Sinkender E-Reader-Absatz ändert wenig für Buchverlage

Der Buchreport, der sich ausschließlich auf Zahlen und Schlussfolgerungen von iSuppli bezieht, es aber nicht schafft die Quelle zu verlinken:

Die Technologie-Marktforscher diagnostizieren einen „alarmierend rasanten Rückgang“ des E-Reader-Marktes, ausgelöst durch den Erfolg von Tablet-Computern:

In diesem Jahr würden weltweit 14,9 Mio E-Reader ausgeliefert, ein Rückgang von 36% gegenüber dem Vorjahr.

Im kommenden Jahr erwartet iSuppli nur noch 10,9 Mio Geräte, die von den Herstellern verschifft werden.

Bis 2016 werde die Zahl sogar auf 7,1 Mio sinken – zwei Drittel weniger als zum Höhepunkt im Jahr 2011. 

Bei einem so jungen Markt wie dem der E-Reader würde ich nicht allzu viel auf Schwankungen geben. Selbst wenn diese relativ groß sind. Ich würde auch die internationale Entwicklung nicht 1:1 auf den deutschen Markt übersetzen, der extrem hinter der globalen Entwicklung hinterherhinkt. Schon gar nicht würde ich, wie es iSuppli gemacht hat, eine Prognose für 2016 ausgeben. Bis dahin wird es mindestens drei Generationen von Tablets und E-Readern gegeben haben. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Amazon bis dahin angefangen hat, Kindle-Geräte an Stammkunden zu verschenken. Es ist nicht vorhersehbar, wie die Aufteilung der Geräteklassen am Markt im Jahr 2016 aussehen wird.

Letztlich aber ändert sich für die Buchverlage, die zu dem Publikum des Buchreports gehören, nur wenig: Wenn E-Reader zugunsten von Tablets einen geringeren Absatz finden, dann würde das bedeuten, dass zumindest für einen Teil der Käufer die Tablets als Substitute für E-Reader genügen. Das heißt also letztlich nur, dass das digitale Lesen auf einem anderen Gerät als einem dedizierten E-Reader stattfindet. Es heißt nicht, dass es zugunsten von Papierbüchern wieder zurückgeht.

Für Buchverlage ist das also, wenn überhaupt, dann alles andere als ein Grund zur Freude: Auf den Tablets ist die direkt auf dem Gerät befindliche Konkurrenz um ein Vielfaches größer als auf den E-Readern. Stichworte: AngryBirds und WorldWideWeb.

Durch die im Vergleich zu den etablierten E-Readern relative Offenheit der Tablet-Betriebssysteme von iOS über Android bis, irgendwann vielleicht, Windows RT, zeigt diese Nachricht allerdings zumindest, dass die Buchverlage auch dringend über ihre Plattformstrategien nachdenken und handeln sollten, solang der Markt noch in Bewegung ist.

Randnotiz zu den Plattformstrategien: Egal was passiert, ob nun E-Reader mit E Ink oder Multitouch-/Multipurpose-Tablets zu den bevorzugten Lesegeräten werden, Amazon ist mit seiner Kindle-Plattform praktisch überall präsent. Mit eigenen Readern, eigenen Tablets und Apps auf den Betriebssystemen der anderen Hersteller.

About Marcel Weiß

Marcel Weiß, Jahrgang 1979, ist Gründer und Betreiber von neunetz.com.
Er ist Diplom-Kaufmann und lebt in Berlin. Marcel Weiß ist seit 2007 als Analyst zu Themen der Internetwirtschaft aktiv. Er ist ein Autor bei Exciting Commerce, schreibt Artikel für verschiedene Publikationen und ist unter anderem ein Coautor von im Springer Vieweg Verlag verlegten "Erfolgreich publizieren im Zeitalter des E-Books". Er unterrichtet als Gastdozent an der Popakademie Mannheim und hält Vorträge zu Themen der digitalen Wirtschaft. Mehr zum Autor.
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  • bronline

    Guten Tag Herr Weiss, was soll das denn heißen? „Der Buchreport, der sich ausschließlich auf Zahlen und Schlussfolgerungen von iSuppli bezieht“ – den Link habe ich vergessen, geschenkt, aber anstößig wäre das wohl nur, wenn die Quelle nicht genannt würde, oder? Zu Ihrer These, die ich nicht so ganz verstehe. Ändert sich was – weil die Medienkonkurrenz auf Tablets größer ist? Oder doch nicht? Ich glaube, dass sich sehr wohl etwas für die Verlage ändert, weil die Erwartungen an ein Buch bei Tablet-Nutzern andere sind. Auf Readern gibt es, wie Sie andeuten, keine Konkurrenz zu anderen Medien, auf Tablets eine massive. Studien zeigen, dass die Lektürezeit bei Tablet-Switchern zurück geht. Ob es reicht, aus den Print-Büchern Epubs o.ä. auszukoppeln, ohne Zusatznutzen, bezweifle ich.

  • Hubertchen

    Quatsch – die Anforderung an ein Buch ist immer noch: qualitativen Inhalt bieten. Warum die Lektürezeiten zurück gehen liegt doch auf der Hand. Jetzt wird nicht mehr herum gespielt, jetzt wird nur noch gelesen.

  • karstenwerner

    Die Kritik lieg wohlt darin, dass sie sich ausschließlich auf iSuppli beziehen. Wenn eine Quelle derart signifikante Veränderungen verkündet, sollte eine Gegenprobe erfolgen. Zumindest für den hiesigen Markt. Frei zugängliche Zahlen anderer Anbieter gibt es ja genug. Dadurch wird ihr Meinungspart letztlich etwas zu steil. Siehe auch andere Kommentatoren (Marksättigung bei “Viellesern”, Lebenszyklus, fehlende technische Innovation in den letzten Jahren).
    BTW: Wer möchte Bücher auf einem 10″-iPad lesen? Selbst auf den 7″-Geräten wir das recht schnell anstrengend, da diese immer noch mindestens doppelt so schwer sind wie einfache eReader. Egal ob Arbeits-oder Genussleser: Am Ende läuft es eh darauf hinaus, sich einen eReader zu kaufen. Zusätzlich zu einem Tablet.

  • bronline

    Sorry, aber unser Artikel ist eine Meldung, keine Analyse (weshalb da nicht noch drei weitere Studie erwähnt werden). Und auch kein Kommentar, deshalb ist Ihr „Meinungspart“ ein bisschen verfehlt. Das ist das Fazit von iSuppli. Und BTW: Ich lese seit April 2010 fast nur noch auf dem iPad. Und ich habe nicht die Oberarme von Jonathan Ive.

  • karstenwerner

    Na ja, wenn bei ihnen scharfe Headlines&Zwischenüberschriften zu einer “Meldung” gehören, dann ist das eben so. Und was für den einen den Aufwand einer “Analyse” bedeutet, liegt für den anderen eine Suchanfrage und eine Verlinkung entfernt. Passt auch in jede “Meldung”. Wünsche weiterhin erfolgreiches Krafttraining.

  • http://www.neunetz.com/ Marcel Weiss

    Es ging mir lediglich darum, dass der Artikel eine Zusammenfassung der Studie ist _und_ keinen Link zur Originalquelle enthält.

    Meine, im Text zugegeben schlecht formulierte, These: Die Digitalisierung kommt zur Buchbranche, egal ob mit E-Readern oder Multi-Purpose-Tablets. ‘Lediglich’ die Art variiert.

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  • http://www.mobilegeeks.de/ Sascha Pallenberg

    Jetzt habe ich zwar auch bereits vor 2 Jahren die kuehne These vertreten, dass Tablets den E-Reader Markt killen aber so dramatisch sehe ich das gar nicht mal… mal von der Tatsache abgesehen, dass lesen auf nem Tablet nicht wirklich angenehm ist, so fehlen hier einfach grundsaetzliche Variablen…. wie ist der Lifecycle bei E-Readernd und wie haeufig wird ein Update gekauft… Wie schaut es mit den Umsaetzen auf den E-Readern aus… Gerade in Deutschland legt der Markt kraeftigst zu (ok, das war auch zuvor ne Wueste).

    Fakt ist aber auch, dass eInk die Umsaetze mit seinen Displays schwer zurueckgehen sieht…

    Dennoch, die kostenlos E-Reader werden kommen. Txtr war ein erster Schritt, weitere Anbieter werden folgen.

  • http://www.neunetz.com/ Marcel Weiss

    Ja, Lifecycle von E-Readern dürft aktuell wesentlich länger sein als bei Tablets, weil bei letzteren die Versionssprünge noch enorm sind.