Archive for Februar, 2008

OpenID: Probleme, Lösungswege und Zukunft

OpenID scheint dieses Jahr langsam im (Web-)Mainstream anzukommen. Die Meldungen dieses Jahr über große Unternehmen die (zugegeben oft erst einmal halbherzig) OpenID anfangen zu unterstützen, brechen nicht ab. Wenn auch die meisten großen Seiten OpenID nur als Provider nicht als Consumer zunächst unterstützen (heißt man kann sich mit ihren Accountdaten anderenorts einloggen nur bei ihnen anmelden mit einer OpenID geht nicht, siehe hier zur näheren Erklärung).

Markus hat nun vor ein paar Tagen einen interessanten Text über OpenID geschrieben und ist dort besonders auf Probleme eingegangen:

Leider ist openID aber wie eine Kreditkarte bei der man dann auch nicht mehr mit Bargeld bezahlen kann, wenn man in einem Geschäft einmal mit ihr bezahlt hat, und leider kann man den Kreditkartenbetreiber dann auch nicht mehr wechseln.

Er erwähnt dann Delegation als Lösung dieses Problems (Zu Delegation siehe diesen Artikel von Carsten hier auf neunetz.com, außerdem wird im Agenturblog die Bedeutung von Delegation nochmal unterstrichen).

Ein weiterer Punkt, der sich durchsetzen wird mMn, ist, dass sowohl auf Consumer als auch auf Providerbasis unabhängige Emailadressen hinterlegt werden können. Mit diesen lässt sich dann im Notfall der Account sperren, wiederherstellen, whatever.

Markus:

Das Problem mit openID ist nicht, dass es zu Problemen kommen kann, sondern dass die Konsequenzen der Probleme unangenehmer sind als man sie sonst so antrifft.

Das Problem gibt es auch heute schon. Wenn man nämlich zum Beispiel einen Googleaccount hat und alles von Email über Feeds, Bookmarks, Fotos, SocialNetwork (Orkut) und Onlineoffice über Googledienste abwickelt. Deshalb gibt es seit geraumer Zeit die Möglichkeit in den Settings des Googleaccounts weitere Emailadressen neben der Gmail-Adresse zu hinterlegen. Im Falle des Passwortklaus kann man dieses ja nicht zurücksetzen und an Gmail senden lassen..

Außerdem wird es sich beim Großteil der Webdienste einbürgern, dass neben OpenID (oder welches webglobale Loginsystem sich auch durchsetzen mag) immer auch ein seitenexklusives Login angeboten wird, das sich wahlweise nachträglich zum Account hinzufügen lässt. Heißt, man wird die Wahl haben, ob man auf die Seite immer nur via OpenID zugreift oder aus Sicherheitsgründen oder warum auch immer einen separaten Zugang einrichtet. Das würde dann zB auf die sich aus jahrelangem Gebrauch herauskristallisierenden Lieblingsseiten zutreffen. (Ja, die Ironie ist mir durchaus bewusst.)

Oder aber es kommt ganz anders und eine Seite wie Facebook -oder Facebook selbst *gasp*- wird sich zum Rückgrat für das soziale Web entwickeln und mit der Öffnung in alle Richtungen in ein globales Loginsystem mutieren (evolutionieren?). [Das mag noch leicht lächerlich klingen, die Wahrscheinlichkeit dafür ist aber gar nicht so gering.]

Denn ehrlich gesagt: Vor ziemlich genau einem Jahr war ich sehr optimistisch, was OpenID anging. Der große Durchbruch, den ich für 2007 phantasierte, scheint nun dieses Jahr zu kommen. Aber ich sehe keine Lösungen für immer noch bestehende schwerwiegende Probleme:

Nachwievor ist die Usability nicht sonderlich gut -freundlich ausgedrückt. Alles ist viel zu kompliziert und schwer zu durchschauen für Normalnutzer. Datenschutz bleibt ein Problemfeld. Und auch die Securityprobleme sind nicht zu unterschätzen:

The problem(s) with OpenID « The Identity Corner

Dieser Artikel ist mit Vorsicht zu geniessen, da der Verfasser an einem konkurrierenden System zu OpenID arbeitet. Nichtsdestotrotz ist die Fülle an Problemen nicht gerade gering. Inwiefern einige der angesprochenen Probleme mit dem neuen OpenID2.0 behoben sind, kann ich nicht beurteilen. Zumindest kommt OpenID2.0 mit Verschlüsselung. (siehe zu OpenID2.0 auch diesen Artikel auf centernetworks vom November ‘07)

Wie auch immer OpenID sich entwickelt, an einem seitenübergreifenden Identifikationsmechanismus für die Nutzer geht kein Weg vorbei. Die Anzahl nützlicher und damit regelmäßig genutzter Webdienste wird eher noch zu- denn abnehmen. Von nur temporär genutzten bzw. ausgetesteten Seiten ganz zu schweigen. Auch deswegen wird die Webevolution an einem weit verbreiteten Single-SignOn nicht vorbeikommen: Neue Dienste können leichter User akquirieren, wenn sie ihnen den Login so einfach wie möglich machen. Diese Mikrointeressen führen zwangsläufig zu einem Makrozustand der weitgehenden Flächenabdeckung.

Ich hoffe nur, wir implementieren hier nicht einen Standard, der uns in der Zukunft irgendwann aufgrund unzureichend beachteter Probleme in die Knie zwingt; und dann zum Bücken. Das reicht schon in Sachen in Email.

 

 

Wer sich für OpenID interessiert, dem sei nochmal die neunetz.com-Artikelserie von Carsten Pötter über OpenID vom letzten Jahr ans Herz gelegt. Carsten betreibt mit Thomas Huhn zusammen die Infoseite Spread OpenID. Thomas Huhn ist unter Anderem bekannt vom deutschen OpenID-Blog OpenID Blog Germany, vom OpenIDDirectory und dem OpenID-Provider meinguter.name.

 

(Link out like your life depends on it - that’s my motto :))

Nextgen Social Networks haben noch einen weiten Weg vor sich

Andreas Göldi schreibt bei sich über ClaimID (Carsten hatte sich auf neunetz.com im April letzten Jahres ClaimID im Rahmen einer Betrachtung von OpenID-Providern und deren Datenschutzbestimmungen angeschaut). ClaimID ist eine Seite, auf der man in seinem Profil angeben kann, welche Seiten Mosaiksteine der eigenen digitalen Identität sind. Seiten, über die man die Kontrolle hat, kann man auch verifizieren.

Dazu gibt es noch einiges mehr auf ClaimID. Andreas sieht in den ersten Networkingansätzen Ansätze für das mögliche Social Network von Morgen:

Ausserdem bietet claimID auch so etwas wie eine Networking-Funktion an: Andere Besitzer einer OpenID — egal, ob von claimID oder irgendeiner anderen Quelle — kann man per E-Mail einladen, sich ein seiner Kontaktliste einzuschreiben. Die Art der Beziehung wird auf Wunsch über den offenen XFN-Standard beschrieben. Diese Funktion ist im Moment noch ziemlich rudimentär gelöst, aber man sieht das Potential: Man kann damit Personen als Kontakte erfassen, die ihre eigene Identität auf irgendeiner anderen OpenID-fähigen Website pflegen. So entsteht potentiell ein Social Network, das über Site-Grenzen hinausreicht.

Das Problem von ClaimID und anderen neuen Ansätzen wie Noserub oder Ansätze über XFN ist, dass da aktuell nur erfasst und gebündelt werden kann, was _öffentlich_ im Netz steht. Es gibt -noch- keine Möglichkeit zu ausdifferenzierten Einstellungen zur Privatsphäre. Oder überhaupt irgendwelche Einstellungen in der Richtung wenn es um Beziehungen zwischen Seiten geht. Das ist ein riesiges Problem. Außerdem macht man bei der Aggregation da ja auch zum Teil nur händisch, was Seiten wie Spock algorithmisch und unabhängig vom Nutzer erreichen wollen.

Zu einer Konkurrenz für Facebook und Co. könnten diese offeneren bzw. vernetzteren Ansätze erst werden, wenn die Dataportabilitygroup oder eine andere Gruppierung es schafft, API-Standards zum (verifizierbaren) Datenaustausch zwischen den Diensten zu etablieren.

Wie lang das dauern wird, ist noch nicht abzuschätzen. Mainstreamkompatible Versionen sollte man diese Dekade aber nicht mehr erwarten.

Werbung in Social Networks, im Netz, in der Zukunft

gapingvoid-tvcom

 

Ursprünglich als Kommentar gestarteter Post über Werbung im Netz und im speziellen in Social Networks und überhaupt in der Zukunft und so weiter:

Jochen Krisch hat einen interessanten Artikel über dieses Thema bei sich auf exciting commerce geschrieben . Darin fasst er ein paar Aussagen über Werbung in SocialNetworks zusammen. Kurz: die Tendenz für Erfolg mit Werbung in Social Networks: nach unten.

Interessantes Thema. Dass die Monetarisierung von SocialNetworks über (Banner-)werbung nicht sonderlich gut läuft, ist nichts Neues.

Wobei ich mir nach wie vor nicht sicher bin, ob eine Erfolgsbeurteilung von Onlinewerbung auf Clickrate und/oder Konversionrate wirklich so sinnvoll ist.
Beispiel: Wäre diese Beurteilung bei Fernsehwerbung möglich und würden diese Daten dann zur Vergabe der Werbeetats rangezogen, ich bin mir sicher, dass es den Großteil der werbefinanzierten privaten TV-Sender nicht mehr gebe. Weil da niemand mehr Werbung schalten würde. Mindestens nicht in den jetzigen Dimensionen.

Das Gleiche gilt im Grunde für alle traditionellen Werbeformate. Es gab da schlicht keinen Feedbackkanal (beziehungsweise einen zu ungenauen). Wie war der Spruch im Marketing immer noch gleich? Nur 10 Prozent des Marketing ist erfolgreich, man weiß nur nicht welche 10 Prozent (Sinngemäß. Meine Marketing-Vorlesungen liegen lang zurück.)

Jetzt ist dieser Feedbackkanal im Internet auf einmal da. Auf einmal sieht man, wenn man da katastrophale Entscheidungen trifft. Wenn man denkt: ‘Yesss, ich habe sie alle erreicht, I’m teh greatest.’ Nur hat die Werbung die ‘alle’ nicht die Bohne interessiert. Das Weiterblättern in der Zeitung oder das Wegzappen beim TV, das wird nicht (Zeitung) oder geradezu lächerlich ungenau (TV) gemessen.

Es würde also keinen Sinn ergeben, aufgrund der schlechten Ergebnisse zu sagen, ‘geh ich halt wieder Werbung in Magazinen schalten’. Nur weil sich die Aufmerksamkeitsströme beim Papier/TV/Rundfunk/Innenstadtplakat nicht erfassen lassen.

Die eigentliche Frage, deren Antwort wir im Grunde bereits kennen, ist doch : Hat sich das alte Werbemodell nicht vielleicht längst überlebt und man hat es nur nicht bemerkt oder wahrhaben wollen?

Mögen unsere Großeltern noch daran geglaubt haben, dass mit Persil die Wäsche blütenweiß wird und der neueste Opel der shizznit schlechthin ist (Sinngemäß. Meine letzte bewußte Wahrnehmung von TV-Werbung liegt lang zurück.), aber: Wer unter 40 (<-mehr oder weniger willkürliche Zahl) nimmt das denn noch ernst? Selbst bei den bildungsfernen Schichten ist es heutzutage nicht mehr so einfach wie es das mit einer Zeitungsannonce in den Fünfzigern war.

Auf der anderen Seite ist es auch zum Beispiel kein Geheimnis, das werbefinanzierte Blogs ihre Clickraten zu einem guten Teil nur durch weiterstolpernde Googlebesucher halten können. Digital divide etc etc

Ich denke nicht, dass Social Networks unbedingt die werberesistenten Orte schlechthin sind. Nur ziehen diese (auch jetzt noch) hauptsächlich Bevölkerungsgruppen an, die selbst längst weitläufig werberesistent sind. Und wenn sie es nicht schon waren, es auf dem Weg ins Netz und dort ins Web2.0/Socialweb/yaddayadda wurden.

Außerdem denke ich, dass die (jungen) Leute von heute prinzipiell werberesistenter sind. Zumindest was das Gebrülle angeht, das früher die Mad Men für glückselig machend hielten.

Das war es sicher auch mal zumindest für die Werbebranche. Aber das zwanzigste Jahrhundert ist vorbei.

Im Netz und mit den dort vorzufindenden mündigen Bürgern, reicht hypertargeting nicht immer aus. Banner bleibt Banner. Topdown wird nicht auf einmal Augenhöhe. Und virales Marketing lässt sich eben nicht in hohem Maße steuern und beeinflussen oder gar initiieren. Zumindest nicht mit Fakeblogkommentaren und Fakeblogs, dankeschön.

Statt banaler Banner, sollte man sich viel eher überlegen, wie man diese Leute die man jetzt gezielt anvisieren kann, erreichen kann. Und auch akzeptieren, dass das wohl nicht immer möglich ist.

Man kann mir auf meinem täglichen Pendelweg ein 5×10m-Plakat vor die Fresse halten, aber das Einzige was ich im Regelfall im Kopf behalten werde, ist die Marke, wenn überhaupt. Vielleicht ist das auch die wichtigste Aufgabe, die Bannerwerbung im Internet wahrnehmen kann: Bei der Zielgruppe die Marke bekanntmachen. Präsenz zeigen. yaddayadda

Ich könnte jetzt noch den Cluetrain einwerfen und von Gesprächen statt Märkten reden. Oder von Social Gestures. Stichwortfrage: Wie kann ich mit meinen künftigen Kunden kommunizieren? Banner sind keine Kommunikation usw. Aber das würde jetzt zu weit führen.

Zugegeben, ich bin kein Marketingexperte (und trotzdem schreibt der dazu so viel, jeez), deshalb zwei Blogempfehlungen zur Zukunft des Marketing/Werbung etc:

 

Fazit

Die schlechten Ergebnisse von Werbung in Social Networks haben weit vielfältigere, tiefgreifendere und komplexere Gründe als nur den, dass diese Webdienste eben eine werbefeindliche Umgebung sind. Letzteres ist sicher auch ein Grund. Immerhin ist eine Internetsuche aktionsgerichteter und damit leichter zu Geld zu machen.

Aber ganz so einfach sollte man es sich nicht machen. Einfach mal darüber nachdenken, wie man die Leute, die auf einmal so präzise auf dem Silbertablett präsentiert werden, ansprechen kann. Die lassen sich nämlich nicht mehr anbrüllen.

Davon abgesehen kann man aber mit klassischer Werbung im Netz zumindest die eigene Marke zielgenau ins Bewusstsein bringen. Ob das reicht, ist eine andere Frage.

 

Zum Abschluss noch eine Frage an die Leser: Wann habt Ihr das letzte Mal einen Kauf aufgrund von Werbung getätigt? Go figure.

 

(Pic: gapingvoid)

Januar 08 auf neunetz.com

lesenswerte Artikel im Januar ‘08:

Interessantes, Nützliches, Neues

Über neue Musikalben per RSS informiert werden

Readburner - Digg auf GoogelReaderbasis

Soundcloud: Innovative Plattform für Musiker

3 tolle last.fm-Mashups

Analysen

Seit Anfang Januar hört man fast im Stundentakt von großen Webunternehmen, die der Dataportabilitygroup beitreten. Angefangen hat es mit:

Gamechanger: Google und Facebook treten Dataportabilitygroup bei

Nebenbei führte diese Thematik zu einem der hitzigsten Posts hier.

Markt vs. Hierarchie (mustread, rosettasteinesk)

Was Joost fehlt sind Andockstellen

StudiVZ has lost the plot

Free und Premium: Entscheidungshilfe für Startups

Besonders zu den letzten beiden Artikeln empfehle ich auch die Kommentare. Da haben sich jeweils teils recht interessante Diskussionen entsponnen.

und sonst

The return of the Linkblog

Mein Linkblog für alles, für das ich nicht die Zeit habe, ausführlicher darüber zu schreiben (und mehr), ist zurück; jetzt auf Tumblrbasis. Hier der Feed.

mehr ‘Best of Neunetz.com’

Medienschau zu Microsoft/Yahoo!

So einen Clusterfuck sieht man auf Techmeme sonst nur wenn Apples Steve Jobs.. in der Öffentlichkeit einen schwarzen Rollkragenpullover trägt.

Eine kleine Medienschau zusätzlich zum Update meines gestrigen Artikels :

Auf den Punkt gebracht hat es Dave Winer :

It’s like the dead leading the blind.

Ebenfalls interessant ist die Twitterschau von Mathew Ingram. Sie zeigt sehr schön, dass entgegen den Vorurteilen durchaus auf Twitter mehr als Banalitäten geschrieben werden. Ein Beispiel:

Studebaker buys Edsel.

Muss man noch mehr sagen? Eigentlich nicht. Trotzdem noch ein paar Verweise:

Ingram hat auch eine Übersicht über Reaktionen in den US-Blogs zusammengetragen.

Nico Lumma :

Aber, wenn man sich das Konvergenz-Thema anguckt, dann kann das sehr spannend werden. Desktop Widgets, Web-Widgets, mobile Applikationen, da kann die Kombination von Microsoft und Yahoo! durchaus einiges bewirken. Auf der anderen Seite wird weiter am WebOS gebastelt, da darf Microsoft nicht den Anschluss verlieren, denn dann steht irgendwann auch mal die Cashcow Office doof da. Insofern ist die Übernahme von Yahoo! ein ziemlich teurer Strohhalm, an den sich Microsoft jetzt klammert.

Tim O’Reilly erklärt, was an Yahoos Vorgehen falsch war/ist:

The web companies that have a chance of surviving as independent entities are those that truly understand and exploit the rules of the new platform: harnessing collective intelligence to build rich troves of data that literally get better the more people use the application, running ahead of any possible competitor simply because of the network effects that pile on to keep them improving faster than any newcomer. Some of Yahoo!s properties (e.g. Flickr) have that characteristic, but Yahoo!’s business as a whole did not. It was ultimately a halfway house on the way to Web 2.0. It’s original business was based on a literal aggregation of user generated content, but it quickly became a more traditional content and services portal. Later companies like Google leapfrogged it by building services that tapped more directly into the native network effects of the Web.

Ob ich jetzt noch mal auf diesen Artikel von mir linke, auf den ich gefühlte Zwanzig mal inzwischen gelinkt habe? Nee, nicht schon wieder. :)

Umair Haque:

I think - for what it’s worth - that this is the end of Yahoo as we know it. Fine - the real Yahoo, sadly, suffocated a long time ago.

The real point is: this is the end of Microsoft as we know it. Yes, I know, finally, isn’t it nice, etc - more to the point: the endgame will be to leave Google more firmly in the driver’s seat than ever before.

Interessant auch, was ein Kommentator dort zusagen hat:

I have contacted a few mid level management people at Yahoo who could be described as, “Yahoo Purple Lifers”. They have intimated that they will stay and work to make any cultural changes to the organization, and I quote, “as painful as possible for the new Microsoft directors and division Veeps, short of insurrection”.

Als ich die Schwierigkeiten ansprach, die die Reorganisation zweier so großer Unternehmen mit sich bringt, hatte ich noch gar nicht die kulturellen Unterschiede zwischen dem Valley (Yahoo!) und Microsoft und der Beziehung der Beiden betrachtet. Sollte stimmen, was der Kommentator da geschrieben hat, dann Gute Nacht Microsoft.

Widerstand bei Yahoos Fotoseite flickr regt sich auch schon.

 

Inzwischen macht auch das Gerücht die Runde, dass ein weiterer Interessent an Yahoo! auf der Bühne erschienen ist: Rupert Mordochs News Corp. (u.A. Myspace). Es darf aber bezweifelt werden, dass Microsoft sich Yahoo! jetzt noch wegschnappen lässt. Allein um das Gesicht zu wahren, wird man das nicht zulassen.

Übernahmeangebot von Microsoft an Yahoo! (!)

Microsoft will Yahoo für 44.6 Milliarden$ übernehmen. Kinnladen aufsammeln und weiterlesen:

heise dazu:

Der Deal soll aber zur Hälfte in bar, zur Hälfte in Microsoft-Aktien bezahlt werden. Das Angebot stellt einen Aufschlag von 62 Prozent gegenüber dem Schlusskurs von Yahoo am 31. Januar dar.

Die Begründung laut heise:

Außerdem werde der Online-Anzeigenmarkt zunehmend von einer Firma dominiert, hieß es bei Yahoo – ohne den Hauptkonkurrenten von Microsoft und Yahoo, Google, direkt beim Namen zu nennen. Microsoft und Yahoo könnten zusammen aber eine wettbewerbsfähige Alternative darstellen.

Microsoft beteiligte sich erst im Oktober letzten Jahres für einen nicht geringen Betrag an Facebook.

Der Kommentar aus dem neunetz.com-Headquarter

Jetzt Yahoo!

Man scheint bei Microsoft nun recht aggressiv in die Netzschlacht ziehen zu wollen.

Nun ist Yahoo! in letzter Zeit aber vor allem durch Orientierungslosigkeit aufgefallen. Die Gewinnrückgang und Entlassungen (1000 an der Zahl) zur Folge hat.

Die Synergien, von denen Manager immer träumen, wenn es um Übernahmen und Fusionen geht, sind oft, na, sagen wir mal, kleine Luftschlösser. Besonders wenn sich so große Unternehmen wie Yahoo! und Microsoft zusammentun, ist man auf Jahre mit der internen Reorganisation beschäftigt. Gewachsene, starre Strukturen, die nicht ohne weiteres aufzubrechen sind, lähmen solche großen Organisationen wie Microsoft, oft ohne dass die das selbst erkennen. Diese Missstände, die sich durch Marktverlust an innovativere Konkurrenten äußern (*hust*), gehen auch durch Übernahmen nicht weg. Im Gegenteil, die Energie wird nach innen gerichtet statt nach außen (oder wenn schon nach innen, dann leider an die falschen Stellen).

Im BWL-Studium (ja, ich gehöre zu den Bösen) war eine meiner Vertiefungen ‘Organisation’, deshalb bin ich da vielleicht ein wenig sensibilisiert was das angeht, aber ich sag mal so: Nach allem, was man von den internen Entscheidungsprozessen von Microsoft so liest und vor allem, was man so sieht, was Microsoft und auch Yahoo! in letzter Zeit gemacht haben: Da fehlt die Vision, eine Strategie oder überhaupt auch mal der Wille, etwas Neues auszuprobieren oder zumindest auf Entwicklungen im Netz angemessen zu reagieren (abgesehen von Yahoo!-Einkäufen im Web2.0-Bereich). Die internen Entscheidungsprozesse haben all das verhindert, haben die intelligenten Leute (human resources..) so lang verbittert, bis sie gegangen sind. Zu Google, Facebook oder gleich zu eigenen Startups. (Viele der besten Entwickler haben die letzten Jahre -und besonders massiv letztes Jahr- Microsoft verlassen und eigene Startups gegründet, weil sie ihre eigenen Ideen bei Microsoft nicht genehmigt bekommen haben.)

Und all das wird durch massive interne Restrukturierungen aufgrund einer Übernahme nicht beseitigt. Im Gegenteil: Die nötige Energie, die zum Aufbrechen dieser internen Strukturen nötig wäre, wird nun in das Zusammenführen der beiden Organisationen gesteckt. Das wird hauptsächlich zu einer vorübergehenden Lähmung der Entscheider führen. Good times. Für die Konkurrenz. Aber vielleicht wird ja alles ganz anders?

Ob zwei Dinosaurier jetzt das Web im Sturm nehmen, weil sie versuchen, gemeinsam Tandem zu fahren? Wir werden sehen. Ich wage aber, es zu bezweifeln. Wenn auch ein starker Gegner zu Google im Onlinewerbemarkt äußerst wünschenswert wäre. Bleibt nur die Frage ob so einer auf diese Weise geboren wird.

Sollte diese Übernahme tatsächlich über die Bühne gehen, stehen die Chancen nicht schlecht, dass diese Entscheidung im Nachhinein als der Anfang vom Ende für Microsoft betrachtet werden könnte (dicht gefolgt von Vista).

Und nebenbei sind größere Hierarchien im Webbereich sowieso nicht the way to..

 

 

siehe auch Techmeme

(und wo hab ich’s wieder zuerst gelesen? Klar, auf dem vielgescholtenen Twitter. God bless it)

 

UPDATE:

siehe auch Artikel von Georg Holzer. Spricht viele interessante Punkte an, unter Anderem auch die schwierige Integration der Mitarbeiter der beiden Konzerne auf die ich mich in meinem Artikel hauptsächlich gestürzt hatte. Lesenswert.

VC Fred Wilson:

We all knew this was coming. Yahoo! was cheap. Too cheap. And a mess. Rats were leaving the sinking ship en masse. It was not sustainable. Something had to happen.

And so the most logical thing has now happened. [..]

The price offered is an ~70% premium to the closing price last night. This deal will happen unless another strategic wants it (News Corp?). Because at that price, no financial buyer can make the deal work, particularly in this financing environment.

Ähnliche Gedanken hatte ich auch. Yahoo ist war billig, der beste Zeitpunkt für Microsoft (die vielleicht nur darauf gewartet haben). Wilson außerdem:

A combined Microsoft/Yahoo will have 30% market share in search and maybe they can do something with that. Clearly there are big synergies in merging Yahoo! and Microsoft’s online businesses. The merged entity will be dominant in email which is an important category that isn’t going away.

Die 30% beziehen sich auf den US-Markt. In Deutschland hat Google einen Marktanteil von um die 90%.

Andreas Göldi auf medienkonvergenz.com:

Sowohl Microsoft als auch Yahoo sind in den letzten Jahren durch eine verwirrende, inkonsistente Produktstrategie aufgefallen, mit beiderseits zahlreichen nur halb durchdachten Aktivitätsfeldern. Wenn man zweimal Chaos kombiniert, entsteht dann Ordnung? Yahoos Management hat in letzter Zeit nicht gerade den Eindruck grosser Durchgriffsstärke erweckt, und bei Microsofts Online-Aktivitäten ist das genauso. Wer kann so einen riesigen Laden straffen und in eine erfolgreiche Zukunft führen?

Insgesamt: Ein Deal Microsoft plus Yahoo würde den König einer vergangenen Epoche (Web 1.0) mit dem König der noch davor liegenden Epoche (PC) kombinieren. Das kombinierte Königreich würde dann gegen den aktuellen Kaiser (Google) antreten, sofern zuerst die internen Regierungskrisen gelöst werden können. Darüber, ob dieser Plan gelingen kann, darf man ruhig skeptisch sein.

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