Don’t wait for the time machine, because we’re never going to invent something that returns you to 1965 when copying was hard and you could treat the customer’s convenience with contempt.

US-Präsident Obama hat sich kritisch gegenüber SOPA geäußert, gleichzeitig aber eine Lösung für das Problem der ‘Online-Piraterie’ gefordert:

“Washington needs to hear your best ideas about how to clamp down on rogue Web sites and other criminals who make money off the creative efforts of American artists and rights holders,” reads Saturday’s statement. “We should all be committed to working with all interested constituencies to develop new legal tools to protect global intellectual property rights without jeopardizing the openness of the Internet. Our hope is that you will bring enthusiasm and know-how to this important challenge.”

Nat Torkington schreibt auf O’Reilly Radar die einzig richtige Antwort:

All I can think is: we gave you the Internet. We gave you the Web. We gave you MP3 and MP4. We gave you e-commerce, micropayments, PayPal, Netflix, iTunes, Amazon, the iPad, the iPhone, the laptop, 3G, wifi–hell, you can even get online while you’re on an AIRPLANE. What the hell more do you want from us?

Take the truck, the boat, the helicopter, that we’ve sent you. Don’t wait for the time machine, because we’re never going to invent something that returns you to 1965 when copying was hard and you could treat the customer’s convenience with contempt.

Bigott: Filesharing als Diebstahl bezeichnen aber gegen Verkauf gebrauchter MP3s klagen

Am Beispiel des Anbieters ReDigi, der ein Marktplatz für den Weiterverkauf gebrauchter MP3s sein will, zeigt sich hervorragend die scheinheilige Argumentation der Rechteverwerter in der Urheberrechtsdebatte.

Denn nachdem bereits kurz nach dem Start von ReDigi die RIAA eine Unterlassungserklärung an den Anbieter weitergereicht hat, hat nun EMI gegen ReDigi geklagt:

Die Song-Datei existiert laut Angaben von John Ossenmacher, CEO von ReDigi, zu keinem Zeitpunkt zweimal. Dies bezweifelt EMI Music jedoch: ReDigi dupliziere Songs, erstelle also unerlaubte Kopien urheberrechtlich geschützter Werke.

ReDigi arbeitet mit einem DRM-ähnlichen System, um das im Analogen übliche Weiterverkaufen gebrauchter Tonträger im Digitalen zu simulieren:

ReDigi setzt hierfür auf ein System, das nur legal gekaufte Musik weiterverkaufbar macht und die verkaufte Musik mittels eines Programms vom mit ReDigi verknüpften Rechner und den mit der dortigen Musikbibliothek verbundenen mobilen Geräten löscht. Es funktioniert also innerhalb des ReDigi-Systems, aber eben nur da[..]

Dass EMI und RIAA gegen ReDigi vorgehen, ist bezeichnend:

  • Zum einen wird auf eine hundertprozentige Analogie zwischen Digitalem und Nichtdigitalem gesetzt, wenn es um das Verdammen unautorisierten Filesharings als Diebstahl geht. Weil nur so das Geschäftsmodell in der Debatte moralisch aufgeladen verteidigt werden kann.
  • Zum anderen wird diese hundertprozentige Analogie aufgegeben, wenn es dem eigenen Geschäftsmodell schadet. MP3s können nicht als gebraucht weiterverkauft werden, weil ja ohne Probleme Kopien erstellt werden können.

Das heißt, die digitale Kopie ist nur so lang haargenau gleich wie der physische Tonträger anzusehen, so lang es den eigenen Interessen dient.

Vor anderthalb Jahren hatte ich gefragt:

Wenn unautorisiertes Filesharing Diebstahl ist,..

..warum kann man dann gebrauchte MP3s nicht weiterverkaufen?

..ist dann das Herunterladen und anschließende sofortige Löschen Vandalismus?

..warum geben dann einige Musiker ihre Musik kostenlos weiter? Kann es profitabel sein, sich bestehlen zu lassen?

Rechtsanwalt Thomas Stadler zur rechtlichen Lage:

In Europa dreht sich die streitige Rechtsfrage primär um den urheberrechtlichen Erschöpfungsgrundsatz der besagt, dass ein Werk, das einmal bestimmungsgemäß in den europäischen Binnenmarkt gelangt ist, beliebig weiterveräußert werden kann, ohne, dass der Urheber/Rechteinhaber dies unterbinden kann. Streitig ist nunmehr u.a., ob das auch für digitale Inhalte gilt, die nicht mehr auf einem Datenträger verbreitet werden. Die urheberrechtliche Diskussion in den USA dürfte sich demgegenüber wohl stärker auf die Frage des sog. Fair Use konzentrieren. ReDigi beruft sich offenbar auch darauf, dass gar keine Vervielfältigung stattfindet, weil die Datei nur von einer Person auf die andere übertragen wird. Hierbei kommt es entscheidend darauf an, ob man den Vorgang eher technisch oder eher phänomenologisch betrachtet. In technischer Hinsicht wird die Datei natürlich zunächst auf den Server von ReDigi kopiert. Andererseits kann man schon die Frage stellen, ob nicht auch digitale Inhalte, die man per Download erworben hat, weiterverkauft werden dürfen, so wie dies bei Schallplatten oder CD’s der Fall ist.

Unabhängig von der rechtlichen Lage kann ReDigi wohl eher nicht im großen Stil funktionieren. Aus dem selben Grund, warum Daten nicht gestohlen werden können und warum der Verkauf von (‘neuen’) Musikdateien nicht zukunftsträchtig ist: Die Simulierung analoger Verhältnisse in der digitalen Sphäre ist bestenfalls hemmend und schlechtestenfalls der Weg direkt in die ökonomische Katastrophe. Aber man muss ReDigi dafür dankbar sein, dass allein ihre Existenz die Verlogenheit der großen Musiklabels und ihrer Vereinigungen zur Urheberrechtsdebatte offenlegt.

Zu ReDigi schrieb ich seinerzeit im Musikmarkt:

ReDigi wirft mit dem Wiederverkauf allerdings auch das Licht auf etwas, das in der Musikbranche bisher gern übersehen wird: Die Tatsache, dass Musikdownloads (in der Regel) nicht wiederveräußerbar sind, senkt für den Käufer erheblich den ökonomischen Wert dieser Dateien gegenüber physischen Tonträgern. Nicht nur aber auch deswegen müssen Musikdownloads wesentlich günstiger sein als ihre physischen Äquivalente – oder eben wiederverkaufbar.

Ich schloss mit folgendem Absatz:

Simulation und Tradition sind keine tragenden Säulen für Geschäftsmodelle. Wenn sie es wären, dürfte sich niemand bei dem Gedanken unwohl fühlen, dass Musikfans wie eh und je ihre gekaufte Musik auch in digitaler Form weiterverkaufen.

Daten können nicht gestohlen, ‘nur’ ausgespäht werden

Peter Piksa schaut sich das unsinnige Diebstahl-Argument bei unautorisiertem Filesharing aus einer juristischen Sichtweise an:

Wer sich unrechtmäßig Zugriff auf Daten verschafft, begeht eine Straftat gemäß § 202a StGB (Ausspähen von Daten). Wer diese Daten weiterverbreitet, begeht einen Verstoß gegen das Urheberrecht. Von Diebstahl kann keinesfalls die Rede sein.

Zu dieser Thematik habe ich hier bereits einige Artikel geschrieben, weil die falsche Metapher den Blick auf Lösungsansätze verstellt und deswegen oft die Missverständnisse mit ihr beginnen:

Illegales Filesharing auch bei RIAA und Homeland Security

Nach dem Élysée-Palast und größeren US-Medienkonzernen wurden jetzt illegale Filesharing-Aktivitäten auch bei RIAA (Recording Industry Association of America) und Homeland Security gefunden.

TorrentFreak:

After carefully checking all the IP-addresses of the RIAA we found 6 unique addresses from where copyrighted material was shared. Aside from recent music albums from Jay-Z and Kanye West – which may have been downloaded for research purposes – RIAA staff also pirated the first five seasons of Dexter, an episode of Law and Order SVU, and a pirated audio converter and MP3 tagger.

[..]

Another prominent organization that has been in the news for their tough actions against online piracy is the Department of Homeland Security. In recent months they have seized domain names of hundreds of sites accused of facilitating counterfeiting and piracy, including the torrent search engine Torrent-Finder.
By now it probably comes as no surprise that staff at the Department of Homeland Security are also using BitTorrent. In fact, we found more than 900 unique IP-addresses at the Government organization through which copyrighted files were downloaded.
Since Homeland Security employs more than 200,000 people the finding is hardly a surprise. However, this and the other revelations show that BitTorrent is being used everywhere, from government agencies to even the most outspoken anti-piracy outfits.

Filesharing als die neue Prohibition. Auch damals haben oft selbst diejenigen, die Verbote mit starken Sanktionen durchgesetzt sehen wollten, hinter den Kulissen gegen diese Verbote verstossen.

Auch Mitarbeiter von Nicolas Sarkozy laden illegal herunter

Der französische President Nicolas Sarkozy gehört zu den unbestrittenen Hardlinern in der Urheberrechtsdebatte und ist die treibende Kraft hinter HADOPI gewesen, dem Three-Strikes-Gesetz in Frankreich. (zwei Warnungen, bei der dritten wird die Internetverbindung gekappt)

Mitarbeiter des Präsidenten wurden nun beim unautorisierten Filesharing erwischt, wie bereits vor zwei Tagen Mitarbeiter großer Medienkonzerne in den USA.

TorrentFreak:

As reported to TorrentFreak this morning by Nicolas Perrier of Nikopik, people using IP addresses allocated to the Élysée Palace (62.160.71.0 – 62.160.71.255) have been very naughty indeed.

According to data from YouHaveDownloaded.com, a range of downloads have been actioned from the Palace including a cam copy of Tower Heist, a telesync copy of Arthur Christmas, and music from The Beach Boys. The latter was actually a lossless FLAC rip, but as one might expect, only the best quality will do for the Palace.

Insgesamt wurden sechs Urheberrechtsverletzungen gefunden. Mehr als die drei, die notwendig sind, um jemanden in Frankreich vom Internet zu trennen.

Verliert der Élysée-Palast jetzt seine Internet-Anbindung? Oder sendet HADOPI keine Briefe an Ministerien, Behörden und Verwaltungen?

Die Ähnlichkeiten zwischen heutigem Urheberrecht und der Prohibiton nehmen weiter zu.

Louis CK macht mit DRM-freien Verkauf von “Live at the Beacon Theater” 200.000$ Gewinn in 3 Tagen

Der Standup-Comedian Louis CK hat am Samstag über seine Website angefangen, das Video zu seinem Standup “Live at the Beacon Theater” zu verkaufen. Ohne DRM, ohne Zwischenhändler, für 5 Euro.

Bereits nach 12 Stunden erreichte er Break Even. Nach 3 Tagen kommt er auf einen Gewinn von 200.000 US-Dollar.

Louis CK:

The show went on sale at noon on Saturday, December 10th. 12 hours later, we had over 50,000 purchases and had earned $250,000, breaking even on the cost of production and website. As of Today, we’ve sold over 110,000 copies for a total of over $500,000. Minus some money for PayPal charges etc, I have a profit around $200,000 (after taxes $75.58). This is less than I would have been paid by a large company to simply perform the show and let them sell it to you, but they would have charged you about $20 for the video. They would have given you an encrypted and regionally restricted video of limited value, and they would have owned your private information for their own use. They would have withheld international availability indefinitely. This way, you only paid $5, you can use the video any way you want, and you can watch it in Dublin, whatever the city is in Belgium, or Dubai. I got paid nice, and I still own the video (as do you). You never have to join anything, and you never have to hear from us again.

Erkenntnisse:

  • Man kann in der Regel mehr Gewinn ohne Zwischenhändler machen. Das Video wird schließlich weiterverkauft. Louis CK wird künftig mehr direkt über die Website direkt an die Fans vertreiben.
  • Man kann so sein Produkt günstiger anbieten.
  • DRM-frei führt nicht zu sinkenden Einnahmen, nur weil damit Filesharing einfacher wird. Die Einnahmen steigen im Gegenteil aus offensichtlichen Gründen (Wert für Käufer ist höher).

Viele Käufer dürften aus Respekt bezahlt haben und nicht, weil sie die Show nicht auch einfach wo anders hätten kaufen können. Louis CK hat das (wahrscheinlich eher unbewusst) auch so verkauft. Als Unterstützung für künftige ähnliche Vorhaben:

I would like to be able to post more material to the fans in this way, which makes it cheaper for the buyer and more pleasant for me. So, please help me keep this being a good idea. I can’t stop you from torrenting; all I can do is politely ask you to pay your five little dollars, enjoy the video, and let other people find it in the same way.

(via The Next Web)

Überraschung: BitTorrent-Piraten bei Sony, Universal und Fox gefunden

TorrentFreak hat mit Hilfe von YouHaveDownloaded, das ungefähr 20% der öffentlichen BitTorrent-Downloads trackt, herausgefunden, dass – Überraschung! – auch bei den großen Medienkonzernen illegal Filme und Musik heruntergeladen werden.

TorrentFreak:

After some initial skimming we’ve discovered BitTorrent pirates at nearly every major entertainment industry company in the US, including Sony Pictures Entertainment, Fox Entertainment and NBC Universal. Busted.

[..]

Another Hollywood studio where it’s not uncommon to download music, TV-shows and movies is NBC Universal. The employee(s) behind one of the IP-addresses at the Fort Lauderdale office in Florida downloaded the first season of ‘Game of Thrones,’ some trance music, a DVD of ‘Cowboys and Aliens’, and much more.

Die Unternehmen also, die unter anderem mit Three Strikes andere vom Internet trennen wollen haben in ihren eigenen Reihen selbst reichlich Urheberrechtsverletzer.

Wie viele dieser Mitarbeiter von Sony, Universal und co. wohl Premiumkunden bei Rapidshare und Megaupload sind?

User Curated Content ist Filesharing im neuen Gewand

Pinterest

Leander Wattig über den populär werdenden Fotobookmarkingdienst Pinterest und die damit einhergehende wieder einmal aufgeworfene Frage, wie Internet und Urheberrecht zusammengehen:

Das Problem hier ist, dass innovative Plattformen, zumindest in Deutschland, oft nicht oder nicht mit angemessenem Aufwand genutzt werden können (selbst wenn es dem Urheber zugute kommt und er die Nutzung wünscht). Als Nutzer lebt man dauerhaft mit der Unsicherheit, wegen auch kleinster Urheberrechtsverstöße abgemahnt zu werden und finanziell zu bluten. Das ist ein Punkt, der das gesamte Ökosystem hemmt. Wir reden ja in den meisten Fällen nicht über eine gewerbliche Nutzung fremder Inhalte, sondern über die in die Nutzung von Web-Diensten einprogrammierte Weiterverbreitung von fremden (Bild-)Inhalten.

Nicht nur den Anbietern von Plattformen, die auf user generated und/oder curated content setzen, sind auf grund des urheberrechtlichen Rahmens oft die Hände gebunden, auch die Nutzer stehen vor einem rechtlichen Dschungel.

Für mich stellt sich also nicht die Frage, ob man Plattformen wie Pinterest rechtssicher nutzen kann. Natürlich geht das – irgendwie -, wobei mir dann große Bereiche des Potenzials dieser Plattformen versperrt sind. Für mich ist eher die Frage, wie man das Urheberrecht ggf. ändern könnte, sodass die Möglichkeiten des Webs so nutzbar werden, dass der Urheber, der Nutzer und die Gemeinschaft in der Summe besser da stehen. Hier ist die heutige Situation selbst bei bestem Bemühen der Plattformbetreiber und von deren Nutzern meiner Meinung nach einfach suboptimal. Der sich korrekt verhaltende Nutzer ist derzeit tendenziell immer der Dumme, weil er viele Features meiden muss und weil er deshalb am Ende schlechter dasteht als die etwas forscheren Ausloter der Grenzen, die sich über die Inhalte-Nutzung in Grauzonen eine Reputation und Sichtbarkeit aufbauen, die ihnen auch dann erhalten bleibt, wenn sie irgendwann mal abgemahnt werden. Das führt aber beim Nutzer zu einer Gewöhnung an die permanente Abwägung, ob ein Überschreiten der rechtlichen Grenzen nicht lohnend wäre.

Ich hatte im Zuge des offenen Briefes von Mark Chung noch einmal angesprochen, was die Durchsetzung des aktuellen Urheberrechts im Web bedeuten würde:

Um tatsächlich das Urheberrecht, wie es im 19. Jahrhundert erdacht wurde, auch im 21. Jahrhundert durchzusetzen, müssen online Bürgerrechte beschnitten werden.

Das Problem ist, wie Leander Wattig bereits anspricht, dass künftig fast alles in irgendeiner Form online sein wird. Sobald Menschen Fotos, Musik etc. online nutzen, damit interagieren, werden Kopien erstellt, die eigentlich der Genehmigung bedürfen. Die Mehrheit der Aktivitäten auf Tumblr und co. verstossen gegen das Urheberrecht oder das Copyright in den USA; es wird nur selten etwas dagegen getan, was aber nichts an der rechtlichen Situation ändert.

Wenn man es genau nimmt, dann sind Dienste wie Pinterest, das ähnliche The Fancy (das ich auf Exciting Commerce vorgestellt habe), Tumblr, Posterous und viele andere, die Tools mitbringen, welche es einfach machen, Inhalte oder Teile von Inhalten zu kopieren und auf dem eigenen Account erneut zu veröffentlichen, Filesharing im neuen Gewand.

Die User nutzen Inhalte von anderen Stellen, um sie mit anderen Usern zu teilen und in einen Fluss zu geben, über den die ursprünglichen Urheber keine Kontrolle haben.

Die Frage, der sich die Gesellschaft stellen muss ist, ob sie diese Plattformen und die dadurch ermöglichte Interaktion, Neubewertung und Umverteilung von Inhalten und Kommunikation unter Nutzern höher bewertet als die durchsetzbare umfassende Kontrolle von Urhebern über ihr Werk.

Denn beides kann nicht friedlich koexistieren.

Modernes Urheberrecht: EU-Grüne wollen Filesharing legalisieren

Die Fraktion der Grünen im EU-Parlament hat ein erfreulich nach vorn gerichtetes Positionspapier (PDF) veröffentlicht, in dem sie ihre Vorstellung eines modernes Urheberrecht präsentieren.

Und es ist tatsächlich ein modernes Urheberrecht, das die Grünen vorstellen.

Es soll eine Unterscheidung zwischen kommerzieller und unkommerzieller Nutzung gemacht werden, wie ich es hier auch kurz zumindest als Kompromiss sinnvoll angeschnitten hatte. Aus dem Positionspapier:

Distinction between commercial and non commercial use of copyright material always needs to be made: users making financial benefits from the exploitation of copyrighted works should remunerate right holders accordingly, while users making no financial benefits should be free to use copyrighted works provided that they quote the authors. Although legal actions should sanction violations of copyright with commercial intent, we reject policies and measures only based on repression and control as so-called solutions to address the current social and economic changes introduced by digital technologies and the Internet. They too often carry the risk of arbitrary deprivation of individual liberty, while repressive measures and policies such as three strike type laws more and more show inefficient, financially costly and inappropriate to respond properly to the transformations that affect creation.

Die Unterscheidung ist natürlich schwierig, weil sie nicht so eindeutig zu treffen ist, wie man auf den ersten Blick meint, wie Torsten Kleinz ausführt. Die logische Konsequenz dieser Überlegungen wäre allerdings eine Freigabe auch von kommerzieller Nutzung.

Etwas das noch sehr viel unwahrscheinlicher gesellschaftlichen Konsens finden wird, als das von den EU-Grünen propagierte modernisierte Urheberrecht, dessen Umsetzung ebenfalls eher utopisch im aktuellen politischen Klima erscheint. (Die Entertainmentindustrie erzeugt einen verhältnismäßig geringen Anteil am gesamten BIP, hat dafür aber in den letzten zehn Jahren einen enorm effektiven Lobbyismus in praktisch allen westlichen Ländern aufgebaut, der die öffentliche Debatte zu dem Thema bis dato praktisch lahm gelegt hat und ein destruktives Klima erzeugte.)

Die EU-Grünen haben erfreulicherweise auch erkannt, dass kulturelle Werke auf vorhergehenden Werken aufbauen und dass deshalb ein besserer Zugang zu Kultur die Erzeugung neuer Werke begünstigt:

If not always, often enough creation cannot flourish without economic means and depends on creators and artists capacity to be in touch with and aware of existing intellectual and cultural productions. Therefore, it is essential to make sure that resources (financial, but also content and ideas) are accessible to creators and artists. To do so, all sources of financing need to be take in consideration (public spending, market revenues, direct contributions from individuals through flat rate or crowd culture mechanisms for example) to enable cultural production.

Daran schließt auch die Stärkung der Public Domain (Gemeinfreiheit) an:

We believe it is key to strengthen the public domain so that it is a resource for education (in the broad sense) of our citizen and for creation.

Die EU-Grünen haben richtig erkannt, dass Copyright/Urheberrecht immer nur ein Teil der Einkommensgrundlagen war (und für viele ein verschwindend geringer, dafür für einige wenige, ein essentieller, letztere und ihre Mittelsmänner sind die lautesten in den Debatten). Aus dem Positionspapier:

The position and status of the majority of the artists are often precarious. This is a reality that pre-existed the advent of digital technologies. Their financial resources and remuneration come in most of the cases from multiple sources –wages, grants, patronage, copyright, parallel professional activities, unemployment benefits, etc.– and are often irregular and unpredictable. Wage-earners in the culture sector often have several employers, including employers outside of the cultural sphere, carry out several jobs, and are concurrently working under different contracts. Copyright, as a source of income, is of very variable importance depending on the sector of creation considered. However, for a majority of artists and creators, it only represents a small part of their income.

Interessanter- und logischerweise wollen die EU-Grünen nicht sofort eine Kulturflatrate parallel zur Legalisierung unkommerziellen Filesharings einführen. Sie wollen zunächst abwarten, ob es tatsächlich zu einem Absenken der Kulturproduktion kommt:

Non commercial sharing between individuals should be allowed, for instance by widening the scope of the existing private copying exception. If and when it can be proved that the production of cultural goods is compromised by non-commercial sharing, a content flat rate or another mechanism for broadband users may be envisaged. Such a mechanism must not invade the privacy of internet users. The distribution of revenues should favour poor and starting creators.

Auch das ist wieder sinnvoll: Es wird zwar oft schlicht vermutet, dass jede Abschwächung von urheberrechtlichen Schranken der Kulturproduktion insgesamt schadet, aber bis dato gibt es dazu keine keine empirischen Beweise. (Nimmt man die de facto Abschwächung des Urheberrechts durch illegales Filesharing, kommt man zu dem Schluss, dass unter dem Strich für die Gesellschaft das Ergebnis positiv war.)

Schön auch, dass die EU-Grünen die Verjährungsfristen auf einen ökonomisch sinnvollen Zeitraum absenken wollen:

Much of today’s entertainment industry is built on the commercial exclusivity on copyrighted works. This, we want to preserve. But today’s protection times — life plus 70 years — are absurd. No investor would even look at a business case where the time to pay-back was that long. We want to shorten the protection time to something that is reasonable from both society’s and an investor’s point of view, and propose 20 years from publication.

Ebenfalls sinnvoll ist ein Registrierungszwang für kommerziell zu schützende Werke, was von vornherein verwaiste unnutzbare Werke ausschliessen würde:

From now, and within a time frame of 5 years after the production, registration of copyright work should be compulsory for authors to enjoy commercial exclusivity. This would greatly limit the existence orphan works in the future.

Insgesamt ist das ein beeindruckendes Positionspapier. Jetzt müssen die Grünen nur noch ihren Worten auch Taten folgen lassen und sich für diese Richtung nicht zuletzt auch auf nationaler Ebene einsetzen.

Das aktuelle Urheberrecht ist die eigentliche Katastrophe

Der berühmte Ökonom John Maynard Keynes soll einmal gesagt haben: “Wenn sich die Fakten ändern, ändere ich meine Meinung. Und was machen Sie?”

Sascha Lobo schreibt zu Siegfried Kauder und dessen Urheberrechtsverletzungen:

Es gibt Kräfte, die das Urheberrecht abschaffen oder in die Unwirksamkeit treiben wollen. Dieses Vorhaben ist politisch auch ihr gutes Recht, die Begründungen dafür sind nicht mehr so hanebüchen wie vor ein paar Jahren, sondern kommen zunehmend intelligent und durchdacht daher. Wie beschrieben, halte ich diese Überzeugung für unrichtig, selbst wenn ich sie ernst nehme.

Er konkretisiert die von ihm identifizierten Kräfte in einem Kommentar:

[..]da verweise ich auf Dirk von Gehlen, der jüngst das Buch “MashUp – Lob der Kopie” geschrieben hat bei Suhrkamp sowie das Blog http://www.neunetz.com von Marcel Weiß. Mit beiden bin ich schon mehrfach, sagen wir, aneinandergeraten zu dem Thema, weil ich eben anderer Meinung bin – aber musste jedesmal zugestehen, dass ihre Gedanken genau das waren: nicht unintelligent und durchdacht. Selbst, wenn ich vor allem Marcels Einstellung als Katastrophe empfinden würde, würde sie in Gesetztesform gegossen.

Ich weiß nicht, was Sascha Lobo als meine Einstellung glaubt, identifiziert zu haben.

Ich bin der Meinung, dass wir ein neues, angepasstes Urheberrecht brauchen. Das ist grundsätzlich erst einmal nicht so verschieden zu Sascha Lobos Position.

Die meisten Artikel hier zum Thema Filesharing und Urheberrecht sind allerdings beschreibend und nicht fordernd. Der Grund dafür ist relativ offensichtlich, wenn man sich etwas länger mit dem Thema beschäftigt: Es ist unglaublich, wie viele falsche Annahmen zu dieser Thematik kursieren. Die meisten Debatten basieren schlicht auf irreführenden Prämissen, die erst einmal widerlegt werden müssen, bevor man zielführend über eine Lösung sprechen kann.

Was ist meine Position, die Sascha Lobo als Katastrophe bezeichnet?

Ich bin der Meinung, dass das aktuelle Urheberrecht mit vollkommen überzogen langen Fristen versehen ist, die in keinster Weise gerechtfertigt sind. Das ist eine Erkenntnis, zu der man unabhängig von der Digitalsierung kommen kann. (Die Forscher, die sich mit dem Thema beschäftigen, kommen auf eine optimale Frist von ungefähr 15 Jahren.) Aber die Digitalisierung verstärkt durch die neu entstehenden Möglichkeiten die Nachteile zu langer Fristen noch zusätzlich:

Die Tatsache, dass wir durch das Internet eine Explosion nichtkommerzieller Verwendung urheberrechtlich geschützter Werke erleben (von musikalischer Untermalung des Urlaub-Videos auf Youtube über Filesharing bis hin zu Mashups und Coverversionen), die gleichzeitig entgegen den öffentlichen Äußerungen von Lobbyisten sehr viel leichter verfolgbar sind als ihre Offline-Äquivalente, macht die bereits vorher existierende extreme Schieflage im Urheberrecht zu einer kulturellen Katastrophe.

Lediglich’ die schiere Masse der Verletzungen und Hürden wie der Rechtsstaat macht das Verfolgen kommerziell unattraktiv für einige Unternehmen, deren Geschäftsmodell mit der Trennung von Produktion und Distribution nicht kompatibel ist. Wie ich bereits schrieb: Eine Explosion.

Bin ich für die Abschaffung des Urheberrechts? Nein. Aber es gibt bessere Argumente für die komplette Abschaffung als für die Ausweitung des Schutzes in unserem aktuell bereits sehr rigiden Urheberrecht. Erstaunlicher- und zermürbenderweise wird in der Öffentlichkeit praktisch nur letzteres diskutiert.

Wenn ich es nicht abschaffen will, was schwebt mir dann stattdessen vor?

Ein genaues Modell habe ich noch nicht ausgearbeitet, aber die Grundzüge umfassen (sehr viel) kürzere Fristen und eine Schutzlockerung für nichtkommerzielle Nutzungsarten, die massenhaft von der Bevölkerung durchgeführt werden und deren effektive Verfolgung nur mit der Verletzung von Menschenrechten möglich ist.

Würde das Urheberrecht damit ‘abgeschafft oder unwirksam’, wie Sascha Lobo unterstellt, dass ich es will?

Hier kommen wir wieder zurück zu den Prämissen unter denen über das Urheberrecht diskutiert wird.

Was definiert ein unwirksames Urheberrecht?

Unabhängig von seiner leider starken personenrechtlichen Anlegung ist das gesamtgesellschaftliche Ziel des Urheberrechts das Gleiche wie beim etwas besser angelegten angelsächsischen Copyright: Einen Schutz schaffen, der ökonomische Anreize bildet, so dass Kunst, Kultur und Wissen erzeugt werden.

Ein unwirksames Urheberrecht wäre also eines, dass keine Anreizbildung mehr schafft.

Wenn sich die Fakten ändern.

Ich habe vor einigen Jahren, gegen 2006, angefangen, mich mit dieser Thematik näher auseinanderzusetzen. Als ich damit anfing, war meine Position geprägt von dem, was der normale Bürger vom massiv erfoglreichen Lobbyismus der Tonträgerindustrie eingeimpft bekommt: Ich fand, das unautorisiertes Filesharing der Musik insgesamt schadet, ich hielt es fälschlicherweise für Diebstahl, und fand, dass es aufhören muss, damit die Musikbranche weiter existieren kann. Wenn es unautorisiert ist, dann kann es nur Nachteile für die Urheber haben, habe ich gedacht. (Es fing alles mit der Musik an.)

Diese Position erscheint auf der Oberfläche, wenn man sich nicht näher damit beschäftigt, unglaublich offensichtlich. Wie könnte jemals jemand anderer Meinung sein?

Man kann zu einer anderen Position gelangen, wenn man sich mit dem Thema näher beschäftigt und feststellt, dass es um ein ökonomisches Problem geht, dass Märkte keine Nullsummenspiele sind und dass manchmal Dinge in der Wirklichkeit ganz anders aussehen, als man sie, nur mit Bauchgefühl ausgerüstet, vermuten würde.

Glücklicherweise gibt es mittlerweile Studien und wissenschaftliche Abhandlungen, welche die bereits länger bekannten Theorien zur Auswirkung von unautorisiertem Filesharing und von Urheberrechtsverletzungen untermauern:

Die verlinkten Studien repräsentieren nur einen Bruchteil der Forschung zum Thema. Sie dürften aber klar machen, dass es hier um etwas komplexeres geht als ein einfaches “Mehr Kontrolle ist besser”. (Tatsächlich zeigen die Studien zur Musikbranche auch, dass eine de facto Schwächung des Urheberrechts (nichts anderes ist Filesharing) auch zu einer ökonomischen Stärkung der betroffenen Branchen führen kann. Urheberrechtsfundamentalisten behaupten immer das Gegenteil: Weniger Urheberrechtsschutz bedeutet weniger Kultur. Das Problem ist nur, dass es für diese Behauptung keine Beweise gibt, da es in der westlichen Geschichte des Urheberrechts/Copyrights nie eine Lockerung des selbigen gab. (Auch etwas, über das man einmal nachdenken sollte.) Mit Filesharing gibt es nun genau das de facto, wenn schon nicht de jure, und die Auswirkungen sehen für gesamte Branchen nicht so aus, wie oft behauptet.)

Das Urheberrecht ist ein Kompromiss, ein Interessensausgleich. Das war es immer und das wird es immer sein. Deswegen ist die personenrechtliche Ausrichtung des Rechts so problematisch: Sie ist eigentlich mit der zeitlichen Begrenzung des Rechts nicht vereinbar.

Warum haben wir überhaupt eine zeitliche Begrenzung des Rechts?

Weil Ideen, weil Wissen und Kultur, der Gesellschaft mehr nützen, wenn die Gesellschaft auch über sie verfügen kann. Und je weniger restriktiv dieser Zugang ist, desto besser.

Ein “unwirksames Urheberrecht” ist demnach auch ein Recht, das diese Nutzung unnötig erschwert. Weil es dann entgegen seines Bestimmungsgrundes wirkt. Ein Recht also, das einigen wenigen Interessenten ein Monopol gibt, für das diese keine entsprechende gesellschaftliche Gegenleistung erbringen müssen.

Was meine ich mit fehlender gesellschaftlicher Gegenleistung? Zum Beispiel eine rückwirkende(!) Verlängerung des Leistungsschutzes für Tonaufnahmen von 50 auf 70 Jahre: Es kann nicht rückwirkend Anreiz geschaffen werden. Es kann nicht rückwirkend mehr Kultur entstehen. Stattdessen wird auf diesem Weg Kultur behindert, weil die Kontrolle, und damit die Einschränkung  bei der Nutzung, verstärkt wurde. Was vielleicht entstehen könnte, kann nicht entstehen.

Wenn wir das Urheberrecht als den Ausgleich begreifen, der es ist, dann ist eine Forderung nach weniger Schutz nicht gleichbedeutend mit einer Forderung nach einem unwirksamen Urheberrecht. Von der heutigen Situation ausgehend, ist sogar das Gegenteil der Fall. Eine Schutzfristverkürzung würde das Urheberrecht wirksamer machen, weil insgesamt mehr Kultur entstehen würde.

Meine Position lautet: Wir brauchen ein Urheberrecht, dass einen angemessenen Interessensausgleich darstellt. Dieser Ausgleich muss die Anreizbildung stützen, den gesellschaftlichen Nutzen als auch die Tatsache, dass das Internet einige Ausgangslagen grundsätzlich geändert hat.

Wo steckt darin die Katastrophe?

In meinen Diskussionen zum Urheberrecht mit Personen in verschiedensten Positionen bin ich immer wieder darüber gestolpert, dass sich viele hier ein moralisches Problem sehen statt ein ökonomisches Problem. (Wie sollen Urheber bezahlt werden? Wie soll Kultur refinanziert werden?)

An diesem Punkt endet die Diskussion, weil moralische Standpunkte eher schlecht diskutabel sind. Das Problem ist natürlich, dass man auf diese Weise nicht zu einer konstruktiven Lösung kommt. Wenn Menschen wie Sascha Lobo fordern, dass die Leute sich einfach mal moralisch richtig verhalten sollen, eine Übersetzung für “also so, wie ich mir das vorstelle”, und dann glauben, dass das Problem gelöst ist, dann ist das das intellektuelle Äquivalent zum Fußaufstampfen eines kleinen Kindes.

Stattdessen halte ich es für sinnvoll, Verhaltensweisen, die seit über zehn Jahren in weiten Teilen der Bevölkerung stattfinden, zu analysieren und, wenn notwendig, zu erkennnen, ob es sich vielleicht um etwas handelt, das gekommen ist, um zu bleiben, weil es nur ein Symptom für etwas Umfassenderes ist:

Davon ausgehend, kann man sich überlegen, welche Geschäftsmodelle neben Filesharing erfolgreich existieren können. Das ist schlicht konstruktiv und sinnvoll, und allemal besser, als mit dem Fuß aufzustampfen:

Diese Diskussionen und Ansätze gehen an Menschen wie Siegfried Kauder (CDU) wohl eher vorbei, weil sie auf ihrem moralischen Standpunkt sitzen, der nichts anderes zulässt, als das Urheberrecht in seiner aktuellen Fassung mit noch immer stärkeren Strafen und längeren Fristen zu versehen.

Weil es das einzig moralisch Richtige ist, sind längere Fristen das einzig Richtige.

Weil es das einzig moralisch Richtige ist, sind härtere Strafen zur Durchsetzung das einzig Richtige.

Herr Kauder ist nicht in der Lage, die Tragödie zu sehen, dass

  • er selbst als Jurist und Vorsitzender des Rechtsausschusses des Deutschen Bundestages das Urheberrecht nicht versteht,
  • gegen das Urheberrecht zwei Mal verstösst, ohne es zu wissen,
  • und fordert, dass zwei Verstösse zum temporären Ausschluss vom Internet führen soll.

Er fordert also eine unverhältnismäßig hohe Strafe, verbunden mit Umkehr der Beweislast, für etwas, das selbst ihm, dem Experten, dem Kämpfer für die richtige Sache, unwissentlich passiert ist.

Warum ist er nicht in der Lage, das zu erkennen? Weil er doch auf der moralisch richtigen Seite steht! Wie könnte sich das jemals ändern? Es ist doch alles so offensichtlich!

Es ist bedauerlich, aber ich glaube mittlerweile, dass einige Akteure im politischen Bereich und auch und besonders in den betroffenen Industrien schlicht nicht in der Lage sind, ihre Sichtweise zu ändern, weil sie glauben, dass ihr Gegenüber nicht moralisch richtig handelt und/oder argumentiert.

Das ist ok. Wer in der Wirtschaft glaubt, dass es eine gute Idee ist, seine eigenen Kunden zu verklagen und zu beschimpfen, wird langfristig verdrängt werden. Wer ähnlich in der Politik handelt, dem wird es ähnlich ergehen. (Allerdings erst, nachdem erhebliche Kollateralschäden angerichtet worden.)

Was mir allerdings Sorgen bereitet, ist die Tatsache, dass auch intelligente aufgeschlossene Menschen wie Sascha Lobo auch 2011 nicht sehen wollen, was ihnen die gesellschaftliche Realität seit über 10 Jahren sagt.

Stattdessen erkennen sie zwar an, dass abweichende Positionen “intelligent und durchdacht” argumentiert werden. Aber sie bleiben trotzdem eine Katastrophe in ihren Augen. Warum?

Two Strikes in Deutschland, weil Three Strikes in Frankreich nicht funktioniert?

Siegfried Kauder (CDU, Vorsitzender des Rechtsausschusses des Deutschen Bundestages) hat sein angekündigtes 2-Strikes-Modell vorgestellt. Spiegel Online:

Seine Idee: Ein Warnmodell, bei dem Rechteinhaber sich bei den Providern über Copyright-Sünder beschweren. Erst gibt es einen Hinweis, im wiederholten Fall dann Internet-Entzug – ganz ohne Gerichtsverfahren. Verfassungsrechtliche Bedenken hat er dabei nicht, denn die Sperre soll nur für einen kurzen Zeitraum gelten. “Ich denke da an drei Wochen”, so Kauder.

Mit diesem Modell will er vermeiden, dass wie bisher das Strafrecht bemüht werden muss, um Copyright-Sünder zu bestrafen.

Die Umkehr der Beweislastpflicht beim Weglassen eines Schrittes ist nur leicht aber immerhin noch ein bisschen schlimmer.

Zu glauben, dass ein kürzerer Strafzeitraum etwas verfassungswidriges weniger verfassungswidrig macht, ist, gelinde gesagt, kreativ.

Das menschenrechtsverletzende Strikes-Modell, egal mit wie vielen Schritten, bleibt ein demokratisch ausgesprochen gewagtes Modell, weil es das aushebelt, was man gemeinhin Rechtsstaat nennt.

Bleiben drei offene Fragen:

1. In Frankreich funktioniert Three Strikes nicht, warum soll Two Strikes in Deutschland funktionieren?

2. Warum ist eine Gegenmassnahme beim Songdownload richtig, die beim Download von Kinderpornographie verworfen wurde?

3. Ich hoffe, ich darf dann als Rechteinhaber, denn das bin ich laut deutschem Urheberrecht wie auch fast jeder andere Bundesbürger, mich beim zuständigen Provider zweimal über Siegfried Kauder beschweren? Dann kann Herr Kauder mal Urlaub machen vom Internet. Sind ja nur drei Wochen.

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Siehe auch die Digitale Gesellschaft.

Wie ‘Piraterie’ einen Künstler vor dem Internet bekannt machte

Der Künstler Jonathan Akwue berichtet auf seinem Blog darüber, wie illegale Kopien seines Afrika-Bildes ihn bekannt gemacht haben. How Pre-Internet Piracy Made Me (Almost) Famous:

Among a certain set of people I became (almost) famous – or at least my picture did. Stan’s distribution network was far more extensive than I could have imagined. As a result the image cropped up in all sorts of places, from inner-city street corners to suburban offices. A friend spotted it on TV hanging on the wall of an architect’s home in New York. My brother found a reproduction in a street market in Switzerland.

The bootlegged copies didn’t entirely kill the market for the legitimate ones either. As the unauthorized prints were unsigned, the limited edition of 500 was sold to those who were willing to pay extra for a signed copy.

[..]

Although this episode took place before the widespread adoption of the Internet, you can see similar effects taking place on a much larger scale today. For example the number 1 book on the Amazon bestseller list ‘Go The F**k To Sleep’ was widely pirated before publication, something that the author attributes in part to its success.

Illegale, also nicht autorisierte, Distribution von Kulturgütern wie in diesem Fall oder bei unautorisiertem Filesharing von Musik, Filmen etc. können massiv dabei helfen, den Künstler bekannt zu machen und auf dieser besseren Basis wiederum nicht kopierbare Versionen, wie etwa signierte Ausgaben, in größerer Stückzahl zu verkaufen.

(via Techdirt)

 

LimeWire-Nutzer waren auch die besten iTunes-Kunden

Douglas Merrill, ehemaliger Google-CIO und ehemaliger “Chief Operating Officer of New Music and President of Digital Business” bei EMI, weist in einer Keynote auf Untersuchungen aus seiner Zeit bei EMI hin, die ein mittlerweile bekanntes Bild vom Konsumverhalten vieler Filesharing-User zeichnet:

Nutzer der Tauschbörse LimeWire sind nach seinen Untersuchungen seinerzeit gleichzeitig oft auch diejenigen gewesen, die das meiste Geld für Inhalte ausgeben haben. Kurz: Es waren Power-User.

TorrentFreak:

During his stint at EMI, Merrill profiled the behavior of LimeWire users and discovered something rather interesting. Those same file-sharing “thieves” were also iTunes’ biggest spenders.

“That’s not theft, that’s try-before-you-buy marketing and we weren’t even paying for it… so it makes sense to sue them,” Merrill said, while undoubtedly rolling his eyes.

Es gibt aus dem Musikbereich einige Studien, die zu ähnlichen Schlüssen gekommen sind. Erst kürzlich wurde bekannt, dass eine unveröffentlichte GfK-Studie existiert, die belegen soll, dass kino.to-Nutzer überdurchschnittlich oft ins Kino gegangen sind.

(via Nerdcore)

Ars Technica verkauft OSX-Lion-Review zusätzlich via Kindle: 3000 Verkäufe in ersten 24 Stunden

Die Technewssite Ars Technica veröffentlicht zu jeder neuen Version von Mac OS X ein langes Review von John Siracusa.

Der Artikel zu Mac OS X Lion kommt auf 27.300 Wörter und wurde als Experiment von Ars Technica zusätzlich zum kostenfrei abrufbaren Artikel auch als Kindle-Ebook für 5$ veröffentlicht.

Mit Erfolg. The Next Web:

In a telling turn of events, Ars Technica also decided to sell his review as a $5 Kindle ebook. In its first 24-hours on sale, the ebook sold 3,000 copies. And at $5 a pop, that’s a cool $15,000 in revenue in just one day. Harvard’s Niemen Lab interviewed Ken Fisher, the founder and editor of Ars, who is “pleasantly surprised by the outcome”. In fact, Fisher thinks of it as “free money” and that “he underestimated the power of Amazon’s one-click experience, which makes impulsive purchases painless.”

Da der Artikel zusätzlich zur kostenpflichtigen Kindle-Version weiterhin verfügbar ist, ist das ein schönes Beispiel für Ansätze für erfolgversprechende Geschäftsmodelle im Filesharing-Zeitalter, über die ich hier des öfteren berichte. Ars Technica macht nichts anderes, als etwa auch Musiker die ihre Musik kostenfrei zum Download anbieten und zusätzlich kostenpflichtige Versionen anbieten, die z.B. komfortabler sind oder anderweitig Mehrwert bieten.

Fisher hat recht, wenn er die Einnahmen als zusätzliches Geld bezeichnet, das Ars Technica mit fast keinem zusätzlichen Aufwand einnehmen konnte.

Ars Technica hat bereits vorher mit Artikeln als Ebooks experimentiert:

Ars Technica actually made its first Kindle foray in March with “Unmasked,” a compilation of extraordinary stories about the hacking group Anonymous and its high-profile target, the security firm HBGary. That ebook, currently $1.99 at Amazon.com, has sold 1,000 copies, which Fisher considers a success.

Unveröffentlichte GfK-Studie: Nutzer von kino.to sollen überdurchschnittlich oft ins Kino gehen

Telepolis berichtet über eine GfK-Studie, die dank unangenehmer Ergebnisse nicht veröffentlicht wurde:

Auch andere Ergebnisse widersprechen nämlich dem gängigen und für die bundesdeutschen Urheberrechtsdebatten zurechtgestutzten Klischee eines Users, dessen ungenehmigtes Anschauen von Filmen im Netz den Verleihern und DVD-Händlern Millionenschäden beschere. Das Gegenteil ist offenbar der Fall. “kino.to”-Nutzer gehen nicht nur sehr oft ins Kino, sie geben auch überdurchschnittlich viel Geld an der Kinokasse aus. “Die User kaufen oft ein Ticket an den teuren Wochenend-Tagen.” (Einfügung d.A.: Aus der Studie gehe auch hervor, dass die “kino.to”-Nutzer mehr DVDs kaufen würden. Sie würden sich – laut ihren Angaben – oft nur den Anfang des Filmes anschauen und dann ins Kino gehen.) “Wir haben damit nicht gerechnet”, sagte ein GfK-Mitarbeiter, der verständlicherweise anonym bleiben möchte. “Wir vermuten das eigentlich schon lange” war dagegen aus Kreisen des Hauptverband Deutscher Filmtheater e.V. (HDF) zu hören, der Dachorganisation und Interessenvertretung der Kinos in Deutschland. “Wer Filme herunterlädt, hat ein erhöhtes Interesse am Kino”

Es ist ausgesprochen bedauerlich, dass die Studie nicht veröffentlicht wurde. So lässt sich nur schwer nachvollziehen, was von den Ergebnissen zu halten ist.

Interessanterweise kommen unabhängige Studien zum Filesharing im Musikbereich auf ähnliche Ergebnisse.

Kino.to wurde Anfang Juni mit einer groß angelegten Razzia stillgelegt. Ich hatte dem keine langfristigen Auswirkungen bescheinigt. Mittlerweile hat sich, wie zu erwarten war, ein erster Nachfolger etabliert, wie netzpolitik.org berichtet.

“Three Strikes” funktioniert nicht, aber hey, in den USA kommt “Six Strikes”

Die Menschenrechte verletzende Massnahme Three Strikes funktioniert nicht, wie der britische ISP BE BRoadband festgestellt hat:

Den gewünschten Effekt, die Piraterie eindämmen zu können, dürfte die Regelung aber ohnehin nicht erzielen. Lediglich fünf Prozent der Filesharer würden laut BE Broadband die Verwendung von Filesharing-Software reduzieren oder zur Gänze stoppen, sollte ein entsprechendes Gesetz in Kraft treten. Zwar würde beinahe die Hälfte der User Maßnahmen ergreifen, um die eigene Identität im Web besser zu verschleiern. Am Datentausch wollen sie sich dennoch weiter beteiligen. Knapp ein Drittel würde die aktuellen Filesharing-Gewohnheiten überhaupt nicht ändern.

In den USA haben sechs große Internetprovider sich in der Zwischenzeit freiwillig bereit erklärt, “Six Strikes” einzuführen:

Major US Internet providers—including AT&T, Verizon, Comcast, Cablevision, and Time Warner Cable—have just signed on to a voluntary agreement with the movie and music businesses to crack down on online copyright infringers. But they will protect subscriber privacy and they won’t filter or monitor their own networks for infringement. And after the sixth “strike,” you won’t necessarily be “out.”

Das Ziel soll nicht sein, User vom Internet zu trennen, sondern sie mit Warnungen und geringeren Strafen zu ‘erziehen’:

The result is “copyright alerts,” a series of messages warning users that their (alleged) activity has been detected and that penalties could result if it continues. These notes continue repeatedly—two, three, even four warnings likely won’t result in any penalties—but the scheme certainly does have a punitive component.

ISPs have agreed to institute “mitigation measures” (or, as you and I know them, punishments) based on the collected say-so of copyright holders. These measures begin with the fifth or six alert, and they may include “temporary reductions of Internet speeds, redirection to a landing page until the subscriber contacts the ISP to discuss the matter or reviews and responds to some educational information about copyright, or other measures that the ISP may deem necessary to help resolve the matter.”

Egal, wie viele Warnungen einer wie auch immer gearteten Bestrafung vorangehen: ‘X Strikes’ funktioniert nicht mit der Unschuldsvermutung.

Würde der ISP-Markt in den USA es hergeben, würde nun eine Marktchance für ISPs entstehen, die nicht zu den sechs genannten zählen.

Siehe zum Thema auch:

 

Problem der Unterhaltungsindustrie: Keine Container transportieren -> kein Geschäftsmodell

In einem Kommentar zum Artikel “Das Problem der Unterhaltungsindustrie in einem Satz” weist Bertram Gugel auf eine Präsentation auf Slideshare hin, in der das Problem ebenfalls recht knackig auf den Punkt gebracht wird:

“The central challenge to the folks running the traditional aspects of content businesses is that their business models are based on moving the containers around. No containers means no business model. Chaos.”

Das klingt zunächst recht banal und offensichtlich. Aber die dahinter liegende Problematik ist extrem komplex und in vielen Fällen wahrscheinlich gar nicht von den bestehenden Unternehmen lösbar.

Nationale Lizenzen, Prozesse und Wertschöpfungsketten sind auf das Anbieten und Bewegen von Containern, sowohl physische Container als auch gebündelte Inhalte, und den damit verbundenen Notwendigkeiten (kostet alles Geld!) ausgelegt.

Unabhängig davon, dass die wenigsten die Notwendigkeit dafür erkennen: Einzelne Unternehmen können oft nicht einfach aus diesem Beziehungsgeflecht ausbrechen selbst wenn sie wollen. Zumindest nicht, ohne das bestehende Geschäft zu gefährden. Altlasten eben.

Deshalb wird unter anderem oft im Digitalen das Analoge simuliert: Weil die Prozesse und Strukturen nur marginal umgestellt werden müssen, wenn man statt CDs und DVDs Dateien verkauft. Und deswegen gibt es trotz der ökonomischen Unsinnigkeit weiter die Arbeitsteilung aus der analogen Welt. Beispiel: iTunes als Ladengeschäft, Distribution und Plattenlabel als Zwischenhändler zwischen Laden und Kreativen.

Das Problem ist nur, dass die virtuellen Container und das Simulieren des Containertransports, für das man ja wohl bezahlt werden muss, also bitte, wo kommt man denn da sonst hin, das Problem also ist, dass das nicht nur ineffektiv ist sondern sogar oft unnötig.

Filesharing hat aufgezeigt, dass in der digitalen Welt der “virtuelle Containertransport” nicht nur von anderen Unternehmen als den etablierten kostengünstiger durchgeführt werden kann, sondern dass es sogar die eigenen Kunden selbst machen können. User generated content und user curated content zeigen in die gleiche Richtung.

Wenn man für etwas bezahlt werden will, dass die eigenen Kunden auch selbst machen können, dann:

  1. Bezieht man diesen Umstand besser in die eigene Angebotsgestaltung mit ein.
  2. Und schafft logischerweise Mehrwert.

Schließlich gehen wir auch in Restaurants, obwohl wir selbst kochen können.

Das Problem der Unterhaltungsindustrie in einem Satz

Das Geschäftsmodell der Unterhaltungsindustrie, also Plattenlabels, Filmstudios etc. und die dahinter hängenden Wertschöpfungsketten, basierte früher u.a. darauf, die Verbreitung von Kulturgütern zu ermöglichen und basiert heute dank Digitalisierung u.a. darauf, die Verbreitung von Kulturgütern künstlich zu verknappen.

USA, Neuseeland, Schweden und andere verdammen “Three Strikes”, Deutschland nicht dabei

Vor kurzem hatte ich hier auf einen UN-Report verwiesen, der den Zugang zum Internet zum Menschenrecht erklärte und “Three Strikes” (2 Warnhinweise, dann Kappen der Internetanbindung) als eine Verletzung dieses Menschenrechts verstand.

Über 40 Länder haben nun dem Report öffentlich zugestimmt und eine gemeinsame Erklärung abgegeben. Ars Technica:

Michael Geist notes that on Friday, Sweden made remarks at the UN Human Rights Council that endorsed many of the report’s findings, including the criticism of “three strikes” rules. The statement was signed by 40 other nations, including the United States and Canada. The United Kingdom and France, two nations that have enacted “three strikes” regimes, did not sign the statement.

Interessanterweise ist mit Neuseeland ein Land dabei, das selbst InternetzugangsVerbote einsetzt.

In Deutschland fordern unter anderem Dieter Gorny, Vorsitzender des Bundesverbands der Musikindustrie (eigentlich: Tonträgerindustrie), und Kulturstaatsminister Bernd Neuman (CDU) die Einführung von “Three Strikes”.

Österreich und die Schweiz finden sich ebenfalls unter den Unterzeichnern. Deutschland fehlt.

Die Liste:

Austria, Bosnia, Botswana, Brazil, Canada, Chile, Costa Rica, Croatia, the Czech Republic, Denmark, Djibouti, Guatemala, India, Indonesia, Israel, Japan, Jordan, Lithuania, fmr Yugoslav Rep of Macedonia, Maldives, Mauritius, Mexico, Moldova, Montenegro, Morocco, the Netherlands, New Zealand, Norway, Palestine, Peru, Poland, Senegal, South Africa, Serbia, Sweden, Switzerland, Tunisia, Turkey, Ukraine, the United States, Uruguay

Wie kino.to funktionierte

In einem lesenswerten Interview auf netzfeuilleton.de mit einem kino.to-Uploader kann man viel über die Arbeitsweise des abgeschalteten Streamingggregators lernen:

Meistens sind Serien nämlich schon hundertfach nach der Ausstrahlung hochgeladen, werden aber immer sofort nach ein, zwei Stunden wieder gelöscht. Ich bin also schnell, schnappe mir die Links und gebe sie ins Programm ein, das lädt sie dann auf einem Server runter und dann auf verschiedene Videohoster hoch. Die Dateien sind so nie auf einem Rechner, sondern auf einem angemieteten Server.

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die Videohoster bezahlen pro Besucher. Kino.to ist gut besucht und zieht tausende Leute auf die eigenen Uploads. Die Hoster zahlen dann das Geld aus. Von kino.to hat noch niemand Geld bekommen.

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Man gibt die eigenen Links in einem versteckten Bereich der Seite ein und wird akzeptiert oder nicht. Es kann auch sein, dass es gar kein Mensch wartet, sondern irgendein Programm die Links analysiert und schaut, ob die schon vorhanden sind und danach entscheidet, ob die Links auf die Startseite kommen oder nicht. Ich habe mich auch nie als Arbeiter von kino.to angesehen. Es gibt keine Verbindlichkeiten. Es ist alles anonym.

Im Grunde ging es also um verhältnismäßig kompliziertes unautorisiertes Filesharing, bei dem einige Firmen direkt oder indirekt beteiligt waren, weil sich mit Streaming über Werbung Geld verdienen lässt. Das unterscheidet sich teilweise stark von dezentralerem Filesharing wie man es von BitTorrent, Emule und co. kennt. Aber die Gemeinsamkeiten, wie etwa, dass viele Parteien anonym zusammenarbeiten und die Dateien mehrfach hin- und herwandern, sind dann doch wieder interessant. Es sind eben alles Folgen des gleichen Umstandes.

(via Rivva)