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Kurs-Gewinn-Verhältnisse von Techunternehmen zeigen, dass es keine einheitliche Unternehmensklasse ist

Tom Gara via Daring Fireball:

Apple’s market value has fallen by the combined market value of two Nokias plus two RIMs in the hours since its results came out.

Die Entwicklung von Apples Aktienkurs ergibt nur noch wenig bis gar keinen Sinn mehr. Es wurde viel über die gestern verkündeten Quartalsergebnisse von Apple und die anschließende Entwicklung am Aktienmarkt geschrieben. (siehe hierzu etwa die heutigen Leseempfehlungen)

Interessanter als sich allein Apple anzuschauen, ist, sich einmal die aktuellen P/E-Ratios öffentlich gehandelter Technologie-Unternehmen anzuschauen und zu vergleichen.

Wikipedia definiert P/E-Ratio beziehungsweise Kurs-Gewinn-Verhältnis so:

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) (engl. Price-Earnings-Ratio (PER) oder P/E Ratio) ist eine Kennzahl zur Beurteilung von Aktien. Hierbei wird der Kurs der Aktie in Relation zu dem für den Vergleichszeitraum gegebenen bzw. erwarteten Gewinn je Aktie gesetzt.

[..]

Der Gewinn pro Aktie kann sich sowohl auf feststehende wie auf erwartete Werte beziehen. Das KGV spielt in der Aktienanalyse eine große Rolle. Dort werden immer Schätzungen für die Zukunft betrachtet.

Zum Vergleich das aktuelle durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis der S&P 500, also der nach ‘Standard & Poor’s’ 500 führenden am US-Aktienmarkt gehandelten Unternehmen:

17,00

Ein höherer Wert deutet auf eine Überbewertung, ein niedrigerer Wert auf eine Unterbewertung hin. Das ist aber natürlich keine feste Regel. Es ist lediglich ein Referenzpunkt zur besseren Einordnung.

Facebook etwa steht noch am Anfang des Lebenszyklus als Unternehmen und befindet sich zusätzlich in einem Markt, der selbst noch ganz am Anfang steht. Findet Facebook nun seine adsensuelle Cashcow bricht die P/E-Ratio dank Umsatz- und Gewinnexplosion schnell auf vertretbarere Dimensionen ein. Findet Facebook sie nicht, nun EIN EICHHÖRNCHEN.

Und hier die Kurs-Gewinn-Verhältnise von ein paar Technologieunternehmen:

Das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis von Apple:

11,64

Das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis von Google:

22,84

Das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis von Microsoft:

14,92

Das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis von Facebook:

286,48

Das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis von Netflix:

130,70

Setzen Sie sich bitte. Das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis von Amazon:

3.583,40

Alle Unternehmen würde man in den Technologie-/Websektor einordnen (Amazon wäre diskutabel, aber drücken wir mal alle Augen zu), aber sie befinden sich nicht nur auf teilweise vollkommen unterschiedlichen Märkten (Hardware, Software, Webdienste, Kommunikation, Handel), sind unterschiedlich groß und unterschiedlich alt, sie werden auch vollkommen unterschiedlich an der Börse bewertet. Man schaue sich nur die Differenz zwischen den zwei Ausreißern Apple und Amazon an. Der Unterschied könnte größer kaum sein.

Diese Ausdifferenzierung bei allen, und ich meine nicht nur bei einer Handvoll, sondern bei allen, Kennzahlen ist auch der Grund, warum die seit Jahren irrgeleitete Rede von einer neuen Internetblase keinen Sinn ergibt, solang nicht ein konkreter Sektor benannt wird. (Sagen wir, etwa Social Gaming.) Es gibt keine Internetblase a la 2000, weil es keine einfach abgrenzbare Klasse von Internetunternehmen mehr gibt. (Und weil die Internetunternehmen, welche in den letzten zwei Jahren an die Börse gegangen sind, in der Regel profitabel sind, wenn auch nur minimal.)

Nun führt die fortschreitende Vertikalisiserung und das damit verbundene Wildern in neuen Märkten bei den großen Unternehmen (Facebook, Apple, Google, Amazon) zu einer schrittweisen Annäherung, die, weil sie aus unterschiedlichen Richtungen kommen, noch sehr interessant wird.

Aber jede künftige Über- oder Unterbewertung dieser Unternehmensklasse sagt dann wiederum nur wenig über die Bewertung anderer Technologieunternehmen von Netflix über Twitter bis LinkedIn aus.

Der Technologiesektor war schon immer ein Querschnittssektor. Die Webbranche als ein Unterbereich des Technologiesektors ist ebenfalls ein Querschnittssektor. Entsprechend bringt sie viele, kaum miteinander vergleichbare Unternehmen hervor.

-

(Disclosure: Ich besitze seit längerer Zeit eine Handvoll Apple-Aktien. Dieser Artikel stellt keine Empfehlung in irgendeine Richtung dar, aber vielleicht eine implizite Frage in Richtung der Anteilseigner von Amazon.) 

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  • About Marcel Weiß

    Marcel Weiß, Jahrgang 1979, ist Gründer und Betreiber von neunetz.com.
    Er ist Diplom-Kaufmann und lebt in Berlin. Marcel Weiß ist seit 2007 als Analyst zu Themen der Internetwirtschaft aktiv. Er ist einer der Autoren bei Exciting Commerce. Artikel vom ihm erscheinen unter anderem in Publikationen wie "Musikmarkt" und "Der Freitag". Texte von ihm sind erschienen unter anderem in "Medienwandel kompakt 2008-2010" und im beim Springer Vieweg Verlag verlegten "Erfolgreich publizieren im Zeitalter des E-Books". Er unterrichtet als Gastdozent an der Popakademie Mannheim und hält Vorträge zu Themen der digitalen Wirtschaft. Mehr zum Autor.
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