Sascha Lobo vs. Marcel Weiß: Fazit

lobovsweiss

Tja, das war was.

Die Diskussion zum Thema Filesharing zwischen Sascha Lobo und mir war dann doch noch ergebnisfreier als ursprünglich angenommen. Aber ich glaube, es war zumindest ein bisschen unterhaltsam. Da mir die Zeit (und die Muse) für ein ausführliches Resümee fehlt, folgen lediglich ein paar Hinweise auf Texte anderer. (Nur so viel: Ich hätte, statt einen Segeltrip zu machen, mich doch noch besser vorbereiten sollen. Und: Moral, das gute alte Totschlagargument.)

Die Diskussion wurde live gestreamt und aufgezeichnet. Link zum Video bzw. eingebettetes Video des Streitgesprächs wird nachgereicht.

netzpolitik.org hat eine gute Zusammenfassung der Diskussion veröffentlicht:

Weiss wollte auf alternative Geschäftsmodelle für Musiker hinaus, darunter Einnahmen durch crowdsourcing-Modelle, Merchandise und Konzerte. Die Grenzkosten beim Vertrieb von Musik seien nun einmal bei nahezu Null, und dies sei eine ökonomische Gegebenheit, der sich der Markt nicht verwehren könne. Von der Idee, mit dem Verkauf von Dateien seinen Lebensunterhalt zu verdienen, müsse man sich verabschieden. Für jemanden, der Geld verdienen will, sei nicht relevant, welche Geldquellen als gut oder böse gölten, sondern welche ergiebig seien. Natürlich gebe es einen egoistischen Aspekt beim illegalen Download, aber viele der Anbieter agierten nicht aus egoistischen Motiven, sondern betrieben großen, unentgeltlichen Aufwand. Die moralische Forderung Lobos diene nur der Stabilisierung eines anachronistischen Modells und habe keine realistische Basis.

der presseschauer:

Während Sascha auf die Moralkarte setzte und versuchte durch rhetorische Finesse Marcel zu einem unmoralischen Statement zu bewegen, zog sich Marcel auf eine ökonomische, aus seiner Sicht wertfreie, Betrachtung zurück. Bei der Frage, ob Musiker das Recht haben sollten, durch den Verkauf von Musik (sic! Nicht der Tonträger), die Butter auf ihr Brot zu bekommen oder dafür alternative Erlösströme(Verkauf knapper Güter) bemühen sollten, redeten sie einfach aneinander vorbei.

Auf der moralischen Ebene stand eine Arschlochmentalität durch Filesharing der nüchternen Frage nach der Gewährung von Monopolrechten gegenüber. Dabei vertrat Marcel die Auffassung, dass durch Monopolrechte der Gesellschaft Nachteile entstünden, wohingegen Sascha illegales Filesharing als pubertären bis spätpubertären Egoismus verstand. Nach Sascha solle es einem Künstler freistehen, ob er Filesharing bewusst zulasse oder seine Musik verkaufen und davon leben wolle.

Carta:

Lobo schaffte es, illegales Filesharing als “Arschlochaktion” zu bezeichnen – und es zugleich nicht allzu stark zu bedauern, dass sich Filesharing nicht mit angemessenen Mitteln unterbinden lasse. Marcels Weiss’ Lösungsansätze konnten hingegen emotional nicht so richtig punkten.

Ich habe außerdem dem Deutschlandradio Kultur ein kurzes Interview zum Thema gegeben. Link zum Download folgt.

Morgen, Dienstag, den 07.09., sitze ich übrigens kurzfristig noch auf einem weiteren Panel auf der a2n: Analyse zur Strukturkrise der Musikwirtschaft – Wohin bewegt sich das Netz?

Hier nochmal die Artikel der auslösenden Debatte:

Und als Bonus:

About Marcel Weiß

Marcel Weiß, Jahrgang 1979, ist Gründer und Betreiber von neunetz.com.
Er ist Diplom-Kaufmann, lebt in Berlin und ist seit 2007 als Analyst der Internetwirtschaft aktiv. Er arbeitet als (Senior) Strategy Analyst bei Exciting Commerce, schreibt für verschiedene Publikationen, unterrichtet als Gastdozent an der Popakademie Mannheim und hält Vorträge zu Themen der digitalen Wirtschaft. Mehr zum Autor.
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  • Fk

    Weiter kontra geben und die rationale Seite verteidigen, bitte!

  • Tharben

    Hey, Marcel! Es muss ermüdend sein, ein ernstes Thema mit einem Komiker, der ausschließlich auf die Pointe aus ist, zu diskutieren. Gewissermaßen mag ich Sascha Lobo sogar – ich finde ihn unterhaltsam. Aber wer bitte ist als erstes auf die Idee gekommen, er hätte tiefergehende Einblicke in das, wovon er redet?

    Bin gespannt auf den Mitschnitt.

  • Naja, ich würde Sascha nicht auf einen Komiker mit Pointenfetisch

    reduzieren. Ihm ist das Thema schon wichtig und ich glaube, er nimmt

    es auch ernst – auch wenn ich ihm nicht zustimme. Sein Diskussionsstil

    ist eben auch unterhaltsam für das Publikum. Das ist ja nicht

    verkehrt.

    Die Idee zum Streitgespräch stammte von mir. Den Hut muss ich mir also

    aufsetzen..