Archive for the 'Analysen' Category

Zukunft von Webstartups (2)

Fred Wilson, VC und renommierter Tech-Blogger, schreibt zu Grahams Essay:

The barriers are so low to starting a web company these days that it seems like everyone is doing it. That turned out badly last time when every investment banker left wall street and became a dot.com entrepreneur. But Paul’s essay makes me think this time may be different. Because its hackers that are leaving their day jobs and starting companies.

And the companies that hackers are starting are building parts of the web. And since we are developing a modular, programmable web, it may be that the way the web evolves is bit by bit, startup by startup.

Is that a sustainable model? Well if the web is a media platform and if the advertising systems that support the web are open and anyone can play in the sandboxes we create (like you can with adsense) then it could be a very sustainable model.

(quoting-weekend auf neunetz.com)

Paul Graham über die Zukunft von Web-Startups

So my first prediction about the future of web startups is pretty straightforward: there will be a lot of them. When starting a startup was expensive, you had to get the permission of investors to do it. Now the only threshold you have to get over is whether you have the courage to.

[..]

Risk is always proportionate to reward. The way to get really big returns is to do things that seem crazy, like starting a new search engine in 1998, or turning down a billion dollar acquisition offer.

[..]

and it seems to me that the increasing cheapness of web startups will if anything increase the importance of startup hubs. The value of startup hubs, like centers for any kind of business, lies in something very old-fashioned: face to face meetings.

[..]

If it gets easier to start a startup, then it’s not just easier for you, but for competitors too. That doesn’t erase the advantage of increased cheapness, however. You’re not all playing a zero-sum game. There’s not some fixed number of startups that can succeed, regardless of how many are started.

[..]

Performance is always the ultimate test, but there are so many kinks in the plumbing now that most people are insulated from it most of the time. So you end up with a world in which high school students think they need to get good grades to get into elite colleges, and college students think they need to get good grades to impress employers, within which the employees waste most of their time in political battles, and from which consumers have to buy anyway because there are so few choices. Imagine if that sequence became a big, straight pipe. Then the effects of being measured by performance would propagate all the way back to high school, flushing out all the arbitrary stuff people are measured by now. That is the future of web startups.

Sehr lesenswerter Essay: Paul Graham: The Future of Web Startups
(Hervorhebungen von mir)

Blase, que? Eine Replik

Nachdem ich ein weiteres Mal das Ausrufen einer Blase angeprangert hatte, reagierte Andreas Göldi und ging auf meine Argumente gegen das Vorhandensein einer Internet-Blase ein. Leider bin ich nicht eher dazu gekommen, darauf zu antworten. Da ich auch jetzt eher wenig Zeit habe und außerdem fürchte, meine Leser mit dieser Thematik langsam zu nerven (oder, schlimmer noch: zu langweilen), fasse ich mich kurz. Eine Replik:

Andreas Göldi schreibt :

Google ist an der Börse derzeit 44mal seinen Jahresgewinn wert. Yahoo 46mal. eBay 36mal. XING 54mal. Amazon.com 119mal(!). Zum Vergleich: für die Aktien des obszön profitablen Quasi-Monopolist Microsoft wird nur 20mal der Gewinn bezahlt.

Mag sein. Die Zahlen kenne ich im Einzelnen nicht und werde das jetzt auch nicht nachprüfen. Aber auch wenn das sich jetzt wie Bubbletalk anhört -und ich weiß um die Ironie-, wenn vor die Wahl gestellt, würde ich bevorzugen, mein Geld in Google zu investieren statt Microsoft, weil in ersterem mehr Wachstumspotential steckt. Microsofts Geschäftsmodell (Verkauf von Software, namely Win und Office) ist kaputt. Das funktioniert noch heute, und auch noch morgen, aber übermorgen nicht mehr (Was viel schlimmer ist, ist die Tatsache, dass Microsofts Unternehmenskultur im Wesentlichen im Arsch ist. Aber das ist eine andere Geschichte.).

Google ist übrigens ebenfalls ‘obszön profitabel’. Es bleibt allerdings interessant zu beobachten, inwieweit die Bewertungen dieser Unternehmen an der Börse sich entwickeln, besonders XING. Hier stimme ich zu.

Göldi schreibt weiterhin:

Wer sind die Geldgeber dieser VC- und PE-Firmen? Institutionelle Investoren. Und was ist die mit Abstand bedeutendste Art von institutionellen Investoren? Pensionskassen. Und wo haben die Pensionskassen ihr Geld her? Von uns allen. Aus unseren Ersparnissen fürs Alter.

Hmm. Das ist aber schon, wie man so schön im Englischen sagt, ein Stretch. Nun weiß ich nicht im Einzelnen, wie die Gelder von VCs sich zusammensetzen. Meines Wissens nach aber fangen in den USA Pensionskassen gerade erst (wieder?) an, VCs stärker zu nutzen. Und in Deutschland dürfte der Anteil noch wesentlich geringer sein. Zumal deutsche Pensionskassen bei weitem nicht die gesellschaftliche Tragweite haben wie in den USA. Wie es in Österreich und der Schweiz aussieht, weiß ich nicht.

Ein Problem trotzalledem? Sicher, aber keins das so groß ist, wie suggeriert. Wer aber da genaue Zahlen hat, gern her damit.

Matthias sagt in den Kommentaren dazu bei medienkonvergenz.com außerdem was Interessantes:

Bei einer klassischen Börsenblase haben wir als Charakteristikum eine hohe Preistransparenz (hohe Kurswerte kann jeder sehen).

Bei VC ist das anders: In vielen Fällen ist nicht exakt bekannt, wie viel Geld ein einzelnes Startup-Unternehmen bekommt bzw. wie eine VC-Firma ihre Gelder ingesamt verteilt (auch vom Risikograd her gesehen). Hier haben wir also ein sehr hohes Maß an Intransparenz.

Man erfährt in meisten Fällen schon die Höhe auf den einschlägigen englischsprachigen Blogs. Nur die tatsächlichen Beteiligungsbedingungen bleiben oft unklar. Und in der Tat, wo ein VC-Unternehmen seine Gelder herbekommt ist ein interessanter Aspekt, über den ich bis zu diesem Artikel noch gar nicht nachgedacht hatte.

Göldi:

Kaum jemand wird bestreiten, dass die Immobilen- und Kreditmärkte in den USA kürzlich eine Bubble erlebt haben, die gerade am Platzen ist. Und einen viel mehrheitsfähigeren Markt als Immobilien gibt es wohl kaum. Eine Bubble kann nicht nur entstehen, wenn ein kleiner Markt für zu gross gehalten wird.

Stimmt. Ich bestreite auch nicht, dass eine Überhitzung auch im Internetmarkt stattfinden kann, logisch. Ich schrieb damals:

Natürlich kann es auch hier wieder zu einer Blase kommen. So wie in jedem Markt. Ob Immobilien, oder Internet oder weißderfuchs. Überhitzung ist überall möglich. Deswegen ist aber nicht jeder Boom automatisch eine Blase.

In den Zeiten der Dotcom-Blase war das Problem, dass es riesige Investitionen gab und quasi keinen Markt. Oft wird heute suggeriert, es sei immer noch so, dass es im Internet keinen Markt gebe. Und das ist Quatsch.

mspro schreibt bei mir in den Kommentaren zum Beispiel:

1. Es wird herausgefunden werden, dass im Internet kaum* Geld zu verdienen ist.[..]
* Sicher. Geld wird hier und da verdient werden. Aber nur vereinzelt und kurzfristig und eben nicht das große Geld. Abgesehen von Google und Co. Aber als Venture Capitalist brauchst Du das große Geld für den ROI. Also: Blase.

Halte ich für ausgemachten Schwachsinn. Mittel- bis langfristig wird das Netz die zugrundeliegende Infrastruktur für die Distribution von nahezu allen Medienformen (Text, TV, Radio) liefern. Hier nur von vereinzelten Einnahmemöglichkeiten zu sprechen, ist schlicht Unfug. Da habe ich nicht mal Lust, darüber zu diskutieren. (Wobei ich mspros anderes Argument -”Es werden aus den (oft guten) Ideen offene Standards entstehen, an denen niemand verdient aber alle profitieren.”- durchaus teile. Viele Seiten werden Schwierigkeiten bekommen, wenn sich offene Standards durchsetzen. Aber das wird noch dauern und aufgrund von Ausdifferenzierungen in den Zielgruppen beiweiten nicht jeden Dienst betreffen, aber das ist eine andere Geschichte.)

weiter im Text von Herrn Göldi:

“Die Kosten für Startups sind heute viel geringer.”
Das sind sie zweifelsfrei. Umso schlimmer, denn hohe Einstiegskosten in einen Markt würden wenigstens Barrieren errichten, die den Wert der Firmen in dem Markt tendenziell steigern. In der ersten Internet-Bubble musste man wenigstens noch etwas Kapital haben, um eine richtig grosse Website aufzuziehen. Heute, wo jeder Hobbyprogrammierer mal schnell aus Open-Source-Versatzstücken ein weiteres Social Network zusammennageln kann, sind die Einstiegshürden sehr viel niedriger geworden. Und das müsste eigentlich nach elementaren ökonomischen Gesetzen zu niedrigeren Firmenbewertungen führen. Müsste. Tut es aber kaum.

Wissen Sie, wieviele neue Dienste täglich erscheinen? Kennen Sie Seiten wie das Museum of modern betas? Die meisten Webdienste werden nie Venturekapital erhalten; und werden es auch nicht brauchen. Nur ein Bruchteil erhält Kapital.

Ich denke eher, das die extrem niedrigen Eintrittsbarrieren dazu führen, dass am Markt die ganze Bandbreite der Möglichkeiten an den Start geht. Von Nullcheckern mit Totgeburten bis hin zu den Visionären mit dem nächsten großen Ding.

..schrieb ich in den Kommentaren.

Webdienste brauchen verhältnismäßig wenig Kapital und versprechen viel Potential. Das Risiko für die VCs, viel Geld zu verlieren, ist nicht so hoch wenn in the first place verhältnismäßig nicht viel reingesteckt wird. Ich will das Biotechunternehmen sehen, das mit 5 Millionen $ weit kommt. Ein Webdienst kann mit so einer Summe viel Amazon S3-Webspace und -Traffic bezahlen.

Und was ist es dann?

Wenn es keine Blase ist, was ist es dann?

Matthias hat die aktuelle Situation recht gut als eine ‘Inflation der Webdienste’ umschrieben:

Blasen im wirtschaftlichen Sinn bilden sich im Allgemeinen an Börsen. Und wie hier treffend festgestellt wird, ist von einer Börsenblase weit und breit nichts zu sehen.

Ich finde deshalb auch, dass der Begriff “Blase” unglücklich und falsch verwendet wird. Besser wäre es vielleicht, von einer “Inflation” zu sprechen. Bei einer Inflation verhält es sich so, dass von einem Gut immer mehr auf den Markt kommt und die gesunde Relation von Angebot und Nachfrage aus den Fugen gerät.

und

Eine Inflation muss aber nicht zwangsläufig “platzen” wie eine Blase. Sie kann sich auch über einen längeren Zeitraum hinweg wieder zurückbilden (man denke etwa an den berühmten Schweinezyklus).

(Hervorhebung von mir)

Hunderprozentig passt das auch nicht, aber es trifft die Situation besser als das sprachliche Bild der Blase. Ich will es jetzt erstmal dabei bewenden lassen.

So, doch länger geworden als geplant.

 

Sie sahen eine Replik zu: Beobachtungen zur Medienkonvergenz » Krieg der Definitionen, oder: Was ist eigentlich eine Bubble?

[tags]Blase[/tags]

Deutsche Startups auf US-Blogs - bringt’s was?

Martin von zweinull.cc meint :

Für viele Internetstartups aus dem deutschen Sprachraum kommt es einem Ritterschlag gleich, bei einem der einflussreichen englischsprachigen Web 2.0 Blogs vorgestellt zu werden.

und schaut sich daraufhin die Archive der großen Techblogs an und erstellt eine Liste der Artikel über deutsche Startups an diesen Stellen.

Allerdings frage ich mich, ob ein Artikel auf Techcrunch und co. -zumal über ein ausländiges Startup- noch so viel bringt, wie vor ein oder zwei Jahren. Markus stellt zu recht in den Kommentaren auf zweinull.cc die Vermutung auf:

Man müsste sich fast einmal anschauen, welchen impact eine TC oder Mashable Review hat, die Zeiten wo man sich automatisch high fives geben konnte sind glaub ich vorbei

Das vermute ich auch. Warum?

 

den Wald vor lauter Bäumen

Zum Einen sind nahezu alle großen Techblogs, Techcrunch, gigaom, readwriteweb, mashable, die vor zwei Jahren noch Einmannshows waren, heute Gruppenblogs. Mit entsprechend gestiegenem Output ( Besonders mashable tut sich als Pressemitteilungsschleuder hervor, mit angeschlossenem extremsten Linkbaiting mit deren Listenpostings; aber das ist eine andere Geschichte).

Das heißt, man muss heute viel mehr herausstechen, um die Leser der Techblogs hinterm Geekofen hervorlocken zu können. Natürlich brauchte es schon immer Qualität um irgendwo hinzukommen, aber die Messlatte liegt mittlerweile höher. Und nur weil man auf Techcrunch gereviewt wird, melden sich die User nicht mehr hordenweise an (Es gab tatsächlich eine Zeit, da habe ich 90% der auf Techcrunch vorgestellten Seiten ausgetestet).

Ich denke, was man vor 2 Jahren mit einem Techcrunchposting erreichte (an Neuanmeldungen), erreicht man heute nur noch, wenn man auf TC, RWW und Mashable genannt wird. Trotz einer um ein Vielfaches größeren Leserschaft. Aber erst so entsteht eine gewisse -tatsächliche oder eingebildete- Relevanz. Ironisch, oder?

 

a little bit Sättigung

Es gibt noch mehr Gründe, die ein Artikel heute auf einem großen US-Techblog kein highfive mehr rechtfertigen lässt (oder maximal ein einziges highfive).

Eine gewisse Sättigung bei den Grundformen der neuen Dienste hat sich eingestellt. Grundbedürfnisse wie beispielsweise Onlinebookmarking werden nicht perfekt, aber doch recht gut abgedeckt. Natürlich kann man auch hier noch scoren. Aber Jeder, der der Meinung ist, sich da zu behaupten, sei heute nicht um ein Vielfaches schwerer als noch vor 1, 2 Jahren, hat keine Ahnung vom Markt. Eintrittsbarrieren werden höher.

Hinzu kommt das social burnout syndrom. Die schnellen Early Adopters suchen mittlerweile Dienste, die vorhandene zusammenführen um wieder wertvolle Freizeit aufzutauen. Wer heute mit Diensten kommt, die vielleicht hilfreich sind, aber bereits von anderen zum Teil abgedeckt werden, wird es schwer haben, sich ohne einen Großteil der Early Adopters durchzusetzen. Und die springen nach hunderten von Seiten auf denen sie sich mal angemeldet haben, heute nicht mehr so behende hin und her wie früher.

In vielen Bereichen im Web2.0 findet eine Konsolidierung statt. Grundbedürfnisse vieler Netizens sind abgedeckt. User-Erdrutsche durch einzelne Techblogartikel dürften heute weitaus seltener sein .

Eine interessante Entwicklung: Die Aufmerksamkeitsökonomie ist hier in vollem Gange. Das Erzeugen von Aufmerksamkeit ist heute weitaus schwieriger, aufwendiger und ungewisser als die eigentlichen ‘harten’ Kosten (für Server, Personal usw.). Nicht unbedingt teurer, denn man kann keine kaum teure Werbeplätze kaufen die automatisch zum Erfolg führen.

 

Fazit

Vielleicht sehe ich die Entwicklung ein wenig übertrieben. Man berichtige mich gern. Aber ich glaube, dass heute ein Indiz für einen Erfolg eher daran erkennbar ist, wenn es ein Artikel zu einem Startup auf Memetrackern wie Techmeme nach oben schafft, als an einem oder zwei Artikeln auf Techcrunch und co.

Erst ein solcher Artikel führt natürlich zur Erwähnung auf einem Memetracker. Aber er ist heute nicht mehr allein der implizierte ‘Ritterschlag’.

Wieviele deutsche Startups haben es auf Techmeme geschafft?

 


Und bevor man mich falsch versteht: Es gibt trotzdem keine Internet-Blase .

 

—-
P.S.: Als ich die Überschrift schrieb und den Artikel veröffentlichte, übersah ich in der Eile leider, dass einige der englischsprachigen Techblogs gar nicht aus den USA sind: zB. readwriteweb (Neuseeland) und Mashable (UK wenn mich nicht alles täuscht). Nur um Besserwisserkommentaren vorzubeugen. ;)

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