Digitale Radiergummis

TechCrunch stellt mobile Messaging-Apps vor, die das Löschen der gesendeten Daten ermöglichen. Zum Beispiel Snapchat:

Snapchat, an app that allows users to send photos with a time limit (1-10 seconds) for the recipient to view the photo before it erases, announced in early June that users had sent over 110 million photos on the site.

Erster Kommentar:

People can still take screenshots on their phones thus eliminating the apps effectiveness.

Datenschutz nur im Internet relevant?

Felix Schwenzel fragt sich: tritt ilse aigner aus dem meldeamt aus?:

die meldeämter sind nicht teil des internets und brauchen deshalb den datenschutz und die privatsphäre nicht zu sichern? wieso kann ilse aigner das bei facebook nicht akzeptieren, bei den meldeämtern aber schon?

Kein Datenschutz bei Meldeämtern

Johnny Haeusler auf Spreeblick:

Während dieser Arbeit sprachen wir im Zusammenhang mit der Datennutzung von Facebook für Werbezwecke aber auch mit diversen Marketing-Fachleuten und bekamen bestätigt, dass der Handel mit persönlichen Daten keine Internet-Erfindung ist, sondern dass Unternehmen in Deutschland schon seit Ewigkeiten sehr genaue Datensätze für Direktvertrieb und -marketing anfordern und einkaufen können.

[..]

Auch wenn die knapp 900 Millionen Nutzer-Daten von Facebook eine andere Qualität und Tiefe haben mögen (hier übrigens ein spannender Artikel dazu: What Facebook knows) und ohne Facebook als harmloses Lamm darstellen zu wollen, fasziniert mich an diesem Umstand, dass sich der Sturm der Entrüstung in Sachen Datenschutz bzw. -handel seit Jahren um Facebook, Google, Apple und Amazon dreht, sonstiger massiver und gezielter Datenhandel mit politischer Unterstützung und endlosen Firmenverstrickungen jedoch Medien und Öffentlichkeit im Großen und Ganzen scheinbar kalt lässt.

Vielleicht ändert sich das ja jetzt mal, nachdem der Bundestag das „Gesetz zur Fortentwicklung des Meldewesens“ (PDF) verabschiedet hat, nach dem es so gut wie unmöglich scheint, der Weitergabe der eigenen Daten durch das Meldeamt (!) zu widersprechen

Die deutsche Debatte über datengetriebene Geschäftsmodelle im Netz wird praktisch nie in den größeren Kontext von Listenprivileg bis Datenherausgabe bei Meldeämtern gesetzt.

(Überschrift im netzpolitik.org-Stil)

Social Networks gefährden die Geschäftsgrundlage der Schufa

Gute Analyse von Kristian Köhntopp über die Schufa und ihre Pläne, Facebook und co. einzubeziehen:

Die Schufa stellt über Menschen in Deutschland umfangreiche Dossiers zusammen, mit denen sie die Kreditausfallwahrscheinlichkeit für eine Person zu berechnen behaupten, und sie verkaufen diese Daten für großes Geld an Kreditgeber. Falls das Projekt von HPI und Schufa herausfindet, daß genau das auch mit öffentlich verfügbaren Daten mit einer sinnvollen Trefferwahrscheinlichkeit getan werden kann, ist die Schufa erledigt, denn dann ist ihre Geschäftsgrundlage nichtig.

Mit einem Invest von einhunderttausend Euro bis einer Million Euro (plus die notwendigen Organisationskosten drumrum) könnte dann jeder ein Geschäft neu aufziehen, das der Schufa Äquivalent ist. Oder versuchen, ein kleineres Problem kostengünstiger zu lösen: Die meisten Kreditgeber wollen ja nicht wissen, wie die Kreditausfallwahrscheinlichkeit aller Deutschen ist, sondern wie die Kreditausfallwahrscheinlichkeit des Kreditnehmers ist, der da jetzt gerade seinen Antrag auf den Tisch gelegt hat. Sie müssen also nicht alle Social Daten live aus allen Social Networks herunterladen, sondern nur jeweils einen Eintrag und seine Vernetzung durchleuchten. Zur Schufa müßte aber, wenn die Theorie von HPI und Schufa sich erhärten läßt, niemand mehr gehen.

Google benutzt wahrscheinlich Street View um fahrerlose Autos zu trainieren

Faszinierende Theorie von Adrain Holovaty:

I’m in the middle of taking the Coursera Machine Learning class — which has been amazingly good — and it recently covered how one could implement a machine-learning algorithm to power driverless cars.

Here’s how you might do it. You put a camera on the front of your car, and you set it to capture frequent images of the road ahead of you while you drive. At the same time, you capture all the data about your driving — steering-wheel movement, acceleration and braking, speed — plus stuff like weather conditions and number/distance of cars near you.

Putting that together, you’ve got some nice training data: a mapping between “situation the car is in” and “how the human driver responded.” For example, one thing the system might learn is: “when the car’s camera sees the road curve in this particular direction, then turn the steering wheel 15 degrees to the left and decelerate to 35 mph.”

Of course, the world is a messy, complicated place, so if you want your self-driving car to be able to handle any road you throw at it, you need to train it with a lot of data. You need to drive it through as many potential situations as possible: gravel roads, narrow alleys, mountain switchbacks, traffic-heavy city expressways. Many, many times.

Which brings us to Google Street View.

For years now, Google has been sending Street View cars around the world, collecting rich data about streets and the things alongside them. At first, this resulted in Street View imagery. Then it was the underlying street geodata (i.e., the precise longitude/latitude paths of streets), enabling Google to ditch Tele Atlas and make its maps out of data it obtained from Street View vehicles.

Now, I’m realizing the biggest Street View data coup of all: those vehicles are gathering the ultimate training set for driverless cars.

Sowohl die fahrerlosen Autos als auch Street View wurden von Google-Mitarbeiter Sebastian Thrun mitentwickelt.

Europa und die Cookies

Gigaom beschäftigt sich in einer Artikelserie mit der europäischen E-Privacy Directive EU 2009/136/EC:

Coming into force in the UK on Saturday, Article 5(3) of the E-Privacy Directive (happy reading) says EU countries have to make sure consumers are “offered the right to refuse” cookies being downloaded onto their computers by web services, in all but essential cases. They also have to give “clear and comprehensive information” about what the cookies are for.

The deadline for all this was late May 2011. A year on, eight member states – Belgium, Cyprus, Germany, Italy, Malta, Poland, Romania and Slovenia – have yet to even transpose the directive into their national laws, let alone start enforcing it.

Zusammenfassung:

Forget the legalese, here’s the bottom line: under the rules, which cover the whole of the European Union, websites must ask visitors for their consent before they can install most cookies.

 Und wen es betrifft:

Pretty much everybody based in Europe who runs a web-based business is subject to the directive. Anyone headquartered or with offices in Europe is subject to the law, or will eventually be. And unlike some online regulation, it doesn’t matter where your servers are based, but where your business is directed.

Typical services that will definitely fall under the rules include website analytics, advertising — particularly third-party advertising — or recommendations. Essentially anything that is not completely intrinsic to the functioning of the site.

Startups im UK weigern sich, die Richtlinie umzusetzen:

“We’re ignoring it and waiting to see who gets sued and what happens,” one London-based startup co-founder told me this week. “We have a ton of revenue-generating work that needs to be done. This is just a distraction that does nothing for the business except waste time and resource.”

Ich kann die Intention hinter der Richtlinie nachvollziehen, aber das Ergebnis wird lediglich eine weiter geschwächte europäische Internetwirtschaft sein.

Wie Europa, in diesem Fall ganz deutsch, den wichtigsten Wirtchaftszweig des 21. Jahrhunderts ignorieren und zusätzlich solche Richtlinien erlassen kann, ist mir schleierhaft.

Wer für die Richtlinie ist, sollte sich auf der anderen Seite nicht über dominante US-Internetunternehmen beschweren.

PDF: EU Directive 2009/136/EC

(via Twittwoch)

Facebook: Datenschützer Thilo Weichert hat ein Problem

Datenschützer Thilo Weichert: Facebook hat ein Problem – FAZ:

Wer als Aktionär spekuliert, muss damit rechnen, dass, wenn sich der Datenschutz in Deutschland und Europa mit seinen Belangen durchsetzt, das Geschäftsmodell von Facebook in sich zusammenbricht. Es ist zwar möglich, dass Facebook unseren Forderungen nachkommt, aber das ist vollkommen offen.

Über die als Entwurf vorliegende europäische Datenschutzverordnung:

Wahrscheinlich ist die Datenübermittlung in die Vereinigten Staaten nicht mehr möglich, die Analyse von Verkehrsdaten kann nur noch sehr beschränkt erfolgen. Es muss eine bessere Information der Nutzer geben, vor allem bessere Wahlmöglichkeiten der Datenfreigabe. Das Abziehen von Daten dritter Personen, etwa über die Adressbücher, muss eingeschränkt, wenn nicht vollständig ausgeschlossen werden.

Was soll der erste Satz bedeuten? Dass US-Unternehmen ihre Webangebote nicht mehr in Europa bereitstellen dürfen? Dass sie komplett von den restlichen Servern losgelöste Europäische Sondereditionen betreiben müssten? 

Was Thilo Weichert vergisst oder ignoriert:  Über 23 Millionen Deutsche sind aktive Facebook-Nutzer. Sie sind relativ zufrieden mit dem Dienst, sonst würden sie ihn nicht regelmäßig benutzen. Sie benutzen Facebook auch zur täglichen Kommunikation. Angenommen, die deutschen Datenschützer würden eine wie auch immer geartete Einschränkung des Angebots durchgesetzt bekommen, an wen würde sich der Ärger darüber wohl richten?

-

Man beachte auch, dass der Datenschützer Thilo Weichert das in einem Interview in der FAZ gesagt hat, die wie alle Presseverlage hierzulande dank Listenprivileg sehr viel mehr Rechte zum Datenhandel hat als Google und Facebook.

Aber mit dem Thema kommt man nicht in die FAZ.

Disqus macht Kommentarmoderation jetzt noch einfacher mit Reputationsanzeige

Das auch auf neunetz.com zum Einsatz kommende Kommentarsystem Disqus hat die Moderationsoberfläche überarbeitet und bietet jetzt unter anderem auch eine auf das ganze Netzwerk zurückgreifende Reputationsmessung der Kommentatoren. Man kann jetzt also zum Beispiel sehen, wenn Disqus-Nutzer, die neu auf der eigenen Site und damit noch unbekannt sind, sich in Disqus-Kommentaren auf anderen Websites schlecht benommen und dafür schlechte Bewertungen kassiert haben.

Das dürfte besonders die Arbeit von Moderatoren auf kommentarreichen Sites enorm erleichtern.

Über das Reputationssystem:

There are three reputation tiers:
High: These are your most active and liked users.
Average: This is where everyone starts.
Low: These users likely have many flagged and/or deleted comments.

Learn how long your users have been around and how active they are. Whitelist your regulars, welcome your newbies, encourage your lurkers, and investigate the troublemakers.

Über die Grundlage für das Reputationssystem schreibt Disqus:

Our vast network — now available on over 1.2 million sites, Disqus is used by 70 million commenters and reaches 700 million readers each month. These aggregate numbers make it all possible.

Die Möglichkeiten, die Kommentarsysteme wie Disqus, Livefyre, IntenseDebate und ähnliche Dienste wahrnehmen können, zeigen sehr deutlich, wie innovationsfeindlich das deutsche Like-Button-Datenschutzverständnis ist.

Die Chancen solcher Netzwerke entstehen erst durch die Dezentralisierung der Funktionen (Websitebetreiber geben die technische Umsetzung der Kommentare ab) und die anschließende Zusammenführung an der zentralen Providerstelle (Disqus), wo die aggregierten Daten bessere Angebote ermöglichen.

Genau so funktioniert übrigens auch zum Beispiel das Antispamsystem Akismet.

Ohne Privatsphäre keine Filterbubble

Leichte Übertreibung der lesenswerten Gedanken von Kristian Köhntopp:

Und genau deshalb “enthüllen” sich so viele Menschen auf Twitter, Facebook, Google+, Path oder sonstwo: Sie machen sich sichtbar, findbar. Um im Rückschluss selber relevantes zu finden.

Das kostet Vertrauen. Vertrauen in unsere Mitmenschen, in Plattformbetreiber und manchmal sogar in den Staat (auf den wir gut aufpassen, damit er’s nicht missbraucht). Doch dieses Vertrauen ist nicht verschenkt, denn es hilft anderen, uns zu vertrauen. Vertrauen vereinfacht die soziale Interaktion. Dadurch, dass wir unsere Vorlieben, Ängste und Anliegen veröffentlichen, erlauben wir es anderen uns nahe zu kommen – und hoffen zugleich, dass die, die uns nahe kommen, Personen sind, an denen wir wachsen können, dass sie Leute sind, die unser Leben bereichern. Das ist technisch gesehen eine Filterblase, aber vor allem ist es eine massive Kooperationserleichterung.

Die Filterblase erweist sich bei näherer Betrachtung als strukturiert, vielfältig und durchdringlich. Jeder von uns steckt nicht in einer Blase, sondern in mehreren, und in jeder Blase finden wir Menschen mit eigenem Profil. Feste Wände gibt es nicht, im Gegenteil. Wir hören von und kommunizieren mit wildfremden Menschen – wenn es für ihr Thema einen Weg durch unser soziales Netz gibt. Unsere Kontakte sind dabei keine Filter, sondern Verstärker. Aus dem Rauschen der Welt extrahieren sie ein Signal. Wir wissen nicht, wie wir selbst nach diesem Signal suchen sollten, wir können es nicht beschreiben. Aber wenn wir es sehen, wissen wir, dass es uns interessiert.

Christan Heller beschreibt in “Post-Privacy: Prima leben ohne Privatsphäre” das gleiche recht anschaulich. Wir ziehen enormen Nutzen aus dem Veröffentlichen unserer Daten, weil soziale Netzwerke dadurch gestärkt oder überhaupt erst möglich werden. Je mehr Informationen als Vernetzungsgrundlage, umso besser.

Highlight & Glancee: Die neuen ortsbasierten Killerapps

Im Mai letzten Jahres hatte ich Sonar.me vorgestellt. Eine App, die auf die Social-Graph-Daten von Facebook, Twitter und Foursquare und die Checkin-Daten von Foursquare setzt, um Kontext zu Personen im näheren Umfeld zu liefern.

Jetzt kommen die ersten mobilen Apps, die die Möglichkeiten auf sehr spannende neue Arten nutzen, im Hintergrund die Verortung des Mobiltelefons vorzunehmen und Menschen auf Basis der Social-Graph-Daten von Facebook aufeinander hinzuweisen.

Die neuen Apps heißen Highlight (iPhone) und Glancee (iPhone, Android).  Sie zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie nicht nur die Beziehungen von Facebook nehmen und etwa mitteilen, dass ein Freund oder der Freund eines Freundes in der Nähe ist (Sonar.me arbeitet so). Sie nutzen auch die Like-Daten, um auf Personen mit gleichen Interessen hinzuweisen.

Ein perfektes Beispiel, welche neuen Dinge an der Schnittstelle zwischen Mobile Web und Social Web möglich werden.

So ist es etwa möglich, dass man über diese Apps fremde Personen kennenlernt, die einen gleichen Musik- oder Literaturgeschmack haben. Oder man lernt jemanden aus der eigenen Branche kennen, mit dem man mehr als den Beruf gemeinsam hat. usw. usf.

In diesem TechCrunch-Artikel findet man viele weitere Einsatzzwecke, die das Potential dieser Dienste deutlich machen dürften.

Möglich wird das alles nicht zuletzt, weil Facebook nicht nur ein immens großes Social Network ist, sondern auch, weil es den Zugriff auf diese Like-Daten über APIs erlaubt.

Eric Eldon erklärt auf TechCrunch, warum Highlight ein (sorry, da müssen wir jetzt durch) echtes Highlight werden kann:

Instead of the normal business card swapping that happens at the event, it’s sounding like Highlight is going to get some sort of feature for marking and saving the favorite people you meet in person. Thinking through the New York coffee shop scenario, imagine seeing a notification that says “You met Robert Scoble at the Trendy Startup BBQ party in Austin. Now he’s two blocks away at a bagel place. Go say hi!” Instead of just using mutual friends and Liked Facebook pages to determine relevancy, Highlight is getting a new layer of behavior data.

Now indulge a little bit of speculation about where all this could go (I don’t know Highlight’s specific plans). You can also imagine the app adding features like an auto-created group or list of “Friends From Austin.” A few weeks after the conference, what if you could see a list of all of these people and message them through Highlight to reconnect. And because Highlight uses Facebook data, it could also tap into the social network to allow users to share the phone numbers, email addresses and other contact info they already have stored. I would love a feature that said “Robert Scoble is sharing his contact info, click here to download it to your address book.”

And boom, business cards would be dead. Forget stuffing your pockets full of cardboard at a party, going back home, throwing them on your hotel room dresser as you pass out, and forgetting them when you have to rush out the next morning to catch your flight. You’d just mark the people you want to stay connected to right when you meet them, and then at your convenience connect with them later.

Das wäre tatsächlich das erste Anzeichen für ein mögliches Ende der Visitenkarte. Aber es geht natürlich weit darüber hinaus: Hier entsteht eine neue Art Social Network, die neue Interaktionsarten mitbringt und neue Möglichkeiten des Kennenlernens und Vertiefens von Beziehungen ermöglicht.

Nicht minder besonders daran ist, dass der einzelne Nutzer fast keinen Zusatzaufwand betreiben muss, um diese Apps zu nutzen. Das ist ein Zeichen unserer Zeit: Auf Facebook liegt bereits unsere Indentität bereit.

Wir als User können die Früchte unserer ‘Arbeit’, die wir auf Facebook erbracht haben – mit Freunden vernetzen, Pages folgen, die uns interessieren, Like klicken, wenn uns etwas gefällt –  einfach an die Apps weiterleiten.

App installieren. Push-Nachrichten und Ortsdienste freigeben.

Mit Facebook verknüpfen.

Fertig.

Die Facebook-Daten und die App machen den Rest.

Das ist besonders wichtig, was die potentielle Verbreitung solcher Apps angeht: Die Zeichen stehen ausgesprochen gut.

Oder: Zumindest so gut wie es überhaupt möglich ist. Denn Apps, die nur nützlich sind, wenn andere Menschen in der Umgebung sie auch nutzen, haben es schwer, eine kritische Masse zu erreichen. Deshalb müssen die übrigen Barrieren möglichst entfernt werden. Egal zu welchen Kosten.

Im Vergleich zu Highlight und Glancee muss man beim unsinnigen Hashable* etwa per Hand permanent Einträge vornehmen, nur um am Ende eine Kontaktdatenbank zu erhalten. Die Ansätze könnten unterschiedlicher nicht sein:

Highlight übernimmt das Festhalten der getroffenen Personen im Hintergrund. Ein Hinzufügen von Kontakten kann später stattfinden, nicht vollkommen unsozial während man noch auf der Cocktailparty steht und es schnell machen muss, weil man es sonst vergisst.

Im Gegensatz zu Glancee, das in der App nur temporäres Ausschalten des Locationstrackings erlaubt (eine Stunde oder über Nacht), ermöglicht Highlight das Deaktivieren für unbestimmte Zeit. Letzteres dürfte die Mehrzahl der Nutzer eher zusagen.

Robert Scoble hat auf The Next Web Highlight und Glancee gegenübergestellt.

Meine Prognose: Von diesen Diensten werden wir in der nächsten Zeit noch viel hören.

Highlight scheint mir ein Stück bessser ausgearbeitet zu sein als Glancee, das im Gegenzug etwas aufpolierter erscheint. Das gleiche Bauchgefühl hatte ich von Anfang an bei Foursquare (vs. Gowalla).

***

Die Älteren unter uns werden sicher in der Zwischenzeit Folgendes gedacht haben: aka-aki.

Das Berliner Startup aka-aki ist vor einigen Jahren angetreten, das Kennenlernen interessanter Menschen einfacher zu machen, indem die App andere Nutzer anzeigt, die sich in der Nähe befinden. Angefangen hatte der Dienst, bevor GPS in Smartphones Einzug gehalten hat, Die App musste offen gelassen werden und wollte andere Kontakte über Bluetooth finden. Ein asusgesprochen unattraktives Angebot. Mittlerweile nutzt aka-aki auch die integrierten Ortsdienste bei iPhone und Android. Aka-aki bietet auch die Möglichkeit, über “Sticker” eigene Interessen anzugeben und gleicht die Interessen mit denen der anderen Nutzer ab.

Aber: weder werden die Interessen von Facebook importiert, noch werden die Beziehungen auf Facebook oder anderen Social Networks einbezogen. So bleibt aka-aki bedeutungslos, für die meisten potentiellen User von vorn herein komplett nutzlos, und wird von der sehr viel jüngeren Konkurrenten aus den USA mühelos in der Nutzerschaft überholt werden.

Bemerkenswert, dass man bei aka-aki anscheinend nicht gemerkt hat, dass das eigene Grundkonzept auf einmal viel besser über die Anknüpfung an Facebook umsetzbar geworden ist. Die auf der Hand liegenden Vorteile habe ich oben beschrieben.

*Eine der größeren Webtragödien des letzten Jahres war die Abschaltung des fantastischen Wirtschaftsnachrichtenaggregators Tracked.com, der zugleich auch eine unerschöpfliche Datenbank zu nicht börsennotierten Unternehmen war, zugunsten von Hashable, weil letzteres kurzzeitig ein wenig Interesse bei Twitter-Junkies hervorrief und die Macher sich darauf konzentrieren wollten.

Listenprivilegierte

Darauf kann man gar nicht oft genug hinweisen: Während in deutschen Massenmedien und Blogs permanent Panikmache zu Google und Facebook betrieben wird, liegt der eigentliche Datenskandal an ganz anderer, grundsätzlich verschwiegener Stelle: Dem Listenprivileg.

Das Listenprivileg erlaubt Zeitungsverlagen, die einen Verkauf von persönlichen Daten bei Google und Facebook herbeiphantasieren, im Gegensatz zu diesen tatsächlich den direkten Handel mit persönlichen Daten.

Richard Gutjahr:

OTTO darf Dritten sogar mitteilen, WAS man bei OTTO gekauft hat. Möglich ist das durch das oben angeführte „Listenprivileg“, eine Ausnahmeregelung, die das von der Bundesregierung gerne im Zusammenhang mit Facebook und Google zitierte Recht auf Informationelle Selbstbestimmung de facto aushebelt und ad absurdum führt.

Dieses Listenprivileg sieht vor, dass Versandhäuser, Zeitungsverlage oder auch Direktmarketing-Firmen Kundenlisten erheben dürfen, wobei einer Person neben Name, Anschrift und Telefonnummer auch jeweils ein Zusatzkriterium zugeordnet werden darf. Beispiel: Schulbildung, oder Beziehungsstatus, Einkommensklasse, Raucher/Nichtraucher etc.

Durch die gesetzliche Beschränkung auf jeweils eine einzige Zusatzinformation soll der Datenschutz des Individuums gewahrt bleiben.

Immer wenn Vertreter eines Unternehmens, und dazu zählen mittlerweile leider auch allzu oft Journalisten, einem anderen Unternehmen Unmoralisches vorwerfen, dann geht es in Wirklichkeit um konkurrierende Geschäftsmodelle.

Deswegen lesen wir über das im Vergleich harmlose Facebook oder Google so oft und nie über das Listenprivileg, das auch zu den Grundlagen des Geschäftsmodells hiesiger Presseverlage zählt.

Gutjahr weiter:

Das Kundenregister des größten Datenhändlers des Landes liest sich wie das Who-is-Who der deutschen Medienszene: Axel Springer, Frankfurter Allgemeine, Financial Times, Gruner und Jahr, Gong Verlag, Handelsblatt, Manager Magazin, Readers Digest, Ringier Verlag, Süddeutsche Zeitung, sky, Der Spiegel, Weltbild. Als (freier) Mitarbeiter des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks möchte ich hierbei ausdrücklich betonen: Auch die GEZ arbeitet mit gehandelten Adressdateien.

Der kommende technologisch getriebene Boom

sehen im Wall Street Journal eine Boomphase kommen, die auf drei Technologien fusst, die in ihren Auswirkungen so wichtig wie Telefonie und Elektrizität sein werden.

1. Technologische Entwicklung: Informationstechnologien und Big Data:

Processing power and data storage are virtually free. A hand-held device, the iPhone, has computing power that shames the 1970s-era IBM mainframe. The Internet is evolving into the “cloud”—a network of thousands of data centers any one of which makes a 1990 supercomputer look antediluvian. From social media to medical revolutions anchored in metadata analyses, wherein astronomical feats of data crunching enable heretofore unimaginable services and businesses, we are on the cusp of unimaginable new markets.

2. Technologische Entwicklung: Smart Manufacturing und 3D-Printing:

This is the first structural shift since Henry Ford launched the economic power of “mass production.” While we see evidence already in automation and information systems applied to supply-chain management, we are just entering an era where the very fabrication of physical things is revolutionized by emerging materials science. Engineers will soon design and build from the molecular level, optimizing features and even creating new materials, radically improving quality and reducing waste.

Devices and products are already appearing based on computationally engineered materials that literally did not exist a few years ago[..]

This era of new materials will be economically explosive when combined with 3-D printing, also known as direct-digital manufacturing—literally “printing” parts and devices using computational power, lasers and basic powdered metals and plastics. Already emerging are printed parts for high-value applications like patient-specific implants for hip joints or teeth, or lighter and stronger aircraft parts. Then one day, the Holy Grail: “desktop” printing of entire final products from wheels to even washing machines.

Die Implikationen sind enorm:

The era of near-perfect computational design and production will unleash as big a change in how we make things as the agricultural revolution did in how we grew things. And it will be defined by high talent not cheap labor.

3. Technologische Entwicklung: Internet und Kommunikation:

The implications of the radical collapse in the cost of wireless connectivity are as big as those following the dawn of telegraphy/telephony. Coupled with the cloud, the wireless world provides cheap connectivity, information and processing power to nearly everyone, everywhere. This introduces both rapid change—e.g., the Arab Spring—and great opportunity. Again, both the launch and epicenter of this technology reside in America.

Die Autoren sehen den Boom vor allem in den USA, die mit ihren Unternehmen an den vordersten Fronten stehen.

Bleibt die Frage, ob auch wir hier in Deutschland und Europa direkt, statt ‘nur’ indirekt von den kommenden Veränderungen profitieren werden. Also werden wir auch eigene Epizentren bauen können oder werden wir nur Peripherie sein? Die Entwicklung der aktuellen Internetwirtschaft und die Ignoranz der hiesigen Politik gegenüber technologischen Entwicklungen und wirtschaftlichen Möglichkeiten deutet auf letzteres.

Egal, wie stark er wo seinen Ursprung finden wird, der Boom wird nur von einem Umstand zurück gehalten: Einer für den Rest der Wirtschaft toxischen Finanzwelt.

Social Swarm vs. Datenschutz

Christiane Schulzki-Haddouti auf dem ZDF-Blog Hyperland über das auf dem CCC-Kongress vorgestellte Social Swarm:

Social Swarm soll kein weiteres soziales Netzwerk werden. Es ist ein loser Zusammenschluss von Entwicklern, Programmierern und Aktivisten, die das Problem diskutieren, eine Lösung herausarbeiten und in der Bevölkerung etablieren wollen. Eine zurzeit diskutierte Idee: Internetnutzer sollen sich über verschiedene soziale Netzwerke einloggen und dann untereinander vertraulich kommunizieren können. Möglich wäre das dann, wenn die Betreiber von sozialen Netzwerken offene Schnittstellen anbieten. “Wenn man sich beispielsweise bei Identica einloggt”, so Tangens, “soll man über offene Schnittstellen mit denjenigen kommunizieren können, die sich bei Diaspora angemeldet haben.” Sowohl die Microblogging-Software Identica als auch die Netzwerk-Software Diaspora sind Open-Source-Projekte, die bewusst auf offene Kommunikationsschnittstellen setzen.

Der ewige Traum vom mit Open Source betriebenen dezentralen Social Network also. Er wäre nach deutschem Like-Button-Datenschutzverständnis nicht ohne Bestätigungsarien möglich.

Man stelle sich vor, man müsste erst die Speicherung durch Google bestätigen, bevor man eine erste Email an GMail-Nutzer XY senden kann. Und das Gleiche nochmal bei jedem Kontakt auf GMX und bei Hotmail usw.

So in etwa müsste Social Swarm nach deutschem, nicht zuletzt auch vom CCC befürworteten, Datenschutz umgesetzt werden.

Mit SecuShare oder RetroShare soll die Kommunikation in Social Swarm allerdings verschlüsselbar werden, was das Datenschutzproblem, so weit ich das verstehe, lösen würde. Nur nutzen wird es niemand, weil es kein Farmville darauf geben wird.

Wieviel Transparenz wollen wir? Von wollen kann keine Rede sein.

In der Sendung Breitband von Deutschlandradio Kultur wurde in der letzten Ausgabe folgende Frage diskutiert: Wieviel Transparenz wollen wir?:

Dieses Jahr startete mit einer Inflation des Transparenzbegriffs. Überall ist sie gefordert, Politik und Politiker sollen sie erfüllen, Motto soll sie sein, Leitmotiv und auch mal Mission. Wir fragen: Wieviel Transparenz ist eigentlich sinnvoll, wieviel davon wollen wir eigentlich? Nicht zuletzt das von Anonymous gestartete Webportal gegen Nazis wirft die Frage nach Kriterien auf, nach denen geleakt werden soll. Gleichzeitig wollen wir wissen, welchen Einfluss Whistleblower heute tatsächlich haben. Zwar ließ sich 2010 eine Diversifizierung von Leakingportalen beobachten, viele neue entstanden, doch es scheint, als sei auf diesen Plattformen nicht allzu viel los. Im Studio diskutieren Guido Strack vom Whistleblower Netzwerk, Christian Humborg, Geschäftsführer Transparency International Deutschland und Kollege Markus Heidmeier, ehemals Leaks-Blog-Autor bei Zeit Online.

Das Missverständnis, das die Diskussion letztes Jahr rund um Wikileaks begleitet hat, steckt hier bereits in der Frage: Was wir wollen oder nicht, spielt für Leak-Plattformen keine Rolle. So wie es einer unabhängigen Presse egal sein sollte, ob die von ihr veröffentlichten Informationen den betroffenen Politikern gefällt oder nicht.

Leak-Plattformen wie Wikileaks und co. sorgen gerade dafür, dass Informationen publik werden, ohne dass ‘wir’ entscheiden können, ob wir so viel Transparenz wollen oder nicht. Überspitzt und vereinfacht gesagt: Der einzelne Informant entscheidet für uns, was öffentlich sein soll und was nicht.

Wer sagt “Alles super. Wir müssen aber [XY] wahren.” spricht nicht über die Post-Wikileaks-Zeit sondern über die davor.

Sind Like-Button-Gegner gegen ein dezentrales Web?

Ist denen, die gegen eine möglichst einfache und damit datenweiterreichende Einbindung des Like-Buttons argumentieren, eigentlich klar, dass sie gegen Dezentralisierungstendenzen im Web argumentieren?

Jede Einbindung von Funktionen eines Dritten in eine Website wird Daten an diesen Dritten weiterleiten. Die Zwei-Klick-Lösung von heise (Erst nach dem Ja-ich-will-sharen-Klick erscheint der eigentliche Like-Button.) ist bestenfalls eine Lösung nur für den Like-Button. Dieser Button ist eine sehr simple Funktion, die 2010 eingeführt wurde.

Was ist mit eingebetteten YouTube-Videos? Was ist mit externen Kommentarsystemen von Livefyre oder, wie hier, Disqus? Soll alles erst nach einem “Ja, zeig mir das bitte.”-Klick eingeblendet werden?

Was ist mit den von Netzaktivisten verzweifelt herbeigewünschten dezentralen Alternativen zu Facebook und co.? Dort würden hinter den Kulissen sehr viel mehr Parteien eine Rolle im Datenverkehr spielen.

Ich bin auf meinem eigenen Server, ein Freund von mir auf seinem eigenen und fünf weitere Freunde von mir nutzen einen Knoten in den USA.  Der Knoten meiner fünf Freunde benutzt zusätzliche Funktionen, die auf meine privaten mit ihnen geteilten Daten zugreifen können und unter anderem von einem neuseeländischen Anbieter bereitgestellt werden. Mein anderer Freund benutzt auf seinem Server Zusatzfunktionen von russischen, französischen, schwedischen und einem Dutzend weiterer Anbieter.

Nach deutscher Like-Button-Datenschutz-Vorstellung darf nichts davon ohne meine explizite Zustimmung passieren.

Man stelle sich etwa die Registrierung auf  einem erfolgreichen Diaspora mit vielen Netzwerkknoten vor:

“Bitte bestätigen Sie mit 1.000 Klicks die Weiterleitung Ihrer Daten innerhalb unseres dezentralen Netzwerks.”

Der Like-Button ist ein Problem? Nein, wie bei Street View ist wieder eine deutsche Debatte das Problem, bei der selbst die meisten netzaffinen Menschen den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen.

Denksportaufgabe: Wie soll ein deutscher Datenschutz so umgesetzt werden, dass er den Nutzern ihre Kontrolle gibt ohne die Entwicklung dezentraler Alternativen zu hemmen?

Oder ist das egal und Like-Button-Gegner sind auch Gegner eines dezentraleren Webs?

Flugsuche Hipmunk gleicht Termine mit Google Kalender ab

Hipmunk

Ein weiteres Beispiel für eine sinnvolle Datenverknüpfung zeigt die Flugsuchmaschine Hipmunk auf.

Man kann die Suchmaschine jetzt mit Google Kalender verbinden und automatisch anzeigen lassen, wenn Flüge mit eingetragenen Terminen kollidieren:

Now, Hipmunk will automatically display information from your calendars when you run searches—something no other travel site can do. 
[..]
If you can’t afford to skip any of your events, click the “No Conflicts” button to instantly hide all conflicting flights.
[..]
Finally, if you want to find hotels closest to one of your events—say, your first or last event of the day—click to sort by distance.
When you click the text field, you can select one of your events, and all of the hotels will instantly re-sort by proximity to your event.

 

Personalisierung galore mit Facebook

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Als die Facebook das passive Sharing als neue hinzukommende Form des Mitteilens bekanntgab, schrieb ich in meiner initialen Analyse auch über die Möglichkeiten der Personalisierung:

Wie beim oben angeführten Beispiel mit Last.fm werden die heute bekannt gemachten Neuerungen Facebook noch sehr viel mehr als vorher schon zu ersten Anlaufstelle für Personalisierungen von Angeboten aller Art (Film, Musik, News) machen. Der Grund ist simpel: Auf passive Art lassen sich sehr viel mehr Daten erheben als über aktive Like-Klicks.

An anderen Stellen habe ich ein paar Beispiele genannt, was mit diesen verknüpfbaren Daten, die zum ersten Mal an einer Stelle zusammenlaufen, gemacht werden kann.

Auf neumusik.com schrieb ich über den Musikbereich:

Nehmen wir einen Facebooknutzer an, der geschaute Filme auf Netflix etc. und gelesene Artikel auf Pitchfork etc. von Facebook mitprotokollieren lässt:

Ein Musikstartup könnte zum Beispiel Musik aus den Soundtracks der jüngst vom Facebook-Nutzer geschauten Filme zusammenstellen.

Oder ein Musikstartup erzeugt automatisch eine Playlist von Musik, deren Reviews der Facebooknutzer auf Pitchfork und anderen Onlinemagazinen gelesen hat.

Auf Exciting Commerce schrieb ich über den Fashionbereich:

Nach der Veknüpfung mit dem Facebook-Account könnte ein Fashion-Startup die konsumierten Filme und Texte in Online-Modemagazinen nach verknüpfbaren Produkten durchsuchen und diese der Nutzerin automatisch anzeigen:

‘Schuhe und Kleider, die du im Film XY gesehen hast und bei uns kaufen kannst:’

Mit etwas Kreativität dürften sich schnell weitere spannende Mashup-Ideen ergeben.

Facebook führt ‘Scrobbling’ für alle Aktivitäten ein

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Facebook hat heute auf seiner Entwicklerkonferenz f8 angekündigt, dass Apps in ein paar Wochen alle Aktivitäten der User an Facebook werden schicken können, sofern die User zugestimmt haben.

Das heißt dann zum Beispiel, man kann von Facebook mitprotokollieren lassen, welche Filme oder Serien man auf der On-Demand-Streaming-Plattform Netflix angeschaut hat, oder welche Songs man auf Spotify anhört.

Um den Newsfeed nicht zu überfüllen, werden die Freunde diese Aktivitäten in der Timeline, dem neuen Profil-Bestandteil von Facebook, und im neuen Ticker in der rechten Spalte sehen können.

Das ist eine enorm weitreichende Neuerung.

Es gibt zwei Möglichkeiten für Internetplattformen, Aktivitäten ihrer User (Musik hören, Filme schauen, Texte gutfinden, etc.) zu tracken. Aktiv und passiv:

Aktiv:  Der Nutzer entscheidet sich aktiv bei jedem Eintrag für das Verbreiten der Aktivität. Meist geschieht das mit einem Button, den ich die Ein-Klick-Geste genannt habe.

Passiv: Der Nutzer lässt seine Aktivitäten automatisch mitprotokollieren. Das bekannteste Beispiel dafür ist das Scrobbling von Last.fm:  Ich höre Musik auf meinem Rechner und ein Plugin sendet die Daten der gespielten Songs an Last.fm.  Anschließend kann ich mit den so gesammelten Daten ein personalisiertes Radio anhören, oder mir zum Beispiel anzeigen lassen, wann einer der Musiker, deren Musik ich anhöre, ein Konzert in meiner Gegend gibt.

Ich hatte letztes Jahr in einem Artikel weitere Beispiele für aktives und passives Tracking von Aktivitäten gesammelt und über die zwei Alternativen geschrieben:

Der Nutzungsunterschied zwischen passivem Sich-tracken-lassen und aktivem Check-In ermöglicht unterschiedliche Ansätze, weil man von Opt-out zu Opt-In wechselt während der Beteiligungsaufwand minimal gehalten wird.

Als ich den Unterschied zwischen Aktiv (Klick) und Passiv (Protokoll) anhand der Micropayment-Dienste Flattr (aktiver Klick) und Kachingle (passives Tracking) untersucht habe, habe ich auch angemerkt, dass sie zu unterschiedlichen Ergebnissen und Herangehensweisen der Nutzer führen können.

Der Punkt hier ist: Facebook deckt jetzt beides ab.

Die Möglichkeiten, die sich Facebook und App-Entwicklern damit ergeben, sind enorm vielseitig. Ein Beispiel sind Aggregationen über den Freundeskreis. Nutzer können sehen, dass fünf Freunde den gleichen Song angehört haben.

Die auf Facebook ausgetauschten Daten werden in ihrem Umfang um ein Vielfaches zunehmen. Gleichzeitig, und das ist relativ clever, wird der Newsfeed, immerhin das zentrale Element von Facebook, nicht bombardiert und nutzlos gemacht. Venturebeat:

These apps allow for a “frictionless experience,” real-time serendipity, and finding patterns in what you and your friends do. The platform changes are good for apps related to communications, games, media and lifestyle, he said. The company has redesigned its permissions process to allow users to post things related to material they have posted before, without having to grant express permission every time.

Zusätzlich wird es zum Beispiel bei der Integration von Spotify möglich sein, die im Ticker erscheinende Musik direkt mit anzuhören:

When your friends share what they’re listening to on Facebook via Spotify, those updates will show up in Ticker. By hovering over the update, you can listen to the song instantly along with them. It’s a great way to share and discover new music.

Das wird auch für andere Arten von Inhalten möglich sein:

You can also do more exploration into what your friends like. For example, you can listen to their favorite songs, watch shows they watch and more — all directly from the Facebook web app. Each user will have special dashboards for movies, music and TV, too, to show off what they listen to and watch the most.

Die Launchpartner für diese neuen Features:

Music partners for the roll-out include Spotify, MOG, Rdio, Rhapsody, Turntable, VEVO, Slacker, Songza, TuneIn, iheartradio, Deezer, Earbits, Jelli, mixcloud and others. On the video side, Facebook is integrating first with Hulu, Netflix, Blockbuster, IMDb, Dailymotion, Flixter and several others.

Facebook is also allowing for onsite consumption of news content and has established partnerships with large media partners for those features, as well.

Wie beim oben angeführten Beispiel mit Last.fm werden die heute bekannt gemachten Neuerungen Facebook noch sehr viel mehr als vorher schon zu ersten Anlaufstelle für Personalisierungen von Angeboten aller Art (Film, Musik, News) machen. Der Grund ist simpel: Auf passive Art lassen sich sehr viel mehr Daten erheben als über aktive Like-Klicks. (wenn auch letztere unter anderem deswegen mehr Gewicht pro Einheit haben)

Ein weiteres Mal erweitert und optimiert Facebook den Datenfluß auf der eigenen Plattform.

Webunternehmen zu kostenpflichtigen, werbefreien Alternativen zu verpflichten, ist nicht die Lösung

Christoph Kappes beantwortet 7 Fragen von Nico Lumma zur aktuellen Deutscher-Datenschutz-vs-Like-Button-Debatte und schlägt unter anderem vor, Webunternehmen zu einer kostenpflichtigen, werbefreien Alternative für Endnutzer-Accounts zu verpflichten:

Im Übrigen finde ich es richtig, wenn Anbieter umdenken, und kostenpflichtige Nutzung als Altermative einführen. Das ist nämlich die eigentliche Ursache der Probleme. Ich überlege schon laenger, ob wir nicht viele Probleme erledigen, wenn wir zu kostenpflichtigen & werbefreien Nutzerkonten als Alternative verpflichten. Dann kostet GMail halt einen Fünfer im Monat.

Im Gegensatz zum Hauruck-Eskalation-Vorgehen deutscher Datenschutzbeauftragter ist das zumindest erfreulicherweise ein konstruktiver Vorschlag. Etwas, das man sich auch mehr von den eifrigen deutschen Datenschutzbeauftragten wünschen würde.

Ich halte diesen Vorschlag aber für ausgesprochen problematisch und kaum umsetzbar.

Wenn ein Webunternehmen wie zum Beispiel Facebook oder Google sich entscheidet, keine kostenpflichtigen Accounts anzubieten und für die Endnutzerseite ausschließlich auf Finanzierung von anderen Seiten setzt, müsste dann ein gesetzlicher Zwang einsetzen, der das Unternehmen verpflichtet, zusätzlich eine kostenpflichtige Account-Alternative anzubieten.

Das Unternehmen soll also zu etwas gezwungen werden, dass es von sich aus aus welchen Gründen auch immer für wirtschaftlich nicht sinnvoll hält. Die Folge? Ausreizen der Regeln:

Was, wenn das Unternehmen sich entschließt, den Preis so hoch anzusetzen, so dass diese Alternative für den Endnutzer nicht attraktiv wird? Soll eine Behörde dann die Preisbildung überwachen und korrigierend eingreifen?

Wollen wir Unternehmen vorschreiben, was ein werbefreier Webmail-Account kosten darf? Wie viel Facebook vom privaten Nutzer verlangen darf? Dass XING keine Werbung bei Premium-Accounts schalten darf? Müssen Webunternehmen dann ihre Kostenstrukturen vor der Webaccountbehörde vom Tag Eins an offen legen? Schreiben wir eine maximale Profitspanne für kostenpflichtige Accounts vor?

Der Vorschlag ist nicht umsetzbar, ohne den Handlungsspielraum der betroffenen Unternehmen massgeblich einzuschneiden. Das kann kaum wünschenswert sein.

Nein, Geschäftsmodellzwang ist sicher nicht die Lösung.

Offenheit + Vernetzung -> Vertrauen

Das Slate Magazine über die Vorteile von Offenheit im Verbund mit Vernetzung: Internet privacy: How network analysis can reveal details you would rather hide.:

Rather than be distressed about the increasing impossibility of privacy, perhaps we should instead consider the benefits of being more open. Hoffman mentioned that on LinkedIn, profile information becomes more trustworthy than a traditional paper résumé once a person’s profile has at least 10 links, because people are less willing to stretch the truth in front of their friends and colleagues. This is the general trade-off we face: In exchange for giving up some of our privacy, we acquire more reliable information about one another.

Das ist aber erst der Anfang:

The cultural changes wrought by the Internet are not yet done, because our understanding as a society of exactly what information is on the Internet is not complete. The power of statistics and pattern recognition means that we’ve put much more information on the Web than we intended. As the Internet becomes more connected to the real world through video and other sensors, the chance for information leakage increases. One consequence is that some members of the younger generation have elected to give up on privacy entirely.

Noch einmal der Hinweis: Lesenswert zu diesem Themenkomplex ist das Blog von Michael Seemann.

(via @twittwoch)