Let’s dance on the graves of the gatekeepers. Let’s build things never before possible.

Derek Powazek (via) verweist auf eine Antwort, die Yochai Benkler in einer Radio-Sendung auf die Frage gegeben hat, ob mit dem Internet die Medien-Situation schlechter wurde:

What are we lamenting? We’re lamenting the decline of a shared culture that’s relatively dominated by a small number of people who can decide what everyone needs to know? That’s not obviously a state that we have to yearn for. On the other hand, the fact that we have facilities for people who do want to be engaged to become much better informed if it is easy … from the perspective of a democratic society, this new state seems to me to be, not utopia, but more attractive.

Zwei Aspekte der allgemeinen Debatte zum Internet und seinen gesellschaftlichen Auswirkungen werden oft ausgelassen:

1. Der unvollkommene Zustand des Gestern. Oft wird dieser romantisch zum Idealzustand verklärt. (Jeder, der impliziert, wir hätten es vor dem Internet besser gehabt, muss sich fragen lassen, wie toll die 80er des letzten Jahrhunderts, das letzte Jahrzehnt vor dem Internet, ihm vorgekommen sein müssen.) Wer über das Jetzt sprechen will, darf es nicht mit einem utopischen Idealzustand vergleichen, sondern muss es den realen Alternativen gegenüber stellen. In diesem Vergleich gewinnt die Gesellschaft mit Internet in meinen Augen immer vor der ohne Internet. Denn in ersterer können viele machen, wozu in letzterer nur eine Handvoll an Personen befähigt waren. Und das betrifft auch und vor allem auch jene Tätigkeiten, die für eine Demokratie so wichtig sind.

2. Die Quelle der Kritik. Wenn der Spiegel vom Offline-Sein schwärmt und die FAZ nicht müde wird, auf die Gefahren des Internets zu verweisen, ohne auf die positiven Aspekte einzugehen (als wären diese entweder a.) nicht existent oder b.) zumindest ausgerechnet in der deutschen Gesellschaft bereits Konsensus und damit nicht mehr diskutierenswert), dann darf man die Quellen, also die Herkunft dieser Kritik, dabei aus der Betrachtung nicht auslassen: Medien, die über etwas berichten, das zumindest teilweise an ihrem Geschäftsmodell sägt. Qualitätsjournalismus würde diesen Zusammenhang öfter einfliessen lassen und auch selbst behandeln. (So wie man natürlich auch erwähnen kann, dass Online Publizierende wie ich von den Veränderungen profitieren.)

Der Late-Night-Talkshow-Moderator Conan O’Brien merkte laut TechCrunch auf einer Veranstaltung über TV-Manager an:

”Those men behind the curtain—the great and powerful Oz—are scared shitless right now,” O’Brien said, adding that the chaos is so high that anyone in the audience could just as likely be running a major network in a few years.

Yochai Benkler ist neben Clay Shirky einer der wenigen ernst zunehmenden Intellektuellen für digitale Themen. In diesem Zusammenhang sei nochmal auf Yochai Benklers The Wealth of Networks (Affiliate-Link) verwiesen. Ein absolut lesenswertes Buch. (Vorausgesetzt, man kommt mit einem akademischen Buch auf Englisch zurecht.)

Schliessen wir mit Powazeks Worten:

I say: Let’s dance on the graves of the gatekeepers. Let’s build things never before possible. Let’s show what a giant network of brains can really do.

About Marcel Weiß

Marcel Weiß, Jahrgang 1979, ist Gründer und Betreiber von neunetz.com.
Er ist Diplom-Kaufmann und lebt in Berlin. Marcel Weiß ist seit 2007 als Analyst zu Themen der Internetwirtschaft aktiv. Er ist einer der Autoren bei Exciting Commerce. Artikel vom ihm erscheinen unter anderem in Publikationen wie "Musikmarkt" und "Der Freitag". Texte von ihm sind erschienen unter anderem in "Medienwandel kompakt 2008-2010" und im beim Springer Vieweg Verlag verlegten "Erfolgreich publizieren im Zeitalter des E-Books". Er unterrichtet als Gastdozent an der Popakademie Mannheim und hält Vorträge zu Themen der digitalen Wirtschaft. Mehr zum Autor.
Marcel Weiß auf Twitter und auf App.net folgen und auf Facebook abonnieren.
Mehr Möglichkeiten zur Vernetzung finden sich hier.