Panik bei alten Händlern steigt

Holger Schmidt fasst die aktuellen Umbrüche im Handel auf Focus Online zusammen:

Mit jedem Prozent steigt die Panik in den Chefetagen der Handelskonzerne. Auf 14 Prozent haben die Online-Händler ihren Anteil am Einzelhandel in Deutschland schon erhöht, wenn man die Lebensmittel außer acht lässt. Je nach Branche könnte dieser Anteil auf 50 Prozent steigen. Täglich gehen neue Webshops online, verkaufen von Babywindeln über Tierfutter bis zu Möbeln alles per Mausklick. In Deutschland haben die Webshops im vergangenen Jahr 27,6 Milliarden Euro Umsatz erzielt, rund 20 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Diese Zuwächse stehen im krassen Gegensatz zu den traditionellen Anbietern. „Seit 2006 sind der Umsatz im Einzelhandel um 3 Prozent und die Konsumausgaben der Privathaushalte um 6 Prozent gewachsen. In dieser Zeit hat der Internethandel aber 182 Prozent zugelegt“, rechnet Kai Hudetz vor, Geschäftsführer des Instituts für Handelsforschung in Köln. 

Lesenswert.

Sehr gut dokumentiert wird der dramatische Umbruch natürlich auf Exciting Commerce.

Neckermann-Insolvenz: Grabenkämpfe zwischen On- und Offlinern

Jochen Krisch auf Exciting Commerce über die Insolvenz von Neckermann: Wenn 1.000 Online-Jobs nichts zählen:

Was bei Neckermann passiert ist, ist durchaus symptomatisch für die Grabenkämpfe zwischen On- und Offlinern, die die (Versand-)Handelshäuser nun schon seit Jahren zermürben.

In aller Regel ziehen die Onliner den Kürzeren. Schon weil sie zahlenmäßig unterlegen sind. Aber auch, weil sie in den Traditionshäusern immer noch als Fremdkörper und Störenfriede wahrgenommen werden und es zudem nicht gewohnt sind, für ihre eigenen Belange auf die Barrikaden zu gehen.

Für Neckermann ist die Lage nun brenzlig. Wer will einen heruntergewirtschafteten Versender, dessen Belegschaft sich gerade selber disqualifiziert hat? Man hätte einem tradtionsreichen Versandhaus wie Neckermann einen rühmlicheren Abgang gewünscht. Aber das hätte man auch Quelle schon.

Wer sich ein bisschen mit Organisationskultur und disruptiven Prozessen beschäftigt, ist von diesen Vorgängern nicht sonderlich überrascht. Das macht es aber nicht weniger tragisch.

Groupon eröffnet internationales Hauptquartier in Berlin

Martin Weigert auf netzwertig.com:

Mehr als 1000 Mitarbeiter werden vom Standort in der Oberwallstraße – dem ehemaligen Sat.1-Sendezentrum – die Geschäftsbereiche Finance, Online Marketing, Product und IT in über 40 Ländern steuern. Seit Juli vergangenen Jahres befindet sich der juristisch gesehen internationale Groupon-Sitz im schweizerischen Schaffhausen. Auch künftig wird die dortige Niederlassung, in der rund 40 Personen beschäftigt sein sollen, für Groupon eine wichtige Rolle spielen, erklärte uns eine Groupon-Sprecherin. Doch nach Chicago war Berlin schon bisher der zweitgrößte Standort für den Coupondienst – allerdings mit verschiedenen in der Stadt verteilten Büros. Mit dem Einzug in das Gebäude am Gendarmenmarkt werden sämtliche Abteilungen unter einem Dach vereint und künftig unter der offiziellen Bezeichnung “Groupon International Headquarter” auftreten.

Das ist wenig überraschend. Wenn ich richtig informiert bin, basiert die Technik der internationalen Ableger komplett auf der in Berlin entwickelten IT und ist unabhängig vom US-Groupon und dessen Entwicklung. (Was enorme Nachteile hat und noch haben wird.)

Mehr als 1.000 Mitarbeiter. Wann wird der Berliner Senat endlich die Bedeutung der Internetwirtschaft für den Standort Berlin erkennen und aktiv werden?

Praktiker, Promarkt, Neckermann ringen ums Überleben

Exciting Commerce: Praktiker, Promarkt, Neckermann ringen ums Überleben:

Der Strukturwandel im deutschen Einzelhandel geht weiter. Nicht alle Händler halten dem Wettbewerbsdruck stand und kämpfen derzeit ums Überleben – allen voran Praktiker, Promarkt und Neckermann

Beim Handel geht es aktuell drunter und drüber. Die vom Internet ausgelöste Disruption ist im vollen Gange.

Online-Handel wächst um 18% im ersten Quartal 2011

Obwohl Europa allgemein und Deutschland im besonderen auf der Plattformebene ‘schwächeln‘, um es vorsichtig auszudrücken, wächst natürlich die Nutzung des Internets in der Wirtschaft weiter stark an. Besonders anschaulich ist das aktuell im E-Commerce, der im ersten Quartal diesen Jahres um 18 Prozent gewachsen ist. Jochen Krisch auf Exciting Commerce: bvh-Zahlen 2012: Der Online-Handel wächst um 18% in Q1:

An seiner Prognose für 2012 hält der bvh fest und erwartet für das laufende Jahr weiter ein Wachstum von 7,2% von 34 Mrd. auf 36,5 Mrd. Euro. Auch unsere (ohnehin schon sehr vorsichtige) Fortschreibung der bvh-Zahlen (“Hockeystick-Senario 1.1″) bleibt somit zunächst unverändert:

Onlinehandel

Das hat natürlich mittlerweile spürbare Auswirkungen auf diejenigen im Einzelhandel, die im Internet nicht erfolgreich präsent sind. Jochen Krisch noch einmal:

2012 wird das Schicksalsjahr für eine ganze Reihe von Branchen – allen voran für den Versandhandel. Neckermann steht ohnehin weiter auf der Kippe. Aber auch die Otto-Gruppe hat 2011 eine bittere Bilanz gezogen und darf sich nun entscheiden, welche der darbenden Altversender über 2012 hinaus durchgefüttert werden.

Auch die Manager im Buchhandel und im Elektronikhandel geraten nun plötzlich ins Rotieren und tun nach Jahren selbstgefälliger Überheblichkeit gerade so, als ob das Internet erst gestern erfunden worden wäre und Amazon aus dem Nichts aufgetaucht wäre.

Das Faszinierende am Internet ist auch, dass es die Grundlage für die Disruption nicht einzelner Wirtschaftszweige sondern mehr oder weniger der gesamten Wirtschaft darstellt.

Postmates verbindet Boten und lokale Händler

Postmates nutzt die Leerlaufzeiten von Fahrradkurieren und anderen Boten, um Last-Minute-Einkäufe für Konsumenten oder Lieferungen für lokale Händler auszuführen.

Boten und Auftragsgeber verbinden sich direkt über die App.

Ich habe auf Exciting Commerce über Postmates geschrieben:

Das Ziel der Gründer liegt in der Disruption von Lieferungen innerhalb einer Stadt. [..]

Diese Disruption wird möglich, indem Postmates auf seiner Plattform eine Vernetzung zweier Seiten ermöglicht, die vorher nicht möglich war. Dieses Prinzip, die P2Pisierung, hatte ich als einen wesentlichen Disruptionsfaktor auf meinem Vortrag auf der Exceed-Konferenz vorgestellt.

Besonders interessant ist das für Ballungszentren in den USA, wahrscheinlich weniger hierzulande. Wobei das Konzept mindestens als Inspirationsquelle dienen kann..

 

Hockeystickwachstum im E-Commerce bis 2024

Jochen Krisch auf Exciting Commerce zur Aussicht des Wachstums im E-Commerce:

Wie steil die Kurve letztlich wird, ist nach dem unerwarteten Sprung von 2011 noch schwerer abzuschätzen als zuvor. Auf Zehnjahressicht sollte man jedoch auf jeden Fall von einer Verdreifachung des heutigen Online-Marktvolumens ausgehen. Was zu Teilen vom wachsenden Kundenzuspruch für die heutigen Online-Player getrieben wird, was aber vor allem neuen Playern sehr viel Spielraum eröffnet, um sich konsequent Marktpotenziale zu erschließen, sprich: einerseits die Schwachpunkte des stationären Einzelhandels auszunutzen und gleichzeitig die Defizite der heute gängigen Online-Konzepte auszugleichen.

Das wirklich Bemerkenswerte daran? Es ist ein konservatives Szenario.

Der Payment-Sektor steht vor einem Umbruch

Auf Exciting Commerce habe ich über die zunehmenden Veränderungen im Payment-Sektor geschrieben:

Bei der Register-App von Square kann man auch zum ersten Mal sehen, welche Potentiale sich offenbaren, wenn der Bezahlprozess komplett softwareisiert wird. Man benötigt keine blühende Phantasie, um die Plattform-Möglichkeiten eines erfolgreichen Squares zumindest in Kreditkartenmärkten wie den USA zu erkennen.

Square könnte in den Ländern, in denen der Dienst signifikante Verbreitung erlangt, einen zusätzlichen Nebeneffekt haben: Händler, die bis dato nur offline aktiv waren, besonders kleine Händler, könnten vermehrt etwa über eine integrierte Self-Serve-Lösung online gehen, weil die Kosten für den Schritt zum E-Commerce enorm sinken, wenn die Produkte bereits in digitaler Form auf einer Plattform eingespeist sind. Auf einer Plattform, die vielleicht außerdem noch die Schnittstellen für den Online-Shop gleich mitbringt.

Neben Square und Dwolla kann man in den USA verstärkt Investitionen in Payment-Startups beobachten. Da kommt etwas in Bewegung.

 

Etsy integriert Pinterest-Button

pinterest

Auf Exciting Commerce habe ich einen Überblick über den aktuell mit viel Interesse beglückten, fotobasierten Curationsdienst Pinterest geschrieben.

Der Marktplatz für Selbstgemachtes Etsy hat just den “Pin it”-Button integriert, der neben dem  Facebook-Like-Button und Twitter-Button positioniert ist. Damit können Etsy-Nutzer leicht Fotos von Etsy an ihren Pinterest-Account posten.

Das ergibt Sinn: Pinterest ist hervorragend zur viralen Verbreitung von Produkten geeignet. Das funktioniert umso besser, je ausgefallener die Produkte sind. Bestens also für Etsy geeignet.

Das ist ein schönes Beispiel,  wie sich eine siteübergreifende Redistribution via Ein-Klick-Geste etablieren kann, hier beispielhaft im E-Commerce.

Es ist leicht vorstellbar, dass viele Shopbetreiber dem Beispiel von Etsy folgen könnten.

Für deutsche Shops soll so etwas nach deutschem Like-Button-Datenschutzverständnis nicht ohne Popup-Arien möglich sein.

 

 

Hälfte aller deutscher Unternehmen mittelmäßig bis stark vom Internet abhängig

Holger Schmidt liefert auf seinem FAZ-Blog quasi eine Bestandsaufnahme zu Deutschland und dem Internet:

Von der Politik ist bisher nur wenig Hilfe für das Internet gekommen: Die Datenschutz-Debatte im Kompetenzgerangel von gleich drei Bundesministerien und stetige Unsicherheit über das Urheber- oder Leistungsschutzrecht helfen der Branche nicht. Dabei wird das Internet für die Unternehmen immer wichtiger. „Für die deutsche Wirtschaft ist das Web die Dampfmaschine des 21. Jahrhunderts: Es treibt die Konjunktur an und öffnet die Tür zu neuen Geschäftsfeldern”, sagt Michael Hüther, Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW). 18 Prozent der Unternehmen erstellen ihr Kernprodukt inzwischen im Internet, und in weiteren 32 Prozent der Unternehmen hängen wesentliche Geschäftsprozesse vom Internet ab. Das bedeutet: Die Geschäfte der Hälfte aller Unternehmen in Deutschland sind inzwischen mittelmäßig bis stark vom Internet abhängig.

Das ist übrigens auch selbst für Internetentwicklungsländer wie Deutschland der Grund, warum ein zentraler Abschaltknopf für das Internet für “terroristische Ernstfälle” oder ähnliches eher nicht zu befürchten ist:

Das würde zunehmend einer kompletten Abschaltung aller gesellschaftlicher Vorgänge gleich kommen. Keine Regierung, die eine bleiben will, kann sich das erlauben. Fazit: Kein Killswitch dank E-Commerce.

Payment-Startup Dwolla verlangt nur 0,25$ pro Transaktion, setzt auf Social Networks

Auf Exciting Commerce habe ich über das Payment-Startup Dwolla geschrieben:

Dwolla ist ein spannendes, neues Startup im Payment-Bereich, das es mit Kreditkartenunternehmen und PayPal aufnehmen will, indem es für die Transaktionssteuerung stark auf Social Networks setzt. Statt eines prozentualen Anteils pro Transaktion verlangt Dwolla lediglich 25 US-Cent. Die Höhe der Transaktion spielt dabei keine Rolle.

Das noch junge Dwolla kommt bereits auf ein Transaktionsvolumen von 30 bis 50 Millionen US-Dollar pro Monat.

Wie Square von der Softwareseite aus den Paymentsektor umkrempeln kann

Auf Exciting Commerce habe ich anlässlich des neuen Loyalty-Features des Krediktartenpayment-Dienstes Square darüber geschrieben, wie Square von der Softwareseite ausgehend, den Paymentsektor umkrempeln kann:

Dies weitergedacht sind viele weitere Verknüpfungen zwischen Offline und Online denkbar, die mit Square irgendwann einmal umgesetzt werden könnten:

  • Verknüpfung mit Twitter, Facebook oder gleich mit Klout: Multiplikatoren bekommen Sonderangebote
  • Identifizierung von Gruppen am Verkaufsschalter für Gruppenverkaufskonzepte
  • Verknüpfung mit Liveshoppinganbietern

Grundsätzlich könnte Square als eine der Schnittstellen zwischen Web und stationärem Handel agieren. Auch eine Verknüpfung von Groupon Now! und Square wäre zum Beispiel denkbar.

Es scheint mir nur eine Frage der Zeit, bis Square APIs anbieten wird. Und dann wird es spannend zu sehen, was beispielsweise mit der Verknüpfung von Foursquare und Square (huch!) möglich wird. Foursquare wird schließlich auch dank gutem Plattformansatz enorm erfolgreich werden.

Aus dem Stoff von starken Plattformen und ihren Verbindungen wird die Geschichte von Disruptionen gemacht.

Ordr.in zeigt, wie eine Plattformstrategie für Essensbestellungen aussieht

Ordr.in, in das just Google Ventures investiert hat, fährt eine klassische Plattformstrategie für Online-Essensbestellungen über seine API (Programmierschnittstelle). TechCrunch:

Ordr.in’s solution has been to parter with 72 local food ordering sites (and counting) across the United States, which let users order from some 7,000 restaurants. It then normalizes all of that data, and gives other apps and services access to it via an API.

It’s this API that lets any app or service integrate food ordering. Say, for example, Netflix wanted to integrate an option to oder dinner alongside your evening streaming movie. With Ordr.in, they could do it. And they have a financial incentive to do so — they get a cut of each transaction (as does Ordr.in).

Wenn man sich den Konkurrenzkampf der deutschen Lieferdienste anschaut, dann ist es wirklich erstaunlich, dass den Gründern der deutschen Lieferdienste nur juristische Scharmützel einfallen, um sich gegen die Konkurrenz zu wehren.

Dabei zeigt Ordr.in, wie man sich potentiell im Markt verankern kann. Ganz ohne Justiz und Schlammschlacht und dafür mit einer API und einer Plattformstrategie.

Man muss nur einmal etwas größer denken und über den lokalen Markt hinausschauen.

X.Commerce und die Schwierigkeit, Plattformen aufzubauen

X.Commerce ist eine neue E-Commerce-Initiative von eBay, die auf das zugekaufte Shopsystem Magento aufsetzend, eine Plattform werden soll, die verschiedenste Systeme und Plattformen möglichst mühelos miteinander verbinden soll.

Jochen Krisch auf Exciting Commerce: Ist X.Commerce der Anfang oder das Ende von Magento?:

“Von ATG über Demandware, Hybris, Intershop bis Magento unterstützen 10 der wichtigsten Shopsysteme das neue X.Commerce” – so oder so ähnlich hätte die Ankündigung von X.Commerce auf der laufenden Entwicklerkonferenz lauten müssen, um den gewünschten Effekt zu erzielen. So zumindest wären es Facebook & Co. angegangen, um maximale Aufmerksamkeit für eine Systemlösung zu erlangen, die im großen Stil gelauncht durchaus Sprengkraft gehabt hätte und das Zeug dazu, eine Art neuer Standard für den E-Commerce zu werden.

Doch genau das ist nicht passiert. Ebay glaubt mit einer (im konzeptionellen Sinne ja durchaus spannenden) E-Commerce-Lösung die Welt erobern zu können, die zwar als offen für andere Marktteilnehmer propagiert wird, aber letztlich nur die eigenen Zukäufe/Tochterunternehmen einbindet. Und wenn Ebay andere maßgebliche E-Commerce-Player schon zum Start nicht überzeugen konnte, bei X.Commerce mitzuziehen, wann soll das dann geschehen?

Man muss nicht soweit gehen und X.Commerce schon gleich vom Start weg zum Scheitern verurteilen. Denn im Ebay/Paypal/Magento-Umfeld mag X.Commerce durchaus Chancen haben. Aber eben eher als Insel- denn als Universallösung für den breiten Markt.

Wird X.Commerce ein Erfolg werden? Das ist nicht vorauszusehen zu diesem Zeitpunkt. Muss X.Commerce für einen Erfolg mehr als eine Insel-Lösung sein? Unbedingt. Entgegen der Facebook gegenüber oft gebrachten Kritik basiert Facebooks Erfolg darauf, immer weniger Insel zu sein. (Facebook war mal eine, wird aber immer weniger Insel.)

Facebook hat außerdem von Anfang begriffen, dass sie für den Erfolg der Plattform bei jeder neuen Initiative sofort mit Partnern zeigen müssen, dass Interesse da ist, dass die Implementierung für viele offensichtlich profitabel ist, damit die weitere Adoption der Technologie größtmöglich ist. Daraus entsteht dann ein sich selbst verstärkender Effekt dank gegenseitiger indirekter Netzwerkeffekte.

Plattformsteine ins Rollen bringen, ist nicht einfach. Wenn man es aber schafft, bekommt man eine lukrative Lawine. Es bleibt abzuwarten, ob eBay das mit X.Commerce gelingt. Wenn es ihnen gelingt, wäre das eine Sensation für den Onlinehandel.

Wenn ihnen das nicht gelingt, wäre das zumindest ein Ansporn für andere, es besser zu machen. Denn Bedarf wäre auf jeden Fall da: Die Zukunft im Netz liegt auch für den Onlinehandel in mehr Vernetzung.

Siehe auch webshopnews.net für eine deutsche Zusammenfassung von X.Commerce.

K5: Die Hockeystick-Konferenz für Onlinehändler

Jochen Krisch auf Exciting Commerce über die von Exciting Commerce durchgeführte, erste, sehr erfolgreiche K5-Konferenz für den E-Commerce, die sich auf reine Onlinehändler konzentrierte und die Wachstumsdynamik der Branche im Mittelpunkt hatte:

Sehr bewährt hat sich auch München als Veranstaltungsort. Eine K5 muss dort stattfinden, wo Online-Handel nicht nur propagiert, sondern auch wirklich gelebt wird. Und nirgendwo in Deutschland ist die Pure Player Quote im Online-Handel seit Jahren so hoch wie in Deutschlands heimlicher E-Commerce-Hauptstadt.

Aus Exciting Commerce Sicht hat die K5 Konferenz im ersten Anlauf sämtliche Erwartungen bei weitem übertroffen und genau für die Aufbruchstimmung gesorgt, die wir uns seit langem wünschen.

Das Feedback war praktisch ausnahmslos positiv.

Zusätzlich zur jetzt wohl auch nächstes Jahr wieder stattfindenden K5 im Herbst in München werden wir auch im Frühjahr wieder in Berlin eine Konferenz zu den innovativen Modellen im Onlinehandel in Berlin veranstalten.

 

Groupons steiniger Weg zur Profitabilität

Auf Exciting Commerce habe ich über Groupon und seinen steinigen, aber entgegen aller Unkenrufe zum Trotz möglichen, Weg zur Profitabilität geschrieben:

Entgegen der Annahmen aus eher pessimistischen Analysen ist das Wachstum von Groupon nicht komplett von den Marketingausgaben abhängig. Wenig überraschend übernehmen die bestehenden Kunden mittlerweile einen Teil des Wachstums,

[..]

Kann Groupon profitabel werden? Ja, wenn es weiter die Marketingausgaben zurückfährt:
“Bottom line, thanks to a steady gross margin and reductions in marketing and other operating spending, Groupon’s losses as a percent of revenue are narrowing. This, combined with the fact that the majority of the company’s revenue now comes from existing customers, suggests that Groupon has a viable model and can eventually be profitable.”

Am Bemerkenswertesten an der Prä-IPO-Debatte zu Groupon war/ist,

  1. wie viele relativ unbefleckt von ökonomischem Grundverständnis über Groupon öffentich in Branchenpublikationen vor sich hin urteilen dürfen
  2. und wie sehr viele nicht zwischen Geschäftsmodell und Geschäftsgebahren unterscheiden können. Als wäre alles, was Groupon macht, unwiderruflich mit dem grundsätzlichen Geschäftsmodell verbunden und könnte niemals von anderen Unternehmen anders umgesetzt werden.

Fakt ist, dass Groupon viele Herausfoderungen meistern muss:

  1. Schnelles organisationales Wachstum wie bei Groupon kann mittelfristig ausgesprochen problematisch werden. (Das ist aber nicht automatisch ein Grund zur Implosion.)
  2. Groupon wechselt langsam aber sicher über von einer Hyperwachstumsphase in eine mit gemäßigterem Wachstum. Das bringt mit sich teils drastische Veränderungen, wie ein Unternehmen im Alltag operiert.

Das sind nicht vernachlässigbare Herausforderungen. Wer aber die ausführlichen Analysen von Business Insider und Yipit zu Groupons Gesamtsituation genau liest, stellt auch fest, dass Groupon nicht so schlecht dasteht, wie es viele Kommentatoren hinstellen. (Wie leider so oft zählt auch bei Groupon-Artikeln, besonders bei denen mit dem Blasen-Blickwinkel, vielerorts der alte Vorsatz ‘Narration vor komplexer Realität’.)

Groupon kann scheitern, besonders auch wenn die Deal-Qualität fallen sollte. Aber das Grundprinzip, lokale Dienstleistungen mit zeitlich begrenzten Deals anzubieten, wird in der einen oder anderen Art uns im  Netz erhalten bleiben.

Warum? Rabattsysteme gibt es schon länger. Preisdifferenzierung, das Prinzip dahinter, ist aus verschiedenen Gründen sinnvoll, wenn es richtig eingesetzt wird, wie ich vor ein paar Monaten ausführte.

Die Hauptunterschiede bei Liveshopping-Angeboten im Netz im Vergleich zu Offline-Äquivalenten liegen in der höheren Reichweite, der höheren Geschwindigkeit und dem möglichen höheren Umsatzvolumen.

Deswegen bleibt Groupon, das neben dem von Amazon übernommenen Woot! der größte Liveshoppingbetreiber weltweit ist, (Woot! für physische Produkte, Groupon für Dienstleistungen) weiterhin extrem spannend. Nicht zuletzt weil noch immer alle Richtungen für das Unternehmen offen sind.

 

 

Warum bieten Presseverlage im Netz nicht lokale Deals à la Groupon an?

Warum bieten die Presseverlage im Netz nicht grouponähnliche Liveshopping-Dienste an? Eine lokale Tageszeitung hat die lokale Sales-Abteilung und sie hat die notwendige Reichweite, um in ihrem lokalen Markt ohne weiteres so etwas zu etablieren.

Felix Salmon hatte das schon einmal aufgenommen, als die New York Times ihre Bezahlschranke errichtete. Statt den Lesern Nutzen wegzunehmen, wäre die NYT vielleicht besser beraten gewesen, den Nutzen, den sie ihren Lesern bringt, zu steigern:

Incidentally, one of life’s great mysteries is why the New York Times is spending tens of millions of dollars building and promoting its easily-circumventable paywall, when it could have built a first-rate Groupon clone instead. The NYT has the exact home addresses — and the associated email addresses — of hundreds of thousands of well-heeled newspaper subscribers in a rich city of tiny neighborhoods. It also has a sales force which talks to local businesses regularly. It should own this space in New York City, instead of ceding it to arrivistes from Chicago who have much less specificity as to where exactly their subscribers live.

In den USA  experimentiert der Boston Globe mit täglichen Deals:

The Boston Globe is offering its own Boston Deals (promoted on the home page, no less) after trying a partnership with BuyWithMe last year (and SCVNGR, also last year) as it moves to separate its online content from a potentially more lucrative e-commerce business.  Boston Phoenix offers deals,  Star Tribune in the Twin Cities offers STeals.

Warum ist der Boston Globe die einzige Zeitung, die damit experimentiert? Es bleibt ein Rätsel:

It’s interesting how newspapers today struggle to make money on content — putting up paywalls, repackaging it into single-device apps — instead of going for an easier buck.   It seems like the newspapers should be able do a lot with the two things they already have — local audiences and local sales relationships.  They could  do daily deals, for example, like The Globe, Phoenix and Star Tribune. Or they could aggregate local deals from Groupon and its numerous clones, Yipit-style. (Maybe they could also print some of these deals in Sunday circulars, for fun.)  Or maybe they could try getting some of the classifieds back from Craigslist — has any newspaper really tried?

Das Erstaunliche ist tatsächlich, dass die Vertreter der Presseverlage fleißig im Beklagen der schlechten Werbesituation im Netz sind (schlecht im Sinne von Konkurrenzsituation statt Monopol), während sie es komplett versäumen, neue Werbeformen wie Gruppendeals überhaupt erst einmal zu testen.

Die Möglichkeiten sind vorhanden und reichlich. Aber in der Regel kann man im Netz nur wenig Geld damit verdienen, indem man das Analoge im Digitalen noch einmal simuliert. Diejenigen Presseverlage, denen es schwer fällt, online Geld zu verdienen, wären gut beraten, mit ihren verkrampften Simulationen aufzuhören und stattdessen das zu testen, was bereits anderenorts im Netz erfolgreich funktioniert.

Update: Auf Google+ wurde auf einige Verlage verwiesen, die bereits mit täglichen Deals arbeiten. In Deutschland betreibt die WAZ Westdeal. Und das ist nicht das einzige Projekt hierzulande. In den USA arbeitet unter anderem die in Minneapolis sitzende Star Tribune an ihrem eigenen Deal-Angebot. /Update

Die E-Mail im E-Commerce heute und morgen

Auf Exciting Commerce habe ich über die auch heute noch enorm wichtige Rolle der Email als Weg zu den Usern geschrieben. Groupon und der Daily-Deal-Markt generell haben gezeigt, dass man auch in Zeiten des Social Webs nicht nur nicht an der Email vorbeikommt, sondern dass sich auf ihr immer noch Geschäftsmodelle aufsetzen lassen, die nirgendwo anders möglich sind.

Mittelfristig gibt es aber ein Problem: Je erfolgreicher Groupon und co. heute sind, desto weniger werden potentielle Kunden bereit sein, morgen einen weiteren Dienst zu abonnieren, der ihnen die neunte oder zehnte tägliche Email senden will.

Meine Handlungsempfehlung für Gründer von betroffenen Web-Startups:

Wer heute einen Dienst aufbaut, der auf potentiell tägliche Interaktion setzt, also Liveshopping etwa, der muss unbedingt Email als wichtigen Kanal einbeziehen und viel Energie darin investieren, diesen Kanal optimal zu bedienen. Selbst Facebook setzt für seine Social Deals zusätzlich zum Facebook-Newsfeed auch auf die Auslieferung via Email.

Gleichzeitig braucht es eine mittelfristige Strategie, wie man etwa Facebooks Newsfeed und andere Social Networks effizient einsetzen kann und eine langfristige Strategie, wie man auch ein Standbein aufbauen kann, das Email-unabhängig ist. Denn, wie oben beschrieben, ist die Aufnahmefähigkeit der Endnutzer über das ungeeignete Email-Medium stark beschränkt.

Exciting Commerce: Welche Rolle spielt die E-Mail im E-Commerce heute und morgen?

 

Zum angekündigten Börsengang von Groupon

Aufgrund des bevorstehenden Börsengangs von Groupon wurden einige interessante Zahlen veröffentlicht. Zum Beispiel über den Groupon-CityDeal-Deal der Samwers:

Von den 950 Mio. Dollar, die Groupon im Januar 2011 eingesammelt hat, flossen dem Dokument zufolge 170 Mio. Dollar an die CityDeal-Investoren (Rocket Internet, Holtzbrinck Ventures, eVenture Capital Partners und Kinnevik).

Die Investorengruppe um die Samwer-Brüder hat damals rund ein Viertel ihrer Groupon-Anteile verkauft, hält aber immer noch 10,3% der Unternehmensanteile.

Interessant sind auch die Entwicklungen in der Berliner Abteilung von Groupon:

Im letzten Quartal hat Groupon alleine für Berlin Gutscheine im Wert von 6,1 Mio. Dollar verkauft. Im internationalen Vergleich hat Berlin eine der höchsten Quoten von gewonnenen Abonnenten, die auch tatsächlich schon Gutscheine gekauft haben.

Das ist insofern interessant, als dass das deutsche Groupon (also das ehemalige CityDeal) einiges von dem, was Groupon in den USA ausmacht, nicht sehr beachtet. Es bleibt abzuwarten, ob Berlin langfristig auf den vorderen Groupon-Plätzen mit seiner aktuellen Strategie bleiben wird. Der Erfolg innerhalb von Groupon ist aber beachtlich (und zumindest für mich ein Stück weit überraschend).

Die Artikel zum Groupon-Börsengang schreiben sich fast von allein. Wer noch Hilfe benötigt, findet sie im Alphaville-Blog der Financial Times:

1) Asinine joke about how this IPO isn’t the kind of discount you’d find on the Groupon site itself. Shoot yourself.

2) Discuss: bubble or no bubble? Ponder the existential meaning of being in a “not-a-bubble”.

..

Es ist tatsächlich bemerkenswert, wie wenige Groupon angemessen beurteilen können. Überraschend ist es aber nicht, wenn Zahlen und Vorgänge den gewöhnlichen Rahmen und die Vorstellungskraft vieler sprengen. Ein simples “Wow, die machen Verlust. Und wollen trotzdem an die Börse?” reicht da nicht.

Die entscheidenden Fragen stellt Jochen Krisch auf Exciting Commerce:

Wie sind Anlaufverluste in einer Größenordnung von mehreren hundert Millionen Dollar einzuschätzen für ein stark wachsendes Unternehmen, das in kürzester Zeit ein weltweites Vertriebssystem auf die Beine stellen will für ein Konzept, das in dieser Form noch niemand kennt?

Wie weit kann Groupon seine Vertriebsaufwendungen (in Richtung Händler) und seine Marketingaufwände (in Richtung Kunden) über die Zeit reduzieren? Und kann Groupon für alle Beteiligten dauerhaft attraktiv bleiben?

Die Antworten sind bei weitem nicht so offensichtlich, wie es einige Naysayer glauben machen wollen.

Ein Vergleich: Amazon, das 1997 an die Börse ging, meldete erst für das vierte Quartal von 2001 erstmals einen Reingewinn.

Wer heute angesichts der dem Wachstum geschuldeten Verluste von Groupon, dem Dienst ausschließlich deswegen schlechte Aussichten ausstellt und misstrauisch auf den Börsengang schaut, hätte diese Schlussfolgerung auch bei Amazon getroffen. Baut man ein globales Unternehmen mit Rekordgeschwindigkeit auf, ist es normal, dass man in dieser Zeit statt Gewinne Verluste ausweist.

Für Investoren bedeutet Groupon mit seinen hochgesteckten Ambitionen deswegen vor allem: Geduld haben.

“I would urge any investor to think about the fundamentals,” said Sucharita Mulpuru, a Forrester Research retail analyst. “Sure Groupon could be the next Amazon, but as an investor do you have the patience to wait them out?”

Warum? Groupon setzt auf (langfristiges) Wachstum:

In a letter to prospective shareholders, Groupon’s chief executive, Andrew D. Mason, highlighted the company’s growth opportunities but cautioned investors to temper their profit expectations.

“In the past, we’ve made investments in growth that turned a healthy forecasted quarterly profit into a sizable loss,” he said. “When we see opportunities to invest in long-term growth, expect that we will pursue them regardless of certain short-term consequences.”

Vor Groupon stehen unter anderem große organisationale Herausforderungen. Ob Groupon der nächste E-Commerce-Juggernaut wird, ist noch offen, aber die Zeichen dafür stehen meines Erachtens insgesamt relativ gut.

Woran ich das festmache?

An drei Punkten:

  1. Groupon ist extrem stark im E-Mail-Kanal und erreicht dort den Mainstream.
  2. Groupon hat es geschafft, lokale Geschäfte zum Online-Marketing (=Groupon) zu bringen.
  3. Groupon arbeitet im mobilen Sektor und mit der eigenen Plattform bereits an den Orten, wo die Zukunft für Groupon liegen wird. In beiden Bereichen macht es meiner Meinung nach aktuell mehr oder weniger alles richtig.

Punkt 1 und 2 deuten darauf hin, dass das Unternehmen weiß, was es im Alltag macht. Punkt 3 darauf, dass man bei Groupon weiß, wo man hinwill/-muss.

~

Am Montag, den 6.6., werde ich um 11 Uhr auf DRadio Wissen ein wenig über Groupon sprechen.

Grundsätzliche Ausführungen zum Geschäftsmodell von Groupon:

Groupons mobile Perspektive

groupon-logoAuf Exciting Commerce habe ich über die jüngsten Vorstösse von Groupon in den mobilen Sektor (Groupon Now! und die Kooperationen mit Loopt und (kommend) Foursquare) geschrieben und habe darüber nachgedacht, was Groupons nächster Schritt sein könnte:

Der nächste logische Schritt für Groupon wäre der Schritt zur Plattform im mobilen Sektor. Mit einer API (Programmierschnittstelle) können die Kooperationen auf der Seite der mobilen Dienste standardisiert werden. Auf Händlerseite hat Groupon die Groupon Stores. Groupon könnte sich also selbst zum Mittelsmann für Deals zwischen mobilen Diensten und lokalen Händlern machen.

Der soziale Elefant im Raum bei dieser Strategie wäre natürlich Facebook: Das kann seine Social Deals mit seinem eigenen Check-In-Dienst Facebook Orte verknüpfen und könnte in Zukunft den gleichen Plattform-Weg gehen.