Kommentaränderung

Ich habe die Einstellungen des Kommentarsystems Disqus hier auf neunetz.com angepasst.

Ab sofort kann man auf neunetz.com nur noch eingeloggt kommentieren. Folgende Identifizierungssysteme stehen zur Verfügung: Disqus, Google, Twitter, Facebook, Yahoo! und OpenID.

Meine Gründe:

Die offene Kommentarspalte ist tot. Eigentlich sind Kommentare unter Blogs etc. grundsätzlich anachronistisch, weil sie nicht im Stream stattfinden. (Ausnahme hier auch wieder das großartige Disqus, bei dem man andere Personen und ihre Kommentare abonnieren kann und so sieht, auf welchen Publikationen mit Disqus sie kommentiert haben.) Außerdem funktioniert die offene Kommentarspalte, in die jeder reinschreiben kann, der des Tippens fähig ist, nur bis zu einer bestimmten Reichweite der Publikation.

So groß ist neunetz.com nicht. Aber da ungefähr 100 Prozent der Leserschaft hier einen Account bei den oben genannten Identitätssystemen hat, erscheint mir der Einschnitt nicht sehr groß.

Eigentlich ist es für alle Beteiligten interessanter und gewinnbringender, wenn statt in Kommentarspalten auf dem eigenen Blog, Twitter, Google+ oder Facebook kommentiert wird. So bekommen wenigstens die eigenen Freunde, Kontakte, Leser mit, was man zu sagen hat. Kommentarspalten sind dagegen eher oft das Rufen in den leeren Wald. (Hand auf’s Herz: Wie viele Kommentare unter Artikeln lest Ihr, wenn Ihr selber gar nicht kommentieren wollt?)

Statt Kommentarspalten brauchen wir eigentlich Reaktionsspalten. Unter den Artikeln sollten die Reaktionen auf den verschiedenen Plattformen aggregiert werden. In Teilen machen das Kommentarsysteme wie Disqus oder Livefyre bereits. Das ist aber noch ausbaufähig.

Wie dem auch sei: ich möchte Kommentare hier aufrechterhalten, weil sich doch des öfteren interessante Debatten ergeben. Einzig auf Provokationen und Spam kann ich aus Zeitgründen gut verzichten. Deshalb bin ich auf den Registrierungszwang für die Kommentare umgestiegen.

Ich glaube, dass das eine gute Entscheidung war: Ich habe die Registrierung direkt nach dem Veröffentlichen meines Artikels zu einem modernen Urheberrecht angeschaltet. In der Regel kommen zu Urheberrechtsthemen immer auch Leute in die Kommentare, die nur beschimpfen wollen. Das ist dieses Mal ausgeblieben.

Aber was ist mit anonymen Kommentaren?

Zu dieser Frage gibt es zwei Dinge anzumerken:

1. Der anonyme Kommentar an sich wird überbewertet.

Ich kann mich an keinen anonymen Kommentar in meiner Laufbahn als Blogger (5+ Jahre) erinnern, der unbedingt anonym abgegeben werden musste und enorm wichtig für die Diskussion war. Also so wichtig, dass all die Arbeit mit Trollen und Spam eine registrierungsfreie Kommentarspalte rechtfertigen.

2. Man kann hier auch weiterhin anonym kommentieren. Es ist nur aufwendiger.

Will man anonym kommentieren, muss man sich dafür eine neue Email anlegen, die mit  der eigenen Person nicht in Verbindung gebracht werden kann. Anschließend kann man sich mit dieser Email einen Account auf Disqus oder einem der anderen Dienste anlegen und sich anschließend damit für die Kommentare anmelden.

Wenn es wirklich um Leben oder Tod bei dem anonymen Kommentar geht, erscheint mir der Aufwand verhältnismäßig.

About Marcel Weiß

Marcel Weiß, Jahrgang 1979, ist Gründer und Betreiber von neunetz.com.
Er ist Diplom-Kaufmann und lebt in Berlin. Marcel Weiß ist seit 2007 als Analyst zu Themen der Internetwirtschaft aktiv. Er ist ein Autor bei Exciting Commerce, schreibt Artikel für verschiedene Publikationen und ist unter anderem ein Coautor von im Springer Vieweg Verlag verlegten "Erfolgreich publizieren im Zeitalter des E-Books". Er unterrichtet als Gastdozent an der Popakademie Mannheim und hält Vorträge zu Themen der digitalen Wirtschaft. Mehr zum Autor.
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Mehr Möglichkeiten zur Vernetzung finden sich hier.

  • Bernhard Kockoth

    Ich lese gerne Kommentare, weil zum Beispiel bei den Heise Nachrichten steht oft erst in den Kommentaren drin worum es wirklich geht oder was Sache ist. Pressemeldungen werden in Kommentaren gerne auseinandergenommen und auf das Wesentliche reduziert.
    Es gibt auch Autoren die ein paar Stichwörter “in die Luft” werfen und manchmal ergibt sich in den Kommentaren eine nette Plauderei.

  • http://twitter.com/raum441 André Luce

    “(Hand auf’s Herz: Wie viele Kommentare unter Artikeln lest Ihr, wenn Ihr selber gar nicht kommentieren wollt?)” Sehr viele, meist steht das Interessanteste erst in den Kommentaren, so wie es Bernhard oben schon beschrieben hat.

    Deinen Schritt finde ich ansonsten nachvollziehbar.

  • jnkr

    Bei einem Netzblog kann ich Deine Argumentation absolut nachvollziehen, bei einem Branchenblog wie Exciting Commerce sind die anonymen Kommentare unbedingt notwendig, da viele Corporate-Leute nicht offen kommentieren können, in der Regel aber die besten Tipps, Anmerkungen, Insiderinfos, etc. haben.

  • http://www.neunetz.com/ Marcel Weiss

    Ja, das ergibt Sinn.

  • Pingback: Kommentare: Abwanderung, Einbindung oder …? | PR-Doktor

  • Kerstin Hoffmann

    Sehr schöner Diskussionsansatz. Danke dafür! Ich wollte zuerst hier kommentieren, aber da mich das Thema schon länger Zeit intensiv beschäftigt und ich sogar einen angefangenen Blogbeitrag dazu hatte, habe ich meine Überlegungen dazu jetzt in einem eigenen Blogbeitrag beschrieben. Meine Entscheidung: Vorerst keine Kommentaränderung. Aus Gründen.
    http://www.kerstin-hoffmann.de

  • Kerstin Hoffmann

    P.S. Das Einloggen mit Facebook hat übrigens trotz mehrerer Versuche gleich gar nicht geklappt. Störanfälligkeit ist deswegen für mich ein weiterer Grund, mich vorerst dagegen zu entscheiden.

  • Pingback: Kommentarspalten in Gefahr: Warum es sich lohnt, für Blogkommentare einzustehen » netzwertig.com

  • http://www.neunetz.com/ Marcel Weiss

    Danke für den Hinweis. Schaue ich mir an.

  • Pingback: Basic Deathlist | Basic Thinking

  • sy4711

    Finde es immer Schade, wenn freie Textboxen dem Registrierungszwang zum Opfer fallen. In dem Fall ist mit Disqus aber auch eine gute Alternative gefunden. Spannender Service!