Archive for the 'Analysen' Category

Warum gibt es keine neuen Innovatoren vom Schlage Googles?

Das ist spot on:

Why aren’t there more Googles?

The answer’s very simple. Because every company that had the potential to be economically revolutionary over the last five years sold out long before it ever had the chance to revolutionize anything economically.

Think about that for a second. Every single one: Myspace, Skype, Last.fm, del.icio.us, Right Media, the works. All sold out to behemoths who are destroying, with Kafkaesque precision, every ounce of radical innovation within them.

Umair Haque über Venture Kapital und die strukturellen Probleme, für mögliche Innovationen im Netz (via hackr )

Wie ich schon im Artikel zur Umsonstkultur in einem Nebensatz angedeutet hatte: Hätte del.icio.us nicht an Yahoo! verkauft und anschließend einen damit verbundenen praktischen Entwicklungsstopp hingelegt, hätte es um ein Vielfaches größer und für die im Entstehen begriffene SocialMedia-Infrastruktur wichtiger werden können. Es wäre heute womöglich einer der zumindest mittelgroßen Player -Facebookliga etwa-. Stattdessen liegt das Potential in diesem Datenschatz brach. Seit Jahren.

Google legt so ein Verhalten übrigens bei seinen eigenen Übernahmen auch hin: Can you say Dodgeball? Oder seit der Übernahme durch Google wieder was von Jaiku gehört?

Der Anschluss an eine größere Organisation scheint für nahezu jedes Internetstartup unmittelbar zur Starre zu führen. Anschließend gibt es ab und an ein paar neue Features. Aber Innovationen sind von übernommenen Startups bisher nicht mehr gekommen. Die Regel bestätigende Ausnahme: Youtube und die im März gelaunchte API , die Youtube zum Onlinevideo-Infrastrukturanbieter macht.

Ich habe den Eindruck, dass genau das Ende der Entwicklung nach Übernahme das Facebook-Team rund um Zuckerberg verstanden hat. Zugegeben, sie sind mittlerweile auch in einer Position, in der sie es sich erlauben können. Aber Zuckerberg hat bekanntlich mindestens ein obszön hohes Angebot von Yahoo! seinerzeit ausgeschlagen.

Was wäre wohl aus del.icio.us geworden, wenn dessen Macher nicht so frühzeitig verkauft hätten?

 

Paul Graham hat in Antwort auf Haques Text ebenfalls einen seiner wie immer sehr lesenswerten Essays verfasst .

Er führt aus, dass auch die Google-Gründer durchaus verkaufen wollten. Nur keinen Käufer zum präferierten Preis fanden. Wie Facebook hatten sie mehr verlangt, als der potentielle Käufer bezahlen wollte und dann das Angebot abgelehnt. Graham sieht hier einen Hinweis auf eine wichtige Charaktereigenschaft für Gründer:

More likely the reason is that the kind of founders who have the balls to turn down a big offer also tend to be very successful. That spirit is exactly what you want in a startup.

Den wahren Grund, warum es keine Innovatoren in der Liga von Google in den letzten Jahren gegeben hat, liegt nach Graham eher bei konservativ eingestellten VCs und somit der fehlenden Finanzierung radikal neuer Ideen.

The reason there aren’t more Googles is not that investors encourage innovative startups to sell out, but that they won’t even fund them. I’ve learned a lot about VCs during the 3 years we’ve been doing Y Combinator, because we often have to work quite closely with them. The most surprising thing I’ve learned is how conservative they are. VC firms present an image of boldly encouraging innovation. Only a handful actually do, and even they are more conservative in reality than you’d guess from reading their sites.

Risikoaversion bei den Finanziers. Das leuchtet ein. Wer hätte schon gedacht, dass die simple Seite, die nichts weiter als die Suchmaske und ein paar wenige Buttons bot, sich in wenigen Jahren zu einem internationalen Konzern entwickeln würde, das mittlerweile selbst in Redmond kollektive Zitterorgien verursacht.

Abschließend zwei Zitate aus dem Graham-Text, die in Stein gemeißelt gehören:

Howard Aiken said “Don’t worry about people stealing your ideas. If your ideas are any good, you’ll have to ram them down people’s throats.”

und

The exciting thing about market economies is that stupidity equals opportunity.

Amen.

Umsonstkultur im Internet zu großen Teilen systemimmanent

In der letzten Woche ging wieder einmal die Debatte um die Kostenlos-Kultur im Netz durch’s Netz. Namentlich Medienkonvergenz und Zweinull.cc störten sich dran. Ich hatte mir letzte Woche nach der Lektüre des Medienkonvergenz-Textes bereits ein paar Anmerkungen gemacht und einen Text angefangen. Zu meinem Entzücken las ich dann einen hervorragenden, sehr lesenswerten Text zum Thema bei Markus Spath auf hackr.de (unbedingt lesen!).

 

Individual-, Sozial-, System- und Gesellschaftswert

 

Der wesentliche Punkt von Markus:

Im Grunde sind die ökonomischen Prinzipien im Web sehr einfach: ein Angebot muss – will es mittelfristig und autonom bestehen – zwei Dinge tun: Wert erzeugen und Teile des Werts irgendwie monetarisieren. Wert entsteht an unterschiedlichen Stellen. Als Individualwert (der Wert den ein Nutzer für sich selbst aus der Benutzung zieht), als Sozialwert (der Wert der für Benutzer dadurch entsteht, dass auch andere – Bekannte oder interessante Unbekannte – mitmachen), als Systemwert (der Wert für den Anbieter der dadurch entsteht, dass alle zusammen mitmachen) oder auch als Gesellschaftswert (was hat die Welt wie sie ist davon, dass es das Angebot gibt).

Markus geht dann weiter darauf ein, dass die Nutzer direkt für die Inhalte etc. abzukassieren, nicht immer das gewinnbringendste Geschäftsmodell sein muss:

Für Anwendungen die aber primär Sozial- und Systemwert erzeugen (dass sie Individualwert erzeugen ist eine Voraussetzung, sonst würden sie einfach nicht benutzt) ergeben sich aber interessantere – und dem Web eigene – Möglichkeiten. Natürlich könnte man auch hier versuchen Geld zu verlangen, aber wäre es nicht schlauer die Anstrengungen darauf auszurichten, eher die Eintrittskosten gering zu halten um den Sozialwert und den Systemwert zu maximieren und dann ein Modell zu finden, diese zu vergolden?

Richtig. Die Nutzer erzeugen eben bei der Nutzung oft auch Mehrwert. Und damit Wachstumschancen. Und das Wachstum an Usern selbst erzeugt wieder mehr Wachstum weil es den Mehrwert für den Einzeln steigert: Sich selbst verstärkend.

Einer der interessanten Punkte in diesem Zusammenhang ist, dass das Angebot bei maximaler Auslastung der Wachstumschancen letztlich nicht mit dem Hauptprodukt und desssen Konsumenten monetarisiert wird -weil erst kostenloses Anbieten zur Auslastung des Potentials führt-, sondern quasi mit den Nebeneffekten, dem was am Rand abfällt. Nebenbei wird so die Marktnische umfassend besetzt und Markteintrittsbarrieren erzeugt. Kostenpflichtige API-Premiumzugänge bei Twitter wären zB ein denkbares Szenario der Monetarisierung des ‘Randes’.

Nebenbei: del.icio.us hätte zum Vorzeigebeispiel für diesen Zusammenhang werden können, wäre es nicht frühzeitig von Yahoo! aufgekauft worden. (Die unglaublich umfassenden, hervorragend strukturierten Daten von del.icio.us liegen dort nach 3 Jahren nach wie vor brach. Etwas, was sich ein kleines Startup nicht hätte erlauben können.)

 

Der Punkt des indirekten Verdienens mit Produkten und Dienstleistungen ist einer der wesentlichen Aspekte beim Anbieten von Dienstleistungen/Produkten im Netz. Und dieser Aspekt ist wachstumsgetrieben.

 

Beispiele

Ein paar konkrete Beispiele und Ansätze auch abseits von Webapplikation-Anbietern, wie man mit kostenlosen Angeboten online Einnahmen generieren kann:

 

Content, Text etc.:

Das bekannteste Beispiel dürfte NYTs TimesSelect sein. Das Bezahlarchiv, dessen Paywall aufgegeben wurde. Direkte Bezahlung konnte gegen die Werbeeinnahmen nicht bestehen. Nicht (unbedingt) weil in den USA nur Geizkragen unterwegs sind, sondern auch vielleicht weil Texte hinter einer Paywall niemand sieht. Woher soll man den von den Texten wissen? Ich zitiere mich selbst:

Seiten mit eingeschlossenem Bezahlcontent sind wie kleine, äußerst triste Inseln, getrennt durch das Bezahlmeer von einem pangäagleichen Kontinent, auf dem eine riesige, nicht endenwollende Freecontentparty stattfindet.

Wer glaubt, dass irgendwann erfolgreich wieder Texte im Netz hinter verschlossenen Türen erfolgreich verkauft werden, hat seinen Verstand verloren.

 

Webapplikationen, SocialNetworks etc mit Freemium:

In meinem Artikel zur Entscheidungsfindung zur Differenzierung zwischen kostenlosen Basis- und kostenpflichtigen Premiumfunktionsbündeln für Internetstartups hatte ich zu diesem Problemfeld eine einfache Frage formuliert:

Würde die eigene Seite auch eine lebhafte Community anziehen, wenn es nur die Funktionen gäbe, die für die kostenlosen Basisaccounts freigeschaltet sind?

Diese Fragestellung spiegelt indirekt für Social Networks genau die von Markus identifizierte und oben zitierte Wertschöpfungsausdifferenzierung wieder.

 

Musiker, Künstler allgemein; Selbständige mit Blogs:

Vor ein paar Wochen ging durch das (englischsprachige) Web Kevin Kellys 1000 Fans-Prinzip. Die Grundaussage:

1000 Fans, und Du kannst davon leben.

Diese 1000 Fans kommen natürlich nicht von irgendwoher. Kelly meint das eher folgendermassen: Erzeuge eine hohe Anhängerschaft. Entweder indem Du Deine Musik zum kostenlosen Download anbietest, bloggst, o.ä.

Dann entsteht innerhalb dieser großen Anhängerschaft ein enger fanatischer Zirkel, der auch bereit ist, beispielsweise Deine Bücher zu kaufen. Auch wenn diese in Form von Blogtexten oder PDF-files kostenlos erhältlich sind. usw.

Der Punkt liegt hier nun darin, so viele ‘Anhänger’ wie möglich zu erzeugen, weil aus diesen sich die Teilmenge der ‘1000 Fans’ gründet. (Nicht unähnlich dem Freemium-Modell)

Der Punkt ist hier wie auch bei den anderen Beispielen: Der Anbieter im Web verliert umso mehr, je rigider er für seine Dienste abkassiert, weil er sie so abschottet. Denn in Großteilen unabhängig von der Art des Produkts bekommen die Angebote die Aufmerksamkeit, die den Zugang so vielen Nutzern, Hörern, Kunden, Konsumenten so einfach wie möglich machen. Und diese Angebote sind es letztlich auch, die damit die meisten Monetarisierungsmöglichkeiten anschließend erhalten.

Oder wie Markus ausführt:

Systemwert wächst (bei Anwendungen die die Dynamik richtig nutzen) mit jedem User exponentiell (egal jetzt ob im strengen Sinn exponentiell oder nicht, jedenfalls um ein vielfaches stärker als der Individualwert) – also ist gratis in den allermeisten Fällen Voraussetzung dafür Wertkreation an anderer Stelle stattfinden zu lassen.

 

Wir sehen: Im Internet kann es sich für sehr viele unterschiedliche Parteien auszahlen, ihre ‘Produkte’ oder Teile davon kostenlos wegzugeben.

 

Weitere Gründe: Kostenseite und weitere strukturelle Eigenheiten des Netzes

Nicht zuletzt auch, weil die Kosten für einen weiteren Nutzer im Web oft so gering sind, dass sie nicht ins Gewicht fallen. Ein Großteil der ‘Herstellungskosten’ für Webappanbieter (also etwa Hosting des SocialNetworking-Profils, verursachter Traffic pro User etc.) spielt bei der Entscheidung im laufenden Betrieb also keine Rolle (Ausnahmen sind beispielsweise im Videobereich).

Strukturell : Die Transaktionskosten, besonders die Informationsbeschaffungskosten, sind mit dem Internet so radikal gefallen, dass es die Wirtschaft so nachhaltig verändern wird, wie wir es uns jetzt erst nur ansatzweise ausmalen können. Und diese radikal niedrigeren Transaktionskosten treffen nicht nur auf Marktteilnehmer mit nur im Internet konsumierten Produkten zu, sondern auf alle, die sich auf irgendeine Weise das Internet zu nutze machen können. Nur hier, bei den Anbietern im Web, trifft diese veränderte Kostenstruktur mit voller Breite und zeitlich als erste.

Die niedrigen Transaktionskosten sorgen für eine größere Durchlässigkeit und allgemein höhere Dynamik und Potential für organisches Wachstum qualitativ hochwertig angesehener Produkte.

Diese Verschiebung bei den Transaktionskosten hat noch ganz andere Auswirkungen über die wir an anderer Stelle einmal reden werden (kleinere Unternehmen, die es mit Konzernen aufnehmen können; verstärktere Kollaborationen über AdHoc-Netzwerke und als virtuelle Unternehmen etc.)

Besonders intensiv und hervorragend beschäftigt sich Umair Haque mit dieser Thematik auf Bubblegeneration und im Harvard Business Media Lab . Hier deswegen nochmal eine erneute Leseempfehlung in diese Richtung.

 

Problemfelder

Das Ganze ist keine Lizenz zum Gelddrucken. Im Gegenteil. Unternehmen, die diese Mechanismen für sich nutzen wollen, sollten sich im Klaren sein, dass sie sich auf einen Markt begeben, der eben erst beginnt, sich zu finden und dessen Spielregeln sich ausgesprochen schnell ändern können. Es gibt außerdem noch keine (mir bekannte) tiefergehende Literatur zu den neuen Mechanismen des Internetmarktes. (Allerdings ist es aber auch nicht Raketentechnik.)

Außerdem: Der rosa Elefant im Raum ist Google .

Google, das, als großer Konzern, quasi alles, was es im öffentlich zugänglichen (und damit indizierbaren) Netz erzeugen bzw. unterstützen kann, ebenso wie alles, das Daten des Nutzers anhäuft, gleichzeitig als Steigerung und Verbesserung des eigenen Kerngeschäfts betrachten kann. Freie Zugänglichkeit für den Suchmaschinenindex, die Daten für die Werbemaschine.

Das und eine gefüllte Kriegskasse erlauben Google, Dienste kostenlos in einer Größenordnung anzubieten, wie es sich andere, besonders Startups, nicht erlauben können.

Bei einigen Angeboten, Beispiel GoogleAnalytics, ist der Gedanke an Dumping nicht so abwegig. Hier entsteht durch das kostenlose Anbieten kein merhwerterzeugender Vorteil für Google außer dem klaren Signal an mögliche Konkurrenten: Wer sich mit uns anlegt, bekommt einen aggressiven Preiskampf frei Haus.

Davon abgesehen hat man als Anbieter eines kostenpflichtigen Angebots in der Regel immer folgendes Problem: Man verliert nicht nur in der Preisdimension sondern auch, wenn beim Konkurrenten die selbst verstärkende, oben besprochene Nutzerkomponente zugreift, noch in der Qualitätsdimension. Damit hat man mittel- bis langfristig gar keine andere Wahl, als sich zu fügen. Was das für den Markt und das gesamte Ökosystem bedeutet, wird sich noch zeigen. Grundsätzlich sehe ich die gesellschaftliche Gesamtsituation unter dem Strich aber damit eher im positiven Bereich.

 

Fazit

Dieses gesamte Problemfeld ist relativ umfangreich und wir kratzen hier logischerweise erst an der Oberfläche.

Trotz der Länge dieses Artikels und der am Anfang verlinkten Artikel, ist das somit erst der Anfang einer Diskussion.

Wir sprechen hier immerhin von den möglichen Geschäftsmodellen in einem ganzen Wirtschaftszweig, der zwar an gesellschaftlicher Relevanz permanent gewinnt aber in vielerlei Hinsicht noch in den Kinderschuhen steckt.

Trotzdem kann man davon ausgehen, dass die von Markus angesprochenen, sich selbst verstärkenden Effekte durch die von Nutzern verursachte Mehrwerterzeugung, in Verbindung mit anderen Aspekten, wie etwa der veränderten Kostenstruktur im Netz und der veränderten Situation etwa der Transaktionskosten dazu führen werden, dass im Netz diejenigen Anbieter die großen Gewinner sein werden, die erfolgreich kostenfrei diese Aspekte nutzende Produkte feilbieten können.

Nur noch ein paar abschließende Anmerkungen:

Man verstehe mich nicht falsch. Ich bin auch kein Vertreter der “Geiz ist geil”-Fraktion. Wie ausgeführt, ist das nur eine Frage des Marktes und seiner Struktur.

Letztenendes entscheidet der Markt. Das gilt auch für Webapplikation-Anbieter, die nicht genügend Mehrwert schaffen können. Keiner davon hat Anspruch auf Welpenschutz.

Märkte sind Angebot und Nachfrage (naja, neoklassisch plakativ; es gibt da noch mehr, soll aber hier nicht das Thema sein). Sollten also die Mehrwertgenerierung und damit indirekt entstehende Einkommenströme die Kosten der Bereitstellung eines kostenlos angebotenen Hauptproduktes nicht kompensieren, würden weite Teile des heutigen Umsonstnetzes sich von allein bereinigen. Ich möchte aber anmerken, dass ich nicht glaube, dass das in dem Maß passieren wird, das viele der Dinge, die man heute kostenlos machen kann, in Zukunft wieder Geld kosten werden.

Wie auch immer die Entwicklung aussehen wird, sich über die Preise eines unregulierten Marktes, der weder von einem Monopol noch einem Oligopol bestimmt wird, zu beschweren -ob nun als Kunde oder Anbieter-, halte ich für wenig sinnvoll.

Denn wie einer meiner VWL-Dozenten in breitem Wiener Akzent immer zu sagen pflegte:

“Es gibt keinen gerechten Preis.”

Ein Produkt ist genau so viel wert, wie jemand bereit ist, dafür zu bezahlen.

Und überhaupt: niemand hat -seit der dot.com Blase.. - behauptet, dass das Erzeugen Kaufwilliger einem im Netz auf einmal in den Schoß fällt.

Deal with it or go home.

Adobe AIR 1.0:
Erster Bote des kommenden Runtime-Kriegs

Um die Tragweite von Adobe AIR zu begreifen, muss man sich ein paar der Clients anschauen. Auf ReadWriteWeb wurden 6 gute AIR Apps zusammengestellt.

Neben dem meiner Meinung nach besten zur Zeit verfügbaren Twitter-Client Twhirl kann ich nur wärmstens die Google Analytics Reporting Suite allen GoogleAnalytics-Usern empfehlen. Diese AIR Applikation bietet ein wesentlich intuitiveres, besser zu bedienenderes GUI als Google Analytics selbst. Benutze ich bereits seit Monaten und dürfte der beste Beweis dafür sein, was alles mit Adobe AIR möglich ist.

Ebenfalls auf RWW hat Marshall Kirkpatrick die Vorteile von AIR so zusammengefasst:

  1. Cross Platform
  2. It’s beautiful
  3. It’s not in the browser
  4. Thermo
  5. It combines the responsiveness of the desktop with the cloud of the web

(siehe zur ausführlichen Erklärung der Punkte RWW selbst. Kurz zur Erklärung von Thermo: Design Framework, mit dem die Gestaltung von ansprechenden Userinterfaces noch einfacher und vielfältiger wird: “With Thermo, designers can build a web app UI and the MXML code to control it is automatically rendered by the application. Developers can then access that code and tie the UI to the rest of the application. Some conference attendees were rightly reminded of Visual Basic, but Thermo seems much smarter — and, of course, is aimed at web app developers.”)

Adobe AIR hat sehr viel Potential.

 

 

Das Problem

Genau das ist das Problem. Wir sind eben erst dabei mit Firefox uns vom proprietären Zugang zum Netz (IE) vollständig zu lösen -und den Browserkrieg zugunsten von OpenSource zu entscheiden- und schon kommt mit Adobe AIR wieder eine ClosedSource-Lösung um die Ecke, die bald weite Teile des Zugangs zum Netz bestimmen könnte.

Besonders die Nutzung von Webapps wird der treibende Motor im Web werden (wenn es das nicht schon ist). Und mit ihnen werden Browser zunehmend von mit spezifischeren Interaktionsmöglichkeiten ausgestatteten, speziell zugeschnittenen Desktopclients abgelöst. Einfacher als mit AIR lassen sich diese zur Zeit nicht umsetzen.

Und schwupps, schon haben wir wieder ein Unternehmen, das den Zugang zum Web und dessen Entwicklungen in der Hand hält.

Zur Zeit gibt es keine mir bekannte ernsthafte Alternative zu Adobe AIR (Falls es eine gibt, bitte in den Kommentaren ausführen).

Von Mozilla gibt es zwar das auf XULRunner basierende Prism, das ich unter Anderem in meinem Mozilla-Artikel erwähnt hatte. Prism bietet aber keine Entwicklung eigener UIs an. Man kann eigene Instanzen für Webapps anlegen, das war’s dann aber auch schon. Die Vorteile eigener Umgebungen können hier nicht genutzt werden.

In diesem Zusammenhang interessant ist ein Artikel auf JustBrowsing, dem persönlichen Blog von Matthew Gertner, Mozilla-Experte und Mitgründer von Allpeers, das das gleichnahmige hervorragende Bittorrent-AddOn zum privaten Filesharing für Firefox entwickelt (Sitz in Prag btw):

the browser wars are evolving into runtime wars. Players like Adobe and Microsoft are trying to convince software developers to build on top of their RIA platforms (AIR and .NET/Silverlight, respectively). Programmers are understandably wary of doing so if users will have to download a hulking runtime just to use their applications. This is one of the key factors that has prevented Java and previous incarnations of .NET from gaining widespread penetration on the desktop.

AIR hat zur Zeit, soweit ich das beurteilen kann, zumindest bei den Webgeeks sehr großen Erfolg. Was sicher auch daran liegt, das Runtime wie Applikationen recht einfach zu handhaben sind (und blah, die ganzen Vorteile siehe oben). Bekanntlich ist das der erste, wenn auch kleine, Schritt in Richtung Mainstream.

Gertner argumentiert, dass Mozilla mit Firefox 3 dem entgegensteuern kann:

Previous versions of Firefox used the XULRunner source code but couldn’t share it with other apps at runtime. The upcoming version ships with a complete XULRunner runtime, and actually lets you turn Firefox into XULRunner with a simple command line switch.

Damit hat man aber noch keine auch für Programmierer attraktive Runtime, auf der sich leicht hübsche Desktopclients für Webapps umsetzen lassen. Für aufwendige Projekte scheint es zwar geeignet:

The original architects of Firefox were impressively visionary in building their browser on top of a general-purpose framework that has helped them to manage the complexity of deploying a sophisticated product on dozens of different operating systems. This platform is so powerful that other companies have decided to build their own applications on top of it. Prominent examples are Songbird, Joost and Miro.

Für Einmannhobbyprojekte wie Twhirl etc. scheint das eher nicht geeignet. Falls jemand von Euch bereits mit XULRunner und AIR etwas umgesetzt hat oder das versucht hat, wäre ich an einem Vergleich/Meinung dazu sehr interessiert.

Gertner aber ist zuversichtlich (muss er auch sein, setzt ja auf Firefox):

The player with the strongest cards, however, is Mozilla. Unlike Adobe and Microsoft, they have a true killer app in the form of Firefox. When its 150 million odd users upgrade to Firefox 3, they’ll be getting XULRunner as a surprise bonus. This will seed the market and make it a whole whack easier for software developers to deploy XULRunner-based applications.

Bei Mozilla selbst ist man da zurückhaltender:

If it seems like we don’t want to promote running XUL-based applications using Firefox 3 as the runtime - good! This is very experimental and there are down-sides. There are no current plans to expand or extend the feature.

 

Fazit

Wie auch immer die Entwicklung weitergeht, Mozilla hat in meinen Augen den Runtimeaspekt in der aktuellen Webentwicklung ein wenig verschlafen, wenn auch die Voraussetzungen in Firefox von Anfang an gesetzt wurden. Inwiefern die Neuerungen, die mit Firefox 3 kommen, reichen werden und ob sie überhaupt einsetzbar sind, wird sich zeigen.

Eins dürfte aber sicher sein: Adobe AIR geht so schnell nicht wieder weg. Und es gewinnt stetig an Zuwachs.

Und kompatibel werden AIR und XULRunner auch nicht werden.

Und damit steuern wir bereits auf den Runtime-Krieg zu. Yay.

Ein was Gutes hat das Ganze aber: Alles wird mittlerweile wie selbstverständlich betriebssystemübergreifend gebaut (Firefox/XULRunner wie AIR, das es bald auch in Linux geben wird). Wenigstens ein Problem, das sich nun endlich langsam aber sicher verabschiedet. :)

Amazon Web Services: Eisenbahn des Netzes

aws-logo

[Siehe Update am Ende des Artikels zur aktuellen Downtime.]

Ich wollte es erst in mein Linkblog schütten, aber ich bring es doch hier, weil es einfach straight to the point und sehr wichtig für die Zukunft des Webs ist. Robert Scoble spricht in seinem Blog über Amazon Web Services (Mogulus läuft bekanntlich komplett auf Amazon Servern. Ein deutsches Startup, das Amazon S3 einsetzt, ist Shoppero [iirc für die Produktfotos], ein weiteres ist Simfy, danke Martin !).

Mit den AWS können Startups (wie auch Privatpersonen) Webspace und mittlerweile auch Server und neuerdings auch einfache Datenbanken nutzen. Das Besondere dabei ist nicht nur, dass diese Dienste nahezu immer weitaus günstiger als bei der Konkurrenz sind (sofern es vergleichbare Dienste überhaupt gibt), sondern vielmehr, dass man je nach Bedarf weitere Kapazitäten einfach hinzukauft. Was man mit den AWS erwirbt, ist nicht in erster Linie günstiger Webspace etc. sondern Skalierbarkeit.

Man denke an ein junges Startup, das einen Facebookapp-Hit landet und vom eigenen Erfolg überrascht wird.

“Site temporarily not available.”

Anstatt googleeske Datencenter aufzubauen, kann man diese nicht gerade triviale Aufgabe auf Amazon auslagern und einfach je nach Bedarf zukaufen. Eine garantierte 99%ige Uptime bekommt man dafür. Wer meint, so etwa sollte man als Startup nicht outsourcen: Nicht jedes Startup dürfte die Kompetenzen und finanziellen Ressourcen haben, eine mit Amazon vergleichbare Qualität in diesem Feld aufzubauen (Ganz zu schweigen davon, dass man Kapazitäten wieder freigeben kann, wenn sie nicht mehr benötigt werden und somit nur für das zahlt, was man auch benötigt. Weitaus effizienter, als Server aufgrund temporärer Spitzen zu horten).

Anyway, in einem Kommentar bringt Scoble einen wichtigen Punkt, warum Amazon über die irgendwann kommenden Nachzügler im Cloudgeschäft bulldozern wird:

Amazon is getting trusted by a large range of businesses. Those businesses aren’t likely to move. That creates a ton of developers who are expert at integrating those Web Services. And when those join new companies? You think they are gonna recommend services from Google or Microsoft or someone else that they haven’t tested and don’t trust? Yeah, right.

Amazon baut diese Tage Vertrauen, Expertise und Marktanteile auf.

Um die bereits heute erreichte Größenordnung, von der wir hier sprechen, in Perspektive zu setzen:

Namely, web services bandwidth now accounts for more bandwidth than all of Amazon’s global web sites combined. To put this in perspective, comScore ranked Amazon the 7th most visited site in the US in December. The retail giant was 6th in the UK, 9th in Canada, 11th in Germany, 11th in Japan, and 20th in France. In other words — Amazon is big, which means AWS-powered sites must be really big (collectively, at least).

Mark my words: Amazon wird den B2B-Bereich in Hosting und Server dominieren.

Ein zukunftsträchtiger, enorm wichtiger Markt, der für die weitere Entwicklung des Netzes so wichtig ist, wie es der Ausbau des Eisenbahnnetzes zum Beginn der Industrialisierung war.

Bleibt die Frage: Was machen Microsoft, Google et al?

 

Update: Als hätte ich es geplant, erleben Amazons Webservices just in diesem Moment eine massive Downtime. Siehe diesen Thread im AWS Developer Forum (via Twitter). Ein Kommentator spricht von bereits 2 Stunden, die S3 jetzt unten ist. Meines Wissens nach die längste zusammenhängende Zeit seit dem Bestehen von Amazon S3.

Update2: Siehe auch Berichterstattung dazu in der US-Techblogosphäre

Werbung in Social Networks, im Netz, in der Zukunft

gapingvoid-tvcom

 

Ursprünglich als Kommentar gestarteter Post über Werbung im Netz und im speziellen in Social Networks und überhaupt in der Zukunft und so weiter:

Jochen Krisch hat einen interessanten Artikel über dieses Thema bei sich auf exciting commerce geschrieben . Darin fasst er ein paar Aussagen über Werbung in SocialNetworks zusammen. Kurz: die Tendenz für Erfolg mit Werbung in Social Networks: nach unten.

Interessantes Thema. Dass die Monetarisierung von SocialNetworks über (Banner-)werbung nicht sonderlich gut läuft, ist nichts Neues.

Wobei ich mir nach wie vor nicht sicher bin, ob eine Erfolgsbeurteilung von Onlinewerbung auf Clickrate und/oder Konversionrate wirklich so sinnvoll ist.
Beispiel: Wäre diese Beurteilung bei Fernsehwerbung möglich und würden diese Daten dann zur Vergabe der Werbeetats rangezogen, ich bin mir sicher, dass es den Großteil der werbefinanzierten privaten TV-Sender nicht mehr gebe. Weil da niemand mehr Werbung schalten würde. Mindestens nicht in den jetzigen Dimensionen.

Das Gleiche gilt im Grunde für alle traditionellen Werbeformate. Es gab da schlicht keinen Feedbackkanal (beziehungsweise einen zu ungenauen). Wie war der Spruch im Marketing immer noch gleich? Nur 10 Prozent des Marketing ist erfolgreich, man weiß nur nicht welche 10 Prozent (Sinngemäß. Meine Marketing-Vorlesungen liegen lang zurück.)

Jetzt ist dieser Feedbackkanal im Internet auf einmal da. Auf einmal sieht man, wenn man da katastrophale Entscheidungen trifft. Wenn man denkt: ‘Yesss, ich habe sie alle erreicht, I’m teh greatest.’ Nur hat die Werbung die ‘alle’ nicht die Bohne interessiert. Das Weiterblättern in der Zeitung oder das Wegzappen beim TV, das wird nicht (Zeitung) oder geradezu lächerlich ungenau (TV) gemessen.

Es würde also keinen Sinn ergeben, aufgrund der schlechten Ergebnisse zu sagen, ‘geh ich halt wieder Werbung in Magazinen schalten’. Nur weil sich die Aufmerksamkeitsströme beim Papier/TV/Rundfunk/Innenstadtplakat nicht erfassen lassen.

Die eigentliche Frage, deren Antwort wir im Grunde bereits kennen, ist doch : Hat sich das alte Werbemodell nicht vielleicht längst überlebt und man hat es nur nicht bemerkt oder wahrhaben wollen?

Mögen unsere Großeltern noch daran geglaubt haben, dass mit Persil die Wäsche blütenweiß wird und der neueste Opel der shizznit schlechthin ist (Sinngemäß. Meine letzte bewußte Wahrnehmung von TV-Werbung liegt lang zurück.), aber: Wer unter 40 (<-mehr oder weniger willkürliche Zahl) nimmt das denn noch ernst? Selbst bei den bildungsfernen Schichten ist es heutzutage nicht mehr so einfach wie es das mit einer Zeitungsannonce in den Fünfzigern war.

Auf der anderen Seite ist es auch zum Beispiel kein Geheimnis, das werbefinanzierte Blogs ihre Clickraten zu einem guten Teil nur durch weiterstolpernde Googlebesucher halten können. Digital divide etc etc

Ich denke nicht, dass Social Networks unbedingt die werberesistenten Orte schlechthin sind. Nur ziehen diese (auch jetzt noch) hauptsächlich Bevölkerungsgruppen an, die selbst längst weitläufig werberesistent sind. Und wenn sie es nicht schon waren, es auf dem Weg ins Netz und dort ins Web2.0/Socialweb/yaddayadda wurden.

Außerdem denke ich, dass die (jungen) Leute von heute prinzipiell werberesistenter sind. Zumindest was das Gebrülle angeht, das früher die Mad Men für glückselig machend hielten.

Das war es sicher auch mal zumindest für die Werbebranche. Aber das zwanzigste Jahrhundert ist vorbei.

Im Netz und mit den dort vorzufindenden mündigen Bürgern, reicht hypertargeting nicht immer aus. Banner bleibt Banner. Topdown wird nicht auf einmal Augenhöhe. Und virales Marketing lässt sich eben nicht in hohem Maße steuern und beeinflussen oder gar initiieren. Zumindest nicht mit Fakeblogkommentaren und Fakeblogs, dankeschön.

Statt banaler Banner, sollte man sich viel eher überlegen, wie man diese Leute die man jetzt gezielt anvisieren kann, erreichen kann. Und auch akzeptieren, dass das wohl nicht immer möglich ist.

Man kann mir auf meinem täglichen Pendelweg ein 5×10m-Plakat vor die Fresse halten, aber das Einzige was ich im Regelfall im Kopf behalten werde, ist die Marke, wenn überhaupt. Vielleicht ist das auch die wichtigste Aufgabe, die Bannerwerbung im Internet wahrnehmen kann: Bei der Zielgruppe die Marke bekanntmachen. Präsenz zeigen. yaddayadda

Ich könnte jetzt noch den Cluetrain einwerfen und von Gesprächen statt Märkten reden. Oder von Social Gestures. Stichwortfrage: Wie kann ich mit meinen künftigen Kunden kommunizieren? Banner sind keine Kommunikation usw. Aber das würde jetzt zu weit führen.

Zugegeben, ich bin kein Marketingexperte (und trotzdem schreibt der dazu so viel, jeez), deshalb zwei Blogempfehlungen zur Zukunft des Marketing/Werbung etc:

 

Fazit

Die schlechten Ergebnisse von Werbung in Social Networks haben weit vielfältigere, tiefgreifendere und komplexere Gründe als nur den, dass diese Webdienste eben eine werbefeindliche Umgebung sind. Letzteres ist sicher auch ein Grund. Immerhin ist eine Internetsuche aktionsgerichteter und damit leichter zu Geld zu machen.

Aber ganz so einfach sollte man es sich nicht machen. Einfach mal darüber nachdenken, wie man die Leute, die auf einmal so präzise auf dem Silbertablett präsentiert werden, ansprechen kann. Die lassen sich nämlich nicht mehr anbrüllen.

Davon abgesehen kann man aber mit klassischer Werbung im Netz zumindest die eigene Marke zielgenau ins Bewusstsein bringen. Ob das reicht, ist eine andere Frage.

 

Zum Abschluss noch eine Frage an die Leser: Wann habt Ihr das letzte Mal einen Kauf aufgrund von Werbung getätigt? Go figure.

 

(Pic: gapingvoid)

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