Archive for the 'deutschnetz' Category

laut.de startet Online-Musikvideokanal

laut.de ist eine der größten deutschen Seiten wenn es um Musik geht. Neben Rezensionen aktueller Veröffentlichungen findet man dort auch Biografien und Diskographien von Musikern und Bands. Laut wikipedia:

Mit 11,9 Millionen Seitenabrufen im Monat bei 2,5 Millionen Besuchen (IVW, Oktober 2006) liegt laut.de etwa gleichauf mit dem Internetangebot von mtv.de und bei den Besucherzahlen vor bravo.de und viva.de, bei den Seitenabrufen jedoch deutlich dahinter.

Laut.de ist also eine nicht zu unterschätzende Macht, wenn es im Netz um Musik geht. (Wobei ich, Sorry Jungs und Mädels von laut.de, allen Musikfans mit Englischkenntnissen ans Herz lege, den allmusicguide vorzuziehen wenn es um’s Stöbern in der Musikgeschichte geht.)

Heute hat laut.de mit laut.tv einen Musikvideokanal im Netz gestartet. Die Videos kann man entweder hintereinander (nach dem Zufallsprinzip?) ablaufen lassen oder einzeln anwählen. Eine Suchfunktion gibt es noch nicht.

Was die Quantität der Videos angeht, ist man von sich überzeugt:

Gemeinsam mit unserem Kooperationspartner SonyBMG können derzeit bereits 5.000 Videos eingesehen werden. Mit dabei sind u.a. The Strokes, Kings Of Leon, Xzibit, Travis, System Of A Down und Oasis.

Jede Woche erweitern wir das Archiv um die neuesten Videos, Chart-Breaker und Newcomer inklusive. Auch Rocklegenden wie Bob Dylan, Johnny Cash und Bruce Springsteen kommen nicht zu kurz.

Das Angebot hinterlässt einen zwiespältigen ersten Eindruck: Neben der bereits erwähnten fehlenden Suchfunktion, funktioniert der Fullscreenmodus zumindest bei mir nicht.

Außerdem sehr absurd: ausgerechnet der Klang ist eher, nunja, recht suboptimal. Schade. Frage mich, an welcher Stelle entschieden wurde, dass bei einem Angebot von Musikvideos ein guter Klang keine hohe Priorität hat.

 

laut.tv

deutsches Facebookblog

Nico Lumma, deutscher Webtausendsassa, hat das -meines Wissens nach erste- deutschsprachige Weblog zum Thema Facebook gestartet.

was Nico plant:

Malte und ich schreiben dort über alles das, was bei Facebook gerade so passiert. Darüberhinaus wollen wir auch ein klein wenig den Erklärbär spielen und einige Aspekte von Facebook vorstellen, die vielleicht nicht sofort jedem auffallen. Da ich mich derzeit auch sehr stark mit der Plattform und den Applikationen beschäftige, stellen wir auch immer mal wieder interessante Apps vor.

Lustigerweise habe ich einen Link zum Blog zum ersten Mal in meinem Facebooknewsfeed gesehen.

Deutsche Startups auf US-Blogs - bringt’s was?

Martin von zweinull.cc meint :

Für viele Internetstartups aus dem deutschen Sprachraum kommt es einem Ritterschlag gleich, bei einem der einflussreichen englischsprachigen Web 2.0 Blogs vorgestellt zu werden.

und schaut sich daraufhin die Archive der großen Techblogs an und erstellt eine Liste der Artikel über deutsche Startups an diesen Stellen.

Allerdings frage ich mich, ob ein Artikel auf Techcrunch und co. -zumal über ein ausländiges Startup- noch so viel bringt, wie vor ein oder zwei Jahren. Markus stellt zu recht in den Kommentaren auf zweinull.cc die Vermutung auf:

Man müsste sich fast einmal anschauen, welchen impact eine TC oder Mashable Review hat, die Zeiten wo man sich automatisch high fives geben konnte sind glaub ich vorbei

Das vermute ich auch. Warum?

 

den Wald vor lauter Bäumen

Zum Einen sind nahezu alle großen Techblogs, Techcrunch, gigaom, readwriteweb, mashable, die vor zwei Jahren noch Einmannshows waren, heute Gruppenblogs. Mit entsprechend gestiegenem Output ( Besonders mashable tut sich als Pressemitteilungsschleuder hervor, mit angeschlossenem extremsten Linkbaiting mit deren Listenpostings; aber das ist eine andere Geschichte).

Das heißt, man muss heute viel mehr herausstechen, um die Leser der Techblogs hinterm Geekofen hervorlocken zu können. Natürlich brauchte es schon immer Qualität um irgendwo hinzukommen, aber die Messlatte liegt mittlerweile höher. Und nur weil man auf Techcrunch gereviewt wird, melden sich die User nicht mehr hordenweise an (Es gab tatsächlich eine Zeit, da habe ich 90% der auf Techcrunch vorgestellten Seiten ausgetestet).

Ich denke, was man vor 2 Jahren mit einem Techcrunchposting erreichte (an Neuanmeldungen), erreicht man heute nur noch, wenn man auf TC, RWW und Mashable genannt wird. Trotz einer um ein Vielfaches größeren Leserschaft. Aber erst so entsteht eine gewisse -tatsächliche oder eingebildete- Relevanz. Ironisch, oder?

 

a little bit Sättigung

Es gibt noch mehr Gründe, die ein Artikel heute auf einem großen US-Techblog kein highfive mehr rechtfertigen lässt (oder maximal ein einziges highfive).

Eine gewisse Sättigung bei den Grundformen der neuen Dienste hat sich eingestellt. Grundbedürfnisse wie beispielsweise Onlinebookmarking werden nicht perfekt, aber doch recht gut abgedeckt. Natürlich kann man auch hier noch scoren. Aber Jeder, der der Meinung ist, sich da zu behaupten, sei heute nicht um ein Vielfaches schwerer als noch vor 1, 2 Jahren, hat keine Ahnung vom Markt. Eintrittsbarrieren werden höher.

Hinzu kommt das social burnout syndrom. Die schnellen Early Adopters suchen mittlerweile Dienste, die vorhandene zusammenführen um wieder wertvolle Freizeit aufzutauen. Wer heute mit Diensten kommt, die vielleicht hilfreich sind, aber bereits von anderen zum Teil abgedeckt werden, wird es schwer haben, sich ohne einen Großteil der Early Adopters durchzusetzen. Und die springen nach hunderten von Seiten auf denen sie sich mal angemeldet haben, heute nicht mehr so behende hin und her wie früher.

In vielen Bereichen im Web2.0 findet eine Konsolidierung statt. Grundbedürfnisse vieler Netizens sind abgedeckt. User-Erdrutsche durch einzelne Techblogartikel dürften heute weitaus seltener sein .

Eine interessante Entwicklung: Die Aufmerksamkeitsökonomie ist hier in vollem Gange. Das Erzeugen von Aufmerksamkeit ist heute weitaus schwieriger, aufwendiger und ungewisser als die eigentlichen ‘harten’ Kosten (für Server, Personal usw.). Nicht unbedingt teurer, denn man kann keine kaum teure Werbeplätze kaufen die automatisch zum Erfolg führen.

 

Fazit

Vielleicht sehe ich die Entwicklung ein wenig übertrieben. Man berichtige mich gern. Aber ich glaube, dass heute ein Indiz für einen Erfolg eher daran erkennbar ist, wenn es ein Artikel zu einem Startup auf Memetrackern wie Techmeme nach oben schafft, als an einem oder zwei Artikeln auf Techcrunch und co.

Erst ein solcher Artikel führt natürlich zur Erwähnung auf einem Memetracker. Aber er ist heute nicht mehr allein der implizierte ‘Ritterschlag’.

Wieviele deutsche Startups haben es auf Techmeme geschafft?

 


Und bevor man mich falsch versteht: Es gibt trotzdem keine Internet-Blase .

 

—-
P.S.: Als ich die Überschrift schrieb und den Artikel veröffentlichte, übersah ich in der Eile leider, dass einige der englischsprachigen Techblogs gar nicht aus den USA sind: zB. readwriteweb (Neuseeland) und Mashable (UK wenn mich nicht alles täuscht). Nur um Besserwisserkommentaren vorzubeugen. ;)

Xing, Fellowweb und portable Social Networks

fellowweb-logoFellowweb, ein neues Karriere-Netzwerk, das sich als “eine Art ‘Xing für Jugendliche’” positionieren will (naja), hat ein Tool entwickelt mit dem man seine Daten von Xing crawlen und nach Fellowweb übertragen konnte. Bis Xing dem einen Riegel vorschub.

Jetzt ist Fellowweb sauer, weil man doch soviel Zeit in die Entwicklung des Tools gesteckt habe.

Eine recht gute Zusammenfassung des ganzen Dramas findet man auf zweinull.cc.

Lediglich einigen der Schlussfolgerungen von Martin auf zweinull.cc möchte ich widersprechen:

Mit dem Schritt wird keinesfalls die Freiheit der Xing-Nutzer eingeschränkt - sondern einzig und allein die Freiheit der Fellowweb-User.

Hm? Meine Freiheit als Xing-Nutzer sollte doch auch darin bestehen, meine Daten notfalls mitnehmen zu können, wenn ich das möchte. This data is mine, innit.

Und dass Unternehmen sich nicht unbedingt als Wohltäter für Wettbewerber betätigen, ist wirklich weder verwunderlich noch verwerflich.

Das Vorgehen ist nicht verwunderlich, richtig. Verwerflich auch nicht, aber -in Hinblick auf die Nutzer und ihre Freiheit- zumindest fragwürdig.

Web2.0-Unternehmen bauen ihr Geschäftsmodell auf genau zwei Säulen auf: Dem User Generated Content und die Infrastruktur drumherum, die so für diesen anbieten. Als Web2.0-Unternehmen bekommt man mehr Vertrauen von seinen Nutzern/Konsumenten entgegengebracht als in vielen anderen Branchen. Außerdem bauen diese Nutzer selbst -als Nebeneffekt quasi- eine Säule für das Unternehmen auf.

Auf dieser Grundlage zu sagen, man tue alles für seine Nutzer, gibt ihnen aber gleichzeitig nicht die Möglichkeit ihre Daten mitzunehmen, ist letztlich nur eins: Heuchelei. Aufgrund der besonderen Beziehung zwischen Nutzer und Webunternehmen sogar äußerst widerwärtige Heuchelei.

An Xing

So sehr das Vorgehen von Xing, besonders aus Wettbewerbsgründen, nachvollziehbar ist. Es zeigt meines Erachtens recht offensichtlich den Standpunkt von Xing auf: Es ist uns egal ob es unseren Nutzern hilft oder nicht, aber wir werden es ihnen so schwer wie möglich machen, unsere Seite mit ihren(!) Daten zu verlassen.

Sweet.

An Fellowweb

Zunächst einmal: Xing hat diese Nutzung ihrer Seite nicht explizit erlaubt. Darauf zu hoffen, dass Xing dagegen nicht schnell vorgehen würde, wäre naiv gewesen. Gelinde ausgedrückt. Allerdings glaube ich hier, wie auch Martin von zweinull.cc, eher an einen PR-Coup seitens Fellowweb. Die Aufmerksamkeit haben sie ja jetzt.

Auch muss sich Fellowweb die Frage gefallen lassen, welche Exportfunktionen sie denn ihren Usern anbieten. Informationen dazu habe ich keine gefunden. Wird hier etwa mit zwei Mass gemessen? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt..

Die Lösung zum bequemen Wechseln zwischen Social Networks

Wird man wohl letztlich ohne Unternehmen wie Xing, Fellowweb oder Facebook finden müssen. Denn auch Facebook hat sich bis jetzt nur in eine Richtung geöffnet, und zwar hinein in die Facebookwelt. Hinaus gibt es bislang nur eine Handvoll Feeds und ein minimales Widget.

Die Lösung wird wohl langfristig (Das kann durchaus Dekaden bedeuten!) das Konzept der portable Social Networks sein. Also eine standardisierte Form der Ausgabe von sozialen Interaktionen. So wie etwa RSS ein Standard (neben Atom) für die Ausgabe und Verbreitung von Content ist.

Besser noch: dezentrale, im Idealfall selbst gehostete, Netzwerkknoten, auf denen man seine Social-Network-Aktivitäten verwaltet. Die Verknüpfung zwischen den Knoten quer durch das Internet ist dann vergleichbar mit der heutigen Vernetzung von Blogs. Nur eben auf weitaus mehr Dimensionen ausgeweitet, um soziale Interaktion abbilden zu können. Das Entscheidende dabei: Es ist, wenn vollständig umgesetzt, dann eben gleichgültig wo der Bekanntenkreis beispielsweise seine Fotos hostet. Die Verbindungen werden unabhängig vom Host, da standardisiert, herstellbar.

In der englischsprachigen Tech-Blogosphere scheint die Geduld mit den SocialNetwork-Anbietern nach der einseitigen Facebooköffnung endgültig zu erodieren. Eine der andauernden Diskussionen diesen Sommer in der US-Techwelt sind eben jene portable Social Networks und deren mögliche Umsetzung.

Ein deutsches Projekt in dieser Richtung gibt es auch schon. Der von blogger.de und Blogscout her bekannte Dirk Olbertz hat mit Noserub ein vielversprechenden Start hingelegt.

 

[tags]Fellowweb, Xing, Facebook, portable Social Networks[/tags]

Rivvanews und Interviews mit Frank Westphal

rivva-logoEin Interview mit Rivva-Schöpfer Frank Westphal findet man auf förderland. Schon ein paar Tage älter aber mit sehr viel mehr Hintergrundinfos ebenfalls: in Audio bei den Vier Supernasen , wie immer in grausamer Audioqualität aber unterhaltsam.

Rivva, treue neunetzcom-Leser wissen das, mag ich sehr. Die Seite, die ähnlich wie GoogleNews, die Onlineneuigkeiten zusammenfasst, nur eben auf Blogs bezogen, gehört zu den ersten Seiten, die ich täglich ansurfe. Die Entwicklung an Rivva geht stetig voran, wie Frank im Rivva-Blog beschreibt.

Neues im Rivva

Besonders toll unter den Neuerungen finde ich die Timeline in der Artikelansicht, die anzeigt wer wann etwas zu einem Thema geschrieben hat:

rivva-mit timeline

 

Auch andere Kleinigkeiten bei Rivva (die es schon länger gibt) sagen sehr zu: so sieht man rechterhand in der Artikelansicht beispielsweise weitere verlinkte Artikel des jeweiligen Blogs hier am Beispiel von Neunetz.com:

rivva-mehrvonnn

 

Beyond Techmeme

Damit und mit weiteren Neuerungen geht Frank mit Rivva mittlerweile weiter als sein großes Vorbild, die US-Seite Techmeme. (Einwurf: Rivva ist eigentlich im Grunde von der Themenauswahl mehr wie der Techmeme-Vorgänger Memeorandum, bevor die gesamte dort stattgefundene Blogaggregation aufgeteilt wurde. Heute findet man Techblogs auf Techmeme und Politblogs und deren Diskussion auf Memeorandum. Früher waren die wichtigsten Diskussionen der gesamten US-Blogosphäre auf letzterem zu finden.)

Mit einer URL-Suchfunktion und weiteren noch im Anflug befindlichen nützlichen Funktionen wird Rivva bald zur bevorzugten Einstiegsseite nicht nur für die tägliche Newsinfusion und das Verfolgen der Verlinkungsentwicklung von Nachrichten für Blog- und Newsjunkies, sondern auch für Bloganfänger auf ihrer ersten Entdeckungsreise durchs Dickicht (was hätte ich mir eine solche Seite damals gewünscht, als ich anfing wie ein kleines Baby durch den deutschen Blogdschungel zu tappen).

Wenn er so weiter macht, wird Frank Westphal bald in deutschen Geekkreisen so verehrt wie Techmeme-Erfinder Gabe Riviera in den USA.

[tags]Rivva[/tags]

openpeople.de nicht so offen für Support (oder Nutzerfreundlichkeit)

openPeople ist eins der hoffnungsvollen 15 Milliarden deutschen Social-Networkseiten, die alle kurz vor ihrem Durchbruch stehen (weil es so etwas wie Facebook nicht gibt).

Da man in Deutschland ab und an sich zwar gern mit dem Etikett webzwonull schmückt, aber noch nicht so richtig verstanden hat, was das Alles mit dem Netz und den nervigen Nutzern so auf sich hat, kommen solche Blüten zustande, wie es Silke aka paulinepauline in ihrem Blog entdeckt und beschrieben hat. In einem, einen reichlichen Monat alten, mit ‘Wer Lesen kann, ist klar im Vorteil…’ betitelten Beitrag schreibt jemand aus dem Team von openpeople u.a. :

Wir haben vor einigen Monaten eingeführt, dass wir unsinnige Supportanfragen nicht mehr beantworten, da die meisten Funktionen bei openPeople selbsterklärend sind oder klar und deutlich ausgedrückt auf der Website stehen.

Wow. Hint: Wenn immer wieder die gleichen Fragen zu Funktionen kommen, könnte es unter Umständen sein, dass es mit der Usability der Seite nicht so weit her ist wie mit dem eigenen Ego.

Ich sekundiere, was Johannes Kleske dazu zu sagen hat:

Wie können Funktionen selbsterklärend sein, wenn Benutzer sie nicht verstehen. Die Arroganz ist wirklich haarsträubend.

Anstatt eine FAQ zu starten, werden die eigenen User kollektiv einfach mal im Blog beschimpft und als dumm hingestellt. Nett.

Du gehscht hier net weg

Die Tatsache, dass das anscheinende Hauptthema des Anstoßes beim open closed openpeople-Support mit dem Löschen des Accounts, ein Thema mit nicht gerade geringem Aufwand für die Nutzer darstellt (” Posteingang und -ausgang löschen, Galeriebilder entfernen, Freundschaften kündigen”, also quasi händig alles rückgängig machen, was man auf der Plattform gemacht hat), sind in meinen Augen die gehäuften Supportanfragen zu diesem Themenkomplex durchaus nachvollziehbar.

Immerhin wird so lediglich der komplette Ausstieg aus der Plattform nur unnötig erschwert. Umgekehrtes Klinkeputzen könnte man das nennen: weil der User durch unnötigen Mehraufwand genötigt wird, seinen Account nicht zu löschen. Viele werden genervt letztlich einfach so der Seite den Rücken gekehrt haben und ihre Profile einfach verwaisen lassen. Praktisch für die Vermarkter der Seite: Neben den tatsächlich aktiven Profilen werden schließlich auch gern die wesentlich höheren absoluten Zahlen an insgesamt registrierten Benutzern immer gern zur Vermarktung genannt (Ich nenne es das Myspace-Syndrom).

Nun ist das bis hierhin schon eine recht traurige Geschichte. Aber das soll’s noch nicht gewesen sein.

Kindergarten2.0*

Denn der Webmaster von openpeople.de antwortet auf seinem privaten Blog auf Silkes Vorwürfe. Dort wird dann weiter munter die bodenlose Dummheit der eigenen Nutzer rumattestiert, die die eigene Seite einfach nicht verstehen wollen, die Doofies die, echt ey:

Letztendlich ist hier nichts schwer zu verstehen, oder etwa doch? Wie kommt es dann, dass eine Anfrage blöder als die andere war??! [..]

Wenn Du magst, kannst Du gerne mal eine Woche lang unseren Support übernehmen und alles beantworten - stelle Dir gerne auch Mailvorlagen und Hintergrund Know-How zur Verfügung. Du wirst staunen, wie viel Irrsinn sich einige Menschen zusammenreimen und mit wie viel Mist letztendlich die Anbieter von Websites konfrontiert werden.

Wir machen alles richtig, und die Anderen sind schuld. Und: mach’s doch besser, Doh!

Nee, echt Leute. So geht das nicht. Get your act together. Eure User sind keine Kostenverursacher, sie sind die Säulen Eures Geschäftsmodells. Ihr arbeit für sie und mit ihnen, nicht um sie herum. Oder Ihr geht unter.

You’ve got no clue

Nochmal zum Mitschreiben: Wer sein Geschäftsmodell auf den Inhalten aufbaut, die seine Nutzer bereitstellen, hat gefälligst auf einer Augenhöhe mit diesen zu kommunizieren -und nicht von oben herab!

Anderenfalls werden nicht nur nervige Blogger rumnölen und kostenlos praktische Ratschläge geben, sondern auch die Nutzer schlicht abwandern. Unabhängig davon, ob sie vom Profillöschen abgehalten werden oder nicht.

Und jetzt ab an die Tafel und jeweils hundertmal die 95 Thesen des Cluetrains abschreiben.

 


*scnr

[tags]openpeople, cluetrain[/tags]

Jobsuche im deutschen Web2.0

Neben den Branchenriesen wie der Agentur und diversen Monstern, sind in letzter Zeit für Jobsuchende im Techbereich einige lohnenswerte Alternativen entstanden.

Nicht nur ist hier die Signal-Noise-Ratio äußerst gering und aufwändiges Suchen nach Stellen in der präferierten Branche wird minimiert, nein diese Seiten sind sogar richtig nutzerfreundlich, was man von den alteingesessenen deutschen Jobportalen nicht wirklich sagen kann. Ich meine, man nenne mir weitere deutsche Jobportale, die RSS-Feeds für die Stellenangebote anbieten.

Hier 3 Seiten speziell für die Suche nach einem Arbeitsplatz in der deutschen Webwelt:

  • Nico Lummas webzweinulljobs.de: Auf das Wichtigste beschränkt. Mit Suchmaske und, am wichtigsten: Einem RSS-Feed zu den Stellenausschreibungen. Eine Stellenausschreibung kostet die Unternehmen 129€ für 30 Tage.
  • Das samwerfinanzierte Techblog deutsche-startups.de bietet die eigene Jobbörse Startup Jobs an. Auch hier wieder simpel und straight forward. Einfache Auflistung, Suchmaske und, yes, RSS-Feed. Stellenausschreibungen fallen mit 150€ für 30 Tage etwas höher als bei webzweinulljobs.de zu Buche. Sind aber immer noch im Rahmen.
  • Last not least hat Andreas Dittes eben ein eigenes Techjobportal gestartet: JobWatchr. Bietet ebenfalls einen RSS-Feed an. Zusätzlich können auch Jobsuchende sich selbst auf JobWatchr vorstellen. Daneben unterscheidet sich JobWatchr von den zwei Anderen hauptsächlich darin, den Preis für Stellenangebote für Web2.0 &co. zu drücken: Zur Zeit können Unternehmen kostenfrei auf JobWatchr inserieren. Email mit Jobbeschreibung an jobwatchr(at)Dittes.info reicht aus. Ein Formular ist wohl in Vorbereitung.

Fazit

Ich mag diese neuen Jobportale.

Jeder, der schon mal versucht hat, über monster oder fazjob.net und co. eine geeignete Stelle zu finden, lernt recht schnell anhand der dort fehlenden Usability, dass man deftiges Fluchen mit etwas Übung recht fix zur eigenen Kunstform ausbauen kann.

Selig, wer jetzt oder in naher Zukunft eine Stelle in der deutschen Internetbranche sucht. Einfach die Feeds der drei hier vorgestellten Jobseiten abonnieren und sich einem Löwe in der Savanne gleich auf die Lauer legen.

[tags]Jobs, Jobsuche[/tags]

komplette Internetunkenntnis ist der Analphabetismus des 21. Jahrhunderts

brokenputer
(Foto: S Baker)

Browser? Was sind denn jetzt nochmal Browser?

Es geht bereits seit gestern durch die deutsche Blogosphäre. Das Video, in dem deutsche Top-Politiker beweisen, weniger vom Internet zu verstehen als jeder Fünftklässler. Und darauf auch noch stolz sind.

Des Weiteren wird zum Beispiel zugegeben, erst “ein-, zweimal” im Internet gewesen zu sein. Und auf die Frage, ob man einen Computer habe, mit “Ja, leider” geantwortet.

Diese im Jahr 2007 unfassbar absurden Offenbarungen kommen nicht von HartzIV-Empfängern, denen man ständig medial Anpassungsfähigkeit und lebenslanges Lernen predigt, damit sie wieder Anschluss fänden.

Diese Lernresistenz wird von den Leuten offen zur Schau gestellt, die genau dieses lebenslange Lernen von allen Anderen immer wieder einfordern.

Es ist traurig. Und es ist der Nährboden, auf dem eine Gesetzgebung wächst, die es Unternehmen und Bloggern in Deutschland zunehmend schwer macht, sich im Internet noch verhältnismäßig frei bewegen zu können. Stichworte: Forenhaftung, Abmahnungen und Unterlassungserklärungen. Und bald die mit immensen Kosten verbundene Vorratsdatenspeicherung, die im Verbund mit dem sogenannten Bundestrojaner das Wort Privatsphäre in Deutschland zur Farce werden lassen wird.

Svensonsan schreibt bei sich in den Kommentaren:

Beispielsweise Initiative D21, siehe Bundespräsident a. D. Prof. Dr. Herzog fordert mehr Begeisterung für Technik, das kommt von Leuten, die nicht wissen, was ein Browser ist.

Bereits erste Auswirkungen dieser von der Realität losgelösten Innovationsvernichtungsmachinerie kann man vielerorts im Netz beobachten: Der verzögerte Start der deutschen Version von youtube, der mögliche Rückzug von GMail aus Deutschland oder das flickr-filtr-Desaster. Das Alles hat mehr oder weniger mit der sehr speziellen deutschen Rechtssituation zu tun. Es sind die ersten Anzeichen für Reaktionen von Webunternnehmen auf die deutsche restriktive und teilweise undurchsichtige Gesetzgebung, die mit oft nicht vorhersehbarer Auslegung in Bezug auf Netzangelegenheiten nicht gerade für Planungssicherheit sorgt.

Wo bleibt die Kritik der Medien an der Realitätsferne der deutschen Politiker?

Längst müssten diese Vorgänge und die sie verursachenden politischen Internetverweigerer auch in den traditionellen Medien Wellen schlagen. Aber wir haben in Deutschland eine Medienlandschaft, in der die Meisten der deutschen Medienschaffenden das Internet als den bösen Jobkiller sehen und nur einseitig und kritisierend auf alles, was aus diesem globalen Hort des Grauens ersteigt, einschlagen. Hier wird Internetunkenntnis ignoriert oder gar hinter den Kulissen wohlwollend zur Kenntnis genommen. (Abgesehen davon halten sich deutsche Journalisten in der Regel nicht einmal mit dem Prüfen von Fakten auf wenn sie denn mal was übers Internet schreiben müssen.)

Viele Journalisten denken lieber laut darüber nach, Bloggern Teile des Grundgesetzes zu verwehren und die Luke zum ‘Loser generated Content’ geschlossen zu halten oder applaudieren diesem Unsinn zumindest. Denn auch unter den deutschen Journalisten sind unzählige Internetanalphabeten. Das Internet, in den Büros vieler Abgeordneten und Journalisten in Deutschland wird so getan, als existiere es nicht.

In so einem Klima kann man eine dringend notwendige massive Kritik in den Massenmedien an der Weltfremdheit der deutschen Top-Politiker leider nicht erwarten.

Stattdessen gratulieren sich die Analphabeten des 21. Jahrhunderts gegenseitig dafür, den vermeintlichen Status Quo so lang wie möglich aufrecht zu erhalten indem sie alles für sie Unpassende je nach Profession entweder verbieten oder totschweigen.

Das wird, so scheint es, so lang weitergehen, bis Deutschland auch offiziell zum Internetentwicklungsland degeneriert ist und das erkennbare Auswirkungen auf Gesellschaft und Wirtschaft haben wird. Auswirkungen, die dann auch für Leute, die erst ein-, zweimal im Internet waren, erkennbar sein werden. Dann ist es aber zu spät.

Thomas Knüwer meint leider zu recht:

In anderen Ländern, das habe ich ja schon mal geschrieben, würden solche Volksvertreter medial geteert, gefedert und aus dem Parlament getrieben. In Deutschland gilt so was als liebenswert.

Quo vadis Deutschland?

Internet: Standortnachteil Deutschland

Google hat mit der Schließung seines E-Mail-Dienstes Google Mail in Deutschland gedroht, sollte die Bundesregierung an ihrer umstrittenen Gesetzesinitiative zur Überwachung des Telekommunikations- und Internetverkehrs festhalten.[..]

Diese Pläne seien ein “schwerwiegender Schlag gegen die Privatsphäre”, kritisierte Peter Fleischer, weltweit zuständig für den Schutz der Google-Nutzerdaten, in einem Interview mit der Wirtschaftswoche. “Im Notfall schalten wir Google Mail in Deutschland wieder ab,” sagte Fleischer.[..]

Eine rein deutsche Kontrolle der E-Mail-Daten sei ohnehin nutzlos, argumentierte Fleischer: “Dann weichen Anwender eben auf E-Mail-Adressen im Ausland aus.”

heise

Laut dem Gesetzesentwurf sollen nicht mehr nur die Provider User-Daten speichern sondern auch die Anbieter von eMail-Diensten. Doch die bisher vorhandenen und sowieso abgespeichtern Daten reichen bei dem Gesetz nicht mehr aus, jeder eMail-Anbieter muss seine Kunden eindeutig identifizieren können - es muss also mindestens der volle Name und eventuell die Adresse angegeben werden. Und nicht nur das, sie muss auch noch auf Richtigkeit überprüft werden.[..]

Was Google nun genau mit “Einstellung” meint ist noch völlig offen und muss hoffentlich niemals geklärt werden. Einerseits könnte es bedeuten dass die deutschsprachige Oberfläche verschwindet, andererseits kann es aber auch bedeuten dass alle User aus Deutschland ausgesperrt werden oder der Zugriff von Deutschland aus komplett blockiert wird.

GoogleWatchBlog

Die Bundesrepublik aber ist auf dem besten Weg dahin sich zum Standort-Nachteil für das Internet schlechthin zu entwickeln. Bei Flickr hat man das deutlich gesehen. Oder, demnächst vielleicht, bei Googlemail. Und was dann mit dem ganzen Gebrabbel von Standort Deutschland stärken?

De:Bug Blog

Unabhängig mal davon, dass ich mir ein komplettes Schliessen der Gmail-Accounts für deutsche Nutzer nicht vorstellen kann. Denn neben einem wahren Fiasko für Leute, die ihre Onlinekommunikation auf ihre gmail-Adresse aufgebaut haben, würde das auch den Zugang zu weitverbreiteten Diensten wie igoogle und googlereader versperren, für deren Nutzung man einen Gmailaccount braucht.

Also unabhängig davon, dass das unwahrscheinlich ist, ist dieser Vorgang trotz alledem beunruhigend. Und bestätigt Gedanken, die ich in letzter Zeit immer öfter habe:

Oh Internet! Geh weg, Du Teufelswerk!

Flickr, vorerst kein deutsches youtube und jetzt das deutsche Gmail. Es zeichnet sich ein Muster ab. Und zwar eins, das eine deutliche Sprache spricht: Internationale Unternehmen erkennen, dass die deutsche Gesetzgebung größtenteils internetfeindlich ist. Das liegt natürlich auch zu einem Großteil an der Tatsache, dass die deutsche Legislative größtenteils internetfeindlich ist: Der deutsche Wirtschaftsminister lässt zum Beispiel das Internet bedienen. “Bundesminister für Wirtschaft und Technologie”.
Und er ist dabei in Deutschland sogar noch in guter Gesellschaft:

Dass die Netz-Verweigerer so leicht davonkommen, ist kein Wunder: Nirgends werten klassische Medien das Internet so ab wie hier zu Lande. So machte die “Süddeutsche Zeitung” im Januar alle Besitzer von MP3-Musikspielern kollektiv zu Besitzern von Raubkopien. Im “Tagesspiegel” darf der bekannte Publizist Henryk M. Broder feststellen: “Das Internet macht doof.” Und in den “Tagesthemen” sind es die “Herren der Handy-Videos”, die ohne jeden Filter “Filmchen ins Internet stellen” - zum Beispiel von der Hinrichtung Saddam Husseins. Dass Blätter wie der “Stern” oder “Focus” die Bilder gerne nachdrucken, scheint kein Wort der Kritik wert. Die dürfen das. In solch einem Klima gedeiht sie gut, die Anti-Web-Haltung. Weder Politiker noch Manager müssen sich Sorgen machen, in den klassischen Medien an den Pranger gestellt zu werden ob ihrer Unwissenheit.

US-Webunternehmen lokalisieren ( außer in Deutschland?)

Wie schlimm es eigentlich um Deutschland steht, dürfte uns dieses Jahr noch sehr stark bewusst werden. 2007, so zeichnet es sich ab, wird das Jahr in dem alle großen Web2.0-Dienste lokale Versionen ihrer Seiten eröffnen und pushen werden. Und mehr und mehr von ihnen scheinen verwirrt vom Zustand der deutschen Gesetze zu sein.

Dass Yahoo Deutschland mit Singapur, Hong Kong und Korea in einen Topf wirft kann man nur zum Teil Yahoo/Flickr vorwerfen. Die hier anzuwendenden deutschen Gesetze _sind_ anachronistisch. Forenhaftung, deren Auslegung vollständig abhängig vom Gutdünken der entscheidenden Richter ist, gepaart mit Abmahnungen die mit absurd hohen Summen ausgestattet werden können. Und jetzt noch eine völlig unnötig ins perverse gehende, kommende Vorratsdatenspeicherung:

Nicht die Webunternehmen sind verrückt, die Deutschland umgehen, sondern die, die hier bleiben oder hierherkommen ohne sich umfassend abzusichern. Je mehr User Generated Content zum Konzept der Seite zählt, desto mehr wird das Angebot zum Glücksspiel für den Anbieter.

Ich denke, die Rahmenbedingungen sind etwas, das von hiesigen Unternehmen gern eher ausgeklammert wird. Wird schon gutgehen. Wenn ein Unternehmen von Übersee kommt, mit einer Rechtsabteilung, die sich die Gesamtsituation hier anschaut, und man dann ins Schwitzen gerät, dann ist das vor allem eins: nachvollziehbar.

Denn machen wir uns nichts vor: Yahoo zum Beispiel ist ein großer Konzern, mit viel Geld, und der Maxime noch sehr viel mehr Geld zu machen und nichts davon zu verlieren. Dem im deutschen Teil des Netzes nachzugehen, scheint in den USA als sehr risikobehaftet angesehen zu werden. Und das nicht zu unrecht.

Wir sollten endlich aufwachen und kapieren, was hier wirklich los ist.

Deutschland ist auf dem besten Weg zu einem Dritteweltland in der Informationsgesellschaft zu degenerieren.

YiGG wird GmbH und erhält Finanzierung

Die erfolgreichste deutsche, im Stil von digg aufgebaute SocialNews-Seite yigg erhält nach eigenen Aussagen eine Finanzspritze:

YiGG.de muss ständig verbessert werden. Dazu brauchen wir Geld.

Deswegen wird YiGG jetzt eine GmbH und von Business Angel Dr. Roland Metzger und dem Venture Capital Unternehmen Baytech Venture Capital unterstützt. Dr. Metzger investiert in junge Unternehmen, Baytech Venture Capital in zukunftsweisende Projekte. Durch diese zusätzliche Finanzierung ist die Zukunft von YiGG.de gesichert.

Über die Höhe der Finanzierung wird keine Aussage gemacht.

Nach eigenen Angaben erreicht yigg 1,4 Millionen Besucher pro Monat. YiGG ist damit Marktführer bei den deutschen SocialNews.

Ein so durchschlagender oder auch nur im Verhältnis vergleichbarer Erfolg wie das amerikanische Vorbild, das Seiten, die die Frontseite erreichen, mit dem zusätzlichen Traffic regelmäßig in die Knie zwingt, ist es allerdings (noch) nicht.

Deutsche Konkurrenten von yigg sind unter Anderem readster, webnews und wikio.

 

(Toll, jetzt auch hier Finanzierungmeldungen wie auf Techcrunch)

[tags]yigg[/tags]

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