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“Und wehe Sie bieten das kostenlos an!”

Leander Wattig hat eine Zeit lang eine Jobbörse für die Buchbranche als Teil von “Was mit Büchern” angeboten. Die Jobbörse war für alle Beteiligten kostenlos nutzbar. Und, so weit ich das als Branchenfremder beurteilen kann, dank des Einsatzes von Open-Source-Software auf Leander Wattigs Seite mehr als konkurrenzfähig mit den kostenpflichtigen Plattformen, die teilweise weniger Funktionen anbieten.

Nun gibt es die Jobbörse nicht mehr.

Leander Wattig:

Von Beginn an gab es vereinzelt Menschen, die mich dafür kritisiert haben, dass ich eine solche Plattform kostenlos anbiete. Warum? Weil ich damit anderen Akteuren Umsätze wegnähme. “Warum wollen sie denn XY aktiv schaden?”, wurde da gefragt. Das erschien mir immer merkwürdig, weil es der Logik von Aussagen wie der folgt, welche mir vor kurzem begegnet ist: Da hieß es, Wikipedia sei verwerflich, da es Verlagen ja Umsätze wegnähme, weil die mit vergleichbaren Bezahl-Angeboten kein Geld mehr verdienen könnten. Ehrlich gesagt erschließt sich mir eine solche Denkweise nicht wirklich. So gesehen wäre jede Art von Gratis-Inhalt im Internet zu verurteilen.

Mit einer ähnlichen Begründung wurde mir nun erstmals auch konkret eine Abmahnung angekündigt von jemand, der sich als Wettbewerber bedroht zu fühlen scheint. Rein inhaltlich bzw. rechtlich mache ich mir da wenig Sorgen. Ich habe aber schlicht keine Lust, mich mit sowas auseinanderzusetzen.

Ähnlich hanebüchene Aussagen wie die, von denen Leander Wattig berichtet, hört man des öfteren. Als ein weiteres Beispiel von vielen: Dem Projekt Musopen, das klassische Aufnahmen produzieren lässt und diese dann unter die Public Domain stellt, wurde vorgeworfen, es würde damit die Einnahmequellen von Orchestern kaputt machen und sei deshalb eine schlechte Sache.

Mit Abmahnung drohen. Auch eine Art, auf Disruptionen zu reagieren.

Disclosure: Ich bin mit Leander Wattig befreundet und habe gemeinsam mit ihm auf der diesjährigen und der letztjährigen re:publica einen Vortrag gehalten.

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  • About Marcel Weiß

    Marcel Weiß, Jahrgang 1979, ist Gründer und Betreiber von neunetz.com.
    Er ist Diplom-Kaufmann und lebt in Berlin. Marcel Weiß ist seit 2007 als Analyst zu Themen der Internetwirtschaft aktiv. Er ist einer der Autoren bei Exciting Commerce. Artikel vom ihm erscheinen unter anderem in Publikationen wie "Musikmarkt" und "Der Freitag". Texte von ihm sind erschienen unter anderem in "Medienwandel kompakt 2008-2010" und im beim Springer Vieweg Verlag verlegten "Erfolgreich publizieren im Zeitalter des E-Books". Er unterrichtet als Gastdozent an der Popakademie Mannheim und hält Vorträge zu Themen der digitalen Wirtschaft. Mehr zum Autor.
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    • Justin Milatz

      Ich fürchte das ist es was immer mit Kostenloskultur gemeint wird.
      Da war mir bisher nie so richtig klar was das sein soll. P2P Filesharing konnte es ja nicht sein, dass heist ja schon Piraterie.
      Abgefahrene Art über Konkurrenz denken.

    • http://www.facebook.com/bummtschack Henry Butzbach

      Hmm, das ist eine beunruhigende Tendenz, die man hier glaubt ablesen zu können. Schade um die Jobbörse, vor allem für die Nutzer dieser. Die Aussage, man würde mit kostenfreien Angeboten, jemanden der ein vergleichbares Angebot kostenpflichtig anbietet die Kunden / Nutzer wegnehmen, klingt für mich nicht mehr nach freiem Markt. Schließlich soll sich doch der Kunde / Nutzer orientieren und entscheiden welches Angebot er wahrnimmt. Nach dieser Logik würde jede(r), der auf einer proviniziellen Obstwiese ihrer/ seiner Begleitung einen Apfel pflückt, dem Obsteinzelhändler das Geschäft zerstören. Was ich offen gesagt für Mumpitz halte. Zurück zur Jobbörse, ist es nicht so, dass solche Portale gleichermaßen von Anbietern von Jobs und Jobsuchenden genutzt werden, und dadurch lediglich ein forum für Anbieter und Suchende geschaffen wird ? Ich kenne die Jobbörse von Herrn Wattig leider nicht, aber so stelle ich mir das prinzipiell vor. Dann müsste auch jedes andere Forum zum Erwerb von Schallplatten, zur Partnersuche, ja sogar jeder Marktplatz abgemahnt werden. Ich bin etwas fassungslos, ob solcher Praktiken von Leuten, die sich ein entsprechend grosses Anwaltsbüro leisten können und genügend Zeit für solcherlei “Spaß” haben. Schade, Schade, Schade.

    • Pingback: Wenn Jobbörsen einen kleinen Mitwerber mundtot machen wollen: Abgemahnt wegen zu viel Erfolg | Simone Janson, Journalist & Berater