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TV-Apps und die Disruption der Fernsehbranche

Die New York Times berichtet über die voranschreitenden Entwicklungen im TV-Sektor. Dass Apps massgeblich für die Disruption der TV-Branche verantwortlich sein werden, scheint auf dem Weg, common sense zu werden.

Developers Are Working on Television Apps, but TV Industry Is Wary – NYTimes.com:

“The question that hasn’t yet been answered is whether television viewing will consist of a single app that mimics the pay TV bundle or a series of different apps that together form a content experience,” said Jon Miller, the chief digital officer at News Corporation, which owns Fox Broadcasting and cable channels like Fox News and FX.

Tatsächlich stellt sich vor allem ‘nur noch’ die Frage, wie das App-TV-Interface letztlich aussehen soll. Steve Jobs hat bekanntermaßen gegenüber Walter Isaacson gesagt, dass er die Lösung gefunden hat.

Die Lösung wird sicher kein Grid sein, wie man es von Tablets und Smartphones kennt. Ein Raster, auf dem die Apps angeordnet sind, ist sinnvoll für einen Touchscreen. Der Fernseher ist kein Touchscreen.

Die Frage lautet also: Wie bringt man Apps und ihre Inhalte, und vielleicht sogar deren VÖ-Fenster, in einem Interface zusammen? In diesem Interface müssen die Apps als Sendernachfolger (als Inhaltebündel) und ihre Inhalte sinnvoll dargestellt werden.

Wie dem auch sei. Die TV-Branche wird mit der Disruption ihrer Geschäftsgrundlage das gleiche durchleben, wie andere Branchen vor ihr. Einen ersten Geschmack bekommt man jetzt schon, wenn man Aussagen hierzulande und in Übersee beobachtet:

The so-called bundle setup helps little-watched channels bring in revenue from monthly cable fees and allows the most popular channels to get high fees from every subscriber, even the ones who don’t watch them.

The idea of undermining this model is so sensitive that media executives who think that apps are the future of television would not discuss the subject publicly, for fear of disturbing their cable and satellite partners.

Das ist das klassiche Dilemma von etablierten Unternehmen, wenn sie sich einer Disruption gegenüber sehen: Sie sind so stark in ihre Wertschöpfungsnetzwerke eingebunden, dass ihre Handlungsspielräume stark eingeschränkt sind. So stark, dass sie in der Regel gar nicht angemessen auf die Herausforderungen reagieren können.

Denn wenn man sich nicht einmal traut, die Veränderungen öffentlich anzusprechen, wie soll man dann auf sie reagieren können?

Für Deutschland sieht die Situation ein bisschen anders aus, weil wir hier keinen starken Paid-Kabel-Markt mit starren Bündeln haben. Aber für die deutschen TV-Sender wird es nicht minder bitter: Die privaten Sender sind oft Verwerter von US-Material. Die US-Studios könnten irgendwann an ihnen vorbei Inhalte über Apps distribuieren.

Neue Mittelsmänner: Netflix, von dem ich Aktien halte, und andere Angebote werden mit einem Eintritt auf dem deutschen Markt die größten Konkurrenten der deutschen Sender. Angebote wie Netflix sind heute schon auf allen relevanten TV-App-Plattformen von Apple TV über Roku bis Boxee vertreten.

Die deutschen TV-Sender werden zwar mit Lizenzvereinbarungen ein paar Entwicklungen verzögern, sie aber nicht aufhalten können. Ihr Problem ist das gleiche, wie das der US-Sender: Ihr Erlösmodell der Werbeunterbrechungen wird nicht ohne weiteres auf die App-Welt übertragbar sein, die andere Marktdynamiken als das lineare Fernsehen mitbringt.

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    Marcel Weiß, Jahrgang 1979, ist Gründer und Betreiber von neunetz.com.
    Er ist Diplom-Kaufmann und lebt in Berlin. Marcel Weiß ist seit 2007 als Analyst zu Themen der Internetwirtschaft aktiv. Er ist einer der Autoren bei Exciting Commerce. Artikel vom ihm erscheinen unter anderem in Publikationen wie "Musikmarkt" und "Der Freitag". Texte von ihm sind erschienen unter anderem in "Medienwandel kompakt 2008-2010" und im beim Springer Vieweg Verlag verlegten "Erfolgreich publizieren im Zeitalter des E-Books". Er unterrichtet als Gastdozent an der Popakademie Mannheim und hält Vorträge zu Themen der digitalen Wirtschaft. Mehr zum Autor.
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