// (function($){ var options = {"info_link":"http:\/\/heise.de\/-1333879","txt_help":"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an [...]"/>

ACTA und co. bleiben unverhältnismäßig, selbst wenn Filesharing Diebstahl wäre

Je länger man sich mit der Debatte zum Urheberrecht und Filesharing beschäftigt und je mehr man sich die Details anschaut, desto atemberaubender wird die Tatsache, wie stark der Diskurs von Prämissen bestimmt wird, die seit über zehn Jahren nicht nur nicht bewiesen wurden, sondern sogar in Studien bereits wiederlegt sind.

Der Diskurs wird von Bauchgefühlen und Milchmädchenrechnungen bestimmt, die sich als moralische Positionen tarnen.

Vollkommen unbeeindruckt von fehlenden Beweisen wird immer weiter argumentiert, als sei Filesharing etwa Diebstahl, weil jede heruntergeladene Datei immer gleich ein entgangener Verkauf ist.

Selbst wenn diese falsche Ausgangslage zutreffen würde, sehen die aktuellen Gesetztesvorhaben wie das (vorerst?) gescheiterte SOPA oder das internationale ACTA immer noch unverhältnismäßig aus, wie wie Ars Technica an einer Analogie schön aufzeigt:

in the real world, where enforcement has direct costs to the taxpayer, regulation has costs on the industries it burdens, and the reduction in piracy they’re likely to produce is very small, it seems important to point out that the credible evidence for the magnitude of the harm is fairly thin.

As a rough analogy, since antipiracy crusaders are fond of equating filesharing with shoplifting: suppose the CEO of Wal-Mart came to Congress demanding a $50 million program to deploy FBI agents to frisk suspicious-looking teens in towns near Wal-Marts. A lawmaker might, without for one instant doubting that shoplifiting is a bad thing, question whether this is really the optimal use of federal law enforcement resources. The CEO indignantly points out that shoplifting kills one million adorable towheaded orphans each year. The proof is right here in this study by the Wal-Mart Institute for Anti-Shoplifting Studies. The study sources this dramatic claim to a newspaper article, which quotes the CEO of Wal-Mart asserting (on the basis of private data you can’t see) that shoplifting kills hundreds of orphans annually. And as a footnote explains, it seemed prudent to round up to a million. I wish this were just a joke, but as readers of my previous post will recognize, that’s literally about the level of evidence we’re dealing with here.

Tatsächlich lässt sich etwa leicht aufzeigen, dass die betroffenen Industrien ihren Output nicht zurückgefahren haben. Im Gegenteil: Er ist sogar gestiegen.

Musik:

Nielsen SoundScan data shows new album releases stood at 35,516 in 2000, peaked at 106,000 in 2008, and (amidst a general recession) fell back to mid-decade levels of about 75,000 for 2010. That’s against a general background of falling sales since 2004—mostly explained by factors unrelated to piracy—which finally seems to have reversed in 2011. The actual picture is probably somewhat better than that, because SoundScan data is markedly incomplete when it comes to the releases by indie artists who have benefited most from the rise of digital distribution.

Und Film:

If we look at movies, the numbers compiled by the industry statistics site Box Office Mojo show an average of 558 releases from American studios over the past decade, which rises to 578 if you focus on just the past five years. The average for the previous decade—before illicit movie downloads were even an option on most people’s radar—is 472 releases per year.

Natürlich entsteht ein Schaden, wenn ein Drittel des illegalen Filesharings entgangene Verkäufe sind (das ist die Zahl aus unabhängigen Studien) für Unternehmen mit Geschäftsmodellen, die nicht darauf vorbereitet sind.

Angesichts der gesamten Entwicklung der Branchen erscheinen die von ihren Lobbyisten vorangetriebenen Gesetzesvorhaben aber vollkommen unverhältnismäßig.

Die Gesetze sind sogar so unverhältnismäßig, dass sie selbst der analogiegetriebenen Wunschrealität der Lobbyisten nicht standhalten würde. Deshalb ist Hollywood gefährlich.

(via Boing Boing)

Warum Filesharing kein Diebstahl ist:

Ähnliche Artikel:

  • Wenn unautorisiertes Filesharing Diebstahl ist, …
  • Filesharing-Debatte: Geschäftsmodellfragen statt ‘Diebstahl’-Argument
  • Bigott: Filesharing als Diebstahl bezeichnen aber gegen Verkauf gebrauchter MP3s klagen
  • About Marcel Weiß

    Marcel Weiß, Jahrgang 1979, ist Gründer und Betreiber von neunetz.com.
    Er ist Diplom-Kaufmann und lebt in Berlin. Marcel Weiß ist seit 2007 als Analyst zu Themen der Internetwirtschaft aktiv. Er ist einer der Autoren bei Exciting Commerce. Artikel vom ihm erscheinen unter anderem in Publikationen wie "Musikmarkt" und "Der Freitag". Texte von ihm sind erschienen unter anderem in "Medienwandel kompakt 2008-2010" und im beim Springer Vieweg Verlag verlegten "Erfolgreich publizieren im Zeitalter des E-Books". Er unterrichtet als Gastdozent an der Popakademie Mannheim und hält Vorträge zu Themen der digitalen Wirtschaft. Mehr zum Autor.
    Marcel Weiß auf Twitter und auf App.net folgen und auf Facebook abonnieren.
    Mehr Möglichkeiten zur Vernetzung finden sich hier.