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Niemand wird verschont.

David Bosshart,  CEO des Gottlieb Duttweiler Instituts, ein Think-Tank für Wirtschaft und Gesellschaft, im Interview auf buchreport.de:

Wer wird verschont?
Niemand, egal ob ich Esswaren oder Möbel verkaufe. Aber es bestehen Unterschiede in Bezug auf die Dringlichkeit und das Ausmaß einer Erneuerung: Nicht jeder muss sich gleich schnell anpassen, aber anpassen muss sich jeder. Besonders stark ist der Händler mit seinem Ladenkonzept gefordert, aber auch jeder, der im Hintergrund Infrastrukturleistungen erbringt. In gewissen Kategorien besteht gar mehr als nur ein Regenerierungsbedarf: Wer da nicht rechtzeitig handelt, verschwindet. Die Hauptfrage lautet in jedem Fall: Wie stark muss ich mein Geschäftsmodell ändern?

Die Veränderungen, die die Musikbranche seit 10 Jahren erlebt, werden mal mehr mal weniger stark jede andere Branche treffen.

Besonders stark sind die Analogien beim Buchhandel:

Im Buchhandel zeichnen sich zwei zentrale Entwicklungen ab. Erstens haben sich Online-Händler wie Amazon am Markt etabliert und machen dem herkömmlichen Handel die Umsätze streitig. Zweitens existiert mit dem E-Book eine entmaterialisierte Form des Buches. Für die Leser steht nicht mehr der Besitz des Buches im Zentrum, sondern der Zugang zu dessen Nutzung.

Auf die Buchbranche kommt ein perfekter Sturm zu: Die Größen von E-Books sind so gering (ca. 2MB für Wälzer) und die heutigen Bandbreiten so groß, dass der Wandel sehr viel schneller kommen wird als für die Musikbranche, wenn sich E-Reader wie der Kindle im Massenmarkt festsetzen. Und sie sind bereits auf dem Weg dahin. Amazon verkauft laut Eigenaussage bereits mehr Kindle-Bücher als Print-Bücher. Und die ersten DIY-Erfolge gibt es auch schon.

Tauschbörsen werden aber ein viel größeres Problem für die etablierten Prozesse der Buchbranche werden: Man stelle sich vor, MP3s wären 1999 in perfekter Qualität mit einer Größe von 10KB und weniger herunterladbar gewesen. So in etwa sieht die Zukunft für die Buchbranche aus, wenn sie, wie aktuell zu beobachten ist, tatsächlich die Fehler der Musikbranche wiederholt.

(via @avongunten)

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  • About Marcel Weiß

    Marcel Weiß, Jahrgang 1979, ist Gründer und Betreiber von neunetz.com.
    Er ist Diplom-Kaufmann und lebt in Berlin. Marcel Weiß ist seit 2007 als Analyst zu Themen der Internetwirtschaft aktiv. Er ist einer der Autoren bei Exciting Commerce. Artikel vom ihm erscheinen unter anderem in Publikationen wie "Musikmarkt" und "Der Freitag". Texte von ihm sind erschienen unter anderem in "Medienwandel kompakt 2008-2010" und im beim Springer Vieweg Verlag verlegten "Erfolgreich publizieren im Zeitalter des E-Books". Er unterrichtet als Gastdozent an der Popakademie Mannheim und hält Vorträge zu Themen der digitalen Wirtschaft. Mehr zum Autor.
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    • http://aviess.posterous.com/ Alexander Viess

      Eine knackige These in allen Ehren, aber das ist mir doch etwas zu
      unterkomplex argumentiert. Ja, es gibt Parallelen zwischen Buch- und
      Musikindustrie. Allerdings auch nur aus der Fernsicht betrachtet.Tritt man etwas näher sieht man allerorten Initiativen und eine Offenheit neuen Playern gegenüber, die die Musikindustrie in der Umbruchzeit nicht hatte (und stolz draufwar,sie nicht zu haben). Deswegen ärgern mich solche Aussagen wie “So in etwa sieht die Zukunft für die Buchbranche aus, wenn sie, wie
      aktuell zu beobachten ist, tatsächlich die Fehler der Musikbranche
      wiederholt.” Ich sage nicht, dass alles rosarot erscheint, oder dass branchenweit Konsens über die Bedingungen der Möglichkeit neuer Geschäftsmodelle herrscht. Aber der Experimentierwille der Branche ist ebenso deutlich zu spüren wie neue Modelle ausfindig zu machen wären — schaute man nur etwas genauer hin.

      [Disclaimer: Ich arbeite für den Börsenverein des Deutschen Buchhandels und das Forum Zukunft, kenne daher auch die Innensicht und gebe hier aber meine persönliche Meinung wieder und schreibe nicht im Auftrag.]

    • http://www.neunetz.com/ Marcel Weiss

      Kannst du konkrete Beispiele nennen? 
      Ich sehe vor allem DRM und die, wohl nicht ganz freiwillige, Preisbildung, die sich an den Preisen der physischen Exemplare 'orientiert'.