Archive for April, 2008

re:publica ‘08

Heute abend fahr ich nach Berlin und bin den Rest der Woche auf der re:publica. Postings hier werden also rar werden für die nächsten Tage.

Vielleicht werde ich den einen oder anderen Gedanken zur re:publica auf meinem tumblr-Linkblog verfassen. Das geht dort schnell und dreckig und da ist mir auch eine vernünftige Signal-Noise-Ratio nicht so wichtig wie hier.

Friendfeed-Tools sprießen aus dem Boden

Nochmal zu Friendfeed, weil die aktuelle Dynamik gerade sehr interessant ist:

Wenn der Buzz einmal da ist, und man es schafft, erfolgreich auf dessen Welle zu reiten, dann hat man ganz schnell eine umtriebige Community, die selbst zusätzlich für enorme Nutzensteigerungen sorgen kann. Und schon hat man fast einen Selbstläufer.

So gibt es mittlerweile einige nützliche Greasemonkey-Skripte, mit denen man die Seite an die eigenen Bedürfnisse anpassen kann:

Pagerization ist ein großartiges Skript, dass die nachfolgenden Seiten am Ende der jeweiligen Seite lädt, so dass man einfach weiter scrollen kann. Das funktioniert übrigens nicht nur bei Friendfeed (mit dem FF Pagerization Fixer), sondern beispielsweise auch auf der Twitter-Homepage und dem Tumblr-Dashboard.

Ein Greasemonkeyskript zum Filtern der Friendfeed-Seite nach Diensten hatte ich ja bereits hier erwähnt.

Die Einträge pro Seite kann man auch auf 50 oder 100 erhöhen. Und zu jedem Eintrag einen Reshare-Link hinzufügen. Oder Links zu bereits aufgesuchten Seiten entfernen. Diese und mehr Greasemonkey-Skripte auf internetducttape.

Eine Friendfeed-Statistiken-Seite gibt es auch schon. Und wer will, kann Techmeme in einem Friendfeed-Tabladen.

Und eine Adobe-AIR-Desktopapplikation für Friendfeed ist auch schon in Planung (siehe zum Thema AIR mein Artikel für Blogs zum Thema AIR, und meine Bedenken).

Die Geschwindigkeit, mit der sich um Friendfeed ein Ökosystem bildet, ist nach wie vor beeindruckend.

Nur sollte man sich da aber als Gründer auch keine Illusionen machen. So etwas passiert vielleicht ein- oder maximal zweimal pro Jahr. (Andererseits kann das allgemeine Niveau solcher Entwicklungen mit der generellen Etablierung des Social Webs selbst weiter zunehmen. Sprich: Ohne eine etablierte Onlineöffentlichkeit mit Blogs, Techmeme etc. hätte Friendfeed diese Geschwindigkeit nicht hinlegen können. Was vielleicht grundsätzlich ein einfacheres Erreichen des Tipping Points innerhalb der eigenen Nische bedeuten kann. Kann wohlgemerkt.)

UPDATE: Eben noch dieses Blog, das sich ausschließlich mit Friendfeed befasst, entdeckt. qed

Ist die Nachricht wichtig, wird sie mich finden.

“If the news is that important, it will find me.” so laut New York Times ein College-Student in einer Studie über den Medienkonsum junger Leute.

Das trifft die aktuellen Veränderungen des Weges der Nachrichten vom Sender zum Empfänger ziemlich gut.

Ist auch im Grunde nix Neues. Aber in seinen Implikationen gar nicht zu unterschätzen. Man muss sich wirklich mal ein paar Minuten (oder mehr) Zeit nehmen und darüber nachdenken.

Andreas Göldi hat sich dazu ein paar Gedanken gemacht und das gut zusammengefasst .

Im Prinzip sagt dieser Satz aus, dass Nachrichten immer mehr vom Pull- zum sozialen Push-Medium werden. Wir gehen als Medienkonsumenten nicht mehr rituell in regelmässigen Abständen zur Newsquelle — so, wie man früher morgens die Zeitung gelesen oder brav zu einer festgelegten Zeit die Tageschau geguckt hat –, sondern wir warten ab, welche Nachrichten sich als relevant genug herausstellen, dass sie uns von anderen empfohlen werden.

Immer weniger bestimmen professionelle Medienschaffende, welche News wir als wichtig empfinden. News werden sozial. Empfehlungen anderer Leute — Freunde, Arbeitskollegen, Geschäftspartner, Gleichgesinnte — werden wichtiger als das, was Redaktionen als berichtenswert empfinden.

Es ist quasi eine schleichende Entmachtung der großen Redaktionen. Denn deren Zusammenstellung, Gewichtung und Anordnung an Nachrichten wird immer unwichtiger.

Es ist der Weg weg von Hierarchien und hin zu offenen, teilweise völlig neuen Ansätzen, die so typisch für das Netz sind.

Aggregatoren wie Techmeme oder Rivva erzeugen die Gewichtung, die Relevanzeinstufung über offene, marktähnliche Strukturen (man könnte es auch mit der Evolution vergleichen: “Survival of the most important” sozusagen).

Und der eigene Freundeskreis agiert zusätzlich als Bündel menschlicher Filter.

Auch Websites, die primär eine soziale Funktion erfüllen — Facebook oder Twitter beispielsweise — werden immer mehr als Kanal genutzt, mit dem man andere Leute auf interessante Meldungen aufmerksam machen kann.

 

Wie ich bereits am Ende meines Artikels über APIs, Märkte und Hierarchien nebenbei anmerkte:

Nicht der (anpassungsfähige) Journalist wird mit dem Netz somit in großen Teilen überflüssig, sondern der Redakteur…

« Vorherige Seite