Urheberrechtsfrei dank Crowdfunding

Auf der Netzkultur-Konferenz der Berliner Festspiele habe ich einen Vortrag zum Thema „Meins ist deins: Neue Nutzungsrechte in der digitalen Kulturproduktion“ gehalten.

Mein Hauptaugenmerk im Vortrag lag auf dem zunehmenden Einsatz von Crowdfunding als Vorfinanzierung der Produktion von möglichst urheberrechtsfreien bis gemeinfreien* Werken.

Den Vortrag kann man auf SoundCloud nachhören:

Mehr Vorträge von der Konferenz zum Nachhören findet man hier.

-

*Gemeinfrei im Sinne von US-amerikanischen Werken, die nach dortigem Recht von den Urhebern sofort in die Public Domain überlassen werden. Nach deutschem Recht kann kein Urheber sein Werk in die Gemeinfreiheit übergehen lassen, weil manche Rechte hierzulande unveräußerlich und nicht übertragbar sind. Das heißt, die gesetzliche Urheberrechtsfrist von (gefühlten) 2.000 bis 3.000 Jahren muss zwingend erst verstreichen.

2013 haben auf Kickstarter 3 Millionen Menschen 480 Millionen $ für Crowdfunding ausgegeben

Kickstarter hat für 2013 seine, wieder beeindruckenden, Zahlen veröffentlicht:

Kickstarter said 2013 saw three million people pledging $480 million to projects being pitched on its website. It further slices down its 2013 grand total to $1,315,520 pledged per day or $913 per minute (although, of course, that’s fictionalised velocity so don’t go imagining 913 dollars being steadily hovered up by the site every minute of the year; reality is far more spiky).

Kickstarter-Nutzer haben 2012 320 Millionen US-Dollar und 2011 100 Millionen für die Unterstützung von Projekten ausgegeben.

Siehe auch:

Sundance Festival: Das 3. Jahr in Folge sind über 10% der Filme mit Crowdfunding finanziert

Über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter finanzierte Filme finden Anklang auf dem einflussreichen Filmfestival Sundance:

It’s our honor to report that for the third straight year, Kickstarter-funded features, docs and shorts will make up over 10% of the festival slate. These 20 (and counting!) will join the over 50 Kickstarter-funded Sundance selections before ‘em.

Mit der Zunahme an Erfahrungswerten beim Crowdfunding werden auch die Ergebnisse, die so finanzierten Filme und andere Werke, besser werden, weil das Modell noch sehr viel mehr Potenzial bereit hält als bisher realisiert wird.

Beeindruckend ist allerdings, wie schnell Crowdfunding in den Kulturbranchen, vor allem Film und Musik, Einzug gehalten hat. Nach wenigen Jahren ist bereits jeder zehnte Film auf dem Sundance Festival mit Crowdfunding finanziert.

Wie lang noch bis es jeder zweite ist?

Seemann und Co.: Crowdfunding als Finanzierung urheberrechtsfreier Kultur

Michael Seemann auf ‘Was mit Büchern’ über sein Crowdfunding für sein Buch:

Ich wurde von allerlei Menschen (einer so genannten »Crowd«) beauftragt, ein Buch zu schreiben. Die Beauftragung kam allerdings zu Stande, weil ich auf der Crowdfundingplattform Startnext freundlich danach fragte, jedoch wurde meine Frage mit einem euphorischen »Ja!« beantwortet. Ich habe die angepeilte Summe von 8.000 Euro innerhalb von 28 Stunden zusammengesammelt und steuere gerade auf 14.000 zu. Ich will bis Ende Januar mindestens noch 15.000 Euro schaffen, um mit dem zusätzlichen Geld ein Audiobook zu produzieren. Ab Angfang Februar werde ich also Autor sein und mein erstes eigenes Buch schreiben.

Seemanns Buch wird in seiner digitalen Form so frei von urheberrechtlichen Exklusivrechten sein wie für einen deutschen Autor möglich. (Im Gegensatz zu ihren nordamerikanischen Kollegen können deutsche Urheber ihre Werke nicht in die Gemeinfreiheit entlassen.)

Interessant für die aktuelle Zeit des Umbruchs, in der Offlinekanäle und Online noch parallel existieren, ist das Lizenzmodell, das zwischen den Sphären unterscheidet:

Ich habe mir extra eine Lizenz ausgedacht, die es mir erlaubt, die Nutzung meiner Inhalte in der digitalen Sphäre so frei wie möglich zu gestalten und mir gleichzeitig alle Rechte für die analoge Form vorzubehalten: die WTFPDL (wtfpdl.net). Sie erlaubt es mir, die analoge Form – also die Printversion des Buches – exklusiv zu verkaufen und gleichzeitig das Momentum einer freien eBookversion auszunutzen.

Crowdfunding ist eines der vielversprechendsten Finanzierungsmodelle für Kunst und Kultur im digitalen Zeitalter, weil es, wie wir hier bereits mehrfach erörtert haben, dort ansetzt, wo die Kosten entstehen: Bei der Produktion der Kulturgüter. Immaterielle Güter, die in digitaler Form keine Distributionskosten besitzen, sind nicht knapp in der Verbreitung sondern ‘nur’ noch in der Produktion. Deshalb ist meine Prognose seit einigen Jahren, dass immer mehr urheberrechtsfreie Kulturprojekte über Crowdfunding finanziert werden. Eine Entwicklung, die man bereits seit geraumer Zeit an unterschiedlichsten Beispielen wie etwa den copyrightfreien Aufnahmen von Bachs Goldberg Variationen beobachten kann.

Das Projekt von Michael Seemann kann auf Startnext noch die nächsten 23 Tage unterstützt werden.

Kickstarter: 850 Millionen $ von 5 Millionen Nutzern für 50.000 Projekte

Das Jahr der 5 für Kickstarter: Mehr als 5 Millionen Menschen haben mehr als 50.000 Projekte über Kickstarter finanziert.Die populäre Crowdfunding-Plattform Kickstarter hat auf dem hauseigenen Blog noch weitere neue Zahlen veröffentlicht:

Total Money Pledged: $848,707,743.37

Total Pledges: 11,379,607

Successfully Funded Projects: 50,755

Funding Success Rate: 43.84%

Kickstarter wird die erste Milliarde US-Dollar, die über die Plattform in Projekte geflossen ist, Anfang nächsten Jahres erreichen; noch bevor die Plattform fünf Jahre alt wird.

Auch interessant: Am häufigsten werden 25$ ausgegeben. Die Mehrheit der Projekte sammelt weniger als 10.000$ ein.

Warum das Crowdfunding von Ubuntu Edge scheiterte

Canonical hat mit über 12,8 Millionen eingesammelten US-Dollar zwar einen neuen Crowdfunding-Rekord1 aufgestellt, aber das extrem hochgesetzte Ziel nicht erreicht. The Guardian:

The Ubuntu Edge crowdfunding project has missed its $32m target by nearly $20m, winning $12.6m of pledges and a total of 17,215 phones out of the 40,000 it needed to be funded. All the money will now be returned; IndieGoGo is forsaking the usual cut that it demands from failed projects.

Woran lag's? Als ich die Crowdfundingaktion von Canonical sah, war ich sofort skeptisch, hoffte aber mich zu irren. Ein so hohes Ziel heutzutage über Crowdfunding zu erreichen, ist noch schwierig aber nicht unmöglich. Aber was mich sehr skeptisch machte, waren die gewählten Tiers. Canonical setzte für sein Crowdfunding stark auf Unternehmen, die jetzt quasi Smartphones vorbestellen und sie voraussichtlich im Mai 2014 erhalten hätten. Also wahrscheinlich ein Jahr nach der Überweisung des Geldes, da sich solche Produktionen von unerfahrenen Hardwareherstellern fast immer verzögern. Wie viele Unternehmen machen so etwas? Wie viele CTOs können so etwas intern vorschlagen, ohne ausgelacht oder gekündigt zu werden? Vor allem, wenn es um ein noch nicht auf dem Markt getestetes mobiles OS geht?

Tatsächlich hat nur Bloomberg bei dem großen Paket zugeschlagen. The Guardian:

In the end, though, only Bloomberg came forward as a company prepared to put substantial money into the project, pledging for one of “Enterprise” slots which would have cost $80,000 and given it 115 phones. Three other unnamed organisations pitched in for “Enterprise Starter” slots costing $7,000 and offering 10 phones.
But the majority of funding came from individuals pledging to buy a phone at between $600 (the first-day price, where 5,044 were snapped up) and $830, with a number of prices in between. In the later stages, the per-handset price was set at $695 – thanks, Shuttleworth said, to promises from manufacturers if the scheme went ahead.

Das ist alles sehr bedauerlich, weil die erreichte Summe trotzdem eine Sensation ist und zeigt, dass Canonical mit dem Ubuntu Edge bei vielen einen Nerv getroffen hat. Man schau allein, wie hoch die zu zahlenden Summen für Privatpersonen war.

Hätte Canonical ein bisschen kleinere Brötchen gebacken, hätten sie einen sensationellen Erfolg verbuchen können. Eine geringere Abhängigkeit von Unternehmen und Abstriche bei der Hardware, die den Einstiegspreis für Privatpersonen erschwinglicher gemacht hätten und eine niedrigere Endsumme: Das alles hätte einen Erfolg sicher gemacht, wie die heutigen, wie gesagt sensationellen, Zahlen zeigen.

Mit dem Scheitern des Crowdfundings ist Ubuntu Mobile allerdings nicht am Ende. Nur das Edge, das Superphone wie es Canonical-CEO Mark Shuttleworth nannte, scheint wohl nicht das Licht der Welt zu erblicken.

Siehe zu Ubuntu Mobile auch:
Ubuntu wird der spannendste Neuzugang auf dem Tabletmarkt
Canonical kündigt Ubuntu für Smartphones an, erste Geräte 2014


  1. Die Smartwatch Pebble hat die bisher höchste Crowdfunding-Summe eingesammelt. Im Gegensatz zu Ubuntu Edge war Pebble allerdings auch erfolgreich im Erreichen des Ziels und somit dem Erhalten der Summe. 

Dieter Hildebrandt sammelt über 150.000€ mit Crowdfunding für Web-TV-Projekt ein

Richard Gutjahr:

Dieter Hildebrandt hat sich auf ein ungewöhnliches Experiment eingelassen: Mit 85 Jahren präsentiert er ein Web-TV-Format, finanziert durch Crowdfunding. 150.000 Euro kamen zusammen. Dieses Osterwochenende feierte stoersender.tv seine Premiere.

Konkret waren es 153.114€ von 3311 Geldgebern.

Auch in Deutschland sehen wir langsam immer mehr Crowdfunding-Erfolge.

Mit Kickstarter finanzierter Dokumentarfilm gewinnt Oscar

Om Malik auf GigaOm:

Inocente, the story of a 15-year-old San Diego homeless girl wanting to become an artist, won the Oscar Sunday for best short documentary. It was also the first Kickstarter-funded film to win an Academy Award. It was one of the three Kickstarter-funded films nominated for an award; the other two being Kings Point and Buzkashi Boys. So far six Kickstarter-funded films have been nominated for Oscars.

Kickstarter-Projekte wachsen nicht nur in der Anzahl und der Höhe der Finanzierungen, sondern auch in der Qualität und ihrer Anerkennung.

Das ist natürlich alles wenig überraschend, aber aufgrund der (naiven) Kritik an Crowdfunding, es könne in Film und Musik nur maximal mittelmäßige Hobbyprojekte fördern, ist das ein weiteres Beweismittel für das Gegenteil.

Kickstarter entwickelt sich langsam aber sicher zu einer nicht mehr wegzudenkenden Macht in der US-Filmindustrie:

According to Kickstarter, the total amount of dollars pledged to Film and Video projects is, as of today, $104.9 million. And in 2012, Kickstarter saw $57.96 million dollars pledged and 3,891 successfully funded projects in 2012.

SCHULBUCH-O-MAT: Freies Lehrbuch soll über Crowdfunding finanziert werden

Auf der deutschen Crowdfunding-Plattform startnext.de soll ein unter Creative Commons stehendes Lehrbuch finanziert werden:

Wir wollen das erste offene und freie elektronische Schulbuch Deutschlands publizieren – ohne Verlage, ohne Urheberrecht, alles frei zu verwenden und zu kopieren (unter der Creative Commons-Lizenz CC BY). Als Pilotprojekt ist ein Biologiebuch für die Klassenstufe 7/8 geplant, das im Schuljahr 2013/2014 vorliegen soll. Die meisten Inhalte werden bundesweit im Biologieunterricht der Sekundarstufe I verwendet werden können.

Ich hatte bereits mehrfach darüber geschrieben, dass Crowdfunding eine optimale Finanzierungsart für urheberrechtsfreie Werke darstellt, weil es dort ansetzt, wo die Kosten entstehen.

Schön zu sehen, dass nun endlich die ersten Projekte dieser Art auch in Deutschland angeschoben werden.

Es sollte natürlich auch zu denken geben, dass nicht der Staat, sondern Privatpersonen freie Lehrinhalte finanzieren wollen und hier die Initiative ergreifen.

Hier ein weiterer Auszug aus der Projektbeschreibung:

1) Alle Inhalte sind unkompliziert verwendbar, können von LehrerInnen, Eltern und Verlagen bearbeitet und in beliebiger Form veröffentlicht werden. Dies erleichtert die pädagogische Arbeit, da es keine juristischen Fallstricke gibt (Urheberrecht).

2) Ein freies Schul-E-Book, das von Vielen erstellt wird, kann jederzeit ohne größeren Aufwand und ohne Kosten von der Community auf den aktuellen Stand gebracht werden.

Unsere Vision vom Schul-E-Book: Es ist modular aufgebaut, enthält verschiedene Aufgaben für verschiedene Lernniveaus, Tests, multimediale Grafiken und Filme.

Zehntausende freie Schulmaterialien stehen auf Hunderten Webseiten verstreut im Netz. Diese Materialien möchten wir nutzen. Zusätzlich hoffen wir auf die Mithilfe zahlreicher LehrerInnen und Fachleute, um das E-Book kollaborativ zu publizieren. An diesem Prozess können sich alle Interessierten beteiligen, auch durch Bewertungen und Kommentare. Alle, Lehrer, Schüler, Eltern, partizipieren bei der Entstehung und Weiterentwicklung des Buches und bestimmen somit letztlich auch über die Art, wie sie lernen wollen.

Zu Beginn des Herstellungsprozesses entwickeln wir eine Plattform namens SCHULBUCH-O-MAT, wo die Inhalte gesammelt und der Publikationsprozess koordiniert wird. Drei Systemansätze stehen zur Diskussion, bis 15. Dezember 2012 wird auf Basis von Evaluierungen die Auswahl getroffen und das Ergebnis als Projekt-Update den UnterstützerInnen bekanntgemacht.

Die Projektmacher wollen 10.000 Euro einsammeln.

Siehe auch zum Thema Bildung und Urheberrecht:

(via Mathias Schindler)

Dirk von Gehlen erreicht Crowdfunding-Ziel für Buch in Höhe von 5000€ in 5 Tagen

Der SZ-Redakteur Dirk von Gehlen finanziert sein neues Buch “Eine neue Version ist verfügbar” mit Crowdfunding über die deutsche Plattform startnext. Bereits nach fünf Tagen hat er die gewünschte Summe von 5000 Euro erreicht.

Das Crowdfunding-Projekt läuft noch 50 Tage.

Hier die Beschreibung des Buchs:

Das neue Buchprojekt des SZ-Redakteurs und Suhrkamp-Autors Dirk von Gehlen sucht Antworten auf die Frage: Wie verändert die Digitialisierung Kunst und Kultur?

Meine These: Sie taut sie auf. Sie verflüssigt sie! “Eine neue Version ist verfügbar” will beschreiben und selber zeigen, wie das die Denk- und Geschäftsmodelle von Filmen, Musik und Büchern verändern kann.

Kickstarter in UK gestartet

Wie bereits angekündigt ist die erfolgreiche Crowdfunding-Plattform Kickstarter im UK gestartet.

 Der UK-Launch ist ein Testlauf für die weitere internationale Expansion. BBC:

Co-founder Yancey Strickler told the BBC that there are plans to expand the site to other countries soon.

“The request to expand internationally has long been one of our most requested features,” Mr Strickler, who is the site’s head of community, said.

“We certainly are interested. We’re going to see how the UK launch goes and figure out the next moves from there. There’s a lot of places that will be interesting.”

Für den deutschen Markt wäre der Einstieg von Kickstarter positiv, wie ich bereits schrieb:

Da Kickstarter selbst in den USA für viele Schlagzeilen gesorgt hat und Crowdfunding auf Jahre ein Wachstumsmarkt bleiben wird, sind das gute News für die deutschen Plattformen, welche bis dato noch hinter den Möglichkeiten zurückbleiben. (Von Equitybasiertem Crowdfunding a la Seedmatch einmal abgesehen.) Ein erfolgreiches Kickstarter könnte den Markt hierzulande beleben.

Weitere Artikel zu Kickstarter:

Ist Kickstarter der zweitgrößte Publisher von Graphic Novels?

Äpfel und Birnen, aber die andere Kostenstruktur bei Crowdfunding und die mittlerweile von Kickstarter erreichte Größe deuten gemeinsam darauf hin, dass die ersten Wirtschaftszweige in Bälde den Windrichtungswechsel direkt zu spüren bekommen werden.

Publishers Weekly:

In terms of the revenue a publisher receives, there is a large difference between Kickstarter and a distributor. Depending on the size of the pledge, Kickstarter will keep 8%-10%, with 90-92% going to the creators/publisher. For a “regular” publisher, Diamond will require a 60% discount with the publisher keeping 40% of the list price. The top four publishers above are part of Diamond’s “Premiere” program and will have a brokerage relationship with the distributor. It will be a slightly better deal that a regular publisher gets. For the purpose of comparing ballpark net revenue flows to the publisher, the publisher totals were multiplied by 40% and the Kickstarter total by 90%, which yields:  

1.   Marvel, $2,764,427.55

2.   Kickstarter, $1,988,407.80

3.   DC, $1,718,766.78

4.   Image, $1,190,403.18

5.   Dark Horse $424,541.93

Androidbasierte Spielkonsole Ouya sammelt innerhalb eines Tages über 3 Millionen $ auf Kickstarter

Ouya solle eine günstige Spielkonsole (95$) auf Android-Basis werden. Die Vorfinanzierung der Serienproduktion findet über Kickstarter statt. Das Crowdfunding-Ziel von 950.000 US-Dollar war innerhalb von acht Stunden erreicht. Nach nur einem Tag liegt das Projekt aktuell bereits bei über 3.150.000 US-Dollar.

Besonders Projekte mit einem starken Open-Source-Element dürften mit Crowdfunding ihre optimale Finanzierungsform gefunden haben: Sie sprechen User auch emotional beziehungsweise auf einer ideellen Ebene an.

Weitere jüngste Erfolgsmeldungen der US-amerikanischen Crowdfundingplattform Kickstarter, die sich zum Wirtschaftsphänomen entwickelt:

Crowdfunding: Kickstarter kommt nach Europa

Die populärste Crowdfunding-Plattform Kickstarter hat auf Twitter bekanntgegeben, dass sie im Herbst diesen Jahres nach Großbritannien kommt. Das dürfte der erste Schritt der anstehenden Globalisierung der Plattform sein.

Aufgrund der Größe des Wirtschaftsraums kann man damit rechnen, dass Deutschland irgendwann 2013 folgen wird.

Da Kickstarter selbst in den USA für viele Schlagzeilen gesorgt hat und Crowdfunding auf Jahre ein Wachstumsmarkt bleiben wird, sind das gute News für die deutschen Plattformen, welche bis dato noch hinter den Möglichkeiten zurückbleiben. (Von Equitybasiertem Crowdfunding a la Seedmatch einmal abgesehen.) Ein erfolgreiches Kickstarter könnte den Markt hierzulande beleben.

GigaOm:

Up until now, all projects had to originate in the U.S. though it was possible for projects to be funded by anyone around the world. The main limitation was Kickstarter’s use of Amazon Payments , which was until last year limited to the U.S. Kickstarter relies on Amazon Payments because it allows for instant charging when a project meets its goal and cancels pledges immediately if it fails.

Wer sich mit Crowdfunding etwas näher beschäftigt, stellt schnell fest, dass der Knackpunkt wenig überraschend oft bei den gewählten Bezahlungsmechanismen liegt. Ich glaube, dass  Amazon Payments als Erfolgsfaktor für Kickstarter noch weithin unterschätzt wird.

Crowdfunding funktioniert in Deutschland: Kulturprojekt erhält über 51.000 € [Update]

Das Kulturprojekt “Ein Blick Iran” hat auf der deutschen Crowdfunding-Plattform startnext.de das Ziel erreicht und für Projektfinanzierung mittels Crowdfunding einen neuen Rekord für Deutschland aufgestellt: 51.726 €.

Über das Projekt aus der Pressemitteilung:

Er möchte eine vierwöchige multimediale Ausstellung über das Land Iran und seine Menschen in der Münchner Kirche St. Maximilian realisieren, die am 15. Juli eröffnet wird und bis zum 12. August dort kostenlos zu sehen sein wird.

Für Projektfinanzierung ist das ein neuer Crowdfundingrekord in Deutschland.

Update: Kathrin Passig hat mich darauf hingewiesen, dass nicht die gesamten Gelder über klassisches Crowdfunding eingesammelt wurden. Dem Projektblog kann man entnehmen, dass 10.000€ von Panasonic und 10.000€ von AV Stumpfl gesponsert wurden. Den Projektangaben zu folge wurden über Crowdfunding 20.435€ eingesammelt, wenn ich mich nicht verrechnet habe. Demnach fehlen noch 11.291€, von denen unklar ist, wo sie herkommen. Ich habe zu dieser Frage startnext eine Email geschrieben und werde die Information hier nachreichen. Wie dem auch sei, das Projekt ist vor diesem Hintergrund weitaus weniger spektakulär und nicht der postulierte Rekord. /Update

Die Unternehmensfinanzierung über Crowdfunding ist in Deutschland dank der Plattform Seedmatch bereits recht erfolgreich. Siehe hierzu etwa die Berichterstattung auf Exciting Commerce:

Urheberrechtsfreie, mit Crowdfunding finanzierte Aufnahme von Bachs Goldberg-Variationen erschienen

neumusik.com: Open Goldberg Variations: Urheberrechtsfreie, fanfinanzierte Aufnahme und digitale Partitur des Meisterwerks von Johann Sebastian Bach:

Open Goldberg Variations hat sich mit Kickstarter finanziert. 15.000 US-Dollar wurde für das Projekt benöitgt,  über 23.700 US-Dollar sind letztlich geflossen.

Die Aufnahmen findet man komplett auf SoundCloud.

Ein weiterer Beweis dafür, dass Musikaufnahmen ohne Urheberrechtsbeschränkungen, ermöglicht durch die neuen Internetplattformen und ihre Vernetzungspotentiale, an Bedeutung zunehmen.

Projekte wie dieses zeigen, in welche Richtung sich die Finanzierung von Musik entwickelt.

Als wäre es nicht schon Paradebeispiel genug, zeigt Sony Music an diesem Beispiel, wie sehr sich restriktionsbasierte Produktionsmodelle industrieller Art mit allmendebasierten Ansätzen beißen können und warum, noch einmal, Plattformproviderhaftung enorme Probleme mit sich bringen kann. Robert Douglass von Open Goldberg Variations in einem Kommentar auf Boing Boing:

You may note that Variation 8 is missing from the SoundCloud widget for the time being. Ironic as it seems, that track was flagged for copyright violation against Sony Music. They make it hard putting stuff into the public domain! The track will be available as soon as it works its way through SoundCloud’s review process.

Update: SoundCloud hat die 8. Variation freigeschaltet.

Kickstarter ist Vorbote eines massiven wirtschaftlichen Umbruchs

Om Malik hat Perry Chen, den Gründer der Crowdfunding-Plattform Kickstarter interviewt. Kickstarter ist dank seines immensen Erfolgs das Aushängeschild für Crowdfunding geworden und ist auf dem Weg, für die postindustrielle Informationsgesellschaft so bedeutend zu werden wie die Wikipedia.

GigaOm:

And now, Kickstarter is up to 23,000 successfully funded projects and more than 2 million backers. To date, more than $230 million has been pledged to products. Movies, music, city designs, watches, video games — Kickstarter has become an epicenter of creativity. It is funding everything from a pickle factory in Chicago that uses Bloody Mary marinade and wants to expand, to a live music-and-film series that would play in parks around Harlem.

Im Interview verweist Chen noch einmal auf die wirklich bemerkenswerte Tatsache, dass Kickstarter für die Finanzierung von 12 Prozent der Filme auf dem diesjährigen Sundance Festival verantwortlich war.

Perry Chen spricht auch im Interview an, was meine Ansichten zur gesellschaftlichen Bedeutung von Crowdfunding  widerspiegelt:

I feel like we’re used to this industrial creative complex of movie studios, record labels and production houses. It wasn’t always that way. This is relatively recent in human history. People have been creating art for tens of thousands of years. Artists have always been hustlers, too.

In general, artists have always been extremely creative people both in art and in talking to audiences, and in hustling to get the things that they want done, to get their ideas out of their brains and expressed.

[..]

You can do a lot of art and creative projects in digital form. To make an album now, it probably costs 10 times less  than it did 20 years ago. Even film being crazy expensive, is still coming down in cost.  And now, hopefully, we’re helping build the pieces that help the funding of it and building the community around that as well. That is an explosion point.

 Om Malik:

I think the question or the point I was trying to make was that with the friction in the creative process going away, it’s getting harder to get people’s attention. I think Kickstarter is that platform of creativity.  I think the emotional appeal of a platform is what works. I think the old-media entities still have not figured out that part of the game plan.  I see Kickstarter as coming from left field, just like Twitter siphoned attention away from established media forms and in the process became a medium of its own.

Die wahre gesellschaftliche Bedeutung von Crowdfunding wird erst richtig deutlich werden, wenn sich neben den allgemeinen Plattformen wie Kickstarter sich auf die Besonderheiten einzelner Branchen ausgerichtete Crowdfunding-Plattformen etablieren werden. In Verbindung mit über Programmierschnittstellen verbundenen anderen Plattformen wird die Arbeitsteilung neu ausgehandelt und die neue postindustrielle* Infrastruktur gelegt werden. Die neuen massiven Distributionskanäle sind mit Facebook, Twitter und Tumblr bereits da.

*Wie die industrielle Gesellschaft nach der landwirtschaftlichen Gesellschaft gekommen ist, die Landwirtschaft aber nur an den Rand gedrängt hat, drängt auch die vernetzte Informationsgesellschaft die Industrie ‘nur’ an den Rand, braucht sie aber als Basis für die eigene Existenz. 

E-Paper-Armbanduhr Pebble erreicht als erstes Crowdfundingprojekt über 10 Millionen US-Dollar

Während die Eliten in Deutschland sich gegen jede Veränderung und für industrielle Strukturen in allen Wirtschaftsbereichen stark machen, wird in den USA Wirtschaftsgeschichte geschrieben. Die E-Paper-Armbanduhr Pebble hat auf Kickstarter als erstes Crowdfunding-Projekt die Marke von 10 Millionen US-Dollar durchbrochen. Aktuell liegt das eingesammelte Kapital bei 10.165.437 US-Dollar. Das Crowdfunding läuft noch 8 Tage.

Wer nur deutsche Massenmedien konsumiert, hält so etwas für unmöglich.

Musikerin Amanda Palmer sammelt in 3 Tagen über 340.000 US-Dollar über Crowdfunding ein

Die Musikerin Amanda Palmer sammelt in 3 Tagen über 340.000 US-Dollar über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter ein. Die für das so zu finanzierende Studioalbum von ihr veranschlagten 100.000 US-Dollar hatte sie bereits nach 6 Stunden erreicht. Das Projekt läuft noch 29 Tage.

Soviel zu der Aussage, dass außerhalb von klassischen industriellen Strukturen, hier Majorlabels, keine Geldsummen für arbeitsteilige Prozesse in Kreativbereichen zusammenkommen könnten.

Crowdfunding-Plattform Kickstarter verteilt 119 Millionen US-Dollar im 3. Jahr

The Next Web hat sich die Kickstarter-Zahlen näher angeschaut:

The results are awe-inspiring. In the year since Kickstarter reported its numbers, the company helped raise a total of $119.6M for successfully-funded projects. That’s almost three times as much as the amount raised during the company’s first two years. Taking into account Kickstarter’s 5% commission, we can estimate that the company took home just shy of $6M in commission revenue in its third year. And it’s not the only one cashing in: with Amazon’s commission of 2.9% plus 30¢ per transaction, the online retailer pulled at least $3.M in fees during the same period.

Adding in the figures from last year, it looks like Kickstarter has helped raise a total of $159M since its inception.

Kickstarter-Mitgründer Yancey Strickler über die Verteilung der cofinanzierten Projekte:

Here are the lifetime dollar amounts pledged by category:

Film — $50.8m
Music — $32.5m
Design — $17.5m
Art — $8.8m
Publishing — $8.2m
Games — $8m
Technology — $7.9m
Theater — $6.5m
Food — $5m
Comics — $4m
Photography — $3.4m
Fashion — $2m
Dance — $1.6m

And here are dollars collected by category (meaning funds disbursed to project creators, a more accurate comparison for the NEA):

Film — $41.3m
Music — $28.3m
Design — $15m
Art — $7.5m
Technology — $6.5m
Publishing — $6.3m
Theater — $5.7m
Games — $4.6m
Food — $3.8m
Comics — $3.5m
Photography — $2.8m
Fashion — $1.5m
Dance — $1.4m

Das Kickstarter-Projekt von Pebble, der E-Paper-Smartwatch, liegt aktuell bei 6,4 Millionen US-Dollar bei noch 23 verbleibenden Tagen.