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Twitter gewann auch letztes Quartal zu wenige Nutzer

Die Quartalszahlen von Twitter sehen nicht gut aus. Das Nutzerwachstum enttäuscht. Man könnte sogar schon fast eine Sättigung beobachten. Auf keinen Fall ist es der Anfang einer S-Kurve:

Twitterusers

Holger Schmidt:

In den USA stagniert die Entwicklung sogar schon. Noch heftiger ist die Tendenz der Timeline-Views, die Twitter als Maßeinheit für die verfügbare Werbefläche heranzieht. Twitter zählt einen Timeline-View, wenn ein Nutzer die Site auf dem Desktop oder Mobile aktualisiert. Diese Ansichten sind im vierten Quartal erstmals gefallen – und zwar außerhalb der USA, wo das Wachstum eigentlich herkommen soll – deutlich stärker als im Heimatmarkt.

Twitter wurde aus für mich unerfindlichen Gründen von Investoren zum Börsengang als ein Unternehmen mit starkem künftigen Nutzerwachstum bewertet. Diese Bewertung wird dem Aktienkurs, der bereits nach der Bekanntgabe der Quartalszahlen nachgegeben hat, auch in Zukunft noch zu schaffen machen.

Im Klartext: Twitter ist überbewertet.

Erstaunlich ist das vor allem, weil das sinkende Wachstum bereits im Börsenprospekt ersichtlich war:

In seinem S-1-Filing hat Twitter 231,7 Millionen aktive monatliche Nutzer bekanntgegeben. Das bedeutet, dass das Wachstum von Twitter abnimmt.

Es hat von Anfang wenig Sinn ergeben, Twitter teurer an die Börse zu bringen als Facebook zu dessen Börsengang. Oder anders: Es hat sehr wenig Sinn ergeben, zu dieser Bewertung Twitter-Aktien zu kaufen. Es wird nun immer deutlicher, wie wenig Sinn.

Das geringe Nutzerwachstum, das das Unternehmen unter Druck setzt, wird vor allem zu zwei Dingen führen:

  1. Twitter wird sehr stark in Verführung gebracht, den Kern des Produkts aufzuweichen. (Twitter sollte sich stattdessen von Facebooks Multi-App-Strategie eine Scheibe abschneiden.)
  2. Twitter wird seine Monetarisierungspläne aggressiver vorantreiben. Das heißt auch mehr Werbung, die ein einzelner Nutzer sieht. (Das ist noch nur bedingt problematisch, weil die Werbung auf Twitter, vor allem etwa hier in Deutschland, noch sehr sporadisch auftaucht.)

Warum ich skeptisch bin, was Twitters Zukunft in Verbindung mit dessen astronomisch hoher Bewertung angeht, habe ich ausführlich zum Börsengang dargelegt.

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  • About Marcel Weiß

    Marcel Weiß, Jahrgang 1979, ist Gründer und Betreiber von neunetz.com.
    Er ist Diplom-Kaufmann und lebt in Berlin. Marcel Weiß ist seit 2007 als Analyst zu Themen der Internetwirtschaft aktiv. Er ist einer der Autoren bei Exciting Commerce. Artikel vom ihm erscheinen unter anderem in Publikationen wie "Musikmarkt" und "Der Freitag". Texte von ihm sind erschienen unter anderem in "Medienwandel kompakt 2008-2010" und im beim Springer Vieweg Verlag verlegten "Erfolgreich publizieren im Zeitalter des E-Books". Er unterrichtet als Gastdozent an der Popakademie Mannheim und hält Vorträge zu Themen der digitalen Wirtschaft. Mehr zum Autor.
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    • Fritz

      Ja, das ist was völlig auf dem falschen Weg. Die Umsätze sind kräftig gewachsen und müssten eigentlich mühelos Profitabilität ermöglichen (vergl. Whatsapp), Twitter macht aber in nur 3 Monaten rund 550 Mio. $ Verlust, rund 6 Mio. $ pro Tag flutschen da aus der Bilanz raus. Wie ist das überhaupt möglich?
      Möglich ist dies, weil die Investoren Wunder erwarten, die die Überbewertung nachträglich rechtfertigen könnten. Deshalb werden offenbar fantastische Gehälter für Entwickler und “Forscher” gezahlt, die irgendwie mehr Wert aus dem Datenmüll herausziehen sollen, z.B. Vorhersagen für Aktienkurse oder dergleichen.
      Schön blöd. Twitter könnte ein Supergeschöäft sein, wenn man es nicht so überehrgeizig betreiben MÜSSTE. Das ist wie seinerzeit 1999, als den Klischen, die zu Fantasiepreisen an die Börse gebracht wurden, im nächsten Schritt die Investmentbanker am Hals hingen, wie das eingenommene Kapital wieder verschleudert werden könnte. Wer sich damals die Ohren zugestopft und auf sein geschäft konzentriert hat, hat überlebt.
      Twitter tut das nicht und jagt jetzt für unvorstellbare Summen dem Traum hinterher, eine Super-App wie Facebook zu werden. Vermutlich gibt das ein Blutbad (es müssen dann ja bald mehr Aktien in Umlauf gebracht werden), aber vielleicht finden sie ja noch eine Schatztruhe.