Leistungsschutzrechtsopfer (2): “Nachrichtendienst für Historiker” hört auf

Die Meldung des “Nachrichtendienst für Historiker” zeigt deutlich, wie schädlich die mit dem Presseleistungsschutzrecht kommende Rechtsunsicherheit sein wird und bereits ist:

Sehr geehrte Damen und Herren,

aufgrund des am 1. März 2013 in Kraft getretenen Leistungsschutzrecht für Presseverleger müssen wir den Betrieb des Nachrichtendienst für Historiker nach 17 Jahren vorerst einstellen.

Die unklare Lage bezüglich der Textlänge für Snippets (siehe auch: Leistungsschutzrecht_für_Presseverleger bei Wikipedia) zwingt uns zu diesem Schritt.

Ob und wie dieser Dienst weiter zur Verfügung gestellt werden kann, können wir erst nach den ersten klärenden Urteilen zur eher unsicheren Ausgestaltung des Gesetztes sagen.

Wollen Sie über die weitere Entwicklung informiert werden, so möchten wir Ihnen einen Besuch unserer Facebookseite ans Herz legen: Nachrichtendienst für Historiker auf Facebook

Mit freundlichen Grüßen

Tobias Berg

(bergtobi@historiker.de)

Michael Schmalenstroer über den eingestellten Dienst:

Damit gibt es momentan keinen Dienst mehr, der aktuelle Zeitungsartikel zu historischen Themen und die Debatten über die Geschichte versammelt. Ich glaube, dass man nicht extra betonen muss, dass dies extrem tragisch ist und auch den Zugang zur Geschichte deutlich erschwert. Wer wissen wollte, über welche historischen Themen gerade in den Feuilletons diskutiert wurde oder auch nur interessanten Lesestoff suchte, konnte in den letzten Jahren auf den Nachrichtendienst zurückgreifen.

(via Daniel Schultz)

Diese Reihe, in der ich künftig die Schäden, die das Presseleistungsschutzrecht im deutschen Web verursacht, dokumentieren werde, wird sehr schnell sehr lang werden, wenn das geplante Gesetz so wie im Bundestag beschlossen den Bundesrat passieren und in Kraft treten sollte.

Wer weitere Fälle findet, kann sie mir gern per Email an marcel at neunetz.com schicken.

Vorher:

About Marcel Weiß

Marcel Weiß, Jahrgang 1979, ist Gründer und Betreiber von neunetz.com.
Er ist Diplom-Kaufmann und lebt in Berlin. Marcel Weiß ist seit 2007 als Analyst zu Themen der Internetwirtschaft aktiv. Er ist ein Autor bei Exciting Commerce, schreibt Artikel für verschiedene Publikationen und ist unter anderem ein Coautor von im Springer Vieweg Verlag verlegten "Erfolgreich publizieren im Zeitalter des E-Books". Er unterrichtet als Gastdozent an der Popakademie Mannheim und hält Vorträge zu Themen der digitalen Wirtschaft. Mehr zum Autor.
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  • coolray

    Ja..unsere unbedarften und beratungsresistenten Politikerdarsteller. Hagen sich den Text eins zu eins von derm Duo Springer /Burda diktieren lassen und haben auf Kritik daran reagiert wie immer, sie wurde ignoriert. Die Folgen dieses Leistungsschutzrechtes werden wir alle..wie wir im Net unterwegs sind noch schmerzlich zu spüren bekommen. Wie weitreichend die sein werden..kann man jetzt noch nicht wirklich absehen..aber anhand dessen was schon passiert ist..kann man es sich ausmalen. Und wie immer werden unsere Politiker dann jammern und aufheulen ..nach dem Motto ..das hat doch keiner ahnen können das so was passiert. Das kommt eben davon wenn man warnende Stimmen ignoriert und wie immer Lonbbarbeit für wenige leistet.