Ein Facebook-Mobiltelefon?

In den USA hat sich seit gestern ein Gerücht zunehmend verhärtet: Facebook baut sein eigenes Telefon.

Zuerst von TechCrunch als Gerücht veröffentlicht, haben einige andere Publikationen wenig später ähnliches von ihren Quellen erfahren können. John Gruber hat die Geschichte in den US-Medien gut zusammengefasst. Es bleibt ein Gerücht – Facebook hat dementiert – aber es gibt, wie Gruber sagt, doch eine Menge Rauch, und wo Rauch ist, ist auch Feuer.

Im Grunde geht es wohl um ein mobiles Betriebssystem von Facebook, das in ein dezidiertes Gerät eines Partners gesteckt wird.

Benötigt Facebook so etwas? Ich bin mir nicht sicher. Tatsächlich hat Facebook aber eine gute Ausgangslage, um ein eigenes mobiles Betriebssystem zu etablieren (zu diesem Zeitpunkt ironischerweise einen bessere Ausgangslage als Nokia). Gruber:

Facebook’s role on such a phone would be like iTunes’s role in iOS, and Google’s services — Gmail, contacts, calendars, etc. — in Android. I don’t know what “deep integration” means. I think the key point would be simplicity. Particularly single sign-in. Sign into the phone with your Facebook account, and you’re done.

Spannend ist folgendes Gedankenspiel:

Imagine, say, if the phone omits the Android Market in lieu of Facebook’s own mobile app store. Could be that Facebook, as a company, doesn’t want to be seen as one app among thousands in mobile app stores from Apple, Google, and Microsoft, but rather as a peer to those companies — a mobile titan with its own app store.

Es wäre sehr clever, wenn Facebook einfach eine eigene Version von Android mit eigenem Appstore* nutzt: Die unzähligen Android-Entwickler könnten ihre Apps einfach für das Facebook-Android nutzen.

Und wo läge der Vorteil?

Facebook könnte sich tief in das Betriebssystem integrieren und damit eine eigene zusätzliche API anbieten, die mobile Apps mit Facebook-Integration sehr viel einfacher machen. Android deluxe quasi für alle sozialen Belange. Man denke etwa an mobile Facebook-Spiele, denen Facebook ein eigenes Dashboard auf seinem mobilen OS spendieren könnte.

Von Facebooks eigener Währung, den Facebook Credits, die für alle Transaktionen tief in das OS integriert werden könnten, ganz zu schweigen.

Das wäre eine (erneute) Disruption der mobilen Branche: Das größte Social Network der Welt nutzt seine Plattform, um ein Player im mobilen Markt zu werden. Die strategischen Voraussetzungen wären da.

Braucht ein Social Network ein eigenes mobiles Betriebssystem? Vielleicht braucht es das so sehr, wie eine Suchmaschine ein mobiles OS benötigt.

*Zusätzlich zur Notwendigkeit eines eigenen Appstores aufgrund der zusätzlichen Facebook-Android-API käme noch folgender Umstand: Ein Android ohne Google-Integration bekommt keine Verbindung zum Android AppMarket.

About Marcel Weiß

Marcel Weiß, Jahrgang 1979, ist Gründer und Betreiber von neunetz.com.
Er ist Diplom-Kaufmann und lebt in Berlin. Marcel Weiß ist seit 2007 als Analyst zu Themen der Internetwirtschaft aktiv. Er ist ein Autor bei Exciting Commerce, schreibt Artikel für verschiedene Publikationen und ist unter anderem ein Coautor von im Springer Vieweg Verlag verlegten "Erfolgreich publizieren im Zeitalter des E-Books". Er unterrichtet als Gastdozent an der Popakademie Mannheim und hält Vorträge zu Themen der digitalen Wirtschaft. Mehr zum Autor.
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  • http://web-mastered.de ysamjo

    sehr gut dazu ist auch die potentielle Feature-List auf GigaOm und auch der Gedanke von Arrington das Ding als “Dumbphone” für 50$ zu vertreiben (mehr als FB – und die angehängte Plattform – braucht der Mainstreamuser nicht, im Gegenteil, er kauft ein Smartphone im Moment nur aus dem Grund die Facebook-App nutzen zu können).

    Barrier = Carrier (siehe Nexus One)