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Facedroid: Facebook arbeitet mit HTC an eigenem Mobiltelefon auf Androidbasis

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Facebook wird laut AllThings D, der Techpublikation des Wall Street Journals, innerhalb der nächsten 12 bis möglicherweise 18 Monate ein eigenes Mobiltelefon herausbringen.

Leider heißt das Projekt nicht Facedroid sondern ‘Buffy’.

AllThingsD:

Code-named “Buffy,” after the television vampire slayer, the phone is planned to run on a modified version of Android that Facebook has tweaked heavily to deeply integrate its services, as well as to support HTML5 as a platform for applications, according to sources familiar with the project. Facebook only recently chose HTC, after also considering at least one other potential hardware partner — Korea’s Samsung. That means the products themselves are still a ways from hitting the market, potentially as long as 12 to 18 months.

Interessanterweise geht Facebook, das bereits 350 Millionen aktive mobile Nutzer verzeichnet, den gleichen Weg wie Amazon: Es benutzt ein modifiziertes Android. Das ist so naheliegend, wie es für Android naheliegend war, auf Linux aufzusetzen: Man muss nicht den ganzen Weg, den andere bereits gegangen sind, noch einmal beschreiten. Android ist Open Source und ist ein funktionierendes mobiles Betriebssystem mit Touch-Oberfläche.

Es stellt sich nun auch die Frage, ob die iOS-Integration von Twitter eine direkte Antwort von Apple auf dieses Vorhaben von Facebook war, von dem man bei Apple vielleicht erfahren hat. Auf jeden Fall ist es interessant, dass Apple das kleine, im Vergleich zu Facebook fast bedeutungslose Twitter auf Systemebene in iOS integriert hat. Das ist etwas, das Apple sonst nie macht. Dass Apple für diese außergewöhnlich tiefe Integration auch noch auf den Marktführer verzichtet hat, ist ziemlich kurios.

Das wirft auch eine weitere Frage auf: Wenn Facebook jetzt Mobiltelefonplattform-Anbieter wird, wie attraktiv ist dann für Apple noch die Integration von Facebook in die iOS-Plattform? War das vielleicht komplett vom Tisch, was Facebook erst zu diesem Schritt getrieben hat, bei dem sie weniger zu verlieren haben? Was ist mit Microsoft und Windows Phone?

Zurück zu Android: Was ist mit Google?

Google wird Facebook  nicht mit Fanfaren und Begrüßungsstrauß im Androidlager begrüßen. Genauso wenig wie es Amazon begrüßt hat. Und das obwohl Amazon, das angeblich ebenfalls ein eigenes Telefon zusätzlich zu seinen Tablets plant, und Facebook zu den wichtigsten Android-Playern neben Google werden können.

Ist Facebooks Schritt aber ein Schlag in’s Gesicht von Google?

Nur bedingt, auch wenn die schlechteren Technologiepublikationen das als Aufhänger benutzen werden. Natürlich ist es für Google zumindest eine eigenartige Situation, dass der Konkurrent auf der Social-Ebene der Wertschöpfung ihr Produkt auf der Mobil-OS-Ebene benutzen wird. Aber das ist gar nicht so verkehrt für Google, dessen größter Konkurrent im Mobil-Sektor Apple ist. Dort heißt es: Je mehr Androids umso besser, um es stark vereinfacht auszudrücken.

Interessant ist, dass hier Android auch wie bei Amazons Tablet Kindle Fire im Hintergrund laufen wird. Der Vordergrund aber von Facebook angepasst wird. Weitere Fragmentierung? Ja und nein. Zu Amazon und Androids Rolle im Hintergrund schrieb ich:

Und natürlich ist das genau das, was Amazon will: Eine eigene Plattform. Mit eigenen Netzwerkeffekten, eigenem Sog.
Das zugrunde liegende Android könnte dann eine immer unbedeutendere Rolle spielen. So wie die Tatsache für Enduser kaum eine Rolle spielt, dass Android wiederum selbst auf Linux basiert.
Niemand argumentiert, dass es schlecht für die Linux-Fragmentierung ist, dass Google Android (gekauft und) entwickelt hat. Ebenso findet es auch niemand schlimm, dass Linux auch die Grundlage für WebOS und Chrome OS ist.
Genau das Gleiche könnte Android selbst basieren: Die Basis für Tablets werden. Der kleinste gemeinsame Nenner. Mit immer weniger werdenden Kompatibilitäten unter den Android-Abwandlungen.

Anders ausgedrückt:

Fragmentierung für Android ist ein Problem auf Hardwareseite, wenn die Hersteller anfangen, über leichte Softwareanpassungen oder Hardwareunterschiede Differenzierungspunkte zu suchen, aber trotzdem noch Android sein wollen.

Auf Plattformebene, wie bei Facebook und Amazon, tritt Android in den Hintergrund so wie Linux hinter Android in den Hintergrund tritt. Facebooks und Amazons Android-Versuche sind Erweiterungen des Android-Kosmos, die nicht zwingend unter das Label Fragmentierung fallen.

Es ist ein Trend, der an Bedeutung zunehmen könnte: (Web-)Plattformanbieter bestimmen zunehmend den mobilen Sektor und seine Hardwareprodukte, die Hardwarehersteller werden zu besseren Zulieferern. (Oder es kommt alles wie bei Apple, Blackberry und webOS aus einer Hand.) HTC könnte nur der erste von weiteren Facebookphone-Herstellern sein. Ein weiterer Grund, um auf eine eigene Android-Version zu setzen: HTC, Samsung und co. haben bereits Erfahrungen mit Android auf ihrer Hardware. Android als Meta-Plattform für verschiedene mobile Betriebssysteme, so wie Linux die Basis für verschiedenste Distributionen ist? Möglich.

Die Implikationen können vor allem im Falle Facebooks vielfältig sein. Facebook hat bereits im Mai dieses Jahres unter dem Namen Facebook Zero Abkommen mit einigen Mobilfunkanbietern in verschiedenen Ländern abgeschlossen, um ein abgespecktes Facebook ohne Kosten für den Datenverkehr bereitzustellen und damit eine positive Netzneutralitätsverletzung verursacht, die bis dato erstaunlicherweise von praktisch keinem der Netzaktivisten öffentlich angeprangert wurde.

Als im September 2010 das erste Mal das Gerücht um ein Facebook-Mobiltelefon kursierte, schrieb ich:

Es wäre sehr clever, wenn Facebook einfach eine eigene Version von Android mit eigenem Appstore nutzt: Die unzähligen Android-Entwickler könnten ihre Apps einfach für das Facebook-Android nutzen.
Und wo läge der Vorteil?
Facebook könnte sich tief in das Betriebssystem integrieren und damit eine eigene zusätzliche API anbieten, die mobile Apps mit Facebook-Integration sehr viel einfacher machen. Android deluxe quasi für alle sozialen Belange. Man denke etwa an mobile Facebook-Spiele, denen Facebook ein eigenes Dashboard auf seinem mobilen OS spendieren könnte.

Anscheinend wird Facebook mehr auf HTML5 statt auf native Apps setzen, um so auch die mobilen Nutzer auf anderen Betriebssystemen wie iOS und Windows Phone mitnehmen zu können, ohne dass diese sich wie User zweiter Klasse fühlen. Man bedenke: Facebook kommt von einer anderen Ebene als Apple oder Microsoft und muss dementsprechend auch andere strategische Entscheidungen treffen. (Apple zum Beispiel setzt sehr stark auf native Apps.)

Facebook wird aber wohl trotzdem quasi einen AndroidMarket+ anbieten, der tiefe Facebook-Integration ermöglichen wird. (Da ein Android ohne Google keinen Zugang zum AppMarket erhält, bräuchte Facebook so oder so seinen eigenen Appstore.)

Bezahlungen könnten dort über Facebooks Webwährung Facebook Credits laufen. Facebook nimmt bereits heute von jeder Transaktion mit Facebook Credits 30 Prozent. Der gleiche Betrag, den App-Entwickler auch an Google und Apple abliefern, wenn sie ihre Apps in deren Appstores verkaufen.

Weiter schrieb ich im September letzten Jahres:

Braucht ein Social Network ein eigenes mobiles Betriebssystem? Vielleicht braucht es das so sehr, wie eine Suchmaschine ein mobiles OS benötigt.

Bald werden wir herausfinden, ob das stimmt.

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    Marcel Weiß, Jahrgang 1979, ist Gründer und Betreiber von neunetz.com.
    Er ist Diplom-Kaufmann und lebt in Berlin. Marcel Weiß ist seit 2007 als Analyst zu Themen der Internetwirtschaft aktiv. Er ist einer der Autoren bei Exciting Commerce. Artikel vom ihm erscheinen unter anderem in Publikationen wie "Musikmarkt" und "Der Freitag". Texte von ihm sind erschienen unter anderem in "Medienwandel kompakt 2008-2010" und im beim Springer Vieweg Verlag verlegten "Erfolgreich publizieren im Zeitalter des E-Books". Er unterrichtet als Gastdozent an der Popakademie Mannheim und hält Vorträge zu Themen der digitalen Wirtschaft. Mehr zum Autor.
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