Google News erzielt Einnahmen wegen Newsergebnissen in der Websuche? Oh my.

Nachtrag zum vorhergehenden Artikel über Google News und die dort nicht vorhandene Werbung:

Holger Schmidt verteidigt seine folgende Aussage..:

Anders als Google News wird Tomorrow Focus die Inhaltelieferanten jedoch an den Werbeerlösen auf der Seite beteiligen.

.. nach Hinweisen, dass Google News keine Werbung anzeigt, in den Kommentaren wie folgt:

Google-News-Treffer erscheinen auch in der normalen Google-Suche und erzielen damit Werbeerlöse. Diese werden wohl nicht besonders groß sein, aber den Verlegern geht es wohl eher um das Prinzip.

Das ist natürlich schon eine recht kreative Ausdehnung der Argumentation.

Ok, schauen wir uns die Argumentation an.

1. Google News bedient sich einfach bei Inhalte-Lieferanten, ohne sie an Einnahmen zu beteiligen (nebenbei: die Nutzung der Überschriften und Anrisse ist in Deutschland nach dem Paperboy-Urteil im rechtlichen Rahmen.)

2. Google News selbst erzielt keine Einnahmen.

3. Google zeigt aber bei manchen Suchbegriffen in der Websuche vor den normalen Web-Ergebnissen News-Ergebnisse an. Beispiel ‚Merkel‘:

Google-Suche nach Merkel

Das sind maximal 3 Ergebnisse, die direkt verlinkt werden und bei aktuellen Ereignissen ob ihrer prominenten Platzierung viel Traffic bringen können (wie ich überrascht feststellte, als mein JAKO-Artikel auf netzwertig.com über diese Position viele Besucher gebracht hat). Außerdem wird, wie bei Websuchen üblich, Werbung eingeblendet.

Die Argumentation lautet jetzt also: Google News beteiligt die Inhaltelieferanten nicht. Woran nicht? An den Einnahmen, die über die Websuche erzielt werden, bei denen die News-Ergebnisse prominent angezeigt werden.

Das ist natürlich hanebüchen.

Diese Suchergebnisse, die über den normalen Webergebnissen angezeigt werden, sind zusätzlich zu Google News ein weiteres Geschenk von Google: Die in Google News Gelisteten werden mit Spitzenplätzen in der Websuche bedacht, die sie über die Pagerank-Gewichtung ihrer Artikel so nie erhalten hätten.

Weil diese Bevorzugung bei der Platzierung aus dem Google-News-Pool resultiert, werden eventuelle Einnahmen über die Werbung auf diesen Suchen Google News zugerechnet.

Die News-Ergebnisse sind aber nicht mehr als bevorzugte Suchergebnisse. Wer dafür bezahlt werden will, will auch für normale Suchergebnisse bezahlt werden. Und wie immer: Wem es nicht passt, dem bleibt immer robots.txt.

Nebenbei: Google verdient bei Klicks auf die Textanzeigen neben den Suchergebnissen. Und die Verdienste dort entstehen mehrheitlich bei Produktsuchen und dergleichen, bei transaktionsgetriebenen Suchen. Nicht bei Suchen nach aktuellen Geschehnissen.

Zusammenfassung:

Wir haben also eine Nutzung die erstens rechtens ist und zweitens keinen direkten Gewinn für das Unternehmen Google erzeugt. Und drittens nebenbei massiv für Traffic bei den Inhaltelieferanten sorgt.

Und die Tatsache nun, dass Google den in Google News Gelisteten zusätzlich trafficbringende Spitzenplätze in der werbefinanzierten Websuche verschafft, legitimiert Journalisten zur Behauptung, Google beteiligt die Verlage nicht an Werbeerlösen von Google News.

Die gesamte Diskussion bleibt im Ganzen wie in den verrückten Details widersinnig. Mit jedem weiteren Geschenk, das Google den Verlagen macht, suchen die Angehörigen dieser Verlage nach neuen Argumenten, die sie gegen Google richten können.

Man kann nur Kopfschmerzen bekommen, wenn man den Fehler macht, darüber nachzudenken.

About Marcel Weiß

Marcel Weiß, Jahrgang 1979, ist Gründer und Betreiber von neunetz.com.
Er ist Diplom-Kaufmann, lebt in Berlin und ist seit 2007 als Analyst der Internetwirtschaft aktiv. Er arbeitet als (Senior) Strategy Analyst bei Exciting Commerce, schreibt für verschiedene Publikationen, unterrichtet als Gastdozent an der Popakademie Mannheim und hält Vorträge zu Themen der digitalen Wirtschaft. Mehr zum Autor.
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