P2P-Filesharing in USA sinkt auf 10 Prozent des Netzverkehrs

Filesharing ist laut einer Studie in den USA dank Netflix, Spotify und co. von 31 Prozent 2008 auf zehn Prozent des Netzverkehrs gesunken.

Digital Music News:

Sandvine noted that file-swapping now accounts for less than 10 percent of all internet traffic in the US, down from 31% in 2008. In 2004, file-sharing hogged more than 70 percent of total internet bandwidth. ”As observed in previous reports, BitTorrent continues to lose share and now accounts for just 7.4% of traffic during peak period and file-sharing as a whole now accounts for less than 10% of total daily traffic,” the report noted.

“This demonstrates a sharp decline in share. Long are the days when file-sharing accounted for over 31% total daily traffic, as we had revealed in our 2008 report.”

Die Zunahme attraktiv bepreister legaler Dienste scheint also die illegale Verbreitung bestimmter Inhalte einzudämmen.

Was Studien dieser Art allerdings nicht einbeziehen und warum man deshalb bei diesbezüglichen Schlussfolgerungen vorsichtig sein sollte, ist die legale Nutzung von Peer-to-Peer-Filesharing, die in der gleichen Zeit zugenommen haben dürfte. Die illegale Nutzung, die gleichzeitig stärker in Richtung Streaming gegangen ist, hat sich vom P2P-Traffic weg verlagert.

Angebote wie das schnell populär werdende BitTorrent Sync werden das Bild weiter verwischen und, natürlicherweise, es von außen immer schwerer machen, P2P illegaler oder legaler Nutzung zuzuordnen. Die Gleichsetzung "P2P = Illegal" war immer schon eine schnell irreführende Vereinfachung und wird zunehmend hinfällig werden.

Das kann natürlich auch bedeuten, dass, je nach dem welche Dienste mit welcher Architektur in den nächsten Jahren populär werden, P2P-Traffic auch wieder ansteigen kann. Ich halte das vor dem Hintergrund der weltweiten Überwachung durch NSA, GCHQ und co. für außerordentlich wahrscheinlich. Die Implikationen sind enorm.

The Sky is Rising 2: Studie zur Entwicklung der Unterhaltungsindustrie

Nachdem sich die erste “The Sky is Rising“-Studie von Techdirt mit dem US-Markt beschäftigte, und dort bei allen entscheidenden Kennzahlen die Tendenz nach oben ausmachen konnte, haben sich die Techdirtmacher bei der zweiten Studie nun verschiedene Länder angeschaut: Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, UK und Russland.

Nicolas Fennen hat ein paar Erkenntnisse aus der Studie auf netzpolitik.org zusammengefasst:

Es ist dabei bemerkenswert festzustellen, wie von Jahr zu Jahr in nahezu jedem Segment die Anzahl an Veröffentlichen steigen würden. An vorderster Front befinde sich hier die Bücherindustrie mit einer Steigerung an Veröffentlichungen von 29% in Deutschland bis hin zu 266% in Russland, jeweils im Vergleich von 2011 und 1995. Doch auch die Videospiele-Branche lege kräftig zu mit einer Steigerung von 138% bei den regelmäßigen Spieler im Jahr 2010 im Vergleich zu 2008. Und auch eine Steigerung des Umsatzes von 65% wie in Großbritannien kann sich sehen lassen.

Auch die Musikindustrie hat laut Masnick und Ho positive Zahlen zu vermelden. Diese seien einerseits in den Umsätzen zu finden – ausgenommen Russland mit einem Minus von 41% – andererseits aber auch in der Anzahl der produzierten Lieder, welche von Jahr zu Jahr weiter wachsen würden. Also Grund hierfür nennen Masnick und Ho die große Anzahl neuer digitaler Vermarktungsstrategien für Musik, seien es Marktplätze wie iTunes oder Streamingangebote wie Spotify.

Und auch in der Filmindustrie sei ein ähnliches Bild erkennbar. Immer mehr Filme werden pro Jahr hergestellt – die Ausnahme in diesem Fall ist Frankreich mit einem Minus von 4% – und auch die Einnahmen würden steigen – trotz weniger produzierter Filme habe Frankreich hier ein Plus von 4,7% vorzuweisen.

BitTorrent Sync ist eine private Alternative zu Dropbox und co.

BitTorrent Inc. stellt mit BitTorrent Sync eine auf BitTorrent, das Filesharing-Protokoll, setzende Alternative zu Dropbox und co. vor. TorrentFreak:

There are several good use cases for BitTorrent Sync. For example, users can share folders across all devices, creating their own redundant backup with minimal effort.

Similarly, a group of people working with large files, such as filmmakers, will also enjoy the lack of storage limits and the rapid download speeds.

BitTorrent Sync muss man sich als ein einfach erstellbares privates BitTorrent-Netzwerk vorstellen.

Dass das für viele Einsatzzwecke sinnvoll sein kann, zeigen etwa Unternehmen wie Facebook und Twitter, die intern für die Verteilung von Dateien auf den Servern auf BitTorrent setzen.

TorrentFreak über die Installation:

Setting up the private network is relatively easy and can be done in a minute. Users just have to install the application, select a folder to share, generate a key and they’re good to go. The private key can then be used to sync the folder to other devices.

BitTorrent Sync ist für Windows, Mac OS und Linux in einer ersten Prä-Alpha-Version(!) verfügbar.

Beweisvernichtung bei Filesharing-Abmahnungen

Holger Bleich, Joerg Heidrich und Thomas Stadler in einer c’t von 2010 über die Beweisführung bei Filesharing-Abmahnungen:

Die naheliegendste Möglichkeit, eventuelle Zuordnungsfehler aufzudecken, wäre eine Anfrage beim eigenen Provider. So könnte man sicherstellen, dass die in der Abmahnung angegebene IP-Adresse zum fraglichen Zeitpunkt tatsächlich dem eigenen Anschluss zugeordnet war.

Beweisvernichtung

Eine solche Überprüfung könnte grundsätzlich im Rahmen einer datenschutzrechtlichen Selbstauskunft nach Paragraf 34 des Bundesdatenschutzgesetzes (BDSG) erfolgen. Danach hat jeder Betroffene das Recht, bei einer Stelle, die personenbezogene Daten von ihm speichert, Auskunft über diese Daten zu verlangen. Da es sich bei IP-Adressen nach gängiger Juristenmeinung um personenbezogene Daten handelt, besteht ein solches Recht also auch gegenüber dem eigenen Zugangsprovider.

Die Praxis zeigt aber, dass dieses Recht weitgehend ins Leere läuft: Die Provider dürfen IP-Adressen – wenn überhaupt – nur zeitlich begrenzt speichern. In der Regel werden die Adresszuordnungen nach sieben Tagen gelöscht. Diese Frist wird im Fall eines zivilrechtlichen Auskunftsverfahrens verlängert. Erhält ein Gericht im Antrag IP-Adressen, bittet es den Provider, die Zuordnung zum Anschluss ausnahmsweise länger aufzubewahren („Quick Freeze“). Ist der Antrag per Beschluss genehmigt und die Auskunft an den Rechteinhaber erteilt, muss der Provider die Daten aber sofort löschen.

Dass dies auch so gehandhabt wird, bestätigte der Konzerndatenschutz der Deutschen Telekom auf Anfrage. Man könne im Nachhinein lediglich mitteilen, ob zu einer IP-Adresse „dem Grunde nach eine Auskunft geleistet“ wurde. Obwohl für den Betroffenen unvorteilhaft, ist dieses Verfahren juristisch in Ordnung, da nach der Auskunft für den Provider kein Grund mehr besteht, die Daten zu speichern. Für den unschuldig Verdächtigten führt dies allerdings zur bizarren Situation, dass er im Unterschied zu den Rechteinhabern keine Möglichkeit mehr hat, auf die ihn betreffenden Daten im Nachhinein zuzugreifen.

Da ich selbst aktuell von einer Abmahnung bezüglich eines Tatbestands, den ich nicht begangen habe, betroffen bin (siehe Google+), interessiert mich das noch mehr als üblich.

Die Löschung der Verbindungsdaten, nachdem sie an die anfragenden Rechteinhaber weitergeleitet wurden, ist eine sehr ungünstige Praktik, um es vorsichtig auszudrücken.

Deutschland kein BitTorrent-Land

TorrentFreak zitiert eine Studie über die globale Nutzung von BitTorrent von Musicmetric, einem Analyseunternehmen. Deutschland schafft es nach Musicmetric nicht in die Top10:

Auch Internet Archive nutzt jetzt BitTorrent

Jens Ihlenfeld auf Golem.de:

Mehr als 1 Million Torrents stellt das Internet Archive kostenlos zur Verfügung, darunter die Prelinger Filmsammlung und diverse Spielfilme, die Hörbuchsammlung Librivox und zahlreiche Bücher.

Sinnvolle Sache, da das Internet Archive mit BitTorrent leicht durch minimale Unterstützung von gewöhnlichen Internetnutzern entlastet werden kann. BitTorrent, oder Filesharing allgemein, dürfte der einzige Weg sein, wie man Kultur im großen Stil digital archivieren und vorhalten kann. Auf jeden Fall ist es der ökonomischste Weg.

BitTorrent ist bekanntlich die aktuell effizienteste Art, Dateien zu verteilen, und wird unter anderem auch von Universitäten oder etwa von Facebook und Twitter zur Serveraktualisierung eingesetzt.

Keine einzige versendete Warnnotiz nach 8 Monaten “Three Strikes” in Neuseeland

Neuseeland hat vor einiger Zeit ein “Three Strikes”-Gesetz verabschiedet, das im August 2011 zum Start der Überwachung des P2P-Traffics geführt hat.

Bis heute wurde allerdings keine einzige Warnung verschickt. Warum? Weil die Rechteinhaber sich mit 25$ an jeder verschickten Notiz beteiligen müssen. Die ISPs hatten ursprünglich 40$ pro Notiz gefordert.

Paul Brislen (CEO der Telecommunications Users Association):

Twenty five dollars isn’t a lot when you think about the price of a TV show or a movie.  If I’d invested $200 million in a film then $25 wouldn’t seem too great a burden to pay for protecting my rights, however to date not a single notice has been issued with regard to a TV show or movie. Not one. The rights holders have tried all kinds of things to reduce the fee – they’ve tried to get individual ISPs to sign up to a process whereby the rights holders will do all the processing and so the cost per notice will come down dramatically. But one of my sources tells me the rights holders want the ISPs to sign a non-disclosure agreement before they even discuss it, and no ISP will do that. [..]

The reason the ISPs are reluctant to get involved is simple – cost. [..]

So not one notice about TV or movies but also not a single notice has been sent relating to copying of New Zealand content. Not one.

The rights holders in New Zealand put together an ad campaign based on the destruction of value of New Zealand content, yet it hasn’t defended a single New Zealand artist. I find that very interesting – from a PR point of view it’s a massive cock-up because at the very least they could have found one to point to. Either they don’t care enough to pay $25 or there simply isn’t any piracy of New Zealand artists going on in New Zealand. Isn’t that an interesting thought?

Megaupload arbeitete an einem Börsengang für mehrere Milliarden US-Dollar

Megaupload arbeitete an einem Börsengang für mehrere Milliarden US-Dollar berichtet TorrentFreak:

Before Megaupload was shutdown the company was preparing to go public and enter the US stock market with a multi-billion dollar IPO. While the US authorities were conducting their criminal investigation, Megaupload had discussions with some of the ‘Big Four’ auditors and several of the world’s largest investments banks. The top of the financial world was looking at a huge potential tech IPO with a billion dollar valuation, but these plans ended abruptly in January.

Da ein Börsengang in den USA bedeutet hätte, dass Regulierungsbehörden die  Geschäfte von Megaupload sehr genau untersucht hätten, erscheinen die Vorwürfe gegen Megaupload noch fragwürdiger. Besonders stellt sich die Frage, ob der geplante Börsengang nicht einer der Auslöser für die Razzia im Dezember 2012 war. Wurde Megaupload zu groß?

Nimmt man dies und die Tatsache, dass sich Musiker kurz vor der Razzia für Megaupload öffentlich ausgesprochen haben, weil sie damit Geld verdienen konnten, verbleibt ein schaler Beigeschmack bei dieser Geschichte.

Einmal mehr zeigt sich, dass nicht alles so ist, wie es auf den ersten Blick erscheint.

Übrigens: Ein Richter musste sicherstellen, dass die auf Megaupload hinterlegt gewesenen Daten, die auch Beweise für die tatsächliche Nutzung des One-Click-Hosters sind, nicht gelöscht werden, wie es die US-Regierung eigentlich wollte.

Siehe zum Thema auch:

Kulturflatrate ist Wegezoll, keine Lösung

Dirk von Gehlen schreibt auf sueddeutsche.de über die Kulturflatrate:

Pauschale Vergütungssysteme sind in vielen Bereichen bereits Alltag in diesem Land. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk wird ebenso über eine Pauschale finanziert wie die Verwertungsgesellschaften Gema und VG Wort in dieser Art Tantiemen für Künstler ausschütten.

Das stimmt. Wer pro Kulturflatrate ist, sollte sich die Vor- und Nachteile von GEMA über ÖR bis VG Wort genau anschauen.

Begründet wird die Kulturflatrate immer damit, dass sie notwendig ist, um Filesharing und damit unsere heranwachsenden Generationen zu entkriminalisieren. Ist sie wirklich notwendig?

Ein Vorgang, der gerade einer jungen Generation so selbstverständlich erscheint wie den Älteren der Besuch in einem Copyshop, wird kriminalisiert und mit Strafen belegt. Das führt zu einem massiven Legitimationsproblem des Urheberrechts und zu einer Spaltung der Gesellschaft. Beides ist nicht wünschenswert, wer aber pauschale Vergütungssysteme ablehnt, verstärkt diese Tendenzen noch.

Die implizite Annahme: Unautorisiertes Filesharing sorgt für mehr Schaden als Nutzen. Dieser Schaden muss kompensiert werden. Also: Kulturflatrate als Kompensationswerkzeug.

Was aber, wenn unzählige Studien zeigen, dass die Gesamtumsätze der betroffenen Kreativbranchen steigen?

Dann wird die Legitimationsgrundlage bereits schwieriger. Es wird insgesamt nicht sonderlich schwierig, weil es bei der Urheberrechtsdebatte auf keinen Fall um ärgerliche Nebensächlichkeiten wie die Realität geht, aber doch immerhin ein kleines bisschen aufwendiger.

Die Kulturflatrate ist keine Lösung für ein Problem, das viele im Filesharing sehen.

Denn wenn man etwas aus den Studien herauslesen kann, dann dass die positiven Effekte die negativen branchenweit (also medienunabhängig) eher zu überwiegen scheinen.

Wer sind dann die Verlierer, die sich lautstark beschweren? Kreative und Rechteverwerter, die sich nicht anpassen wollen oder können. Während der Gesamtumsatz der eigenen Branche wächst, reden diese von Marktversagen. (Während es eigentlich das eigene Geschäftsmodellversagen ist.)

Wenn wir eigentlich gar kein Problem haben, warum suchen wir dann nach einer Lösung? Weil die am stärksten Betroffenen des Wandels die größten Unternehmen der Branchen sind. Die großen Konzerne, die sich auf die industrielle Verwertung von Rechten spezialisiert haben. Die Unternehmen, deren Prozesse, ja, deren Existenzberechtigung auf der Verbindung zwischen immatierellem Gut und physischen Träger basiert.

Diese schreien am lautesten und beschäftigen die meisten Lobbyisten und Anwälte.

Wenn die Kulturflatrate keine Lösung ist, was ist sie dann? Sie ist ein Wegezoll für diese großen, einflussreichen Unternehmen. Sie ist der Wegezoll, den wir als Gesellschaft werden bezahlen müssen, um ein halbwegs modernes Urheberrecht zu bekommen.

Dirk von Gehlen:

Im Bereich der Kassettenkopie ist also bereits Realität, was im Bereich der Digitalkopie ummöglich sein soll: Die Leermedienabgabe hat weder zu einem Ende der Kultur geführt, noch hat sie einen bürokratischen Überwachungsapparat genährt (wobei man über eine Reform der Gema gesondert reden könnte).

Wir haben bereits Leermedienabgaben und zahlen zum Beispiel etwa bereits 36 Euro Pauschalabgabe pro Smartphone.

Warum wird nirgendwo aufgeschlüsselt, wie viel davon tatsächlich an Kreative geht und wie viel bei Mittelsmännern hängenbleibt, die keine zusätzliche Leistung hierfür erbringen mussten? Und wie viel geht davon an aktive Kreativschaffende und wie viel an durch Verteilungsschlüssel begünstigte Erben?

Warum heißt es nie: ‘Ja, Filesharing ruiniert unser Geschäft, aber X Prozent werden wenigstens von den Einnahmen über die Leermedienabgaben gedeckt’?

Die  bereits existierenden Pauschalabgaben, die landesweit addiert signifikante Höhen erreichen dürften, werden immer ignoriert. Warum?

Weil ein Unternehmen, dass seinen Gewinn maximieren will, niemals genug von einer staatlich garantierten Pauschale bekommen kann. Mehr ist immer besser und deswegen ist der aktuelle Satz immer zu wenig. (Und das gleiche gilt für Schlagerstar-Erben in der GEMA, die dort keine unbedeutende Gruppe stellen.)

Die Leermedienabgaben lehren uns also sehr wohl etwas, das auch negativ sein kann: Solche Pauschalabgaben fördern undurchsichtige Bürokratiedschungel, in denen viel Geld in der Administration versickert und deren Ineffizient sprichwörtlich ist.

Nun könnte man argumentieren, dass diese systemischen Nachteile hinzunehmen seien, denn sie schaffen immerhin eine Kompensation für diejenigen Kreativen und Verwerter, die sich weigern, sich den Veränderungen anzupassen und wie ihre Kollegen zum Umsatzzuwachs ihrer Branchen beizutragen.

Diese bereits schwache Position wird nicht besser durch die Komplexität der Aufgabe, die die Kulturflatrate erfüllen sollte. Internet und Digital ist eben nicht wie Kassetten und Industrie vor ein paar Jahrzehnten. Wer ist zum Beispiel im Musikbereich empfangsberechtigt? Jeder, der Audio veröffentlichen kann – also Jeder – oder nur registrierte GEMA-Mitglieder? Wollen wir gleich de Verteilungschlüssel der GEMA übernehmen, damit die Schlagerstar-Erben uns nicht weinend auf der Straße zusammenbrechen?

Ich hatte mich bereits mehrfach mit den Details einer Kulturflatrate beschäftigt. Die Fragen zur Umsetzung sind endlos und nach wie vor unbeantwortet:

Niemand hat bisher erklärt, wie eine Bemessungsgrundlage auf Stichproben mit dem Long Tail vereinbar sein soll. Wer meint, das sei kein Problem, frage mal im Elektronikmusikbereich nach, wie man dort zur GEMA steht.

Niemand hat bisher erklärt, wie eine Bemessungsgrundlage ohne Stichproben aussehen soll.

Niemand hat bisher erklärt, wie ein fester Kuchen an auszuschüttenden Geldern sich auf eine Branche auswirkt, wenn ihre größten Unternehmen von ihm abhängen. Besonders, wenn man bedenkt, dass ein solches System bereits beteiligte Akteure schlechter stellt, wenn neue Werke zur Ausschüttung hinzukommen.

Niemand hat bisher erklärt, wer was wofür bekommen soll. Und das, während praktisch jeder Bürger im Netz heute nicht nur Urheberrechtsverletzer sondern auch Urheber ist!

Die Umsetzung einer Abgabe auf Leermedien wie Audiokassetten in einer Zeit in der Musik industriell verbreitet wurde, war dagegen recht einfach: Die potentiellen Empfänger waren verhältnismässig leicht auszumachen und verhältnismäßig in der Anzahl leicht überschaubar. Trotzdem dürfte es enorme Unterschiede zwischen Verteilung und Realität der Verbreitung gegeben haben.

Diese übersichtliche Welt existiert heute nicht mehr.

Aber das ist auch egal: Dieter Gorny, Lady Gaga und Coldplay sollten die größten Nutznießer einer Kulturflatrate sein, alles andere an Kultur ist Nebensache. Denn die Kulturflatrate ist keine Kulturlösung sondern der Wegezoll für diejenigen einer Industrie, die dort noch etwas zu verlieren haben. Diejenigen, die am lautesten schreien. Diejenigen, die es mit Hinterzimmerpolitik auf masslos ausgeweitete exklusive Rechte gebracht haben und damit unsere Kultur in Geiselhaft genommen haben. Diejenigen also, die nur gegen einen Wegezoll aus dem Weg gehen werden.

Eine Kulturflatrate wäre also eine Art lebensverlängernde Massnahme für Rechteverwerter. Eine sehr ineffiziente noch dazu. Keinerlei Probleme von Kreativschaffenden würden damit gelöst. Immerhin haben auch all die Pauschalabgaben, die wir bereits haben, keine Probleme gelöst, sie bestenfalls nur gelindert.

Wer sich für das Thema interessiert: Ich habe 2009 in meiner Zeit bei netzwertig.com dort einen ausführlichen Artikel über die Herausforderungen einer Kulturflatrate geschrieben. Ich habe bis heute keinen Text zu diesem Thema gelesen, der meine Bedenken dazu widerlegen konnte (oder überhaupt ansprach). So viel zur Debatte.

Was ist uns wichtiger? Die Disneys dieser Welt oder unsere private Kommunikation?

Vor einigen Tagen hatte ich darüber geschrieben, dass Kopien, das Kopieren und das Verteilen zum Internet dazugehören. Der Akt des Filesharings und der Akt der (bewussten oder unbewussten) Urheberrechtsverletzung, wenn hier ein Foto geteilt wird oder dort ein Video neu verwurstet hochgeladen wird, lassen sich nicht aufhalten.

Dieser Fakt wird regelmäßig in Frage gestellt mit dem Hinweis darauf, dass wir mit unseren Gesetzen unsere Welt selbst formen. Wir also entscheiden, wie unsere Welt funktionieren soll.

Zuletzt hat Johnny Haeusler auf Spreeblick (via wirres.net) diese Frage wieder aufgeworfen:

Unbestritten ist, dass das Netz vieles verändert, doch wo steht geschrieben, dass diese Veränderungen per se gut sind? Und wenn: Für wen? Und wieso gehen offenbar viele Menschen davon aus, dass sich alles andere an das Netz anpassen muss, seit wann lassen wir uns von Technik diktieren? Immer, wenn ich davon lese, dass das Netz nunmal so und so sei, und dass Technik nun mal dieses und jenes möglich machen würde und man sich daran eben anzupassen hätte, dann frage ich mich, ob diese Meinungen auch für andere Gesellschaftsbereiche gelten. Wie steht es um Mindestlöhne, um Urlaubszeiten, um Elternzeiten, um Sozialabgaben, um Renten? Müssen sich diese auch an die Markt- und Technik-Umstände anpassen, oder lohnt es sich nicht doch, sich für ein möglichst faires System einzusetzen, eines, das eben nicht die äußeren Gegebenheiten als Status Quo akzeptiert, sondern das sich bemüht, einen für alle Beteiligten gangbaren Kompromiss zu finden? Und wenn sich nun doch alles dem Markt unterwerfen muss und das prima ist: Wieso wählt dann niemand mehr die FDP?

Natürlich können wir das Filesharing aufhalten. Wir können einfach das Internet abschalten und die Nutzung von Computern stark regulieren. Problem gelöst.

Nur so bekommt man die Bewegung des Zeigefingers in Wohnzimmern in den Griff.

Wir könnten auch abgestuftere Antworten nutzen: Wir behalten das Internet. Aber jeder Dienst, auf dem sich Privatpersonen öffentlich äußern können, wird von Rechteverwertern überwacht. Notfalls greifen diese ohne weitere Überprüfung ein und löschen, denn die Überprüfung ist bekanntlich bei all den Verbrechern da draußen wirtschaftlich nicht tragfähig.

Wie klingt das?

Nicht so gut? Besser nicht?

Zu spät. UMG darf bereits nach Belieben Material von YouTube löschen.

Trotzdem lesen wir allerorten, dass Google und YouTube die Bösen sind. Was soll YouTube noch machen? Was soll es mehr machen, als Rechteinhabern den unbeschränkten Zugang zur Plattform zu geben, damit diese die Existenz der Konzerne gefährdende Urlaubsvideos löschen können?

Die Antwort ist klar: YouTube soll aufhören, jede Minute 60 weitere Stunden Video von Nutzern zu akzeptieren. YouTube soll keine Plattform für User Generated Content mehr sein. Weil das nicht kontrollierbar ist. Nicht einmal, wenn der Rechteverwerter kompletten Zugriff auf die Plattform hat. Nein, die Möglichkeit selbst muss weg. Denn Plattformen werden ab einer Größenordnung wie der von YouTube unkontrollierbar. YouTube soll Hulu werden. Dann geben die rechteverwertenden Konzerne Ruhe. Wenn die Kontrolle wieder hergestellt ist.

Natürlich können wir das Kopieren von Inhalten stoppen. Indem wir das Internet, wie wir es kennen, stoppen. Partizipation, die nicht von Konzernen auf Rechtmäßigkeit geprüft wird, wird immer auch Urheberrechtsverletzungen beinhalten. Weil Werke leicht kopiert werden können. Weil sie sich zum kopieren anbieten. Weil wir kreativ sein wollen. Und weil wir tolle Geschichten mit unseren Freunden teilen wollen. Und weil wir, natürlich, auch nicht einsehen, warum wir für eine Dienstleistung bezahlen sollen, die wir selbst erledigen können, ohne dass irgendjemandem dafür zusätzliche Kosten entstehen. Das ist der Grund für unautorisiertes Filesharing. Das ist auch der Grund, warum wir gern viel Geld für Konzerte ausgeben, warum wir aufwendige limitierte Editionen oder T-Shirts kaufen, oder warum wir über Crowdfunding neue Werke finanzieren. Weil wir nicht die ignoranten Egoisten sind, zu denen wir von Lobbyisten und Moralaposteln abgestempelt werden. (Und selbst wenn wir das sind, ändert das nichts an den Rahmenbedingungen und ihren Folgen.)

Auch nach der Trockenlegung der öffentlichen Kommunikation wäre das Problem noch nicht gelöst. Denn dann gibt es immer noch die private Kommunikation. Egal ob über Facebook-Vernetzung oder über Bluetooth. Auch privates Filesharing muss trockengelegt werden.

Es kann schließlich nicht angehen, dass die Menschen etwas untereinander ausmachen, für das sie nach dem Gesetz einen Dritten bezahlen sollen.

Nach den öffentlichen Diensten wäre also die private Kommunikation dran, die überwacht werden müsste. Geht doch. Kann man machen. Wir entscheiden selbst, wie unsere Welt gesetzlich flankiert werden soll.

Schlussendlich müsste man dann noch Bluetooth und andere Vernetzungsarten in den Griff bekommen. Denn wenn man die nicht in den Griff bekommt, dann hat das Musiklabel das eine 10-MB-Datei  an den Mann bringen will oder der Buchverlag, der eine 1-MB-Datei verkaufen will, ein Problem, wenn in zehn Jahren jeder Zwölfjährige ein Smartphone mit 20 Terabyte in der Hosentasche mit sich herumträgt.

Wobei, man könnte auch den Besitz von Smartphones regulieren. Warum nicht ein Smartphonefüherschein? Erst ab 18 darf man ein Smartphone mit sich führen. Nur ein gedrosseltes, versteht sich. Den Führerschein erhält man nach dem erfolgreichen Abschluss an der Urheberrechtsschule, deren Inhalte vom Börsenverein und dem Bundesverband der Musikindustrie ‘gesponsort’ werden. Immerhin sind sie die Hauptbetroffenen von den Verbrechen der Smartphonehersteller. Also sollten sie neben der aktiven Beteiligung an der Gesetzgebung auch unsere Kinder nach ihren Vorstellungen erziehen.

Sicherheitshalber wird trotzdem jede Kommunikation über die Smartphones mitgeschnitten und ausgewertet. Sie wissen schon, man kann diesen ignoranten Egoisten doch nicht vertrauen.

Ein Kompromiss, damit wir den Verkauf von Dateien sichern können?

Der muss doch zu finden sein.

***

Dass das Urheberrecht längst zu einem Recht für die Verwerter geworden ist, scheint kaum jemanden zu interessieren. Dass das Urheberrecht unsere Kultur in eine von Exklusivrechten bestimmte Geißelhaft geführt hat, wird mit einem Schulterzucken akzeptiert. Gemeinfreiheit ist ein Konzept, das den meisten fremd ist, obwohl es die Norm sein sollte. Wie sollte es auch bekannt sein? Keiner von uns hat die Entstehung eines Werkes miterlebt und ebenso gesehen, wie dessen Schutzfrist ausläuft. Man stelle sich vor, man könnte mit einem Werk, das die eigene Kindheit geprägt hat, 20 Jahre später als Erwachsener machen was man will. Der Vergleich, er bleibt abstrakt.

Aber die Tatsache, dass Dateien ohne zusätzliche Kosten kopiert werden können und dass diese einfache Tätigkeit einfach ist? Das steht zur Debatte?

Ja, wir stehen vor der Frage, wie wir mit diesen Veränderungen umgehen wollen.

Exklusive Rechte helfen immer den Unternehmen, deren Geschäftsmodell auf die Anhäufung dieser Rechte setzt. Denn diese können mit immer größeren Anhäufungen dieser Rechte zunehmend mehr Geld verdienen, weil die Verteilung der Rechte innerhalb des Unternehmens zu den Grenzkosten stattfinden kann: Und die betragen Null. Disney kann also ohne zusätzliche Investitionskosten Variationen von Mickey Maus und anderen Charakteren und Geschichten erstellen.

Um das einmal auszuformulieren: Ein großer Konzern wie Disney ist auch so erfolgreich und profitabel weil innerhalb der Organisation praktisch eine Welt ohne Urheberrechte existiert. Informationen, Kultur, Kunst kann darin frei zirkulieren. Das Argument, warum weniger restriktive Urheberrechte gut für die Gesellschaft sind, ist das gleiche Argument, warum eine immer größere Anhäufung von Rechten für Unternehmen in einer restriktiven Urheberrechtswelt für diese Unternehmen profitabel ist.

Darauf kann man von allein kommen. Spätestens seit Yochai Benklers “The Wealth of Networks” (2006) sollte es jeder an dieser Debatte Interessierter wissen.

Die Gesellschaft, in der viel Wissen, Kultur und Kunst abseits des Marktes entsteht (wir nutzen hier gerade eines der Ergebnisse), wird mit diesen Anhäufungen von exklusiven Rechten des wahren Potentials dieser Produktionsformen beraubt, denn aufgrund des Wesens von Kultur entsteht nichts im luftleeren Raum. Und Exklusivität bedeutet eben Ausschluss.

Exklusive Rechte sind toxisch für alle nichtmarktlichen Organisationsformen. Und deren potentielle Wirkungsgrade sind gerade dank des Internets explodiert.

***

Natürlich lässt sich der eingangs formulierte Umstand, Dateien sind kopierbar, wenn schon nicht aufhalten, dann doch eindämmen. Aber zu welchem Preis? Sind die Bürgerrechte im Netz ein akzeptabler Preis für das hohe Gut der Rechteverwertung?

Die Fragestellung lautet:

Was ist uns wichtiger? Die Disneys dieser Welt oder unsere private Kommunikation?

Viacom oder unsere Möglichkeit, miteinander kollaborativ abseits des Marktes zusammenzuarbeiten? Adam-Sandler-Filme oder mit einer ausgefallenen Idee für die Hochzeit die eigenen Gäste, Freunde und unbeabsichtigt Millionen andere Menschen begeistern?

Und was, wenn es kein Entweder-Oder sein muss? Wenn kommerzielle Produktion von Werken mit Finanzierungsmodellen wie Crowdfunding auch ohne Urheberrecht möglich ist?

Müssen wir dann trotzdem weiter über die Kopierbarkeit von Dateien reden?

***

Mehr zum Thema Urheberrecht auf der Übersichtsseite.

Dropbox integriert Facebook

Dropbox hat eine einfache Facebook-Integration eingeführt. allfacebook.de:

Eingeladen werden kann ganz normal über dopbox.com/share. Dort gibt es jetzt die Option “Facebook Freunde einladen”. Dropbox fragt dann ein paar Rechte ab und zeigt anschließend in der Auswahlliste zum Teilen die Facebook Freunde mit an.

Die Einladung wird dann als Nachricht in Facebook ausgeliefert. Der Eingeladene erhält dazu einen DropBox Link. So stellt DropBox zudem sicher, dass Facebook Nutzer die noch nicht DropBox Nutzer sind, sich auch einen neuen Account anlegen.

Das ist natürlich erst der Anfang. Entweder Dropbox verzichtet bewusst auf das Einführen weiterer nützlicher Funktionen oder es wird über kurz oder lang mit den Rechteverwertern kollidieren.

Über die Entwicklung hatte ich vor ein paar Tagen geschrieben: Der nächste große Trend: Privates Filesharing über Facebook.

Jemand muss die Post aufhalten, sie bereichert sich an Verbrechern

Sebastian von Bomhard mit einer guten Analogie zur Frage, inwiefern Plattformprovider für von ihren Usern bereitgestellte Inhalte haften sollen:

Endlich wurde Recht und Gesetz zum Durchbruch verholfen. Schon lange waren sie uns ein Dorn im Auge, die fies-gelbroten Packstationen der DHL Worldnet, vulgo Post. Dort wurden zwar auch regulär Päckchen abgegeben, aber schon lange war klar, daß dieser Dienst sehr gerne von Betrügern genutzt wurde, die dort mit gestohlenen Identitäten ihren krummen Machenschaften nachgehen konnten. Unerträglich die Tatsache, daß sich die Post an solchen Leuten bereichert.

Da die Post diesen Missbrauch nicht wirkungsvoll verhindern konnte, wurde ihr nun das Handwerk gelegt. Es half nichts, daß die Post beteuerte, daß ihre Dienste von vielen Menschen völlig legal genutzt würden und daß diese Menschen Packstationen äußerst praktisch fänden. Das Hanseatische Oberlandesgericht hat geurteilt, daß es nicht genüge, wenn man bei Bekanntwerden einzelner Vorfälle jeweils einschreite, nein, die Packstationen müssen selbst aktiv werden und alle Pakete aufmachen und reinschauen. Sollte es sich um illegale Machenschaften handeln, müsste die Post die Pakete von sich aus vernichten. Tun sie dies nicht, haften sie.

Das Problem ist recht einfach umschreibbar:

1. Anbieter stellen Infrastruktur (Plattformen) zur Verfügung.

2. Nutzer können auf diesen Angeboten legales und illegales machen.

3. Anbieter können die illegalen Aktivitäten nur vollständig ausmerzen, wenn sie die legalen Aktivitäten stark beschneiden, notfalls bis hin zur kompletten Abschaltung, und alle Formen von Aktivitäten auf ihren Plattformen überwachen und auswerten.

Die Post kann nicht verhindern, dass mit ihr Diebesgut verschickt wird, solang sie nicht immer die Inhalte der Pakete kontrolliert. Sie kann auch nicht verhindern, dass Angebote wie Packstationen sich durch ihre Vorteile auch für illegale Machenschaften eignen.

Daraus würde aber niemand ableiten, dass das Postgeheimnis der Vergangenheit angehören sollte oder Packstationen in unserer Gesellschaft keinen Platz haben.

Auf der anderen Seite werden die Angebote und Netzwerke von den Nutzern (den Ex-Kunden) dazu genutzt, komplette Industrien auszuhebeln, weil sie den mit der Bezahlung verbundenen Bestandteil des etablierten Geschäftsmodells, die Distribution, selbst übernehmen.

Also: Auf Bezahlung nach Distribution setzende Geschäftsmodelle oder das Postgeheimnis erhalten?

Entscheiden Sie sich jetzt.

Der nächste große Trend: Privates Filesharing über Facebook

Als ich vor einigen Tagen über den langsamen Aufstieg von Darknets im Filesharing schrieb, erwähnte ich auch das schnell wachsende Retroshare. Retroshare setzt für das private Teilen auf PGP-Schlüssel. Das ist ausgesprochen unhandlich und wenig mainstreamfähig. Bis heute verwenden verhältnismäßig wenige Leute PGP für Email. Werden sie für Filesharing damit auf breiter Basis anfangen? Unwahrscheinlich.

Welches Problem löst Retroshare mit PGP? Es löst das Problem der sicheren Identifizierung von Personen. Auf diese Art wird sichergestellt, dass man sich nur mit den Personen verbindet, mit denen man das auch möchte.

Die größere Hürde zur Verbreitung von Darknets ist die möglichst reibungsfreie Auflösung von Identitäten.

Moment. Identität haben wir im Netz doch schon gelöst. Facebook kann als größtes Social Network der Welt 850 Millionen aktive Nutzer verzeichnen.

Was wäre wenn Facebook und Darknets zusammen finden würden?

Martin Weigert auf netzwertig.com beschreibt mit dem aus Berlin kommenden Dienst Pipe einen ersten Filesharingdienst, der auf Facebook aufsetzt:

Das Trio nutzt für die kostenfreie Facebook-App, die momentan in einem kleinen Büro in Berlin-Mitte den letzten Feinschliff erhält, das so genannten Real Time Media Flow Protocol (RTMFP) von Adobe, welches eine direktere Peer-to-Peer-Verbindung zwischen zwei Adobe-Flash-Anwendungen ermöglicht. Nach der einmaligen Installation von Pipes Facebook-Anwendung können Nutzer jedem ihrer Kontakte bei dem sozialen Netzwerk direkt im Browser Dateien senden, die diese unmittelbar entgegennehmen, ohne dafür Facebook verlassen zu müssen. Die maximale Dateigröße beträgt ein Gbyte, was vorrangig auf übliche Begrenzungen des lokalen Browsers-Caches zurückzuführen ist. Pipes eigene Server übernehmen bei Datentransfers lediglich die Verbindung der zwei User und arbeiten nach den Worten von Mitgründer Eggersglüß “als eine Art Telefonbuch”.

Sean Parker, gebrannt von seinen Erfahrungen bei der Tauschbörse Napster, musste in den Anfangstagen von Facebook Mark Zuckerberg davon abbringen, neben Facebook an einem Filesharingdienst weiterzuarbeiten, den dieser mit Facebook verbinden wollte.

Welche Ironie der Geschichte:  Einige Jahre und beispielloser Erfolg von Facebook später, könnte dessen Plattform doch noch die von Zuckerberg angedachte Hochzeit von Social Network und Filesharing bringen. Aber eben nur, weil Zuckerberg von seinem Vorhaben doch abließ und sich auf Facebook konzentrierte.

Und die Rechteverwerter würden gar nicht zwingend etwas davon mitbekommen: Eben weil Darknets nicht in der Öffentlichkeit stattfinden, sind sie weder messbar noch verfolgbar. Auch Facebook merkt davon nichts, wenn die Architektur  des Darknets denn echtes P2P ist und nur für die initialen Verbindungen zwischen den Usern auf Facebooks Identifizierungssystem setzt.

Deswegen ist der Pipe-Ansatz zwar ein möglicher aber aufgrund der Beschränkungen nicht der interessanteste: Mehr Potential hätten Dienste, die nicht im Rahmen der Website von Facebook laufen, sondern ‘nur’ die Beziehungen zwischen den Facebooknutzern zur Erkennung von Freunden nutzt. Also mehr Facebook Connect als Facebook-App.

Man denke in die Richtung von Dropbox und Box mit Facebook Connect.

Auch andere Informationen wie etwa Streaminglinks oder von der jeweiligen Regierung nicht erwünschte Inhalte (Think Arab Spring) könnten über für die Identitäten an Facebook gekoppelte Darknet-Aggregatoren eine einfache aber sicherere Verbreitung erfahren, die trotzdem massenfähig ist.

Darknets fehlte immer eine einfache und damit massenkompatible Identifizierung von Nutzern. Die ist jetzt in Form von Facebook da.

Wie kann das künftig noch besser skalieren?

Die Antwort ist offensichtlich. Ein erweiterter Sharingbereich: Friend of a Friend.

Nach Megaupload: Darknets und alternative Anbieter übernehmen die Lücke

Obwohl sich die USA als Weltpolizei im Fall Megaupload verhält und in einer sensationellen Razzia die Betreiber verhaftet, deren Gelder eingefroren und die Website offline genommen hat, hat diese Aktion praktisch keine Auswirkungen auf das Ausmaß des Filesharings weltweit gehabt, ganz zu schweigen von der Entwicklung.

1. Darknets

Stattdessen reagiert das Netz wie erwartet. Auf der einen Seite nehmen Darknets an Bedeutung zu. Die Richtung geht also wieder weg von zentralen Anbietern wie Megaupload und hin zu dezentraleren Alternativen, die zwar schwieriger zu handhaben, aber sehr viel resistenter gegen Angriffe von außen sind.

In Hyperland werden Darknets so erklärt:

Wenn Kevin seine Festplatte, randvoll mit Filmen und Musik zu seinem Freund Hakan schleppt, dann alles auf dessen Rechner kopiert und sich umgekehrt seine Daten überspielt, dann ist das bereits in den Grundzügen ein Darknet. Und weil die Kids nicht ständig Festplatten durch die Gegend schleppen wollen, errichten die Filesharer einfach ein Virtual Private Network (VPN): Das erzeugt ein von außen abhörsicheres, virtuelles “Internet-im-Internet”. Und damit können dann auch Jenny in Bonn und Leo in Berlin ihre Dateien tauschen, ganz so, als wären sie im selben Heimnetzwerk verkabelt (bloß viel langsamer).

RetroShare ist eines der Netzwerke, das enormen Zulauf erhalten hat:

“In January our downloads tripled when interest in SOPA was at its peak. It more than doubled again in February, when cyberlockers disabled sharing or shut down entirely. At the moment we are getting 10 times more downloads than in December 2011.”

Die Wahrscheinlichkeit, dass RetroShare selbst so populär wie Megaupload und co. wird, ist gering. Aber die Richtung ist offensichtlich.

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Alternativen kommen, die einen noch besseren Kompromiss zwischen Anonymität/Dezentraltität und Bequemlichkeit liefern.

2. Putlocker und Rapidshare statt Megaupload

Auf der anderen Seite übernehmen in der Zwischenzeit die Konkurrenten von Megaupload deren ehemalige User:

Putlocker seems to be the big winner. It went from being the source of about 6 percent of web-based filesharing to 28 percent, when measured by the amount of networking bandwidth used. To put that in perspective, Megaupload accounted for about 25 percent of bandwidth before it was shut down. “Putlocker is on the rise,” King said.
Rapidshare got a boost too, jumping from 8 percent to 15 percent, according to Palo Alto’s latest data, which is based on a survey of 241 networks, conducted after the Megaupload takedown.

3. Filesharing ohne Internet

Weil Filesharing nur ein Symptom ist, eine Folge der Digitalisierung, die immaterielle Güter von ihren physischen Datenträgern gelöst hat, kann Filesharing auch komplett ohne Internet stattfinden:

Inspired by the local transmitting power of traditional pirate radio, NYU art professor David Darts created the PirateBox, a WiFi hotspot and server providing easy and anonymous access to the files held within.

[..]

Users wirelessly accessing the device are presented with a web interface which allows them not only to download files but upload them too. No logs or other identifying information is stored in the device.

Although great for anyone to share files within its range, considering the pressure currently being applied to university students by record labels and their anti-piracy partners, the chances of music-stuffed PirateBoxes popping up on campuses all around the world increases every day.

Das Internet hat Filesharing, also peerbasierte Distribution, ‘lediglich’ auf Augenhöhe mit industrieller Distribution gebracht.

Sollte das Internet irgendwann komplett von Konzernen der rechteverwertenden Industrien überwachbar werden, was ein langfristiges Ziel dieser Unternehmen ist,  könnte Filesharing in der westlichen Welt sich dem nähern, wie es bereits in Regionen wie Afrika stattfindet: Filesharing in Westafrika findet mit Bluetooth und ohne Internet statt.

Direkte Bezahlung für Kulturprodukte ist nicht das Entscheidende, die gesamte Kulturwirtschaft ist es

Sascha Lobo auf Spiegel Online sehr lesenswert über ACTA:

Der Protest gegen Acta war ein Protest dagegen, wie eine unzureichend informierte, wenig diskussionsfreudige Politik sich intransparent von Lobby-Gruppen eine Vorgehensweise diktieren lässt, die mit der eigenen digitalen Lebenswelt überkreuz liegt.

[..]

Und genau hier tun sich eine Reihe gefährlicher Abgründe auf. Es beginnt damit, dass die Art, wie Acta und seine Brüder geboren werden, das ohnehin schon geringe Vertrauen in die Apparate der EU erschüttert. Was angesichts der derzeitigen Probleme des Kontinents gleich nach Überdachung des Mittelmeers das zweitdümmste ist, was passieren kann. Es geht weiter damit, dass eine Generation lernt, dass Politik sich nicht nur nicht an ihrer Lebenswelt orientiert – das wäre ja nur Politikverdrossenheit – sondern ihren Alltagserkenntnissen und Bedürfnissen dazu noch entgegensteht. Das schürt regelrechte Politikablehnung.

Und weiter:

alles urheberrechtliche Streben im Digitalen lässt sich zusammenstreichen auf eine simple Frage: Bezahlt jemand Geld für Kulturprodukte im Netz?

Sascha Lobo sieht die Antwort nicht nur bei Ja sondern sieht im Anstieg der Einnahmen aus den direkten Verkäufen auch die Lösung für das aktuelle Problem.

Das stimmt: Wenn ich ein Tonträgerunternehmen leite, dann will ich Tonträger verkaufen. Wenn niemand mehr CDs kauft, dann kann ich auch einfach statt CDs Dateien verkaufen. Der Verlierer ist dann nur das Presswerk als Subunternehmer oder Abteilung im Konzern.

Meine Prozesse müssen ansonsten (vermeintlich) kaum angepasst werden. Mein Verständnis vom Markt, in dem ich mich befinde, bleibt gleich: Ich verkaufe Kopien.

Das Problem liegt nun aber darin, dass wir als Gesellschaft Tonträgerunternehmen nicht brauchen. Wir brauchen auch keine Presswerke oder Druckereien.

Wir müssen keinen Tonträgermarkt schützen. Wir müssen nicht das bedruckte Papier vor dem Untergang reden.

Wir haben als Gesellschaft keine Verpflichtung bestimmte Unternehmen und ihr Geschäftsmodelle zu schützen.

Wir haben die Telegraphenhersteller nicht vor dem Telefon beschützt. Wir haben kein Faxleistungsschutz mit dem Aufkommen der Email eingeführt. Wir haben uns nicht um die Kutschenhersteller gekümmert, als Automobile aufkamen.

Wir haben allerdings als Gesellschaft ein Interesse daran, dass Kreative weiter Kultur schaffen und davon auch leben können.

Viele Studien (ein jüngeres Beispiel) zu den gesamten Umsatzzahlen der kompletten Kreativbranchen, also Musikbranche statt Tonträgermarkt, Filmbranche statt DVD- und Blu-Ray-Verkauf, zeigen steigende Zahlen für die letzten Jahre auf.

Diese steigen über den gesamten Kulturmarkt. Einzelne Bereiche, diejenigen, die wir als Gesellschaft nicht mehr benötigen (für die es eine stetig sinkende Nachfrage gibt), gehen zurück. Nicht der gesamte Kulturmarkt, nicht der gesamte Entertainmentbereich, denn diese wachsen.

Das Problem, und es ist eben ein Geschäftsmodellproblem, ist das unbedingte Festhalten an der direkten Bezahlung für die Nutzung eines Kulturprodukts. Der Verkauf von Musikaufnahmen und von Büchern war schon immer nur für einen kleinen Prozentsatz aller Kreativer das Standbein, von dem sie tatsächlich leben konnten.

Dieses schon immer kleine Standbein wird auf keinen Fall größer werden, wenn die Kunden selbst die Verbreitung und den Zugang übernehmen können. Und das ist kein Problem, wie Studien zu den Gesamtumsätzen zeigen!

Oder anders: Angenommen heute würde Musik erfunden werden, welche ersten Geschäftsmodelle würden gewählt? Der Verkauf einer Aufnahme? Was wäre mit Film, mit Büchern, wenn sie erst mit dem Internet aufkämen?

Sich auf darauf zu versteifen, bedeutet, die vielen anderen, oft erfolgversprechenderen Möglichkeiten zu ignorieren.

Siehe zum Thema auch: Erfolgversprechende Geschäftsmodelle im Filesharing-Zeitalter.

ACTA und co. bleiben unverhältnismäßig, selbst wenn Filesharing Diebstahl wäre

Je länger man sich mit der Debatte zum Urheberrecht und Filesharing beschäftigt und je mehr man sich die Details anschaut, desto atemberaubender wird die Tatsache, wie stark der Diskurs von Prämissen bestimmt wird, die seit über zehn Jahren nicht nur nicht bewiesen wurden, sondern sogar in Studien bereits wiederlegt sind.

Der Diskurs wird von Bauchgefühlen und Milchmädchenrechnungen bestimmt, die sich als moralische Positionen tarnen.

Vollkommen unbeeindruckt von fehlenden Beweisen wird immer weiter argumentiert, als sei Filesharing etwa Diebstahl, weil jede heruntergeladene Datei immer gleich ein entgangener Verkauf ist.

Selbst wenn diese falsche Ausgangslage zutreffen würde, sehen die aktuellen Gesetztesvorhaben wie das (vorerst?) gescheiterte SOPA oder das internationale ACTA immer noch unverhältnismäßig aus, wie wie Ars Technica an einer Analogie schön aufzeigt:

in the real world, where enforcement has direct costs to the taxpayer, regulation has costs on the industries it burdens, and the reduction in piracy they’re likely to produce is very small, it seems important to point out that the credible evidence for the magnitude of the harm is fairly thin.

As a rough analogy, since antipiracy crusaders are fond of equating filesharing with shoplifting: suppose the CEO of Wal-Mart came to Congress demanding a $50 million program to deploy FBI agents to frisk suspicious-looking teens in towns near Wal-Marts. A lawmaker might, without for one instant doubting that shoplifiting is a bad thing, question whether this is really the optimal use of federal law enforcement resources. The CEO indignantly points out that shoplifting kills one million adorable towheaded orphans each year. The proof is right here in this study by the Wal-Mart Institute for Anti-Shoplifting Studies. The study sources this dramatic claim to a newspaper article, which quotes the CEO of Wal-Mart asserting (on the basis of private data you can’t see) that shoplifting kills hundreds of orphans annually. And as a footnote explains, it seemed prudent to round up to a million. I wish this were just a joke, but as readers of my previous post will recognize, that’s literally about the level of evidence we’re dealing with here.

Tatsächlich lässt sich etwa leicht aufzeigen, dass die betroffenen Industrien ihren Output nicht zurückgefahren haben. Im Gegenteil: Er ist sogar gestiegen.

Musik:

Nielsen SoundScan data shows new album releases stood at 35,516 in 2000, peaked at 106,000 in 2008, and (amidst a general recession) fell back to mid-decade levels of about 75,000 for 2010. That’s against a general background of falling sales since 2004—mostly explained by factors unrelated to piracy—which finally seems to have reversed in 2011. The actual picture is probably somewhat better than that, because SoundScan data is markedly incomplete when it comes to the releases by indie artists who have benefited most from the rise of digital distribution.

Und Film:

If we look at movies, the numbers compiled by the industry statistics site Box Office Mojo show an average of 558 releases from American studios over the past decade, which rises to 578 if you focus on just the past five years. The average for the previous decade—before illicit movie downloads were even an option on most people’s radar—is 472 releases per year.

Natürlich entsteht ein Schaden, wenn ein Drittel des illegalen Filesharings entgangene Verkäufe sind (das ist die Zahl aus unabhängigen Studien) für Unternehmen mit Geschäftsmodellen, die nicht darauf vorbereitet sind.

Angesichts der gesamten Entwicklung der Branchen erscheinen die von ihren Lobbyisten vorangetriebenen Gesetzesvorhaben aber vollkommen unverhältnismäßig.

Die Gesetze sind sogar so unverhältnismäßig, dass sie selbst der analogiegetriebenen Wunschrealität der Lobbyisten nicht standhalten würde. Deshalb ist Hollywood gefährlich.

(via Boing Boing)

Warum Filesharing kein Diebstahl ist:

‘Piraterie’ als Teil des digitalen Ökosystems

Frédéric Filloux schreibt auf Monday Note sehr lesenswert über ‘Piraterie’, also unautorisiertes Filesharing, als festen Bestandteil des digitalen Ökosystems.

In der Musikindustrie wird Filesharing seit längerem als Messung von Marktanteilen genutzt:

BigChampagne’s clients can pull up information about popularity and market share (what percentage of file-sharers have a given song). They can also drill down into specific markets – to see, for example, that 38.35 percent of file-sharers in Omaha, Nebraska, have a song from the new 50 Cent album.

No wonder some clients pay BigChampagne up to 40,000$ a month for such data. They  use BigChampagne’s valuable intelligence to apply gentle pressure on local radio station to air the very tunes favored by downloaders. For a long time, illegal file-sharing has been a powerful market and promotional tool for the music industry.

Über Angebote, die mit Filesharing konkurrieren, und ihre Preisbildung schreibt er:

Today we have entertainment products, carefully designed to fit a global audience, waiting months before becoming available on the global market. As long as this absurdity remains, piracy will flourish. As for the price, it has to match the ARPU generated by an advertising-supported broadcast. For that matter, I doubt a TV viewer of the Breaking Bad series comes close to yield an advertising revenue that matches the $34.99 Apple is asking for the purchase of the entire season IV. Maintaining such gap also fuels piracy.

Ähnliches hatte ich 2010 zur Sofortkultur und dem Ende der Monopole der Inhaltedistribution geschrieben:

Urheberrecht und Copyright sind Rechte, die zeitlich begrenzte Verwertungsmonopole gewähren. Das heißt, wer ein Urheberrecht auf eine Fernseh-Serie hat, hat das Monopol über die Verbreitung selbiger. Wenn jetzt jemand diese Serie ausstrahlen oder ansehen will, muss er bei mir als Produzent eine Lizenz erwerben oder die Serie von mir auf DVD erwerben etc. Er muss immer zu mir kommen und kann nicht zu jemand anderem gehen.

Im Internet muss eine legale Plattform mit Filesharing und Streaming konkurrieren, die unautorisiert stattfinden. Abschalten lässt sich das niemals komplett, weil es eine Folge der Digitalisierung ist (verlustfreie Kopien + Vernetzung).

Wozu führt das?

Die Monopolrente, also das, was die Produzenten früher mit dem Ausstrahlen oder Verkaufen verdienen konnten, fällt stark ab auf das Niveau des Gewinns eines sich im Wettbewerb mit anderen Akteuren befindlichen Unternehmens.

Das heißt, ohne Monopol geringeres Einkommen über diese Wege.

MegaUpload war auch eine Hosting-Lösung für private Dateien

TorrentFreak verweist auf Leute, die auf Twitter ihrer Wut Luft machen, weil das oflline nehmen von MegaUpload durch das FBI ihnen ihren Zugang zu ihren eigenen Dateien für Privates und Arbeit genommen hat.

Das wird oft bei der Berichterstattung übersehen. Sich der “rogue site”-Argumentation der Entertainmentindustrie anschließend wird oft MegaUpload als eine Site dargestellt, die _ausschließlich_ für Urheberrechtsverletzungen benutzt wird. Das macht es einfacher, aber wird der Realität nicht gerecht.

In der kommenden Folge des neunetzcasts, dem Podcast von neunetz.com, sprechen Markus Angermeier und ich auch über dieses Thema. Das Problem mit SOPA und co. der Haftbarmachung von Anbietern überträgt sich auch auf die MegaUpload-Geschichte (die auch auf Seiten von MegaUpload nicht unhässlich ist):

  • Kann eine Tageszeitung abschätzen, ob in einer Kleinanzeige Diebesgut verhökert wird? Sollte sie dafür haftbar gemacht werden können?
  • Sollten Telefonunternehmen für am Telefon ausgesprochene Lügen haftbar sein?
  • Sollten Automobilhersteller für die Benutzung von Fluchtwagen zur Verantwortung gezogen werden?

Um das jetzt auf Megaupload und die gesetzgeberischen Konsequenzen zu übertragen:

Sollten Tageszeitungen für die Inhalte von Kleinanzeigen haftbar gemacht werden, wenn sich herausstellt, dass “rogue newspapers” Mitarbeiter beschäftigen, die Diebesgut über die Kleinanzeigen in der eigenen Zeitung verkaufen und damit Geld für das Unternehmen verdienen?

Die Frage ist durchaus ernst gemeint. MegaUpload und sein Geschäftsmodell kann man als Problem sehen. Aber lässt sich aus diesem Problem eine sinnvolle Reaktion auf Plattformen mit user generated content ableiten? Auf YouTube wurden 2010 jede Minute(!) 35 Stunden(!) Video hochgeladen. Eine vorherige Kontrolle ist unmöglich, ohne die Natur der Plattform selbst komplett zu ändern.

MegaUpload unterscheidet sich technisch nicht von anderen simplen Hostern. Megavideo unterscheidet sich technisch nicht von anderen Videoplattformen wie YouTube oder Vimeo.

Nur wie die Mitarbeiter im Hintergrund agieren, unterscheidet sich. Und nur dort sollte man ansetzen können.

MegaUpload, Rapidshare und co. und auch Aggregatoren wie kino.to zeig(t)en, dass P2P-Filesharing erst der Anfang war. So zu tun, als würde es nur um ein paar faule Äpfel im Korb gehen, wird der Thematik nicht gerecht.

Filesharing in Westafrika findet mit Bluetooth und ohne Internet statt

Filesharing ist kein Symptom des Internets, sondern der Digitalisierung. Die Vernetzung macht Filesharing nur im großen Stil möglich und gleichzeitig verfolgbar.

Ein schönes Beispiel, warum das Internet gar nicht notwendig ist findet man im Motherboard-Blog des Vice Magazines. Inside the Cell Phone File Sharing Networks of Western Africa (Q+A):

Digital filesharing doesn’t need the internet. This is the case at least in Western Africa and other parts of the developing world, where computers aren’t yet consumer goods for most and, even if they were, web access isn’t exactly New York City. Lovers of music still get it done, however, sharing files between knockoff cell phones via bluetooth connections and accumulating song collections in memory cards and bitrates that would probably make most in our lossless world laugh. It’s created a music culture that’s uniquely underground, an awesome anything-goes world of No Limit-style rap marrying Megaman-synth workouts, strange new techno-folks, and various other things so far untaggable.

Selbst wenn man das Internet komplett abschaltet und/oder unter eine vollständige Überwachung stellt, kann man Filesharing nicht verhindern. Die Kosten für die filesharenden Personen bleiben bei Null.

Niemand kann Bluetooth aufhalten. Niemand kann mobile Festplatten auf Schulhöfen aufhalten. Niemand kann das Rad der Zeit zurückdrehen.

(via Techdirt)

Urheberrechtsverletzungen haben das teuerste Strafe-Preis-Verhältnis von allen Arten von ‘Diebstahl’

US-Anwalt Andrew Bridges auf PandoDaily über den falschen Begriff Diebstahl bei Urheberrechtsverletzungen und die Verzerrung bei den Strafmaßen:

Copyright infringement statutory damages in civil litigation can be as high as $150,000 for infringement of a single work. Yes, a single work such as a single song with an iTunes download value of $1. A copyright holder can claim such statutory damages without needing to prove a single penny of damage or loss. Think such sky-high damages aren’t realistic? Think again. In the RIAA’s case against single mother Jammie Thomas, a jury awarded $1,500,000 for the download of 24 songs, with no proof that she had transmitted songs to others. The federal judge thought that was ridiculous and reduced the total award to $54,000 – and the RIAA and MPAA are now arguing strenuously on appeal that the jury verdict should return to the original figure, $62,500 per downloaded song.

If we take copyright law’s maximum-penalty-to-price ratio as applied to an illegal download, and apply that same penalty-to-price ratio to the New York subway, the maximum penalty for jumping that turnstile and avoiding the $2.50 fare would be $375,000 instead of $100. Copyright industries are on to a really good thing under current law. One could say it’s a steal.

(Hervorhebung von mir)

Auch in Deutschland steht die zu zahlende Strafe, in Form einer Einigung mit dem Kläger, praktisch nie in einem vertretbaren Verhältnis zum Verkaufswert der heruntergeladenen Datei.

Warum? Weil es eigentlich gar nicht um Diebstahl geht.