‘Vimeo On Demand’: Unabhängige Filmemacher können ihre Filme auf Vimeo verkaufen

Die Videoplattform Vimeo hat immer im Schatten von YouTube gestanden. Während YouTube explodierte, blieb Vimeo in der Nische der Filmstudenten, Hobbyfilmer und ästhetisch nicht Abgetöteten. 

Im März diesen Jahres ging Vimeo, das sich aufgrund seiner Ausrichtung und seines Designs bei eben genannten Filminteressierten ein starkes Standing erarbeitet hat, den nächsten Schritt und bietet nun Filmemachern an, ihre Filme über die Plattform zu verkaufen.

Damit wird Vimeo von einer reinen Hostingplattform und Community zu einem Angebot, das sich auch für die kommerzielle Verbreitung nutzen lässt.

TechCrunch berichtete über den Schritt:

Vimeo On Demand, will be available to anyone — anyone, that is, with a Vimeo Pro account. The product allows creators on the site to set their own prices and provides geo-fencing and other tools to control which areas their content is available in. They can also create custom landing pages for their projects, and the ability to provide clips or trailers as a way to entice viewers to purchase their longer-form version of their content.

Attraktiv ist das für Filmemacher auch, weil Vimeo bereits in alle gängigen Abspielgeräte integriert ist und eine über Jahre gewachsene, funktionierende Communityplattform mitbringt. 

But the most important part is that Vimeo will provide a pretty unprecedented revenue split, keeping just 10 percent of sales made on the platform. Vimeo CEO Kerry Trainor told me that Vimeo is trying to be as creator-friendly as possible in helping the people who use the site to sell their content. That also means distribution across a number of devices, including PCs, mobile phones and tablets, and a wide range of connected TV devices, platforms and game consoles.

Vimeo bewirbt diesen nicht zu unterschätzenden Bequemlichkeitsvorteil für Endnutzer auch direkt auf der On-Demand-Unterseite:

When you buy an On Demand video, it’s automatically added to your Watch Later queue so you can view it on any compatible device — including your TV in full HD via Apple TV, Samsung smart TVs, Roku, Xbox, and more.

Wie viele Verkaufsplattformen für Filme können das schon von sich behaupten?

Die Preise für die Filme, die die Kreativschaffenden selbst festlegen, reichen von einem Dollar bis zu übertrieben optimistischen 12,99 Dollar.

Clever ist auch die Bindung an den Pro-Account für Filmeanbieter: Das ist nicht nur eine Hürde zur Teilnahme am On-Demand-Angebot, die bereits für eine Vorauswahl bei den Anbietern sorgt, um die sich Vimeo nicht kümmern muss (nur wenige werden zum Spaß Katzenvideos zum Verkauf anbieten), es sorgt auch für eine feste Einnahmequelle, die wiederum erst die ‘sensationell’ niedrigen 10 Prozent ermöglichen, die Vimeo pro Verkauf einbehält. 199$/Jahr für den Pro-Account ist ein genügend hoher Posten, um in die Kostenrechnung für zum Beispiel wenig bekannte  Dokumentarfilmer mit einzufließen, wenn es um die Evaluierung geht ob die Distribution via Vimeo wirtschaftlich sinnvoll ist oder nicht.

Trotzdem: Vimeo ist mit “Vimeo On Demand” eine vielversprechende kommerzielle Option für Filmemacher geworden, nicht zuletzt weil sie kostenlosen user generated content und Inhalteverkauf unter einem (Community-)Dach zu vereinen versucht, was Reichweitengenerierung und Erlöse im Bestfall gegenseitig leichter befruchtbar macht.

Als nächsten Schritt, wenn genügend Filmemacher auf die Plattform mit ihren Filmen kommen, sollte Vimeo eine Flatrate a la Netflix für Endnutzer anbieten und Filmemachern die Teilnahme via Opt-In nahelegen.

Golem wird offen(er)e Publishingplattform und testet neues, umsatzbasiertes Honorarmodell

Golem startet eines der spannenderen Experimente der deutschen (Online-)Medienlandschaft. Die Onlinepublikation öffnet die Plattform für externe Autoren, wird aber nicht zur “User Generated Content”-Plattform. Stattdessen arbeitet man mit externen Autoren zusammen, bietet ihnen die Reichweite des etablierten golem.de und bezahlt diese je nach Text erfolgsbasiert. Die Texte, die Golem auf diesen Weg annimmt, werden weiterhin klassisch redigiert und korrigiert, ‘lediglich’ die Basis der Zusammenarbeit mit Autoren ist neu.

Jens Ihlenfeld auf Golem.de:

Golem.de zählt rund 12 Millionen Visits und 42 Millionen Pageimpressions im Monat und erreicht laut AGOF 1,8 Millionen Unique User. Allein die Homepage von Golem.de wird jeden Werktag rund 600.000-mal abgerufen, denn wir haben eine treue Stammleserschaft, die jeden Tag auf Golem.de guckt. [..]

Wie viel Geld an Autoren ausgeschüttet wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab, zum Beispiel: Wie viele Leser erreicht ein Artikel, wie bekannt ist der Autor und wie viele Fans und Follower bringt er mit, wie viel Arbeit steckt in dem Artikel, wie viel Arbeit muss von uns in den Artikel gesteckt werden, wurde der Artikel bereits an anderer Stelle veröffentlicht und für wie wichtig halten wir ein Thema, ganz unabhängig von der damit erzielbaren Reichweite? Wir schließen auch nicht aus, Projekte mit größerem Aufwand vorzufinanzieren.

In solchen Ansätzen, die zwischen dem klassischen hierarchischen Ansatz und dem offenen Netzwerk liegen, sehe ich enorm viele Potentiale. Golem schlägt hier eine interessante Richtung ein.

Ihlenfeld über die Vorteile, die man sich bei Golem davon verspricht:

Unsere Intention ist es nicht, möglichst günstig an Inhalte zu gelangen, sondern angemessene und damit höhere Honorare für gute Stücke zu bezahlen. Autoren sollen im Gegenzug etwas mehr Risiko übernehmen. Diese veränderte Verteilung von Chancen und Risiken erlaubt es uns, die Kriterien für eine Veröffentlichung leicht zu verschieben und einen Artikel, an den der Autor glaubt und den wir für relevant halten, eher zu veröffentlichen als abzulehnen. Wird der Artikel gut gelesen, wird das Honorar höher ausfallen als bei einem vorher vereinbarten festen Honorar. Interessiert der Artikel die Leser nicht, entstehen uns weniger Kosten, der Autor geht aber auch nicht leer aus.

Die Verteilung des Risikos auf diese Art klingt vielversprechend. Das erlaubt Golem, mehr Experimente einzugehen und führt im Idealfall dazu, dass Autoren mit unterschiedlichsten Hintergründen leichteren Zugang zu Golem und dessen Potentialen (Reichweite, Bezahlung) erhalten.

Es hängt nun natürlich viel daran, wie Golem dieses Modell im Detail umsetzt und ob man damit das Vertrauen guter externer Autoren erlangen und vor allem halten kann. Der direkte Einblick in die internen Statistiken, wie angekündigt, ist ein erster richtiger Schritt. Schwieriger wird es, den passenden Bezahlungschlüssel zu finden.

Disclosure: Ich habe bereits für Golem geschrieben und mein Text wird explizit in der Ankündigung als Beispiel genannt. Das war’s.

Amazon bahnt den Weg für legale Fanfiction

Ok, das habe ich nicht kommen sehen. Jedenfalls nicht zu meinen Lebzeiten:

The new Kindle Worlds platform will enable any author to publish stories based on these characters and then make them available for purchase through the Kindle Store. Amazon will then pay royalties both to the author of the fan fiction and the original rights holder. The standard author’s royalty rate — for fiction that is at least 10,000 words in length — will be just over a third (35 percent) of net revenue.

(Amazon finds a way to monetize fan fiction » Nieman Journalism Lab - via Christoph Koch)

Coworking-Spaceökonomien

Wenn ich mich mit erwachsenen Menschen über Coworking Spaces unterhalte, weiß die eine Hälfte nicht, was das ist, und die andere hält es für halt wieder so ein schillernd-sinnloses Hipster-Ding, das nur in Berlin existieren kann. Die Berichterstattung beschränkt sich bisher weitgehend auf “Viele Freiberufler fühlen sich einsam, wollen nicht alleine arbeiten” oder irgendwas mit Café Oberholz und Latte Macchiato. Dabei gäbe es über Ursachen, Folgen, Entwicklung und Ökonomie der Coworking Spaces viel zu sagen. Einiges davon wird auch gesagt, nämlich im Onlinemagazin deskmag.com, dessen Lektüre auch denen ans Herz gelegt sei, die (so wie ich bis heute Nachmittag) glauben, sie wüssten schon alles, was es über Coworking Spaces zu wissen gibt. Eine Auswahl:

  • Ein bisschen Geschichte und Statistik, Stand August 2012: ”Wir zählten 1779 Coworking Spaces, 93% mehr als letztes Jahr. Knapp 700 davon befinden sich in den USA, etwas mehr als 700 in der EU. Innerhalb der Europäischen Union bleibt Deutschland mit 167 Coworking Spaces an der Spitze. Spanien und Großbritannien legten hier am stärksten zu und besitzen jetzt jeweils 114 und 98 Coworking Spaces.”
  • Update, April 2013: “Mehr als 110,000 Menschen arbeiten heute in einem von knapp 2500 Coworking Spaces weltweit. Gegenüber dem Vorjahr existieren heute 83% mehr Coworking Spaces, die insgesamt 117% mehr Mitglieder betreuen! Auf Werktage umgerechnet, entstanden weltweit in den letzten zwölf Monaten täglich 4,5 neue Coworking Spaces.”
  • Coworking mit Kindern: “Der Coworking Space bietet Plätze für 24 Kinder im Alter zwischen 0 und 8 Jahren und fast genauso viele Arbeitsplätze für ihre Eltern, eine Etage darüber. Mit diesem Kombikonzept räumten die Gründer Shazia Mustafa und ihr Mann, Yusuf Chadun bereits mehrere Auszeichnungen ab.”
  • Kostenlose oder fast kostenlose Coworking-Plätze in den Niederlanden: “Vor vier Jahren erweiterte Seats2Meet das Konzept. Sie schufen große offene Arbeitsbereiche und luden Personen ein, ihren Laptop zu schnappen und vorbeizukommen. Darüber hinaus gibt es mittags ein Buffet sowie Tee und Kaffee so viel man möchte. Das alles steht für die Nutzer kostenlos zur Verfügung.”

Google, der Regenmacher

Google ist in der glücklichen Situation, ein erfolgreiches Werbemodell gefunden zu haben, bei dem (dank Integrierbarkeit, Long Tail, und Erfolg bei der Suchmaschine) sehr große Teile des Webs Komplementärgüter für Google geworden sind.

Das ist nicht ganz einfach zu verstehen. Erst recht nicht, wenn man das etwa auf Android übersetzen will. Horace Dediu hat nun eine gute Metapher für Googles Geschäftsmodell veröffentlicht. Making rain | asymco:

Google tries to make a business succeed through having a huge amount of _flow_ in terms of data, traffic, queries and information that is indexed. So think about this idea of them tapping into a vast stream. The more volume that is flowing through the system the more revenue they generate.

As so given this very rough analogy I try to sharpen it up by saying: imagine it more as a river. And even more than a river, as a watershed, a river basin. Perhaps a giant basin the size of a continent. The business is, let’s say, capturing fish at the mouth of the biggest river, before it exits into the ocean at its delta.

And so your job (as Google) is to catch fish mostly at one point. It’s the most efficient way to catch fish because you have the most flow of water at that point and building nets is not trivial.

But in order for you to improve your business, to create more opportunity, presumably, you want to essentially have more water flowing.

And so how would you do that? Think of the Mississippi river. If you’ve got a net down at the bottom of the river, the question is how would you engineer, through civil engineering, or shaping the earth itself, a way of catching more fish.

The answer I think, in terms of the way Google might be thinking, is that they want to create more sources of water. So they would look to connect tributaries and lakes. “How about having another river join our river?” Let’s make sure that we have “everything east of the Rockies” flow into our river system.

Google, Facebook, Twitter und LinkedIn setzen bei Werbegeschäft auf APIs

TechCrunch:

What Google and Facebook found, and Twitter and LinkedIn are now exploring, is that by offering programmatic access to their ads inventory, third parties solve the problems for them.

In exchange, the platforms allow providers of full-service advertising or ad tool licenses to earn a margin. Typically that comes in the form of a 10 percent to 20 percent cut of total spend by clients that typically goes down the more they spend. Otherwise the margin comes by charging a "cost per action" where clients pay a certain amount per click, download, or certain level of downstream engagement, and the provider keeps the difference between what they paid and what they charged. Sometimes there’s a monthly fee, too. Twitter refused to specify whether there were any restrictions for businesses built on its new ads API, saying "We’re not commenting on partnership terms."

Regardless, the idea is for the platforms to share the wealth, and thereby align their goals with the ad tool and service providers. This way they both can make a fortune when the third parties evangelize the channel. And my oh my can ads APIs bring in the dough.

APIs sind eine skalierende, und deswegen im Zweifel vorzuziehende Form der Geschäftsentwicklung.

Mit der damit verbundenen Aufgabe von Kontrolle haben sich deutsche Webdienste traditionell immer schwer getan, was zu weniger APIs und zu weniger damit verbundenen (Plattform-)Erfolgen geführt hat.

Buchfinanzierung über Sponsoren

Leander Wattig über die Finanzierung des neuen Buches von Robert Scoble und Shel Israel:

Da die beiden aber schon hohe persönliche Reichweiten besitzen, gehen sie einen anderen und sehr interessanten Weg. Sie lassen sich von namhaften Unternehmen wie Microsoft und Autodesk sponsern:

To date, we have raised approximately $100,000. This is about three-times what we heard as a best offer from a traditional publisher. It is enough for me to suspend my consulting practice and focus full time on writing the book and will be sufficient to get it designed, edited and published in hardcover and ebook formats.

Scoble erwähnt noch einen Vorteil des Sponsorings: Dass sie so ebenso flexibel und schnell am Markt sind wie beim ‘normalen’ Self-Publishing, was gerade bei diesem Kontext-Thema wichtig ist

Das könnte tatsächlich ein attraktiver Weg für bereits bekannte, pragmatisch handelnde Autoren werden. Das funktioniert natürlich besser bei Sachbüchern als bei Romanen.

Letzten Endes ist es eine Art Werbefinanzierung für Bücher, wie man sie bereits von anderen kommerziellen Textproduktionen kennt. ( z.B. Blogs oder diese..papiernen Blogs, wie hießen die gleich noch mal?)

It’s free!

Fred Wilson (Mit Union Square Ventures Investor bei Twitter, Delicious vor dem Verkauf an Yahoo, Tumblr, Zynga, Etsy und anderen) über kostenfreie Hauptkomponenten in Geschäftsmodellen:

Wikipedia, Craigslist, YouTube, Flickr, Instagram, Facebook, Twitter, Tumblr, WordPress, etc, etc. There is no value to any of these platforms if the users don’t create the content. The users create the service, curate it, and make it what it is. I do not believe it makes sense to charge users to create the value. We’ve seen folks try this model. Typepad (where this blog is hosted) charges to host a blog. How well did they do? Phanfare charged to host photos. How well did they do? The list could go on and on but I don’t want to focus on failed services.

When scale matters, when network effects matter, when your users are creating the content and the value, free is the business model of choice. And I don’t think anything has changed to make that less true today. If anything, it is more true.

Und Luke Chamberlin in einem Kommentar zu dem Artikel:

The “free” model could also be called the “marginal cost of distribution” model and it’s been with us for a long time.

 [..]

The difference today is that through the internet, the marginal cost of distribution is essentially zero, so they don’t have to sell subscriptions anymore to offset the distribution cost. The other difference is that they have better information about who you are, because they track your behavior online through browser cookies.

People are entitled to the opinion that free, and therefor ad-based, media is bad, but they need to be reminded that it’s not a new model, and has in fact been the dominant model all along.

Stilanzeigen: Deutsches Werbenetzwerk im Stil von “The Deck”

 Vor ein paar Tagen hatte ich noch beklagt, dass es kein Werbenetzwerk in Deutschland gibt, das Nische und Qualität in Blogs für eine dezente, aber effiziente Art der Werbung nutzt, so wie es The Deck erfolgreich in den USA macht.

The Deck arbeitet bewusst mit Blogs zusammen, die qualitativ hochwertig sind und in ihrer Nische Autorität haben. Auf Daring Fireball kann man die unaufdringliche Werbung sehen. Weitere Beispiele finden sich direkt bei The Deck. Da The Deck auf den teilnehmenden Sites exklusiv läuft, kann es höhere Preise verlangen. 

Mit Stilanzeigen scheint sich endlich ein deutsches Team an einer hiesigen Umsetzung dieses Prinzips zu versuchen:

Das Anzeigenbild muss in einer Bilddatei (zB. JPG, PNG, GIF) mit den Maßen 130px (horizontal) zu 100px (vertikal) angeliefert werden. 

[..]

Da wir unseren Werbekunden exklusiv den einzigen Werbeplatz auf den Blogs anbieten möchten, ist andere Bannerwerbung leider nicht erlaubt. Davon ausgenommen sind gesponserte Blogpostings, die Bewerbung von eigenen Produkten und/oder nicht vergütete Anzeigen auf andere Projekte/Websites/Blogs.
Diese Exklusivität bietet den großen Vorteil, dass wir einen höheren TKP für dich aushandeln können.

Außerdem unterteilt Stilanzeigen die teilnehmenden Blogs in Themen:

Wir kategorisieren Blogs zu themenspezifischen Netzwerken, z.B. Fotoblogs.

Das klingt gut. Bedauerlich ist lediglich das Festhalten an der unsinnigen TKP-Währung. Zugeständnisse an die Umstände hierzulande sind auf diese Art aber wohl notwendig.

Felix Schwenzel von wirres.net ist von Populis zu Stilanzeigen gewechselt:

seit einigen monaten überlegte ich die zusammenarbeit mit populis zu beenden oder ruhen zu lassen und vielleicht zu versuchen mich selbst zu vermarkten. letzte woche habe ich mich dann entschieden, wenn man mich dort haben wollte, bei stilanzeigen mitzumachen. stilanzeigen sagte mir zu, allerdings auch, dass sie derzeit nicht besonders viele (keine) kampagnen hätten. man arbeite an der aquise. auch wenn die erfahrung dem widerspricht, hoffe ich doch sehr, dass viele werbetreibende, vermarkter oder aufmerksamkeitsbedürftige das einleuchtende konzept von stilanzeigen zu würdigen wissen und dort viele anzeigen kaufen. und ich hoffe natürlich, dass viele andere blogger sich das mal ansehen.

Populis, vorher mokono, wollte nach der Übernahme von Adnation, vorher Adical, dieses als Premiumkanal weiterführen. Wenn die Werbeangebote, die ich über Adnation bekomme, Premium sind, dann möchte ich nicht die anderen Kampagnen sehen.

Letztlich hat Adnation/Adical das anfangs aufgestellte Versprechen nicht erfüllen können. Stilanzeigen hat zum einen mit der Orientierung an dem simplen und deswegen effizienten Konzept von The Deck und der heute sehr viel bessseren Situation der professionellen Blogs in Deutschland bessere Chancen auf Erfolg. Einfach wird es allerdings trotzdem nicht.

(Disclosure: Ich bin nicht bei Stilanzeigen und habe mich auch noch nicht darauf beworben. Ich denke aber aus ähnlichen Gründen darüber nach aus denen Felix Schwenzel gewechselt ist.)

Twitters Kampf gegen die eigene Plattform geht in die nächste Runde

Twitter hat am letzten Freitag neben dem Ende der Kooperation mit LinkedIn bekanntgegeben, dass in den nächsten Wochen striktere API-Regeln eingeführt werden.

AllThingsD berichtet über die wahrscheinlichen Konsequenzen, die ein weiteres Ausbluten der Twitter-Clients bedeuten könnten:

While ending the LinkedIn deal was big, I’ve heard from several sources that we should expect more of the same in the not-too-distant future. Just give a close read to product manager Sippey’s blog post, which went up just minutes before LinkedIn’s post. Sippy’s missive contains some especially strong wording, a harbinger of what’s to come for other developers:

“…we’ve already begun to more thoroughly enforce our Developer Rules of the Road with partners, for example with branding, and in the coming weeks, we will be introducing stricter guidelines around how the Twitter API is used,” Sippey wrote.

Das ist lediglich die nächste Runde des Kampfes, den Twitter gegen die eigene Plattform führt, weil sie in ihrer aktuellen Form nicht mehr mit dem gewählten Geschäftsmodell kompatibel ist. Warum Twitter das macht und warum es für den Dienst nicht die beste Richtung ist, hatte ich in den letzten Jahren seit der Übernahme des Twitter-Clients Tweetie bereits mehrfach ausgeführt.

Hier die Kurzform: Das auf Werbung setzende Geschäftsmodell setzt voraus, dass die User die Werbung auch sehen. Wer weder die Website noch einen der offiziellen Clients benutzt, bleibt außen vor. Ab einem bestimmten Anteil an Nutzern wird das für Twitter inakzeptabel. Twitter muss also entweder die über Clients stattfindende Nutzung seines Netzwerks mit den eigenen Angeboten dominieren oder sie anderweitig kontrollieren. Daraus folgt der Verlust des Mehrwerts der Plattform für das Unternehmen wie seine Nutzer.

Der höchstwahrscheinlich nächste Schritt von Twitter, den ich seit längerem erwarte: Twitterclient-Anbieter, die mit ihren Angeboten eine normale Twitter-Nutzung abdecken, müssen die Werbeformen und andere ‘Features’ wie etwa Trending zwingend auf eine von Twitter vorgegebene Art integrieren. Angekündigt wird das indirekt bereits mit dem PR-Geschwurbel der ‘consistent Twitter experience’. Wie diese Vorgabe aussehen wird? Analog zu denen in den offiziellen Twitter-Clients. Twitter macht bereits über die Hälfte der Werbeeinnahmen über mobile Wege (Website, eigene App). Auf Smartphones dominieren Clients noch mehr als am Desktop. Der Schritt war unvermeidbar für ein rein auf Werbung fokussiertes Twitter.

Den Niedergang der Twitterplattform verfolge ich seit April 2010. Hier die Analysen in chronologischer Reihenfolge:

Das Problem für Twitter: Die für das Geschäftsmodell notwendige stärkere Kontrolle des User Interface steht diametral der Position von Twitter im Internet gegenüber.

Sichtbar wird das etwa am ersten Opfer, der Kooperation mit dem Businessnetzwerk Linkedin. Natürlich will Twitter lieber nicht, dass Tweets auf Linkedin statt auf dem werbefinanzierten Twitter gelesen, kommentiert und weiter verarbeitet werden. Aber erstens ist das Senden von Tweets an Linkedin dank Diensten wie ifttt ohnehin auch weiterhin einfach möglich, und zweitens, was wesentlich wichtiger ist, gehört dieses Multihoming für Poweruser zu den wichtigeren Eigenschaften des Mikrobloggingdienstes.

Das Dilemma: Twitters Position als einfacher Dienst ist auf die externen Erweiterungen über die API angewiesen. Jede kleinste Änderung am Kernprodukt kann sich sofort in der Nutzung bemerkbar machen und weitreichende Auswirkungen haben. Kein anderer Dienst, der auch nur ein Zehntel der Größe von Twitter erreicht hat, stand je vor diesem Problem in dieser Größenordnung.

Wahrscheinlich haben auch die Risikokapitalgeber diese Sonderstellung von Twitter bei ihren Bewertungen ignoriert. (Bei aller persönlicher Begeisterung dem Dienst als Nutzer gegenüber erschien mir Twitter immer als der am extremsten überbewertete Dienst der Web2.0-Ära. Bemerkenswerterweise sehen das bis heute die wenigsten Beobachter ähnlich, obwohl die Zeichen immer deutlicher werden.)

Diese Sonderposition von Twitter macht eine vertikale Integration strategisch genau so gefährlich wie das für andere Dienste offensichtliche Geschäftsmodell Werbung. Twitter hätte ein Grundstein der Webarchitektur werden können. Es hätte Geschäftsmodelle wie Yammer verfolgen können, das just für eine Milliarde US-Dollar von Microsoft übernommen wurde. Twitter hätte, genauer gesagt, in jede Richtung gehen können, die das asymmetrische Followerprinzip erlaubt; von Instagram bis Moped. Auch mit Nebenprodukten, die das Haupttwitter nur noch als Distibutionskanal und Identitätshub nutzen. Das alles wäre auf den ersten Blick riskanter erschienen, aber mit einem konsequenten Plattformansatz bei all diesen Richtungen aller Voraussicht nach erfolgreicher gewesen als die seit längerem eingeschlagene werbezentrische Richtung, die offensichtlich diesen Sommer zum lange erwarteten großen Clash führen wird. Gemeinsam mit Werbung als einer Einnahmequelle von vielen hätte Twitter sich mit diesem Ansatz tief in das Web verankern können. (Etwas, dass das aus unerfindlichen Gründen sehr viel stärker kritisierte Facebook erfolgreich macht.)

Tatsächlich scheint es laut Dalton Caldwell intern bei Twitter zwischen diesen zwei Ansätzen eine Debatte gegeben zu haben, deren Ausgang heute bekannt ist:

As I understand, a hugely divisive internal debate occurred among Twitter employees around this time [ca. 2008/2009]. One camp wanted to build the entire business around their realtime API. In this scenario, Twitter would have turned into something like a realtime cloud API company. The other camp looked at Google’s advertising model for inspiration, and decided that building their own version of AdWords would be the right way to go.

As you likely already know, the advertising group won that battle, and many of the open API people left the company.

Dalton Caldwell kommt zu dem gleichen Schluß, zu dem auch ich vor einiger Zeit gekommen bin:

While I can understand why the latter camp wanted to build an ad-based business, the futurist in me thinks this was a tragic mistake. If you are building an advertising/media business, it would then follow that you need to own all of the screen real-estate that users see. The next logical step would be to kill all 3rd-party clients, and lock down the data in the global firehose in order to control the “content”.

Dass Twitter die Ankündigung an einem Freitag Nachmittag veröffentlicht hat, zeigt, dass das Unternehmen weiß, welchen Shitstorm bei Entwicklern und Usern die eingeschlagene Richtung mit sich bringen wird. Eine gefährliche Richtung: Die Monetarisierung steht bei Twitter heute vor den Interessen der Entwickler und der User, und damit also der Plattform. Die Plattform hat Twitter groß gemacht. Das weiß man spätestens seit 2007. Ein plattformfeindliches Geschäftsmodell könnte bedeuten, dass Twitter wieder in die Bedeutungslosigkeit abrutscht.

Wenn Zahler und Nutzer sich nicht komplett überschneiden

Internetdienste sind mehrheitlich für Endkunden kostenfrei nutzbar, entweder weil sie auf Werbung setzen wie Facebook oder Google oder auf Freemium und ähnliche Modelle wie Evernote, spendenfinanziert sind wie Wikipedia oder auf Open Source setzen, wie Linux, das im Serverbereich dominiert.

Das hat verschiedene volkswirtschaftliche Auswirkungen:  Viele Internetangebote greifen bestehende Märkte an, ohne in das Portemonnaie der Endnutzer zu greifen. Das Geld für Kosten und Profit der Internetdienste muss auch irgendwo herkommen, kommt dann aber eben von der Seite, also in der Regel von anderen Unternehmen. Oder gar nicht, wie bei Linux bzw. dort über Beratung/Support und bei Wikipedia über Spenden. Allen gemein ist, dass Zahler und Nutzer sich nicht komplett überschneiden.

Interessanter Nebeneffekt: Zusätzlich, weil keine direkten Geldflüsse zum Endnutzer existieren, wird der Wohlfahrtszuwachs von Wikipedia über Linux bis Google auch nicht im Bruttoinlandsprodukt sichtbar. Deswegen kommen die kulturkonservativen Kräfte von CDU bis Handelsblatt auch mit der Aussage durch, das Internet und seine Ökonomie würden nur zerstören ohne zu schaffen.

Direkte Bezahlung für Kulturprodukte ist nicht das Entscheidende, die gesamte Kulturwirtschaft ist es

Sascha Lobo auf Spiegel Online sehr lesenswert über ACTA:

Der Protest gegen Acta war ein Protest dagegen, wie eine unzureichend informierte, wenig diskussionsfreudige Politik sich intransparent von Lobby-Gruppen eine Vorgehensweise diktieren lässt, die mit der eigenen digitalen Lebenswelt überkreuz liegt.

[..]

Und genau hier tun sich eine Reihe gefährlicher Abgründe auf. Es beginnt damit, dass die Art, wie Acta und seine Brüder geboren werden, das ohnehin schon geringe Vertrauen in die Apparate der EU erschüttert. Was angesichts der derzeitigen Probleme des Kontinents gleich nach Überdachung des Mittelmeers das zweitdümmste ist, was passieren kann. Es geht weiter damit, dass eine Generation lernt, dass Politik sich nicht nur nicht an ihrer Lebenswelt orientiert – das wäre ja nur Politikverdrossenheit – sondern ihren Alltagserkenntnissen und Bedürfnissen dazu noch entgegensteht. Das schürt regelrechte Politikablehnung.

Und weiter:

alles urheberrechtliche Streben im Digitalen lässt sich zusammenstreichen auf eine simple Frage: Bezahlt jemand Geld für Kulturprodukte im Netz?

Sascha Lobo sieht die Antwort nicht nur bei Ja sondern sieht im Anstieg der Einnahmen aus den direkten Verkäufen auch die Lösung für das aktuelle Problem.

Das stimmt: Wenn ich ein Tonträgerunternehmen leite, dann will ich Tonträger verkaufen. Wenn niemand mehr CDs kauft, dann kann ich auch einfach statt CDs Dateien verkaufen. Der Verlierer ist dann nur das Presswerk als Subunternehmer oder Abteilung im Konzern.

Meine Prozesse müssen ansonsten (vermeintlich) kaum angepasst werden. Mein Verständnis vom Markt, in dem ich mich befinde, bleibt gleich: Ich verkaufe Kopien.

Das Problem liegt nun aber darin, dass wir als Gesellschaft Tonträgerunternehmen nicht brauchen. Wir brauchen auch keine Presswerke oder Druckereien.

Wir müssen keinen Tonträgermarkt schützen. Wir müssen nicht das bedruckte Papier vor dem Untergang reden.

Wir haben als Gesellschaft keine Verpflichtung bestimmte Unternehmen und ihr Geschäftsmodelle zu schützen.

Wir haben die Telegraphenhersteller nicht vor dem Telefon beschützt. Wir haben kein Faxleistungsschutz mit dem Aufkommen der Email eingeführt. Wir haben uns nicht um die Kutschenhersteller gekümmert, als Automobile aufkamen.

Wir haben allerdings als Gesellschaft ein Interesse daran, dass Kreative weiter Kultur schaffen und davon auch leben können.

Viele Studien (ein jüngeres Beispiel) zu den gesamten Umsatzzahlen der kompletten Kreativbranchen, also Musikbranche statt Tonträgermarkt, Filmbranche statt DVD- und Blu-Ray-Verkauf, zeigen steigende Zahlen für die letzten Jahre auf.

Diese steigen über den gesamten Kulturmarkt. Einzelne Bereiche, diejenigen, die wir als Gesellschaft nicht mehr benötigen (für die es eine stetig sinkende Nachfrage gibt), gehen zurück. Nicht der gesamte Kulturmarkt, nicht der gesamte Entertainmentbereich, denn diese wachsen.

Das Problem, und es ist eben ein Geschäftsmodellproblem, ist das unbedingte Festhalten an der direkten Bezahlung für die Nutzung eines Kulturprodukts. Der Verkauf von Musikaufnahmen und von Büchern war schon immer nur für einen kleinen Prozentsatz aller Kreativer das Standbein, von dem sie tatsächlich leben konnten.

Dieses schon immer kleine Standbein wird auf keinen Fall größer werden, wenn die Kunden selbst die Verbreitung und den Zugang übernehmen können. Und das ist kein Problem, wie Studien zu den Gesamtumsätzen zeigen!

Oder anders: Angenommen heute würde Musik erfunden werden, welche ersten Geschäftsmodelle würden gewählt? Der Verkauf einer Aufnahme? Was wäre mit Film, mit Büchern, wenn sie erst mit dem Internet aufkämen?

Sich auf darauf zu versteifen, bedeutet, die vielen anderen, oft erfolgversprechenderen Möglichkeiten zu ignorieren.

Siehe zum Thema auch: Erfolgversprechende Geschäftsmodelle im Filesharing-Zeitalter.

xkcd: ‘Ich verdiene Geld, weil ich meine Comics verschenke.’

Auf der Startseite des populären Webcomics xkcd findet sich heute wie auf vielen Websites ein Hinweis auf das geplante US-Gesetz SOPA:

Sopa

xkcd-Macher Randall Munroe ist klar als proffesioneller Kreativer zu verorten. Er lebt davon, ‘geistiges Eigentum’ zu erschaffen. Im Gegensatz zu vielen anderen von Urheberschaft lebenden Menschen oder jene, die das versuchen, und Rechteverwertern hat er allerdings ein Geschäftsmodell gefunden, das den aktuellen technologischen Möglichkeiten nicht entgegen steht.

2009 kündigte Munroe ein Buch an, aufbauend auf die Reichweite, die er über den Webcomic erreicht hat. New York Times seinerzeit via Techdirt:

Publishing a book is an extension of the selling of items like T-shirts and posters, which pays the bills, he said, to a “free culture” mind-set about the cartoons themselves. “We have been encouraging people to share things, saying that it is a good business decision,” he said….
One trick in transferring the material from online to print has been how to recreate the “title text” that comments on the strip when your cursor hovers over it.
“It’s not supposed to be a punch line, but hopefully if you didn’t laugh, you’ll laugh at this,” he said. The title text will appear where the tiny copyright notice would appear on a traditional strip.
Does that mean that the book won’t carry a traditional copyright and instead take its lead from the online comic strip itself, which Mr. Munroe licenses under Creative Commons, allowing noncommercial re-use as long as credit is given?
“To anyone who wants to photocopy, bind, and give a copy of the book to their loved one — more power to them,” he said. “He/She will likely be disappointed that you’re so cheap, though.”

(Hervorhebung von mir)

New York Times schlussfolgerte:

In fact, the xkcd story previews the much more likely future of books in which they are prized as artifacts, not as mechanisms for delivering written material to readers. This is print book as vinyl record — admired for its look and feel, its cover art, and relative permanence — but not so much for convenience.

Das xkcd-Buch kann man mittlerweile unter anderem auf Amazon (Affiliate-Link) kaufen.

Louis CK macht mit DRM-freien Verkauf von “Live at the Beacon Theater” 200.000$ Gewinn in 3 Tagen

Der Standup-Comedian Louis CK hat am Samstag über seine Website angefangen, das Video zu seinem Standup “Live at the Beacon Theater” zu verkaufen. Ohne DRM, ohne Zwischenhändler, für 5 Euro.

Bereits nach 12 Stunden erreichte er Break Even. Nach 3 Tagen kommt er auf einen Gewinn von 200.000 US-Dollar.

Louis CK:

The show went on sale at noon on Saturday, December 10th. 12 hours later, we had over 50,000 purchases and had earned $250,000, breaking even on the cost of production and website. As of Today, we’ve sold over 110,000 copies for a total of over $500,000. Minus some money for PayPal charges etc, I have a profit around $200,000 (after taxes $75.58). This is less than I would have been paid by a large company to simply perform the show and let them sell it to you, but they would have charged you about $20 for the video. They would have given you an encrypted and regionally restricted video of limited value, and they would have owned your private information for their own use. They would have withheld international availability indefinitely. This way, you only paid $5, you can use the video any way you want, and you can watch it in Dublin, whatever the city is in Belgium, or Dubai. I got paid nice, and I still own the video (as do you). You never have to join anything, and you never have to hear from us again.

Erkenntnisse:

  • Man kann in der Regel mehr Gewinn ohne Zwischenhändler machen. Das Video wird schließlich weiterverkauft. Louis CK wird künftig mehr direkt über die Website direkt an die Fans vertreiben.
  • Man kann so sein Produkt günstiger anbieten.
  • DRM-frei führt nicht zu sinkenden Einnahmen, nur weil damit Filesharing einfacher wird. Die Einnahmen steigen im Gegenteil aus offensichtlichen Gründen (Wert für Käufer ist höher).

Viele Käufer dürften aus Respekt bezahlt haben und nicht, weil sie die Show nicht auch einfach wo anders hätten kaufen können. Louis CK hat das (wahrscheinlich eher unbewusst) auch so verkauft. Als Unterstützung für künftige ähnliche Vorhaben:

I would like to be able to post more material to the fans in this way, which makes it cheaper for the buyer and more pleasant for me. So, please help me keep this being a good idea. I can’t stop you from torrenting; all I can do is politely ask you to pay your five little dollars, enjoy the video, and let other people find it in the same way.

(via The Next Web)