Alibaba: Doppelt so groß wie Amazon und um ein Drittel größer als Amazon und Ebay zusammen

Der chinesische Onlinehandelsriese Alibaba plant wohl noch dieses Jahr an die Börse zu gehen. Wie groß Alibaba ist, vor allem im Vergleich zu den Riesen Amazon und Ebay, wird in einem aktuellen WSJ-Artikel deutlich gemacht:

In 2013, the combined transaction volume of Taobao and another Alibaba-run shopping site called Tmall reached $240 billion, says a person with knowledge of the figure.

The total is more than double the size of Amazon.com Inc., triple the size of eBay Inc.  and one-third larger than the value of all the transactions last year at the two U.S.-based e-commerce giants combined.

Auf dem Marktplatz von Alibaba findet laut Wall Street Journal 80 Prozent des chinesischen Onlinehandels statt. Alibaba wächst trotzdem noch rasant weiter, wie Tech in Asia berichtet:

The Chinese ecommerce juggernaut pulled in US$3.06 billion in revenue in Q4 2014, which is up 66 percent on the same period a year before. Alibaba’s Q4 net income hit $1.36 billion in net income in Q4, which has more than doubled (up 110 percent) from the previous year.

Interessant an Alibaba ist auch, dass sie ebenso wie Amazon ihre liquiden Mittel nutzen, um in (nur) auf den ersten Blick onlinehandelsferne Bereiche zu investieren.

The Next Web fasst ein paar Investments von Alibaba zusammen:

This year alone, its deals have included:

$804 million: A majority stake in TV and film production company ChinaVision Media Group
$215 million: Lead investor in latest funding round for messaging app Tango
$692 million: For a 35 percent stake in department store operator Intime
$1.5 billion: To fully acquire mapping firm Autonavi
Undisclosed: Part of $250 million funding round for Lyft
$1 billion: Alibaba-affiliated investment firm bought a 20 percent share in Web TV operator Wasu Media

Mit Comixology-Übernahme wird Amazon Marktführer bei digitalen Comics

Amazon hat die Übernahme von Comixology, Marktplatz und Technikanbieter für über 75 Comicverlage, bekanntgegeben.

2014 04 10 um 23 37 31

Ich habe letzte Nacht auf Exciting Commerce die Lage analysiert. Exciting Commerce: Comixology: Amazon übernimmt führenden App-Anbieter für Comics:

Die Comixology-App ist dank appübergreifender Accounts mit den dedizierten Verlags-Apps verbunden: Einmal in einer App gekauft, kann der Comic auch in der anderen App gelesen werden.

Diese Tatsache und die Technologie von Comixology, die Comics an das digitale Medium angepasst panelweise anzeigen kann, machen Comixology zu einem unverzichtbaren Partner für Verlage, die digital Comics anbieten.

Alle großen Comicverlage setzen auf Comixology.

Warum sie das machen, kann man unter anderem an Marvels zusätzlicher Eigenentwicklung „Marvel Unlimited“ sehen, das zwar innovativ beim Geschäftsmodell ist -es setzt auf ein Abomodell- aber als App technisch hoffnungslos unterlegen ist.

Das Spannende an Comixology ist, wie sie sich, ohne Rechteinhaber zu sein, als starken Player am Markt etablieren konnten. Ich habe Comixology als Fallstudie in einem meiner Kapitel im 2012 bei Springer Vieweg erschienen Buch “Erfolgreich publizieren im Zeitalter des E-Books“* genutzt, um zum einen über die erfolgreiche Etablierung von Plattformen zu sprechen und zum anderen, was man im E-Book-Sektor richtig machen kann und wo es auch für Comixology noch Ausbaupotential gibt.

Für Amazon ist Comixology natürlich ein perfekter Baustein:

Comixology ist digitale Comics. Digitale Comics sind Comixology. Mit der Übernahme von Comixology hat Amazon einen weiteren erfolgreichen Anbieter digitaler Inhalte übernommen und in einer Nische aus einem kleinen Herausforderer einen weiteren Bestandteil von Amazon gemacht, gegen den es schwer wird anzukommen.

Amazon ist mit einem Schlag zum Marktführer im digitalen Comicsektor geworden. Comixology passt hervorragend in die Digitalmedien-Strategie von Amazon, das von Kindle über Kindle Worlds bis Fire TV alle denkbaren Bereiche abdecken will.

Die Frage, die sich nun immer dringender stellt, lautet: Wer kann Amazon noch aufhalten, wer kann ihnen etwas entgegen setzen?

Recht offensichtlich übernimmt Amazon nun einfach alle unabhängigen Unternehmen, die in Nischen und Teilmärkten stark sind. Es macht sogar den Eindruck, dass Amazon relativ selten auf Bieterwettkämpfe zu stoßen scheint. Gab es andere Interessenten an Comixology? Gab es andere Interessenten an Goodreads?

Nach Goodreads & Comixology könnte man überspitzt mit Blick auf die Buchbranche auch fragen: Sollte der Countdown zur Wattpad-Übernahme durch Amazon mit 5 beginnen oder schon mit 3?

Es gibt natürlich ein Unternehmen, das gut positioniert wäre, Amazons Allesübernahmestrategie etwas entgegenzusetzen. Ein Onlinehandelsriese, der auch auf dem rasanten Marktwachstum reiten und die eigene Kriegskasse zum Auf- und Ausbau der eigenen Zukunft nutzen könnte. Ebay will nur nicht relevant sein.

Von allen Digitalkonzernen von Facebook über Amazon bis Google ist Ebay der einzige, der den Schuss nicht gehört hat.

Zum Vorteil von Amazon.

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*Affiliate-Link

Prime Instant Video: Amazons Prime-Bündelung kommt nach Deutschland

Amazons große Prime-Bündelung mit Schnellversand, Leih-Ebooks für den Kindle und On-Demand-Videostreaming in einer Flatrate startet mit den aus den USA bekannten Erweiterungen am 26. Februar in Deutschland:

Ab dem 26. Februar können Sie Prime Instant Video auf Spielekonsolen, Smart TVs, mobilen Endgeräten und dem Kindle Fire HD genießen.

Bis zur Einführung von Prime Instant Video am 26.2. kostet Prime noch 29€ im Jahr, danach 49€. Ein Kampfpreis.

Über Amazon Prime, das als Bündelungsflatrate vieler Amazon-Angebote in den USA bereits ein wichtiger Erfolgsfaktor für Amazon geworden ist, schrieb ich letztes Jahr:

Das ist ein sich selbst verstärkender Kreislauf, der es konkurrierenden Onlinehändlern zumindest immer schwerer machen wird. Aber das trifft nicht nur auf diese zu: Auch konkurrierende E-Book-Plattformen und Streaminganbieter geraten in einem immer härter werdenden Konkurrenzkampf mit einem Koloss namens ‘Amazon Prime’.

Nun stellt sich mit dem Start von Prime Instant Video in Deutschland natürlich die Frage, was aus dem von Amazon übernommenen Lovefilm wird.

Zwischen dem kommenden Deutschland-Start von Netflix und Prime Instant Video zu bestehen wird für Videokonkurrenten wie Watchever und Sky Go sehr schwer werden.

Deutschland-Umsätze von Amazon haben sich seit 2010 verdoppelt, liegen jetzt bei $10,5 Mrd.

Jochen Krisch auf Exciting Commerce:

Amazon hat seine Geschäftszahlen für 2013 vorgelegt. Die Deutschland-Umsätze haben sich seit 2010 verdoppelt. Amazon ist hierzulande – wie schon im Vorjahr – um 21% gewachsen auf nunmehr 10,5 Mrd. Dollar (ca. 7,8 Mrd. Euro)

Deutschland macht am gesamten Amazon-Umsatz einen Anteil von 14,1 Prozent aus.

Toiletten und Parkgebühren also – die Rettung des stationären Handels

Alexander Graf in einem Rundumschlag über die Selbstlügen im Handel und die Stellvertreterskandale in den Medien:

Amazon ist lediglich ein Platzhalter für den gesamten E-Commerce. Sie reizen das Modell vollends aus – das kann man gut oder schlecht finden. Deutlich wird allerdings, dass alte Handelsmodelle gegen diese Form des Handels nicht ankommen können. Und halbtote stationäre Modelle die es in den letzten 20 Jahren verpasst haben an ihrem Geschäftsmodell und in die Umsetzung zu investieren sind lediglich Opfer ihrer eigenen Selbstlügen.

Insbesondere diese Handelsmodelle versuchen nun aber umso verzweifelter E-Commerce Modelle nachzuahmen, bis sie zur Erkenntnis gelangen, dass im E-Commerce am Ende nur die Kostenführer und Hersteller gewinnen können. Der Rest teilt sich die verbleibenden 10 % Marktanteil. Niemand braucht mehr unzählige kleine Handelsportale und schlechtgemachte Onlineshops stationärer Händler. Dieses Thema wird in aller Tiefe auf der K5 Cruise im März diskutiert.

Und über Shoppingcenter:

Noch spannender wird der Kampf gegen die Windmühlen aber für Shoppingcenter. Ich halte das Handelsmodell der großen fensterlosen Boxen mit vielen Parkplätzen vor der Tür für komplett überholt – fast bin ich geneigt es als Blase zu betrachten. Nicht nur der USP dieses Modells steht trotz toller neuer Food-Courts zur Diskussion, nein auch die meisten der dafür notwendigen Ankermieter stehen schon jetzt mit dem Rücken zu Wand. Jochen Krisch hat in einem Beitrag im letzten Jahr dieses Dilemma beschrieben. In Shoppingcentern finden sich i. d .R. keine Onlinehändler und die dominierenden Ankermieter (Saturn, Thalia, ….) stehen durch ihre fruchtlose Onlinestrategie schlechter da denn je.

Mediamarkt Saturn werden bereits seit drei Jahren als wankende Riesen gehandelt. Mit dem Wegfall/Rückgang/Verlust der Attraktivität der Ankermieter können Shoppingcenter wie Dominosteine fallen.
Shoppingcenter brauchen mittelfristig Strategien, wie sie mit der neuen Situation umgehen werden. Alternativ brauchen Städte mittel- bis langfristig Ansätze, was sie mit den leerstehenden Gebäudekomplexen machen werden.

Es wird oft übersehen, dass der aktuelle Strukturwandel keinem geordneten Ablauf folgt. Er findet an manchen Stellen schleichend und an anderen in Schüben statt. Ein, zwei größere Unternehmen, die mehr oder weniger ersatzlos verschwinden, werden als Nebeneffekt auf diesem Weg leicht zum Durchlauferhitzer des Wandels, weil andere Strukturen von ihrer Existenz profitiert haben. Fallen die Unternehmen aber weg, stürzt alles ein wie ein Kartenhaus.

Ein Ende oder zumindest ein massiver Rückbau von Thalia könnte zum Beispiel einschneidend für die deutschen Shoppingcenter sein. Vor allem wenn gleichzeitig Mediamarkt/Saturn die Menschen ebenfalls nicht mehr in die Center zu locken vermögen.

Das ist nur ein Beispiel für den Untergang von Wertschöpfungsnetzwerken, den wir in den nächsten Jahren vermehrt beobachten werden können.


Die Überschrift ist ein Satz aus Alexander Grafs Artikel. Auch deswegen sollte man ihn lesen.

Besitzer von Kindle Fire geben pro Jahr 443$ mehr auf Amazon aus als reguläre Kunden

Ein kleiner Blick, oder der Versuch eines Blicks zumindest, in das schwarze Loch der Amazon Kindles und Kindle Fire Tablets auf AllThingsD:

First, at a high level, CIRP estimates that 20.5 million Kindles — e-readers and Kindle Fire tablets combined — are currently in use in the U.S., and that 40 percent of Amazon.com’s customers own one of the devices.

Wenig überraschend geben Besitzer von Kindle Fire Tablets sehr viel mehr auf Amazon aus als reguläre Kunden ohne Amazon-Tablets:

CIRP conducted a survey of 300 Amazon.com customers over the three months leading up to Nov. 15 and found, perhaps not all that surprisingly, that people who own Kindles spend more on Amazon than those who don’t. But the size of the disparity is pretty astounding. Based on its research and analysis, CIRP estimates that Kindle owners spend $1,233 per year on Amazon compared to $790 per year for Amazon shoppers who don’t own one of the company’s e-readers or tablets. Kindle owners aren’t necessarily buying more at a shot, but are buying more frequently.

Man kann es nicht oft genug sagen: Für Amazon sind die Tablets die günstigere und auch sonst attraktivere (weil digitale) Alternative zu einem Filialnetz. Kindle Fire statt Ladengeschäft.

Es ist natürlich noch offen, ob schlicht vor allem überdurchschnittlich oft auf Amazon einkaufende Stammkunden zum Kindle Fire greifen oder das Tablet im Hause Menschen zu mehr Einkäufen auf Amazon anregt.

Für eine Unterscheidung ist es hier noch zu früh. Ohne interne Zahlen wird sie vielleicht nie getroffen werden können.

Top-Rezensenten auf Amazon erhalten viele Produkte kostenlos

Es ist wenig überraschend, dass Amazon Top-Rezensenten “bezahlt”. Rezensionen sind enorm wichtig für den Kaufprozess auf Amazon. Es wäre nicht sinnvoll, sich zurück zu lehnen und zu hoffen, dass die Kunden schon schreiben. Das Unternehmen hat nun zwei Möglichkeiten. Sie könnten Freelancer anstellen und für Reviews bezahlen. Das wäre der konventionelle, uninspirierte1 Weg, der zu minderwertigen Texten führt. Besser ist es, die sozialen Signale des eigenen Angebots auszuwerten und zu nutzen. Also warum nicht diejenigen, die die populären, hilfreichen Texte verfassen, also bereits gezeigt haben, dass sie gut schreiben können, mit den entsprechenden Anreizen versorgen, noch mehr zu schreiben?

NPR berichtet über das Programm:

Erb is a member of Amazon Vine, an invitation-only program for the site's top reviewers. At least once a month, Amazon sends Erb a list of products. He gets to choose any two items from the list. “My only obligation is that I need to write a review of those two items within 30 days,” Erb told me. “And I get to keep the items after I review them.”

Like other top reviewers, Erb says he reviews so many products because he likes sharing his knowledge and getting feedback from other customers. Amazon also fuels competition among reviewers by making their rankings public. And top reviewers do get a lot of free stuff.

Through Vine, Erb has received everything from cheap earbuds (worth a few bucks) to multifunction laser printers (retail price about $500) to a spin bike (worth almost $1,000). In all, he says, he's received thousands of dollars worth of merchandise through the program.

Amazon does have some rules on the freebies. Erb can't sell the products or give them away. In fact, Amazon can ask for the stuff back any time it wants. But in the five years Erb has been in the program, Amazon has never asked for anything back.

Weil nur die Top-Reviewer in das Vine-Programm kommen und bleiben, stellt Amazon sicher, dass es die nützlichen Rezensionen belohnt und fördert. Direkte Anreize, die extrinsische Motivation erzeugen, in ein bestehendes, von intrinsischer Motivation getriebenes System zu integrieren, birgt enorme Gefahren, weil es zu outcrowding führen kann. Amazon scheint aber zumindest auf den ersten Blick die richtige Implementierung gefunden zu haben.2


  1. deutsche? 

  2. Was im Grunde heißt: Das Vine-Programm von Amazon schreit nach einer wissenschaftlichen Untersuchung, die Amazon aber wohl nicht zulassen würde. 

Exchanges #25: Die Entwicklungen im Same-Day-Delivery-Segment

Exchanges #25: Shutl und die neuen Lieferservices:

In der neuen Exchanges Ausgabe greifen Jochen Krisch und Marcel Weiß die Übernahme von Shutl durch Ebay auf und unterhalten sich über die vielfältigen Entwicklungen im Bereich der Lieferserivces – vom Feierabend-Service und den Paketkästen der DHL bis zu den Kurierdiensten von MyTaxi & Co.

Amazon zwang Diaperscom mit automatisiertem Preisdumping in die Knie

Amazon hat eine Abteilung, die “Competitive Intelligence”, die konkurrierende Unternehmen beobachtet und dafür massenhaft Produkte bei diesen bestellt. Als diese Abteilung auf Diapers.com aufmerksam wurde, begann Amazon seinen M&A-Prozess. Zu diesem gehörte über Algorithmen automatisch an die Preise von Diapers.com angepasste Amazon-Preise, die jene ersteren unterboten.

Das kann nur ein Unternehmen von der Größe Amazons machen, das außerdem Anteilseigner hat, denen kurz- und mittelfristige Gewinne (noch) egal sind.

Bleibt die Frage, wie lang es noch dauern wird, bis bei Amazon die Regulierer anklopfen.

AllThingsD berichtet von diesem Vorgehen in einem Artikel über ein neues Buch über die Geschichte von Amazon:

Stone explains how Amazon has a secretive unit — dubbed Competitive Intelligence — responsible for ordering large quantities of goods from competitors to analyze their businesses. This division eventually became aware of Diapers.com and its parent company Quidsi, and dispatched M&A chief Jeff Blackburn to initiate acquisition discussions.

Quidsi’s founders originally rebuffed acquisition offers from Amazon. So Bezos’s Amazon sent them a message, Stone explains:

“Soon after, Quidsi noticed Amazon dropping prices up to 30 percent on diapers and other baby products,” Stone writes. “As an experiment, Quidsi executives manipulated their prices and then watched as Amazon’s website changed its prices accordingly. Amazon’s pricing bots — software that carefully monitors other companies’ prices and adjusts Amazon’s to matc — were tracking Diapers.com.”

Diapers.com revenue growth eventually slowed under Amazon’s pricing pressure, and the founders engaged in acquisition talks, agreeing to a $540 million buyout.

As Stone tells it, Walmart eventually made Quidsi a better offer of $600 million, but it was too late by then.

“The Quidsi executives stuck with Amazon, largely out of fear,” Stone writes.

(Hervorhebung von mir)

Angst erscheint mir nicht wie eine gute Basis für eine künftige erfolgreiche Zusammenarbeit.

Wir hatten 2010 auf Exciting Commerce auch auf den der Übernahme vorhergehenden Preiskrieg verwiesen:

Beobachter halten die Bewertung für vergleichsweise niedrig und führen dies auf den von Amazon im Vorfeld gestarteten Preiskrieg zurück:

“What is perhaps most surprising about the deal is the seeming low-ball acquisition price of $540M for a rumored $300M revenue rate ( just a 1.8x revenue multiple.)

There are reports that Amazon was cutting out the legs of Diapers.com by selling diapers at a loss.”

Amazon Prime: Das größte Bündelungsexperiment der Wirtschaftsgeschichte

Amazon Prime entwickelt sich zum größten und noch dazu erfolgreichsten Bündelungsexperiment der Wirtschaftsgeschichte. Für 79$ im Jahr, also weniger als 6,60$ pro Monat, bekommt man in den USA als Prime-Kunde mittlerweile:

  • Two-Day-Shipping ohne zusätzliche Kosten

  • Einen unbegrenzten Zugang zu Amazon Instant Video, Amazons Konkurrent zu Netflix

  • Die Möglichkeit eines von 350.000 E-Books pro Monat auf der Kindle-Plattform auszuleihen

Amazon Prime ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie sich die Skaleneffekte für Plattformen immer weiter steigern lassen, wenn man groß genug denkt und in der Umsetzung erfolgreich ist. Amazon kann einfach immer mehr in das Prime-Universum einbauen und es so attraktiver machen.

Das jüngste Beispiel: Amazon hat seine iOS-App für Prime einem wichtigen Update unterzogen:

Amazon has finally updated the app to support Airplay, enabling Apple fans to now push the movies and TV shows downloaded from Amazon’s expansive library to their Apple TV.

Also included in the 2.1 update is a deeper integration with IMDB, enabling anyone to simply navigate cast lists, trivia, and quotes straight from the app, instead of opening a new window to see if you really did just see a young Bruce Willis sitting in the back of the courtroom during one of the final scenes of Paul Newman’s The Verdict (you did).

Amazon kaufte IMDB 1998. Mehr muss man über die langfristige Ausrichtung von Amazon eigentlich nicht wissen.

Ich halte Amazon Prime für die wichtigste Initiative von Amazon. Noch wird es weitestgehend ignoriert.
Das dürfte sich aber bald ändern.
Frédéric Filloux schreibt auf Mondaynote über das Wachstum von Prime:

more than 10m people joined the Prime program (including a couple of friends of mine who quickly dumped their cable subscription — call it collateral damage…) And that’s just the beginning: Amazon expects to reach 25m Prime customers by 2017. Even more interesting: when you cough up eighty bucks a year to use the service, you also tend to buy more, that’s the juiciest psychological facet of the Prime program.

..und Farhad Manjoo über die Auswirkungen auf das Bestellverhalten von Prime-Kunden:

I was recently looking back at my Amazon order history. Before 2006, the year I first signed up for Prime, I placed less than 10 orders per year at the site. Prime completely changed my shopping habits. In my first year with the service, I placed 46 orders. This year my household is on track to quadruple that.

Filloux:

These macro level numbers confirm the success: the Amazon Prime customer spends much more than a regular one: $1224 (€930) vs. $524 (€400) per year. Furthermore, Prime accounts for one third of Amazon’profits[..]

Das ist ein sich selbst verstärkender Kreislauf, der es konkurrierenden Onlinehändlern zumindest immer schwerer machen wird. Aber das trifft nicht nur auf diese zu: Auch konkurrierende E-Book-Plattformen und Streaminganbieter geraten in einem immer härter werdenden Konkurrenzkampf mit einem Koloss namens ‘Amazon Prime’.

Berichte von der Onlinehandelskonferenz K5

Aktuell bin ich auf der K5-Konferenz von Exciting Commerce in München. Die K5 richtet sich an die "500 stärksten Onlinehändler". Über 800 Teilnehmer sind dieses Jahr auf die Konferenz gekommen.
Matthias Hell, mein Kollege bei Exciting Commerce, berichtet im K5-Ticker von der Konferenz, die, da bin ich sicher nicht ganz unparteiisch, wieder sehr spannend ist.

Einige Auszüge:

Aus dem Möbelmarkt:

Katja Felke berichtete beim K5-Panel über die vor einigen Monaten eingeführte Onlie-Videoberatung, die Butlers den Kunden aus dem Möbel-Showroom in Berlin bietet: Auf diese Weise gelinge es, das Problem der fehlenden Haptik zu lösen und die Kompetenz der Filialen online umzusetzen. Allerdings sei die Umsetzung technisch aufwändig und bestünden auch bei vielen Kunden noch Hemmungen. Doch ist Felke überzeugt, dass nicht zuletzt die neuen Google Helpouts die Online-Beratung mittels Video weiter populär machen wird.

Und zum Auftakt Jochen Krisch über den aktuellen Stand des E-Commerce:

"Ist der Online-Handel wirklich schon am Limit?", fragte Jochen Krisch zum Auftakt der K5-Konferenz 2013 unter dem Motto "E-Commerce XXL". Angesichts der anhaltenden Wachstumsdynamik sei klar, dass der E-Commerce zu einer eigenen Industrie geworden sei und sich nicht mehr ausschließlich am Maßstab des Einzelhandels orientieren müsse.

Spannende Zitate und Aussagen von der K5 retweeten wir auch im Twitter-Account des K5-Tickers.

Fab setzt mit Opt-Out aufs Follower-Prinzip

Auf Exciting Commerce habe ich über die Einführung des Followerprinzips bei Fab.com geschrieben:

Nach der Umstellung wird erst einmal alles abonniert. Die Nutzer entscheiden sich bei der Umstellung also nicht, was sie abonnieren möchten sondern was sie abbestellen möchten. [..]

Die Frage dabei ist allerdings, in welche Richtung das Angebot und dessen Wahrnehmung bei den Nutzern gehen wird. Ob die von Fab gewählte Herangehensweise zielführend sein wird, wird sich zeigen. Im Augenblick erscheint sie zumindest nicht sehr ausgewogen.

Fab scheint eine Richtung einzuschlagen, die im Onlinehandel vorher etwa von Etsy (“Etsy startet Social Commerce Revolution mit Activity Feed”) oder auch Stylight gegangen wurde/wird. Das Prinzip des Following/Abonnierens ist ein fester Teil der das Social Web bestimmenden Informationsarchitekturen.

Ich habe dazu unter anderem auf den Live Shopping Days 2011 einen viel beachteten Vortrag gehalten, dessen Slides allein auf Slideshare über 46.000 Mal aufgerufen wurden.

Die Verbreitung des Followerprinzips und der anderen bei Twitter et al beobachtbaren Mechaniken auf immer mehr Bereiche gehört zu den spannendsten aktuellen Themen. Dazu in Bälde an anderer Stelle mehr.

Insolvenzwelle im klassischen Handel: Erst Schlecker, dann Neckermann, jetzt Praktiker

Jochen Krisch auf Exciting Commerce:

Ein Jahr nach Neckermann ist auch für Praktiker das Ende gekommen. Und so wird es in den kommenden Jahren weitergehen. Schon weil die Gefährdeten selber von einem Tsunami ausgehen.

Aktuell hofft Görtz auf potente Kapitalgeber, Thalia muss bangen, was der neue Eigentümer vorhat, um Karstadt steht es nicht viel besser. Otto befindet sich in der Sanierung.

Kleinere, wie Promarkt, NKD & Co stehen zum Verkauf oder haben ebenfalls Insolvenz angemeldet.

Disruption, Strukturwandel, Umbruch im positiven wie im negativen Sinne.

Rakuten gewinnt

Alexander Graf auf Kassenzone über Rakuten aus Japan, das auf den deutschen Markt drängt:

Aus Händlersicht erscheint die Rakutenstrategie also schlüssig. Das erklärt aber noch lange nicht warum Endkunden bei Rakuten kaufen sollen. Ich zähle mich, wie viele andere Marktbeobachter wahrscheinlich auch, zu den Smart Shoppern (preissensibel, nicht händlergebunden….) und aus dieser Sicht lässt sich die Frage kaum beantworten. Wenn allerdings wie in Japan 40.000 kleine superspezialisierte Händler vom Bioei bis zur Salatsauce über 100.000.000 verschiedenen Produkte anbieten (Status Quo in Japan), dann kann ich mir zumindest vorstellen, dass dieses System genügend Kunden an sich bindet, die über diverse Kundenbindungsmaßnahmen (z.B. Superpunkte) immer wieder zum Kauf bei Rakuten animiert werden. Smart Shopper wie ich denken in Handelssuperlativen. „Das Beste“, „Das billigste“, „Das schnellste“…. Diese Denkweise lässt sich aber nicht auf Rakuten anwenden, weil sie Vergleichbarkeit voraussetzt. Die „coolen“, „einzigartigen“… Produkte bei Rakuten, die mich ggf. zukünftig dort kaufen lassen sind aber subjektiv bewertet.

Wir hatten in einer Exchanges-Ausgabe ausführlich über Rakuten und dessen konsequenten Marktplatzansatz gesprochen.

Otto macht den “Hype um die größten Umsatzzuwächse im Netz” nicht mit

„Wir machen diesen Hype um die größten Umsatzzuwächse im Netz ganz bewusst und gezielt nicht mit“, sagt Otto-Chef Hans-Hotto Schrader im Interview mit der WirtschaftsWoche.

Der Mann hat Humor.

Die nächsten Jahre werden hart für den Handel

Alexander Graf analysiert die Aussichten und Handlungsoptionen für den stationären Handel:

Ich würde gerne positivere Szenarien beschreiben, aber momentan sehe ich keine. Meine ehrliche Empfehlung für die vielen stationären Händler der Kategorien 1) und 2) ist: Verkaufen Sie den Laden! Die Händler der Kategorie 3) sollten sich sehr genau überlegen was sie wann und wie tun. In diesem Feld werden mE viele Händler Schwierigkeiten bekommen, weil sie unsinnige Strategien zum Schutz ihres Bestandsumsatzes verfolgen. Welche Dominoeffekte hinter einem E-Commerce-Wachstum von 20-50 Milliarden Euro in den nächsten 3-7 Jahren zu erwarten sind, ist den meisten Beteiligten gar nicht klar. So eine starke und schnelle Veränderung von gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfungsketten gab es noch nie. Dagegen war der Einfluss des Internets auf unsere Wirtschaft von 1995-2010 noch recht klein.

Amazon: Alles aus einer Hand mit Kindle Fire, X-Ray, IMDB und Instant Video

The Next Web über eine Anekdote in Amazons Weg hin zur allumfassenden Plattform:

Amazon has expanded its X-Ray for movies feature, which enables Kindle users to tap on an actor or actress and discover which films they’ve starred in, by adding support for TV shows today.

The service, which uses the popular IMDB database, now supports some of the most popular shows available on Amazon Instant Video; Justified, Downton Abbey, The West Wing, Sons of Anarchy, Falling Skies, American Horror Story, Grey’s Anatomy, Doctor Who, The Walking Dead, Lost, Glee, Breaking Bad and Game of Thrones.

The feature is exclusive to the Kindle Fire, Kindle Fire HD and Amazon Instant Video app for Wii U. It follows an iOS version of X-Ray for Books, a similar feature focused on novels and textbooks, that was launched in December last year.

Schaut man sich das langsam entstehende Gesamtbild an, erscheint die Frage, die sich mancher beim ersten Kindle Fire noch gestellt hat, ‘Was will ein Online-Händler mit einem eigenen Tablet?’, geradezu naiv.

Deutscher E-Commerce-Markt steht vor der nächsten Wachstumsphase

Jochen Krisch auf Exciting Commerce über das Wachstum und die Aussichten im deutschen E-Commerce:

Da der Markt auch 2012 beinahe ungebremst weiter wächst und die Umsätze schon im ersten Halbjahr um +13% auf 18,1 Mrd. Euro gestiegen sind, gehen wir davon aus, dass der Gesamtmarkt 2012 in jedem Fall über den vom bvh prognostizierten 36,5 Mrd. Euro (+7,4%) liegen wird und mindestens 37,5 Mrd. Euro (+10%) erreichen wird.

Die Implikationen dieses Wachstums können gar nicht überschätzt werden:

Alles, was der Online-Handel hinzugewinnt, geht dem stationären Handel verloren. Der Buchhandel um Thalia, der Schuhhandel um Görtz, die Elektronikhändler um Media Saturn, die Warenhäuser, etc. können bereits ein Lied davon singen.

Vor allem aber: Die Katalogversender haben nie mehr als 21 Mrd. Euro erreicht. Die Online-Versender treiben den Markt gerade volumenmäßig in vollkommen neue Dimensionen.

Zu erwarten ist, dass ab einem gewissen Marktvolumen prozess- und logistikseitig Skaleneffekte eintreten, die dem Online-Handel ein weiteres, noch sehr viel explosionsartigeres Wachstum erlauben. Die große Frage ist nun: Wo liegt die Schwelle, ab der der Knoten platzt und der Markt schubartig wächst?

Spannend ist das vor allem auch, weil der Handel der erste Wirtschaftszweig ist, dessen digital getriebene Disruption nicht von Gesetzen gehemmt wird.

Im Musikbereich etwa, das kann man vollkommen wertfrei feststellen, wirken Urheberrechte enorm disruptionshemmend. (In den USA steht das sogar expizit in Gesetzestexten als Ziel formuliert.) Während in der Musik die Voraussetzungen für einen Wandel Ende der Neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts also bereits da waren, hat sich bis heute, fast 15 Jahre später, im Kontext betrachtet nicht sonderlich viel geändert. Es gibt zum Beispiel noch immer keinen reinen Onlineplayer, der die alteingesessenen Musiklabels mit Marktmacht vor sich her treiben kann. Stattdessen bestimmen die (wenigen verbliebenen) Majorlabels weiterhin, welches Musikstartup am Markt bleiben darf und welches nicht.

Im Onlinehandel können wir also eine Entwicklung beobachten, auf die wir in den Entertainmentbranchen wohl noch länger warten müssen, obwohl bei diesen an den Rändern die Digitalisierung sehr viel früher angekommen ist.

eBay: 100 Millionen App-Downloads, 100 Millionen Items über Apps gelistet

AllThingsD:

[Steve Yankovich, eBay’s VP of mobile] says they see the most sales coming from the iPhone out of all the smartphone apps, and a lot of transactions are also coming from the iPad and the mobile Web.

Langsam aber stetig kommt das mobile Web.

Interessant auch die folgende Aussage:

So far this year, the most expensive item that was listed and sold on eBay via mobile was a $22,500 framed Peter Lik photograph. But if that sounds ridiculous, Yankovich has a plausible explanation: “There’s all kinds of things that are bought on mobile that are six figures. People who have lots of money are also busy,” he said.

Smartphones integrieren sich besser in das alltägliche Leben als Laptops.

LivingSocial experimentiert mit eigenem Clubhouse

Auf Exciting Commerce habe ich über das Clubhouse des Liveshopping-Anbieters LivingSocial, der Nummer Zwei hinter Groupon, geschrieben. LivingSocial bietet seit vier Monaten in Washington D.C. auch Deals in einer eigenen, luxuriös ausgestatten Location an:

Das Clubhaus-Modell hat in einem Markt, der von der einen Seite von niedrigen Markteintrittsbarrieren und von der anderen Seite mit Groupon von einem aufsteigenden weltweiten Konzern bestimmt wird, viele Vorteile. Der wichtigste ist offensichtlicherweise Exklusivität. Besonders für regionale Anbieter mit entsprechender Grundreichweite bieten sich hier Chancen, die eigene Position zu festigen und auszubauen, weil man die Kapazitätenbeschränkungen regionaler Händler für manche Deals hinter sich lassen kann.

Der größte Nachteil des Clubhausansatzes sind natürlich die vergleichsweise hohen Investitionskosten und laufenden Fixkosten. Allerdings macht das Clubhaus laut Yipit bereits zehn Prozent des Geschäfts von LivingSocial in Washington D.C. aus; nach nur vier Monaten und zehn Deals pro Monat.

E-Commerce-Modelle, die vom Internet ausgehen und mit Offline-Komponenten arbeiten, dürften einer der großen Trends der nächsten Jahre werden. Besonders auch, da zunehmend Gewerbefläche in den Innenstädten durch den Wegfall traditioneller Händler frei wird..