … im Übrigen *wissen* die meisten studiVZ-Nutzer nicht im Ansatz, wie gut Facebook wirklich ist …

    Gruß und Danke für die Analyse
    Roman

  • nilsn: Ja, das wird auf jeden Fall interessant.

    blogstone: Danke!

    Daniel Nowak: Ich werde meine Argumente aus dem Artikel nicht nochmal wiederholen. Lies dort im Artikel -oder eine Handvoll Kommentare über Deinem- nach, warum es irrelevant ist, dass es unsinnige Apps auf Facebook gibt.

    Urs Schäuble:
    zu 1.: Ich denke in der Tat, dass wir da erst am Anfang stehen. Man darf nicht vergessen, wie jung das alles noch ist. Die Facebook-Plattform ist wie gesagt noch nicht mal ein Jahr alt. Ein Beispiel: Vor ein paar Tagen wurde von einem Drittanbieter ein InstantMessaging-Client für den Desktop vorgestellt, der auf die Freundesliste von Facebook zurückgreift. Da geht noch einiges. Wer hätte schon bei der ersten Version von MSDos gedacht, was da noch alles kommen würde.

    zu 2.: Wie ich schon oben in einem anderen Kommentar schrieb:

    Was die Verzahnung angeht:
    Entweder:
    Entweder wird diese nicht alles umfassen. Und dann fehlen auf der einen Seite dann Dinge von der anderen. Beispielsweise was wird mit den Gruppen? Wenn man in einer ernsthaften Gruppe tätig ist und die dann im neuen Umfeld fehlt, ist das ein massiver Nachteil und eine Schwelle zum wechseln. Oder was ist mit hunderten hochgeladenen Fotos, auf denen die Freunde verlinkt sind? Alles nochmal neu machen? Nur zwei Beispiele.
    Oder:
    Das wird alles integriert und die Kommunikation zwischen beiden Seiten ist allumfassend. Dann bleibt die Frage: Warum eine zusammenhängende Community willkürlich auf zwei Domains verteilen? Für Verwirrung galore?

    Es erzeugt außerdem unnötig viele Inboxen, was das Handling umständlicher macht. Das Präsentieren auf verschiedene Arten für verschiedene Personenkreise lässt sich wie gesagt technisch und konzeptionell auch auf nur einer Seite umsetzen.

    Der Roman:
    zu 1.: siehe meine Antwort zu Urs‘ zweitem Punkt. Grundsätzlich hast Du aber auch recht, dass es sich noch zeigen muss, wie clever die Verzahnung der Seiten umgesetzt ist. Ich zweifle aber stark an, dass das überzeugen wird. Zumal schon das Konzept dahinter, unabhängig von der technischen Umsetzung, Humbug ist.
    Was die separaten Netzwerke angeht, siehe meine Antwort zu Punkt zwei von Urs und auch meine Ausführungen im Artikel: Das kann man auch auf einer Seite umsetzen. Etwas, das bei Facebook übrigens seit einiger Zeit in der Mache ist. :)
    zu 2.: Trägheit, stimmt. StudiVZ wird auch Ende ’08 noch zu den größten deutschen Seiten zählen. Spannend wird aber sein, wo Facebook dann stehen wird.

  • Urs Schäuble

    Hi Marcel,

    vielen Dank für die Antworten. Nur nochmal eine kurze Erwiderung von mir:

    zu Punkt 1: Natürlich hast Du recht, die social networks sind noch jung, man weiß nicht, was noch kommt. Was mir nur auffällt ist, dass zur Zeit immer mit Selbstverständlichkeit davon ausgegangen wird, dass das Entwicklungstempo im Netz so weitergeht wie in den letzten fünfzehn Jahren. Man schreibt quasi die vergangene Dynamik in die Zukunft fort, und dafür, dass das plausibel sein soll, gibt es eigentlich keinen Beweis.

    Mein Eindruck ist eher (und ich weiß, das klingt jetzt ein bißchen überheblich): Das Internet ist im Großen und Ganzen ausgereizt. In den nächsten Jahren wird es vor allem noch um zwei Dinge gehen: Kompatibilität und Komprimierung von Datenmengen.

    Aber irgendwann sind wir dann so weit, dass Du jede beliebige Datenmenge drahtlos an eine beliebige Anzahl Menschen auf der Welt ohne Zeit-gap verschicken kannst. Was willst Du dann noch dazuerfinden? Die komplette Vernetzung aller für das Netz denkbaren Medien (Fotos, Videos, Musik, Texte) ist doch bereits da; es geht im Grunde nur noch um einen Rest an technischer Verfeinerung.

    Schon möglich, dass FB da einen Standard für das Netz setzen wird, aber letztlich ist FB dann nix anderes als: eine Konvention. Eben ein Kompatibilitäts-Standard.

    zu Punkt 2: Man muss sich glaube ich immer wieder klar machen, dass so ein social network im Grunde nix anderes ist als eine Datenbank mit User-Interface. Die Marke hängt somit allein am durch das Design vermittelten Image der Oberfläche.

    Warum soll man da nicht einfach eine Datenbank für diverse Bevölkerungsgruppen von den Schülern über die Studis bis zu den Berufstätigen führen, und halt einfach jedem User dazu die Oberfläche geben, auf der er sich wohlfühlt und die ihn glücklich macht? Ich behaupte gar nicht, dass es der bessere Ansatz ist als Facebook oder auch nur, dass das StudiVZ das überhaupt bis zu Ende durchdacht hat. Aber ein theoretisches Alternativ-Modell wäre es in meinen Augen schon.

    Übrigens nochmal zum Thema Marktentdeckungsverfahren vs. proprietärer Ansatz: Man könnte auch vertreten, dass der proprietäre Ansatz (wie von StudiVZ) ausnahmsweise dann überlegen ist, wenn ich einen anderen Hambam habe, der für mich kostenlos das Marktentdeckungsverfahren durchführt.

    Vielleicht sieht das StudiVZ ein bißchen so sein Verhältnis zum Facebook? Im Grunde braucht das VZ ja nur zu gucken, was dort die Erheblichkeits-Schwelle überschreitet und von den Usern wirklich nachgefragt wird, und die entsprechende Applikation dann einfach auch fürs VZ programmieren lassen. Dann nehmen sie nur die bewährten Sachen, und sparen sich den Spam-Schrott.

    Finde Dein blog übrigens wirklich gut und werde es mir vormerken.

    Gruß!

  • Hallo Urs,
    ich diskutiere gern. :)
    zu 1.: Ich glaube nicht, dass das Internet ausgereizt ist. Ich glaube eher, wir stehen da immer noch am Anfang. Das Internet ist die wichtigste Erfindung seit der Zeit Industrialisierung. Wahrscheinlich wird es am gesellschaftlichen Impact dieses sogar noch überholen. Aber es ist noch nicht das Massenmedium. Und wie alt ist es? und wie alt sind die seiten, die man heute nutzt? Das ist alles noch in den Kinderschuhen.
    Weiterhin: Du konntest Ende der Neunziger auch schon kostenlos Texte auf deiner geocities-seite ins netz stellen. Warum ist es heute trotzdem eine andere Welt mit Blogs? Interfaces, Informationsarchitekturen etc etc.

  • Urs Schäuble

    Hi Marcel,

    da haben wir was gemeinsam, ich diskutiere solche Sachen auch leidenschaftlich gern bis zu Ende durch. :-)

    Also: Es ging mir gar nicht um die Bedeutung des Internets. Die sehe ich ähnlich groß wie Du. Sondern mehr um die Frage, was noch „Neues zu erwarten ist“.

    Da Du offenbar kulturhistorische Vergleiche liebst, möchte ich meine These nochmal mit einem solchen untermauern: Stell Dir mal vor, es hätte sich 1887 – ein Jahr nach Erfindung des Autos – jemand hingestellt und hätte gesagt: „Leute, was wir hier vor uns haben, ist eine der größten Erfindungen des Jahrtausends. Und irgendwann wird es Autos geben, die 50 mal so schnell fahren wie dieses hier. Und dennoch: An den Grundfunktionalitäten des Autos wird sich auch in den nächsten 150 Jahren nichts mehr ändern: Vier Räder, Verbrennungsmotor, in der Mitte Sitze für die Fahrgäste, Abhängigkeit von Benzin und Straßen.“ Das hätte damals auch ziemlich verrückt geklungen. Und dennoch hätte er Recht behalten.

    Ähnlich sehe ich es mit dem Internet. Denn: Wenn Du Dir mal für einen Moment die dezentrale Organisation wegdenkst, dann ist das Netz sozusagen nur ein einziger gigantischer Server, auf den die gesamte Weltbevölkerung Daten draufpacken und Daten runterziehen kann. Wenn man sich das einmal vom Grundprinzip her klar macht, dann… …ja, dann brauchst Du eigentlich auch gar kein Marktentdeckungsverfahren mehr. Dann wird einem, wenn man das Ding nur mal einmal zu Ende denkt, ziemlich rasch klar, was das Netz kann. Und was nicht.

    Der Rest ist im Grunde eine Sache von Technik. Das heißt (wenn Du das Bild von dem einen gigantischen Server nochmal für einen Moment akzeptierst): Wie kann ich möglichst große Datenpakete in möglichst kurzer Zeit mit möglichst geringen Kosten draufpacken und runterziehen. Eine andere wirkliche „Entwicklung“ gibt es im Netz eigentlich gar nicht. Das, was als „Entwicklung“ wahrgenommen wird – wie z. B. die social networks – sind im Grunde nur eine logische Folge geänderter technischer Bedingungen. Ich bin überzeugt, dass schon der gegenwärtige „Web2.0-Boom“ letztlich auch nur technische Weiterentwicklungen ausgelöst wurde (weite Verfügbarkeit von Breitband-Anschlüssen in relevanten Zielgruppen, server-schonendere Programmiertechniken etc.). Die Internet-Entrepreneure der Neunziger waren nicht dööfer, nur die technischen Möglichkeiten waren noch nicht da. Der ganze Rest sind im Grunde nur Spielereien, bzw. Design- und Modefragen.

    Nur: Bei genau dieser technischen Entwicklung stößt das Internet irgendwann zwangsläufig an die Decke, nämlich dann, wenn jede für das menschliche Gehirn noch irgendwie Sinn machende Menge an Daten ohne wesentliche Zeitverzögerung jederzeit an jeden Ort der Welt versandt werden kann. Das ist ein Punkt, wo technisch noch gewisse Verbesserungen denkbar sind. Ob die allerdings für die qualitative Nutzung noch so viel ausmachen, oder ob wir jetzt schon eine Art „Sättigungs-Punkt“ erreicht haben, finde ich schwer zu beurteilen. Macht es noch einen Unterschied, ob ich mit einen Hollywood-Schinken binnen 15 Minuten aus dem Netz laden kann, oder ob ich davon 10 in einer halben Sekunde als SMS-Anhang verschicken kann?

    Das in Kürze meine Gedanken dazu…

  • Urs,
    ich weiß nicht, ob es wirklich sinnvoll für die Betrachtung ist, das so weit runterzubrechen. Das gleiche Argument kennt man doch aus der Musik: „Jeder Ton wurde schon mal gespielt“. Ja und? Das heißt nicht, dass es keine neue Musik geben kann. usw.

    Anders gesagt: Du kannst jeden im Netz veröffentlichten Text über Google finden. Warum brauchts dann Technorati? Weiter: Du kannst jeden Blogpost auf Technorati finden, auch aktuelle Posts dort verfolgen. Warum gibt es dann Rivva?
    Du unterschätzt Dinge wie Filtern, Aggregation, Spezialisierung, Interfaces, das kommende semantische Web usw.
    Das mag im Hintergrund immer ’nur‘ Vernetzung und das Hinundherschieben von Daten sein, aber das was vorn stattfindet, ist doch deswegen nicht trivial. Eher im Gegenteil.

  • Urs Schäuble

    Naja, ich habe es mal bewusst ziemlich weit runtergebrochen und ein etwas provokantes Bild gewählt, um den Gedanken klar zu machen. Letztlich bringt es an der Stelle aber wahrscheinlich tatsächlich nix weiterzudiskutieren, eben weil es noch Zukunftsmusik ist. Ich bin zwar überzeugt, dass mein Bild des Internets schon ziemlich zutreffend ist, und dass Du Unrecht hast, bin aber auch zu faul, mich dafür zu kloppen. ;-) Deswegen: Lass uns die Diskussions-Energie lieber für ein anderes mal und andere Fragen aufsparen!

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  • Thorsten

    Hallo Marcel,
    sehr schöner Beitrag, gibt die Situation im Holtzbrincklager sehr gut wieder, leider lernen sie gar nix. Aber das ist eine typisch deutsche Mentalität lieber stur ins Verderben rennen als professionell zu sagen wir haben einen Fehler gemacht und wollen daraus lernen! Bitte helft uns! Es ist definitiv spannend zu sehen was F8 noch so treibt in Deutschland!

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