Archive for the 'deutschnetz' Category

Der deutsche Status-Quo-Fetisch

Auf netzwertig.com habe ich den ersten Teil einer Artikelserie über die aktuellen deutschen Zustände geschrieben. Es hat bereits seit einer geraumen Zeit in mir gebrodelt, aber es ist eins dieser Themen, die so groß, so umfassend sind, dass man sich lieber nicht an sie heranwagen mag. Wie dem auch sei, nach der eben vergangenen Woche und dem lesenswerten Artikel von Ralf Bendrath zum großen Ganzen ist der Knoten quasi geplatzt. Bitte lesen:

Das Problem in Deutschland ist, dass es nicht nur keinen ernstzunehmenden Diskurs zum vom Internet initiierten Wandel gibt - oder überhaupt erstmal über das Internet allgemein. Es herrscht außerdem eine alle Bevölkerungsschichten durchziehende Technophobie, die das Begreifen und Nutzbarmachen der sich verändernden Rahmenbedingungen äußerst erschwert. Und es gibt zusätzlich keinen Austausch zwischen denen, die das Web nutzen und ansatzweise verstehen und den Menschen, bei denen dies nicht der Fall ist.

[..]

Wenn die Entscheider in Deutschland, aus Angst vor Kontrollverlust oder durch von Existenzangst getriebenen Lobbyismus, das Internet so tiefgehend beschneiden, dass die systemischen Vorteile umgekehrt werden, passiert vor allem eins: Das Land kommt noch weiter ins Hintertreffen gegenüber den Ländern, die nicht verhindern, dass die dem Internet innewohnenden Eigenschaften die dortige Gesellschaft und Wirtschaft verändern (und damit zu einem massiven Wohlfahrtsgewinn führen).

 

Deutschland degeneriert in ein Entwicklungsland (Teil 1 von 3)

Re:publica ‘08: Nachlese

Neunetz.com, immer am Puls der Zeit, präsentiert: Der Welt späteste Re:publica-Nachlese

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(pic: gapingvoid, baby)

Toll war’s. Und anstrengend. Vorweg: Ich fand die Re:publica nicht schlecht. Und Tim Pritlove mag ich eigentlich auch.

Aber.

Aber man merkte doch einigen Panels an, dass die Zusammensetzung entweder nicht so klappte wie geplant oder nicht strategisch genug zusammengesetzt wurde. Oft dümpelten Diskussionen eher so vor sich hin. Das war besonders schade, da einige wirklich interessante Geschichten dabei waren. Musik im Netz zum Beispiel. Ein IMG 1176hochemotionales und auch komplexes Thema, aus dem man locker eine eigene Konferenz machen könnte. Dümpelte leider die erste Dreiviertel Stunde vor sich hin, wurde dann noch die letzten 15 Minuten ein bisschen spannend aufgrund von Publikumsfragen und war dann schon wieder vorbei. Eine Stunde pro Podiumsdiskussion ist einfach zu knapp (Keine Pause zwischen den Vorträgen/Panels ist noch zu knapper).

An diesen Dingen krankten leider einige Panels. Vielleicht hatte ich auch nur zu hohe Erwartungen. Denn es war ja nicht schlecht. Nur eben auch nicht.. der Kracher.

Schlecht hingegen, geradezu unterirdig, war die Moderation von Tim Pritlove des Panels rund um die Zukunft von Social Networks.

Hinweis an Alle, denen eine Panelmoderation angeboten wird: Wenn man sich seit einem Jahr nicht mehr mit dem Thema auseinandergesetzt hat und auch keine Lust oder Zeit hat, sich vorzubereiten, die Moderation bitte lieber abgeben.

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Es war unfassbar. Ich hatte kurzzeitig das Gefühl, auf dem SXSW zu sein und einem Interview mit Zuckerberg zu lauschen (<- Insidergag). Pritlove schaffte es neben permanentem Pöbeln in Richtung Myspace-Vertreter und StudiVZ-Vertreter, nicht einmal das Zukunfts-Thema für SocialNetworks -Plattformen& APIs- anzusprechen. Das kam dann erst im letzten Drittel durch eine Publikumsfrage. Stattdessen ritt Pritlove auf dem Thema Datenschutz rum. Das zwar wichtig ist, aber nur ein Thema von vielen ist. Offensichtlich war es aber das Einzige, worüber Tim reden wollte oder konnte. Wahrscheinlich weil er seit einem Jahr nichts mehr zu SNs gelesen hat (Wir erinnern uns: vor einem Jahr, Ende 06/Anfang 07 war StudiVZ und dessen Sicherheitsstrategie, or lack thereof, Thema Nr.1).

StudiVZ-Sprecher Michael Brehm hatte außerdem leider das leere, verfloskelte Politikersprech erschreckend gut auf dem Kasten. Aber was sollte er auch schon machen? Ich bin wahrlich kein Fan von StudiVZ und dessem Strategierumgegurke. Aber das Mobverhalten im Publikum, jedes Mal wenn Brehm antwortete, war unter aller Kanone. Es war beschämend und ärgerlich.

Ärgerlich, weil ich ganz offensichtlich das lukrative Geschäftsmodell, Mistgabeln und Fackeln auf der re:publica zu verkaufen, völlig verpasst hatte. Damn.

Sei’s drum.

Eine Konferenz ist ja nur halb für die Panels und Vorträge da. Die hier naturgemäß schlechter wegkommen, als sie waren. Denn man neigt ja eher zum kritisieren als loben. Blöderweise.

Das Networking, sich kennen lernen, etc. ist mindestens ebenso wichtig. Und dafür ist die re:publica besser geeignet als alles Andere wenn es um Blogs und das Netz geht. Klar, liegt ja auf der Hand.

Genau das und der Grund, dass die re:publica bei allen Schwächen und Kritikpunkten ein wirklich runde (und meine Güte preisgünstige) Angelegenheit ist, der man anmerkt, dass die Macher mit dem Herzen dabei sind, also, ohne zu versuchen, diesen Satz bernhardesk werden zu lassen, wollte ich nur sagen, dass ich aus diesen Gründen nächstes Jahr auf jeden Fall wieder dabei sein werde. Und das Jahr darauf auch.

 

Achja, was den SZ-Artikel angeht. Da haben andere schon alles Notwendige zu gesagt. Mittlerweile ist es mir schon ein bisschen peinlich, dass ich die Zeitung mal abonniert hatte.

 

Last not least: Chapeau in Richtung Herrn Lobo für seine Followerparty (und seinen souveränen Umgang auf dem Bloggeld-Panel mit Kritikern aus Publikum und vom Panel selbst)!

Craigslist jetzt auch auf Deutsch

Craigslist, die Seite, die den Kleinanzeigenmarkt der US-Tageszeitungen ruiniert hat, gibt es jetzt auch auf Deutsch.

Wikipedia über Craigslist:

Mit über drei Milliarden Seitenbesuchen von zehn Millionen Nutzern pro Monat ist das Unternehmen weltweit auf dem siebten Platz aller Internetfirmen. Mit sieben Millionen neuen Anzeigen im Monat ist es das größte Unternehmen dieser Art.

Eine auf Deutschland bezogene, allerdings englische Seite gibt es schon länger.

Die Seiten der jeweiligen Städte wie Berlin oder Zürich sind jetzt lediglich eingedeutscht.

Wird Craigslist im deutschsprachigen Raum dem Zeitungssektor nun ebenso das Fürchten lehren, wie es das in den USA getan hat?

Wir werden sehen. Gemütlicher für die Holz-Fraktion wird es auf jeden Fall nicht.

 

(via Techcrunch)

Myspass.de: Gratis deutsche Serien online anschauen

myspassDie deutsche Produktionsfirma für TV-Formate Brainpool startet mit Myspass.de ihre eigene Videoplattform im youtube-Stil und bietet dort u.a. kostenlos (einige) komplette Episoden von von ihr produzierten Serien wie Stromberg, Pastewka und Dr. Psycho an. Myspass.de ist ein kleines bisschen eine Art deutsches Hulu .

Abgesehen vom grenzwertigen Namen, der seine Geburtsstunde wahrscheinlich irgendwann im Dezember auf der Brainpool-Betriebsweihnachtsfeier nachts um halb 3 hatte, kann sich die Seite durchaus sehen lassen.

Die Auflösung der Videos ist etwas höher als bei youtube, die Videos fliegen nicht wie bei watchberlin wie Mücken auf Speed durch die Gegend. Generell: Es ist keine komplett in Flash umgesetzte Seite, das ist doch schon mal was für deutsche Verhältnisse; man wird ja genügsam.

Laut dwdl finden sich einige der auf Myspass.de kostenlos angebotenen Inhalte auch auf dem kostenpflichtigen Video-On-Demand-Portal Maxdome. Diese Situation wird sicher nicht von Dauer sein.

Negativ: Man muss doch tatsächlich eine Postleitzahl angeben, um sich anmelden zu können. Was das soll, bleibt mir schleierhaft.

Ist man erstmal angemeldet, kann man auch eigene Videos hochladen. Außerdem kann man als registrierter Nutzer Shows abonnieren und so über neu hochgeladene Episoden auf dem Laufenden bleiben. Nett.

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Fazit

Myspass.de ist sicher nichts Außergewöhnliches aber nichtsdestotrotz eine grundsolide, empfehlenswerte Seite. Stehen und fallen wird die Seite letztlich mit ihrem Content. Bleiben die Episoden von von Brainpool entwickelten Serien dauerhaft auf Myspa css.de abrufbar und könnte man sich dort dazu durchringen, weitere Episoden online zu stellen, dürfte die Seite ihr Publikum leicht finden. Ob das der Fall bei einem sich überschneidenden Angebot mit dem kostenpflichtigen Maxdome sein wird, wird sich noch zeigen müssen.

Fehlt letztlich nur noch die Möglichkeit, die Videos auf anderen Seiten einbinden zu können.

Nur an den Namen werde ich mich wohl in diesem Leben nicht mehr gewöhnen können.

 

(via tomblog )

Deutsche Version von Digg kommt in “12 bis 24 Monaten”

Digg war die erste SocialNews-Seite -User bewerten Nachrichten- weltweit und ist heute immer noch die mit Abstand Größte ihrer Art. Server von Seiten die auf der Startseite von Digg landen, gehen regelmäßig aufgrund des Besucheransturms in die Knie. Die Seite plant jetzt, nach Deutschland zu kommen, irgendwann in den nächsten 12 bis 24 Monaten.

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Deutsches Digg könnte hilfreich sein

Digg

-Gründer Kevin Rose gegenüber dem Handelsblatt:

Er sieht Digg auch so auf der stärkeren Seite: „Wir haben den Vorteil einer sehr guten technischen Basis und eines exzellenten Teams.“ Deshalb plant er, mit einer deutschsprachigen Seite die Kopierer der Idee in den nächsten 12 bis 24 Monaten anzugreifen: „Die Planungen sind da, einen genauen Zeitplan gibt es noch nicht.“

Ein wenig frischen Wind im deutschen SocialMedia-Sektor können wir dringend gebrauchen. Es gibt keine SocialNews-Seite, die eine solche Reichweite erreicht, dass sie für den deutschsprachigen Sektor eine ähnliche Relevanz hat (Zum Vergleich: Diese Seite müsste Artikeln, die auf der Startseite landen, Traffic in heise-Dimensionen schicken).

 

Eine starke SocialNews-Seite kann für das deutschsprachige SocialMedia-Ökosystem (Blogs etc.) wie ein Durchlauferhitzer wirken. Und ermöglicht es ganz nebenbei auch Neueinsteigern, sich mit dem entsprechenden Content zu etablieren -ohne auf Links von etablierten Blogs etwa angewiesen zu sein-. Enorm wichtig für ein ‘gesundes’ Ökosystem. Stichworte: Klüngel, Platzhirsche, inzestuöses Verhalten etc. etc.

Die Deutsche SocialNews-Szene

Es gibt den deutschen Digg-Klon yigg.de (der seinerzeit unautorisiert als digg.de startete. Soviel Chuzpe muss man auch erstmal haben.). yigg.de kann noch die größte Reichweite im deutschsprachigen Raum aufweisen. Nach eigenen Aussagen 50.000 Besucher täglich. Eine Zahl, die zu glauben, mir etwas schwer fällt. Angesichts der Clickthrough-Raten, von denen man so hört. Aber sei’s drum. Vielleicht lesen ja alle einfach nur die Zusammenfassungen auf yigg selbst oder die Besucher zersplittern sich auf viele Unterseiten anstatt die Startseite als Ausgangspunkt zu nutzen. Also angenommen die Zahl stimmt, selbst dann: Dem Potential und der Anziehungskraft und dementsprechend die Größe, die eine solche Seite haben müsste, nach, kann man bei yigg nicht unbedingt von einem Erfolg auf ganzer Linie reden. Ein Riese nur unter Zwergen.

 

Oder hat schon mal jemand von einem Yigg-Effekt gehört? Sind Server schon in die Knie gegangen, weil eine Seite geyiggt wurde?

Eben.

Ich weiß auch nicht warum, aber ich bin auch mit yigg nie warm geworden (mögliche Gründe: von Anfang an eine eigenartig unsympathische, sich abschottende Community, drastige Spamprobleme, gewöhnungsbedürftiger Seitenaufbau und Seitendesign, die eigenen User abwertend behandelnde Moderatoren etc). Der Yigg-Button unter jedem Artikel hier auf der Seite existiert auch nur noch aufgrund einer meiner Charaktereigenschaften (Nein, Faulheit).

Wenn uns ein deutsches digg aus der SocialNews-Misere befreien kann, selbst wenn es nur mit dem Markteintritt die alteingessenen Player aufrüttelt, dann sag ich all hail the Kevin and his fanboys. Ein wenig Konkurrenz kann man yigg, webnews, wikio und co durchaus wünschen.

Nebenbei ein Auszug aus meinem Ausblick auf 2008:

Die deutsche Startupszene: Sollte sich besser nochmal ans Reißbrett setzen. 2008 werden eine Menge us-amerikanischer Startups ihre deutschen Dependanzen starten.

:)

Handelsblatt-Internetexperte Thomas Knüwer leistet sich in besagtem Artikel auch einen kleinen Schnitzer über den ich mich ebenso gewundert habe wie Jojo bei internetmarketing-news:

Die guten Klickzahlen erzeugen Nachahmer. In Deutschland heißen sie Yigg und Mister Wong und Webnews (das ebenso wie das Handelsblatt Teil der Verlagsgruppe Holtzbrinck ist).

Was der Bookmarkingdienst Mr. Wong da zu suchen hat, ist mir schleierhaft. Gefährliches Halbwissen.

 

(via internetmarketing-news)

Weiterführende Links:

Wie viel Traffic bringen Yigg, Webnews & Co? auf lorm.de (Jan. ‘08)

Die deutsche Social News Szene und die Kritik an ihr - Webworkblogger (älter, März ‘07) Kritik immer noch relevant:

Die Social News Szene in Deutschland besteht im wesentlichen aus Yigg, Readster, Webnews, Folkd und Wikio. Schwere Fehler im Aufbau einer Community Kultur, mangelnde Userbindung und mangelnde Unterstützung von Bloggern sind nur einige Probleme dieser Internetbranche. Derzeit finden sich neben einigen (wenigen) informativen Beiträgen fast nur Bashing und Boulevard Themen. Innovation wäre nun gefordert, sie bleibt aber aus.

Alles über die deutsche Social News Szene - Webworkblogger

(Sept. 07)

 

Bonusbild: Mal wieder ein grandioser GapingVoid-Comic.

Offiziell: Nächstes StudiVZ-Netzwerk heißt MeinVZ und startet morgen

Wie der FAZ-Netzökonom berichtet, startet StudiVZ morgen sein bereits angekündigtes neues Netzwerk und es wird tatsächlich MeinVZ heißen.

Starten wird es morgen, dem 28. Februar.

MeinVZ kommt auch in englischer Sprache und wird auf der neuen Softwareplattform laufen.

Mit diesem Namen? Viel Spass damit.

StudiVZ-CEO Marcus Riecke beweist nebenher auch weiterhin seine mittlerweile legendäre Kompetenz bezüglich neuer Entwicklungen im SocialNetwork-Segment:

Ein sogenannter News Feed, der die Mitglieder über die Tätigkeiten seiner Freunde im Netzwerk informiert, stehe in der Prioritätenliste sicher nicht auf Platz 1. „Viele Nutzer empfinden einen News Feed auch als störend”, sagte Riecke.

 

Ohne Worte.

StudiVZ-CEO Riecke schickt seine Kreuvzritter in die Schlacht

Ja, ganz richtig gelesen, es ist ein Kreuvzzug.

Nachdem man bei StudiVZ nun so aggressiv gegen Seiten mit VZ im Namen (mittlerweile 3 an der Zahl) vorgeht, kann das nur eins bedeuten: Auch das neue UberVZ, auch so schon eine konzeptionelle Gurke sondersgleichen , wird mit der unsäglichen Zweibuchstabenkombination daherkommen.

Im Magix Blog will man mittels Domainschnippseljagd herausgefunden haben, dass die geplante neue Netzwerkseite meinVZ heißen wird . Ob das nun so sein wird oder nicht, mit ziemlicher Sicherheit steht wie gesagt fest, dass der Name der neuen Seite mit VZ endet..

Das Lustige daran: Bei StudiVZ hat man aus dem Desaster der damaligen Namensfindung nichts gelernt. Man denkt einfach nicht an die Zukunft. Oder kann sich jemand eine internationale Seite mit dem Ende VZ vorstellen? PeopleVZ? Please.

Nein, StudiVZ blendet einfach die gesamte Welt außerhalb des deutschsprachigen Raumes aus. Dabei müsste man doch bei Holtzbrinck schonmal von so etwas wie Globalisierung gehört haben. Die kommt nicht nur in Form von billigen Chinaprodukten und Verlagerungen von Mobiltelefonwerken daher. Gerne nochmal nachschlagen, was die ersten beiden ‘w’s in www bedeuten.

StudiVZ und seine Schwesterseite SchuelerVZ sind die größten Seiten in Deutschland, zumindest was User Generated Content angeht. Auf ihnen rumzureiten, ist einfach, und Kritik lässt sich notfalls mit dem Neidargument wegreden. Was man bei StudiVZ sicher seit einem anderthalben Jahr auch permanent macht.

Aber trotzdem: StudiVZ muss sich fragen lassen, ob alle Entscheidungen dort mit Dartpfeilen entschieden werden.

zoomer.de: auf halber Strecke stehen geblieben

Wie bereits breit in der deutschen Blogosphäre berichtet, startete heute das neue Newsportal zoomer.de von Holtzbrinck (ich hatte hier schon über zoomer.de berichtet).

Ausführliche Artikel findet man bei meinen Blogwerkkollegen von medienlese und bei mrtopf, der auch mit vielen Screenshots aufwartet. Und mehr wie gesagt via Rivva.

Auf die einzelnen Aspekte einzugehen, spare ich mich also mal. Ein paar Punkte, die ich dennoch erwähnen möchte:

1. Inhalte: jetzt.de-Klicklord Dirk von Gehlen hat festgestellt, das man wohl zum großen Teil Agenturmeldungen einsetzt. Was die Frage aufwirft, was die 40-Mann starke Truppe dort den ganzen Tagen macht. Bilder zu süddeutschesken Galerien zusammenfriemeln? Eher mittelprächtige Kurztexte schreiben, in denen sie ein Abflauen des Hypes um Twitter herbeiphantasieren (Ernsthaft, was ist das mit den Deutschen und ihrem Hypecalling-Fetisch?)? Was man auf zoomer.de so macht, sieht man schon in diesem Beispieltext: Nicht verlinken. Gerademal für Twitter konnte man sich einen Link nach außen abringen, für den Gegenstand des Textes, Twitxr (Idee für ein neues Geschäftsmodell: Vokale an Startups verkaufen), hat es nicht mehr gereicht. Schlechte Ausbeute für das ‘erste echte Internetnachrichtenportal’ (siehe unten).

2. Noch etwas zu meinen Blogwerkkollegen von der medienfront:

Was eine grundsätzlich gute Idee ist - die Ordnung der Nachrichtenflut anhand des Interesses der Leser -, weckt hier Misstrauen. Wer weiß, ob ich nicht gerade ein wichtiges Thema verpasse, nur weil sich andere nicht dafür interessieren? Sorgt die Redaktion dafür? Der Klick geht dann im Zweifel weiterhin an Spiegel Online.

Meines Erachtens falsche Annahme zur Zielsetzung und Abgrenzung. zoomer.de soll ja gar nicht die Anlaufstelle für alle ‘wichtige Themen’ sein (was auch immer das Wichtige sein soll) und muss es auch nicht. Eben gerade die andere Grundlage der Gewichtung kann/könnte zoomer.de Vorteile gegenüber Spon et al verschaffen. Besonders interessant, da, wer es mit den ‘wichtigen Themen’ ernst meint, sowieso nicht auf die ins Boulevardeske neigende (<-Untertreibung) Online-Redaktionen von Spon et al setzt, sondern auf die Algorithmen von GoogleNews. Da kann zoomer.de als Ergänzung nebenher gut koexistieren während die Startseiten der anderen von GoogleNews substituiert werden.

Davon abgesehen haben besonders die deutschen Redaktionen letztes Jahr mehrfach bewiesen, dass sie nicht mehr in der Lage sind, die wichtigen Themen tatsächlich nach vorn zu holen. Stichwort Vorratsdatenspeicherung, wo waren da die Titelseiten, die Onlineaufmacher und -kampagnen? Redaktionen, Hierarchien, yadda yadda yadda. Zurück zu zoomer.de:

3. Man kann bei der Registrierung vorbildlich auswählen, dass die eigenen Daten nicht zur Personalisierung der Werbeeinblendungen verwendet werden. Nur versteckt sich diese Auswahl hinter einem Link. Und wenn man sie anwählt, ergibt das anschließend eine Fehlermeldung. Das Anmelden ist mit dieser Auswahl, so scheint es, zur Zeit nicht möglich. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

4. Die Anmeldung funktionierte auch nicht, nachdem ich personalisierter Werbung zustimmte. Erst meinte zoomer, mein Passwort wäre falsch. Also versuchte ich mein Passwort zurückzusetzen. Auf der Seite dafür meinte zoomer dann, meine Emailadresse (an die die Accountaktivierungsmail bereits einging) sei invalid. Woraufhin ich fluchte und aufgab.

5. Community und Mitmachen: Deshalb konnte ich auch nicht prüfen, ob folgende Annahme stimmt, da ich dazu aber nix in den Artikeln über zoomer.de gefunden habe, gehe ich mal davon aus:

Wenn ich einen Artikel bewerte, passiert erstmal nicht mehr, als dass dieser anders auf der Seite gewichtet wird und das eventuell Auswirkungen auf die Ausrichtung meiner Seite hat. Gibt es eine Seite auf der alle meine positiv bewerteten Artikel aufgelistet sind? PersonalNews-Seite Spotback handhabt das so. Quasi als eine Art Bookmarking (am besten noch durchsuchbar)? Falls nicht, dürfte die Beteiligung auf zoomer.de geringer ausfallen als erwartet. Denn das funktioniert nur richtig gut, wenn die Mikro- und Makrointeressen auf einer Seite beiderseits bedient werden. Ich hatte diese Problematik im Artikel zu Readburner, da aber in anderem Zusammenhang, schonmal angesprochen.

Denn wenn ich nicht direkt (sichtbar!) etwas für mich daraus ziehe, wenn ich etwas bewerte, dann mache ich das nur wenn ich eine enge, und ich meine wirklich enge, emotionale Bindung zur Seite/Community habe. Angesichts der Tatsache, dass die Seite zu einem Großteil redaktionell betrieben wird, dürfte das schwierig werden.

Und wo wir schon dabei sind, wie wäre es mit personalisierten RSS-Feeds? Also einem Feed mit nur von mir positiv bewerteten Stories? Gibt es natürlich nicht. Denn:

6. Technik: Mit RSS-Feeds hat man es nicht so auf zoomer.de. In Deutschland startet 2008 eine neue Nachrichtenseite, die cutting edge sein will, und sie behandelt die wichtigste Neuerung im Nachrichtengeschäft seit Erfindung des Telegrafen als könne man eigentlich auch ganz darauf verzichten. Go figure.

Zum Mitschreiben: Ein Feed für eine ganze Nachrichtenseite ist nahezu nutzlos. Gib mir Kategorien, etc etc

Und wo wir gerade dabei sind: Ich mag ja den Wickert. Aber ich werde nicht permanent in der Hoffnung auf einen neuen Videokommentar von ihm auf die Seite klicken. Give me a goddamn Videopodcastfeed! Ich meine, wo sind wir denn hier? 1999?

(Das ist wie beim Holtzbrinck-Produkt watchberlin. Erst schafft man es ewig nicht, die Videos auch außerhalb der wuschig machenden Flashumgebung anzubieten, und dann gibt man schließlich nur einen Frißoderstirb-Feed für alle(!) Videos zusammen raus. Ich würde ja gern Martenstein und Wirres von dort abonnieren, aber so nicht, Freunde der Nacht.)

 

Fazit

Grundsätzlich finde ich es begrüßenswert, dass mal jemand in Deutschland versucht, dem alten Nachrichtenportalgeschäft etwas Neues abzuringen. Aber das Ganze ist (wieder mal) sehr, sehr halbgar. Gerade in einer Zeit in der es neuartige Newsseiten wie Digg, reddit, Newsvine und Spotback schon eine gefühlte Ewigkeit gibt, erwarte ich einfach mehr als eine personalisierbare Agenturzweitverwertungsseite mit eigener Votingmöglichkeit. Zumindest Grundfunktionen, wie Feeds zu allem Möglichem und Unmöglichem ist bei einer neuen Nachrichtenseite ein Muß.

Man ist eben erst gestartet, deshalb kann das schon noch was richtig Gutes werden. Allerdings würde ich den Machern hinter zoomer.de und Holtzbrinck sowieso generell etwas für die Zukunft wünschen: Mehr Mut.

 

 

Und ansonsten: Das man von sich selbst als das erste echte Internetnachrichtenportal spricht, das ist zunächst erstmal nur eins: unverschämt. (Und es ist das übliche, aggressive PR-Wischiwaschi, das zeigt, das man eben nicht im Netz mit all seinen Konsequenzen angekommen ist [ja, aggressiv und wischiwaschi, PR ist immer auch ein bisschen schizophren, amazing, isn't it?])

 

Und ich verbitte es mir als Mitglied der 14- bis 35jährigen webaffinen Deutschen im übrigen, mich zu einer sogenannten ‘Generation StudiVZ’ zu zählen. So weit kommt’s noch.

Facebook _noch nicht_ auf deutsch

Auch wenn es scheinbar niemand zu interessieren scheint -zumindest nicht Robert- aber entgegen einem gestern geschriebenen Eintrag auf basicthinking ist Facebook nicht auf deutsch gestartet.

Wie ich das herausgefunden habe? Ich habe mir den halben Tag freigenommen und die neuesten verfügbaren Technologien in Anspruch genommen, um die Geschichte zu überprüfen.

Nach 3 Minuten Google-Blogsuche, Google-Newssuche und Technoratisuche mit keinen Berichten zum Deutschlandstart von Facebook stand fest: Entweder steht auf Basicthinking Mumpitz oder Robert und seine ‘Quelle’ webzwo (eben gesehen: zumindest dort wird es richtiggestellt) wissen mehr als der Rest des Internets.

Jetzt kommt meine Geheimwaffe: Ich nehme mir den Rest des Tages frei und begebe mich auf eine Odyssee biblischen Ausmaßes. Ich logge mich auf Facebook ein und gehe oben rechts auf Account und dort auf den Reiter language. Und was lacht mich im Dropdown-Menü an? Die 2 Optionen English und Espanol:

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Kann ich verstehen, dass Robert nicht die selben Ressourcen zur Verfügung stehen wie mir. Schade, dass deswegen eine schwer zu prüfende Falschmeldung auf einem der größten deutschen Blogs 24+ Stunden ohne Richtigstellung online stehen muss.

 

(Und wer wundert sich hier jetzt noch, warum deutsche Blogs nicht ernst genommen werden?)

StudiVZ has lost the plot

gapingvoid-markets

Es folgt eine lange Analyse über die eben bekanntgewordenen Pläne von StudiVZ (neue ÜberVZ-Seite, proprietäre Schnittstelle mit Zugangsbeschränkungen) mit Begründungen, warum es eine Reihe von Fehlentscheidungen ist.

Okay, ganz so schlimm wie in der bildesken Überschrift ist es nicht, aber Hut ab in Richtung StudiVZ für das konsequente Verfolgen der unsinnigsten Netzwerkstrategie seit AOL versuchte, seine Kunden einzuschließen ever:

Wir werden unmittelbar nach dem Übergang auf die neue Softwarearchitektur unsere VZ-Markenfamilie in dem Segment oberhalb von StudiVZ erweitern. Die neue Marke richtet sich an alle Freunde unserer StudiVZ-Nutzer, die nicht mehr studieren oder gar nicht studiert haben.

so StudiVZ-CEO Marcus Riecke im Interview mit Holger Schmidt von der FAZ

Das Geräusch, das Sie eben vernahmen, war mein Kopf, der dezent auf der Tischkante aufschlug. Als Holtzbrinck bei bookya einstieg, wunderte ich mich noch, warum man eine solche Funktion -eine Onlinebücherbörse- nicht bei StudiVZ selbst einbaute, und ich schrieb am Ende halb im Scherz:

Stattdessen erwartet man, dass der Student, der bereits auf Studivz angemeldet ist, sich auch noch bei bookya anmeldet. Der Student, der als Schüler bei schuelervz angemeldet war. Und sich irgendwann nach dem Abschluss dann bei Alumnivz und in ein paar Dekaden bei rentnervz anmeldet? Ich bin dann mal auf facebook.

‘Halb’ im Scherz weil ich ahnte, dass man soetwas Ähnliches tatsächlich plant.

Wie meschugge muss man sein, um mehrere parallele Netzwerke aufbauen zu wollen wenn man alles unter einem Dach machen könnte? Hat man bei StudiVZ/Holtzbrinck Angst vor dem Netzwerkeffekt? Warum beginnt man immer wieder nahe bei Null? Lust an der Herausforderung? Masochismus?

Zumindest plant man diesmal eine Durchlässigkeit zwischen den Seiten. StudiVZ-CEO Riecke:

Es wird eine große Durchlässigkeit zwischen StudiVZ und der neuen Marke geben. Wir wollen den Nutzern keineswegs vorschreiben, ob sie bei StudiVZ bleiben oder zur neuen Marke wechseln. Wir erwarten, dass viele ehemalige Studenten die neue Marke bevorzugen. Auf der neuen Plattform können die Nutzer auch ihre Arbeitgeber-Kontaktdaten sehr viel ausführlicher angeben.

Das Auslandsengagement von StudiVZ ging zum Großteil in die Hose weil es keine Verbindungen der Seiten untereinander gab -im Gegensatz zu wahrlich globalen Seiten wie Myspace und Facebook ein nicht unerheblicher Nachteil. Der so selbstgeschaffene Mehraufwand, wenn man in jedem Land komplett bei Null beginnt, war wohl doch größer als vermutet.

Jetzt macht StudiVZ aber wieder einen ähnlichen Fehler . Die Leute bauen sich ihr Netzwerk in StudiVZ auf und sollen nach Studienabschluss das Gleiche an anderer Stelle nochmal machen. Selbst wenn man soziale Verbindungen und vielleicht andere Daten (archivierte Privatkorrespondenz? Gruppenzugehörigkeiten? Bilder und dort Verlinkte?) übernehmen kann, ist diese Vorgehensweise, gelinde ausgedrückt, abstrus.

Was man stattdessen hätte machen sollen

Das Gleiche, was das andere große dt. Social Network (OpenBC->Xing) gemacht hat: Goodbye zum Namen sagen und die Community auf einen passenderen Namen umziehen. Und dort unter einem Dach das gesamte Netzwerk zusammenführen. Denn Studenten haben auch *gasp* Nichtstudenten als Freunde. Warum an dieser unnützen Trennung festhalten? Oder umgedreht gefragt: Warum nicht gleich richtig machen und eine eigene Seite für jedes Bundesland oder gar jede Universität? Eben, es ist kontraproduktiv.

Die Trennung von SchuelerVZ und den anderen Seiten ist richtig aufgrund des nötigen Jugendschutzes (jetzt mal abgesehen davon ob das und inviteonly für den Schutz ausreichen). Aber alles andere, selbst wenn die
Seiten irgendwann untereinander kommunizieren können sollten, macht es für die Nutzer komplizierter als nötig.

Möchte man den Leuten ermöglichen, sich verschiedenen Personenkreisen unterschiedlich zu präsentieren, kann man das auch über granulare Privacyeinstellungen und verschiedene Versionen von Userprofilen in Verbindung mit Freundeslisten realisieren. Dazu muss man keine zusätzliche Seite aufsetzen.

Vor allem: Welche der beiden Vorgehensweisen kann man seinen Nutzern wohl eher vermitteln? (Und außerdem: Werden Leute die vom StudiVZ ins ÜberVZ ziehen, dann doppelt gezählt? Wäre eine schöne Inflation der VZ-Gesamtzahlen.)

Weitere Punkte des Gesprächs:

  • “gesamte Softwarearchitektur komplett umgeschrieben”
  • Man konzentriert sich jetzt ganz auf das deutsche Geschäft.
  • Keine öffentlichen, indizierbaren Profile.
  • Break Even ist bei StudiVZ 2007 erreicht worden.
  • Mitglieder StudiVZ und SchülerVZ zusammen 7,5 Millionen
  • Umsatz StudiVZ 2007: “einstelliger Millionenbetrag”
  • Ein eigener Newsfeed wird “geprüft”
  • Einen Beitritt zu OpenSocial hält man nun für wahrscheinlich. (Vor wenigen Wochen wurde das noch kategorisch abgelehnt.)

Außerdem:

Eine proprietäre Schnittstelle mit Zugangsbeschränkungen..

StudiVZ-CEO Riecke hierzu und zum eventuellen Einstieg bei OpenSocial:

Es kann durchaus sein, dass wir Applikationen, die wir mit einem externen Entwickler erarbeiten, für uns behalten wollen. Wenn wir eine tolle Idee haben, macht es Sinn, wenn diese Idee in einem anderen Netzwerk nicht funktioniert. Die Applikationen sind ein Weg zur Differenzierung im Wettbewerb. Das Vorgehen hält uns alle Möglichkeiten offen: Wir können Anwendungen komplett allein entwicklen, wir können Anwendungen über die proprietäre Schnittstelle mit einem ausgewählten Entwickler erarbeiten oder wie bieten eine offene Schnittstelle an.

Eher heute hatte ich einen Artikel zu den aktuellen Facebooknews angefangen, den ich jetzt nicht mehr bringen werde (Am besten dem Link folgen, dort steht alles Wichtige). Ich schrub unter Anderem:

Facebook ist der Early Mover, der seinen Vorsprung immer weiter ausbaut.

Der Early Mover auf einem Markt, von dem man im Holtzbrinck/Studivz-Lager noch gar nicht zu wissen scheint, dass er überhaupt existiert.

Das muss ich nun korrigieren: StudiVZ hat diesen Markt mittlerweile gesehen. Ihn aber leider völlig falsch eingeschätzt.

Denn StudiVZ-CEO Riecke weiter:

Dann sollen alle Entwickler mal programmieren und die beste Anwendung soll sich auf der Plattform durchsetzen. Dieser letzte Punkt war der ursprüngliche Facebook-Weg. Das hat zu einer Vielzahl von Applikationen geführt. Wir sind nicht überzeugt, dass die Nutzer sie alle haben wollen.

Riecke liest scheinbar zu viele schlechte deutsche Blogs (schlechte deutsche Blogs? Ein Pleonasmus ?).

..ist der falsche Weg

Ich bringe den Vergleich aus meinem Artikel über die strategische Relevanz von (offenen) Plattformen gern nochmal:

Man muss Facebook, um das Konzept dahinter zu begreifen, mit einem Betriebssystem wie Windows und dessen Programmvielfalt vergleichen. Man kann natürlich argumentieren, dass 95% der Windowsprogramme kein oder kaum ein Windowsnutzer braucht. Stimmt. Ist dann aber die daraus gezogene logische Schlussfolgerung, dass ein Windows die optimale Lösung ist, bei dem Microsoft bestimmt, welche Programme darauf laufen dürfen?

Oder hat der Markt vielleicht für eine bessere Gesamtlösung gesorgt?

Hätte man ein Betriebssystem mit Zugangsbeschränkungen und eins ohne: Welches wäre nützlicher?

DAS ist der Punkt. DAS muss man verstehen als (Big) Player im SocialNetwork-Segment.

Auf bubblegeneration würde man jetzt davon lesen, dass StudiVZ/Holtzbrinck, die bei jeder Weggabelung traumwandlerisch die falsche Entscheidung zu treffen scheinen, schlicht die falsche DNA für diesen Markt mitbringen. Sie scheinen unfähig, das Internet zu verinnerlichen und seine Eigenschaften für sich nutzen zu können. (Lustigerweise das genaue Gegenteil zu Facebook)

Ja, sie haben noch nicht einmal begriffen, was ihre künftige Rolle ist. (Hint: Infrastrukturanbieter)

Mit Müh und Not hat man bei StudiVZ jetzt bekanntgegeben, dahin zu gehen, wo Facebook im Mai letzten Jahres ankam und der Rest der SocialNetwork-Welt im Herbst letzten Jahres entschied, ebenfalls hinzugehen.

Da will man also bei StudiVZ jetzt plötzlich auch hin, aber nur so halb. Irgendwie. Den Kuchen behalten und ihn essen:

StudiVZ setzt auf offenen Protektionismus und will versuchen, so Alleinstellungsmerkmale aufzubauen. Es könnte lustig werden zu beobachten, ob(!) man tatsächlich Entwickler überzeugen kann, die Überapp, statt für Zig Millionen von Facebookern oder per OpenSocial erreichbaren Nutzern, exclusiv für das im Vergleich dazu mickrige VZ-Netzwerk zu bauen. Und dann der nette indische Student von nebenan in Windeseile das Gleiche für Facebook umsetzt- nachdem es 5 andere vor ihm in verschiedenen Varianten für jeden Geschmack umgesetzt haben. Ob man dann als ehemaliger Facebook-Clon versuchen wird, Facebookapp-Entwickler abzumahnen? Oder wie auch immer man in anderen Ländern dann vorgehen müsste.

Selbst wenn man die Vormachtstellung in Deutschland für spezielle regionale Apps exclusiv für StudiVZ ausnützen wöllte, bezweifle ich, dass das klappen würde. StudiVZ kommt dafür etwas spät. Facebook hat eine ausgewachsene Plattform und einen baldigen Deutschlandstart. Ob der Vorsprung der Größe von StudiVZ ausreichen wird eine Gängelung bezüglich Exklusivität zu rechtfertigen? Nun, das wird sich zeigen. Dafür steht aber mal besser eine funktionierende Plattform parat. Etwas, an dem man bei der Vergangenheit von StudiVZ, was die technischen Belange angeht, wohl zweifeln darf. Angesichts der Probleme von OpenSocial scheint das Umsetzen einer Plattform wie F8 nicht so trivial wie man vielleicht vermuten könnte. Eine funktionierende StudiVZ-Applikation, die mehr als ein Widget ist, sehen wir sicher frühestens Ende ‘08 -wenn überhaupt.

Abgesehen davon wird StudiVZ/Holtzbrinck sowieso mit traumwandlerischer Sicherheit genau die Applikation(en) ablehnen, die auf Facebok zu Killerapplikation(en) werden wird..

 

Es fällt immer wieder darauf zurück: Es ist keine taktische sondern eine strategische Entscheidung, die langfristig(!) über Gedeih und Verderb von Plattformen bzw. WebOS -und die sind die nächste Stufe in der Evolution von Social Networks- entscheiden wird: Markt oder Hierarchie. Was hat mehr Potential Nutzen zu stiften und damit Nutzer zu binden und selbst weiter zu wachsen?

Meine Meinung dazu ist hinlänglich bekannt.

 

(pic by gapingvoid )

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