Archive for the 'DRM' Category

Amazon bestätigt DRM-freien MP3-Shop für 2007

Halleluja.

Nach mehr oder weniger genauen Informationen in der Vergangenheit zu Amazons geplanten MP3-Shop, hat Amazon die Bombe heute endlich platzen lassen. In der Pressemitteilung heißt es unter Anderem:

Amazon.com (NASDAQ:AMZN) today announced it will launch a digital music store later this year offering millions of songs in the DRM-free MP3 format from more than 12,000 record labels. EMI Music’s digital catalog is the latest addition to the store. Every song and album in the Amazon.com digital music store will be available exclusively in the MP3 format without digital rights management (DRM) software. Amazon’s DRM-free MP3s will free customers to play their music on virtually any of their personal devices — including PCs, Macs(TM), iPods(TM), Zunes(TM), Zens(TM) — and to burn songs to CDs for personal use.

Die gesamte Pressemitteilung hier.

hypebot hat wie immer genauere Infos:

[..] sources tell us that Amazon is pushing for an “as soon as possible” launch that is primarily being held up by technology and data issues. June or July would seem a likely launch time frame as Amazon is anxious to beat competitors to the inevitable rush of DRM free product.

Amazon is also said to be offering flexible and lower pricing with full album downloads retailing at $4.99 to $8.99 and individual tracks ranging from $.89-$.99.

(Hervorhebung von mir)

Das dürfte neben dem Jobs-Flipflop der endgültige Sargnagel für DRM für zumindest im Musikbusiness sein.

(Muss außer mir eigentlich noch jemand schmunzeln wenn man sich die Zeitlinie Apple-DRM, Amazon MP3-Shop-Gerüchte, EU-Verbraucherschutzvorwürfe gegen Itunes, Jobs-Letter und EMI-Deal, Amazon MP3-Shop anschaut? Steve Jobs, der Schelm, hat haarscharf die Kurve gekriegt um sich vor seinen Fanboys weiterhin als Vorreiter hinstellen zu können.)

 

englischsprachige Blogs dazu auf Techmeme

UPDATE: read/write web haben den Verlauf des langsamen DRM-Tods chronologisch zusammengefasst.

Tags:[tag]Amazon[/tag]

April 2, 2007: The day DRM died.

schrieb Michael Arrington gerade auf Twitter.

Und er hat recht.

EMI lässt als erstes Majorlabel die DRM-Schranken fallen:

EMI Group CEO Eric Nicoli today hosted a press conference at EMI’s headquarters in London where he announced that EMI Music is launching DRM-free superior quality downloads across its entire digital repertoire and that Apple’s iTunes Store will be the first online music store to sell EMI’s new downloads. Nicoli was joined by Apple CEO Steve Jobs.

(aus diversen Gründen mag ich allerdings gar nicht daran denken, wie sehr in den nächsten Tagen Steve Jobs Lorbeeren hierfür zufallen werden, die er nur bedingt verdient hat. Man kann nicht alles haben, schätze ich.)

Die Konditionen, dem Pressrelease entnommen:

Apple’s iTunes Store (www.itunes.com) is the first online music store to receive EMI’s new premium downloads. Apple has announced that iTunes will make individual AAC format tracks available from EMI artists at twice the sound quality of existing downloads, with their DRM removed, at a price of $1.29/€1.29/£0.99. iTunes will continue to offer consumers the ability to pay $0.99/€0.99/£0.79 for standard sound quality tracks with DRM still applied. Complete albums from EMI Music artists purchased on the iTunes Store will automatically be sold at the higher sound quality and DRM-free, with no change in the price. Consumers who have already purchased standard tracks or albums with DRM will be able to upgrade their digital music for $0.30/€0.30/£0.20 per track. All EMI music videos will also be available on the iTunes Store DRM-free with no change in price.

 

Meine Meinung

1.29€ halte ich für etwas hoch für einen Track. Als Hobbymusiker kann ich sowieso niedrigencodete Dateien nicht erhören und wundere mich immer, wie Menschen solche Tracks erwerben können. Für die gebotene Qualität würde ich aber diesen Preis nicht bezahlen, DRM-frei hin oder her.

Dass komplette Alben zum gleichen Preis wie bisher, aber in der höheren Qualität und DRM-frei verkauft werden: toll. Da gibt’s mehr nicht dazu zu sagen.

Was auch immer man im Einzelnen von EMIs Schritt hält, er zeigt den Weg in die richtige Richtung. Der erste Major bekennt sich zu einem digitalen Verkauf seiner Musik ohne DRM. Die Anderen werden in Erklärungsnot geraten und nach und nach EMI folgen.

Mich stört:

  • warum weiter im AAC-Format verkaufen? Ich hoffe EMI biete DRM-freie Tracks bald auch auf anderen Onlineshops an und dort dann als MP3s. Je eher um so besser.
  • irgendwann wird man dazu übergehen (müssen) Musik entweder als 320kbs MP3s zu verkaufen oder gleich in einem lossless Format (wie flac zum Beispiel). Mit so einem Hickhack, weiter bei AAC zu bleiben erreicht man nur, was man wahrscheinlich auch will: Die, die zugreifen, werden die Musik im Laufe ihres Lebens wahrscheinlich mehrmals erwerben (früher unter dem Namen bekannt ‘von Vinyl zu CD’). Es bleibt fraglich, ob man von jeder Dateiversion Upgrades zu besseren Versionen anbieten wird (so wie jetzt von DRM-infiziert zu DRM-frei). Mal ganz abgesehen von der Verwirrung, die man beim Kunden erzeugt (Es gibt selbst bekannte Musiker, die allen Ernstes glaubten, sie würden über Itunes MP3s erwerben). Was mich gleich zum nächsten Punkt bringt:
  • Warum noch billigere Versionen der Tracks mit DRM anbieten? Ich weiß, Marktabdeckung und so. Aber ernsthaft, Konzerne können Entscheidungen scheinbar per se nur halbherzig fassen. Der einzige Grund, warum ich jetzt keine Gründe aufführ warum man das hätte nicht gleich und so, ist der, dass DRM jetzt da es begonnen hat, in absehbarer Zeit sowieso ganz verschwinden wird. Zumindest was den Verkauf von Musik betrifft. Da brauchts meine Energie nicht mehr zu.

Was wurde eigentlich aus Amazons MP3-Shop, der auch ohne DRM gestartet werden sollte? Zusammenhang? Immerhin war damals vom ersten Quartal 2007 die Rede.

Presseschau

wie immer findet man alle englischsprachigen Blogartikel schön sortiert auf Techmeme zu diesem Thema.

Einen ausführlichen Bericht auf heise.

auf Spreeblick findet man eine stichpunkthafte Mitschrift der Pressekonferenz. Lustig: Andreas schreibt, dass Steve Jobs die neue Interoperabilitität feiert- obwohl die Musik in Itunes weiter im AAC-Format verkauft wird. Der Jobs ist schon ne Kraft.

Auf netzpolitik.org wird vorausblickend auf eine Übersicht zu DRM hingewiesen. Für alle, die nicht wissen wovon hier die Rede ist.

arstechnica spricht unter anderem die Konsequenzen der neuen Preise an:

It appears as if EMI and Apple are using the excuse of upgraded sound quality for the reason behind the individual track price bump, and not the lack of DRM. Whatever the true reason for the price bump, this ultimately breaks the (up until today) very consistent pricing scheme of the iTunes Store, and opens up the doors for other artists to start pricing their tracks differently—DRMed or not. One side effect: other music labels may now feel pressure to join EMI in dropping DRM through iTunes. There is no doubt that the rest of the Big Four will be watching this move very closely.

So, und ich geh jetzt ein wenig vor Freude im Dreieck springen. Tschüss.

Tags:[tag]EMI[/tag]

Steve Jobs und seine ‘thoughts on music’ und DRM - Ein Kommentar

Wie mittlerweile allseits bekannt sein dürfte, äußerte sich Jobs gestern zu DRM. Und sorgte wieder mal für einen Clusterfuck in der Blogosphäre. Schön u.a. auf dem englischsprachigen Blogtracker Techmeme anzusehen.

Zusammengefasst lautet seine Aussage: Lieber heute als morgen würde Apple gern itunes DRM-frei machen, aber die Musikindustrie lässt sie nicht. Und um das trotzdem zu erreichen, appelliert man an die Kunden, die großen Majorlabels zu bearbeiten. (yeah, wann war denn das letzte Mal, dass die Musikindustrie ihre Kunden überhaupt noch wahrgenommen hat, geschweige denn ihnen zuhörte?)

Man liest jetzt vieler orts die Begeisterung ob dieser Aktion von Jobs heraus. Jobs hat in der Tat etwas Gutes und Wichtiges damit getan. Seine Beweggründe und der Hintergrund hinterlassen hier aber einen bitteren Beigeschmack. Ich werde das kurz ausführen:

Apple und DRM

DRM im Appleuniversum bedeutet eine enge Verzahnung von Itunes und Ipod. Wer bei Itunes einkauft, der kann seine Musik nur mit Itunes und Ipod abspielen. Im Gegensatz zu Microsofts PlaysForSure-DRM hat Apple sein FairPlay-DRM nie an andere Unternehmen lizenziert. Dieses Silosystem hat dazu geführt, dass Apple Leute die einmal Ipod und Itunestracks besitzen, besser an sich binden konnte als es ohne möglich gewesen wäre. Denn ohne Ipod ist die bei Itunes erworbene Musik mehr oder weniger nutzlos. Apple hat nicht mit Itunes sondern mit Ipods seine großen Gewinne erzielt.

Jetzt verkündet Jobs, Apple würde DRM lieber heute als morgen abschaffen und nur die großen Majorlabels hindern sie daran. Unschönes Detail bei dieser Argumentation: Selbst wenn Labels oder Musiker ihre Musik auf Itunes DRM-frei verkaufen wollen, geht das nicht. Das heißt, Apple könnte DRM-freie Musik auf Itunes neben DRM-Musik verkaufen, macht es aber nicht. Warum nicht? Wie könnte man mehr Aufmerksamkeit schaffen für die für Jobs und Apple angeblich so wichtige DRM-Thematik als den Kunden zu zeigen, dass es auch anders geht? Und, dass es nicht an Apple liegt sondern an den Labels, die über ihre Lizenzen selbst entscheiden. Nach Jobs aktueller Argumentation würde Apple von DRM-freier Musik im Itunesstore profitieren, man würde mehr verkaufen. Das heißt, selbst wenn man im short term Kunden mit dieser vielleicht verwirrenden neuen Tatsache, dass es DRM-freie und DRM-verseuchte Songs nebeneinander zu kaufen gibt, verstören und verscheuchen würde, würde Apple doch nach Jobs im mid term, spätestens im long term, auch ökonomisch davon profitieren.
Folgt man Jobs Argumentation, spricht also nichts gegen DRM-freie Tracks in Itunes. Und zwar heute. Trotzdem findet man sie da nicht. Warum?

Steve Jobs, der Stratege

Weil Apple im Grunde DRM mag. So wie man bei Apple generell in Zäune verliebt ist. Jobs hat seine Position zu DRM nur um 180% gedreht, weil er, Stratege wie er ist, erkannt hat wie sich die Windrichtung geändert hat. Apple drohen Klagen in einigen europäischen Ländern wegen ihrer DRM-Politik. Das heißt, die DRM-Thematik wird demnächst höchstwahrscheinlich nicht mehr nur von Geeks diskutiert sondern auch in einer interessierten, breiteren Öffentlichkeit. Wenn dann aufgezeigt wird, wie es um Apple und DRM bestellt ist, dann kratzt das an Apples wichtigster Ressource: ihrem Image (R&D kommt erst an zweiter Stelle).
Das kann und darf Jobs nicht zulassen.

Und aus diesem Grund geht Apple in die Offensive und spielt den schwarzen Peter PR-wirksam den großen Majorlabels zu. Die ihn zweifelsohne auch verdient haben. Nur verschwiegen wird hier, dass zumindest die Hälfte der Schuld an der aktuellen Situation auch Apple, den Quasimonopolist im Onlinemp3-Geschäft trifft.

Man sollte auch nicht verschweigen, dass ein weiterer Grund die Ankündigung sein könnte, dass Amazon einen drm-freien MP3-Shop plant. Das Ende von DRM naht und Apple hat keine andere Wahl, als sich an die Spitze dieser Entwicklung zu setzen. Selbst wenn man es nicht will und die eigenen Aktionen den Worten diametral entgegenstehen. Es geht hier um Apples Image als Führer in Technologie und Kundenfreundlichkeit, das aufrechterhalten werden muss.

Fazit

Die Zeit von DRM neigt sich dem Ende zu. Man merkt es daran, dass die größten und gewieftesten Ratten das Schiff verlassen (wollen/ oder es zumindest verkünden). Insofern eine gute Nachricht. Und ein Artikel von Jobs gegen DRM, was auch immer die Gründe dahinter sein mögen, ist ein Riesenschritt in die richtige Richtung. Ob man es mag oder nicht, die Diskussion rund um DRM gewinnt dadurch enorm an Fahrt.

Jobs hat also etwas Richtiges getan hat. Auch wenn der Hintergrund einen bitteren Beigeschmack hinterlässt.

 

weiteres Lesefutter u.a. auf BoingBoing und (fast jedem) anderen Blog Ihres Vertrauens.

Tags:[tag]Apple[/tag]