Marktführer und Innovationstreiber.

Amazon ist wie Apple, Facebook und Google in den jeweiligen Kernmärkten Marktführer und Innovationstreiber.

Ein bisher für Konzerne eher ungewöhnliches Verhalten.

Mesh-Netzwerke kommen: Apples ‘Multipeer Connectivity Framework’ sorgt für Aufsehen

Mit Firechat, aktuell noch mehr proof of concept als heute bereits nutzbare Chat-App, hat die bedeutendste Neuerung von iOS 7 endlich gebührende Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit bekommen.

Firechat nutzt das ‘Multipeer Connectivity Framework’ für die Vernetzung zum (lokalen und weniger nutzbaren nicht-lokalen) Chat. Sascha Kösch erklärt auf de-bug.de die Funktionsweise:

Auf iOS 7 gibt es ein bislang kaum genutztes Feature, das sich Multipeer Connectivity Framework nennt. WiFi, Bluetooth und Handynetz austauschbar als P2P Netzwerk nutzen. Das ermöglicht einer Chat-App wie FireChat so ein ad hoc Meshnetzwerk aufzusetzen.

Meshwas? Normalerweise hat man eine Verbindung zum Internet ganz für sich. Bei einem Meshnetzwerk teilt man die nicht nur, sondern bildet eine Kette, die bis in die dunkelsten Zonen der Funklöcher reichen kann, vorausgesetzt die Kette reißt nicht ab. Ähnlich wie das Internet selbst funktioniert, nur mit uns (und der App) als Knoten.

Stellt euch vor, es ist Open Air, weit draußen, und es gibt nahezu keine Verbindung zu nichts. Mit einem Meshnetzwerk kann man über FireChat dann trotzdem mit allen plaudern. Oder U-Bahn. Schon wieder nur ein halbgares Edge. Das Meshnetzwerk steht trotzdem.

Das perfekte Netz für den mobilen Widerstand, denn irgendwer hat immer eine Verbindung zum Netz und eine einzige in der Kette reicht schon, und schon ist man nicht nur mit der Gruppe, sondern mit der Welt verbunden.

Die Dokumentation des Frameworks von Apple findet man hier:

The Multipeer Connectivity framework provides support for discovering services provided by nearby iOS devices using infrastructure Wi-Fi networks, peer-to-peer Wi-Fi, and Bluetooth personal area networks and subsequently communicating with those services by sending message-based data, streaming data, and resources (such as files).

Eine weitere detaillierte Beschreibung findet sich hier.

Die Implikationen besonders nach dem Spähschock sind offensichtlich. Mit Mesh-Netzwerken lässt sich Vernetzung abseits der etablierten Internet-Kanäle etablieren. Apple hat die Implementierung von Mesh-Aspekten für Apps nun ermöglicht und hat damit, auch dank der weiten Verbreitung von iOS, den Weg von Mesh-Netzwerken in den Mainstream geöffnet.

Die offensichtliche Frage ist natürlich, wie Mesh-Netzwerke auch für die OS-erweiternden Wearables bis hin zum Smart Home zum Einsatz kommen werden.

Es ist kein Wunder also, dass auch Google an der Integration von Mesh-Netzwerk-Funktionalitäten in Android arbeitet.

Dass die Einführung des Multipeer Connectivity Frameworks nicht bereits mehr Aufmerksamkeit erhalten hat, ist erstaunlich, weil es sich um die wichtigste Entwicklung der nächsten Zeit handeln wird.

Johannes Kleske und ich haben uns ausführlich über Mesh-Netzwerke in neunetzcast 28 ("Das Pendel schwingt Richtung Dezentralität") unterhalten.

Healthbook: Apples “Zero-Setup-Plattform” für Gesundheitsapps?

Es lohnt sich genau anzuschauen, wie Apple und Google neue Plattformen, aktuell Wearables und speziell Smartwatches, angehen und wie sie planen, diese zu etablieren. Nicht nur die bereits etablierten Betriebssysteme, die natürlich eine bequeme Startposition ermöglichen, sondern auch und vor allem das Verständnis der Netzwerkdynamiken von Plattformen sind es, die Apple und Google auszeichnen.

Benedict Evans schreibt über die mögliche Healthbook-App von Apple, über die gerade Gerüchte kursieren:

Suppose, for the sake of argument, that Apple does indeed plan a health app that’s card-based, somewhat like Passbook. What would happen when you buy and turn on a blood pressure monitor that is certified for ‘Healthbook’? Well, one would expect that Apple would use the Bluetooth LE auto discovery that’s already in iOS7 to detect it automatically and tell you. And then, suppose it offers to install the Healthbook card to manage it (either from iTunes or from the device itself) – an HTML/Javascript package that runs in the Healthbook sandbox in some way. Suppose it does the same for any sensor you might buy? Then Apple has created a zero-setup platform for personal health devices. No apps, no native code, no app store, no configuration at all.

This would be one answer to why Apple’s recent hires of ‘wearables experts’ sound a bit like a team for a hospital device rather than a watch, measuring various quite technical things – because Apple plans to enable such devices, not try to pack every single one into its own device. That is, the straightforward sensors should live in the phone (like the pedometer that’s already in the iPhone 5S) and the complex and demanding ones should be enabled by an Apple platform, not become part of an Apple device.

Mit der Ausbreitung in Autos, in Wearables, in TV-Geräte verändert sich die Natur von iOS und Android. Ihre Lebensphase als reine Smartphone-Betriebssysteme endet 2014.

Apple TV ist kein “Hobby” mehr

Apple TV ist kein "Hobby" mehr sondern eine vollwertige Produktlinie:

Not only does the Apple TV now have its own section, but it now has promoted and dedicated accessory, AppleCare, refurbished, and community question/answer sections.

Of course, the timing of the Apple TV’s “graduation” is interesting. Last week, we reported that Apple is working on a new version of the Apple TV set-top-box that will integrate new content (such as apps).

If Apple were to launch such a product in the near-future, it would make sense for it to have a dedicated, unhidden spot on Apple’s online store. And, based on what we’re hearing, the new Apple TV will certainly deserve to be called more than a “hobby.”

Apple TV, Roku und vielleicht bald die neue Amazon-Settop-Box sind die technische Grundlage für Netflix, Watchever und co.

Tatsächlich klingt das, was das künftige Apple TV ausmachen könnte, nicht unähnlich dem, was Amazon ebenfalls machen wird:

We’re also told that the new Apple TV will likely feature a focus on gaming, and this lines up with a recent iLounge report. We’re led to believe that the game integration will utilize existing iPads, iPhones, and iPod touches as controllers. It’s likely that there, too, will be some integration with Apple’s physical controller MFi program.

Über 10 Milliarden $ wurden 2013 in Apples App Store ausgegeben

Aus der Pressemitteilung von Apple:

Apple® today announced that customers spent over $10 billion on the App Store℠ in 2013, including over $1 billion in December alone. App Store customers downloaded almost three billion apps in December making it the most successful month in App Store history. Apple’s incredible developers have now earned $15 billion on the App Store.

Das App-Store-Modell hat eine enorme wirtschaftliche Energie freigesetzt. Das ist einer von vielen Gründen, warum unter anderem auch Amazon versucht, eine vergleichbare Infrastruktur mit ihren Kindle-Fire-Tablets (und vielleicht bald auch -Smartphones) aufzubauen.

Top 20 iPhone-Apps in Deutschland: Whatsapp vorn, Google Maps nur bei 20 Prozent

Matthias Brandt von Statista hat eine neue Grafik mit den meistbenutzten iPhone-Apps in Deutschland veröffentlicht, die auf 2.041 befragten iPhone-Nutzern basiert:

Infografik 993 Die Top 20 iPhone Apps in Deutschland b

Interessant ist natürlich, dass Whatsapp demnach auf Platz 1 vorgerückt ist.

Da der Facebook Messenger vor dem jüngsten Update nur mit Facebook-Kontakten benutzt werden konnte, bedeuten die 20 Prozent Messenger-Nutzer auch, dass, vorausgesetzt die Befragung ist repräsentativ, 20 Prozent der iPhone-Nutzer zwei Facebook-Apps installiert haben. Denn wer Messenger installiert, wird in der Regel auch die Hauptapp installiert haben.

Als dritter spannender Punkt bleibt noch Google Maps. Das ist von der Default-Kartenanwendung (also quasi 100%) auf 20 Prozent gefallen. Für das datenabhängige Google ist das ein herber Schlag. Glücklicherweise haben sie noch Android.

Aber diese Veränderung bei iOS ist der Verlust auf der Seite von Google, von dem Charles Arthur neulich im Guardian geschrieben hat.

Nicht in die Top 20 haben es unter anderem Snapchat oder die Google+-App geschafft.

Auch bezeichnend.

iPad Air hat so viel Rechenpower wie MacBook von vor 3 Jahren

Das Embargo ist aufgehoben und die iPad-Air-Reviews trudeln so ein wie die Deutschen seinerzeit in Polen.1 Wer die technischen Details lesen möchte, wird wie immer bei Anandtech gut bedient, aber richtig interessant ist das alles für unseren Blickwinkel auf den Markt und die gesellschaftlichen Auswirkungen nicht. Die wichtigste Aussage aus allen Reviews kommt von John Gruber:

To me, the comparison that is most interesting is to that of my MacBook Air. In exactly three years, Apple has produced an iPad that outperforms a then-brand-new MacBook. Three years is a decent chunk of time in this industry, and the MacBook Air has made great strides since then, but this (a brand-new iPad Air versus a late 2010 MacBook Air) is a credible comparison. In many ways the iPad Air is not just the superior device, but clearly so — it has a retina display, the MacBook Air does not; it gets 10 hours of battery life, the MacBook Air was advertised at just 5 hours back then[..]

iPads sind vollwertige Computer. Sie sind kein Spielzeug, das getrost ignoriert werden kann. Ernsthafte Arbeit2 kann auf dem iPad erledigt werden. iPads sind außerdem 'nur' die Speerspitze der Tablets. Auch Android-Tablets gewinnen rasant an Rechenpower und damit an Nützlichkeit. (Auch wenn ihnen schmerzlich die Apps fehlen.)

Es sollte keine Überraschung sein, dass der Aufstieg von Tablets und Smartphones mit dem Niedergang des PC-Marktes einhergeht.


  1. Neben den US-Klassikern von Mossberg über Pogue bis Gruber etc. gibt es natürlich auch Testberichte von vom Leistungsschutzrecht beschützten deutschen Massenmedien. 

  2. Und weniger ernsthafte Arbeit wie dieser Text. 

Smartwatch: Warum eine iWatch von Apple Sinn ergibt

Iwatch concepts 2

Wearables, also kleine Computer, die man mit sich trägt, sind der nächste Schritt für die Hardware-Plattformen der Post-PC-Ära. Die größte Frage, die sich bisher stellte, war in welcher Form diese nächste Phase beginnen wird. In den letzten Wochen und Monaten hat sich auch diese Frage in Luft aufgelöst. Mittlerweile scheint jedes Unternehmen im Technologiesektor eine Smartwatch zu bauen.

The Next Web zählt allein 16 Smartwatches, “die man kennen sollte”. Quartz hat eine Übersicht über alle Hersteller von Acer bis Sony, die eine Smartwatch angekündigt haben oder  Gerüchten zu Folge an einer bauen. Auf der IFA haben sowohl Qualcomm als auch Samsung eigene Smartwatches vorgestellt. Selbst Nissan baut eine Smartwatch. (YouTube-Video) Auch Fitnesstracker wie Fitbit bekommen Smartwatch-Funktionen und Google soll an einer Smartwatch mit integriertem Google Now arbeiten.

Das ist nicht verwunderlich.

Als ich Ende letzten Jahres von den ersten Gerüchten einer iWatch, einer Smartwatch von Apple erfuhr, ergab das sofort Sinn für mich. Wie bereits angemerkt sind sogenannte Wearables der nächste Schritt für die Post-PC-Ära. Diese Plattformen (iOS, Android, Windows Phone etc.) existieren bereits in einer Multi-Device-Welt. Wer ein Smartphone hat, besitzt oft auch einen Laptop. Immer mehr Menschen besitzen zusätzlich ein Tablet. Das Web und Webservices, die Daten und Angebote über diese Devices hinweg synchron halten, gehören fest zu diesen Post-PC-Plattformen.

Wearables sind, nachdem Smartphones technisch die Gut-genug-Stufe erreicht haben, die nächste Front in der Post-PC-Welt. Diese neuen, kleinen, tragbaren Computer werden verschiedene Formfaktoren annehmen. Von diesen Formfaktoren ergeben Smartwatches mehr Sinn als Smart Glasses wie Google Glass, also Brillen mit eingebauten Minicomputern. Denn Google Glass und seine Artverwandten werden ihre Anwendung nicht im Endkonsumentenmainstream sondern im Arbeitsumfeld finden (Ärzte, Taxifahrer, etc.). Also Situationen, in denen es die Umwelt nicht befremdet, wenn man eine Kamera im Gesicht trägt sondern alle davon profitieren. Smartwatches dagegen sind weitaus weniger invasiv und in den Lifestyle eines normalen Menschens integrierbar. Das Handgelenk ist die einzige Stelle, an der wir seit über hundert Jahren Maschinen direkt am Körper tragen. Das Handgelenk hat sich bereits als natürlicher Ort für Maschinen am Körper etabliert. Natürlich werden die ersten Wearables diesem Vorbild folgen. Im Grunde machen sie das bereits: Fitbit, Nike Fuelband, all die Fitnesstracker werden bereits am Handgelenk getragen.

“I think the wrist is interesting.” - Apple-CEO Tim Cook

Was fängt man nun mit einer solchen Smartwatch an? Das Gerücht, Google tüftele an einem Prototypen mit Google Now zeigt bereits die Richtung auf: Alles, was regelmäßig und zeitnah an Informationen und Interaktionen am Smartphone abgefragt wird und stattfindet, passt hervorragend zu einer Smartwatch. Google Now teilt mir mit, dass der Verkehr auf dem Weg zu meinem Termin in einer Stunde ungewöhnlich hoch ist und ich deshalb eher losgehen muss? Das ist eine Information für die Smartwatch, nicht  das Smartphone, vorausgesetzt das Betriebssystem hat die Wahl.

Jeder Moment, in dem man das Smartphone für wenige Sekunden aus der Hosentasche gezogen wird, um etwa die Notifications zu lesen, ist ein Moment, der Smartwatches gehören wird.

Smartwatches können mehr noch als Smartphones mit Sensoren Daten erfassen und ihrem Eigentümer zur Auswertung oder Interaktion zur Verfügung stellen. Felix Schwenzel hatte sich diesbezüglich vor acht Monaten lesenswerte Gedanken gemacht:

  • man könnte telefongespräche annehmen, indem man den sein ohrläppchen anfasst in dem moment wo man seine linke hand an den mund führt, würde einem siri zuhören
  • man könnte ein fragezeichen in die luft malen und siri sagt einem wo man gerade ist
  • im navigationsmodus könnten vibrationen an der jeweiligen armseite signalisieren, ob man in die falsche richtung läuft (so wie lenkräder in oberklasseautos vibrieren wenn man zu weit recht oder links fährt)
  • das ding am arm könnte bemerken wenn man jemandem die hand schüttelt und versuchen zum ding am arm des gegenübers kontakt aufzunehmen
  • es könnte erkennen ob man buchstaben mit dem finger auf eine oberfläche zeichnet
  • eine überwachung der körpertemperatur, des blutdrucks, der schlaf- und aktivitätsphase wäre lückenlos möglich. es soll ja einige leute geben die sich gerne selbst quantifizieren.
  • nicht nur stephen wolfram könnte jeden seiner schritte zählen, das ding an der hand wäre auch ein pedometer für jedermann, dass auch gleichzeitig jede art von sportlicher betätigung erkennen und aufzeichnen könnte
Im Gegensatz zu den hoffnungslosen Gehversuchen von Samsung, das bei der Produktentwicklung ohne ein kopierbares Vorbild aufgeschmissen zu sein scheint, werden die Inkarnationen von Apple, das bereits mehrfach bewiesen hat, dass es erfolgreich neue Produktkategorien definieren kann (iPhone, iPad, Macbook Air), sehr viel interessanter werden. Daneben ist Apple mit der Unterstützung des akkuschonenden Bluetooth 4.0 ab dem iPhone 4s aufwärts auch verbindungsseitig auf iOS bestehens gerüstet, und zwar wesentlich besser als Android.
Neben Felix Schwenzels Überlegungen können Smartwatches, oder Minicomputer am Handgelenk, noch andere Funktionen übernehmen. Vielleicht auch mit unterschiedlichen Ausprägungen bei der Hardware. So gibt es etwa ein Armband, dass anhand des einzigartigen Herzschlagpatterns des Trägers Schlüssel und Passwörter ersetzt. Erste Gerüchte verbinden eine iWatch eher mit Haushaltsautomatisierung als mit Smartphones. Es könnte Teil des von Jobs in seiner Biographie beschriebenen Durchbruchs des Interfaces von AppleTV sein.

Der Punkt ist, dass eine Smartwatch so sehr und so wenig eine Armbanduhr ist wie ein Smartphone ein Telefon ist. Smartwatches mögen die Uhrzeit anzeigen, aber das ist eine Randfunktion, die bei weitem nicht das Feature ist, was am meisten genutzt wird oder das gar der Kaufgrund wäre.

Als Apple das iPhone 5s vorgestellt hat, wurde auf dem Event und in den Pressemitteilungen immer wieder darauf hingewiesen, dass es das “Most Forward-Thinking Smartphone” sei, das Apple je produziert habe. Das ist natürlich PR-Sprache. Und es ist natürlich auch ein Weg, um die Differenzierung zwischen 5s und 5c sicherzustellen. Aber dahinter liegt noch mehr.

Das iPhone 5s hat mit dem M7 einen neuen, separaten Prozessor, bekommen. Der M7 ist ein “motion co-processor”:

But the really interesting – and in the long-term important – sensor in the iPhone 5S is the M7, a “motion co-processor” which allows it to measure data from the accelerometer, gyroscope and compass without draining the battery as heavily as would be required if the A7 processor were used. Effectively, using the CoreMotion API, apps can access data about movement all day, without destroying the battery life.

Think about that for a second. Your phone can now measure everything that the likes of a Jawbone Up or Nike Fuelband can. Plus, it can do it all day, with the processing power of a 64bit computer to crunch that data when it needs it. And that power is available to developers, to create applications which single-purpose devices like the Fuelband will never be able to match.

The obvious application is fitness, but that’s actually only the start of the story.

Der M7 ist ein neuer Prozessor, der vom iPhone 5s von Haus aus keine Aufgabe bekommt. Apple liefert keine App mit aus, die den M7 anspricht. Das ist ungefähr so wie ein Smartphone mit Kamera, das ohne eigene Kamera-App ausgeliefert wird.

Offensichtlicher kann es kaum werden. Der M7-Prozessor ist da, und er wird nicht nur in iPhones sondern auch in anderen Produkten integriert werden. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis Apple seine erste iWatch vorstellt. Selbst das Trademark wird bereits gesichert.

Bleibt die Frage des Timings.

Apple wird aller Voraussicht nach keine Smartwatch am 22. Oktober vorstellen. Mit neuen Macs, neuen iPads, neuem Mac OS, und vielleicht neuen iPods, ist das Event bereits recht gut befüllt. Apple hat bereits für maximale Weihnachtsabdeckung praktisch jede Produktvorstellung in in das letzte Jahresquartal gequetscht. Das iPad, ursprünglich ein Frühjahrsprodukt, ist letztes Jahr zum iPhone  gestoßen, um ein hervorragendes Weihnachtsgeschenk zu werden. Das ergibt Sinn. Es führt aber auch dazu, dass es den Rest des Jahres sehr ruhig um Apple ist. Was liegt also näher, als die ruhig gewordene erste Jahreshälfte für die Einführung neuer Produkte zu nutzen, die so oder so erst einmal Early Adopter ansprechen werden, also frühestens in der 2. oder 3. Inkarnation ihr volles Weihnachtsgeschenkpotential entfalten werden?

Deshalb vermute ich, dass wir im Frühjahr, also im ersten oder – wahrscheinlicher – im zweiten Quartal 2014, die erste Smartwatch von Apple sehen werden.

Disclosure

TouchID: Jede Apple-Debatte in einer Nussschale

Die Berichterstattung über TouchID ist die Berichterstattung über Apple in einer Nussschale: Vom vorhersehbaren und teils sehr1 quatschigen “Wie konnte Apple nur”-Aufschrei bis hin zur unvermeidbaren Einführung von TouchID-Klonen bei Android, wo all das plötzlich kein Thema mehr sein wird.2

Und, natürlich, immer auch dabei der CCC, der es mit der Korrektheit nicht mehr ganz so genau nimmt, wenn viel Presse möglich ist.
Alex Olma über den CCC-'Hack' von TouchID und wie der CCC darüber berichtete:

Die Wortwahl ist mindestens irreführend und kann mit Verständnis der aktuellen Medienlandschaft, die oft ohne Rückfrage PR-Meldungen abschreibt, nur als bewusst eingesetzt betrachtet werden. Die Meldung informiert nicht, sie verwirrt. Sie bestärkt nicht zu stärkeren Passwörtern, sie verängstigt. Sie regt nicht zum Nachdenken über den Schutz der eigenen Daten an.

Lässt sich ein Passcode auch ohne deine Anwesenheit knacken? Lässt sich ein Passwort (über die Schulter) abschauen? In welchem Verhältnis stehen Aufwand und Ergebnis? Mit welcher Häufigkeit geraten persönliche Daten eher durch Raub als Beschlagnahmung in falsche Hände?

Das ein Fingerabdruck nachzubauen ist und keinesfalls eindeutig ausfällt, war nicht nur absehbar (und wurde vom CCC bereits vor Jahren exzellent ausgearbeitet), sondern steht auch in Apples Dokumentation.

TouchID richtet sich nicht an jemanden, der sein iPhone sicher machen will vor Leuten, die sogar einen Fakefinger bauen würden, um hineinzukommen. TouchID richtet sich an normale Menschen, die aus Bequemlichkeit gar keinen Sperrcode oder maximal einen vierstelligen Sperrcode benutzen. Im Vergleich zu diesen beiden Alternativen ist TouchID sehr viel sicherer. Wer mit seinem iPhone sensible Daten transportieren will, wird weder TouchID noch einen nur vierstelligen Sperrcode einsetzen.

Was vielen Armchairsecurityexperten zu entgehen scheint, ist die simple Tatsache, dass Sicherheit immer in einem Spannungsverhältnis zum Komfort steht.3 Man achte für den Kontext auch auf den von Olma verlinkten XKCD-Comic.

Das ist alles wieder einmal sehr bedauerlich, weil die schlechte, irreführende Berichterstattung von dem ablenkt, was Apple macht. Und Apple macht, for better and for worse für die Industrie, seit Jahren so erschreckend viel so perfekt richtig, dass es viel ernsthafter zu jedem Zeitpunkt analysiert werden müsste.

*Disclosure


  1. Die Fingerabdrücke werden als Hash auf den Geräten gespeichert und nicht auf Servern gespeichert. Die zum Einsatz kommende Technologie ist, von dem was bekannt wurde, zum Teil sehr beeindruckend. Das alles spielte beim NSA!-Aufschrei zur Einführung von TouchID ebenso wenig eine Rolle wie die Tatsache, dass ausnahmslos jeder, der in die USA einreist, dem US-Staat bereits seine Fingerabdrücke geben muss. 

  2. Flash, anyone? 

  3. Und das schreibe ich als fellow Armchairsecurityexperte. 

Die Unterschiede zwischen Apple und Google

John Gruber über die Unterschiede zwischen Apple und Google:

Consider the industry landscape today. Apple just announced iOS 7; it adds support at the system level for Flickr and Vimeo (in addition to Facebook and Twitter, which came last year). iOS 7 gets weather, sports, and financial news from Yahoo. Siri now integrates with Bing — Microsoft! — for web and image search results. Who are Google’s allies and partners? What services does Android or Chrome OS include at the system level except Google’s own?

Apple frequently highlights third-party apps in TV commercials and in marketing photos for its devices. When’s the last time Google has promoted third-party apps for Android? Have they ever?

Man kann natürlich argumentieren, dass Android auf Systemebene offen genug ist, so dass Google nicht extra auf bilaterale Kooperationen hinweisen muss. Es kann sich jeder integrieren, wie man das möchte. (siehe etwa Facebook Home) Aber die Grundfrage bleibt, und ihre Antwort steht im Kontrast zu Googles Selbstbild:

Mit welchen Techunternehmen kooperiert Google?

(Interessant natürlich auch, dass die öffentlichen Narrationen zu Apple und Google noch in die jeweils entgegengesetzten Richtungen laufen.)

iTunes gehört nach 10 Jahren praktisch zu den 50 größten Händlern weltweit

Vor zehn Jahren hat Apple iTunes als Downloadshop für Musik gestartet. iTunes ist seit damals eine enorm erfolgreiche Plattform geworden, deren Ausmaße oft übersehen werden.

Horace Dediu hat auf asymco ein paar Zahlen eingeordnet:

Gross iTunes revenues were $5.4 billion last quarter of which I estimate:

…App revenues were $1.6 billion

…Music revenues were $2.2 billion

…Video revenues were $287 million

…Book revenues were $312 million

…Apple’s software generated $1 billion

In addition, I estimate that Services generated $100 million

Dediu setzt die Zahlen von iTunes auch in einen größeren Kontext:

Selling $20 billion a year would put iTunes in the top 20 US retailers and top 50 Global retailers.

Nicht schlecht für eine zehn Jahre junges Geschäft.

Siehe zur Geschichte von iTunes auch heute.de.

Wie werden Apple und Google auf Facebook Home antworten?

Zu den spannenden Folgen von Facebook Home zählen neben der Tatsache, dass Facebook endlich eine Antwort auf das mobile Web gefunden hat, vor allem die Fragen, wie Google und Apple auf ein erfolgreiches Facebook Home reagieren werden.
Apple Outsider fasst die Situation gut zusammen:

At the least, I expect an increased emphasis from Google on the virtues of “stock” Android, and an increased push to make that consistent for consumers. This is already underway on both OEM and developer fronts, but Facebook’s lurking presence will force the issue that much harder.

Home’s to-be-determined success could also force Apple’s hand. Such a product is neither technically nor legally feasible on iOS at the moment, and Facebook’s integration into iOS 6, while powerful, is much less than Facebook Home provides on Android, and thus presumably much less than Facebook wants on iOS. As I said last week, if too many consumers start considering Facebook Home a deal breaker, Apple may need to make some moves of its own. How many consumers that is, and whether they’ll in fact get on board, remains to be seen. All of this just underscores what’s at stake for everyone — Facebook most of all. With just one announcement, Facebook has made itself a strategic stakeholder in the mobile landscape. It’s no longer just a website and an app.

Google knew what it was doing when it made and marketed Android as an “open” system. It surely anticipated forks by handset makers as a manageable risk as long as Google kept advancing the system. But I wonder if it expected something like Facebook Home: an inside-out heist, made by a company after the same exact user data and advertisers Google is after. How it chooses to respond in the near future should give us an answer.

Kurs-Gewinn-Verhältnisse von Techunternehmen zeigen, dass es keine einheitliche Unternehmensklasse ist

Tom Gara via Daring Fireball:

Apple’s market value has fallen by the combined market value of two Nokias plus two RIMs in the hours since its results came out.

Die Entwicklung von Apples Aktienkurs ergibt nur noch wenig bis gar keinen Sinn mehr. Es wurde viel über die gestern verkündeten Quartalsergebnisse von Apple und die anschließende Entwicklung am Aktienmarkt geschrieben. (siehe hierzu etwa die heutigen Leseempfehlungen)

Interessanter als sich allein Apple anzuschauen, ist, sich einmal die aktuellen P/E-Ratios öffentlich gehandelter Technologie-Unternehmen anzuschauen und zu vergleichen.

Wikipedia definiert P/E-Ratio beziehungsweise Kurs-Gewinn-Verhältnis so:

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) (engl. Price-Earnings-Ratio (PER) oder P/E Ratio) ist eine Kennzahl zur Beurteilung von Aktien. Hierbei wird der Kurs der Aktie in Relation zu dem für den Vergleichszeitraum gegebenen bzw. erwarteten Gewinn je Aktie gesetzt.

[..]

Der Gewinn pro Aktie kann sich sowohl auf feststehende wie auf erwartete Werte beziehen. Das KGV spielt in der Aktienanalyse eine große Rolle. Dort werden immer Schätzungen für die Zukunft betrachtet.

Zum Vergleich das aktuelle durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis der S&P 500, also der nach ‘Standard & Poor’s’ 500 führenden am US-Aktienmarkt gehandelten Unternehmen:

17,00

Ein höherer Wert deutet auf eine Überbewertung, ein niedrigerer Wert auf eine Unterbewertung hin. Das ist aber natürlich keine feste Regel. Es ist lediglich ein Referenzpunkt zur besseren Einordnung.

Facebook etwa steht noch am Anfang des Lebenszyklus als Unternehmen und befindet sich zusätzlich in einem Markt, der selbst noch ganz am Anfang steht. Findet Facebook nun seine adsensuelle Cashcow bricht die P/E-Ratio dank Umsatz- und Gewinnexplosion schnell auf vertretbarere Dimensionen ein. Findet Facebook sie nicht, nun EIN EICHHÖRNCHEN.

Und hier die Kurs-Gewinn-Verhältnise von ein paar Technologieunternehmen:

Das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis von Apple:

11,64

Das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis von Google:

22,84

Das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis von Microsoft:

14,92

Das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis von Facebook:

286,48

Das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis von Netflix:

130,70

Setzen Sie sich bitte. Das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis von Amazon:

3.583,40

Alle Unternehmen würde man in den Technologie-/Websektor einordnen (Amazon wäre diskutabel, aber drücken wir mal alle Augen zu), aber sie befinden sich nicht nur auf teilweise vollkommen unterschiedlichen Märkten (Hardware, Software, Webdienste, Kommunikation, Handel), sind unterschiedlich groß und unterschiedlich alt, sie werden auch vollkommen unterschiedlich an der Börse bewertet. Man schaue sich nur die Differenz zwischen den zwei Ausreißern Apple und Amazon an. Der Unterschied könnte größer kaum sein.

Diese Ausdifferenzierung bei allen, und ich meine nicht nur bei einer Handvoll, sondern bei allen, Kennzahlen ist auch der Grund, warum die seit Jahren irrgeleitete Rede von einer neuen Internetblase keinen Sinn ergibt, solang nicht ein konkreter Sektor benannt wird. (Sagen wir, etwa Social Gaming.) Es gibt keine Internetblase a la 2000, weil es keine einfach abgrenzbare Klasse von Internetunternehmen mehr gibt. (Und weil die Internetunternehmen, welche in den letzten zwei Jahren an die Börse gegangen sind, in der Regel profitabel sind, wenn auch nur minimal.)

Nun führt die fortschreitende Vertikalisiserung und das damit verbundene Wildern in neuen Märkten bei den großen Unternehmen (Facebook, Apple, Google, Amazon) zu einer schrittweisen Annäherung, die, weil sie aus unterschiedlichen Richtungen kommen, noch sehr interessant wird.

Aber jede künftige Über- oder Unterbewertung dieser Unternehmensklasse sagt dann wiederum nur wenig über die Bewertung anderer Technologieunternehmen von Netflix über Twitter bis LinkedIn aus.

Der Technologiesektor war schon immer ein Querschnittssektor. Die Webbranche als ein Unterbereich des Technologiesektors ist ebenfalls ein Querschnittssektor. Entsprechend bringt sie viele, kaum miteinander vergleichbare Unternehmen hervor.

-

(Disclosure: Ich besitze seit längerer Zeit eine Handvoll Apple-Aktien. Dieser Artikel stellt keine Empfehlung in irgendeine Richtung dar, aber vielleicht eine implizite Frage in Richtung der Anteilseigner von Amazon.) 

Hajo Schumacher sorgt mit Apple-Bashing für Pageviews auf Spiegel Online

Hajo Schumacher auf Spiegel Online:

Warum regen wir uns über fragwürdige Beschäftigungsverhältnisse von thüringischen Friseurinnen auf, übersehen aber die Lagerarbeit bei Foxconn?

Jeder Smartphonehersteller darf Foxconn als Zulieferer zählen. Foxconn steht aufgrund seiner auch für chinesische Verhältnisse enormen Größe seit langem unter kritischer Beobachtung auch ausländischer Medien. Chinesen stehen übrigens Schlange, wenn Foxconn neue Jobs ausschreibt. Vielleicht ist Foxconn im Kontext doch nicht der Teufel, auch wenn es so schön in die Narration passen würde.

Warum bilden wir uns verbissen ein, Apple habe etwas mit kalifornischer Freiheit zu tun, obgleich das System auf Abhängigkeit und Drangsalierung angelegt ist?

Apples iPhone war auch erfolgreich, weil der Appstore etwas geschafft hat, was Nokia und Co. vorher nicht auf die Reihe bekommen haben: Es hat ein Angebot geschaffen, dass es Entwicklern sehr einfach macht, ihre Applikationen an den Smartphonebesitzer zu bringen. Wer vorher mobile Apps verbreiten wollte, musste je nach Betriebssystem die jeweiligen Gatekeeper der Mobilfunkbetreiber bestechen oder darauf hoffen, dass die Nutzer umständliche Installationsprozeduren über sich ergehen lassen.

Nein, es passt nicht in die Narration von der einengenden Apple-Diktatur, aber der Erfolg von iOS basiert auch darauf, dass mehr Freiheiten für ein potentielles Ökosystem geschaffen wurden, als vorher im Markt existierten.

(Und ja, dass die erste Iteration von iOS ohne native Apps auf den Markt kam und Steve Jobs erst vom Appstore-Konzept überzeugt werden musste, darf im Nachhinein schmunzelnd wahrgenommen werden.)

Warum regen wir uns über ein paar Cent Energiekosten auf, löhnen aber bereitwillig Mondpreise für den Elektroschrott von morgen?

Marktwirtschaft, Preissensitivität.

Und wie kann man sich über Beschiss eines x-beliebigen Strukturvertriebs für Immobilienfonds empören, wenn man einmal Apples Stecker-Tricksereien kapiert hat?

Was meint er? Dass Apple 2012 seine Stecker für iPods und die iOS-Produktlinie zum ersten Mal seit 2003(!) erneuert hat, weil die veralteten Stecker verhindert haben, das iPhone schmaler zu machen?

Hajo Schumacher bezeichnet seine Kritiker präventiv als Apple-Jünger und vergleicht sie präventiv mit Mullahs. Wer seine Leser so emotional beschimpft, sollte sich nicht über die Reaktion wundern. Die Reaktion wird dann wieder als Beweis dafür herhalten, wie emotional Apple-Nutzer doch sind, wenn die SPON-Redaktion in naher Zukunft wieder Herrn Schuhmacher losschickt, um möglichst viele Pageviews aus Applebashing herauszupressen.

Es sind Artikel wie jener auf SPON, die niemanden klüger machen. Sie sind leider allzu üblich hierzulande.

Apple selbst, das nicht nur das an der Börse wertvollste Unternehmen der Welt ist, hat eine kritische Begleitung verdient. Nicht zuletzt weil Apples Produktion laut Analyst Horace Dediu sich mittlerweile in den Dimensionen eines Flugzeuträgers pro Quartal bewegt. Gemeinsam mit Samsung, das noch weniger Beachtung erhält, ist Apple gerade dabei, die Grundlage für die Zukunft unserer Zivilisation zu legen.

Die deutsche Presse versagt (auch) bei diesem Thema weitestgehend.

Wer tatsächlich an Apple und dessen wirtschaftlicher Entwicklung interessiert ist, muss wie immer in’s Englische wechseln. Die beste Anlaufstelle ist seit längerem Horace Dediu auf asymco.

Apple und Google: Not so big in China

Google ist Nummer 4 bei den Suchen in China und auf Platz 6 bei den Karten: Google decline in China continues as its search share falls to 4th place, maps to 6th – The Next Web.

Apple ist in China von Platz 5 auf Platz 6 bei den Smartphoneherstellern gesunken: Apple out of China’s top five smartphone list in Q3.

Apple zahlt in Europa weniger als 2% Steuern

Ulrich Voß:

Wie Google und Microsoft nutzt Apple ein (legales) Steuerschlupfloch. Dazu reicht es, a) die Europazentrale in Irland zu haben und
b) eine Holdingartige Konstruktion in den Niederlanden plus
c) Niederlassung in einem Steuerparadies auf den Bahamas, den Bermudas oder den Niederländischen Antillen zu haben.

Dann kann man die Gewinne aus Europa nahezu steuerfrei abziehen, vor allem, weil die irische Zentrale die Produkte in Europa nur dank eines Lizenzvertrags mit der Mutter aus den USA verkaufen kann. Die Lizenzgebühr ist dann ziemlich exakt so hoch wie der Gewinn und daher entsteht kaum Gewinn in Europa.

So macht man sich keine Freunde. Das gilt für Apple ebenso wie für Microsoft und Google.

Siehe auch den Guardian zum Thema:

Prime minister David Cameron has said he is “not happy with the current situation” of Apple, Google, Facebook, eBay and Starbucks avoiding nearly £900m of tax.

Print-Verbände: “Apples Preis-Überfall schadet Kunden und Anbietern”

Auf BDZV und VDZ ist Verlass. Mobilszene:

Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) und der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) kritisieren in einer gemeinsamen Erklärung, die den Titel “Apples Preis-Überfall schadet Kunden und Anbietern” trägt, den Konzern für die Anhebung der Preise im App Store: ”Die nicht angekündigten deutlichen Preiserhöhungen von Apple für die Angebote im App-Store und iTunes-Store wirken sich als inakzeptabler Eingriff in die Preishoheit der Verlage aus, der ihrem wachsenden Mobile-Geschäft schadet und sich über die Kunden-Interessen hinwegsetzt.”

Ich hatte gestern bereits über die Preisanhebung von Apps und die Reaktion des Spiegels geschrieben.

In einem Kommentar bin ich noch einmal als Reaktion auf einen anderen Kommentar auf die Preishoheit der Presseverlage eingegangen:

“Ein Autohaendler, der von sich aus im Namen des Herstellers zwischen 10 und 20% auf den Listenpreis aufschlaegt (die er dann auch an den Hersteller weitergibt)? Undenkbar.”

Undenkbar ist lediglich, dass der Umsatzzuwachs weitergegeben wird. Ansonsten bestimmen die Autohändler selbst, wie viel sie verlangen. Genau so Supermärkte bei ihrem Sortiment etc.
Nur unter anderem Buchverlage und Presseverlage legen die Preise für ihre Produkte endgültig fest. Alle anderen Hersteller haben “unverbindliche Preisempfehlungen”, die eben unverbindlich sind.

Ob man das gut findet oder nicht ist zweitrangig und ändert nichts an der Tatsache, dass die Preishoheit der Presseverlage als Hersteller über den Handel innerhalb der Wirtschaft eher eine Anomalie denn die Regel ist.

Bedenkenswert ist bei diesem Vorgang und den Reaktionen der Verbände auch, was “scholt” auf App.net schreibt:

was die Verlage wohl gesagt hätten wenn Apple die Preise reduziert hätte

Arroganz, Hysterie und Hilflosigkeit

“But we buy ink by the barrel!”

Die Hysterie im Redaktionsblog von Spiegel, die den Autor “Spiegel-Red.” im Artikel Die Arroganz der Monopolisten vor allem auszeichnet, ist fast schon wieder amüsant:

Im App-Store wird auch der SPIEGEL-Preis erhöht – weil Apple das so entschieden hat. Wir halten das für einen skandalösen Vorgang von grundsätzlicher Bedeutung.

Max Winde findet auf Pinboard und in den Kommentaren unter dem Artikel die richtigen Worte:

Anstatt sachlich darüber zu berichten, welche Probleme durch die Änderung der Preisstufen für den Spiegel-Verlag entstehen und ein wenig über die Hintergründe im Digitalvertrieb von Nachrichten zu schreiben wird hier gleich im allerersten Satz die “Skandal” Keule rausgeholt und im Titel von Arroganz und Monopolisten geschwafelt. Kein Wort zu den Hintergründen, kein Wort dazu was eigentlich passiert ist, stattdessen falsche Marktplatz Metaphern und viel Hyperventilation. Ihr schafft es nicht mal zu sagen, was eigentlich passiert ist.

Und das, weil es Apple gewagt hat die Preisstufen in seinem Onlinestore nach über vier Jahren dem aktuellen Wechselkurs zwischen Euro und Dollar anzupassen.

Das ist genau die Kritik, die (nicht nur) dem Spiegel in Bezug auf Berichterstattung über die Netzriesen gemacht wird: keinerlei Distanz, keinerlei Objektivität, kein Wille zur Aufklärung sondern nur eine Skandalisierung auf Teufel komm raus um sich eventuell einen politischen Vorteil zu verschaffen.

Natürlich hätte Apple im Vorfeld über die Europreisänderung für iOS-Apps informieren müssen. Aber, dass es auf iOS feste Preisstufen für Apps gibt, die der Plattformprovider vorgibt, weiß jeder, der auf der Plattform als Anbieter teilnimmt. Niemand konnte ernsthaft glauben, dass diese Preisstufen frei von Währungsentwicklungen für immer nominal in Stein gemeißelt sein konnten.

Es ist eine Mischung aus Arroganz und Hilflosigkeit, die sich im Spiegelblogartikel zeigt, wenn es dort heißt:

Medienhäuser produzieren nun mal keine Schrauben oder Angry-Birds-Fortsetzungen. Sie liefern Informationen, Zusammenhänge, Nachrichten. Sie sind ein relevanter Baustein jeder funktionierenden Demokratie. Ihr Grundkapital ist ihre Glaubwürdigkeit, die sich wiederum aus Unabhängigkeit speist. Auch der ökonomischen. Auch der ökonomischen, den eigenen Preis in der gewünschten Höhe festzulegen – und nicht in von Apple vorgegebenen Schritten.

Übersetzung: Wir Presseverlage sind so wichtig, so viel wichtiger als alle anderen, verdammt nochmal, dass wir gefälligst eine Sonderbehandlung verdient haben.

Der Verlust von Macht in diesem Fall ist etwas vollkommen neues für Presseverlage. Aber: Die Plattformbedingungen waren vorher bekannt. Und: iOS ist bei weitem nicht die einzige Plattform, auf der der Spiegel seine digitalen Produkte verkaufen kann.

Aber es geht eben nicht aus der Sicht der Spiegel-Redaktion, dass man nur ein Unternehmen von vielen ist, dass man keine Freiheiten qua seiner staatstragenden Rolle erhält. Für die Unternehmen, die hierzulande zum Beispiel besondere, den Datenschutz stark abschwächende, Gesetze für sich verbuchen können, ist die Unterordnung etwas vollkommen neues.

Sie sollten sich daran gewöhnen; oder mit diesen Plattformen so umgehen, dass sie ihre ökonomische Unabhängigkeit wahren können.

Der Spiegel könnte zum Beispiel DRM-freie Versionen seiner Onlineausgabe auf der eigenen Site verkaufen, die dann in den gängigen iOS-Apps gelesen werden könnten. Oder er könnte die Inhalte gleich auf der Website zur Verfügung stellen. All das würde den Griff von Apple umgehen.

Aber das wollen sie nicht. Sie wollen ihre Ausgaben auf iOS verkaufen. Und zwar nicht zu den Bedingungen des iOS-Providers Apple sondern zu den eigenen.

Update: Felix Schwenzel:

das stimmt nicht ganz, der spiegel verkauft DRM-freie versionen der aktuellen ausgabe auf der eigenen site. die HTML5-ausgabe ist zwar per javascript verschleiert und kastriert (kein reguläre copy&paste, an den quelltext kommt man nur mit verrenkungen) — aber sie ist DRM-frei und ohne hilfestellung durch apple zu kaufen. dass man das weiter verbessern könnte, beispielsweise indem man epub-versionen zum download anbietet oder die HTML5-version des spiegels nicht unter ios sperren würde ist auch klar.

/Update

Ich hatte über das gespaltene Verhältnis der deutschen Presseverlage zu den konkreten Plattformarchitekturen bereits im Februar 2011 geschrieben. Damals schrieb ich:

Fassen wir zusammen: Erst feiern die Manager von Presseverlagen die Tatsache, dass Apple erfolgreich ein geschlossenes System aufbaut, in dem Apple die letztliche Kontrolle über alles hält und so zum Beispiel innerhalb des Systems keine ‘Piraterie’ möglich wird. (In Wirklichkeit wird sie nur stark erschwert.)

Endlich, frohlockten sie, macht jemand den Geburtsfehler des Internets rückgängig.

Jetzt beschweren sich die gleichen Vertreter von Presseverlagen darüber, dass Apple die Kontrolle über sein System hält. Und nutzt. Und zwar nicht nur ‘gegen’ Nutzer, sondern auch ‘gegen’ App-Anbieter.

Felix Schwenzel über den Spiegelblogartikel:

da regt sich die spiegel-redaktion (autorenkürzel SPIEGEL-Red.) so atemlos auf, dass das seitenlange klagelied gerade mal zwei absätze umfasst. prima stilmittel, dass illustriert an was es dem spiegel, bzw. seiner redaktion besonders mangelt: besonnenheit und liebe zum sauberen argumentieren. wer sich so staatstragend wie der spiegel gibt, sollte sich darüber im klaren sein, dass er sich mit solchen texten mindestens so lächerlich macht, wie ein sich auf den boden werfendes, schreiendes und strampelndes kind.

mein lieblingssatz aus dem artikel:

“Dabei weiß jeder heute: Was Google nicht auf den vorderen Rängen findet, existiert nicht.”

das schlimmste an solchen sätzen ist, dass die das wirklich glauben.

Übrigens: Die 30 Prozent, die Apple einsammelt, decken nach allgemeinen Schätzungen maximal die Kosten für die Datencenter und den Reviewprozess ab. Gewinne macht Apple damit nicht. iTunes ist ein Break-Even-Geschäft, das die Hardwareverkäufe komplementiert. Apple ist bei den App-Preisen singulär betrachtet also nicht auf Profitmaximierung aus. Im Gegenteil: Die Anreize von Apple sind eher mit niedrigen Preisen vereinbar, weil das die Attraktivität der Geräte für die Endnutzer steigt, also da, wo die eigentlichen Gewinne für Apple liegen. (Siehe für eine Analyse der Auszahlungen und der iOS-Ökonomie allgemein auch diesen Artikel auf Asymco.)

Apple und Google geben mehr für Patentklagen und -Aufkäufe aus als für Forschung und Entwicklung

In der New York Times ist ein langer Artikel über die Patentkriege im Technologiesektor erschienen. Letztes Jahr gaben Apple und Google mehr für Patentklagen und Patentaufkäufe als für Forschung und Entwicklung aus:

In the smartphone industry alone, according to a Stanford University analysis, as much as $20 billion was spent on patent litigation and patent purchases in the last two years — an amount equal to eight Mars rover missions. Last year, for the first time, spending by Apple and Google on patent lawsuits and unusually big-dollar patent purchases exceeded spending on research and development of new products, according to public filings.

Die Höhe der Ausgaben für Forschung und Entwicklung sagt erst einmal nicht so viel über die Qualität selbiger aus (mehr hilft nicht zwingend mehr), aber dass die Ausgaben für Patentklagen, eine Konsequenz eines Schutzmechanismus für Innovationen, und für Patentaufkäufe höher ausfallen als für F&E selbst, ist ein deutliches Zeichen, dass hier etwas gehörig falsch läuft.

(Und zwar nicht bei den Unternehmen, sondern auf der Ebene der Rahmenbedingungen, weil die Unternehmen sich schlicht so verhalten, wie die Anreize im System gesetzt werden.)

Apple in Zahlen

CNET: Apple by the numbers: 84M iPads, 400M iOS devices, 350M iPods sold

The Verge: Apple by the numbers: 7M copies of Mountain Lion sold, 27 percent US laptop marketshare, 700K iOS apps

Beeindruckend.