Archive for the 'Netzmedien' Category

Meedia startet mit Fehler-Reigen

Der neue Online-Mediendienst Meedia ist soeben gestartet. Ich habe mir mal die Internetkurznachrichten auf Meedia angeschaut und staunte nicht schlecht. Da findet man eine kurze Meldung zur Übernahme von ContentNext durch den Guardian (leider keine(!) Permalinks zu Meldungen), der so kurz wie voller Fehler ist:

Die britische Guardian Media Group kauft das Blog-Netzwerk PaidContent für 30 Mio. US-Dollar. PaidContent betreibt diverse Weblogs, die sich mit der Vermarktung von Inhalten auseinandersetzen, das bekannteste ist PaidContent.org. Erst kürzlich wurde das Techblog Engadget vom US-Magazin “Wired” aufgekauft.

Fehler:

  1. Das Unternehmen hinter PaidContent.org heißt ContentNext nicht PaidContent
  2. Nicht Engadget wurde vor kurzem übernommen, sondern Ars Technica
  3. Ars Technica wurde auch nicht von Wired übernommen, sondern von Conde Nast, zu dem auch das Magazin Wired gehört

Bonusanmerkung: Die 30Mio. $ werden von Kara Swisher vermutet und wurden nicht offiziell bestätigt.

Übrigens: Kollege Steglich hat auf medienlese über die Übernahme am Freitag ebenfalls geschrieben. Der Text ist um Vielfaches länger als die meedia-Meldung. Und trotzdem ohne Fehler. Remarkable.

[Hier bitte Anmerkung zu Blogs und Qualitätsjournalismus einfügen]

Update:

Man liest Blogs bei meedia oder man hat sich zumindest die Reaktionen zum Start angeschaut. Alle Fehler wurden klammheimlich korrigiert:

Die britische Guardian Media Group kauft die Blog-Firma ContentNext für geschätzte 30 Mio. US-Dollar. ContentNext betreibt diverse Weblogs, die sich mit der Vermarktung von Inhalten auseinandersetzen, das bekannteste ist PaidContent.org. Erst kürzlich wurde das Techblog ars technica vom US-Verlag Condé Nast aufgekauft.

Gern geschehen. Hätte mich auch über eine Reaktion von meedia in den Kommentaren hier gefreut. :)

Ist die Nachricht wichtig, wird sie mich finden.

“If the news is that important, it will find me.” so laut New York Times ein College-Student in einer Studie über den Medienkonsum junger Leute.

Das trifft die aktuellen Veränderungen des Weges der Nachrichten vom Sender zum Empfänger ziemlich gut.

Ist auch im Grunde nix Neues. Aber in seinen Implikationen gar nicht zu unterschätzen. Man muss sich wirklich mal ein paar Minuten (oder mehr) Zeit nehmen und darüber nachdenken.

Andreas Göldi hat sich dazu ein paar Gedanken gemacht und das gut zusammengefasst .

Im Prinzip sagt dieser Satz aus, dass Nachrichten immer mehr vom Pull- zum sozialen Push-Medium werden. Wir gehen als Medienkonsumenten nicht mehr rituell in regelmässigen Abständen zur Newsquelle — so, wie man früher morgens die Zeitung gelesen oder brav zu einer festgelegten Zeit die Tageschau geguckt hat –, sondern wir warten ab, welche Nachrichten sich als relevant genug herausstellen, dass sie uns von anderen empfohlen werden.

Immer weniger bestimmen professionelle Medienschaffende, welche News wir als wichtig empfinden. News werden sozial. Empfehlungen anderer Leute — Freunde, Arbeitskollegen, Geschäftspartner, Gleichgesinnte — werden wichtiger als das, was Redaktionen als berichtenswert empfinden.

Es ist quasi eine schleichende Entmachtung der großen Redaktionen. Denn deren Zusammenstellung, Gewichtung und Anordnung an Nachrichten wird immer unwichtiger.

Es ist der Weg weg von Hierarchien und hin zu offenen, teilweise völlig neuen Ansätzen, die so typisch für das Netz sind.

Aggregatoren wie Techmeme oder Rivva erzeugen die Gewichtung, die Relevanzeinstufung über offene, marktähnliche Strukturen (man könnte es auch mit der Evolution vergleichen: “Survival of the most important” sozusagen).

Und der eigene Freundeskreis agiert zusätzlich als Bündel menschlicher Filter.

Auch Websites, die primär eine soziale Funktion erfüllen — Facebook oder Twitter beispielsweise — werden immer mehr als Kanal genutzt, mit dem man andere Leute auf interessante Meldungen aufmerksam machen kann.

 

Wie ich bereits am Ende meines Artikels über APIs, Märkte und Hierarchien nebenbei anmerkte:

Nicht der (anpassungsfähige) Journalist wird mit dem Netz somit in großen Teilen überflüssig, sondern der Redakteur…

Holtzbrinck + Wickert = zoomer.de

Holtzbrinck startet mit zoomer demnächst ein neues Nachrichtenportal. Das Interessante dabei: Man hat Ulrich Wickert (ja, genau der) als Herausgeber gewinnen können. Außerdem wird er dort eine Video-Kolumne herausgeben.

Interview mit Wickert im (Holtzbrinck-Produkt) tagespiegel:

Ich nehme schon an der Arbeit in der Redaktion teil, diskutiere mit den Online-Redakteuren. Und später werde ich regelmäßig Videokommentare, zu Politik oder auch ganz Alltäglichem, einbringen.

Die Videos hoffentlich in einem abonnierbaren Podcastfeed. (Man wird ja noch träumen dürfen)

zoomer soll eine Mischung aus journalistisch erstellten Inhalten und user generated content werden.

Noch gibt es auf der Seite nichts zu sehen. zoomer wird in den nächsten Wochen freigeschaltet.

Bin mal “gespannt”, an welcher US-Seite man sich diesmal “orientiert” hat. Vielleicht newsvine?

siehe auch weitere Mainstreammedien

(via)

Blognetzwerk Blognation steht zum Verkauf

Nachdem jüngst bekannt wurde, dass Blognation die eigenen Blogger nicht bezahlen konnte, ist es nun offiziell: Blognation-Gründer Sam Sethi, der keine Finanzierung für Blognation auftreiben konnte, verkauft das Blognetzwerk.

Wie ironischerweise vor genau einem Jahr zur LeWeb-Konferenz, als Sethi Techcrunch UK verließ und damit einen wahren Clusterfuck auslöste, ist es auch diesmal wieder Soap Opera-Style at its best. Sethi, der seine Schreiber über den Status der Finanzierung anlog, sieht in dem Desaster die Fehler bei allen anderen nur nicht sich selbst. Da gehört schon eine Menge Chuzpe dazu.

Nun steht das aus mehreren Ländern über die lokale Startupszene berichtende Netzwerk also zum Verkauf. Angesichts der nicht gerade geringen mittlerweile angehäuften Schulden dürfte das nicht leicht werden. Da Blognation eine Ltd. ist/war, ist auch nicht sicher, ob die beteiligten Blogger überhaupt bezahlt werden.

Bedauerlich, vor allem da, wie ich neulich erst erwähnte, Blognation Germany in meinen Augen das beste aus Deutschland stammende Techblog ist/war. Mein Beileid an Markus Spath, der viel Arbeit in dieses Blog in den letzten Monaten gesteckt hat.

Einen Lichtblick gibt es: Das Blognetzwerk b5media hat vor einiger Zeit ein Angebot für Blognation gemacht und wird Blognation nun vielleicht letztlich doch übernehmen. Zu wünschen wäre es. Die Idee hinter Blognation, lokale Blogger berichten über die jeweilige Startupszene im international verständlichen Englisch in einer gemeinsamen Anlaufstelle, ist nach wie vor eine gute. Bei b5media wäre Blognation gut aufgehoben. Das unter anderem von Problogger Darren Rowse mitgegründete b5media unterhält erfolgreich bereits mehr als 290 Blogs.

Mitteilung an alle deutschen Blogs: Don’t believe Valleywag

gapingvoid-evil

(pic by gapingvoid)

 

Es ist erstaunlich, dass man es immer wieder sagen muss, deshalb hier und jetzt noch mal once and for all: Valleywag ist keine -I repeat _keine_!- vertrauenswürdige Quelle.

Immer wieder kommt es vor, dass deutsche Blogs auf Valleywag linken und die dort geposteten Stories für bare Münze nehmen. Hint: Jede Geschichte, die nur auf Valleywag gepostet ist und von keiner anderen Seite unabhängig von Valleywag untermauert wird, ist mit einer Wahrscheinlichkeit von, sagen wir, >80% falsch (<-Untertreibung).

So geschehen bei der Story, dass Facebook-CEO Mark Zuckerberg bei der letzten Facebook-Finanzierungsrunde einen kleinen Teil seiner Anteile an Facebok für 40 Millionen$ verkauft habe. Es wäre eine, gelinde gesagt, ungewöhnliche Vorgehensweise gewesen. Und die Blogpiloten haben diese Nachricht ohne mit der Stirn zu runzeln übernommen (Anmerkung: Blogpiloten haben es mittlerweile richtiggestellt).

Die Geschichte war natürlich, mal wieder, ausgemachter Unsinn. Siehe Fake(sic!) Steve Jobs (aka Dan Lyons, Journalist beim Forbes Magazine):

Sadly, Owen keeps delivering huge scoops that are really sizzly and exciting but often have just one teeny tiny problem which is that they’re simply not true. Like check out this one breathlessly posted at 2 in the morning where Owen claimed Mark Zuckerberg had sold some of his share in Facebook, which turns out not to be true. So, half a day later, Owen penned this groveling apology in which he tries to blame the whole thing on Facebook insiders who apparently gave him some bad dope.[..]

Owen, I hate to break this to you, but the most likely explanation is that people in the Valley friggin hate you and are feeding you fake shit because they know you’ll print it and look stupid.

Siehe das FSJ-Posting für die Links zu Valleywag. Ich linke nicht auf diesen Misthaufen.

Wer daran interessiert ist, zu erfahren, wie Valleywag arbeitet, hier die Kurzfassung: Es wird alles gepostet, was nach Skandal in der Techwelt riecht, Anzahl und Glaubwürdigkeit der ‘Quellen’ spielen für Valleywag keine Rolle. Lange Fassung bei Robert Scoble. Er erklärt, wie einfach es ist, Valleywag hinters Licht zu führen und warum das so ist:

Why do these tactics work? Because Valleywag doesn’t call sources to check facts and Valleywag doesn’t really care about whether something is true or not before printing it.

 

Kurz zum Hintergrund von Valleywag:

Es gehört zu Nick Dentons Gawker-Blognetzwerk. Eines der reichweitenstärksten und erfolgreichsten Blognetzwerke weltweit. Zu dem neben dem namengebenden NewYork-Gossipblog Gawker unter anderem auch das Gadget-Blog Gizmodo und das Productivity-Blog Lifehacker gehören. Gäbe es nicht letzteres, das in meinen Augen zu den besten Blogs weltweit zählt, hätte ich nichts dagegen, wenn Gawker zugeschüttet würde. Gawker.com ist wie Valleywag eine Dreckschleuder. Beide sind in ihren jeweiligen Nischen (Gawker NewYork-Tratsch, Valleywag Tech/Silicon Valley) darauf ausgelegt so viele PageImpressions wie möglich zu erzeugen, egal wie (Insofern liegt das recht nah am Qualitätsjournalismus von sueddeutsche.de& co.: Klicks, Klicks, Klicks).

Wer ernstgenommen werden will, lässt die Finger von nur dort publizierten Geschichten, die man nicht selbst unabhängig verifizieren kann.

Können wir uns also bitte darauf einigen, Valleywag nicht mehr als glaubwürdige Quelle anzusehen? Danke.

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