Lock in, shut out

Google hat den GoogleReader nicht  (nur) geschlossen, weil sie ihn nicht direkt monetarisieren konnten oder weil die Nutzerschaft zu klein war, sondern in erster Linie weil er nicht in das proprietäre Google+-Bild passt. Passend dazu hat Google auch RSS für Google Alerts abgeschaltet, die man nun extrem effizient nur noch per Email erhalten kann.

Google, das haben sie auch bei CalDav und XMPP gezeigt, hat kein Interesse mehr an offenen Webstandards.

Marco Arment legt den Finger in die Wunde:

We don’t need big web players to be completely open.

The bigger problem is that they’ve abandoned interoperability. RSS, semantic markup, microformats, and open APIs all enable interoperability, but the big players don’t want that — they want to lock you in, shut out competitors, and make a service so proprietary that even if you could get your data out, it would be either useless (no alternatives to import into) or cripplingly lonely (empty social networks).

Google resisted this trend admirably for a long time and was very geek- and standards-friendly, but not since Facebook got huge enough to effectively redefine the internet and refocus Google’s plans to be all-Google+, all the time. The escalating three-way war between Google, Facebook, and Twitter — by far the three most important web players today — is accumulating new casualties every day at our expense.

Google Reader is just the latest casualty of the war that Facebook started, seemingly accidentally: the battle to own everything. [..]

RSS represents the antithesis of this new world: it’s completely open, decentralized, and owned by nobody, just like the web itself. It allows anyone, large or small, to build something new and disrupt anyone else they’d like because nobody has to fly six salespeople out first to work out a partnership with anyone else’s salespeople.

That world formed the web’s foundations — without that world to build on, Google, Facebook, and Twitter couldn’t exist. But they’ve now grown so large that everything from that web-native world is now a threat to them, and they want to shut it down. “Sunset” it. “Clean it up.” “Retire” it. Get it out of the way so they can get even bigger and build even bigger proprietary barriers to anyone trying to claim their territory.

Die Ironie dabei ist natürlich, dass die meisten dieser immer größer werdenden Systeme den mittelfristigen Erfolg mit langfristiger Bedeutungslosigkeit bezahlen werden, weil sie wichtige Türen für immer schließen. (Niemand wird jemals etwa wieder ein Business komplett auf der Twitter-Plattform aufsetzen. Diese Kreativität und Tüchtigkeit wird sich anderenorts entladen.) Den Anfang kann man bereits bei Google+ sehen, das trotz Integration in Google, dem Internet-Juggernaut, nicht in die Gänge kommt; aus diversen Gründen von Designproblemen bis zur fehlenden Aufgabenlösung (wer braucht wofür G+?).

About Marcel Weiß

Marcel Weiß, Jahrgang 1979, ist Gründer und Betreiber von neunetz.com.
Er ist Diplom-Kaufmann und lebt in Berlin. Marcel Weiß ist seit 2007 als Analyst zu Themen der Internetwirtschaft aktiv. Er ist ein Autor bei Exciting Commerce, schreibt Artikel für verschiedene Publikationen und ist unter anderem ein Coautor von im Springer Vieweg Verlag verlegten "Erfolgreich publizieren im Zeitalter des E-Books". Er unterrichtet als Gastdozent an der Popakademie Mannheim und hält Vorträge zu Themen der digitalen Wirtschaft. Mehr zum Autor.
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  • http://dyingforbadmusic.com DFBM

    “wer braucht wofür G+?” Das frag ich mich auch dauernd. Also werde ich mein Konto nicht umwandeln, auch wenn ich von jedem Google Dienst dazu gedrängt werde (und ich jetzt deshalb eine YouTube Identität mit zugehöriger G+ Seite habe)

  • http://leanderwattig.de/ Leander Wattig

    Die Frage ist, was könnte die realistische Gegenbewegung sein?

  • http://leanderwattig.de/ Leander Wattig

    Und was macht Google, wenn G+ einfach nicht zum Fliegen kommt …