Archive for the 'Analysen' Category

Warum gibt es keine neuen Innovatoren vom Schlage Googles?

Das ist spot on:

Why aren’t there more Googles?

The answer’s very simple. Because every company that had the potential to be economically revolutionary over the last five years sold out long before it ever had the chance to revolutionize anything economically.

Think about that for a second. Every single one: Myspace, Skype, Last.fm, del.icio.us, Right Media, the works. All sold out to behemoths who are destroying, with Kafkaesque precision, every ounce of radical innovation within them.

Umair Haque über Venture Kapital und die strukturellen Probleme, für mögliche Innovationen im Netz (via hackr )

Wie ich schon im Artikel zur Umsonstkultur in einem Nebensatz angedeutet hatte: Hätte del.icio.us nicht an Yahoo! verkauft und anschließend einen damit verbundenen praktischen Entwicklungsstopp hingelegt, hätte es um ein Vielfaches größer und für die im Entstehen begriffene SocialMedia-Infrastruktur wichtiger werden können. Es wäre heute womöglich einer der zumindest mittelgroßen Player -Facebookliga etwa-. Stattdessen liegt das Potential in diesem Datenschatz brach. Seit Jahren.

Google legt so ein Verhalten übrigens bei seinen eigenen Übernahmen auch hin: Can you say Dodgeball? Oder seit der Übernahme durch Google wieder was von Jaiku gehört?

Der Anschluss an eine größere Organisation scheint für nahezu jedes Internetstartup unmittelbar zur Starre zu führen. Anschließend gibt es ab und an ein paar neue Features. Aber Innovationen sind von übernommenen Startups bisher nicht mehr gekommen. Die Regel bestätigende Ausnahme: Youtube und die im März gelaunchte API , die Youtube zum Onlinevideo-Infrastrukturanbieter macht.

Ich habe den Eindruck, dass genau das Ende der Entwicklung nach Übernahme das Facebook-Team rund um Zuckerberg verstanden hat. Zugegeben, sie sind mittlerweile auch in einer Position, in der sie es sich erlauben können. Aber Zuckerberg hat bekanntlich mindestens ein obszön hohes Angebot von Yahoo! seinerzeit ausgeschlagen.

Was wäre wohl aus del.icio.us geworden, wenn dessen Macher nicht so frühzeitig verkauft hätten?

 

Paul Graham hat in Antwort auf Haques Text ebenfalls einen seiner wie immer sehr lesenswerten Essays verfasst .

Er führt aus, dass auch die Google-Gründer durchaus verkaufen wollten. Nur keinen Käufer zum präferierten Preis fanden. Wie Facebook hatten sie mehr verlangt, als der potentielle Käufer bezahlen wollte und dann das Angebot abgelehnt. Graham sieht hier einen Hinweis auf eine wichtige Charaktereigenschaft für Gründer:

More likely the reason is that the kind of founders who have the balls to turn down a big offer also tend to be very successful. That spirit is exactly what you want in a startup.

Den wahren Grund, warum es keine Innovatoren in der Liga von Google in den letzten Jahren gegeben hat, liegt nach Graham eher bei konservativ eingestellten VCs und somit der fehlenden Finanzierung radikal neuer Ideen.

The reason there aren’t more Googles is not that investors encourage innovative startups to sell out, but that they won’t even fund them. I’ve learned a lot about VCs during the 3 years we’ve been doing Y Combinator, because we often have to work quite closely with them. The most surprising thing I’ve learned is how conservative they are. VC firms present an image of boldly encouraging innovation. Only a handful actually do, and even they are more conservative in reality than you’d guess from reading their sites.

Risikoaversion bei den Finanziers. Das leuchtet ein. Wer hätte schon gedacht, dass die simple Seite, die nichts weiter als die Suchmaske und ein paar wenige Buttons bot, sich in wenigen Jahren zu einem internationalen Konzern entwickeln würde, das mittlerweile selbst in Redmond kollektive Zitterorgien verursacht.

Abschließend zwei Zitate aus dem Graham-Text, die in Stein gemeißelt gehören:

Howard Aiken said “Don’t worry about people stealing your ideas. If your ideas are any good, you’ll have to ram them down people’s throats.”

und

The exciting thing about market economies is that stupidity equals opportunity.

Amen.

Umsonstkultur im Internet zu großen Teilen systemimmanent

In der letzten Woche ging wieder einmal die Debatte um die Kostenlos-Kultur im Netz durch’s Netz. Namentlich Medienkonvergenz und Zweinull.cc störten sich dran. Ich hatte mir letzte Woche nach der Lektüre des Medienkonvergenz-Textes bereits ein paar Anmerkungen gemacht und einen Text angefangen. Zu meinem Entzücken las ich dann einen hervorragenden, sehr lesenswerten Text zum Thema bei Markus Spath auf hackr.de (unbedingt lesen!).

 

Individual-, Sozial-, System- und Gesellschaftswert

 

Der wesentliche Punkt von Markus:

Im Grunde sind die ökonomischen Prinzipien im Web sehr einfach: ein Angebot muss – will es mittelfristig und autonom bestehen – zwei Dinge tun: Wert erzeugen und Teile des Werts irgendwie monetarisieren. Wert entsteht an unterschiedlichen Stellen. Als Individualwert (der Wert den ein Nutzer für sich selbst aus der Benutzung zieht), als Sozialwert (der Wert der für Benutzer dadurch entsteht, dass auch andere – Bekannte oder interessante Unbekannte – mitmachen), als Systemwert (der Wert für den Anbieter der dadurch entsteht, dass alle zusammen mitmachen) oder auch als Gesellschaftswert (was hat die Welt wie sie ist davon, dass es das Angebot gibt).

Markus geht dann weiter darauf ein, dass die Nutzer direkt für die Inhalte etc. abzukassieren, nicht immer das gewinnbringendste Geschäftsmodell sein muss:

Für Anwendungen die aber primär Sozial- und Systemwert erzeugen (dass sie Individualwert erzeugen ist eine Voraussetzung, sonst würden sie einfach nicht benutzt) ergeben sich aber interessantere – und dem Web eigene – Möglichkeiten. Natürlich könnte man auch hier versuchen Geld zu verlangen, aber wäre es nicht schlauer die Anstrengungen darauf auszurichten, eher die Eintrittskosten gering zu halten um den Sozialwert und den Systemwert zu maximieren und dann ein Modell zu finden, diese zu vergolden?

Richtig. Die Nutzer erzeugen eben bei der Nutzung oft auch Mehrwert. Und damit Wachstumschancen. Und das Wachstum an Usern selbst erzeugt wieder mehr Wachstum weil es den Mehrwert für den Einzeln steigert: Sich selbst verstärkend.

Einer der interessanten Punkte in diesem Zusammenhang ist, dass das Angebot bei maximaler Auslastung der Wachstumschancen letztlich nicht mit dem Hauptprodukt und desssen Konsumenten monetarisiert wird -weil erst kostenloses Anbieten zur Auslastung des Potentials führt-, sondern quasi mit den Nebeneffekten, dem was am Rand abfällt. Nebenbei wird so die Marktnische umfassend besetzt und Markteintrittsbarrieren erzeugt. Kostenpflichtige API-Premiumzugänge bei Twitter wären zB ein denkbares Szenario der Monetarisierung des ‘Randes’.

Nebenbei: del.icio.us hätte zum Vorzeigebeispiel für diesen Zusammenhang werden können, wäre es nicht frühzeitig von Yahoo! aufgekauft worden. (Die unglaublich umfassenden, hervorragend strukturierten Daten von del.icio.us liegen dort nach 3 Jahren nach wie vor brach. Etwas, was sich ein kleines Startup nicht hätte erlauben können.)

 

Der Punkt des indirekten Verdienens mit Produkten und Dienstleistungen ist einer der wesentlichen Aspekte beim Anbieten von Dienstleistungen/Produkten im Netz. Und dieser Aspekt ist wachstumsgetrieben.

 

Beispiele

Ein paar konkrete Beispiele und Ansätze auch abseits von Webapplikation-Anbietern, wie man mit kostenlosen Angeboten online Einnahmen generieren kann:

 

Content, Text etc.:

Das bekannteste Beispiel dürfte NYTs TimesSelect sein. Das Bezahlarchiv, dessen Paywall aufgegeben wurde. Direkte Bezahlung konnte gegen die Werbeeinnahmen nicht bestehen. Nicht (unbedingt) weil in den USA nur Geizkragen unterwegs sind, sondern auch vielleicht weil Texte hinter einer Paywall niemand sieht. Woher soll man den von den Texten wissen? Ich zitiere mich selbst:

Seiten mit eingeschlossenem Bezahlcontent sind wie kleine, äußerst triste Inseln, getrennt durch das Bezahlmeer von einem pangäagleichen Kontinent, auf dem eine riesige, nicht endenwollende Freecontentparty stattfindet.

Wer glaubt, dass irgendwann erfolgreich wieder Texte im Netz hinter verschlossenen Türen erfolgreich verkauft werden, hat seinen Verstand verloren.

 

Webapplikationen, SocialNetworks etc mit Freemium:

In meinem Artikel zur Entscheidungsfindung zur Differenzierung zwischen kostenlosen Basis- und kostenpflichtigen Premiumfunktionsbündeln für Internetstartups hatte ich zu diesem Problemfeld eine einfache Frage formuliert:

Würde die eigene Seite auch eine lebhafte Community anziehen, wenn es nur die Funktionen gäbe, die für die kostenlosen Basisaccounts freigeschaltet sind?

Diese Fragestellung spiegelt indirekt für Social Networks genau die von Markus identifizierte und oben zitierte Wertschöpfungsausdifferenzierung wieder.

 

Musiker, Künstler allgemein; Selbständige mit Blogs:

Vor ein paar Wochen ging durch das (englischsprachige) Web Kevin Kellys 1000 Fans-Prinzip. Die Grundaussage:

1000 Fans, und Du kannst davon leben.

Diese 1000 Fans kommen natürlich nicht von irgendwoher. Kelly meint das eher folgendermassen: Erzeuge eine hohe Anhängerschaft. Entweder indem Du Deine Musik zum kostenlosen Download anbietest, bloggst, o.ä.

Dann entsteht innerhalb dieser großen Anhängerschaft ein enger fanatischer Zirkel, der auch bereit ist, beispielsweise Deine Bücher zu kaufen. Auch wenn diese in Form von Blogtexten oder PDF-files kostenlos erhältlich sind. usw.

Der Punkt liegt hier nun darin, so viele ‘Anhänger’ wie möglich zu erzeugen, weil aus diesen sich die Teilmenge der ‘1000 Fans’ gründet. (Nicht unähnlich dem Freemium-Modell)

Der Punkt ist hier wie auch bei den anderen Beispielen: Der Anbieter im Web verliert umso mehr, je rigider er für seine Dienste abkassiert, weil er sie so abschottet. Denn in Großteilen unabhängig von der Art des Produkts bekommen die Angebote die Aufmerksamkeit, die den Zugang so vielen Nutzern, Hörern, Kunden, Konsumenten so einfach wie möglich machen. Und diese Angebote sind es letztlich auch, die damit die meisten Monetarisierungsmöglichkeiten anschließend erhalten.

Oder wie Markus ausführt:

Systemwert wächst (bei Anwendungen die die Dynamik richtig nutzen) mit jedem User exponentiell (egal jetzt ob im strengen Sinn exponentiell oder nicht, jedenfalls um ein vielfaches stärker als der Individualwert) – also ist gratis in den allermeisten Fällen Voraussetzung dafür Wertkreation an anderer Stelle stattfinden zu lassen.

 

Wir sehen: Im Internet kann es sich für sehr viele unterschiedliche Parteien auszahlen, ihre ‘Produkte’ oder Teile davon kostenlos wegzugeben.

 

Weitere Gründe: Kostenseite und weitere strukturelle Eigenheiten des Netzes

Nicht zuletzt auch, weil die Kosten für einen weiteren Nutzer im Web oft so gering sind, dass sie nicht ins Gewicht fallen. Ein Großteil der ‘Herstellungskosten’ für Webappanbieter (also etwa Hosting des SocialNetworking-Profils, verursachter Traffic pro User etc.) spielt bei der Entscheidung im laufenden Betrieb also keine Rolle (Ausnahmen sind beispielsweise im Videobereich).

Strukturell : Die Transaktionskosten, besonders die Informationsbeschaffungskosten, sind mit dem Internet so radikal gefallen, dass es die Wirtschaft so nachhaltig verändern wird, wie wir es uns jetzt erst nur ansatzweise ausmalen können. Und diese radikal niedrigeren Transaktionskosten treffen nicht nur auf Marktteilnehmer mit nur im Internet konsumierten Produkten zu, sondern auf alle, die sich auf irgendeine Weise das Internet zu nutze machen können. Nur hier, bei den Anbietern im Web, trifft diese veränderte Kostenstruktur mit voller Breite und zeitlich als erste.

Die niedrigen Transaktionskosten sorgen für eine größere Durchlässigkeit und allgemein höhere Dynamik und Potential für organisches Wachstum qualitativ hochwertig angesehener Produkte.

Diese Verschiebung bei den Transaktionskosten hat noch ganz andere Auswirkungen über die wir an anderer Stelle einmal reden werden (kleinere Unternehmen, die es mit Konzernen aufnehmen können; verstärktere Kollaborationen über AdHoc-Netzwerke und als virtuelle Unternehmen etc.)

Besonders intensiv und hervorragend beschäftigt sich Umair Haque mit dieser Thematik auf Bubblegeneration und im Harvard Business Media Lab . Hier deswegen nochmal eine erneute Leseempfehlung in diese Richtung.

 

Problemfelder

Das Ganze ist keine Lizenz zum Gelddrucken. Im Gegenteil. Unternehmen, die diese Mechanismen für sich nutzen wollen, sollten sich im Klaren sein, dass sie sich auf einen Markt begeben, der eben erst beginnt, sich zu finden und dessen Spielregeln sich ausgesprochen schnell ändern können. Es gibt außerdem noch keine (mir bekannte) tiefergehende Literatur zu den neuen Mechanismen des Internetmarktes. (Allerdings ist es aber auch nicht Raketentechnik.)

Außerdem: Der rosa Elefant im Raum ist Google .

Google, das, als großer Konzern, quasi alles, was es im öffentlich zugänglichen (und damit indizierbaren) Netz erzeugen bzw. unterstützen kann, ebenso wie alles, das Daten des Nutzers anhäuft, gleichzeitig als Steigerung und Verbesserung des eigenen Kerngeschäfts betrachten kann. Freie Zugänglichkeit für den Suchmaschinenindex, die Daten für die Werbemaschine.

Das und eine gefüllte Kriegskasse erlauben Google, Dienste kostenlos in einer Größenordnung anzubieten, wie es sich andere, besonders Startups, nicht erlauben können.

Bei einigen Angeboten, Beispiel GoogleAnalytics, ist der Gedanke an Dumping nicht so abwegig. Hier entsteht durch das kostenlose Anbieten kein merhwerterzeugender Vorteil für Google außer dem klaren Signal an mögliche Konkurrenten: Wer sich mit uns anlegt, bekommt einen aggressiven Preiskampf frei Haus.

Davon abgesehen hat man als Anbieter eines kostenpflichtigen Angebots in der Regel immer folgendes Problem: Man verliert nicht nur in der Preisdimension sondern auch, wenn beim Konkurrenten die selbst verstärkende, oben besprochene Nutzerkomponente zugreift, noch in der Qualitätsdimension. Damit hat man mittel- bis langfristig gar keine andere Wahl, als sich zu fügen. Was das für den Markt und das gesamte Ökosystem bedeutet, wird sich noch zeigen. Grundsätzlich sehe ich die gesellschaftliche Gesamtsituation unter dem Strich aber damit eher im positiven Bereich.

 

Fazit

Dieses gesamte Problemfeld ist relativ umfangreich und wir kratzen hier logischerweise erst an der Oberfläche.

Trotz der Länge dieses Artikels und der am Anfang verlinkten Artikel, ist das somit erst der Anfang einer Diskussion.

Wir sprechen hier immerhin von den möglichen Geschäftsmodellen in einem ganzen Wirtschaftszweig, der zwar an gesellschaftlicher Relevanz permanent gewinnt aber in vielerlei Hinsicht noch in den Kinderschuhen steckt.

Trotzdem kann man davon ausgehen, dass die von Markus angesprochenen, sich selbst verstärkenden Effekte durch die von Nutzern verursachte Mehrwerterzeugung, in Verbindung mit anderen Aspekten, wie etwa der veränderten Kostenstruktur im Netz und der veränderten Situation etwa der Transaktionskosten dazu führen werden, dass im Netz diejenigen Anbieter die großen Gewinner sein werden, die erfolgreich kostenfrei diese Aspekte nutzende Produkte feilbieten können.

Nur noch ein paar abschließende Anmerkungen:

Man verstehe mich nicht falsch. Ich bin auch kein Vertreter der “Geiz ist geil”-Fraktion. Wie ausgeführt, ist das nur eine Frage des Marktes und seiner Struktur.

Letztenendes entscheidet der Markt. Das gilt auch für Webapplikation-Anbieter, die nicht genügend Mehrwert schaffen können. Keiner davon hat Anspruch auf Welpenschutz.

Märkte sind Angebot und Nachfrage (naja, neoklassisch plakativ; es gibt da noch mehr, soll aber hier nicht das Thema sein). Sollten also die Mehrwertgenerierung und damit indirekt entstehende Einkommenströme die Kosten der Bereitstellung eines kostenlos angebotenen Hauptproduktes nicht kompensieren, würden weite Teile des heutigen Umsonstnetzes sich von allein bereinigen. Ich möchte aber anmerken, dass ich nicht glaube, dass das in dem Maß passieren wird, das viele der Dinge, die man heute kostenlos machen kann, in Zukunft wieder Geld kosten werden.

Wie auch immer die Entwicklung aussehen wird, sich über die Preise eines unregulierten Marktes, der weder von einem Monopol noch einem Oligopol bestimmt wird, zu beschweren -ob nun als Kunde oder Anbieter-, halte ich für wenig sinnvoll.

Denn wie einer meiner VWL-Dozenten in breitem Wiener Akzent immer zu sagen pflegte:

“Es gibt keinen gerechten Preis.”

Ein Produkt ist genau so viel wert, wie jemand bereit ist, dafür zu bezahlen.

Und überhaupt: niemand hat -seit der dot.com Blase.. - behauptet, dass das Erzeugen Kaufwilliger einem im Netz auf einmal in den Schoß fällt.

Deal with it or go home.

Adobe AIR 1.0:
Erster Bote des kommenden Runtime-Kriegs

Um die Tragweite von Adobe AIR zu begreifen, muss man sich ein paar der Clients anschauen. Auf ReadWriteWeb wurden 6 gute AIR Apps zusammengestellt.

Neben dem meiner Meinung nach besten zur Zeit verfügbaren Twitter-Client Twhirl kann ich nur wärmstens die Google Analytics Reporting Suite allen GoogleAnalytics-Usern empfehlen. Diese AIR Applikation bietet ein wesentlich intuitiveres, besser zu bedienenderes GUI als Google Analytics selbst. Benutze ich bereits seit Monaten und dürfte der beste Beweis dafür sein, was alles mit Adobe AIR möglich ist.

Ebenfalls auf RWW hat Marshall Kirkpatrick die Vorteile von AIR so zusammengefasst:

  1. Cross Platform
  2. It’s beautiful
  3. It’s not in the browser
  4. Thermo
  5. It combines the responsiveness of the desktop with the cloud of the web

(siehe zur ausführlichen Erklärung der Punkte RWW selbst. Kurz zur Erklärung von Thermo: Design Framework, mit dem die Gestaltung von ansprechenden Userinterfaces noch einfacher und vielfältiger wird: “With Thermo, designers can build a web app UI and the MXML code to control it is automatically rendered by the application. Developers can then access that code and tie the UI to the rest of the application. Some conference attendees were rightly reminded of Visual Basic, but Thermo seems much smarter — and, of course, is aimed at web app developers.”)

Adobe AIR hat sehr viel Potential.

 

 

Das Problem

Genau das ist das Problem. Wir sind eben erst dabei mit Firefox uns vom proprietären Zugang zum Netz (IE) vollständig zu lösen -und den Browserkrieg zugunsten von OpenSource zu entscheiden- und schon kommt mit Adobe AIR wieder eine ClosedSource-Lösung um die Ecke, die bald weite Teile des Zugangs zum Netz bestimmen könnte.

Besonders die Nutzung von Webapps wird der treibende Motor im Web werden (wenn es das nicht schon ist). Und mit ihnen werden Browser zunehmend von mit spezifischeren Interaktionsmöglichkeiten ausgestatteten, speziell zugeschnittenen Desktopclients abgelöst. Einfacher als mit AIR lassen sich diese zur Zeit nicht umsetzen.

Und schwupps, schon haben wir wieder ein Unternehmen, das den Zugang zum Web und dessen Entwicklungen in der Hand hält.

Zur Zeit gibt es keine mir bekannte ernsthafte Alternative zu Adobe AIR (Falls es eine gibt, bitte in den Kommentaren ausführen).

Von Mozilla gibt es zwar das auf XULRunner basierende Prism, das ich unter Anderem in meinem Mozilla-Artikel erwähnt hatte. Prism bietet aber keine Entwicklung eigener UIs an. Man kann eigene Instanzen für Webapps anlegen, das war’s dann aber auch schon. Die Vorteile eigener Umgebungen können hier nicht genutzt werden.

In diesem Zusammenhang interessant ist ein Artikel auf JustBrowsing, dem persönlichen Blog von Matthew Gertner, Mozilla-Experte und Mitgründer von Allpeers, das das gleichnahmige hervorragende Bittorrent-AddOn zum privaten Filesharing für Firefox entwickelt (Sitz in Prag btw):

the browser wars are evolving into runtime wars. Players like Adobe and Microsoft are trying to convince software developers to build on top of their RIA platforms (AIR and .NET/Silverlight, respectively). Programmers are understandably wary of doing so if users will have to download a hulking runtime just to use their applications. This is one of the key factors that has prevented Java and previous incarnations of .NET from gaining widespread penetration on the desktop.

AIR hat zur Zeit, soweit ich das beurteilen kann, zumindest bei den Webgeeks sehr großen Erfolg. Was sicher auch daran liegt, das Runtime wie Applikationen recht einfach zu handhaben sind (und blah, die ganzen Vorteile siehe oben). Bekanntlich ist das der erste, wenn auch kleine, Schritt in Richtung Mainstream.

Gertner argumentiert, dass Mozilla mit Firefox 3 dem entgegensteuern kann:

Previous versions of Firefox used the XULRunner source code but couldn’t share it with other apps at runtime. The upcoming version ships with a complete XULRunner runtime, and actually lets you turn Firefox into XULRunner with a simple command line switch.

Damit hat man aber noch keine auch für Programmierer attraktive Runtime, auf der sich leicht hübsche Desktopclients für Webapps umsetzen lassen. Für aufwendige Projekte scheint es zwar geeignet:

The original architects of Firefox were impressively visionary in building their browser on top of a general-purpose framework that has helped them to manage the complexity of deploying a sophisticated product on dozens of different operating systems. This platform is so powerful that other companies have decided to build their own applications on top of it. Prominent examples are Songbird, Joost and Miro.

Für Einmannhobbyprojekte wie Twhirl etc. scheint das eher nicht geeignet. Falls jemand von Euch bereits mit XULRunner und AIR etwas umgesetzt hat oder das versucht hat, wäre ich an einem Vergleich/Meinung dazu sehr interessiert.

Gertner aber ist zuversichtlich (muss er auch sein, setzt ja auf Firefox):

The player with the strongest cards, however, is Mozilla. Unlike Adobe and Microsoft, they have a true killer app in the form of Firefox. When its 150 million odd users upgrade to Firefox 3, they’ll be getting XULRunner as a surprise bonus. This will seed the market and make it a whole whack easier for software developers to deploy XULRunner-based applications.

Bei Mozilla selbst ist man da zurückhaltender:

If it seems like we don’t want to promote running XUL-based applications using Firefox 3 as the runtime - good! This is very experimental and there are down-sides. There are no current plans to expand or extend the feature.

 

Fazit

Wie auch immer die Entwicklung weitergeht, Mozilla hat in meinen Augen den Runtimeaspekt in der aktuellen Webentwicklung ein wenig verschlafen, wenn auch die Voraussetzungen in Firefox von Anfang an gesetzt wurden. Inwiefern die Neuerungen, die mit Firefox 3 kommen, reichen werden und ob sie überhaupt einsetzbar sind, wird sich zeigen.

Eins dürfte aber sicher sein: Adobe AIR geht so schnell nicht wieder weg. Und es gewinnt stetig an Zuwachs.

Und kompatibel werden AIR und XULRunner auch nicht werden.

Und damit steuern wir bereits auf den Runtime-Krieg zu. Yay.

Ein was Gutes hat das Ganze aber: Alles wird mittlerweile wie selbstverständlich betriebssystemübergreifend gebaut (Firefox/XULRunner wie AIR, das es bald auch in Linux geben wird). Wenigstens ein Problem, das sich nun endlich langsam aber sicher verabschiedet. :)

Amazon Web Services: Eisenbahn des Netzes

aws-logo

[Siehe Update am Ende des Artikels zur aktuellen Downtime.]

Ich wollte es erst in mein Linkblog schütten, aber ich bring es doch hier, weil es einfach straight to the point und sehr wichtig für die Zukunft des Webs ist. Robert Scoble spricht in seinem Blog über Amazon Web Services (Mogulus läuft bekanntlich komplett auf Amazon Servern. Ein deutsches Startup, das Amazon S3 einsetzt, ist Shoppero [iirc für die Produktfotos], ein weiteres ist Simfy, danke Martin !).

Mit den AWS können Startups (wie auch Privatpersonen) Webspace und mittlerweile auch Server und neuerdings auch einfache Datenbanken nutzen. Das Besondere dabei ist nicht nur, dass diese Dienste nahezu immer weitaus günstiger als bei der Konkurrenz sind (sofern es vergleichbare Dienste überhaupt gibt), sondern vielmehr, dass man je nach Bedarf weitere Kapazitäten einfach hinzukauft. Was man mit den AWS erwirbt, ist nicht in erster Linie günstiger Webspace etc. sondern Skalierbarkeit.

Man denke an ein junges Startup, das einen Facebookapp-Hit landet und vom eigenen Erfolg überrascht wird.

“Site temporarily not available.”

Anstatt googleeske Datencenter aufzubauen, kann man diese nicht gerade triviale Aufgabe auf Amazon auslagern und einfach je nach Bedarf zukaufen. Eine garantierte 99%ige Uptime bekommt man dafür. Wer meint, so etwa sollte man als Startup nicht outsourcen: Nicht jedes Startup dürfte die Kompetenzen und finanziellen Ressourcen haben, eine mit Amazon vergleichbare Qualität in diesem Feld aufzubauen (Ganz zu schweigen davon, dass man Kapazitäten wieder freigeben kann, wenn sie nicht mehr benötigt werden und somit nur für das zahlt, was man auch benötigt. Weitaus effizienter, als Server aufgrund temporärer Spitzen zu horten).

Anyway, in einem Kommentar bringt Scoble einen wichtigen Punkt, warum Amazon über die irgendwann kommenden Nachzügler im Cloudgeschäft bulldozern wird:

Amazon is getting trusted by a large range of businesses. Those businesses aren’t likely to move. That creates a ton of developers who are expert at integrating those Web Services. And when those join new companies? You think they are gonna recommend services from Google or Microsoft or someone else that they haven’t tested and don’t trust? Yeah, right.

Amazon baut diese Tage Vertrauen, Expertise und Marktanteile auf.

Um die bereits heute erreichte Größenordnung, von der wir hier sprechen, in Perspektive zu setzen:

Namely, web services bandwidth now accounts for more bandwidth than all of Amazon’s global web sites combined. To put this in perspective, comScore ranked Amazon the 7th most visited site in the US in December. The retail giant was 6th in the UK, 9th in Canada, 11th in Germany, 11th in Japan, and 20th in France. In other words — Amazon is big, which means AWS-powered sites must be really big (collectively, at least).

Mark my words: Amazon wird den B2B-Bereich in Hosting und Server dominieren.

Ein zukunftsträchtiger, enorm wichtiger Markt, der für die weitere Entwicklung des Netzes so wichtig ist, wie es der Ausbau des Eisenbahnnetzes zum Beginn der Industrialisierung war.

Bleibt die Frage: Was machen Microsoft, Google et al?

 

Update: Als hätte ich es geplant, erleben Amazons Webservices just in diesem Moment eine massive Downtime. Siehe diesen Thread im AWS Developer Forum (via Twitter). Ein Kommentator spricht von bereits 2 Stunden, die S3 jetzt unten ist. Meines Wissens nach die längste zusammenhängende Zeit seit dem Bestehen von Amazon S3.

Update2: Siehe auch Berichterstattung dazu in der US-Techblogosphäre

Werbung in Social Networks, im Netz, in der Zukunft

gapingvoid-tvcom

 

Ursprünglich als Kommentar gestarteter Post über Werbung im Netz und im speziellen in Social Networks und überhaupt in der Zukunft und so weiter:

Jochen Krisch hat einen interessanten Artikel über dieses Thema bei sich auf exciting commerce geschrieben . Darin fasst er ein paar Aussagen über Werbung in SocialNetworks zusammen. Kurz: die Tendenz für Erfolg mit Werbung in Social Networks: nach unten.

Interessantes Thema. Dass die Monetarisierung von SocialNetworks über (Banner-)werbung nicht sonderlich gut läuft, ist nichts Neues.

Wobei ich mir nach wie vor nicht sicher bin, ob eine Erfolgsbeurteilung von Onlinewerbung auf Clickrate und/oder Konversionrate wirklich so sinnvoll ist.
Beispiel: Wäre diese Beurteilung bei Fernsehwerbung möglich und würden diese Daten dann zur Vergabe der Werbeetats rangezogen, ich bin mir sicher, dass es den Großteil der werbefinanzierten privaten TV-Sender nicht mehr gebe. Weil da niemand mehr Werbung schalten würde. Mindestens nicht in den jetzigen Dimensionen.

Das Gleiche gilt im Grunde für alle traditionellen Werbeformate. Es gab da schlicht keinen Feedbackkanal (beziehungsweise einen zu ungenauen). Wie war der Spruch im Marketing immer noch gleich? Nur 10 Prozent des Marketing ist erfolgreich, man weiß nur nicht welche 10 Prozent (Sinngemäß. Meine Marketing-Vorlesungen liegen lang zurück.)

Jetzt ist dieser Feedbackkanal im Internet auf einmal da. Auf einmal sieht man, wenn man da katastrophale Entscheidungen trifft. Wenn man denkt: ‘Yesss, ich habe sie alle erreicht, I’m teh greatest.’ Nur hat die Werbung die ‘alle’ nicht die Bohne interessiert. Das Weiterblättern in der Zeitung oder das Wegzappen beim TV, das wird nicht (Zeitung) oder geradezu lächerlich ungenau (TV) gemessen.

Es würde also keinen Sinn ergeben, aufgrund der schlechten Ergebnisse zu sagen, ‘geh ich halt wieder Werbung in Magazinen schalten’. Nur weil sich die Aufmerksamkeitsströme beim Papier/TV/Rundfunk/Innenstadtplakat nicht erfassen lassen.

Die eigentliche Frage, deren Antwort wir im Grunde bereits kennen, ist doch : Hat sich das alte Werbemodell nicht vielleicht längst überlebt und man hat es nur nicht bemerkt oder wahrhaben wollen?

Mögen unsere Großeltern noch daran geglaubt haben, dass mit Persil die Wäsche blütenweiß wird und der neueste Opel der shizznit schlechthin ist (Sinngemäß. Meine letzte bewußte Wahrnehmung von TV-Werbung liegt lang zurück.), aber: Wer unter 40 (<-mehr oder weniger willkürliche Zahl) nimmt das denn noch ernst? Selbst bei den bildungsfernen Schichten ist es heutzutage nicht mehr so einfach wie es das mit einer Zeitungsannonce in den Fünfzigern war.

Auf der anderen Seite ist es auch zum Beispiel kein Geheimnis, das werbefinanzierte Blogs ihre Clickraten zu einem guten Teil nur durch weiterstolpernde Googlebesucher halten können. Digital divide etc etc

Ich denke nicht, dass Social Networks unbedingt die werberesistenten Orte schlechthin sind. Nur ziehen diese (auch jetzt noch) hauptsächlich Bevölkerungsgruppen an, die selbst längst weitläufig werberesistent sind. Und wenn sie es nicht schon waren, es auf dem Weg ins Netz und dort ins Web2.0/Socialweb/yaddayadda wurden.

Außerdem denke ich, dass die (jungen) Leute von heute prinzipiell werberesistenter sind. Zumindest was das Gebrülle angeht, das früher die Mad Men für glückselig machend hielten.

Das war es sicher auch mal zumindest für die Werbebranche. Aber das zwanzigste Jahrhundert ist vorbei.

Im Netz und mit den dort vorzufindenden mündigen Bürgern, reicht hypertargeting nicht immer aus. Banner bleibt Banner. Topdown wird nicht auf einmal Augenhöhe. Und virales Marketing lässt sich eben nicht in hohem Maße steuern und beeinflussen oder gar initiieren. Zumindest nicht mit Fakeblogkommentaren und Fakeblogs, dankeschön.

Statt banaler Banner, sollte man sich viel eher überlegen, wie man diese Leute die man jetzt gezielt anvisieren kann, erreichen kann. Und auch akzeptieren, dass das wohl nicht immer möglich ist.

Man kann mir auf meinem täglichen Pendelweg ein 5×10m-Plakat vor die Fresse halten, aber das Einzige was ich im Regelfall im Kopf behalten werde, ist die Marke, wenn überhaupt. Vielleicht ist das auch die wichtigste Aufgabe, die Bannerwerbung im Internet wahrnehmen kann: Bei der Zielgruppe die Marke bekanntmachen. Präsenz zeigen. yaddayadda

Ich könnte jetzt noch den Cluetrain einwerfen und von Gesprächen statt Märkten reden. Oder von Social Gestures. Stichwortfrage: Wie kann ich mit meinen künftigen Kunden kommunizieren? Banner sind keine Kommunikation usw. Aber das würde jetzt zu weit führen.

Zugegeben, ich bin kein Marketingexperte (und trotzdem schreibt der dazu so viel, jeez), deshalb zwei Blogempfehlungen zur Zukunft des Marketing/Werbung etc:

 

Fazit

Die schlechten Ergebnisse von Werbung in Social Networks haben weit vielfältigere, tiefgreifendere und komplexere Gründe als nur den, dass diese Webdienste eben eine werbefeindliche Umgebung sind. Letzteres ist sicher auch ein Grund. Immerhin ist eine Internetsuche aktionsgerichteter und damit leichter zu Geld zu machen.

Aber ganz so einfach sollte man es sich nicht machen. Einfach mal darüber nachdenken, wie man die Leute, die auf einmal so präzise auf dem Silbertablett präsentiert werden, ansprechen kann. Die lassen sich nämlich nicht mehr anbrüllen.

Davon abgesehen kann man aber mit klassischer Werbung im Netz zumindest die eigene Marke zielgenau ins Bewusstsein bringen. Ob das reicht, ist eine andere Frage.

 

Zum Abschluss noch eine Frage an die Leser: Wann habt Ihr das letzte Mal einen Kauf aufgrund von Werbung getätigt? Go figure.

 

(Pic: gapingvoid)

Free und Premium: Entscheidungshilfe für Startups

oder: Über die Entscheidungsfindung zur Differenzierung zwischen kostenlosen Basis- und kostenpflichtigen Premiumfunktionsbündeln für Internetstartups

Martin hat auf zweinull.cc die Webdienste aufgezählt, für die er bezahlt und auch die Gründe dafür aufgezählt (für web.de mail bezahlen? Ernsthaft?). Dabei war auch das deutsche Businessnetzwerk Xing. Ein guter Anlass, um über etwas zu schreiben, das mir schon länger durch den Kopf geht. Denn Xing hat meines Erachtens die Basisaccounts zu weit beschnitten und riskiert damit das eigene Wachstum. Aber fangen wir vorn an.

 

Moneymoneymoney

Neben Finanzierung über Werbung ist das zweithäufigst anzutreffende Geschäftsmodell im Netz eine Aufteilung des Angebots in kostenlose Basisaccounts und kostenpflichtige Premiumaccounts, die mehr Funktionen als erstere bieten.

Diese Aufteilung ist, im Gegensatz zum Verfolgen eines ausschließlich kostenpflichtigen Angebots, sinnvoll, da besonders Seiten, die auf User Generated Content setzen und auch und besonders Social Networks für alle Mitglieder -also auch die zahlenden- immer mehr an Nutzen gewinnen, je größer sie sind (das Verhältnis Nutzenzuwachs zu Communityzuwachs ist allerdings nicht für jede Wachstumsphase gleich, das ist aber wieder eine andere Geschichte). Generell ist es für alle Webdienste sinnvoll, einen irgendwie gearteten kostenlosen Bereich anzubieten, aus Marketinggründen (viral usw.).

 

Entscheidungsfindungshilfe bei der Trennung zwischen Free- und Bezahlbereich

Wenn man als Startup nun evaluiert, welche Funktionen man kostenlos feilbietet und für welche man den Nutzern Geld abknöpfen möchte, gibt es ein paar grundlegende Überlegungen über das eigene Angebot anzustellen, welche Funktionen wieviel Nutzen stiften.

Diese Überlegungen können anhand des Kano-Modells konkretisiert werden. Das Kano-Modell teilt Kundenanforderungen/Funktionen in drei Gruppen ein:

  • Basisanforderungen: werden vom Kunden vorausgesetzt, fallen erst auf, wenn sie fehlen Bsp.: Kühlleistung eines Kühlschranks
  • Leistungsanforderungen: sind Kunden bewusst, schaffen je nach Realisierungsgrad Zufriedenheit oder Unzufriedenheit Bsp.: Design des Kühlschranks
  • Begeisterungsanforderungen: geringer Erfüllungsgrad sorgt nicht für Unzufriedenheit, hoher Erfüllungsgrad steigert aber Kundenzufriedenheit enorm Bsp.: Umweltverträglichkeit des Kühlschranks

(Bsp. nach Uwe Götze, Kostenrechnung und Kostenmanagement)

Wenn man jetzt entscheiden muss, wie man die auf der eigenen Seite angebotenen Funktionen aufteilt, sollte das meiner Meinung nach folgendermassen aussehen:

  • Free- bzw. Basisaccount: Basisfunktionen und so viele Leistungsfunktionen wie möglich (möglichst alle)
  • Bezahl- bzw. Premiumaccount : Begeisterungsfunktionen

Begründung:

Aus den oben bereits angesprochenen Gründen müssen SocialNetworks und ähnliche communitygetriebene Webdienste, um erfolgreich zu sein, so viel wie möglich kostenlos anbieten um so viele Nutzer wie möglich zu akquirieren .

Man kann es zynisch mit Drogen vergleichen (Sie wissen schon, der andere Wirtschafstbereich, der seine Kunden auch User nennt): Kostenlos anfixen, süchtig machen und wenn sie dann nach mehr gieren, ‘abkassieren’.

Man könnte auch sagen, dass der Erfolgsweg ist, die User so glücklich mit dem eigenen Angebot zu machen, dass sie das ganze Paket wollen. Einfach weil es sich richtig anfühlt. Kundenbindung etc. etc.

 

Welche Funktionen auf meiner Seite sind aber nun Basis-, Leistungs- oder Begeisterungsanforderung?

Darauf gibt es keine einfache Antwort. Jeder sollte seiner Community immer genau zuhören und darauf achten, was sie wünscht usw.

Jedes Webstartup hat im Grunde im eigenen Produkt meist eine permanentes Marktanalysetool, mit dem sich genau herausfinden lässt, was die eigenen Kunden wünschen. Man muss ihnen nur zuhören. Oder sie einfach mal fragen. Andere Unternehmen wären froh für diese Möglichkeit des permanenten direkten(!) Kontaktes zu ihren Kunden.

Im Gegensatz zu anderen Wirtschafstzweigen gibt es in diesem speziellen Fall der Aufteilung der Funktionen außerdem noch ein recht einfachen Lackmustest :

Man stelle sich folgende Frage: Würde die eigene Seite auch eine lebhafte Community anziehen, wenn es nur die Funktionen gäbe, die für die kostenlosen Basisaccounts freigeschaltet sind?

Falls die Antwort darauf ja ist, kann man die weiteren Funktionen je nach Konkurrenzsituation entweder ebenfalls ein stückweit in die Schlacht werfen oder für die Monetarisierung als Premium anbieten.

Falls die Antwort nein lautet, zurück auf Los und keine 4000 Euro einziehen.

 

Beispiel Xing

Kommen wir zurück zu Xing: Ich habe dort lediglich einen kostenlosen Basisaccount. Was ich damit nicht kann und mir soweit auf- und missfiel:

  • Nach anderen suchen
  • anderen als Erster in einer Konversation eine Nachricht schreiben

Während Ersteres noch verkraftbar ist und grenzwertig noch in die Kategorie Leistungsanforderung fallen könnte ist der zweite Punkt untragbar.

Das Nachrichtenschreiben, auch das Beginnen einer Konversation, sind Basisanforderungen an SocialNetworks. Nur wenig stellt so klar eine Basisanforderung in diesem Fall dar.

Was die Auswirkungen dieser Entscheidung von Xing sind: Wenn ich mit jemand Kontakt aufnehmen will, gehe ich auf dessen Profil und schaue nach Möglichkeiten, das außerhalb der Plattform zu machen -Email in der Regel-. Genau: Die Interaktion findet nicht mehr auf der Plattform selbst statt. Beide Parteien haben verloren: Es ist umständlich für mich als Nutzer, weil ich selbst für einen kurzen Satz an ein anderes Mitglied durch Reifen springen muss. Und Xing verliert maßgeblich an Stickyness.

Den 17jährigen, die heute bereits mit SocialNetworks aufgewachsen sind, wird es nur schwer zu vermitteln sein, für das, was sie seit je her (und vor allem auch: überall sonst) kostenlos geboten bekommen, bei Xing zu bezahlen.

Kurzfristig mag diese Entscheidung zu höheren Einnahmen führen, aber langfristig wird es Xing Boden kosten. Denn was nützt es mir, Xing-Premiummitglied zu sein, wenn mich andere Personen aus meiner Branche auf Facebook (bspsweise) oder per Email anschreiben, weil sie es auf Xing nicht können?

Basisanforderungen kostenpflichtig zu machen, führt zu einer Lose-Lose-Situation.

Beispiel für eine Begeisterungsanforderung bei Xing: Die auch nur als Premiummitglied verfügbare Möglichkeit, einzusehen, wer auf meinem Profil war. Ein weiteres Beispiel ist die Einstellung von Angeboten auf dem Marketplace.

StudiVZ has lost the plot

gapingvoid-markets

Es folgt eine lange Analyse über die eben bekanntgewordenen Pläne von StudiVZ (neue ÜberVZ-Seite, proprietäre Schnittstelle mit Zugangsbeschränkungen) mit Begründungen, warum es eine Reihe von Fehlentscheidungen ist.

Okay, ganz so schlimm wie in der bildesken Überschrift ist es nicht, aber Hut ab in Richtung StudiVZ für das konsequente Verfolgen der unsinnigsten Netzwerkstrategie seit AOL versuchte, seine Kunden einzuschließen ever:

Wir werden unmittelbar nach dem Übergang auf die neue Softwarearchitektur unsere VZ-Markenfamilie in dem Segment oberhalb von StudiVZ erweitern. Die neue Marke richtet sich an alle Freunde unserer StudiVZ-Nutzer, die nicht mehr studieren oder gar nicht studiert haben.

so StudiVZ-CEO Marcus Riecke im Interview mit Holger Schmidt von der FAZ

Das Geräusch, das Sie eben vernahmen, war mein Kopf, der dezent auf der Tischkante aufschlug. Als Holtzbrinck bei bookya einstieg, wunderte ich mich noch, warum man eine solche Funktion -eine Onlinebücherbörse- nicht bei StudiVZ selbst einbaute, und ich schrieb am Ende halb im Scherz:

Stattdessen erwartet man, dass der Student, der bereits auf Studivz angemeldet ist, sich auch noch bei bookya anmeldet. Der Student, der als Schüler bei schuelervz angemeldet war. Und sich irgendwann nach dem Abschluss dann bei Alumnivz und in ein paar Dekaden bei rentnervz anmeldet? Ich bin dann mal auf facebook.

‘Halb’ im Scherz weil ich ahnte, dass man soetwas Ähnliches tatsächlich plant.

Wie meschugge muss man sein, um mehrere parallele Netzwerke aufbauen zu wollen wenn man alles unter einem Dach machen könnte? Hat man bei StudiVZ/Holtzbrinck Angst vor dem Netzwerkeffekt? Warum beginnt man immer wieder nahe bei Null? Lust an der Herausforderung? Masochismus?

Zumindest plant man diesmal eine Durchlässigkeit zwischen den Seiten. StudiVZ-CEO Riecke:

Es wird eine große Durchlässigkeit zwischen StudiVZ und der neuen Marke geben. Wir wollen den Nutzern keineswegs vorschreiben, ob sie bei StudiVZ bleiben oder zur neuen Marke wechseln. Wir erwarten, dass viele ehemalige Studenten die neue Marke bevorzugen. Auf der neuen Plattform können die Nutzer auch ihre Arbeitgeber-Kontaktdaten sehr viel ausführlicher angeben.

Das Auslandsengagement von StudiVZ ging zum Großteil in die Hose weil es keine Verbindungen der Seiten untereinander gab -im Gegensatz zu wahrlich globalen Seiten wie Myspace und Facebook ein nicht unerheblicher Nachteil. Der so selbstgeschaffene Mehraufwand, wenn man in jedem Land komplett bei Null beginnt, war wohl doch größer als vermutet.

Jetzt macht StudiVZ aber wieder einen ähnlichen Fehler . Die Leute bauen sich ihr Netzwerk in StudiVZ auf und sollen nach Studienabschluss das Gleiche an anderer Stelle nochmal machen. Selbst wenn man soziale Verbindungen und vielleicht andere Daten (archivierte Privatkorrespondenz? Gruppenzugehörigkeiten? Bilder und dort Verlinkte?) übernehmen kann, ist diese Vorgehensweise, gelinde ausgedrückt, abstrus.

Was man stattdessen hätte machen sollen

Das Gleiche, was das andere große dt. Social Network (OpenBC->Xing) gemacht hat: Goodbye zum Namen sagen und die Community auf einen passenderen Namen umziehen. Und dort unter einem Dach das gesamte Netzwerk zusammenführen. Denn Studenten haben auch *gasp* Nichtstudenten als Freunde. Warum an dieser unnützen Trennung festhalten? Oder umgedreht gefragt: Warum nicht gleich richtig machen und eine eigene Seite für jedes Bundesland oder gar jede Universität? Eben, es ist kontraproduktiv.

Die Trennung von SchuelerVZ und den anderen Seiten ist richtig aufgrund des nötigen Jugendschutzes (jetzt mal abgesehen davon ob das und inviteonly für den Schutz ausreichen). Aber alles andere, selbst wenn die
Seiten irgendwann untereinander kommunizieren können sollten, macht es für die Nutzer komplizierter als nötig.

Möchte man den Leuten ermöglichen, sich verschiedenen Personenkreisen unterschiedlich zu präsentieren, kann man das auch über granulare Privacyeinstellungen und verschiedene Versionen von Userprofilen in Verbindung mit Freundeslisten realisieren. Dazu muss man keine zusätzliche Seite aufsetzen.

Vor allem: Welche der beiden Vorgehensweisen kann man seinen Nutzern wohl eher vermitteln? (Und außerdem: Werden Leute die vom StudiVZ ins ÜberVZ ziehen, dann doppelt gezählt? Wäre eine schöne Inflation der VZ-Gesamtzahlen.)

Weitere Punkte des Gesprächs:

  • “gesamte Softwarearchitektur komplett umgeschrieben”
  • Man konzentriert sich jetzt ganz auf das deutsche Geschäft.
  • Keine öffentlichen, indizierbaren Profile.
  • Break Even ist bei StudiVZ 2007 erreicht worden.
  • Mitglieder StudiVZ und SchülerVZ zusammen 7,5 Millionen
  • Umsatz StudiVZ 2007: “einstelliger Millionenbetrag”
  • Ein eigener Newsfeed wird “geprüft”
  • Einen Beitritt zu OpenSocial hält man nun für wahrscheinlich. (Vor wenigen Wochen wurde das noch kategorisch abgelehnt.)

Außerdem:

Eine proprietäre Schnittstelle mit Zugangsbeschränkungen..

StudiVZ-CEO Riecke hierzu und zum eventuellen Einstieg bei OpenSocial:

Es kann durchaus sein, dass wir Applikationen, die wir mit einem externen Entwickler erarbeiten, für uns behalten wollen. Wenn wir eine tolle Idee haben, macht es Sinn, wenn diese Idee in einem anderen Netzwerk nicht funktioniert. Die Applikationen sind ein Weg zur Differenzierung im Wettbewerb. Das Vorgehen hält uns alle Möglichkeiten offen: Wir können Anwendungen komplett allein entwicklen, wir können Anwendungen über die proprietäre Schnittstelle mit einem ausgewählten Entwickler erarbeiten oder wie bieten eine offene Schnittstelle an.

Eher heute hatte ich einen Artikel zu den aktuellen Facebooknews angefangen, den ich jetzt nicht mehr bringen werde (Am besten dem Link folgen, dort steht alles Wichtige). Ich schrub unter Anderem:

Facebook ist der Early Mover, der seinen Vorsprung immer weiter ausbaut.

Der Early Mover auf einem Markt, von dem man im Holtzbrinck/Studivz-Lager noch gar nicht zu wissen scheint, dass er überhaupt existiert.

Das muss ich nun korrigieren: StudiVZ hat diesen Markt mittlerweile gesehen. Ihn aber leider völlig falsch eingeschätzt.

Denn StudiVZ-CEO Riecke weiter:

Dann sollen alle Entwickler mal programmieren und die beste Anwendung soll sich auf der Plattform durchsetzen. Dieser letzte Punkt war der ursprüngliche Facebook-Weg. Das hat zu einer Vielzahl von Applikationen geführt. Wir sind nicht überzeugt, dass die Nutzer sie alle haben wollen.

Riecke liest scheinbar zu viele schlechte deutsche Blogs (schlechte deutsche Blogs? Ein Pleonasmus ?).

..ist der falsche Weg

Ich bringe den Vergleich aus meinem Artikel über die strategische Relevanz von (offenen) Plattformen gern nochmal:

Man muss Facebook, um das Konzept dahinter zu begreifen, mit einem Betriebssystem wie Windows und dessen Programmvielfalt vergleichen. Man kann natürlich argumentieren, dass 95% der Windowsprogramme kein oder kaum ein Windowsnutzer braucht. Stimmt. Ist dann aber die daraus gezogene logische Schlussfolgerung, dass ein Windows die optimale Lösung ist, bei dem Microsoft bestimmt, welche Programme darauf laufen dürfen?

Oder hat der Markt vielleicht für eine bessere Gesamtlösung gesorgt?

Hätte man ein Betriebssystem mit Zugangsbeschränkungen und eins ohne: Welches wäre nützlicher?

DAS ist der Punkt. DAS muss man verstehen als (Big) Player im SocialNetwork-Segment.

Auf bubblegeneration würde man jetzt davon lesen, dass StudiVZ/Holtzbrinck, die bei jeder Weggabelung traumwandlerisch die falsche Entscheidung zu treffen scheinen, schlicht die falsche DNA für diesen Markt mitbringen. Sie scheinen unfähig, das Internet zu verinnerlichen und seine Eigenschaften für sich nutzen zu können. (Lustigerweise das genaue Gegenteil zu Facebook)

Ja, sie haben noch nicht einmal begriffen, was ihre künftige Rolle ist. (Hint: Infrastrukturanbieter)

Mit Müh und Not hat man bei StudiVZ jetzt bekanntgegeben, dahin zu gehen, wo Facebook im Mai letzten Jahres ankam und der Rest der SocialNetwork-Welt im Herbst letzten Jahres entschied, ebenfalls hinzugehen.

Da will man also bei StudiVZ jetzt plötzlich auch hin, aber nur so halb. Irgendwie. Den Kuchen behalten und ihn essen:

StudiVZ setzt auf offenen Protektionismus und will versuchen, so Alleinstellungsmerkmale aufzubauen. Es könnte lustig werden zu beobachten, ob(!) man tatsächlich Entwickler überzeugen kann, die Überapp, statt für Zig Millionen von Facebookern oder per OpenSocial erreichbaren Nutzern, exclusiv für das im Vergleich dazu mickrige VZ-Netzwerk zu bauen. Und dann der nette indische Student von nebenan in Windeseile das Gleiche für Facebook umsetzt- nachdem es 5 andere vor ihm in verschiedenen Varianten für jeden Geschmack umgesetzt haben. Ob man dann als ehemaliger Facebook-Clon versuchen wird, Facebookapp-Entwickler abzumahnen? Oder wie auch immer man in anderen Ländern dann vorgehen müsste.

Selbst wenn man die Vormachtstellung in Deutschland für spezielle regionale Apps exclusiv für StudiVZ ausnützen wöllte, bezweifle ich, dass das klappen würde. StudiVZ kommt dafür etwas spät. Facebook hat eine ausgewachsene Plattform und einen baldigen Deutschlandstart. Ob der Vorsprung der Größe von StudiVZ ausreichen wird eine Gängelung bezüglich Exklusivität zu rechtfertigen? Nun, das wird sich zeigen. Dafür steht aber mal besser eine funktionierende Plattform parat. Etwas, an dem man bei der Vergangenheit von StudiVZ, was die technischen Belange angeht, wohl zweifeln darf. Angesichts der Probleme von OpenSocial scheint das Umsetzen einer Plattform wie F8 nicht so trivial wie man vielleicht vermuten könnte. Eine funktionierende StudiVZ-Applikation, die mehr als ein Widget ist, sehen wir sicher frühestens Ende ‘08 -wenn überhaupt.

Abgesehen davon wird StudiVZ/Holtzbrinck sowieso mit traumwandlerischer Sicherheit genau die Applikation(en) ablehnen, die auf Facebok zu Killerapplikation(en) werden wird..

 

Es fällt immer wieder darauf zurück: Es ist keine taktische sondern eine strategische Entscheidung, die langfristig(!) über Gedeih und Verderb von Plattformen bzw. WebOS -und die sind die nächste Stufe in der Evolution von Social Networks- entscheiden wird: Markt oder Hierarchie. Was hat mehr Potential Nutzen zu stiften und damit Nutzer zu binden und selbst weiter zu wachsen?

Meine Meinung dazu ist hinlänglich bekannt.

 

(pic by gapingvoid )

Markt vs. Hierarchie

Die große unterschätzte Veränderung, die mit dem Internet kommt, ist ein in vielen Bereichen massiver Wandel von hierarchischen Strukturen hin zu Marktstrukturen. Über die strategische Wichtigkeit von APIs und Plattformen.

Über den Nutzen von Facebooks Plattform

Nach dem Einstieg der Samwers bei Facebook , geht es in den deutschen Blogs bereits los: Wird Facebook Studivz schlagen oder gar gleich aufkaufen? Ja, Nein, Vielleicht. Zutreffendes bitte ankreuzen. Ich schätze, es wird noch ein, zwei Monate dauern bis es soweit ist, dass Facebook nach Deutschland kommt. Deswegen sind all die Spekulationen eher müßig. Aber es gibt mir zumindest die Gelegenheit, ein paar Gedanken zu äußern, die ich nun seit geraumer Zeit mit mir rumtrage .

Immer wenn es um Facebook geht, ist es nur eine Frage der Zeit bis jemand mit dem Argument kommt, das diesmal Olaf Kolbrück auf off-the-record.de hier schreibt :

Die Legionen an Features und Applikationen bei Facebook - ein Vorteil? Wohl doch nicht mehr als Spielereien, die keinen entscheidenden Wettbewerbsvorteil herstellen. Die sich noch dazu - ja - kopieren lassen.

1. Das Argument der Zombies und Superpokes ist zu kurz gedacht. Ich könnte ohne Mühe mich hinsetzen, und ein paar Hundert (vielleicht sogar Tausend) komplett unnütze Programme für Windows (oder Mac oder Linux) raussuchen. Im jeweils ersten Jahr dieser Betriebssysteme sah das Verhältnis zwischen nützlichen Drittanbieterprogrammen und ‘Spielereien’ wahrscheinlich noch schlimmer aus. Wahrscheinlich hätte man in der Zeit argumentieren können, dass kein Betriebssystem die Möglichkeit benötigt, andere Programme als die vom Betriebssystemhersteller ausführen zu können. Heute würde das ernsthaft niemand mehr behaupten.

Ich wiederhole mich ungern (naja), also wiederhole ich Doc Searls :

And it’s still early. It’s important to remember that. Everything on the Web is still just a prototype.

Und die Facebook-Plattform ist noch nicht mal ein (in Zahlen: 1) Jahr alt.

2. Und was das kopieren angeht: Wenn nicht einmal Google so ohne weiteres eine funktionierende Plattform aufsetzen kann (Open Social ist noch lang nicht da wo Facebooks Plattform seit Mai letzten Jahres ist, nicht einmal ansatzweise), dann ist das Argument des Kopierens mindestens eben so kurzsichtig. Ganz so einfach ist die Sache also nicht. Und auch wenn man die eine oder andere Applikation für die eigene Seite auch selbst programmieren kann. Was ist mit der Masse? Wie sähe die Windowswelt wohl aus, wenn komplett alle Programme auch noch von Microsoft selbst kämen? Brrr.

Markt vs. Hierarchie

Aber kommen wir nochmal zum ersten Punkt zurück, denn das ist wichtig:

Wenn Facebook eine Plattform aufbaut, dann ist das eine konzeptuelle Entscheidung. Man entscheidet sich, das Netz, den Markt, an der Weiterentwicklung zu beteiligen. Den Einfallsreichtum da draußen anzuzapfen.

Während Studivz mit seiner strikten Weigerung einer Öffnung, wenn auch wohl eher unbewusst, einen hierarchischen Ansatz verfolgt.

Wo werden die Innovationen aber stattfinden? Dort wo jeder indische Informatik-Student mit hohen Ambitionen seine Ideen umsetzen oder zumindest ausprobieren kann oder dort wo ein paar Dutzend Programmierer das ausführen, was die Geschäftsleitung beschlossen hat?

Und welche Seite wird flexibler auf Veränderungen in den Präferenzen der Nutzer reagieren können?

Im Grunde kennen wir die Geschichte bereits: Die API von Twitter , die für den Erfolg von Twitter massgeblich verantwortlich ist. Es ist auch die API, die Twitter zu einer Plattform macht. Die API, die die Ressourcen des Netzes anzapft und erst die Legionen von Clients für jeden Geschmack und die unzähligen Drittanbietertools ermöglicht. Nur ein Bruchteil davon wäre direkt bei Twitter zu realisieren gewesen, hätte man alles selbst gemacht.

Nebenbei: Auch Firefox’ Addon-Strategie fällt in diese Kategorie: Markt statt Hierarchie. Zusatzfunktionen werden nicht von der Mozillafoundation programmiert oder deren Entwicklung von dort geleitet.

Dabei bedeutet Markt nicht unbedingt monetäre Entlohnung. Sondern zuforderst geht es erstmal um Aufmerksamkeit. Heißt, es wird nicht immer, zumindest nicht direkt, Geld verdient, wenn man es schafft, sich in so einem Markt zu etablieren. Wer aber beispielsweise ein Top-Firefox-Addon schreibt, dürfte mit dieser Referenz keine Probleme haben einen Job oder als Freelancer Aufträge zu bekommen.

Wichtig ist hier natürlich auf der Seite des API/Plattformanbieters, klare Regeln zu schaffen und Vertrauen bei den Drittanbietern aufzubauen. Und diese müssen sich klarmachen, worauf sie sich einlassen. (Das ist nicht unproblematisch, siehe beispielsweise Amazons Verhalten im Fall Alexaholic . O’Reilly zeigt dort sehr gut die Schwierigkeiten auf.)

Ich bin wahrlich kein Friedman -Jünger, aber in meinen Augen ist in vielen Bereichen im Internet der Markt gegenüber der Hierarchie klar vorzuziehen:

Wenn ein API/Plattformanbieter (oder auch: Infrastrukturanbieter) neben den technischen Notwendigkeiten das richtige Umfeld schafft - Bestimmungen, die von anfang an die Interessen sowohl von Plattformanbieter, Applikationanbieter als auch Nutzer klar festlegen und kommunizieren(!)-, dann hat man da im Regelfall bereits am Ausgangspunkt einen erheblichen Wettbewerbsvorteil gegenüber dem hierarchischen Ansatz.

Es erscheint offensichtlich, aber ich sage es trotzdem einmal ausdrücklich:

Das Internet ermöglicht es aufgrund seiner Architektur, dass Ad-Hoc-Netzwerke oder auch virtuelle Unternehmen es mit etablierten festen Hierarchien ([Medien-]Konzerne, Majorlabel usw.) ohne weiteres aufzunehmen. Natürlich nicht in jedem Bereich, aber dort, wo Produkte direkt im oder indirekt über das Netz stattfinden oder vertrieben werden. Das Internet stellt Kosten- wie Nachfragefunktionen auf den Kopf (in einigen Bereichen). Wer das kapiert und nutzt -die Vorteile des Netzes via API/Plattform anzapfen-, der gewinnt. Wenn nicht kurz- dann mittel- bis langfristig.

Wenn man erst mal eine Weile darüber nachdenkt, dann erscheint es geradezu absurd, eine große Seite, besonders ein SocialNetwork, mit Millionen von Nutzern ohne Andockstellen -sprich eigene Plattform oder bei anderen Plattformen andocken- aufbauen und halten zu wollen. Es genügt nur ein direkter Gegner auf vergleichbarer Qualitätsstufe, der den offenen Marktansatz wählt, und es ist nur noch eine Frage der Zeit.

Noch ein Schlusswort: Der Gegenstand der in letzter Zeit in Deutschland wieder besonders verbittert geführten Debatte Blogger gegen Journalisten wird hiervon auch berührt. Auch wenn es wohl kaum einem der Beteiligten bewusst zu sein scheint: Auch Online wird es weiter Medien geben, die befüllt werden wollen, sie werden nur kleinteiliger sein und durch Verlinkungen erst zum großen Ganzen werden (als Gegensatz zum hierarchischen Portalansatz). Nicht der (anpassungsfähige) Journalist wird mit dem Netz somit in großen Teilen überflüssig, sondern der Redakteur..

To be continued.

Die Zukunft des Lesens

Und so beginnt es

“Music and video have been digital for a long time, and short-form reading has been digitized, beginning with the early Web. But long-form reading really hasn’t.”

Amazon: Reinventing the Book | Newsweek.com

Viel* wurde diese Woche über Amazons neuen E-Reader Kindle geschrieben. Ein paar Anmerkungen.

 

Amazon, Innovator

Amazon ist in meinen Augen ein was die Innovationen im Netz angeht leicht unterschätztes Unternehmen. Es ist nicht nur das größte E-Commerce-Unternehmen der Welt, es hat auch mit den User-Reviews eine der Grundsäulen des Web2.0 (User Generated Content) bereits eingeführt, als Tim O’Reilly von dem Begriff des Web2.0 noch gar nicht träumte. Und als das Web2.0 in den Köpfen von jedem ankam, der Entrepreneur fehlerfrei buchstabieren kann, und an jeder Ecke Angebote für Konsumenten aus dem Boden schiessen, was macht da Amazon? Es bietet für diese Startups die Infrastruktur hinter den Kulissen an und steht damit nebenbei wie kein anderes Unternehmen als Synonym für die in der Techszene beliebt gewordene Cloud (Pl0gbarliebling Mogulus läuft zum Beispiel komplett, also ohne eigen Server, auf Amazon S3 und EC2 ).

 

Kindle, ein Anfang

Jetzt also ein E-Reader. Es bietet sich ja an. Amazon kennt sich mit Büchern ja aus. Und mit digitaler Distribution auch. Fotos von Kindle gibt’s auf neuerdings zuhauf. Dort haben die Kollegen auch eine 4-teilige Serie zum E-Reader gestartet.

Bei allen Unzulänglichkeiten, die Kindle hat, und da gibt es einige, ist Amazon hier wohl trotzdem der erste massentauglichere E-Reader gelungen. Immerhin: Nach nur fünfeinhalb Stunden war Kindle ausverkauft.

Was ist das Besondere an Kindle?

Specifically, it’s an extension of the familiar Amazon store (where, of course, Kindles will be sold). Amazon has designed the Kindle to operate totally independent of a computer: you can use it to go to the store, browse for books, check out your personalized recommendations, and read reader reviews and post new ones, tapping out the words on a thumb-friendly keyboard. Buying a book with a Kindle is a one-touch process. And once you buy, the Kindle does its neatest trick: it downloads the book and installs it in your library, ready to be devoured.

schreibt Newsweek. Kommt das Prinzip des bequemen Auseinerhand bekannt vor? Genau, das ist wie itunes für Bücher.

Das ist natürlich ein großer Vorteil. Aber auch wie mit ipod/itunes einer der großen Nachteile. Mit der appligen Bequemlichkeit kommt auch das applige LockIn. Schön mit DRM drumrum.

Und das ist auch die große Ironie bei der Sache: Da kommt Amazon daher und startet als erstes großes Unternehmen einen DRM-freien MP3-Shop -weil es anders nicht in den Markt reinkommt. Aber bei einer anderen Form von Content, da muss DRM wieder sein. Es wäre amüsant, wenn es nicht so traurig wäre: Es ist immer der selbe Zyklus, wenn heute neue Vertriebsmöglichkeiten von Inhalten von Industriegrößen erprobt werden: Markt wird mit DRM besetzt, Konkurrent oder Nachfolgeprodukt ohne DRM rollt langsam Markt von hinten auf (immer *überraschenderweise*), während die Konsumenten sich anderenorts illegal bedienen.

Kindles Hauptnachteile:

  • DRM, wie eben ausgeführt,
  • LockIn, es ist nicht ein Produkt, sondern ein Amazon-Service, ohne Amazon geht hier (fast) gar nix
  • es ist in der Tat nicht sonderlich hübsch
  • diverse Skurrilitäten, wie die Möglichkeit, einige Blogs gegen Bezahlung zu abonnieren (angeblich um die Übertragungskosten zu decken)
  • Feedreader: Bloglines ist über den Browser erreichbar, GReader nicht (weil Kindle kein Javascript kann), Feedlesen auf E-Readern ist aber _das_ Killerfeature (siehe unten), die Nichtbeachtung dieses Umstandes wird im Nachhinein als der größte Fehler beim (ersten) Kindle betrachtet werden
  • es diskriminiert uns Linkshänder, unverschämt

 

E-Reader will kill the Printstar

Kindle ist erst der Anfang. Irgendwann in den nächsten Jahren, voraussichtlich noch in diesem Jahrzehnt, wird ein E-Reader auf den Markt kommen, der tatsächlich die Medienrevolution, von der wir Geeks die ganze Zeit reden, weil wir sie schon kommen sehen bzw. mittendrin stecken, in die breite Öffentlichkeit tragen wird.

Massentauglich wie der Ipod für portable Musikplayer, wird dieser E-Reader wie ein Durchlauferhitzer für den Übergang von Analog zu Digital in der Medienlandschaft wirken.

Ich habe eine mehrteilige Serie über die kommenden Veränderungen in den Medien in Vorbereitung. Gedanken zu künftigen E-Readern und dessen Auswirkungen sind ein wichtiger Bestandteil davon. Hier jetzt schon mal ein paar Gedanken dazu:

Vorteile von E-Readern:

  • Gegenüber anderen Gadgets wie iphone und co.: auf angenehmes Lesen hin optimierter Screen. E-Ink und co gehören zu den wichtigsten Technologien der nächsten Jahre
  • ebenfalls gegenüber anderen Gadgets: höhere Akkulaufzeit (Kindle hält 30 Stunden laut Amazon, und ist in zwei Stunden wieder aufgeladen)
  • Fontgrößenanpassung (Jeder Ü50 wird sich darüber freuen)
  • Textsuche
  • Updates (bei Sachbüchern etwa könnten die Daten immer auf dem aktuellen Stand gehalten werden, wissenschaftliches Zitieren wird lustig in der Zukunft)
  • Bookmarks, Anmerkungen und Kommentare , kollaborativ so wie man es heute bereits bei Webseiten kennt
  • Besonders bei regelmäßigen Publikationen wie Tageszeitungen, sind bzw. werden E-Reader schlicht praktischer sein, sowohl was das Erhalten als auch was das Transportieren angeht (die viel und verzweifelt beschworene Papierhaptik spielt bei Tageszeitungen keine wirkliche Rolle, im Gegensatz zu Büchern)
  • ebenfalls praktischer sind E-Reader für das Lesen von Newsfeeds, das mit ihnen einen nicht vorstellbaren Aufschwung erleben wird. Feeds und E-Reader sind ein Match made in heaven, und die in baldiger Zukunft dominierende Konsumform von Nachrichten. Netvibes bringt jetzt schon ein leichtes Zeitungsfeeling mit, ein solcher Feedreader auf einem E-Reader, das würde recht gut passen. Aber auch andere Feedreader wie der GoogleReader passen wie die Faust aufs Auge. Die perfekte Applikationart zur Contentverbreitung verbunden mit der optimierten Hardware zur Contentkonsumierung.

Auswirkungen von E-Readern:

  • E-Reader werden Print nahezu komplett ablösen sobald sie eine gewisse kritische Masse an Nutzern erreicht haben. Grund: Kosten, digital Distribuiertes wird mehr Profit abwerfen
  • alte MedienMarken werden direkt mit den neuen Mikropublikationen (aka Blogs) konkurrieren, letzere werden heute noch nicht vorhersehbare Zuwachsraten an Lesern haben
  • und mehr

 

Fazit

Kindle in der 1.0-Version dürfte nicht der große Wurf sein. Zuviele Kinderkrankheiten scheinen in dem Gerät noch zu stecken. Kindle ist aber zweifelsohne der Anfang vom Ende des analogen Textes. Mit Kindle hört die Produktform des E-Readers auf, ein marginalisiertes Randthema zu sein. Sie werden massentauglicher.

Die nächste oder übernächste Generation an E-Readern wird wie eine Bombe einschlagen und Kioske unter sich begraben.

Sobald ein E-Reader den GoogleReader unterstützt und per Wlan (oder von mir aus auch per obskuren Mobilfunknetz) automatisch füttert, bin ich sogar bereit mehr als 400$ dafür hinzublättern.

Denn wenn einem schon von rund um den Globus täglich Texte vom Umfang von zweieinhalb ‘Zeit’-Ausgaben vor die Nase gepusht wird, dann will man die auch so angenehm wie möglich lesen.

 

 

Jeff Bezos:

This is the most important thing we’ve ever done

 

Ladies and Gentlemen, the Revolution is on its next stage.

 

* Wöllte man die Bloglandschaft in einer Fallstudie untersuchen, eine Bestandsaufnahme quasi machen, würde sich die Berichterstattung zur Einführung des Kindle geradezu aufdrängen. Es war/ist alles vertreten, drüben wie hier. Von guten, hintergründigen Berichten zum Produkt bis hin zu substanzlosem Mumpitz, der auf einem Video und einem(!) inoffiziellen Vorabfoto basiert, das vorher bereits auf mehreren(!) Blogs als nicht repräsentativ aufgrund seiner unvorteilhaften Perspektive bezeichnet wurde. Aus der Hüfte abgefeuertes Halbwissen galore. Und wer Kindle mit dem Iphone vergleicht, hat nichts, aber auch gar nichts, verstanden.

(Disclaimer: In diesem Text finden sich einige Links zu einem Blogwerkblog. Ich schreibe auch für ein Blogwerkblog. Die Links entstehen, weil ich da die einzigen vernünftigen deutschen Artikel zum Thema fand (siehe auch Fußnote), zumindest innerhalb der deutschen Blogosphäre. Auf Oldmediaseiten nach Artikeln zu suchen, ist mir jetzt zu aufwendig. Give me fullfeeds and I’ll recognize you.)

Die Einfallslosigkeit der deutschen Internet-Entrepreneure

Und noch eine interessante Liste: Martin Weigert hat auf zweinull.cc über 100 Social Networks aus Deutschland zusammengesucht und thematisch geordnet.

Besser kann man die Einfallslosigkeit und Risikoaversion der deutschen Webmacher eigentlich nicht darstellen. Die aktuelle Lage in Webdeutschland als absurd zu bezeichnen, wäre noch beschwichtigend. Social Networks zu jedem Thema, das nicht bei drei auf den Bäumen ist oder gleich fast identische Kopien amerikanischer Dienste . Wahrscheinlich glauben Einige, dass Social Networks die neuen Portale sind*.

Allein 10 Netzwerke für Eltern& Familie. Und -festhalten- 20 ( in Worten: zwanzig) Social Networks für Sportler& Sportfans. 4 Social Networks für Tiere und weitere 4 ausschließlich für Hunde(!). Du meine Güte.

Abgesehen von vielversprechenden Projekten wie dem Mobile-Socialnetwork aka-aki (ich schrieb hier darüber), ist das eine Liste von ner ganzen Menge Totgeburten.

Und man muss nur die Pressemitteilungen Artikel auf deutsche-startups.de verfolgen, um zu sehen, dass diese Liste absurderweise weiter wächst (marketresearch, anyone?).

Es ist bedauerlich, dass so viele Ressourcen und Energie nicht in interessantere (und vielversprechendere) Projekte gesteckt wird. Denn let’s face it: 2/3 der in der Liste genannten Dienste werden die kritische Nutzermenge nicht erreichen und über kurz oder lang eingehen oder zumindest vor sich hindümpeln.

Der einzige Ausweg für Nischen- bzw. Specialinterest-Socialnetworks: Andocken an Plattformen wie facebook und den anderen bald kommenden Plattformen. Denn alle großen SNs planen, sich mehr oder weniger zu öffnen. Nur so können SISNs (get it?) die Hemmschwelle zur Nutzung entsprechend senken und überleben. Nur die Wenigsten werden es schaffen, unabhängig ihre eigene SocialGraph-Infrastruktur aufzubauen.

*Falsch!!12 (siehe )

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