Archive for the 'Contentindustrie' Category

Zitat der Woche

Ich stelle meine Bücher nicht zum Download ins Netz, aber ich schreite auch nicht ein, wenn sie dort auftauchen. Piraterie ist eine Steuer auf Ruhm. Wenn es keine Raubkopien von deinen Werken gibt, bist du nicht berühmt.

William Gibson in der aktuellen de:bug

/Ist natürlich so ausgedrückt nur die halbe Wahrheit bzw. nur für heute und morgen schon nicht mehr so richtig. Denn tatsächlich geht die Entwicklung im Markt und in der Kultur grundsätzlich weg von der ökonomischen Relevanz physischer Kopien von Kulturgütern. Was letztenendes irgendwann auch die Unterscheidung in ‘legitime’ Kopien und ‘Raub’kopien und die Klassifizierung von nicht legitimierten P2P-Tausch als ‘Piraterie’ obsolet machen wird.

Komplette SouthPark-Episoden online schauen

Das ist doch mal was. Nach einigen deutschen Comedy-Serien gibt es jetzt auch komplette SouthPark-Episoden online. Von den Machern von South Park höchstselbst. Die komplette Serie, alle Staffeln, legal.

Selbst die erst vor ein paar Tagen am 19.3. in den USA ausgestrahlte Folge ist bereits auf der Seite verfügbar. Und das alles ohne IP-Filter und folglich global zugänglich. (Logischerweise natürlich alles in englisch.)

Update: Es scheint, dass man im UK, Neuseeland und in Canada nicht auf die Seite zugreifen kann. Wahrscheinlich werden alle englischsprachigen Länder außerhalb der USA geblockt. /Update

So, und nur so, kann die Contentindustrie BitTorrent schlagen.

sp

 

Selbst die berühmtberüchtigte Scientology-Episode mit what Scientologists actually believe und Tom Cruise who won’t come out of the closet kann man sich komplett ansehen. Grandios.

Im Gegensatz zu den ca. 3000 Videoclips -einzelne, ausgewählte Szenen- sind die kompletten Episoden nicht embeddable.

South Park Studios

(via NewTeeVee)

Kulturflatrate wird nicht funktionieren

Man kann fast seine Uhr danach stellen. In regelmäßigen Abständen wird an den üblichen Stellen die Idee der Kulturflatrate evaluiert oder gleich agitiert.

Als Kulturflatrate wird kurz gefasst die Idee bezeichnet, einen Abschlag auf den Internetzugang zu zahlen, mit dem P2P-Filesharing von urheberrechtlich geschützten Material (zunächst erstmal Musik) legalisiert und finanziert wird. Das eingesammelte Geld würde dann an die Urheber Rechteverwerter ausgezahlt. Wikipedia :

Die Kulturflatrate ist das Konzept einer gesetzlich-geregelten Pauschalabgabe auf Internet-Anschlüsse, die Urheberrechtsvergütungen für digitale Kopien pauschal abgelten soll.

Aktuell fing die Diskussion am Wochenende wieder Feuer aufgrund eines Vorstoßes auf der SXSW-Konferenz :

Das ist zwar im Kern eine Kapitulationserklärung, aber im Gegensatz zu Europa scheinen die Verbände der Musikindustrie in den USA langsam einzusehen, dass sie mit der Keule der Strafverfolgung gescheitert sind. Das Modell, das der Technologie-Berater Jim Griffin, der für drei der vier großen Plattenfirmen arbeitet, zusammen mit Peter Jenner, Chef des International Music Manager’s Forum und früher selbst Manager von Pink Floyd und The Clash, vorstellen will, ist einfach: 5 Dollar im Monat als Aufschlag auf jeden Breitband-Zugang, und das war’s. Das Modell wurde angeblich bereits auf der MIDEM in kleinstem Kreis (nur 50 geladene Gäste) diskutiert und nicht rundweg abgelehnt.

siehe auch Ars Technica (via nerdcore )

 

Eine “Kulturflatrate” wird sich nicht durchsetzen, weil sie praktisch nicht umsetzbar ist:

  • Man müsste das gesamte(!) Internet überwachen(!)
  • Und dann? Bekommt mein Lieblingskünstler mehr vom Kuchen, wenn ich einen Server aufsetze, der permanent dessen Alben runterlädt?

usw.

Weitere Fragen/Problemfelder zu dieser Thematik finden sich auch auf nicorola.de .

Theoretisch haben wir eine Art Kulturflatrate ja in Teilen (Teil: Bezahlen) schon, die wir mit Abgaben auf digitale Speichermedien und -abspielgeräte entrichten. Nur das diese das P2P-Verhalten nicht komplett legal macht, nur dafür kassiert. Schöne Sache.

Eine Kulturflatrate bräuchte eine Institution, die das Ganze regelt. Und diese würde von einer Musikindustrie geleitet, die in ihrer aktuellen Konstellation mehrfach bewiesen hat, dass ihr Kollateralschäden beim Durchsetzen ihrer Interessen herrlich egal sind.

Eine Industrie, die sich nachweislich keinen Millimeter von ihrem eigenen (absurd anachronistischen) Bild der Welt seit 10 Jahren wegbewegen wollte, müsste eine 180°-Wende hierfür vollführen. Das würde nur stattfinden, wenn die Majors die Entwicklung fest, felsenfest, in ihren Händen hätten.

Man schaue sich nun einmal an, wie die GEMA hinter den Kulissen funktioniert und dann sage mir, dass eine Kulturflatrate mit gerechter Verteilung zu erwarten wäre (Einen Anfang einer Ahnung, wie sehr es im Argen mit der GEMA ist, kann man auf Wikipedia erlesen).

Folge des Ganzen: Ein gesetzlich abgesichertes Verwertungsmonopol, das von der Musikindustrie geformt und geleitet wird. Denn alles was kein allumfassendes Monopol ist, also etwa wie auch immer geartete Abomodelle, benötigt DRM und sind damit Totgeburten. Ein solches kontrolliertes Monopol ist also die Lösung? Also ich weiß nicht.

Letzen Endes ist das Konzept ‘Bezahlen für Musikaufnahmen’ sowieso so gut wie tot, ob man das nun mag oder nicht. Eine Zwangsabgabe an eine sich seit einem Jahrzehnt widerwärtig gegenüber den eigenen Kunden gebärende Industrie mit völlig ineffizenten Strukturen -genau das wäre eine ‘Kulturflatrate’ letztlich leider zuvorderst- wird daran auch nichts ändern. Es wäre eine Krücke, von deren Nutzung sich ihre Befürworter Olympiamedaillen erhoffen.

Abgesehen davon sind die praktikablen Probleme dieser Idee zusätzlich faktisch nicht zu überwinden.

Musiker sollten sich besser daran gewöhnen, ihren Lebensunterhalt nicht mehr mit Musikaufnahmen zu verdienen sondern mit dem, das sich durch diese ergibt.

Aber das wissen die meisten, wenn auch unbewusst, eh schon.

Und wenn du denkst, dümmer gehts nicht mehr, dann kommt die Musikindustrie daher

Sony BMG -the producers of the famous sony rootkit- are striking again:

Sony BMG wollen DRM-freie Musik anbieten. Toll, oder? Nicht so schnell, ungestümer Kunde. Denn Sony, wie immer an den Kunden denkend, wird die Musik nicht einfach online zum simplen Erwerben anbieten sondern, dafür den Kauf von Plastikkarten voraussetzen, nicht dass es dem gemeinen Musikfan noch langweilig wird:

Sony BMG Music Entertainment on Jan. 15 becomes the last major record company to sell downloads without copy restrictions — but only to buyers who first visit a retail store. The No. 2 record company after Universal Music will sell plastic cards, called Platinum MusicPass, for individual albums for a suggested price of $12.99. Buyers enter a code from the card at new Sony BMG (SNE) site MusicPass.com to download that card’s album.

Da ich allein schon Kopfschmerzen bekomme, wenn ich das lese, lasse ich mal andere sprechen:

nicorola.de:

Ich kann das ehrlich gesagt nicht glauben, denn so blöd kann man gar nicht sein. Sieht für mich eher wie ein Feldversuch aus, die sowieso schon sterbende CD auf lange Zeit zu ersetzen. Wenn nicht: Herr im Himmel!

Medienkonvergenz:

Man würde es eigentlich kaum für möglich halten, aber Sony BMG scheint tatsächlich heute wieder mal einen neuen Rekord für gehirntote Geschäftskonzepte in der Musikbranche aufgestellt zu haben.

Nerdcore:

Wer kackt den Produktmanagern bei Sony eigentlich immer wieder frischen Dünnpfiff ins Hirn, kann mir das mal jemand sagen?

 

Lustig in dem Zusammenhang auch, dass Napster plant, MP3s ab dem zweiten Quartal dieses Jahres auch DRM-frei zu vertreiben (via nicorola.de). Und dort sind dann auch die MP3s von Sony BMG dabei. Erwerbbar, ohne dass man ein Bündel Plastikschrott vorher kaufen muss.

Und wer jetzt kurz aufstöhnt und die eigenen Schläfen reibend fragt, warum die Musikindustrie ein Jahrzehnt voller zynischer Klagen und Hetzkampagnen gegen die eigenen Kunden gebraucht hat, um genau, also ich meine haargenau da anzukommen, wo man ganz am Anfang stand -Napster, DRM-frei, einfach von einer P2P-Börse zu einem Musikdownloadshop switchen um die Kunden da abzuholen wo sie sind, anyone? Zu kompliziert?-, der bekommt einen Keks. Und einen Scotch. Because you’re not alone:

I would have liked to have been in the meeting when someone suggested a strategy that could easily have been implemented (at least technically) almost a decade ago, when the original Napster was just getting off the ground. Instead, we’ve had years of expensive lawsuits and watched the music industry stumble from disaster to disaster.

 

Und an die Zombies, die die Recordingindustrie führen, der Hinweis, diesen Artikel von Seth Godin bitte auswendig zu lernen. Ein mustread. Und zwar auch für jeden anderen.

Alles was man über hulu wissen muss

releasegeo.hulu.com als Türsteher:

hulu-germany

Es dürften noch einige Monate Jahre Dekaden (?) ins Land gehen, bis die großen Medienkonzerne verstanden haben, was die ersten beiden Ws in www auch für sie und ihr Geschäftsmodell bedeuten.

(und wer doch mehr Informationen will: hulu ist eine gemeinsame neue Plattform der zwei großen US-Networks (landesweite TV-Sender) NBC und Fox (bzw. dessen Mutterkonzern News. Corp.). Auf Hulu soll ab einen Tag nach der TV-Ausstrahlung Episoden von US-Serien youtubeähnlich angeschaut werden können. Content kommt von NBC und Fox und laut TC von “over fifteen cable channels including Bravo, E!, FX, SciFi, Sundance, and USA. Movies will come from Fox and Universal, and following a deal signed just this Friday, from Sony and MGM as well.”
Und es ist als Youtube-Killer angedacht. ähem. Aber nur innerhalb der USA, gelle?
siehe auch für Infos aus us-zentrischer Sichtweise Techmeme)

[P.S.: Funfact, eben in den Techcrunch-Kommentaren gesehen: “I don’t think it will be IP blocked, but I didn’t ask them specifically”. Ah, US-Techblogger, you just gotta love ‘em. Man muss schon eine Menge Foxnews gesehen haben, um zu glauben, dass eine auf die USA beschränkte Seite sich gegen youtube, Dailymotion, stage6 und BitTorrent im Web durchsetzt. Ach was sag ich, überhaupt wahr genommen wird.

Schlusswort geht an Marshall Kirkpatrick: “When I say general public, I mean in the United States - it appears that people outside the US cannot view the videos. This is the future? If you live in the US you can watch old episodes of TV on the internet?”]

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