Google Glass oder wie ‘Duke Nukem Forever’ die Welt veränderte

Duke Nukem war eine populäre Spielereihe in den Neunzigern des letzten Jahrhunderts. 1996 wurde Duke Nukem Forever als nächstes Game der Serie angekündigt. Duke Nukem Forever wurde die folgenden Jahre zu einem running gag unter Gamern und Geeks, weil es mit konstanten Ankündigungen und Verzögerungen das beste Beispiel für ‘Vaporware’ wurde; für ein angekündigtes Produkt, das nicht auf den Markt kommt. Duke Nukem Forever kam schließlich heraus, als niemand mehr damit rechnete. Nämlich 2011, 15 Jahre nach der Ankündigung. In Spielbranchenjahren ist das vergleichbar mit einem 2011 in die Kinos kommenden Film, der 1950 angekündigt wurde. Duke Nukem Forever ist, um die Tragödie zu vervollständigen, kein gutes Spiel geworden.

Bevor Duke Nukem Forever herauskam, konnte niemand vorhersagen, ob das Spiel gut oder schlecht wird, oder ob es überhaupt jemals herauskommt. Nichts an Duke Nukem Forever war von außen vorhersehbar. Es kommt 2011 heraus, ist abstoßend sexistisch und rundherum ein schlechtes Spiel? Wer hätte das in den Jahren davor vorhersagen können?

Wearable Computers, also kleine Computer, die man immer dabei hat, die man trägt wie die eigene Kleidung, werden eine wichtige Kategorie in der Post-PC-Welt, in der wir uns zunehmend bewegen.

Wie diese Kategorie aussehen wird, ist noch relativ offen. Es ist unbekanntes Terrain. Google pusht allerdings recht erfolgreich sein eigenes Google-Glass-Projekt und die Tech-Beobachter, Journalisten wie Blogger, sind weltweit begeistert. Weil Computer im Gesicht, Panik, Zukunft, alles anders, schlechter, besser, hurra, Pageviews.

Beispielsweise sind auf netzwertig.com allein bisher 12 Artikel über Google Glass erschienen, auf Mobilegeeks über 15 Artikel. Und sie sind nicht allein. Google News zählt bereits 80.000 Erwähnungen von Google Glass. Es wurden also unzählige Artikel verfasst, ein Großteil davon Spekulationen über die gesellschaftlichen Auswirkungen, über ein Produkt, das weder am Markt ist, noch von dem bekannt ist, zu welchem konkreten Preis und mit welchen Spezifikationen es erscheinen wird.

Jetzt bastelt Google, das selbst nur marginale Hardwareerfahrungen hat, an einem Computer, der der erste seiner Kategorie sein wird. Es ist weder bekannt, wie Google Glass ausgestattet sein wird, welche unterschiedlichen Preisstufen es geben wird, noch welche Batterieleistung man etwa erwarten kann. Carsten Drees steigt also folgerichtig in den jüngsten Google-Glass-Artikel auf Mobilegeeks mit diesem Satz ein: ”Google Glass wird eine große Nummer, dessen bin ich mir sicher.”

Es gibt nichts, dessen man sich bei Google Glass aktuell sicher sein kann.

Vor allem nicht, ob Google Glass tatsächlich das gesellschaftliche Erdbeben auslösen wird, von dem so viele Beobachter auszugehen scheinen. Wenn überhaupt, dann deutet diese bizarre Debatte im Vorfeld des  Produktlaunchs (<- die letzten Wörter formen einen Euphemismus) darauf hin, dass die Unterkategorie Smartbrille nicht die populärste Form von Wearable Computing wird, weil Kontroverse und damit Unpraktikabilität bereits eingebaut sind. Ich persönlich glaube, dass Smartwatches als Kategorie sehr viel besser geeignet sind populär zu werden, aber das ist ein Thema für einen anderen Artikel.

Smartbrillen (ja, gewöhnt euch daran) sehe ich nicht im Alltag von Menschen ankommen, die keine verrückten Geeks sind. Zumindest nicht in absehbarer Zeit. Ich sehe die Anwendungsfälle für Smartbrillen eher wie John Gruber bei spezifischen Szenarien wie in der Chirurgie oder ähnlichen Situationen, in denen eine Computerunterstützung sinnvoll ist, die Inputmöglichkeiten aber beschränkt sind.

Das ist natürlich weitaus unaufregender als die Vorstellung einer Gesellschaft, in der jeder eine Kamera im Gesicht hat.

Google Glass soll am Anfang voraussichtlich um 1.500 US-Dollar kosten. 1.500 US-Dollar, vielleicht ein bisschen mehr, vielleicht ein bisschen weniger.

Wie lang wird die Batterie von Google Glass halten? 5 Stunden? 10? 15?

Wie viele Personen werden sich Google Glass kaufen, wenn es in einem oder zwei Jahren vielleicht auf ein Drittel fällt? Kann der Preis überhaupt so schnell so weit fallen? Wären 500 US-Dollar, für die man bereits gute Tablets bekommt, dann schon ein Schnäppchen? Wie leicht kann Google Glass im Alltag kaputt gehen? Wer übernimmt den Hardware-Support? Google?

Wie viele Millionen Menschen werden weltweit einen teuren Brillencomputer kaufen, der leicht kaputt geht und dessen tatsächliche Nutzung auf wenige Stunden beschränkt ist? “Millionen”?

Wie kann man all diese Fragen ausblenden und sich allein auf die PR von Google stützen? Ist es die Angst, einmal nicht das nächste große Ding voherzusagen und deshalb lieber im Zweifel alles als das nächste große Ding zu sehen?

Es wäre einfacher gewesen, das 2011er Duke Nukem Forever vorherzusagen als die Marktchancen und, noch eine Nummer größer, die gesellschaftlichen Implikationen eines erfolgreichen Google Glass. Die unbekannten Variablen bei Google Glass könnten vielfältiger kaum sein.

“Wer heute täglich über Google Glass spekuliert, spekulierte auch: -2009 über die Auswirkungen von Microsoft Surface auf die Tischindustrie.”

Microsoft Surface war ursprünglich ein Tisch mit einem großen Multitouch-fähigen Monitor bevor das Tisch-Projekt zu PixelSense umbenannt wurde, weil Microsoft eine Antwort auf das iPad und für diese Antwort wiederum eine passende Marke brauchte. Als Microsoft 2007 seinen Surface-Tisch mit Video vorstellte, bekamen sie unglaublich viel Aufmerksamkeit in der  Presse dafür. Der Surface-Tisch spielt heute keine Rolle. Nirgendwo. Ich wäre überrascht, wenn Microsoft in den sechs Jahren seit der Vorstellung weltweit eine hohe vierstellige Zahl der Tische verkaufen konnte.

Prototypen spielen keine Rolle.

Designstudien spielen keine Rolle.

Und es spielt besonders keine Rolle, was Unternehmen den lieben langen Tag gern ankündigen.

Und das alles spielt erst recht keine Rolle, wenn man über die gesellschaftlichen Auswirkungen von Produkten oder Technologien sprechen möchte. Nicht Konzepte entscheiden über die gesellschaftlichen Implikationen, sondern die Inkarnationen der Konzepte, also die Produkte. Apple ist das beste Beispiel dafür: Apple war weder der erste Hersteller von mobilen Musikplayern, von Smartphones noch von Tablets. Aber in allen drei Kategorien war es die konkrete Umsetzung, die die Musikindustrie (iPod) und das mobile Web (iPhone) und schließlich die Computerbranche (iPad) und mit ihr sehr viel mehr veränderte. Diese konkreten Produkte hatten in den entscheidenden Dimensionen der Nutzung (Handhabbarkeit, Features, Kompromisse für die konkreten Einsatzzwecke) genau die richtigen Ausprägungen. Und zu diesen Dimensionen zählen langweilige Aspekte wie Preis und Akkulaufzeit. Zwei Langweilerthemen, die gern im Techsektor übersehen werden aber den Unterschied zwischen Hit und Flop ausmachen können. (Bezeichnenderweise wurden alle drei Produkte mit mal mehr, mal weniger ausgeprägtem Gähnen in der Techpresse begrüßt.)

 “Wenn Ihr fertig seid mit Google Glass würde mich dringend interessieren, welche Folgen die Singularität auf den Finanzmarkt haben wird.”

Die anhaltende, spekulative Berichterstattung über Google Glass ist ein erneuter Tiefpunkt der Tech-Berichterstattung. Wie so oft in letzter Zeit bewegen sich die populären Techblogs dabei leider qualitativ auf einem ähnlich niedrigen Niveau wie die klassischen Medien.

Wie werden Apple und Google auf Facebook Home antworten?

Zu den spannenden Folgen von Facebook Home zählen neben der Tatsache, dass Facebook endlich eine Antwort auf das mobile Web gefunden hat, vor allem die Fragen, wie Google und Apple auf ein erfolgreiches Facebook Home reagieren werden.
Apple Outsider fasst die Situation gut zusammen:

At the least, I expect an increased emphasis from Google on the virtues of “stock” Android, and an increased push to make that consistent for consumers. This is already underway on both OEM and developer fronts, but Facebook’s lurking presence will force the issue that much harder.

Home’s to-be-determined success could also force Apple’s hand. Such a product is neither technically nor legally feasible on iOS at the moment, and Facebook’s integration into iOS 6, while powerful, is much less than Facebook Home provides on Android, and thus presumably much less than Facebook wants on iOS. As I said last week, if too many consumers start considering Facebook Home a deal breaker, Apple may need to make some moves of its own. How many consumers that is, and whether they’ll in fact get on board, remains to be seen. All of this just underscores what’s at stake for everyone — Facebook most of all. With just one announcement, Facebook has made itself a strategic stakeholder in the mobile landscape. It’s no longer just a website and an app.

Google knew what it was doing when it made and marketed Android as an “open” system. It surely anticipated forks by handset makers as a manageable risk as long as Google kept advancing the system. But I wonder if it expected something like Facebook Home: an inside-out heist, made by a company after the same exact user data and advertisers Google is after. How it chooses to respond in the near future should give us an answer.

Google, der Regenmacher

Google ist in der glücklichen Situation, ein erfolgreiches Werbemodell gefunden zu haben, bei dem (dank Integrierbarkeit, Long Tail, und Erfolg bei der Suchmaschine) sehr große Teile des Webs Komplementärgüter für Google geworden sind.

Das ist nicht ganz einfach zu verstehen. Erst recht nicht, wenn man das etwa auf Android übersetzen will. Horace Dediu hat nun eine gute Metapher für Googles Geschäftsmodell veröffentlicht. Making rain | asymco:

Google tries to make a business succeed through having a huge amount of _flow_ in terms of data, traffic, queries and information that is indexed. So think about this idea of them tapping into a vast stream. The more volume that is flowing through the system the more revenue they generate.

As so given this very rough analogy I try to sharpen it up by saying: imagine it more as a river. And even more than a river, as a watershed, a river basin. Perhaps a giant basin the size of a continent. The business is, let’s say, capturing fish at the mouth of the biggest river, before it exits into the ocean at its delta.

And so your job (as Google) is to catch fish mostly at one point. It’s the most efficient way to catch fish because you have the most flow of water at that point and building nets is not trivial.

But in order for you to improve your business, to create more opportunity, presumably, you want to essentially have more water flowing.

And so how would you do that? Think of the Mississippi river. If you’ve got a net down at the bottom of the river, the question is how would you engineer, through civil engineering, or shaping the earth itself, a way of catching more fish.

The answer I think, in terms of the way Google might be thinking, is that they want to create more sources of water. So they would look to connect tributaries and lakes. “How about having another river join our river?” Let’s make sure that we have “everything east of the Rockies” flow into our river system.

Google zerbricht an Facebook

James Whittaker, ein ehemaliger Google-Mitarbeiter, warum er Google verlassen hat:

The Google I was passionate about was a technology company that empowered its employees to innovate. The Google I left was an advertising company with a single corporate-mandated focus.

Über die Gründe der Veränderung:

Google could still put ads in front of more people than Facebook, but Facebook knows so much more about those people. Advertisers and publishers cherish this kind of personal information, so much so that they are willing to put the Facebook brand before their own. Exhibit A: www.facebook.com/nike, a company with the power and clout of Nike putting their own brand after Facebook’s? No company has ever done that for Google and Google took it personally.

Larry Page himself assumed command to right this wrong. Social became state-owned, a corporate mandate called Google+. It was an ominous name invoking the feeling that Google alone wasn’t enough. Search had to be social. Android had to be social. You Tube, once joyous in their independence, had to be … well, you get the point. Even worse was that innovation had to be social. Ideas that failed to put Google+ at the center of the universe were a distraction.

Suddenly, 20% meant half-assed. Google Labs was shut down. App Engine fees were raised. APIs that had been free for years were deprecated or provided for a fee. As the trappings of entrepreneurship were dismantled, derisive talk of the “old Google” and its feeble attempts at competing with Facebook surfaced to justify a “new Google” that promised “more wood behind fewer arrows.”

Unternehmenskulturen sind eigenwillige Biester. Einmal Verlorenes lässt sich in der Regel nie wieder zurückbekommen. Und Google unter Larry Page macht nun seit längerer Zeit einen radikalen Kurswechsel durch, der auch und gerade bei den talentierten Mitarbeitern, denen die Headhunter im Valley die Buden einrennen, verbrannte Erde zurücklassen dürfte.

Ich glaube, Markus Spath war es, der einmal gesagt hat, dass die alten Werte von Google ebenda nicht sonderlich hoch geschätzt worden wären, wenn bereits beim ersten ernsthaften Konkurrenten sofort alles über Bord geworfen würde.

Da hatte er nicht unrecht. Überraschend dabei ist allerdings, dass dem Artikel von Whittaker zufolge ausgerechnet Eric Schmidt die Innovationsfahne hochgehalten habe und der Mitgründer und zurückgekehrte CEO Larry Page all das Geschaffene nun im Angesicht des Todes von Facebook umkrempelt.

Ganz so, als sei so vieles von dem, was Google vorher ausmachte, nur ein großer Irrtum gewesen.

Update: Mir ist erst nach der Veröffentlichung aufgefallen, dass der Artikel nicht vom März diesen Jahres sondern von März 2012 ist. Das ändert aber wenig an den Aussagen. Ganz im Gegenteil bestätigen die jüngsten Aktionen von Google, wie das Ende vom Google Reader und das Abschalten der CalDAV-API, die Aussagen im Text. /Ende des Updates

Facebook dominiert in Deutschland, Twitter hechelt hinterher

Jens Schröder im Blog von 10.000 Flies:

Schaut man nun auf die drei sozialen Netzwerke, so ergeben sich große Unterschiede: 6,1 der 7,5 Mio. Flies gehen nämlich auf das Konto von Facebook, 1,2 Mio. auf das von Twitter und Google+ erreicht nur 240.000 der 7,5 Mio. Flies. In Prozentanteile umgerechnet, waren also 81,4% der Februar-Flies Likes, Shares und Kommentare bei Facebook, 15,4% waren Links innerhalb von Tweets und 3,2% Klicks auf den +1-Button von Google.

Interessante Zahlen, die untermauern, was die meisten bereits vermuten dürften. Facebook dominiert, Twitter hechelt hinterher, Google+ ist abgeschlagener Dritter.
Bessere Zahlen zur Nutzung von Social Networks wird man in Deutschland nicht bekommen.

Das Ende von Google Reader ist schlecht für Google, gut für die Nutzer

“No one uses Google Reader anymore & I follow all of them.” – Tim Maly

Greaderlogo

Mit dem bekannt gemachten Ende des Google Reader am 1.7. diesen Jahres hat Google eine kleine Schockwelle durch die Ecken des Social Web gesendet, die von Bloggern und Journalisten bevölkert werden. Nach einem anfänglichen Schock, ich nutze Google Reader seit 2007 täglich und intensiver als mit Abstand jeden anderen Webdienst, sehe ich das Ende des Feedreaders von Google als die bis dato beste Technachricht des Jahres. Let me explain.

Gut für die Nutzer

Als Google 2011 mit den Shared Items ein sehr beliebtes rudimentäres Sharingnetzwerk, das innerhalb des Readers stattfand, schloss war die Trauer bei vielen Nutzern bereits recht groß. Viele, ich eingeschlossen, konnten nicht nachvollziehen, wie Google, das verzweifelt einen Einstieg in die Welt der Social Networks suchte, ausgerechnet eines der wenigen eigenen in seinem Bereich erfolgreichen Sharing-Dienste einstellt.

Da es seit Jahren kaum eine ernstzunehmende Alternative zum GoogleReader gibt, blieben die Nutzer beim Feedreader von Google. Diejenigen von uns, die intensiv die Shared Items nutzten, schauten sich nach Alternativen um. Auch wenn die Nützlichkeit der Shared Items bis jetzt nicht wieder erreicht wurde (ich beschrieb hier, was die Funktion so besonders machte), fanden die meisten zumindest zufriedenstellende Alternativen wie etwa Quote.fm oder Instapaper. Für mich war der Bookmarkingdienst Pinboard die Ersatzlösung für fast alles, was die Shared Items vorher übernommen haben. Pinboard ist nicht nur in jeden GoogleReader-Client integriert, es ist ist auch per Bookmarklet schnell befüllbar (und arbeitet grundsätzlich sehr schnell), gibt RSS-Feeds aus und bietet die Möglichkeit, anderen Pinboard-Nutzern zu folgen, wie es Felix Schwenzel hier beschreibt. Dieses eigene Pinboard-Network kann man als RSS-Feed wiederum im Feedreader abonnieren. Über den Pinboard-Umweg habe ich mir somit eine Art rudimentäres Shared Items geschaffen, dem ‘lediglich’ die visuelle Aggregierung populärer Einträge fehlt; und natürlich die Mehrheit der alten Kontakte und ihrer Items. (Wie Pinboard in mein sonstiges Setup passt, habe ich hier angerissen.)

Trotzdem haben Pinboard und co. gezeigt, dass das Abschalten einer Funktion in einem Google-Produkt diese Funktion nicht verschwinden lässt. Im Gegenteil. Hätte Google nicht nur die Shared Items abgeschaltet und einen Praktikanten über die Mittagspause die Verknüpfung zu Google+ herstellen lassen, sondern den Google Reader gleich komplett eingestampft, wären Ersatzangebote noch schneller aus dem Boden geschossen, weil es eine zu befriedigende Nachfrage gegeben hätte. Es gibt etwa “The Old Reader” oder Newsblur, die zwar die alte Verbindung aus Feedreader und Sharing-Netzwerk wieder vereinen wollen aber bis dato darunter leiden, dass nur wenige Nutzer vom GoogleReader zu diesen Angeboten wechseln wollten.

Dieser Wechsel wird nun unvermeidbar und er wird zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder für einen echten Markt der Feedreader sorgen.

Marco Arment fasst gut zusammen, wie Google Reader erst den Feedreadermarkt getötet hat und dann mit dem Aufstieg von iOS und Android zur Sync-Plattform für Feedreader-Apps wurde:

Client innovation completely stopped for a few years until iOS made it a market again — but every major iOS RSS client is still dependent on Google Reader for feed crawling and sync.

Now, we’ll be forced to fill the hole that Reader will leave behind, and there’s no immediately obvious alternative. We’re finally likely to see substantial innovation and competition in RSS desktop apps and sync platforms for the first time in almost a decade.

It may suck in the interim before great alternatives mature and become widely supported, but in the long run, trust me: this is excellent news.

Das Ende dieser Konstellation ist auch insofern gut, als dass alle diese Apps auf inoffizielle und somit undokumentierte APIs angewiesen waren.

Innovation hat bei Feedreadern in den letzten Jahren nicht stattgefunden, weil der Platzhalter zu Google gehörte und Google kein Interesse an einer Weiterentwicklung hatte.

Dabei bietet RSS als Basis nach wie vor enormes Potential, den Konsum von Nachrichten, Texten, Bildern, Podcast, etc. zu revolutionieren.

Bereits kleinste Tweaks können die Wahrnehmung von RSS bei denen ändern, die in dem Wahn leben, Twitter wäre eine ernstzunehmende Alternative: Vielen etwa sagt das Inbox-System des Google Readers nicht zu, das jeden RSS-Eintrag wie eine Email behandelt, die unbedingt abgehandelt werden muss. Um diesen Unsinn je nach Situation entgehen zu können, hatte ich zum Beispiel Reeder auf dem iPhone und dem iPad so eingestellt, dass es immer nur Artikel von Google Reader lädt, die maximal einen Tag alt sind. Selbst wenn ich drei Tage nicht in den Google Reader reinschaue, erschlägt mich die mobile Ansicht meines Feedreaders nie, weil sie immer nur den aktuellen Tag anzeigt. Ganz dem Stream-Modell von Facebook und Twitter folgend: Nur das neueste. (Dass viele Leute glauben, mit dem sehr einschränkenden Twitter besser beraten zu sein, zeigt auch, wie wichtig die Wahrnehmung von Informationsarchitekturen ist. Dabei scheint vollkommen irrelevant wie irreführend diese sein kann. Eine befreiende Erkenntnis für Plattfomrarchitekten, eine beängstigende für alle anderen.)

Ein anderes Beispiel: Fever, ein webbasierter Feedreader, den man selbst hosten muss, analysiert alle aktuellen Feedeinträge und erstellt aus den Links Übersichten über gerade populäre Themen. (Bevor man zu Fever wechselt, sollt man das hier vom Entwickler lesen.)

“Haven’t heard that many people swear in our office in a long time.” – Janko Roettgers

Die Frage ist, ob dieser Markt groß genug ist. Das würde ich mit ja beantworten. Hunderttausende Tweets und enorm viele Reaktionen auf Techmeme bestätigen, dass der Google Reader, wenig überraschend, noch immer zu den wichtigsten Werkzeugen von Bloggern, Journalisten und anderen Informationsarbeitern zählt. Für viele ist das Tool so wichtig, dass sie künftig auch bereit sein werden für vollen Funktionsumfang zu bezahlen.

Erste Alternativen neben den oben genannten, die aktuell mancherorts diskutiert werden, sind Flipboard und Feedly, das den Wechsel bereits sehr einfach macht.

Eine Syncing-Plattform für Feedreader-Apps von Reeder bis Mr. Reader

Diese Alternativen sind aber nicht die spannende neue Entwicklung. Wir erinnern uns: Google Reader ist über die letzten Jahre vom Feedreader langsam zu einer Syncingplattform für viele auf RSS setzende Apps gewandelt.

Entscheidend ist also vielmehr von wo ein Nachfolger für die Syncing-API kommen wird, um das Backend für die Apps bereitzustellen. Dass es eine Nachfolge geben wird, steht mittlerweile meines Erachtens außer Frage. Die Debatte hat in den entsprechenden Kreisen bereits begonnen.

Daniel Jalkut (u.a. MarsEdit) schaut auf die Macher von NetNewsWire:

With Google Reader out of the picture, not just for NetNewsWire, but for everybody, a new future for RSS syncing arises: NetNewsWire Cloud.

By implementing a suitable syncing API for RSS, and implementing a reasonably useful web interface, Black Pixel could establish NetNewsWire Cloud as the de facto replacement for Google Reader. Charging a reasonable fee for this service would likely inoculate it from the risk of sudden termination, and it would doubly serve to provide the very service that NetNewsWire needs to thrive on the desktop and on iOS.

David Smith, ein iOS/Mac-Entwickler, arbeitet bereits seit längerem an Feed Wrangler:

I’ve been working on an alternative to Google Reader for a few months now. It started as desire to manage my RSS feeds in a way that didn’t feel like I was still stuck in the web of 5 years ago. I wanted a more modern approach that focused on providing the best possible experience for navigating my news feeds. So Feed Wrangler was born.

This project is already well along in development, with a working web interface and native apps. I was expecting to launch early this summer but Google has announced that they are closing down Reader July 1. That accelerates my plans and I am now working to get ready for public consumption as soon as possible.

Die Wildcard bei all dem ist meines Erachtens App.net (ADN). App.net bietet sich als Plattform für Entwickler förmlich an, um die Infrastrukturherausforderungen für eine Syncinglösung zu meistern. Erste Entwickler haben bereits begonnen, über die Möglichkeit zu sprechen, das Backend über ADN zu realisieren.

ADN könnte besonders wichtig werden, wenn der Markt für kleine Unternehmen doch nicht attraktiv genug ist. Immerhin ist das Syncing von Feeds keine triviale Aufgabe. Einer der ursprünglichen GoogleReader-Entwickler auf GigaOm:

Wetherell said that it took a lot to make Google Reader work.

For instance, it was Google Crawler that gave the system ability to make lightening fast connections and also bring up recommendations. It is one of the main reasons it cannot be open sourced. The systems is too intertwined with Google’s search and other infrastructure to be sold as well.

In addition, Google had a separate recommendations team fine tuning Google Reader and those people don’t come in cheap. And let’s not forget that it was Google’s infrastructure that allowed millions of accounts to be hosted and many billions of items – photos, videos, text objects to be saved for people to consume them at their leisure.

It wasn’t and it still isn’t a cheap exercise, said Wetherell, rationalizing why he somewhat understands Google’s predicament. ”This is and will always be a Google level problem, especially if you are building a service for more than a few people,” he said.

Viele Entwickler sind selbst sehr aktive Feedleser, es wird deshalb mindestens Experimente auf der ADN-Plattform geben.

Meine Prognose: Wir werden bis zum 1. Juli viele neue Entwicklungen im Feedreadermarkt beobachten können. Ich bin ausgesprochen zuversichtlich, dass bis dahin nicht nur eine oder zwei befriedigende Alternativen stehen, sondern dass wir danach auch endlich wieder vielfältige Innovationen in diesem Bereich sehen werden. Der Feedreadermarkt hat nur Bewegung gebraucht, die er jetzt bekommen wird.

Was uns zu Google bringt.

Schlecht für Google

“We need to focus. Keep the self-driving cars, magic glasses, laptop, handheld OS, and Brazilian social network. Ditch the feed reader.” – Pinboard

Google+/-

Als Google sein neues Social Network Google+ vorstellte, wurde von einem ‘Social Layer’ gesprochen. Die Vision war mutig und spannend: All die vielen Angebote von Google+ zusammenbringen und in der Summe etwas Neues erschaffen.

Die Wirklichkeit sah dann anders aus: Google+ ist keine neue Schicht im Google-Kosmos, sie ist nicht der versprochene Klebstoff geworden sondern ein neues Angebot, zu dessen Gunsten andere Produkte von Google einfach eingestellt werden.

2011 schrieb ich zur Einstellung von Shared Items:

Das Erstaunliche ist, dass Google mit (seinem bald toten Google+-Vorläufer) Buzz wenig richtig gemacht hat, zu dem Wenigen aber die GoogleReader-Integration zählte:

Die unangetastete Sharing-Option lies such mittels Opt-in in Google Buzz integrieren. Neue Shared Items erschienen in Buzz. Kommentare in Buzz waren gleichzeitig Kommentare in GoogleReader. Der GoogleReader war sozusagen eine Art Buzz-Client für Poweruser. Genau das hätte Google auch im Zusammenspiel von GoogleReader und Google+ als Strategie umsetzen sollen:

Den Powerusern es so einfach wie möglich machen, mit GoogleReader glücklich zu werden und gleichzeitig ihr dortiges Sharing-Verhalten sanft (sprich ohne Einbußen) in Google+ hereinzuziehen. Gleichzeitig wäre es sinnvoll für Google, GoogleReader bewusst zu einem Tool auszubauen, dass nützlich für Poweruser ist.

Immerhin ist immer ungefähr ein Prozent der Nutzerschaft für die Inhalte auf einer Webplattform verantwortlich. Auch Google+ braucht dieses eine Prozent. Google+ selbst ist aber nicht der perfekte Ort für Poweruser, um zum Beispiel die Empfehlungen anderer Poweruser zu konsumieren.

Es wäre ein komplexeres Unterfangen gewesen und hätte mehr Geduld und Manpower gefordert, aber Google war einst in einer Position, in der sie aus all ihren verstreuten Angeboten etwas hätten schaffen können, das der 90-9-1-Verteilung nicht nur Rechnung trägt, sondern sie bewusst nutzt, um einen eigenen Vorteil gegenüber etwa Facebook zu bekommen.

90-9-1 und Nutzersegmentierung

“For what it’s worth Google Reader and iGoogle drive 20x of @techdirt’s traffic as Google+. And yet they’re killing both of them.” – Mike Masnick

Facebook und viele andere Netzwerke sehen für alle Nutzer fast immer gleich aus. Es ist vollkommen egal, ob ich 100 Freunde habe und vor allem mit alten Klassenkameraden kommuniziere oder über Facebook als Journalist Quellen anspreche oder als Prominenter besonders viele Menschen über meine Aktivitäten informieren möchte. Das Interface ist fast immer das gleiche. Ähnliches gilt für Twitter. Clients, die gerade von Twitter langsam aber sicher getötet werden, konnten das Problem mit Interfaceinnovationen mindern bis eliminieren.

Googles Portfolio hätte die Ansprache der verschiedenen Benutzergruppen mit einer gemeinsamem sozialen Schicht besser lösen können als alle bestehenden Plattformen. Wie ich bereits schrieb, hätte Google den Google Reader als eine Art Poweruser-Client für Google+ verstehen, zwangsverheiraten und in die Richtung weiterentwickeln sollen. Das wäre für die Entwicklung von Google+ sehr positiv gewesen.

Bevor mir unterstellt wird, ich würde mich als GoogleReader-Nutzer zu wichtig nehmen, möchte ich darauf hinweisen, dass diese Herangehensweise nicht auf Google Reader beschränkt ist. Neben Blogger (das bereits enger mit Google+ verzahnt wird) betrifft das auch andere, in ihren Bereichen sehr erfolgreiche Google-Produkte, die sträflich vernachlässigt werden: Namentlich etwa Google Scholar, die Suche für akademische Veröffentlichungen. Google könnte über eine gekonnte Verknüpfung von Google Scholar und Google+ mit einem Schlag die Popularität von Google Scholar nutzen, um ein aus dem Stand wichtiges Social Network für Akademiker aus dem Boden zu stampfen. Nur: Google hat entweder kein Interesse an Segmentierung oder sieht das Potenzial nicht.

 Google verliert Ansehen

“OMG! #google is shutting the reader?! That is one of the few solutions for us to access the blogs, news, … in #Iran #filternet :(” – jadi

“Censorship and free speech is, in my humble opinion, one of the most critical issues of the day. The shutdown of Google Reader is bad news for Chinese who relied on it to get news from outside of China. It was free, fast, and (mercifully) mostly unblocked.” – atdrendel

Google hat in den letzten Jahren viele Dienste relativ schnell wieder eingestellt: Google Buzz, Google Wave, jetzt Google Reader. Bereits schreiben erste darüber, wie sie sich von Google-Diensten aufgrund der Unsicherheit zurückziehen wollen. Ich würde nicht zu viel in solche Aussagen hineinlesen. Aber Fakt ist, dass dieses Verhalten von Google dazu führt, dass Entwickler etwa immer vorsichtiger werden, was Investitionen in Google-Plattformen angeht und auch Nutzer dürften immer vorsichtiger werden. Ich zum Beispiel bin nur noch auf GMail angewiesen. Bei allen anderen Google-Diensten achte ich mittlerweile sehr genau darauf, erst gar keine Abhängigkeit entstehen zu lassen.

Das wird Google nicht ruinieren und Google-Produkte nicht automatisch zu Flops machen. Aber ich glaube, dass sich Google über die letzten Jahre unbewusst ein Stigma erarbeitet hat, das den eigenen Produkten eine sehr geringe mittel- bis langfristige Verlässlichkeit zuspricht. Das führt dazu, dass die Adoption von neuen Produkten zunehmend verhaltener ausfallen dürfte. Wird Google etwa irgendwann doch einmal eine Read/Write-API für Google+ vorstellen, wird der Nutzersog zwar zu Drittanbieterapps führen, aber es wird kein Tsunami werden, wie es ein Google noch 2009 oder 2010 mit dem richtigen Angebot hätte hervorrufen können.

Um es kurz zu machen: Google hat in den letzten Jahren viel Vertrauen verspielt.

Ich bezweifle, dass Google noch einmal einen spitzen Markt so dominieren wird, wie es das mit dem Google Reader getan hat. (Auch das ist wieder sehr gut für den Rest des Webs. Die Angst vor Google als Konkurrent darf weiter sinken.)

Darüber hinaus hat das Ende von Google Reader einen weiteren für Google unerfreulichen Effekt. Endlich beginnen selbst die größten Google-Fanboys das Unternehmen und seine “Wir sind offen und wollen nur das beste für das Web”-Narration als das zu sehen was es ist: Bestenfalls Selbstleugnung,  schlimmstenfalls Lüge, oft schlicht Propaganda. Markus Spath, der deutsche Google-Doodle-Chronist, etwa schreibt:

Ihr altruistisches Gehabe können sie sich fortan jedenfalls sparen. Wenn sie eines der wichtigsten Tools zur offenen (und unabhängigen, und personalisierten, und etc.) Informationsrezeption und -prozession einfach so schliessen, ein Tool, das fast paradigmatisch ihre Mission ‘organize the world’s information and make it universally accessible and useful’ personalisiert, ein Tool, das vl. nicht mehr zig Millionen, aber sicherlich Hunderttausende wirklich lieben, während sie an anderer Baustelle mit der Übernahme von DailyDeal mal schnell 100 Mio Dollar versenken, was mit ihrer Mission nichts zu tun hat, dann sieht man, wo sie stehen.

Fazit

Paradoxerweise wird das Ende des beliebten Google Readers damit zum Win-Win: Nicht nur kommt endlich wieder Bewegung und damit hoffentlich Innovation zurück zu RSS. Sondern nun wird auch den letzten langjährigen Beobachtern klar, dass Google ein relativ normales Unternehmen geworden ist, das außerdem dem Wahn verfallen ist, seine Zukunft läge darin eine Art Frankensteinmonster aus Apple2.0 und Facebook2.0 zu werden.

Ein Frankensteinmonster, das mit den Werten, die das Unternehmen in seiner Außendarstellung gern pathetisch vor sich herträgt, in Wirklichkeit überhaupt nichts am Hut hat.

Das ist gut, weil Google, ebenso wie Apple, nicht die kritische Begleitung erfährt, die es verdient hat.

Das halbleere deutsche YouTube

Bertram Gugel über die deutsche Sondersituation bei YouTube:

Der deutsche Onlinevideo-Markt ist sehr speziell, denn es gibt eine große Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage: Die Deutschen nehmen bei der Videonutzungsdauer im weltweiten Vergleich eine Spitzenposition ein – 1583 Minuten je Videonutzer/Monat vs. 1140 Minuten je Videonutzer/Monat in den USA. Wohingegen Deutschland bei den Video-Angeboten eher das Schlusslicht bildet: Ein deutsches Hulu-Äkquivalent ist noch immer nicht in Sicht. Netflix geht lieber nach England. Lovefilm und Watchever stehen noch am Anfang und müssen sich beweisen. So bleiben einzig YouTube und die verschiedenen Senderangebote, die die Nutzung vorantreiben. Doch auch das deutsche YouTube ist im internationalen Vergleich stark eingeschränkt. Von sieben Fokuskategorien (Beliebt, Musik, Sport, Spiele, Filme, TV Shows, Nachrichten und Spotlight) in den USA sind in Deutschland nur ganze drei (Beliebt, Sport, Spiele) verfügbar. Es lohnt sich also ein Blick in die fehlenden Kategorien zu werfen um festzustellen, welche Bereiche und Features im deutschen Angebot fehlen.

Wie immer eine lesenswerte, erhellende Analyse.

In der nächsten Ausgabe von neunetzcast spreche ich mit Bertram Gugel unter anderem auch über YouTube und wie das Tochterunternehmen in die Gesamtstrategie von Google passt.

Google+-Sign-In unterscheidet sich kaum von Facebook Connect, abgesehen von den Nutzerzahlen

Danny Sullivan über das neue Google+-Loginsystem, das vergleichbar mit Facebook Connect ist:

While Google’s trying to position itself has some type of white knight to the Facebook oppressed, today’s move seems much more abou being in the type of position that Facebook is in, knowing even more about what we do and use online and on our devices.

Das bringt es auf den Punkt. Google ist gut darin, mit markigen PR-Sprüchen sich selbst als den guten Anbieter mit openopenopen und co. und alle direkten Konkurrenten als böse hinzustellen, während ihre Strategie der letzten 2, 3 Jahre in Wirklichkeit aber eher darin besteht, sich in die selbe Position wie die Konkurrenten mit den selben Produkten wie die Konkurrenten zu bringen. Namentlich natürlich Apple und Facebook.

Im Gegensatz zu beiden letztgenannten agiert Google in der Öffentlichkeit allerdings eben erschreckend oft mit maximal Halbwahrheiten über die eigenen Produkte und den Markt, die auch oft wenig bis gar nicht von der Techpresse hinterfragt werden. Bemerkenswerte Leistung.

Was ist Googles Strategie mit Hardware wie dem Chromebook Pixel?

AllThingsD über das vorgestellte Google-Laptop “Chromebook Pixel”:

In many ways, the Pixel is similar to Google’s Nexus device line, which sets the bar for production of Android mobile phones.

But the Pixel goes beyond that, because Nexus devices are explicitly built with hardware partners, and Google isn’t even naming the Taiwan-based OEM it is working with for the Pixel.

Mir ist nicht ganz klar, was Googles Strategie mit all den Hardwareprodukten ist. Schaut man sich das Nexus-Q-Debakel an, scheint Google selbst das auch nicht zu wissen.

Wie dem auch sei. Sollte das Chromebook Pixel oder ein Nachfolger (denn der Erstling ist viel zu teuer) erfolgreich werden, wäre der namenslose OEM sicher nicht zurückhaltend, was eigene, sehr (sehr) ähnliche Produkte angeht.

Wie gefährlich das werden kann, erlebt gerade der vertikal am stärksten integrierte Computerhersteller der Welt, dessen ehemaliger Zulieferer Samsung zum stärksten Konkurrenten geworden ist, weil sie Einblicke in kommende Produkte hatten, die niemand sonst hatte.

Aber das wäre ein Luxusproblem für  Google. Google muss überhaupt erst einmal einen Fuß in die Hardwaretür bekommen. Oder müssen sie? Vieles, was Google seit einiger Zeit macht, erweckt den Anschein, sie wollten Apple 2.0 werden.

Ob sie das wirklich müssen, sei einmal dahingestellt. Entscheidend ist, was sie an anderen Stellen dafür aufgeben müssen.

Man denke etwa an Zugeständnisse bei den Suchergebnissen an Rechteinhaber, mit denen Google wiederum für Google Play (Googles iTunes) Verträge abschliessen muss. Google nimmt also Abstriche bei seiner Cash Cow in Kauf.

Das ist mindestens riskant.

Google, Facebook, Twitter und LinkedIn setzen bei Werbegeschäft auf APIs

TechCrunch:

What Google and Facebook found, and Twitter and LinkedIn are now exploring, is that by offering programmatic access to their ads inventory, third parties solve the problems for them.

In exchange, the platforms allow providers of full-service advertising or ad tool licenses to earn a margin. Typically that comes in the form of a 10 percent to 20 percent cut of total spend by clients that typically goes down the more they spend. Otherwise the margin comes by charging a "cost per action" where clients pay a certain amount per click, download, or certain level of downstream engagement, and the provider keeps the difference between what they paid and what they charged. Sometimes there’s a monthly fee, too. Twitter refused to specify whether there were any restrictions for businesses built on its new ads API, saying "We’re not commenting on partnership terms."

Regardless, the idea is for the platforms to share the wealth, and thereby align their goals with the ad tool and service providers. This way they both can make a fortune when the third parties evangelize the channel. And my oh my can ads APIs bring in the dough.

APIs sind eine skalierende, und deswegen im Zweifel vorzuziehende Form der Geschäftsentwicklung.

Mit der damit verbundenen Aufgabe von Kontrolle haben sich deutsche Webdienste traditionell immer schwer getan, was zu weniger APIs und zu weniger damit verbundenen (Plattform-)Erfolgen geführt hat.

Kurs-Gewinn-Verhältnisse von Techunternehmen zeigen, dass es keine einheitliche Unternehmensklasse ist

Tom Gara via Daring Fireball:

Apple’s market value has fallen by the combined market value of two Nokias plus two RIMs in the hours since its results came out.

Die Entwicklung von Apples Aktienkurs ergibt nur noch wenig bis gar keinen Sinn mehr. Es wurde viel über die gestern verkündeten Quartalsergebnisse von Apple und die anschließende Entwicklung am Aktienmarkt geschrieben. (siehe hierzu etwa die heutigen Leseempfehlungen)

Interessanter als sich allein Apple anzuschauen, ist, sich einmal die aktuellen P/E-Ratios öffentlich gehandelter Technologie-Unternehmen anzuschauen und zu vergleichen.

Wikipedia definiert P/E-Ratio beziehungsweise Kurs-Gewinn-Verhältnis so:

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) (engl. Price-Earnings-Ratio (PER) oder P/E Ratio) ist eine Kennzahl zur Beurteilung von Aktien. Hierbei wird der Kurs der Aktie in Relation zu dem für den Vergleichszeitraum gegebenen bzw. erwarteten Gewinn je Aktie gesetzt.

[..]

Der Gewinn pro Aktie kann sich sowohl auf feststehende wie auf erwartete Werte beziehen. Das KGV spielt in der Aktienanalyse eine große Rolle. Dort werden immer Schätzungen für die Zukunft betrachtet.

Zum Vergleich das aktuelle durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis der S&P 500, also der nach ‘Standard & Poor’s’ 500 führenden am US-Aktienmarkt gehandelten Unternehmen:

17,00

Ein höherer Wert deutet auf eine Überbewertung, ein niedrigerer Wert auf eine Unterbewertung hin. Das ist aber natürlich keine feste Regel. Es ist lediglich ein Referenzpunkt zur besseren Einordnung.

Facebook etwa steht noch am Anfang des Lebenszyklus als Unternehmen und befindet sich zusätzlich in einem Markt, der selbst noch ganz am Anfang steht. Findet Facebook nun seine adsensuelle Cashcow bricht die P/E-Ratio dank Umsatz- und Gewinnexplosion schnell auf vertretbarere Dimensionen ein. Findet Facebook sie nicht, nun EIN EICHHÖRNCHEN.

Und hier die Kurs-Gewinn-Verhältnise von ein paar Technologieunternehmen:

Das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis von Apple:

11,64

Das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis von Google:

22,84

Das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis von Microsoft:

14,92

Das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis von Facebook:

286,48

Das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis von Netflix:

130,70

Setzen Sie sich bitte. Das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis von Amazon:

3.583,40

Alle Unternehmen würde man in den Technologie-/Websektor einordnen (Amazon wäre diskutabel, aber drücken wir mal alle Augen zu), aber sie befinden sich nicht nur auf teilweise vollkommen unterschiedlichen Märkten (Hardware, Software, Webdienste, Kommunikation, Handel), sind unterschiedlich groß und unterschiedlich alt, sie werden auch vollkommen unterschiedlich an der Börse bewertet. Man schaue sich nur die Differenz zwischen den zwei Ausreißern Apple und Amazon an. Der Unterschied könnte größer kaum sein.

Diese Ausdifferenzierung bei allen, und ich meine nicht nur bei einer Handvoll, sondern bei allen, Kennzahlen ist auch der Grund, warum die seit Jahren irrgeleitete Rede von einer neuen Internetblase keinen Sinn ergibt, solang nicht ein konkreter Sektor benannt wird. (Sagen wir, etwa Social Gaming.) Es gibt keine Internetblase a la 2000, weil es keine einfach abgrenzbare Klasse von Internetunternehmen mehr gibt. (Und weil die Internetunternehmen, welche in den letzten zwei Jahren an die Börse gegangen sind, in der Regel profitabel sind, wenn auch nur minimal.)

Nun führt die fortschreitende Vertikalisiserung und das damit verbundene Wildern in neuen Märkten bei den großen Unternehmen (Facebook, Apple, Google, Amazon) zu einer schrittweisen Annäherung, die, weil sie aus unterschiedlichen Richtungen kommen, noch sehr interessant wird.

Aber jede künftige Über- oder Unterbewertung dieser Unternehmensklasse sagt dann wiederum nur wenig über die Bewertung anderer Technologieunternehmen von Netflix über Twitter bis LinkedIn aus.

Der Technologiesektor war schon immer ein Querschnittssektor. Die Webbranche als ein Unterbereich des Technologiesektors ist ebenfalls ein Querschnittssektor. Entsprechend bringt sie viele, kaum miteinander vergleichbare Unternehmen hervor.

-

(Disclosure: Ich besitze seit längerer Zeit eine Handvoll Apple-Aktien. Dieser Artikel stellt keine Empfehlung in irgendeine Richtung dar, aber vielleicht eine implizite Frage in Richtung der Anteilseigner von Amazon.) 

Wenn Google nicht aufpasst, wird Android Samsung oder Samsung Android

Roger McNamee, VC bei Elevation Partners, via AllThingsD, legt den Finger in die Google-Wunde:

“I watch what they have done with Android and I’m flabbergasted because their market share in units is so high but look at the profit share,” McNamee said. “Apple’s profit share is 75 or 80 percent because Android has been managed essentially to make it a profitless prosperity. Right now, if Google is not careful, Android will be Samsung or Samsung will be Android.”

Samsung ist neben Apple das einzige Unternehmen, das aktuell am Smartphonemarkt nennenswerte Profite vorweisen kann. Google macht nur sehr geringe Einnahmen mit Android. (Das ist einer der Gründe, warum trotz der wachsenden Marktanteile von Android der Aktienpreis von Google sehr viel geringer gewachsen ist als der Preis der Apple-Aktie zur gleichen Zeit.)

Sehr wahrscheinlich macht Google sogar mehr Geld mit mobilen Anzeigen, die auf iOS ausgeliefert werden, als mit mobilen Anzeigen über Android, weil letzteres sehr viel weniger zur Webnutzung herangezogen wird als iOS.

RTL sperrt RTLnow und VOXnow für Google TV

RTL sperrt seine Websites für den Zugriff über Google TV.

Google Watch Blog:

In erster Linie geht es um die Webseiten RTLnow und VOXnow in denen große Teile des TV-Programms teils kostenfrei angesehen werden können.

Die Webseite kann von jedem PC und von mobilen Apps aufgerufen werden, wird aber auf einem Google TV ausgesperrt (s. Screenshot). Derzeit ist RTL auch nicht an einer etwaigen Partnerschaft interessiert, sondern setzt lediglich seine Interessen durch, dass kein Drittanbieter mit dem “aufwendig erstellten TV-Programm” Geld verdienen könne.

Das ist das gute Recht von RTL.

Aber mittelfristig werden Entscheidungen wie diese wie immer nach hinten losgehen. Wer als Inhalteanbieter nicht überall seine Inhalte anbietet, öffnet die Tür für neue Konkurrenten.

Amazons On-Demand-Streaming-Dienst Lovefilm etwa. Oder Netflix, das nach Großbritannien als nächsten europäischen Markt Deutschland anvisieren könnte.

Plattformen wie Apple TV, Google TV, Boxxee und Roku und Anbieter wie Netflix im Schlepptau dieser Plattformen werden die große Herausforderung für das lineare TV, an der es zerbrechen wird.

Auch Unternehmen wie RTL sollten frühzeitig Erfahrungen auf neuen Märkten sammeln.

FAZ-CCC-Allianz meldet sich zum Leistungsschutzrecht

CCC-Sprecher Frank Rieger in der FAZ:

Wahrscheinlicher ist, dass Google die Offerte, die Medienhäuser an künftigen Anzeigegewinnen von Google News zu beteiligen, schon bald vorbringen wird, mit der Option des Index-Rauswurfs und endlos teuren Rechtsstreitigkeiten als Drohung in der Hinterhand.

Eine derartige Lösung entspräche der Google-Logik. Nicht ohne Grund gilt das deutsche Leistungsschutzrecht Google-intern als Präzedenzfall, den es unbedingt zu vermeiden gilt. Werbeeinnahmen nach einem Prozentsystem aufzuteilen, damit kann der Suchmonopolist leben, das funktioniert auch in anderen Bereichen des Google-Imperiums. Eine gesetzliche Zahlungsverpflichtung für Inhalte, bei der die andere Seite durch ihre Verwertungsgesellschaften die Tarife festlegt – es gibt kaum etwas Erschreckenderes für die kalifornische Internetkapitalisten-Mentalität.

Das Interessante an der FAZ-CCC-Allianz ist, dass sie vom gemeinsamen Hass auf die US-amerikanischen Internetkonzerne lebt. Auf diesem fruchtbaren Grund entstehen die FAZ-Artikel von Frank Rieger und Constanze Kurz.

Das ist beim Thema des LSR besonders wichtig, weil Frank Rieger hier den Spagat zwischen LSR-Ablehnung und Google-Ablehnung versucht. Das Problem ist natürlich, dass mit der Konzentration auf Google auch Frank Rieger das Entscheidende übersieht: Die Rechtsunsicherheit durch das geplante Gesetz in seiner aktuellen Fassung würde auch Google so sehr zu schaffen machen, dass das Betreiben einer Suchmaschine, wie wir sie heute kennen, nicht in einem Land mit diesem Gesetz möglich wäre. Und, und das ist entscheidend, diese Rechtsunsicherheit würde vor allem Startups und damit Innovation töten oder zumindest aus Deutschland vertreiben. Egal ob DuckDuckGo, Rivva oder Quote.fm.

Diesen Aspekt handelt er mit dem folgenden Satz ab: “Und die Kollateralschäden im Rest des deutschen Internets, bei Blogs und kleinen, kommerziell kaum lebensfähigen Aggregatoren sind noch nicht abzusehen.” Dabei liegt hier das wahre Gefahrenspotential.

(Auf der anderen Seite wäre es dem latent wirtschaftsfeindlichen CCC wahrscheinlich gar nicht so unrecht, wenn weniger in kommerzielle Internetdienste investiert wird.)

Wie Frank Schirrmacher und Kollegen versteht sich auch Frank Rieger auf implizierendes Geraune:

Den üblen Geruch von „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing‘“ werden etliche Journalisten, aber auch einige selbsternannte Internetvordenker erst einmal schwer wieder loswerden.

Gehören doch alle irgendeinem Lager an! Ich würde dem Max-Planck-Institut und den Unterschreibern der Stellungnahme pauschal mehr Unabhängigkeit als den über das LSR berichtenden Chefredakteuren der deutschen Zeitungen unterstellen. Natürlich gibt es auf allen Seiten Verflechtungen. Aber in der LSR-Debatte stehen viele Kritiker aus sehr unterschiedlichen Bereichen der Gesellschaft, die aus unterschiedlichen Gründen dagegen sind, einer Gruppe von Presseverlagen gegenüber, die aktuell in ihrer Berichterstattung in eigener Sache vor allem lügt und täuscht.

Weil ich regelmäßig über das Internet schreibe und dabei nicht die Risiken und den Datenschutz in den Mittelpunkt stelle, gehe ich hierzulande wohl in den Augen anderer schon als Internetvordenker durch, was wahrscheinlich als Begriff abwertend gemeint ist. (Ich habe übrigens noch niemanden getroffen, der von sich selbst sagt, er sei Internetvordenker. Mit meiner Unterstellung, andere könnten mich dazu zählen, komme ich der in Deutschland so verbrämten Selbsternennung so nahe, wie niemand sonst, so weit ich weiß. Ich bin ein Genie!)
Wie dem auch sei: Ich bin weder Mitglied einer Partei noch eines Vereins noch habe ich jemals für Google gearbeitet. Ich war vor einiger Zeit Teilnehmer einer Arbeitsgruppe des von Google finanzierten Vereins Collaboratory zum Thema Urheberrecht, welche sich sehr unregelmäßig alle paar Wochen traf und mittlerweile nicht mehr existiert. In dieser Gruppe habe ich mit einschlägigen Urheberrechtsmaximalisten wie Stefan Herwig diskutiert. Google-Mitarbeiter waren, so weit ich mich erinnern kann, nie anwesend. (Ich habe auch versucht, an einer Collaboratory-Initiative zum Thema Innovation teilzunehmen. Habe das aber nach einem Tag abgebrochen, weil ich zu wenig Expertise bei den anderen Teilnehmern sah und ich mittlerweile auch auf keinen Fall mehr mit Google in Verbindung gebracht werden möchte.) Ich habe nie Geld von Google für irgendetwas erhalten. Ich setze nicht einmal Google AdSense ein (Hallo, liebe Verleger!) und habe mir auch vorgenommen, aufgrund des vergifteten Klimas in Deutschland, an dem Google nur eine kleine Teilschuld trägt, die unter anderem darin besteht, sehr erfolgreich zu sein, niemals für Google zu arbeiten oder mich anderweitig finanzieren zu lassen (Hallo, liebe Headhunter!). Und ich bin mit dieser Distanz zu Google wahrlich nicht allein.

Man vergleiche das mit der FAZ:

Reinhard Müller verantwortet bei der FAZ die Seite »Staat und Recht«, auf der vor drei Jahren Jan Hegemann, ein bezahlter Interessensvertreter von Axel Springer, als scheinbar unabhängiger Experte für das Leistungsschutzrecht werben durfte. An gleicher Stelle erschien in diesem Jahr erneut versteckte Eigenpropaganda: ein weiterer Gastkommentar pro Leistungsschutzrecht von einem vermeintlich unabhängigen Experten, der in Wahrheit ein Verlagsvertreter ist.

Was ich sagen will: Es gibt unabhängige Stimmen auch zum Leistungsschutzrecht, sowohl in der akademischen Welt als auch im Netz. (Natürlich ist man als Bürger selten vollkommen unbetroffen, und besonders als Blogger in diesem Fall erst recht nicht. Das ist aber eine andere Ebene von Abhängigkeit als etwa im Auftrag des Arbeitgebers über die Interessen des Arbeitgebers zu schreiben und diese unkritisch zu verteidigen.)

Der implizierte, nicht konkret werdende Vorwurf, der Frank Rieger bequem in die dritte, neutrale Position hieven soll, dieser Vorwurf also, jeder würde doch irgendwo dazugehören, wo direkt Gelder oder andere Vergünstigungen fliessen, und das wäre dann die Grundlage für die Debattenbeteiligungen aus den verschiedenen Richtungen, verharmlost den gerade stattfindenden Berichterstattungsskandal in der FAZ und anderen Zeitungen.

Frank Riegers Text ist trotzdem der bisher beste Artikel zum Leistungsschutzrecht, den die FAZ veröffentlicht hat.

Leistungsschutzrecht: Google mobilisiert Endnutzer, warum mobilisieren Verlage nicht ihre Leser?

dpa/Zeit Online über die Last-Minute-Kampagne von Google gegen das geplante Presseleistungsschutzrecht:

Das Unternehmen hat eigens eine Deutschlandkarte mit allen Bundestagsabgeordneten erstellt. Gegner des Leistungsschutzrechtes können sich darüber direkt an ihren Abgeordneten wenden, um gegen das Gesetz zu protestieren.

Dabei ist der Konzern in der Debatte natürlich nicht objektiv oder unbeteiligt. Daher kritisiert der Verein Digitale Gesellschaft die Kampagne Googles: “Sowohl Google als auch die Presseverlage missbrauchen im Streit um ein Leistungsschutzrecht ihre Macht- und Marktpositionen um ihre jeweiligen Wirtschaftsinteressen zu artikulieren”, schreibt Markus Beckedahl, der Vorsitzende des Vereins. “Beim Leistungsschutzrecht geht es für diese beiden Seiten nur ums Geld.” Dabei berge das Leistungsschutzrecht vor allem für Nutzer die Gefahr, die digitale Meinungsfreiheit einzuschränken und ein ohnehin überkomplexes Urheberrecht weiter zu verkomplizieren.

Beide Seiten mögen ihre Macht- und Marktpositionen missbrauchen, wobei ich das bei Google hier nicht unbedingt sehe. Während die Presseverlage in Gestalt von Christoph Keese einen Lobbyisten in Hinterzimmern verhandeln liesen, setzt Google zumindest jetzt auf die eigenen Endnutzer und die Öffentlichkeit. (Nicht unwahrscheinlich, dass Google als Reaktion auch Lobbyisten diesbezüglich beschäftigt. Nur erfolgreich waren sie nicht.)

Ich kann daran nichts Verwerfliches erkennen. Es steht jedem frei, gegen das extrem gefährliche Leistungsschutzrecht aktiv zu werden – oder nicht.

Ich sehe in der Stellungnahme von Markus Beckedahl eher eine strategische Distanzierung von Google. Etwas, das leider dank des vergifteten Klimas zu diesen Thema hierzulande notwendig geworden zu sein scheint.

Gut daher auch, was John F. Nebel auf Metronaut/netzpolitik.org schreibt:

Viele Netzaktivisten haben Angst mit Google in einen Topf geworfen zu werden. Eine Finanzierung von NGOs durch Google ist ein heikles Thema, da es die Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit der Finanzierten unterminiert. Hinzu kommt, dass etliche Journalisten momentan mögliche Verbindungen des Konzerns mit der Zivilgesellschaft recherchieren. Auch das erklärt die Abwehrreflexe vieler gegenüber der Google-Kampagne.

Doch wer keine wirtschaftlichen Verbindungen zu Google hat, kann diese Kampagne getrost unterstützen. Sie ist gut aufgesetzt, sie ist emotional und trifft die richtigen Aussagen. Sie kämpft mit offenem Visier und verschleiert nicht den Absender. Solange Google bei Kampagnen nicht die Führung übernimmt oder Astroturfing versucht, ist eine Zusammenarbeit durchaus sinnvoll, wenn die Zielrichtung stimmt.

Das Interessante ist, dass die Presseverlage nicht auf die Idee kommen würden, ihre Leser direkt zu mobilisieren. Nein, sie spielen ihre Macht indirekt aus. Aus verschiedenen Gründen. Es lohnt, darüber nachzudenken. warum das so ist.

Google unterstützt mit 1 Mio. € Berliner Startup-Szene

Focus Online:

Google will junge Internet-Unternehmen in Deutschland in den nächsten drei Jahren mit einer Million Euro unterstützen. Der Internet-Konzern wird sich in dem zurzeit entstehenden Startup-Zentrum „Factory“ an einem Förderprogramm beteiligen, bei dem junge Unternehmer ihre Ideen entwickeln und zur Marktreife bringen können.

Langsam aber sicher kommen das Geld und die großen Konzerne aus allen Richtungen nach Berlin.

Die Unterstützung, die Google bieten wird, könnte die hiesige Startup-Szene in Teilen aus technologischer Sicht eng an den Riesen anlehnen. Silicon Allee spezifischer über das Angebot von Google:

The deal will see Google offer help in the form of technology, mentoring and other support to the tune of €1 million over three years. The Factory, when open, will provide more than 10,000 square metres of space to startups big and small. SoundCloud, Mozilla and 6Wunderkinder will all be moving in when the site, which runs along the route of the Berlin Wall, is finished next year.

Under the deal, StartUp-Weekend and Google Developers will conduct workshops for developers and entrepreneurs, adding to the mix of creativity set to be bouncing around the place. Google employees will also be close to hand to give advice, on either an on-off basis for specific problems, or otherwise as part of their mentoring program.

Apple und Google: Not so big in China

Google ist Nummer 4 bei den Suchen in China und auf Platz 6 bei den Karten: Google decline in China continues as its search share falls to 4th place, maps to 6th – The Next Web.

Apple ist in China von Platz 5 auf Platz 6 bei den Smartphoneherstellern gesunken: Apple out of China’s top five smartphone list in Q3.

Google schlagen, das Internet meinen.

Sascha Lobo über Googlekritik auf Spiegel Online:

Diese Liste ließe sich bekannterweise endlos fortführen, Kritik kommt unter anderem auch aus der Versicherungsbranche, von Verlagen, aus der Touristik, vom Handel sowieso. Und alle bringen mehr oder weniger überzeugende Argumente, wie und warum Google falsch handelt oder gar bösartig. Nicht jede Kritik ist im Kern berechtigt, in einigen Fällen ist der Suchkonzern ein Symbol für die Unerbittlichkeit der digitalen Disruption: Google schlagen, das Internet meinen. Googles Wirkung ist nicht in allen Bereichen so verheerend wie für Schlüsselnotdienste in Seattle. Allerdings führt die schiere Masse der verschiedenen Branchen und die zunehmende Empörung auf eine wichtige Spur: Das Problem ist viel tiefgreifender als die Detailkritik an Google vermuten lässt.

Es ist einfacher, auf ein konkretes Unternehmen zu schlagen als über grundlegende Veränderungen zu diskutieren. Diese intellektuelle Abkürzung führt dann unter anderem dazu, dass in Deutschland mit dem Presseleistungsschutzrecht ein Gesetz geplant ist, das zwar auf Google zielen soll*, aber weite Teile des Webs, also alle Suchmaschinen, alle Aggregatoren, alle im Team betriebenen Blogs und andere Websites, treffen wird.

-

*Was für sich genommen schon eine fehlgeleitete Prämisse für ein Gesetz ist.

Google-Krieg der deutschen Medien: Die Masken sind jetzt gefallen

Zu den vielen bemerkenswerten Aspekten des geplanten Presseleistungsschutzrechts, das ein Lobbyvorstoß der Springer AG und ein von unabhängigen Rechtsexperten mehrheitlich abgelehnter Gesetzesvorschlag ist, gehört die kritiklose, oft teilweise ins Groteske abgleitende Berichterstattung in eigener Sache in fast allen deutschen Printmassenmedien.

Sie zeigen damit unwillentlich auf, wie schlecht eigentlich kommerziell orientierte Massenmedien für die öffentliche Meinungsbildung und damit als Stützen der Demokratie geeignet sind.

Das jüngste Beispiel ist ein Artikel von Jürg Altwegg in der FAZ mit dem Titel “Frankreichs Google-Krieg: Die Masken sind jetzt gefallen” über den Streit zwischen Google und der französischen Regierung.

Zitieren wir ihn, solang wir das noch dürfen. Jürg Altwegg beginnt seinen Artikel so:

Nach dem Vorbild des deutschen Leistungsschutzrechts will Paris die amerikanische Suchmaschine an der Finanzierung der Inhalte, die sie vertreibt, beteiligen. Allerdings gehen die französischen Pläne weiter als das uns bekannte Leistungsschutzrecht.

a.) Google “vertreibt” weder als Suchmachine noch als Aggregator mit Google News Inhalte. Das Unternehmen verweist auf Inhalte.

b.) Herr Altwegg suggeriert in den beiden Sätzen, das in Deutschland geplante Leistungschutzrecht für Presserzeugnisse sei bereits eine Sache in trockenen Tüchern, ein fertiges Gesetz, eben “das uns bekannte Leistungsschutzrecht”. Es stimmt zwar, dass die Bundesregierung den aktuellen Gesetzesentwurf umsetzen will, aber es hat noch nicht einmal eine Anhörung im Bundestag zu diesem geplanten Gesetz gegeben. Es existiert noch immer nur ein Gesetzesentwurf.

“Das uns bekannte Leistungsschutzrecht” – Mit Formulierungen Tatsachen schaffen.

Frankreich plant nun ähnliches wie bei uns geplant ist. Ein von Google Frankreich zur Veröffentlichung geplantes Schreiben, in dem mit der Entfernung der Inhalte der französischen Presseverlage aus den Angeboten von Google gedroht werden sollte, gelangte vorzeitig an die Öffentlichkeit.

Jetzt das Bemerkenswerte: Jürg Altwegg schreibt diesbezüglich von Boykott seitens Google:

Diese Boykottdrohung schlug wie eine Bombe ein.

Wieso ist es Boykott, auf die Erbringung einer Leistung zu verzichten, für die man an jemand anderes bezahlen soll?

Wenn es Presseverlagen frei stehen soll, für das Aufgeführtwerden ihrer Inhalte in Google bezahlt zu werden, dann muss es im Umkehrschluss auch Google und jeder anderen Suchmaschine frei stehen, auf diese zahlungspflichtige Integration der Inhalte dankend zu verzichten.

Warum sollte die Entscheidung, Presseinhalte teuer auffindbar zu machen, den Suchmaschinen nicht offen stehen?

Kann es sein, dass diese Argumentationslinie der Presseverlage und ihrer Verteidiger einer kritischen Betrachtung nicht standhält?

Herr Altwegg in der FAZ weiter über die Argumente von Google:

Eigentlich müssten diese froh sein, dass Google für die Milliarden von Clicks kein Geld von ihnen verlangt. Völlig absurd sei es, die Suchmaschine an den Kosten zu beteiligen: „Das ist so grotesk wie die Vorstellung, dass ein Taxifahrer, der seinen Kunden in ein Restaurant fährt, dem Wirt dafür etwas bezahlen soll.“

Doch Google ist kein Gratistaxi – sondern ein Schwarz- und Trittbrettfahrer.

Nun kann man durchaus der Meinung sein, dass das Verhältnis zwischen Suchmaschine und indizierter Website mit altbekanntem Taxifahrer und Restaurant nicht zu vergleichen sei.

Aber: Inwiefern ist Google hier konkret ein Schwarz- und Trittbrettfahrer? Jürg Altwegg erklärt seine Interpretation nicht weiter. Es ist ein hingeworfener Satzbrocken.

Trittbrettfahrer bereichern sich an der Arbeit anderer, ohne zurückzugeben. Wer so das Verhältnis zwischen Google und Presseverlagen beschreibt, hat entweder nie einen Blick in die Referrerstatistiken von Presseangeboten geworfen oder verdreht bewusst die Realität.

Schwarzfahrer handeln wie Trittbrettfahrer, dabei allerdings sogar illegal. Wer so das Verhältnis zwischen Google und Presseverlagen beschreibt, hat entweder keine Ahnung vom geltenden Recht und der deutschen Rechtsprechung (Google verhält sich dem deutschen Recht entsprechend) oder verbreitet bewusst die Unwahrheit; oder suggeriert weiter, dass ein geplantes Gesetz bereits Gesetz ist (oder will einfach begründungsfrei denunzieren).

Die Interpretation von Herrn Altwegg als gewagt zu beschreiben, ist also untertrieben. Dass er sie im Artikel nicht weiter ausführt, überrascht nicht. Sie ist substanzlos.

Aber auch in Frankreich ist man um substanzlose Äußerungen nicht verlegen.

Der Herausgeber des linken „Nouvel Observateur“, Laurent Joffrin, macht eine andere Rechnung auf: „Innerhalb von zehn Jahren konnte Google beim Umsatz um eine Milliarde Euro zulegen. Jedes der Unternehmen, die den Inhalt produzieren, ist um den gleichen Betrag zurückgegangen.“

Was für eine grandiose implizierte Milchmädchenrechnung, die von einem Wirtschaftsverständnis eines Zwöfljährigen zeugt: Jeder Euro, der Presseverlagen verloren geht, wandert 1:1 zu Google, das selbst wiederum nichts zurückgeben will.

Was man dazu ein weiteres Mal sagen könnte:

1.) Märkte sind selten Nullsummenspiele. Der Werbemarkt ist erst recht keines. Nicht einmal ansatzweise.

2.) Google verdient sein Geld nicht mit Werbung neben Links zu Artikeln über den Irakkrieg oder die EU-Krise. Google verdient sein Geld mit Werbung bei transaktionsgetriebenen Suchen, also etwa bei Suchen zu Autos, Versicherungen oder Finanzprodukten. Das ergibt nicht nur aus einem mit gesundem Menschenverstand angetriebenen Blickwinkel Sinn. Das kann man auch überprüfen, indem man sich die über Auktionen ermittelten AdWords-Preise für die entsprechenden Keywords anschaut.

3.) Diese Tatsachen sind Allgemeinwissen für ansatzweise Interessierte zu aktuellen Wirtschaftsthemen und besonders zum seit Jahren stattfindenden Medienwandel. Und sie wurden in den letzten Jahren hier und anderenorts immer wieder thematisiert.

4.) Habe ich einen Schlaganfall? Ist das Gerät hier an?

Es ist vollkommen egal, wie man zu Google steht, um dieses Schmierentheater als solches wahrzunehmen. (Ich stehe diesem Konzern, dessen beste Zeit meines Erachtens schon länger hinter ihm liegt, ausgesprochen kritisch gegenüber.)

Noch einmal zurück zu dem Standpunkt, Google dürfte die Inhalte der Presse nicht entfernen:

Welches Ausmaß an Arroganz ist notwendig, um einerseits die Bezahlung für die Einträge der eigenen Inhalte im Suchindex zu verlangen und andererseits aber der Suchmaschine untersagen zu wollen, auf diese kostenpflichtigen Einträge zu verzichten?

Wie kann ein intelligenter Mensch hinter dieser Forderung nicht die mafiöse Argumentation sehen?

Oder kann er das, zieht aber aus egoistischen Gründen vor, ein anderes Bild zu zeichnen? Wäre das möglich?

Und: Wie lautet die ökonomische Begründung, für eine Leistung bezahlt werden zu wollen, auf deren Früchte man selbst auf keinen Fall verzichten will? Könnte es sein, dass man dann selbst so viel Nutzen aus dieser Beziehung zieht, dass auf einem Markt, auf dem beide Parteien über den Preis verhandeln und bei Nichtübereinkunft verzichten, der Preis für das Indizierendürfen der Inhalte auf Null sinken würde? (Oder wäre es gar möglich, dass Google sich bezahlen lassen könnte, weil es so viel Nutzen stiftet? Also so, wie es bei der Shoppingsuche von Google bereits der Fall ist?)

Ein DJV-Mitarbeiter hatte im März 2012 gefordert, dass Google bezahlen soll und wehe, wenn sie es wagen, auf die kostenpflichtigen Inhalte zu verzichten: Den Verzicht untersagen wir ihnen einfach, war seine Lösung. Ich schrieb damals daraufhin:

Was bereits für Google abwegig klingt, wird für kleinere Anbieter komplett grotesk: Wer hierzulande ein Suchmaschinenangebot oder einen Aggregator anbieten will, soll gezwungen werden, die [für ihn] kostenpflichtigen Inhalte der deutschen Presseverlage zu integrieren?

Muss man die Konsequenzen dieser Groteske wirklich ausformulieren?

Warum gibt es in den Qualitätsmedien wie der FAZ keine Debatte über die Folgen des Standpunktes, Google solle zum zahlen gezwungen werden?

Soll nicht das Feuilleton der Platz sein, an dem die Intelligenz des Landes ihre Positionen herausarbeitet und intellektuell jede Konsequenz zu Ende denkt? ‘Was würde denn passieren, wenn unsere Forderung ‘A’ umgesetzt wird? Spielen wir das einmal durch.’

Reicht es nur noch für ‘Jetzt hauen die Franzosen auch drauf. Das können wir für Stimmungsmache in eigener Sache nutzen!’?

Denkt hier jemand mit? Ist das hier an?

Noch einmal: Die schamlosen Unverschämtheiten von Publikationen wie der FAZ beim Thema Presseleistungsschutzrecht zeigen, dass die kommerziellen Massenmedien eher schlecht als recht als Basis für eine tatsächliche demokratische Meinungsbildung geeignet sind, die alle Partikularinteressen einer Gesellschaft deren Bedeutungen entsprechend einbezieht.

Das ist keine neue Erkenntnis, aber sie wird umso deutlicher sichtbar, wenn die Medien im eigenen Interesse berichten.

(Aber was denn dann sonst als Basis, könnte der interessierte Leser nun fragen. Die Antwort kann man (unter anderem) in Yochai Benklers “The Wealth of Networks” nachlesen und heißt ‘vernetzte Öffentlichkeit’.)

Top1000-Channels auf YouTube machen im Schnitt 23.000$ pro Monat

ReadWriteWeb über die YouTube-Ökonomie:

OpenSlate, which describes its services as delivering “actionable information about the value of online video to advertisers,” recently put together an infographic analyzing the top 1,000 YouTube channels.

Some of the findings are mind-blowing, like the fact that over one million YouTubers run ads on their content. To put it another way, YouTube writes checks to more than one million people monthly. That’s more than the U.S. television industry employs.

The highest-performing 1,000 make an cool six figures a year. According to OpenSlate, the average net profit for the top 1,000 channels is $23,000 a month for an average annual payout of $276,000.

Laut OpenSlate haben die Top1000 YouTube-Channels in den letzten 30 Tagen 87 Millionen Interaktionen (Kommentare, Ratings, etc.) hervorgerufen.

Siehe auch: