// (function($){ var options = {"info_link":"http:\/\/heise.de\/-1333879","txt_help":"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an [...]"/>

Direkte Bezahlung für Kulturprodukte ist nicht das Entscheidende, die gesamte Kulturwirtschaft ist es

Sascha Lobo auf Spiegel Online sehr lesenswert über ACTA:

Der Protest gegen Acta war ein Protest dagegen, wie eine unzureichend informierte, wenig diskussionsfreudige Politik sich intransparent von Lobby-Gruppen eine Vorgehensweise diktieren lässt, die mit der eigenen digitalen Lebenswelt überkreuz liegt.

[..]

Und genau hier tun sich eine Reihe gefährlicher Abgründe auf. Es beginnt damit, dass die Art, wie Acta und seine Brüder geboren werden, das ohnehin schon geringe Vertrauen in die Apparate der EU erschüttert. Was angesichts der derzeitigen Probleme des Kontinents gleich nach Überdachung des Mittelmeers das zweitdümmste ist, was passieren kann. Es geht weiter damit, dass eine Generation lernt, dass Politik sich nicht nur nicht an ihrer Lebenswelt orientiert – das wäre ja nur Politikverdrossenheit – sondern ihren Alltagserkenntnissen und Bedürfnissen dazu noch entgegensteht. Das schürt regelrechte Politikablehnung.

Und weiter:

alles urheberrechtliche Streben im Digitalen lässt sich zusammenstreichen auf eine simple Frage: Bezahlt jemand Geld für Kulturprodukte im Netz?

Sascha Lobo sieht die Antwort nicht nur bei Ja sondern sieht im Anstieg der Einnahmen aus den direkten Verkäufen auch die Lösung für das aktuelle Problem.

Das stimmt: Wenn ich ein Tonträgerunternehmen leite, dann will ich Tonträger verkaufen. Wenn niemand mehr CDs kauft, dann kann ich auch einfach statt CDs Dateien verkaufen. Der Verlierer ist dann nur das Presswerk als Subunternehmer oder Abteilung im Konzern.

Meine Prozesse müssen ansonsten (vermeintlich) kaum angepasst werden. Mein Verständnis vom Markt, in dem ich mich befinde, bleibt gleich: Ich verkaufe Kopien.

Das Problem liegt nun aber darin, dass wir als Gesellschaft Tonträgerunternehmen nicht brauchen. Wir brauchen auch keine Presswerke oder Druckereien.

Wir müssen keinen Tonträgermarkt schützen. Wir müssen nicht das bedruckte Papier vor dem Untergang reden.

Wir haben als Gesellschaft keine Verpflichtung bestimmte Unternehmen und ihr Geschäftsmodelle zu schützen.

Wir haben die Telegraphenhersteller nicht vor dem Telefon beschützt. Wir haben kein Faxleistungsschutz mit dem Aufkommen der Email eingeführt. Wir haben uns nicht um die Kutschenhersteller gekümmert, als Automobile aufkamen.

Wir haben allerdings als Gesellschaft ein Interesse daran, dass Kreative weiter Kultur schaffen und davon auch leben können.

Viele Studien (ein jüngeres Beispiel) zu den gesamten Umsatzzahlen der kompletten Kreativbranchen, also Musikbranche statt Tonträgermarkt, Filmbranche statt DVD- und Blu-Ray-Verkauf, zeigen steigende Zahlen für die letzten Jahre auf.

Diese steigen über den gesamten Kulturmarkt. Einzelne Bereiche, diejenigen, die wir als Gesellschaft nicht mehr benötigen (für die es eine stetig sinkende Nachfrage gibt), gehen zurück. Nicht der gesamte Kulturmarkt, nicht der gesamte Entertainmentbereich, denn diese wachsen.

Das Problem, und es ist eben ein Geschäftsmodellproblem, ist das unbedingte Festhalten an der direkten Bezahlung für die Nutzung eines Kulturprodukts. Der Verkauf von Musikaufnahmen und von Büchern war schon immer nur für einen kleinen Prozentsatz aller Kreativer das Standbein, von dem sie tatsächlich leben konnten.

Dieses schon immer kleine Standbein wird auf keinen Fall größer werden, wenn die Kunden selbst die Verbreitung und den Zugang übernehmen können. Und das ist kein Problem, wie Studien zu den Gesamtumsätzen zeigen!

Oder anders: Angenommen heute würde Musik erfunden werden, welche ersten Geschäftsmodelle würden gewählt? Der Verkauf einer Aufnahme? Was wäre mit Film, mit Büchern, wenn sie erst mit dem Internet aufkämen?

Sich auf darauf zu versteifen, bedeutet, die vielen anderen, oft erfolgversprechenderen Möglichkeiten zu ignorieren.

Siehe zum Thema auch: Erfolgversprechende Geschäftsmodelle im Filesharing-Zeitalter.

Ähnliche Artikel:

  • Kulturwertmark: flatträhnliche Kulturflatrate ohne das entscheidende Flattr-Merkmal
  • Die entscheidende API-Frage
  • Facebook plant “Like”-Button für das gesamte Web
  • About Marcel Weiß

    Marcel Weiß, Jahrgang 1979, ist Gründer und Betreiber von neunetz.com.
    Er ist Diplom-Kaufmann und lebt in Berlin. Marcel Weiß ist seit 2007 als Analyst zu Themen der Internetwirtschaft aktiv. Er ist einer der Autoren bei Exciting Commerce. Artikel vom ihm erscheinen unter anderem in Publikationen wie "Musikmarkt" und "Der Freitag". Texte von ihm sind erschienen unter anderem in "Medienwandel kompakt 2008-2010" und im beim Springer Vieweg Verlag verlegten "Erfolgreich publizieren im Zeitalter des E-Books". Er unterrichtet als Gastdozent an der Popakademie Mannheim und hält Vorträge zu Themen der digitalen Wirtschaft. Mehr zum Autor.
    Marcel Weiß auf Twitter und auf App.net folgen und auf Facebook abonnieren.
    Mehr Möglichkeiten zur Vernetzung finden sich hier.

    • 343max

      Um deine Frage zu beantworten: wenn heute Musik heute erfunden werden würde, dann würde zu erst versucht werden sie über Werbung zu finanzieren, das würde gnadenlos scheitern und danach würde sie natürlich verkauft werden. Denn zumindest ich kenne kein anderes Geschäftsmodell. Oder kennst du eins? Und wieso wird Urheberrecht eigentlich immer auf Musik, Bücher und Filme reduziert?

    • jnkr

      Sponsoring, Mäzenatentum, Auftragsproduktionen, Merchandising, Musik/Texte/Kunst mit Mehrwert, Crowdfunding, etc. … die Zahl möglicher “Geschäfts-” (besser: Erlös-)Modelle ist endlos, gerade im kommerziellen Bereich, wenn man sich von den direkten Modellen der “Industrie” löst.

    • http://www.neunetz.com/ Marcel Weiss

      “Denn zumindest ich kenne kein anderes Geschäftsmodell. Oder kennst du eins?”

      http://www.neunetz.com/urheber

      http://www.neunetz.com/2010/08

      “Und wieso wird Urheberrecht eigentlich immer auf Musik, Bücher und Filme reduziert?”

      Weil es die gängigsten betroffenen Kulturgüter sind und weil es bei den Aufzählungen nicht um Vollständigkeit geht, sondern darum, zu zeigen, welche Kategorie von Wirtschaftsgütern ganz allgemein gemeint ist.

    • 343max

      Mäzenantentum? Ich habe gehört, dass viele Kreative sich vermehrt des nagelneuen Geschäftsmodells “betteln” bedienen. Sehr erfolgsversprechend!

    • http://www.neunetz.com/ Marcel Weiss

      Crowdfunding ist die P2P-Version des Mäzenatentums.


      http://excitingcommerce.de/ Exciting Commerce, exploring emerging ecommerce models
      http://exceed.excitingcommerce… Exceed Net, Network For Innovators

      http://www.neunetz.com/ Wirtschaft und Gesellschaft im digitalen Zeitalter. http://neumusik.com/ Das neue Musikbusiness.

      Mobil: 0049172 9388943
      Berlin, Germany

      Am Mittwoch, 15. Februar 2012 um 10:42 schrieb Disqus:

    • 343max

      Und bezahlen ist die Post-paid-Variante des Crowdfunding.

    • 343max

      Das Urheberrecht betrifft ja nun weit mehr als einen kleinen Haufen Kulturgüter. Die meisten Menschen, die vom Urheberrecht leben, sind keine Kulturschaffenden: Softwareentwickler, Architekten, Anwälte, viele Wissenschaftler. Die werden bei dieser Diskussion leider immer ausgeklammert.

      Zu den Geschäftsmodellen: diese funktionieren nur für sehr wenige Bereiche (oder soll ein Architekt in Zukunft seine Häuser vor großem Publikum tanzen?)

      Ich gebe dem Crowdfunding keine große Zukunft. Zum einen glaube ich nicht, dass das Modell “jetzt Geld ausgeben, um vielleicht mal 2015 einen eventuell ganz guten Film sehen zu können” weit trägt. Ich bin eher so der spontane Typ für heute-abend-Planungen als für vielleicht-in-3-Jahren-Planungen. Insbesondere, wenn ich mir den Film, so er denn gut ist, nach deinem Wunsch ja auch absolut legal kostenlos runterladen kann sehe ich keinen wirklich guten Grund regelmäßig an Crowdfundingmaßnahmen teilzunehmen.

      Crowdfunding führt von der Tendenz her auch sehr stark zu “mehr vom selben”. Wenn ich mir die z.B. Kickstarter-Hits ansehe, sind da nicht wirklich viele Innovative Ideen dabei, sondern immer nur mehr vom alt bekannten: mehr iPhone Hüllen, mehr iPhone Stative, mehr iPhone irgendwase, ein Spieledesigner der 2012 immer noch die gleichen Spiele machen möchte, die er 1980 schon gemacht hat… Es wird noch schwerer werden innovative oder gar überraschende Ideen umzusetzen, wenn man nicht einen Investor überzeugen muss sondern tausende.

      Das kann man leider auch bei Open Source gut sehen: zumindest im Enduserbereich gibt es da nichts wirklich neues, sondern eigentlich nur “Open Source Variante von bekanntem Produkt xy”.

      Ich will diese Geschäftsmodelle ja auch nicht kaputtmachen. Ich glaube allerdings nicht, dass sie auch nur im Ansatz geeignet sind große Mengen an Geld zu erwirtschaften. Und selbst wenn sie das tun bedürfen sie alle eines gigantischen Mehraufwands für die Macher und andere Kompromisse, die wir im schlimmsten Fall nie erfahren. Sponsoren muss man werben und zufriedenstellen, Merchaindising muss man produzieren, sofern das überhaupt geht in dem Geschäfstbereich, Auftragsproduktionen gehören dann eh wieder nur einem.

      Ich finde bezahlen so ein tolles Geschäftsmodell, weil es so schön einfach ist: xy hat ein tollen Produkt geschaffen, ich kaufe ihm eine Kopie davon ab. Keines, wirklich keines der aufgezählten Modelle kommt dieser Unkompliziertheit auch nur Nahe. Warum willst du dieses Geschäftsmodell unbedingt abschaffen? (und bitte komm mir jetzt nicht mit “weil man dann das ganze Netz überwachen müsste”: nein, muss man nicht.)

    • http://www.neunetz.com/ Marcel Weiss

      Ich will kein Geschäftsmodell abschaffen. Ich beobachte und versuche, aus dem Beobachteten Rückschlüsse zu ziehen, was an Bedeutung zunimmt und was abnimmt.

      Architekten und Anwälte leben nicht vom Urheberrecht. (Also gut, Abmahnanwälte schon.)
      Und Wissenschaftler auch nicht.

      Welche Summen müssen über Crowdfunding fließen, damit du da eine Zukunft siehst?

    • martinlindner

      aber es geht doch gar nicht generell um die frage “bezahlen oder nicht”? und wo ist das problem beim pläne-für-häuser-bezahlen usw.? 
      sagt Marcel oben irgendwas, was so etwa künftig schwerer machen würde, als es ohnehin schon ist? (keine ahnung, ob da urheberrecht überhaupt eine größere rolle spielt: werden da nicht eher projekte verkauft?) 

      wenn ich das richtig verstehe, betreffen die diskussionswürdigen probleme ja v.a. “kulturelle inhalte” die vernetzt/digital verteilt werden können: designs, texte, musik, fotos, filme, auch software vermutlich. vielleicht noch künftig 3D-druckprodukt-baupläne, die man kopieren oder sogar re-engineeren könnte. und da wiederum sehe ich jetzt in deinem “kommentar zum urheberrecht” nichts, was weiterhilft – egal, wie man dazu steht.

    • 343max

      Architekten leben nicht vom Urheberrecht? Was glaubst du, wie begeistert Architekten davon wären, wenn du ihre Pläne auf den Kopierer legst und die Häuser 1:1 so baust ohne sie zu bezahlen?

      Und was meinst du, wer die ganzen Fachbücher zum Thema Recht schreibt? Ich hoffe, dass das größtenteils schon von Juristen getan wird. Die leben dann, zumindest teilweise, von der Urheberschaft an Ihren Büchern.

      Warum diskutieren wir überhaupt über solchen Mumpitz? Stellst du ernsthaft in Frage, dass das Urheberrecht mehr Leute als nur Künstler und Journalisten betrifft?

      Zum Crowdfunding: wenn Crowdfunding einer Branche zu 5% des Umsatzes verhilft, der mit “klassischen” Post-Paid Modellen gemacht wird, dann bin ich ernsthaft beeindruckt. Wenn 5% aller Software per Crowdfunding finanziert werden, oder 5% aller Filme, oder 5% aller Musik.

    • http://www.neunetz.com/ Marcel Weiss

      “Architekten leben nicht vom Urheberrecht? Was glaubst du, wie begeistert Architekten davon wären, wenn du ihre Pläne auf den Kopierer legst und die Häuser 1:1 so baust ohne sie zu bezahlen?”
      Nicht das Urheberrecht hält mich davon ab, sondern der mit dem Architekt abgeschlossene Vertrag. Wenn ich das machen würde, auf was würde mich der Architekt verklagen? Auf Urheberrechtsverletzung oder Vertragsbruch?
      “Und was meinst du, wer die ganzen Fachbücher zum Thema Recht schreibt? Ich hoffe, dass das größtenteils schon von Juristen getan wird. Die leben dann, zumindest teilweise, von der Urheberschaft an Ihren Büchern.”
      Also sind wir bei den Anwälten wieder bei Buchautoren. Du hast dich darüber geärgert, dass ich in der Aufzählung nicht alle Arten von Buchautoren aufgezählt habe?
      “Stellst du ernsthaft in Frage, dass das Urheberrecht mehr Leute als nur Künstler und Journalisten betrifft?”
      Nein, mache ich nicht.

    • 343max

      Aber warum soll ein Architekt erst mal mit jedem einen Vertrag auskaspern müssen, bevor er ihm seine Entwürfe zeigt? Es ist doch wesentlich einfacher, wenn er von vornherein feste Rechte an seinem Werk hat. Insbesondere, wenn man seine Entwürfe z.B. nicht nur einigen wenigen zeigen will, sondern z.B. im Rahmen einer Ausstellung.

    • http://twitter.com/AlexG3rard Alex Gérard

      “Das Problem liegt nun aber darin, dass wir als Gesellschaft Tonträgerunternehmen nicht brauchen. Wir brauchen auch keine Presswerke oder Druckereien.Wir müssen keinen Tonträgermarkt schützen. Wir müssen nicht das bedruckte Papier vor dem Untergang reden.Wir haben als Gesellschaft keine Verpflichtung bestimmte Unternehmen und ihr Geschäftsmodelle zu schützen.”Ich gebe dir da Recht. Dennoch sind wir in unserer Gesellschaft dazu verpflichtet, Eigentum & Ideen zu schützen. Wenn ich als Ingenieur eine bahnbrechende Idee, kann es nicht sein, dass meine Chinesischen Kollegen die Idee klauen und von ihr profitieren. Mich stört, wie auch Max schon sagt, dass im Netz immer nur alle von Filmen, Musik etc reden. Urheberrecht ist eben nicht nur das und auch das sollte man mal diskutieren. Es ist zum Beispiel gut das es Gesetze gibt, dass zum Beispiel einen Film wie Avatar, nicht einfach jemand als Kopie in Taiwan in Kino's zeigen kann. Nur weil es möglich ist.

    • http://twitter.com/Frame_Design Frame Design

      @Marcel Weiss Ganz ehrlich, wenn man keine Ahnung hat, von Urheberrecht und Patentschutz dann sollte man besser nichts sagen. So wie du das hier darstellst, könnte man ja glauben, dass Musik und Filme das Einzige ist, was man urheberrechtlich schützen muss. Informiere dich besser mal, was geistiges Eigentum und der Schutz davon wirklich bedeutet.

      Und nur mal so nebenbei nach § 2 Abs. 1 Nr. 4  UrhG sind im Allgemeinen die Werke von Architekten als Werke der Baukunst geschützt.

    • http://www.neunetz.com/ Marcel Weiss

      Ich verstehe nicht so richtig, worauf du mit deinem Architektenbeispiel hinaus willst.
      Meinst du, dass zwischen Zivilisation und Chaos nur das Urheberrecht steht? Finde ich zumindest nicht.
      Glaubst du, dass ich das Urheberrecht abschaffen will? Will ich nicht.
      http://www.neunetz.com/2012/02

    • http://www.neunetz.com/ Marcel Weiss

      Es ging nicht um den rechtlichen Schutz sondern um seine Bedeutung in der Wirklichkeit.