Medienwandel

“Nur” jeder dritte Jugendliche liest noch regelmäßig Tageszeitung? Ernsthaft?

23.11.2012

Apropos Realitätsverweigerung. Malte Buhse und Patrick Kremers auf Zeit Online:

Viele junge Leser haben ihre Entscheidung bereits getroffen. Nur jeder dritte Jugendliche zwischen 14 und 19 Jahren liest noch regelmäßig eine Tageszeitung. Vor zehn Jahren war es noch mehr als die Hälfte.

“Nur”?

Ich bin 33 und ich kenne niemanden in meinem Bekanntenkreis, der regelmäßig eine Tageszeitung liest. Die einzigen Personen, die ich kenne und die eine Tageszeitung abonniert haben, sind meine Eltern und meine Großeltern.

Ich bin überrascht, dass überhaupt noch Jugendliche Tageszeitungen lesen.…

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Die Verklärung der Zeitungskrise

23.11.2012

Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo in der Zeit:

Es gibt keine Branche in Deutschland, die sich so lustvoll und unheilvoll selbst beschädigt hat, wie es viele Verleger, Geschäftsführer und Journalisten der Printmedien getan haben. Sie begleiteten die Einführung ihrer Onlineangebote so manisch, als hätten sie permanent gekokst. Zu dieser Zeit hatten sie überwiegend Blätter, die reinste Gelddruckmaschinen waren; und sie waren Anteilseigner (und sind es trotz aller Schwierigkeiten immer noch) der in ihrer Vielfalt, Ernsthaftigkeit und Unabhängigkeit vielleicht besten Medienlandschaft der Welt.

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FTD war nie profitabel

23.11.2012

Jens Schröder auf Meedia über die Gründe des bevorstehenden Endes der Financial Times Deutschland:

Die größte aktive Käuferschaft, die die FTD je per Abo und Einzelverkauf erreichte, lag bei 67.000 bis 68.000 in den Jahren 2005 und 2006. Mit massenhaft verteilten Bordexemplaren und sonstigen Verkäufen gelang es zwar, bis zuletzt eine IVW-Auflage von mehr als 100.000 zu melden, doch inzwischen sind von den 67.000 aktiven Käufern nicht einmal mehr 45.000 übrig. Die FTD wurde im zweiten Quartal häufiger zum kostenlosen Verteilen in Flugzeuge geliefert (46.284) als in die Briefkästen zahlender Abonnenten (41.629).

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‘Gratiskultur’

22.11.2012

Angesichts des bevorstehenden Endes der Frankfurter Rundschau und der Financial Times Deutschland wird in den Kommentaren der Zeitungen wieder viel über die Gratiskultur im Internet als ein vermeintlicher Grund für das Printsterben geschimpft. Wir haben dieses Strohmannargument hier und anderenorts bereits mehrfach als eben dieses offengelegt.

Da ich keine Lust habe, immer wieder die gleichen Argumente aufzuschreiben, gibt es im Folgenden auszugsweise meine Anmerkungen zur ‘Gratiskultur’ aus einem Text, der eine Reaktion auf ein Interview mit Mathias Döpfner im Handelsblatt im November 2010 war.…

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Blogger wollen Reichweite, Journalisten nicht?

16.11.2012

Felix Salmon, Finanzblogger bei Reuters:

The problem was always that the FT’s best blog — representing a large chunk of its most valuable and highbrow content — was its Alphaville flagship, which consistently fought tooth and nail to remain free.

Die erfolgreichen Finanzblogger des Financial-Times-Blogs Alphaville wollen also von möglichst vielen gelesen werden und kämpfen deswegen darum, weiterhin kostenfrei und so mit möglichst geringen Hürden erreichbar zu sein.

Peter Hogenkamp, Digitalchef bei der NZZ, im Interview mit kress über die neue NZZ-Paywall:

Es hat gegenüber dem “Freemium”-Modell den Vorteil, dass in der Redaktion keine Diskussionen geführt werden müssen, was Premium- und was Gratis-Content ist.

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Harald Jähner in der Frankfurter Rundschau als Beispiel für die Blindheit der Branche

15.11.2012

Harald Jähner in der Frankfurter Rundschau über die Insolvenz selbiger und die Situation der deutschen Tageszeitungen:

Auch ein Teil der Leser verabschiedete sich von der täglichen Zeitung: Von 1991 bis 2012 sank die Gesamtauflage der deutschen Tageszeitungen von 27,3 Millionen auf 18,4 Millionen. Die Gründe sind natürlich wirtschaftlicher Natur; die Leser gingen den billigsten Weg. In ihrem Bestreben, online ganz vorn dabei zu sein, stellten die deutschen Zeitungsverlage gratis die Inhalte ins Netz, für die sie in gedruckter Form Geld verlangten.

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Axel Springer AG: 35% des Umsatzes & 36% des EBITDA kommt aus dem Digitalgeschäft

15.11.2012

manager magazin:

Springer selbst ist im Internetgeschäft das erfolgreichste Medienunternehmen des Landes, vor allem mit Rubrikenportalen im In- und Ausland wie Immonet, Totaljobs, Seloger oder Stepstone. Die Online-Einnahmen werden 2012 über eine Milliarde Euro betragen: “35 Prozent unseres Umsatzes und 36 Prozent unseres Ebitda stammen aus dem Digitalgeschäft”, sagt Döpfner. “Das ist mehr als bei allen publizistischen Unternehmen weltweit.”

Das kann man gar nicht oft genug sagen vor dem Hintergrund des von Springer mit Lobbymacht vorangetriebenen Presseleistungsschutzrechts:

a.) Axel Springer ist online wirtschaftlich erfolgreich.…

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Wenn Zeitungen den Niedergang anderer Zeitungen erklären

14.11.2012

Wolfgang Blau auf Facebook zu den Erklärungsversuchen des FR-Insolvenzantrags in der deutschen Presse:

Wenn Zeitungen den Niedergang anderer Zeitungen erklären oder kommentieren sollen, liegt der Niedergang wahlweise an:

a. der (angeblichen) Kostenloskultur der Internetnutzer
b. der Abwanderung von Anzeigenkunden ins Netz
c. an schlechtem Verlagsmanagement
d. der angeblich mangelnden Investitionsbereitschaft von Verlagen und Verlegern, oder neuerdings
e. an Smartphones, die in die Zeitbudgets der Zeitungsleser schneiden.

Das inzwischen fragliche journalistische Konstrukt namens Tageszeitung wird selbst jedoch äußerst selten als Grund genannt.

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Die deutschen Tageszeitungen in der Krise

14.11.2012

Mathias Brandt von Statista:

Aktuell gibt es in Deutschland nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) 333 Tageszeitungen. Vor 20 Jahren versorgten noch über 400 Blätter die Deutschen mit Informationen. Auch die verkaufte Auflage der Tageszeitungen ist seit Jahren rückläufig. Derzeit werden täglich knapp über 18 Millionen Exemplare verkauft. Zum Vergleich: 1991 waren es 27,3 Millionen Exemplare.

Die ePaper-Ausgaben der Zeitungen können den Auflagenschwund bisher nicht auffangen. Laut einer aktuellen Meldung des BDZV werden täglich etwas weniger als 230.000 ePapers in Deutschland verkauft.

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“Frankfurter Rundschau”: 1/5 der 500 Beschäftigten sind in der Redaktion

14.11.2012

Spiegel Online, dpa, dapd über den Insolvenzantrag der Frankfurter Rundschau:

Die Gewerkschaft Verdi reagierte überrascht auf den Insolvenzantrag. “Wir hatten gehofft, dass es andere Lösungen gibt”, sagte Manfred Moos, Landesfachbereichsleiter Medien, Kunst und Industrie bei Verdi in Hessen. Die Gewerkschaft glaube nach wie vor, dass die “Frankfurter Rundschau” eine “attraktive Zeitung in einer attraktiven Region ist”. In dem Frankfurter Verlagshaus arbeiten laut Verdi rund 500 Menschen, davon etwa ein Fünftel in der Redaktion.

Die Verdi sollte ihr Wunschdenken so weit wie möglich ablegen und sich intensiv mit den Herausforderungen der nächsten Jahre beschäftigen und sie sollte beginnen, über konkrete Strategien nachzudenken.…

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Time Magazine nutzt erfolgreich Instagram, um über Hurrikan Sandy zu berichten

05.11.2012

Das Time Magazine nutzte Instagram, um Fotos von den Folgen des Hurrikans Sandy zu verbreiten.

Forbes:

As the storm closed in on the coast Monday morning, Time’s director of photography, Kira Pollack, rounded up five photographers from the region and gave them access to the magazine’s Instagram feed. The photographers it sought out – Michael Christopher Brown, Benjamin Lowy, Ed Kashi, Andrew Quilty and Stephen Wilkes – are all heavy users of the Facebook-owned social photo platform.

Die Geschwindigkeit (und sicher auch die Größe) von Instagram waren die ausschlaggebenden Gründe für Time:

Using Instagram as the primary outlet for breaking news coverage was an experiment, Pollack says, but one motivated by necessity.

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Das Problem mit der Werbung im mobilen Web, auch und gerade für die Presse

01.11.2012

Holger Schmitdt bringt im Netzökonomie-Blog des Focus die aktuelle Herausforderung bei mobiler Webwerbung gut auf den Punkt:

Google und Facebook sind die letzten großen Web-Firmen, die noch auf Personalcomputern groß geworden sind. Nun haben sie Schwierigkeiten, ihre Werbemodelle ins mobile Web zu übertragen.

[..]

Das Kernproblem der Web-Firmen beim Übergang vom stationären zum mobilen Internet sind die Werber. Die sind nämlich – mal wieder – viel langsamer als die Nutzer.

[..]

Diese Kinderkrankheiten gelten in der schnell ändernden Medienwelt als normal.

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TechCrunch zeigt mit CrunchGov, wie Politikjournalismus künftig aussehen kann

31.10.2012

TechCrunch führt CrunchGov ein, eine neue Plattform für eine direkte politische Partizipation von Bürgern, die der in Hinterzimmern verhandelten Gesetzgebung etwas entgegensetzen soll:

So, we designed two tools, which are both first for a media organization as far as I know. One is a a report card – each House of Representatives member (and soon Senators) are rated on how their voting record aligns to the consensus interests of the technology industry. To gage what consensus issues are, we surveyed the top tech lobbies, which collectively represent most of industry.

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Print-Verbände: “Apples Preis-Überfall schadet Kunden und Anbietern”

30.10.2012

Auf BDZV und VDZ ist Verlass. Mobilszene:

Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) und der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) kritisieren in einer gemeinsamen Erklärung, die den Titel “Apples Preis-Überfall schadet Kunden und Anbietern” trägt, den Konzern für die Anhebung der Preise im App Store: ”Die nicht angekündigten deutlichen Preiserhöhungen von Apple für die Angebote im App-Store und iTunes-Store wirken sich als inakzeptabler Eingriff in die Preishoheit der Verlage aus, der ihrem wachsenden Mobile-Geschäft schadet und sich über die Kunden-Interessen hinwegsetzt.”

Ich hatte gestern bereits über die Preisanhebung von Apps und die Reaktion des Spiegels geschrieben.…

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Arroganz, Hysterie und Hilflosigkeit

29.10.2012

“But we buy ink by the barrel!”

Die Hysterie im Redaktionsblog von Spiegel, die den Autor “Spiegel-Red.” im Artikel Die Arroganz der Monopolisten vor allem auszeichnet, ist fast schon wieder amüsant:

Im App-Store wird auch der SPIEGEL-Preis erhöht – weil Apple das so entschieden hat. Wir halten das für einen skandalösen Vorgang von grundsätzlicher Bedeutung.

Max Winde findet auf Pinboard und in den Kommentaren unter dem Artikel die richtigen Worte:

Anstatt sachlich darüber zu berichten, welche Probleme durch die Änderung der Preisstufen für den Spiegel-Verlag entstehen und ein wenig über die Hintergründe im Digitalvertrieb von Nachrichten zu schreiben wird hier gleich im allerersten Satz die “Skandal” Keule rausgeholt und im Titel von Arroganz und Monopolisten geschwafelt.

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Wissenschaftliches Veröffentlichen: Open Access wächst stärker als vermutet

26.10.2012

Der Guardian über eine Studie, die ein unerwartet hohes Wachstum von Open Access aufzeigt:

The Finnish researchers found not only that nearly 17% of research papers worldwide are now published in open access journals, a figure that is two to three times higher than was previously supposed, but also that the exponential rise in open access publishing shows no sign of slowing down.

In the UK, since about 35% of papers are reckoned to be made available through deposition in repositories — the green route — the total percentage of open access papers (52%*) looks like it has crossed the half-way mark.

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FAZ und Süddeutsche planen Bezahlschranken. Wofür braucht es noch ein Leistungsschutzrecht?

25.10.2012

dpa/newsroom.de:

Immer mehr Tageszeitungen in Deutschland wollen Bezahlschranken für ihre Online-Angebote einführen. “Selbstverständlich wollen wir das”, sagte der Sprecher der “FAZ”-Geschäftsführung, Tobias Trevisan, am Donnerstag beim “Publishing-Gipfel” der Medientage München. Bisher gebe es dafür aber noch kein einfaches und kostengünstiges Bezahlsystem.Auch der Geschäftsführer der Südwestdeutschen Medien Holding, Richard Rebmann, kündigte neue Paywalls an. Das bisherige Geschäftsmodell, das auf Werbung setze, funktioniere nicht. Die Zeitung “Die Welt” hatte vor kurzem bereits bekanntgegeben, dass sie Gebühren für Online-Beiträge erheben will.

Als ich diese Nachricht las, hatte ich zwei Gedanken:

1.…

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Medientage München: Alle gegen Google

25.10.2012

Medientage München: Alle gegen Google | BASIC thinking:

Bei der Elefantenrunde zum Auftakt der Medientage München gab es prinzipiell Einigkeit: Google müsse stärker reguliert werden. Dumm nur, dass Google Deutschland-Chef Stefan Tweraser auch anwesend und anderer Meinung war.

2013 dann das gleiche Spiel mit Facebook.

2014 mit Foursquare.

Es geht voran in Deutschland.

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Will die FAZ mit öffentlichen Geldern finanziert werden?

22.10.2012

Vor einigen Wochen erschien in der FAZ ein Artikel, in dem, mal wieder, eine öffentlich finanzierte Suchmaschine gefordert wurde:

Google braucht Konkurrenz, meint Hans Hege, Chef der Medienanstalt Berlin-Brandenburg: ein Plädoyer für eine öffentlich finanzierte Suchmaschine im Internet.

Einmal davon abgesehen, dass die EU mit einem solchen Projekt bereits einmal gescheitert ist und selbst Microsoft trotz Investitionen in Bing von 10 Milliarden US-Dollar in den letzten fünf Jahren kaum vorankommt, das Vorhaben also alles andere als trivial ist, ist Folgendes an diesem Vorschlag beachtenswert:

Wenn wir diese Forderung nach einer mit öffentlichen Geldern finanzierten Suchmaschine, die ein Steckenpferd des FAZ-Mitherausgebers Frank Schirrmacher zu sein scheint, mit der auch in der FAZ zu findenden Forderung verbinden, dass Suchmaschinen für die Verlinkung von Presseinhalten bezahlen müssen und sie auf dieses teure Privileg nicht verzichten dürfen, heißt das dann, dass die FAZ über den Umweg der staatlich finanzierten Suchmaschine hofft, sich mit öffentlichen Geldern teilzufinanzieren?…

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Google-Krieg der deutschen Medien: Die Masken sind jetzt gefallen

22.10.2012

Zu den vielen bemerkenswerten Aspekten des geplanten Presseleistungsschutzrechts, das ein Lobbyvorstoß der Springer AG und ein von unabhängigen Rechtsexperten mehrheitlich abgelehnter Gesetzesvorschlag ist, gehört die kritiklose, oft teilweise ins Groteske abgleitende Berichterstattung in eigener Sache in fast allen deutschen Printmassenmedien.

Sie zeigen damit unwillentlich auf, wie schlecht eigentlich kommerziell orientierte Massenmedien für die öffentliche Meinungsbildung und damit als Stützen der Demokratie geeignet sind.

Das jüngste Beispiel ist ein Artikel von Jürg Altwegg in der FAZ mit dem Titel “Frankreichs Google-Krieg: Die Masken sind jetzt gefallen” über den Streit zwischen Google und der französischen Regierung.…

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