Bessere Kommentare dank Registrierungspflicht

Noch eine Anmerkung nach dem Hinweis auf die lesenswerten Kommentare zu E-Books in Deutschland:

Grundsätzlich ist die Qualität der Kommentardiskussionen auf neunetz.com nach der im Februar 2012 vorgenommenen Umstellung auf eine Registrierungspflicht via Disqus, Facebook, Twitter, Google oder OpenID, wie zu erwarten war, enorm angestiegen. Überraschenderweise hat die Umstellung außerdem keinen spürbaren Einfluss auf die Quantität gehabt. Offenbar animiert die höhere Debattenqualität manche zur Beteiligung, die unter anderen Umständen nachvollziehbarerweise hierauf keine Lust gehabt hätten, während die Registrierung für die hiesige Leserschaft dank vorhandener Accounts bei den oben genannten Diensten, wie ich zur Umstellung bereits ausführte, keine erhebliche Hürde darstellt.

Win-win.

10 Jahre Google News: Ein Geschenk an die Medien

The Atlantic über 10 Jahre Google News:

Google News was founded 10 years ago — September 22, 2002 — and has since functioned not merely as an aggregator of news, but also as a source of traffic to news sites. Google News, its executives tell me, now “algorithmically harvests” articles from more than 50,000 news sources across 72 editions and 30 languages. And Google News-powered results, Google says, are viewed by about 1 billion unique users a week. (Yep, that’s billion with a b.) Which translates, for news outlets overall, to more than 4 billion clicks each month: 1 billion from Google News itself and an additional 3 billion from web search.

Entgegen der Verlautbarungen der deutschen Presseverlage ist Google News ein enormes Geschenk an die Presselandschaft.

Carta e.V.

Tatjana Brode auf Carta:

Vor einem Jahr, am 16. September 2011, ist Carta-Gründer Robin Meyer-Lucht gestorben. Seine klugen Analysen, seine Ideen und leidenschaftlichen Debattenbeiträge haben den medienpolitischen Diskurs, nicht nur auf Carta, vorangetrieben. Um das von ihm begonnene Werk fortzusetzen, haben wir am 26. Januar 2012 die Website neu gestartet.

In einem zweiten Schritt haben wir im Mai 2012 den Verein Carta e.V. gegründet, dessen Gemeinnützigkeit inzwischen anerkannt ist. Der Verein hat in diesen Tagen seine Arbeit aufgenommen.

Kollaborative Breaking News auf Reddit

Johannes Kuhn auf sueddeutsche.de über die Berichterstattung zum Amoklauf in Aurora, USA, auf Reddit:

Und die Reddit-Nutzer zeigten zu diesem tragischen Anlass, wie Breaking News im Jahr 2012 aussehen können.

Genauer gesagt war es der 18-jährige Morgan Jones, der Minute für Minute Hinweise und Links anderer Nutzer prüfte, sie bei Reddit einspeiste und damit für eine neue Form der sozialen Berichterstattung sorgte. Was daraus entstand, war keine zusammenhänge Geschichte, doch ein bewegender Überblick über die Ereignisse (von Augenzeugenberichten bis hin zu dokumentierenden Materialien wie Tonaufnahmen des Polizeifunks). Oder, wie Megan Garber vom Atlantic schrieb: “The facts here speak for themselves, and yet the entire timeline is an act of generosity – a gesture of shared humanity expressed through information.”

Die Social-News-Site Reddit hat die Communitygröße und die rudimentären Tools für diese Art Berichterstattung. Man benötigt nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass in diesem Bereich mit der Ausdifferenzierung der Onlinedienste und ihrer Verknüpfung und der Verbreitung von Smartphones beispielsweise diese Entwicklung erst am Anfang steht. Das Cognitive Surplus ist vorhanden. Es fehlen nur noch besser geeignete Werkzeuge. Wikipedia etwa wird auch zunehmend zu einer Anlaufstelle für Breaking News. 

Jochen Krisch und Richard Gutjahr über ihre Erfolge als Blogger

Leander Wattig interviewt auf seinem Blog deutsche erfolgreiche Blogger, wie etwa Jochen Krisch von Exciting Commerce, dem führenden E-Commerce-Blog im deutschsprachigen Raum, bei dem ich auch als Autor tätig bin.

Branchenanalyst Jochen Krisch über seine Vermarktungs-Erfahrungen als Blogger:

Lässt sich Ihr Erfolg in Zahlen ausdrücken?

Eine regelmäßige Leserschaft im fünfstelligen Bereich, die uns in den Lesercharts kontinuierlich nach oben bringt, Einnahmen im mittleren sechsstelligen Bereich. Um einnahmenseitig nicht zu abhängig zu werden von ein paar wenigen Werbepartnern und Sponsoren, finanzieren wir uns inzwischen zu einem guten Teil durch Veranstaltungen wie die Exceed- oder die K5-Konferenz.

Journalist und TV-Moderator Richard Gutjahr über seine Vermarktungs-Erfahrungen als Blogger:

Lässt sich Ihr Erfolg in Zahlen ausdrücken?

Im letzten Jahr hatte ich eine Million Pageviews. Das ist eine Menge dafür, dass ich die Seite ja nur in meiner Freizeit betreibe. Aber die Masse allein ist für mich nicht entscheidend. Als ich mit dem Bloggen angefangen habe, war mein Ziel, dass sich die Seite irgendwann selbst trägt. Heute dient mir das Blog als Plattform, um im Netz gefunden zu werden, um Teil der Konversation zu sein. Das ist Voraussetzung dafür, um mit dem Publikum ins Gespräch zu kommen, und natürlich auch dafür, um neue Aufträge zu generieren. Allein im letzten Jahr habe ich zwei Buchangebote bekommen. Ohne mein Blog undenkbar.

Gute Sache. Vor allem, da Erfolgsgeschichten über Blogs in Deutschland noch immer rar gesät sind und der übliche Blick auf die großen Flops noch immer die Sicht auf die wenigen aber vorhandenen Erfolge verstellt.

Siehe auch:

Carta bekommt wissenschaftlichen Beirat und Förderverein

Gute Neuigkeiten bei CARTA:

Nach dem erfolgreichen Neustart am 26. Januar gibt sich die Autorenplattform Carta nun eine neue Organisationsform: Carta wird künftig von einem Wissenschaftlichen Beirat und einem (gemeinnützigen) Förderverein flankiert. Außerdem soll die Plattform durch die Gründung einer Unternehmergesellschaft, die Kooperation mit dem Berliner Institut für Medien- und Kommunikationspolitik und die Übernahme der Anzeigen-Vermarktung durch ZEIT ONLINE auf eine wirtschaftlich stabilere Grundlage gestellt werden. Neu sind auch die Einrichtung eines Redaktionsbüros und die Erweiterung des Herausgeberkreises. [..]

Im Zusammenhang mit der Gründung des Carta-Vereins ist auch die Einrichtung eines Robin Meyer-Lucht-Stipendiums geplant. Gefördert werden sollen Studierende, die den Wandel von Öffentlichkeit und Netzkultur erforschen. Im Rahmen einer Mitarbeit am Projekt Carta sollen den Stipendiaten zudem praktische Kenntnisse im Bereich der Netzpublizistik vermittelt werden.

Damit stellt sich Carta auch von Format, Arbeitsweise und Refinanzierung her interessanterweise anders auf, als man das von Presseerzeugnissen hierzulande gewöhnt ist. (Vom Förderansatz der taz einmal abgesehen.) Das Experiment Carta bleibt eines der spannendsten hierzulande und erscheint mir mit den Neuerungen besser denn je aufgestellt.

Kontrolle ist relativ

Eine gute Anmerkung von Robert Agthe zum gestrigen Aufruf von Sascha Lobo, auf selbst gehostete Blogs und damit auf komplette eigene Kontrolle zu setzen (siehe “Soziale Netzwerke gehören dazu“):

Im Internet ist “alles” nur geborgt und gemietet. Facebook, Twitter, Tumblr, Server, Datenbanken, Domain, DSL, 3G. Alles kann abgeschalten, gesperrt, behindert oder beschlagnahmt werden. [..]

Man hat auf dem eigens gemieteten Webspace nur etwas mehr Kontrolle über die dort befindliche Software. Das war es dann aber auch schon. Man vermutet einfach mal, ein selbst hochgeknalltes WordPress läuft dann besser und sicherer als ein von Profis betreuter Blogging Service und fühlt sich dann irgendwie “sicherer”.

Wie weit dieses “alles” gehen kann, konnte man bei Wikileaks sehen.

 

 

Soziale Netzwerke gehören dazu

 

Es gibt viele Anzeichen, dass sich eine digitale Gesellschaft entwickelt, vom Erfolg der Piratenpartei bis zur Netzselbstverständlichkeit einer jungen Generation. Aber den Rahmen für diese digitale Gesellschaft setzen bisher nicht diejenigen, die er betrifft, sondern die Aktionäre einer handvoll kalifornischer Konzerne. Und das wiederum ist die Schuld derjenigen, die Internet sagen und Social Networks meinen, die nicht bemerken, dass sie auf Facebook, Twitter und Google Plus nur zu Gast sind. Der Weg vom Netzkonsumenten zum mündigen Digitalbürger führt nur über eine selbstkontrollierte Web-Seite, alles andere ist unterhaltsames, nützliches, schmückendes Beiwerk.

Das schreibt Sascha Lobo auf Spiegel Online in seiner Funktion als Kolumnist. Er schreibt es nicht auf seinem Blog, auf dem ungefähr einmal im Monat ein Artikel über Hotels erscheint.

Sascha Lobo ist erfolgreich, auch weil er es geschafft hat, sich an die Spitze der bestvernetzten deutschen Einzelpersonen auf Facebook und Twitter zu setzen. Lassen wir einmal außer acht, dass derjenige nun zum Bloggen auffordert, der über die Reichweite dieser Netzwerke sofort ein eigenes erfolgreiches Blog betreiben könnte und genau das nicht tut:

Er hat recht mit seiner Aufforderung.

Was er aber vergisst oder nicht erwähnt, sind die Gründe, die für die Nutzung von Social Networks sprechen. Twitter, Google+ und Facebook machen das Vernetzen und alles was damit einhergeht, sehr viel einfacher. Das hat nur bedingt etwas mit Bequemlichkeit zu tun (obwohl die auch ok und wichtig ist), sondern mehr etwas mit mehr Reichweite und einfacherer Auffindbarkeit.

Diese Vorteile zeigen auch direkt auf, wie man Social Networks und das eigene Blog am besten benutzt: Social Networks für die Verbreitung der Inhalte, die Inhalte selbst auf dem eigenen Blog. Also da, wo man nicht nur die Kontrolle über die Inhalte hat, sondern auch die Möglichkeiten, sie so aufzubereiten, wie man das gern möchte.

Die selbstbestimmte Onlinepräsenz als Hauptquartier, die Netzwerkpräsenzen als Außenposten.

Denn ohne Social Networks geht es auch nicht. Muss es auch nicht und sollte es auch nicht.

Übrigens: Wir sollten den US-Konzernen von Facebook bis Twitter dankbar dafür sein, dass es sie gibt und sie innovativ ihre Angebote vorantreiben. Sonst wären wir hierzulande immer noch auf YiGG und co. beschränkt. Den Blogs wäre nicht geholfen.

Abschlussbemerkung: Manche Blog-/Netzwerk-Anbieter wie Tumblr unterscheiden sich in einem Aspekt von zum Beispiel Facebook-Fanpages oder Twitter-Accounts ganz wesentlich: Ihr Angebot kann auf einer eigenen URL laufen und die Inhalte lassen sich exportieren. Plattformanbieter, bei denen das möglich ist, erlauben also einen möglichst reibungslosen Wechsel von der Bequemlichkeit zur Eigenbestimmtheit.

Ein guter Kompromiss für jeden, der anfangen will, seinen eigenen Weg zu gehen.

Siehe zum Thema auch:

 

Carta heute und morgen

Stefan Mey hat für Netzpiloten Tatjana Brode zu Gegenwart und Zukunft von Carta interviewt. Interview mit carta.info: Meinungsjournalismus statt Nachrichten:

Wir haben Carta vor allem wieder gestartet, weil wir Robins Werk fortsetzen wollten. Nach Robins Tod haben sich viele Leute gemeldet, die dabei sein wollten, wenn es weitergeht. Das war eine Motivation für Wolfgang Michal und mich zu sagen: „Okay, wir versuchen es“. Hinzu kamen positive Signale von Seiten der Autoren. Vielleicht muss man jetzt fragen, was man anders oder auch besser machen kann. Wir werden versuchen, die Strukturen dezentraler zu organisieren, die Arbeit stärker zu verteilen. Natürlich wäre es schön, wenn wir einen guten Vermarkter finden, und noch besser, wenn wir außerdem eine Förderung bekämen. Aber wir haben nicht den Anspruch, dass sich Carta unbedingt sofort tragen muss.

Carta wird wohl einen Förderverein gründen. Das wird zumindest im Interview angedeutet. Vielleicht könnte das ein in Deutschland tragfähiges Modell für diese Art von Publikation sein.

Presseverlage betrügen bei IVW- und AGOF-Zahlen zur Online-Reichweite

Jens Schröder beschreibt auf Meedia die wohl gängige Praxis von vielen deutschen Presseverlagen, ihre Zahlen bei den Reichweitemessern IVW und AGOF ‘aufzubessern’, indem sie die Zugriffszahlen von Partnersites und übernommenen Webangeboten zu den Zahlen der eigentlichen Presseangebote dazuzählen:

Zu den Angeboten, die diese Methodik intensiv nutzen, gehören derzeit N24, Focus Online, Süddeutsche.de, Zeit Online, DerWesten und Welt Online, also viele große Anbieter.

Das heißt, die von diesen Angeboten ausgegebenen IVW-Zahlen geben gar nicht die Besucherzahlen wieder. Dass AGOF und IVW diese Praxis erlauben, macht sie nicht besser.

Noch bizarrer wird es im Fall N24: Hier liegen zwar keine detaillierten AGOF-Daten für den Bestandteil wer-weiss-was vor, doch ein Blick auf die Zahlen aus Googles Research-Tool Ad Planner zeigt, dass die Bezeichnung N24.de für das Angebot etwas irreführend ist. Die Domain n24.de erreichte demnach im Februar 0,74 Mio. Unique Visitors, wer-weiss-was.de kam aber auf 2,60 Mio., also auf ein Vielfaches des namensgebenden Angebots.

Das Qualitätsjournalismusangebot N24.de ist also nur für einen Bruchteil der dafür ausgewiesenen Zahlen verantwortlich, während das von User Generated Content gespeiste wer-weiss-was den Löwenanteil ausmacht.

[Hier bitte Anmerkung zum Presseleistungsschutzrecht einfügen.]

 

Breaking: Blogs doch nicht tot

Nielsen Wire über eine stetig steigende Zahl an Blogs:

Blogs are sometimes overlooked as a significant source of online buzz in comparison to social networking sites, yet consumer interest in blogs keeps growing. By the end of 2011, NM Incite, a Nielsen/McKinsey company, tracked over 181 million blogs around the world, up from 36 million only five years earlier in 2006.

[..]

It’s no surprise that the growing number of blogs mirrors a growth in bloggers. Overall, 6.7 million people publish blogs on blogging websites, and another 12 million write blogs using their social networks.

Blogs

Die Top-Plattformen sind Blogger, WordPress und Tumblr. Das zu Google gehörende Blogger ist immer noch die größte Plattform der drei, zumindest was die Besucherzahlen in den USA angeht. Das ist auch in Hinblick auf die zweifellos kommende tiefe Google+-Integration in Blogger ein interessanter Fakt ist.

Siehe zum Thema Blogs auch: Ausdifferenzierung: Twitter und Facebook verdrängen nicht, sondern verbreiten Bloginhalte

Rivva wird eventuell ein Premiumangebot bekommen

Rivva-Macher Frank Westphal im Interview auf 1000ff über ein mögliches Premiumangebot von Rivva:

Gedacht war an sich, den alten Twitter-Agent wiederzubeleben und den Nutzern volle Kontrolle über die Datenströme und Algorithmen zu geben, quasi einen Baukasten à la Yahoo Pipes anzubieten. Information Diet, Filter Bubble und die Kritik am Algorithmus stehen ja gerade hoch im Diskurs – die Ermächtigung der Leser, sich nach eigenem Gusto eine persönliche Frank-Schirrmacher-Maschine (wie Wolfgang Michal sie taufte) zusammenklicken zu können, die umso besser wird, je länger man sie benutzt, wäre nur der nächste konsequente Schritt. Für mich selbst habe ich viele der dafür nötigen Bauklötzchen bereits fertig. Die große Herausforderung wird jedoch sein, die Gesamtkomplexität hinter einem intuitiven User Interface zu verbergen. Wer diese Nuss knackt, gewinnt.

Klingt spannend und nützlich.

Kathrin Passigs Medienkonsum

Kathrin Passig über ihr Medienverhalten:

Im Netz habe ich um 2005 herum eine Weile meinen RSS-Feedreader vollständig ignoriert: Ich war einfach überfordert von der Menge an ungelesenem Zeug, die sich da zügig ansammelte und mich vorwurfsvoll anstarrte. Irgendwann gewöhnte ich mich an diese Überfülle, dabei halfen paradoxerweise Angebote wie alltop.com, bei denen es offenkundig keine Chance gibt, sie je leerzulesen. Seitdem geht es wieder, und das, was ich im Netz lese, speist sich jetzt ungefähr (geraten und nicht gemessen, kann also auch ganz anders sein) zur Hälfte aus dem Feedreader und zur Hälfte aus dem Bekanntenkreis via Google+, Twitter und Facebook. Ein oder zwei Jahre lang hatte ich mir für die wichtigsten Feeds eine Weiterleitung nach Twitter gebastelt (via Yahoo Pipes und Twitterfeed), aber seit es Google+ gibt, nutze ich Twitter viel weniger und sehe deshalb auch diese Weiterleitung kaum mehr. Ich habe im Feedreader eine Abteilung “Shortlist”, die ich immer zu lesen versuche, aber eigentlich klappt auch das nicht, und in die Feeds, die nicht in dieser Rubrik wohnen, schaue ich nur alle paar Monate mal rein. Innerhalb dieser Shortlist gibt es so was wie die echte Shortlist, in der ich immer alles ziemlich bald nach Erscheinen lese, aber auch die ist noch zu lang, um sie hier aufzulisten, und man kann seinen Google-Reader-Inhalt offenbar noch nicht einfach öffentlich freischalten. Highlights: Stefan Niggemeiers Blog, Marginal Revolution, Less Wrong, Overcoming Bias, Penelope Trunk, O’Reilly Radar. Nachrichtenseiten im Netz besuche ich nur, wenn gerade irgendwo ein Vulkan oder ein Krieg ausbricht.

(via Kixka Nebraska)

 

Lokale Netzmedien und die Demokratie

Steffen Greschner macht sich auf [x politics] Gedanken zur Nachhaltigkeit lokaler und hyperlokaler Medien:

Gerade in lokalen Gebieten können Medien nur schwer über Jahrzehnte unabhängig sein. Zumindest ist das extrem schwierig, wenn nicht gar unmöglich. Zu klein ist das Netzwerk aus Politik, Wirtschaft und Journalismus. Zu eng werden die Kontakte zu denen, die man eigentlich jeden Tag aufs neue kritisch hinterfragen muss. [..]

Das Internet bietet uns in der Hinsicht eine große Chance: Die Einstiegshürden in den Journalismus sind gefallen. Wer mit der lokalen Berichterstattung unzufrieden ist, kann sich selbst ans Werk machen.

Die Grundproblematik lokaler Medien wird immer bestehen bleiben, also das Spannungsfeld von Redaktionen und einzelnen Journalisten, die nicht nur immer nah am überschaubaren Pool ihrer Subjekte bleiben, sondern von diesen auch direkt (über Werbung) finanziert werden.

Dieses Spannungsfeld wird aber durch das Netz potentiell abgeschwächt: Zum einen dürfte die Konkurrenz durch niedrigere Markteintrittsbarrieren zu besserer lokaler Berichterstattung führen, oder überhaupt erst zu Berichterstattung, wo vorher keine war. (Konkurrenz ist in solchen Fällen immer besser als ein Monopol.)

Zum anderen sehe ich gerade im Bereich hyperlokaler Netzmedien gute Anknüpfungspunkte für Flattr-ähnliches Micropayment. (Nicht: Bezahlschranken. Für eine Effektivität der Medien im lokalen Bereich muss die Bezahlung nach dem Konsum erfolgen.) Im besten Fall lassen sich lokale Medien irgendwann komplett ohne Werbung refinanzieren. In den nächsten Jahrzehnten dürften die Transaktionskosten dafür genug sinken. (Denn der Bedarf für solche Systeme ist da. Sie werden also kommen.)

Zusätzlich sollte man auch nicht vergessen, dass viele Aufgaben des klassischen Journalismus aufgedröselt und verteilt werden. Nicht weniges wird nebenbei von Privatpersonen auf Facebook, YouTube, Twitter, Google+ oder Tumblr in die Welt getragen. Auch und besonders Lokales. Man denke etwa an den Twitternutzer, der ohne es zu wissen, Übergriff der US-Truppen und Tod von Osama Bin Laden live auf Twitter kommentiert hat.

Man sollte sich aber auch hier keine Illusionen machen: Das Netz hilft, Situationen zu verbessern. Aber nur, wenn Leute bereit sind, die dafür notwendige Arbeit zu machen. Und eine perfekte Welt wird auch durch das Netz nicht möglich. Nur eine bessere. Immerhin.

The Wirecutter: Aktualisierte Liste der besten Gadgets & eine neue Art Gadgetblog

Simply the best: Das bereits heute früh verlinkte The Wirecutter denkt das Gadgetblog, eines der ältesten erfolgreichen Onlinemedienmodelle weiter, und konzentriert sich auf das, was wichtig ist: Was die besten Gadgets in den verschiedensten Kategorien sind. Das Blog ist eine ständig aktualisierte Liste der besten Gadgets.

Da gibt es dann etwa die Kategorie Laptops mit drei Empfehlungen:

  • Best Laptop ever created
  • Best Power Laptop
  • Best Gaming Laptop

Oder Ohrhörer:

  • Best Sub-$30 Earbuds
  • The Best 100$ Earbuds
  • The Home Headphones I’d get

Statt 50 Artikel jeden Tag, in denen vor allem Pressemitteilungen geschönt veröffentlicht oder alles einem Review unterzogen wird, das mit Strom läuft, findet man auf The Wirecutter genau die Informationen die der Rest von uns wissen will.

Eine gute Zusammenfassung von The Wirecutter auf Cool Tools:

Unlike Cool Tools, they don’t post reviews based on experience. Instead, they’re written by knowledgable gadget writers who have surveyed the field, read all the review and comment threads, and talked to experts to make an educated judgement call. There’s no jargony hairsplitting. No biased fanboyism. No product bashing. Only: “Here’s the one you want.”

All reviews feature labels like “What I’d get,” “Good Enough” or “The Wi-Fi Router You Want.” The reviews themselves are succinct and clear enough for a layperson

Das ist nicht nur nervenschonender für alle Beteiligten sondern potentiell ebenso lukrativ wie das auf Masse und Werbung setzende klassische Gadgetblog-Modell:

Wenn sich das von Ex-Gizmodo-Editor Brian Lam gegründete The Wirecutter etabliert, wird es genau dann aufgesucht, wenn sich mit Affiliate sehr gut verdienen lässt, nämlich wenn eine Kaufentscheidung ansteht.

Ich werde auf jeden Fall künftig immer dort vorbeischauen, wenn ich ein Gadget kaufen will.

wirecutter

Deutsches Wall Street Journal gestartet, könnte Anfang eines Trends sein

Die deutsche Ausgabe des Wall Street Journals ist heute gestartet.

Knut Engelmann, der Chefredakteur von Wallstreetjournal.de:

The Wall Street Journal Deutschland ist die erste rein digitale Wirtschaftszeitung im deutschsprachigen Raum – nur im Netz, nie am Kiosk.

Aus der Pressemitteilung:

Die Gratis- und Bezahlinhalte stammen ausdem Wall Street Journal und verschiedenen Dow-Jones-Medien. Nachrichtenund Analysen aus Deutschland produziert von Redaktionsteams in Frankfurt,Berlin, Düsseldorf, München und Hamburg runden das Angebot ab.      Die Inhalte können auf der Website, auf verschiedenen Smartphone-Apps und Tablet-Ausgaben sowie auf einer mobilen Website abgerufenwerden.

Zum einen ist daran interessant, dass das Wall Street Journal im Tandem mit der bald in Deutschland startenden Huffington Post einen Trend im digitalen Pressebereich einleiten könnte, den wir bereits von der digitalen Infrastruktur kennen: In Deutschland kommt nichts nennenswertes eigenes im Netz, weder von den etablierten, die sich aus dem Web heraushalten, noch von den neuen Playern. Stattdessen kommen irgendwann deutsche Ableger von US-Unternehmen auf den attraktiven deutschen Markt. Wie ich bereits im November letzten Jahres zur Ankündigung der deutschen Huffington Post schrieb:

Die deutschen Presseverleger haben geglaubt, wenn man Brachland nicht bestellt, verschwindet es einfach wieder. Sie werden schmerzlich feststellen, dass sie falsch lagen.

Nur digital könnte auch eine Umstellung für medienkonservative deutsche Manager bedeuten, die die deutsche Ausgabe des prestigeträchtigen und hoch angesehenen Wall Street Journals lesen wollen: Sie müssen hierfür dann doch mal weg vom Papier und in’s Internet gehen für ihren Medienkonsum.

Deutsches E-Commerceblog Exciting Commerce erwirtschaftet 2011 350.000 Euro

Exciting Commerce, wo ich auch als Autor tätig bin, entwickelt sich sehr gut.

Betreiber Jochen Krisch nennt erstmals öffentlich Zahlen:

Alleine 2011 haben sich die bloggetriebenen Einnahmen vervierfacht – auf gut 350.000 Euro (exkl. Marketingbudget, auf das wir erfreulicherweise weiter komplett verzichten können). Wenn es ähnlich dynamisch weitergeht, liegt das Gesamtbudget 2012 erstmals im siebenstelligen Bereich.

Zurückzuführen ist das Wachstum zum einen auf den Publishingbereich, der sich besser entwickelt denn je und zunehmend mehr Interessierte (Nutzer wie Werbepartner) anzieht. Vor allem aber auf den Veranstaltungsbereich, der sich nach vielem Experimentieren zu einer tragenden Säule entwickelt und in diesem Jahr erstmals für das Gros der Einnahmen (wie der Ausgaben) sorgt.

Spannend zu sehen, dass das, worum wir uns im Blog bemühen, nämlich einen möglichst abwechslungsreichen Mix aus spannenden Infos und tiefergehenden Analysen, auch auf andere Felder übertragbar ist. War das Echo auf die letzten Live Shopping Days im März schon überwältigend, so hat die K5 Konferenz bereits beim Debüt sämtliche Erwartungen übertroffen. Was uns natürlich für die kommende exceed Konferenz extremst motiviert.

Nach dem kommerziell erfolgreichen Lokalblog letzte Woche ist das nun die zweite Erfolgsmeldung eines deutschen Blogs, die andere hoffentlich motiviert, auch hierzulande im Netz publizistisch mehr zu wagen.

Exciting Commerce berichtet über innovative Geschäftsmodelle und Entwicklungen im E-Commerce. Jochen Krisch hat beispielsweise bereits Jahre vor Groupon über die Chancen des Liveshoppings, also von zeitlich begrenzten Deals, im Web geschrieben.

Deutsches Lokalblog macht 10.000 € Umsatz pro Monat

Die Tegernseer Stimme ist ein Lokalblog für die Ortschaften rund um den Tegernsee. Das Lokalblog schaltet seit Mai dieses Jahres auf dem Blog Anzeigen. In weniger als einem halben Jahr kommt man nun auf bis zu 10.000 Euro Umsatz pro Monat.

Auch interessant: Die Tegernseer Stimme bringt parallel zum Blog auch eine Printausgabe heraus, ähnlich wie die Politiksite Politico in den USA. (Allerdings im Gegensatz zu Politico kostenlos.)

Steffen Greschner schreibt auf netzleser dazu: Erster Lokalblog knackt 10.000 Euro im Monat:

Die Umsätze werden bei der Tegernseer Stimme über Online-, Print- und Facebookwerbung erzielt. Inzwischen wurde bereits die fünfte Printausgabe gedruckt und kostenlos verteilt. Etwas mehr als die Hälfte der Umsätze erzielt die Tegernseer Stimme mit der Druckausgabe.

[..]

Selbst wenn man 60% der Umsätze der Printausgabe zuschreibt, werden aber immer noch stolze 4.000 Euro ONLINE-Umsatz mit 1.500 täglichen Lesern erzielt.

Ohne die exakten Zahlen zu kennen, kann man trotzdem folgende grobe Rechnung anstellen: Die Tegernseer Stimme kommt auf  ca. 45.000 Leser/Monat (1.500 Leser x 30 Tage) und auf ca. 112.500 PIs/Monat (45.000 x 2,5).

[..]

4000 Euro / 7 Werbeplätze = 571 Euro pro Werbeplatz pro Monat

(571 Euro / 112.500 PIs) x 1.000 = 5,08 Euro TKP

Das sind Zahlen, die nicht sofort in Jubelschreie ausbrechen lassen. Das sind aber auch Zahlen, die weit weg von Hobbyprojekten sind und vor allem sind das Zahlen, von denen viele Lokalzeitungen – rein auf ihre Onlineumsätze bezogen – wahrscheinlich nur träumen können.

Dass solche Zahlen noch kein Team von 9 Mitgliedern in Vollzeit finanzieren können, ist offensichtich. (Die meisten Mitarbeiter sind Freie.) Aber es zeigt, dass hier Potential da ist.

Soviel zur Unsinnsaussage, Blogs könnten in Deutschland nicht kommerziell erfolgreich sein.

Wo bleibt der WordPress-Fork?

Wordpress logo

Als ich über das Versagen der offenen Webstandards schrieb, antwortete ich in den Kommentaren auf Carsten Pötter mit folgender Aussage:

“Eines ist natürlich auch klar: Webstandards ohne die Beteiligung und ausdrückliche Unterstützung (=Implementierung in den eigenen, wichtigen Produkten) der großen Player wird es vorerst nicht mehr geben.”

Es gibt aktuell einfach keine dezentrale Anlaufstelle, von der irgendetwas ausgehen könnte. Wobei es natürlich zum Beispiel immer noch WordPress gibt, das wohl die am weitesten verbreitete Open-Source-Software (im Sinne von auf Servern installiert und im aktiven Betrieb) sein dürfte.  Dass von WordPress und Automattic nichts, überhaupt nichts, abseits von Backend-Feinjustierungen kommt, ist allerdings auch richtig frustrierend. Vielleicht wäre es Zeit für ein WordPress-Fork.

WordPress hat meines Wissens nach die größte Installationsbasis von Open Source im Sinne von aktiven Instanzen auf unabhängigen Servern.

Die WordPress-Macher Automattic haben in den letzten Jahren vor allem eins bewiesen: Dass ihnen zur Weiterentwicklung von WordPress nicht mehr einfällt, als kosmetische Anpassungen des Backends und das Stopfen von Sicherheitslöchern.

In der Zwischenzeit sind Konkurrenten wie Tumblr an WordPress trotz späterem Start herangekommen. Warum? Weil sie sehr viel effektiver die Informationsströme auf der Plattform schleusen.

Das ist besonders deswegen so bedauerlich, weil WordPress im Gegensatz zu allen anderen Unternehmen eben neben dem erfolgreichen eigenen Hosting auch eine sehr starke dezentrale Basis hat.

Automattic könnte diese Basis für vieles nutzen. Für nichts, das über das klassische Blog-Konzept hinausgeht, haben sie sie bis jetzt genutzt.

Anlässlich der Bekanntgabe, dass WordPress.com jetzt 60 Millionen Blogs verzeichnen kann, gab man bei Automattic nun auch bekannt, etwas mehr Richtung social zu machen, denn, Überraschung, das sorgt für mehr Bewegung auf der Plattform:

“The things that are ultra compelling are more social features,” Mullenweg said in an on-stage interview with Mathew Ingram at the GigaOM RoadMap conference in San Francisco Thursday. The company is especially jazzed about the engagement it gets from adding social features to the platform. “We were typically doing ten page view per unique user. With some of this new [social] stuff, we see that go up an order of magnitude.”

Automattic zeigte allerdings bei der Weiterentwicklung von WordPress in den letzten Jahren noch weniger Vision als Google bei Google+: Zuletzt hat man für WordPress.com die Notifications von Google+ nachgeahmt. WordPress.org-Nutzer gingen wieder leer aus.

Deswegen wäre es Zeit für einen Fork von WordPress.

Ein Startup, das diese Herangehensweise wagt, hat sofort einige Vorteile:

  • Eine große dezentrale Basis, an die man andocken kann. Das umschließt neben vielen Amateurblogs auch viel professionelle Onlinepublikationen, die für jeden Weg der Trafficsteigerung dankbar sind.
  • Ein Plugin-Ökosystem, auf dem aufsetzen kann. Die aktuellen Schnittstellen kann man erweitern. Solang Rückwärtskompatibilität gegeben ist, hat man auch Entwickler schnell auf seiner Seite.
  • Ein Plattformprovider, der wiederholt gezeigt hat, dass er nicht weiß, wie er die vorhandene Basis besser vernetzen und damit stärker machen kann. Das bedeutet einen erheblichen Vorteil, wenn man ganz bewusst in diese Richtung geht.

Dass Forks von Open-Source-Plattformen, die von lahmen Plattformprovidern gestellt werden, erfolgreich sein können, wird Amazon in den nächsten Tagen und Wochen mit seinem Kindle Fire zeigen.

Diaspora etwa hätten gut daran getan, ein solches Vorgehen zu überdenken, bevor sie der Wahnvorstellung erlagen, sie könnten erfolgreich etwas von Null aufbauen.

Was ein solches Startup mit einem WordPress-Fork machen könnte:

  • Eine eigene Plattform aufbauen, die Tumblr und co. stärker ähnelt und Blogging und Social Network miteinander verbindet.
  • Gleichzeitig mit dem eigenen WordPress-Fork und einem Plugin für reguläre WordPress-Instanzen die Vernetzungsmöglichkeiten der zentralen Plattform für die selbst gehosteten Instanzen herstellen.
  • An speziellen Versionen für professionelle Publisher, Ein-Mann-Projekte und simple Hobby-Blogger arbeiten.
  • Gerade im Verbund mit WordPress.org liese sich mit offenen Standards zusätzlich sehr viel Good Will bei Entwicklern und Techbloggern ernten. Im Gegensatz zu Diaspora wäre er sogar gerechtfertigt.

Alles in allem ginge es immer um eine Gratwanderung zwischen Dezentralität (Ich hoste mein WordPress selbst.) und Zentralität (über unsere Plattform und andere Netzwerkknoten vernetzt ihr euch). Darum, aus beiden Welten das beste zu verbinden. (Automattic selbst hat ein Beispiel für die perfekte Verbindung mit dem Spamfilter Akismet aufgezeigt.)

Die Chance ist da.

Denn eins ist klar: Von Automattic sollte man mittlerweile nicht mehr erwarten, als Tumblr- und G+-Kopiefeatures für WordPress.com und neue hübschere Dropdown-Menüs für den Admin-Bereich von WordPress.org.

Huffington Post und andere kommen nach Deutschland

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Die deutsche Onlinemedienlandschaft ist Brachland. Noch.

Im Gegensatz zu ihren US-Vertretern stellen die deutschen Presseverlage ihre Printinhalte mehrheitlich nicht online. Online finden sich dafür abgeschwächte, oft wie etwa im Falle der SZ boulevardisierte, Versionen der Printausgaben mit wenigen Printartikeln, vielen Agenturmeldungen, Bildergalerien und suboptimalen Artikeln von einer unterbesetzten Online-Redaktion.

Relaunches werden gar klammheimlich dazu verwendet, die online gestellten Inhalte noch weiter zurückzufahren.

Dieses Vorgehen ist natürlich das gute Recht der Presseverlage. Sie können mit ihren Produkten machen was sie wollen.

Aber das hat nicht nur Auswirkungen auf unsere aktuelle Demokratie, in der eine ganze Generation in ihrem bevorzugten Medium von den Intellektuellen des Landes nicht mehr angesprochen wird, weil diese darin praktisch nicht stattfinden.

Es drängt auch eine weitere Frage auf.

Aber zunächst eine kurze Exkursion: Es ist mittlerweile auch abseits der Internetbranche etabliert, dass die bestimmenden Plattformen, die kommerzielle Infrastruktur auf der viele Dienste im Web aufsetzen, aus den USA kommen: Google, Apple, Facebook, Amazon, YouTube, Twitter etc. Eine Entwicklung, die man bereits 2008 ausmachen konnte, die aber erst im Laufe des letzten und diesen Jahres bei allen Vertretern von Wirtschaft und Politik angekommen ist.

Dieser Umstand hat zur Folge, dass zum Beispiel Inhalteanbieter wie Presseverlage mehr oder weniger auf Plattformen wie Google, Facebook und Apple für ihr Geschäft angewiesen sind.

Die Frage, die ich mir seit geraumer Zeit stelle, ist folgende: Was passiert, wenn hierzulande weder klassische Presseverleger noch Quereinsteiger aus dem Internet es schaffen, eine der Marktgröße angemessene Onlinemedienlandschaft aufzubauen? (Eins der wenigen großen Branchenerfolge ist das E-Commerce-Blog Exciting Commerce, für das ich als Autor tätig bin.)

Die Antwort: Es wird das gleiche passieren, dass wir auch bei den Plattformen und Webdiensten wie Groupon sehen: In Deutschland werden lokale Ableger von ausländischen Unternehmen die Märkte bestimmen.

Das populäre Mobiltech-Blog BGR hat vor wenigen Wochen bekanntgegeben, dass sie Mitte November einen deutschen Ableger starten werden.

Auch das Wall Street Journal will im Januar 2012 nach Deutschland kommen. Als reines Digital-Angebot:

Das Wall Street Journal Deutschland solle dabei auf einer Webseite und mittels mehrerer Smartphone-Apps und Tablet-Ausgaben eine Mischung von Gratis- und Bezahlangeboten für deutsche Leser zur Verfügung stellen.

Und nun hat AOL bekannt gegeben, was manchen in der Branche bereits bekannt war.

Die Huffington Post kommt nach Deutschland:

Das US-Nachrichtenportal “Huffington Post” soll innerhalb der nächsten sechs Monate einen deutschsprachigen Ableger bekommen. Dies berichtet der Brachendienst “Meedia”. Jimmy Maymann, bei der “Huffington Post”-Mutter AOL für den Inhalteausbau zuständig, ließ am Mittwoch via Twitter verlauten: “Ja, wir kommen nach Deutschland, wenn wir den richtigen Partner gefunden haben”.

In den USA liegt die Huffington Post mittlerweile in der Reichweite auf Augenhöhe mit der Website der New York Times, des reichweitenstärksten Medienangebots im Web weltweit.

Beim noch im November kommenden französischen Ableger kooperiert die linke Huffington Post mit der linken Le Monde. Es ist praktisch sicher, dass die Huffington Post auch in Deutschland mit einer eher links eingestellten Publikation zusammenarbeiten wird.

Wall Street Journal, Huffington Post, BGR. Warum wagen sie alle einen Angriff auf den deutschen Online-Medien-Markt? Weil sie einen Markt sehen, der bisher schlecht bedient wird. Oder wie Jimmy Maymann, bei AOL Huffington Post Media für den Ausbau der Inhalteangebote verantwortlich, es gegenüber Meedia ausdrückt:

“Es gibt in Deutschland Raum für Innovationen.” Gemeinsam mit dem Partner, der laut Maymann noch nicht feststehe, werde die inhaltliche Positionierung festgelegt. “Deutschland ist ein interessanter Markt für Nachrichtenangebote”, sagte der Manager.

Die deutschen Presseverleger haben geglaubt, wenn man Brachland nicht bestellt, verschwindet es einfach wieder. Sie werden schmerzlich feststellen, dass sie falsch lagen.