Über 10 Milliarden $ wurden 2013 in Apples App Store ausgegeben

Aus der Pressemitteilung von Apple:

Apple® today announced that customers spent over $10 billion on the App Store℠ in 2013, including over $1 billion in December alone. App Store customers downloaded almost three billion apps in December making it the most successful month in App Store history. Apple’s incredible developers have now earned $15 billion on the App Store.

Das App-Store-Modell hat eine enorme wirtschaftliche Energie freigesetzt. Das ist einer von vielen Gründen, warum unter anderem auch Amazon versucht, eine vergleichbare Infrastruktur mit ihren Kindle-Fire-Tablets (und vielleicht bald auch -Smartphones) aufzubauen.

NSFW-Paywall – Das Beste aus zwei Welten

Nicht ganz neu, aber niemand, mit dem ich bisher darüber geredet habe, kannte das Modell, also:

Die Artikel bei nsfwcorp.com (“The future of journalism with jokes”, ruhig anklicken, es ist trotz des Namens überwiegend safe for work) stecken teilweise hinter einer Paywall. Als Abonnent kann man sie trotzdem verlinken und Freunden zu lesen geben, indem man einen Link erzeugt, unter dem der jeweilige Artikel dann 48 Stunden lang öffentlich zugänglich ist. Hier zum Beispiel Gary Brechers Text über das Hauptproblem der Drohnen (nämlich ihren niedrigen Preis): War Nerd: The Worst Thing about Drones.

Als Abonnent kann man pro Monat zehn Links teilen. Das behebt für den Anbieter einen der zentralen Paywall-Nachteile, die Abschottung gegen das soziale Netz. Auch aus Abonnentensicht ist es angenehm, wenn man sich über die Texte mit anderen austauschen kann, anstatt nur “tja, geht halt nicht” zu sagen oder Artikel mühsam zu kopieren und als Screenshot oder PDF zu verschicken. Mir scheint das ein zukunftsträchtiges Verfahren; falls es Nachteile hat, die mir bisher verborgen geblieben sind, soll Marcel die nach seinem Urlaub erklären.

 

It’s free!

Fred Wilson (Mit Union Square Ventures Investor bei Twitter, Delicious vor dem Verkauf an Yahoo, Tumblr, Zynga, Etsy und anderen) über kostenfreie Hauptkomponenten in Geschäftsmodellen:

Wikipedia, Craigslist, YouTube, Flickr, Instagram, Facebook, Twitter, Tumblr, WordPress, etc, etc. There is no value to any of these platforms if the users don’t create the content. The users create the service, curate it, and make it what it is. I do not believe it makes sense to charge users to create the value. We’ve seen folks try this model. Typepad (where this blog is hosted) charges to host a blog. How well did they do? Phanfare charged to host photos. How well did they do? The list could go on and on but I don’t want to focus on failed services.

When scale matters, when network effects matter, when your users are creating the content and the value, free is the business model of choice. And I don’t think anything has changed to make that less true today. If anything, it is more true.

Und Luke Chamberlin in einem Kommentar zu dem Artikel:

The “free” model could also be called the “marginal cost of distribution” model and it’s been with us for a long time.

 [..]

The difference today is that through the internet, the marginal cost of distribution is essentially zero, so they don’t have to sell subscriptions anymore to offset the distribution cost. The other difference is that they have better information about who you are, because they track your behavior online through browser cookies.

People are entitled to the opinion that free, and therefor ad-based, media is bad, but they need to be reminded that it’s not a new model, and has in fact been the dominant model all along.

EuGH: Gebrauchte Software darf verkauft werden

AFP/Spiegel Online:

Gebrauchte Software-Lizenzen dürfen generell weiterverkauft werden. Dies gilt auch, wenn die Software im Internet gekauft und heruntergeladen wurde, wie am Dienstag der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg entschied.

Ein interessantes wie problematisches Gerichtsurteil für auf Dateiverkauf ausgerichtete Geschäftsmodelle. Das Problem bleibt, dass man letzen Endes digitale Güter nicht konsequent wie physische Güter behandeln kann. Das gilt für den Dateierstverkauf genau so wie für den Weiterverkauf ‘gebrauchter’ Dateien.

Irgendwann werden wir uns von dem Simulationsgedanken lösen müssen. Je früher desto besser.

Facebook startet App Center. Kommt das Facebookphone als nächstes?

Nico Lumma:

Künftig gibt es wieder ein ordentliches Verzeichnis, in dem alle Apps zu finden sind, die bestimmten Qualitätskriterien entsprechen. Zusätzlich werden jetzt aber auch die mobilen Apps aufgelistet werden, die über ein Facebook Single Sign-On verfügen und damit auch leicht aus der mobilen Facebook-App gestartet werden können. Das ist ultra-praktisch für die Facebook-Nutzer, denn künftig kann man auch mobil neue Facebook-Apps finden, aus den mobile App Stores installieren und dann direkt der Facebook App starten[..]

Zwei Gedanken sind mir bei der Nachricht (siehe auch Techmeme) gekommen:

1. Dieser Schritt zeigt nochmal erneut den Irrsinn bei Twitter auf, nie ein App-Verzeichnis aufgesetzt zu haben. Warum hat Twitter das eigene Ökosystem nie auf der einen Seite mit mehr Sichtbarkeit unterstützt und auf der anderen Seite darüber Wege gesucht, über die man an den Twittermashups und -Diensten mitverdienen kann? Das Fehlen eines Appverzeichnisses, das sage ich seit Jahren, sagt viel über das Plattformverständnis des Unternehmens hinter Twitter aus. Eigentlich sagt es alles, was man wissen muss. Mir ist neben Twitter keine populäre Webplattform bekannt, die auf ein Verzeichnis der Angebote von Drittparteien verzichtet.

2. Dieses App Directory, das direkt auf mobile Apps abzielt, deutet meines Erachtens auf eine mobile Strategie von Facebook hin, in der zwangsläufig irgendwann ein eigenes mobiles OS liegt. Ich halte es für immer wahrscheinlicher, dass Facebook neben seinen mobilen Apps auch ein eigenes Mobiltelefon herausbringen wird

Rangordnungen: Netzwerke sind keine Hierarchien

Johannes Kuhn schreibt im Digitalblog  der Süddeutschen über Klout:

In der Twitter-Debatte mit Torsten Kleinz hat sich noch ein weiterer Gedanke entwickelt: Ist die “Demokratisierung des Einflusses” überhaupt mit einem Unternehmen wie Klout in Einklang zu bringen? Das ist ein guter Punkt – denn Klout schafft ja quasi neue Hierarchien, wird zu einer Art Social-Media-Rating-Agentur. Das ist eigentlich das Gegenteil von Demokratisierung in einem Bereich, der wie im Artikel angeklungen, ja bereits demokratisiert ist.

Als jemand, der im Studium Organisationstheorie als einen Schwerpunkt hatte, muss ich vehement widersprechen. Netzwerke sind keine Hierarchien. Hierarchien sind top-down, Netzwerke bottom-up*.

Natürlich entstehen in Netzwerken über Zeit auch Rangordnungen. Diese Rangordnungen unterscheiden sich aber fundamental von denen in Hierarchien, die, weil von oben verordnet, fest(er) sind. Netzwerke sind flüssig(er). Das heißt, die Durchlässigkeit in alle Richtungen, und damit auch von unten nach oben, ist größer als bei Hierarchien. Bei Hierarchien wird einzig oben entschieden, wer nachkommen darf. Bei Netzwerken nicht.

Deswegen kommt die sich auch anders äußernde Macht in Netzwerken über Filter und nicht Gatekeeper.

Klout selbst schafft nun keine neuen Hierarchien, selbst wenn Netzwerke und Hierarchien identisch wären. Klout bildet diese ab oder versucht, sie abzubilden. Im November 2011 schrieb ich:

Reputation kann also nur sinnvoll durch Auswertung von so oder so stattfindenden Aktivitäten erkannt werden.

Etwas, das wir auch ohne Internet machen: Wer Sachbücher schreibt, die Bestseller werden, wird von uns höher angesehen. Wer akademische Papers schreibt, die von vielen anderen zitiert werden, wird von uns automatisch mit höherer Wahrscheinlichkeit als Autorität auf seinem/ihrem Feld angesehen.

Klout macht das, was ich eben beschrieben habe automatisiert für das Web: Es analysiert unter anderem die Reaktionen auf Handlungen auf Plattformen wie Twitter. Es versucht anhand der Tatsache, wie viele Retweets und Favs man im Schnitt pro Tweet bekommt, abzuschätzen, wie einflussreich man ist.

Also: Netzwerke, bottom-up, Filter statt Gatekeeper, das alles bedeutet natürlich Demokratisierung. Und Klout bildet ihr Ergebnis ab (mal besser, mal weniger gut). Das hat im besten Fall zur Folge, das nicht nur der Top-Politiker oder der durch Massenmedien berühmt gewordene Prominente in Hotels besser behandelt wird, sondern auch derjenige, der sich unermüdlich in Netzwerken wie Twitter mit Fachwissen zu Einfluss in seiner eigenen Nische geschrieben hat.

Man kann Klout doof finden und diese allgemeine Entwicklung trotzdem positiv beurteilen.

Dass auch im Netz Rangordnungen und mit ihnen Machtgefälle entstehen, liegt im übrigen daran, dass Transaktionskosten zwar durch das Internet an allen Stellen enorm gesunken sind, aber immer noch existieren und natürliche Grenzen wie die Stundenanzahl eines Tages bestehen bleiben.

“Everyone a pamphleteer” war schon immer Unsinn. Daraus aber zu schließen, dass alles beim alten bleibt, ist genau so großer Unsinn.

Siehe auch:

-

* Sehr vereinfacht.

US-Regierungsmitarbeiter erkennen die zunehmende Bedeutung von Netzwerken

The New Yorker berichtet über Davos:

[Alec J. Ross] was saying, “If there was one lesson I’ve learned in the last three years working for [US-Außenministerin Hillary Clinton] and being witness to significant shifts in power around the world, it’s that there is a significant shift in geopolitical power globally right now, from hierarchies, like the nation-state, to individuals and networks of individuals. This is something that’s being accelerated by increasingly powerful and ubiquitous information networks.”

Ich frage mich, ob Mitarbeiter der Bundesregierung zu ähnlichen Erkenntnissen gelangen.

Wer mehr über die zunehmende Bedeutung von Netzwerken lernen will, sollte unbedingt Yochai Benklers “The Wealth of Networks”, das Standardwerk zu diesem Thema, lesen.

Es ist das wichtigste Thema unserer Zeit und eine der wichtigsten Säulen, auf denen Entwicklungen von der Urheberrechtsproblematik über den Medienwandel bis hin zur Softwareisierung der Wirtschaft basieren.

(via David Noel)

Das Verhältnis zwischen Appstores und App-Preisen

David Barnard, ein Entwickler mobiler Apps, über die Preisentwicklung im Appstore des iPhones:

In July 2009 the average price for games was $1.39 and all apps combined averaged $2.58. Today it’s $1.01 for games and $2.12 for all apps. Prices do tend to drop in a free market as competition, increased efficiency, economies of scale, and other factors come into play, but I still contend that Apple’s policies and the design of the App Store itself initiated and even accelerated the race to the bottom. It’s clear to me in hindsight that this was either Apple’s intent, or at least something they didn’t actively discourage. To Apple, apps are merely complements to their highly profitable hardware sales. And as Joel Spolsky posited, “All else being equal, demand for a product increases when the prices of its complements decrease.”

To the average consumer, the value proposition of buying an iPhone is amazing given the plethora of free and low-cost apps. After spending $200 on the iPhone 4S, it takes just a few bucks to load it up with Angry Birds, Facebook, Twitter, Instagram, Camera+, Yelp, Pandora, and a host of other great apps. If each of those apps were $10 and it took several hundred dollars to load an iPhone with great apps, the value proposition would be completely different.

Dass die Preise über die Zeit fallen, war vorhersehbar: Ein neuer Markt – eine zentrale Anlaufstelle für den Verkauf von Software, die direkt darüber zur Hardware vertrieben wird, weltweit im besten Fall – landet nicht sofort bei dem Preispunkt, bei dem er sich irgendwann einpendeln kann.

Zuerst kommen die Entwickler, also die Verkäufer. Und die machen in der Regel immer den Fehler, zu viel für ihre Angebote zu verlangen. Verständlich: Noch ist nicht klar, wie die Kaufwilligkeit der Käufer aussieht, und wie viele überhaupt Interesse an dieser Transaktionsform haben. (Wer keine Ahnung von Wirtschaft und auch keinen gesunden Menschenverstand hat, hat sich auch über die viel höheren anfänglichen App-Preise für iPad-Apps gefreut und geschlussfolgert, dass man auf dem iPad für die gleiche Leistung mehr Gewinn bekommt.)

Erst dann kommen die Käufer, die den Rest der Gleichung stellen. Und erst dann entwickelt sich der Markt in Richtung von Gleichgewichten. Der Preisabfall ist also gar nicht so abwegig. Besonders angesichts der dahinter stehenden Kostenstrukturen.

Barnard hat aber in einem anderen Punkt trotzdem teilweise recht:

1. Die Struktur der Appstores beeinflusst die Entwicklung der Marktpreise auf ihnen, weil sie die Informationsströme lenkt.

2. Apple und alle anderen Appplattform-Provider haben ein geringes Interesse daran, dass die App-Entwickler möglichst viel abschöpfen, weil die Apps Komplementärgüter zur Plattform sind. Je teurer die besten Apps, desto teurer der Gesamtnutzen der Plattform für Endanbieter.

Trotzdem haben die Plattformprovider, egal ob Apple, Microsoft, Google oder Amazon, kein Interesse daran, es den Entwicklern so schwer wie möglich zu machen, gut auf ihren Plattformen zu verdienen. Im Gegenteil. Erfolgsgeschichten von Appmillionären helfen den Plattformen, die die Apps genau so brauchen wie umgekehrt.

Immerhin konkurrieren die Plattformen auch untereinander. Und das nicht nur um Nutzer sondern auch um App-Entwickler.

Zum Verlauf des Untergangs der deutschen Social Networks

Nico Lumma hat eine Statista-Visualisierung der aktuellen IVW-Zahlen deutscher Social Networks gepostet:

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Das bestätigt parallel zum Aufstieg von Facebook in Deutschland, was ich im Artikel zum Start des deutschen WSJ geschrieben habe:

In Deutschland kommt nichts nennenswertes eigenes im Netz, weder von den etablierten, die sich aus dem Web heraushalten, noch von den neuen Playern. Stattdessen kommen irgendwann deutsche Ableger von US-Unternehmen auf den attraktiven deutschen Markt.

Man kann an den visualisierten Zahlen auch sehen, dass selbst das als relativ etabliert und sicher geltende Businessnetzwerk Xing Federn lässt. Ich sage seit 4 Jahren, dass die Preissegmentierung von Xing netzwerkschädlich und damit kontraproduktiv ist.

(Etwas, dass sie in sofern erkannt haben, als dass sie in anderen Ländern, in denen sie noch Fuß fassen wollten, eine andere Preisstrategie gefahren sind als in ihren Kernmärkten. Das impliziert eine vermutete Sicherheit über die Position in letzteren die so nicht da war, wie man jetzt langsam sehen kann. Ein Expansion in andere Länder hat Xing mittlerweile aufgegeben. Was in ihrem Markt einer impliziten Erklärung gleich kommt, dass sie als Unternehmen langfristig nicht überleben werden.)

Gleichzeitig hat Xing genau so wie die VZ-Netzwerke vorher die technische Entwicklung verschlafen. (lokalisten und wer-kennt-wen hatten nie eine langfristige Chance.) Eine Entwicklung im übrigen die (nicht nur) ich hier seit 2007 und später dann auf netzwertig.com seinerzeit immer wieder ausführlichst beleuchtet habe. Nico Lumma war eine der wenigen, aber doch vorhandenen anderen Stimmen in diesem Diskurs.

Was ich mich nicht zuletzt seit dem amüsanten wannstirbtstudivz.com frage, ist außerdem, warum zum Beispiel der Niedergang von studiVZ relativ linear verläuft.

Es gibt Untersuchungen, wie Netzwerkeffekte als positive Feedbackloops zu exponentiellen Wachstum führen können. Das Ergebnis kann man auch regelmäßig in der Praxis sehen: Die berühmte Hockeystick-Kurve bei der Entwicklung junger Webdienste mit Netzwerkeffekten. Was bisher nicht untersucht ist, oder mir zumindest noch nicht begegnet ist, ist eine Analyse des Niederganges von Netzwerken.

Das heißt, wie äußert sich der Rückgang der Nutzung und welche Art von Feedback erzeugt er? Man könnte zum Beispiel argumentieren, dass der Rückgang der Nutzung zu einen umgekehrten Effekt wie bei der Wachstumsphase eines Netzes führt: Eine umgedrehte Hockeystick-Kurve. Begründung: Der Zusatznutzen fällt ebenso schnell mit dem Weggang wie er mit dem Hinzukommen neuer Nutzer gestiegen ist.

Zweite These: Der Nutzenrückgang verläuft langsamer, weil die User bereits an die Kommunikationsmöglichkeiten gewöhnt sind und etwa selbst wenige verbliebene Verbindungen noch nützlich bleiben. Die Anknüpfung an Email erlaubt selbst das punktuelle Zurückholen bereits verlorener Mitglieder. (Die sich selbst einfach nicht mehr einloggen, den Account aber nicht gelöscht haben. Das dürfte der Normalfall sein.) Das würde Richtung Transaktionskosten beim Wechsel gehen.

Synthese: Eventuell ist es eine Mischung aus beidem, die stark abhängig von der Informationsarchitektur des betroffenen Netzes ist. Man könnte vor dieser Prämisse sogar argumentieren, dass es ein Erfolg der aktuellen Inkarnation von studiVZ ist, dass der Niedergang nur linear verläuft.

Das wäre doch mal ein schönes Forschungsthema, liebe mitlesenden Forscher.

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Die P2Pisierung der Wirtschaft

Was haben die meisten erfolgreichen Webplattformen gemeinsam?

Sie ermöglichen unterschiedlichen Parteien, die früher nur über Mittelsmänner in Kontakt treten konnten, jetzt direkt miteinander zu interagieren. In manchen Fällen kommen sogar neue Parteien, neue Marktteilnehmer, dazu. Das senkt die Transaktionskosten und hebt somit die Gewinne für die Beteiligten und greift so die umgangenen Instanzen an. Zweiseitige Märkte statt Gatekeeper.

Das passiert aktuell in den verschiedensten Branchen auf unterschiedliche Arten. Ein paar Beispiele:

Das ist an sich erst einmal keine bahnbrechende oder überhaupt neue Erkenntnis. Aber es lohnt sich, dieses Grundprinzip vor Augen zu halten und als Gründer etwa zu fragen:

Welche Branchen könnten mit einer P2P-verstärkenden Plattform von der Seite angegriffen und damit kreativ zerstört/verändert werden?

Für ‘normale’, eventuell betroffene Unternehmen stellen sich andere Fragen:

  • Verfüge ich über die Kernkompetenzen und andere notwendige Faktoren (Ressourcen, Vertragsverpflichtungen), um eine eigene Plattform in meiner Branche zu etablieren?
  • Wenn nicht, welche Dienstleistungen werden rund um eine neue P2P- und plattformgetriebene Umgebung in meiner Branche wichtig? Was davon kann ich selbst anbieten und frühstmöglich Erfahrung (neben meinem regulären Geschäft) aufbauen?

Denn selbst wenn noch keine erfolgreiche Webplattform in der eigenen Branche angekommen ist, kann es bereits erste zaghafte, zerstreute P2P-Tendenzen auf Onlinemärkten, schwarzen Brettern im Netz und Plattformen oder kleinen Websites geben, die dafür eigentlich gar nicht primär ausgelegt sind.

Denn die dedizierten Plattformen erzeugen den P2P-Sog nicht, sie verstärken ihn ‘nur’.

Das bedeutet letztlich, dass die Frage nicht ist, ob dieser Trend in der eigenen Branche ankommt, sondern nur wann, wie heftig, und wer dabei verdrängt wird.

Appstores und Apps für Digitalkameras

Wired.com:

“I believe the photo apps available for the iPhone right now are a glimpse into the future of what the next wave of cameras have in store for us,” Doc Pop says. “Within five years, app stores and internet connectivity will be standard on any point-and-shoot camera.”

Interessantes Gedankenspiel: Welche Geräte können von Internetverbindungen und eigenen Appstores und App-Ökosystemen profitieren?Digitalkameras sind eine offensichtliche Kategorie.

Welche noch?

Webdienst des Jahres Instagram lehrt uns 2 Lektionen über die neue Appwelt

Instagram

Instagram ist zweifellos der Webdienst des Jahres 2011. Der im September 2010 gestartete Fotosharing-Dienst ist 2011 in der Nutzung förmlich explodiert. Instagram ist der Beweis für die Ankunft des mobilen Webs, das mit seinen neuen Betriebssystemen und Appökonomien nicht so offensichtlich ist wie es manchem erscheinen mag.

Instagram unterscheidet sich massgeblich von herrkömmlichen Webdiensten, wie man sie bisher kennt: Man kann Instagram nur als mobile App benutzen. Und sogar nur auf iOS, also iPhone.

Trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen: Bereits 9 Monate nach dem Launch konnte man Instagram getrost als den erfolgreichsten Fotosharingdienst nach Flickr und Facebook bezeichnen:

That’s 150 million photos uploaded to Instagram in just the 9 months since the app launched. For comparison’s sake, it took Flickr nearly two years to hit 100 million total photos on their service. Incredibly, Instagram is now seeing 1.3 million photos uploaded each day — that’s a rate of 15 photos per second.
The service is now well past 7 million users, Instagram co-founder Kevin Systrom tells us. Again, that’s up over 2 million in under 2 months.

Die Geschwindigkeit, mit der der auch von Apple zur iPhone-App des Jahres gekürte Dienst gewachsen ist, ist erstaunlich, aber auch gut geeignet, um ein paar Lektionen aus der Erfolgsgeschichte zu ziehen.

1. Die Ankunft des mobilen Webs:

Manches lässt sich schlicht besser mit einem mobilen Gerät erledigen. Wenn die Kamera eigentlich ein Computer ist, der direkt mit dem Internet verbunden ist, wird das Fotografieren sozialer; es macht mehr Spass. Instagram wird bald den führenden Foto-only-Dienst hinter sich lassen. Spätestens wenn Instagram die Webpräsenz ausbaut, bekommt Flickr ein massives Problem.

Ein vergleichbares Verschieben von webbasierten Diensten hin zu mobilen Appdiensten kann man bei der Verschiebung von Qype/Yelp weg und hin zu Foursquare beobachten.

Welche Aufgaben, die heute von Webdiensten erledigt werden, lassen sich besser als App auf dem Hosentaschencomputer umsetzen? Und welche neuen Funktionen und Dienste lassen sich realisieren, die am Desktop wenig bis keinen Sinn ergeben hätten?

Das sind Fragen die uns 2012 beschäftigen werden, während immer mehr Dienste für das mobile (App-)Web entwickelt und ähnliche Dynamiken wie Instagram entwickeln werden.

2. Mobile Betriebssysteme unterscheiden sich in mehr als den Marktanteilen:

Aussagen, wie diese hier von Martin Weigert, dass man nicht nur für iOS, sondern immer auch für Android und am besten für beide sofort gleichzeitig entwickeln muss,  sind bestenfalls naiv: Wer nur Ressourcen hat, um entweder A oder B zu machen, findet den Ratschlag ‘Du musst A und B machen!’ eher belustigend als erleuchtend.

Im schlimmsten Fall sind solche Aussagen aber schlicht falsch: Würde es tatsächlich nur darum gehen, wie viele Marktanteile ein mobiles OS hat, dann müssten die Foto-Apps für Android oder für beide OS wie etwa picplz das iOS-only-Angebot Instagram längst hinter sich gelassen haben. Haben sie aber nicht. Warum?

Vielleicht weil sich Instagram darauf konzentriert hat, für eine Plattform das bestmögliche Angebot zu liefern. (Und auch nur mit der iPhone-App im Angebot musste Instagram bereits exponentielles Wachstum hinter den Kulissen handhaben, was keine leichte Aufgabe ist.)

Vielleicht spielt der tatsächliche Marktanteil auch gar keine so große Rolle wie gemeinhin angenommen. Immerhin wäre nach reinen Marktanteilen Symbian als das immer noch weltweit größte mobile OS dasjenige, dem die Entwickler aus allen Richtungen zulaufen müssten.

Ein weiterer Beweis dafür, dass Marktanteile allein Entwickler nicht zu überzeugen scheinen: Das größere Android zieht immer weniger Entwickler in seinen Bann, während prozentual immer mehr Entwickler iOS bevorzugen. Venturebeat:

About 73 percent of apps created for the fourth quarter are based on iOS, compared with 27 percent for Android. Three quarters ago, the figures were 63 percent iOS and 37 percent Android.
Over 2011, developer support for Android has declined from a third of titles to a quarter of them.

Gründe dafür kann es reichlich geben:

  • Wer Apps verkaufen will, hat es im iOS-System dank vertikaler Integration einfacher, weil diese die Transaktionskosten senkt. (Deswegen hat Amazon mit seinem eigenen Appstore gute Chancen innerhalb Android-Ökosystem.) Die Unterschiede können enorm sein. Instapaper wird aus diesem Grund nicht als Android-App angeboten.
  • Viele Entwickler dürften iPhones benutzen und deswegen bevorzugt für diese Plattform entwickeln wollen.
  • Entwicklung für Android und iOS unterscheidet sich drastisch. Vielleicht sind die Entwicklertools für Android einfach nicht ansprechend genug? (Oder zu schwer zu erlernen. etc.)
  • Androids Fragmentierung erschwert die Koordinierung der Entwicklung.
  • Man kann exponentielles Wachstum auch auf nur einer Plattform erleben, wenn man seine Kräfte bündelt und diese Entwicklung irgendwann als Sprungbrett benutzen, wie es Instagram macht, das eine eigene Android-App jetzt in Entwicklung hat.

Fazit: Android hat die Verbreitung auf seiner Seite, aber die hat Symbian auch. Viele verschiedene Gründe können gegen die Entwicklung sprechen. Viele sprechen auch dafür. (Wer maximale Reichweite will und die Ressourcen hat, für den ist es ein No-Brainer.) Auf keinen Fall ist es aber so einfach, dass man für das größte mobile OS entwickeln muss, um erfolgreich einen mobilen Webdienst aufbauen zu können.

Auf jeden Fall dürfen wir uns 2012 darauf freuen, noch mehr gut gemeinte, aber irreführende Ratschläge zu mobilen Apps zu lesen. Denn so offensichtlich, wie vieles erscheint, ist es am Ende dann doch nicht. Die 2011er Erfolgsgeschichte Instagram ist dafür der beste Beweis.

Last not least möchte ich auch noch einmal auf die Informationsarchitektur von Instagram hinweisen, die ich bereits im Oktober 2010 beschrieben hatte. Man findet in Instagram wichtige Elemente die, nicht nur aber auch besonders, bei mobilen Apps zunehmend zum Tragen kommen.

Trend für 2012: Clients, die Social Networks und traditionelle Branchen verbinden

Auf Exciting Travel schrieb ich anlässlich der Übernahme von Topguest, einer App die Check-Ins und Treueprogramme verbindet:

Spezielle Clients wie Topguest, die populäre Netzwerke wie Facebook, Instagram oder Foursquare mit traditionelleren Angeboten der Branche verbinden, werden einer der wichtigeren Trends der nächsten Jahre sein.

Dieser Trend wird nicht nur auf die Reisebranche sondern auf  steigende Zahl an Branchen zutreffen, egal ob B2C oder B2B.

Die allgemeinen Social Networks sind da, sie sind etabliert, ihre Daten steigen und Quantität und Ausdifferenzierung und sie bieten APIs an.

Wir haben die Infrastruktur, jetzt wird zunehmend auf sie aufgebaut.

2012 (und wahrscheinlich auch noch 2013) wird aller Voraussicht nach von Clients und Apps/Mashups dominiert werden, die branchenspezielle Funktionen und den Social Graph verbinden und so das Social Web in Bereiche bringen wird, die heute noch als davor ‘sicher’ gelten.

Ein weiterer Grund, warum Social Networks nicht auf Clients verzichten können, selbst wenn sie wöllten.

Entscheide dich im Zweifel für die stärker vernetzende Technologie

Kevin Kelly:

If you are in doubt about what technology to purchase, get the stuff that will connect the most widely, the most often, and in the most ways. Avoid anything that resembles an island, no matter how well endowed that island is.

Deshalb ist das iPhone eine erfolgreiche Fotokamera: Qualitativ ausreichend, aber vor allem immer dabei und vernetzt mit dem Web dank einer Vielzahl von Apps.

Deshalb sind Bezahlschranken in der Regel zum Scheitern verurteilt: Sie sind Inseln, wie ich bereits 2007 schrieb.

Etc.

Traditionelle Medien- und Entertainmentunternehmen unterschätzen zu oft die Bedeutung von Vernetzung und überschätzen den (irrenderweise als objektiv wahrgenommenen, aber in Wirklichkeit subjektiven) Wert ihrer Inhalte. Und sie verstehen selten, dass der Wert der Inhalte selbst mit dem Grad der möglichen Vernetzung zusätzlich zu einem Grad steht und fällt.

Das erscheint als Erkenntnis banal. Aber wenn das nächste Mal eine Entscheidung im eigenen Unternehmen getroffen wird, die das Geschäft stärken soll, sollte man sich einmal fragen, ob der beschlossene Schritt auf Grundlage einer Stärkung oder einer Schwächung von Vernetzung stattfindet; und dann überdenken, ob das strategisch mittel- und langfristig die richtige Entscheidung ist.

Der Long Tail und der Seestern

Seth Godin macht einen guten Punkt zum Long Tail, der oft übersehen oder gar nicht erst wahrgenommen wird. Der Long Tail, also die sehr viel breitere Verteilung von Gütern online, hat unterschiedliche Auswirkungen auf unterschiedlichen Ebenen der Wertschöpfung.

Es macht einen Unterschied, ob man zum Beispiel ein Händler ist, der 10.000 Produkte verkaufen kann oder ob man ein Produzent von einem dieser 10.000 Produkte ist.

The starfish and the long tail have trouble getting along:

We’ve all heard the parable of the kid throwing back the starfish, even though there are a million on the beach. “It makes a difference to that one!”

[..]

In a world of endless choice, it’s mathematically obvious that something’s going to get picked, but you, you the creator, the marketer, the one with something at stake–you’re not at all concerned about something. You’re concerned about you and your product.

[..]

The long tail is for organizations that own warehouses.

Der Long Teil ist gut für Warenhäuser wie Amazon und Internetplattformen im allgemeinen. Er ist aber nicht im gleichen Ausmaß der Heilsbringer für die Produzenten der Güter.

Der Long Tail ist aber entgegen Godins Implikation in der Regel auch gut für den Macher, den Inhalteproduzenten, den Produkthersteller. Der wird, wenn er keinen Blockbuster an der Hand hat, tendenziell immer mehr (wenn auch oft nicht sehr viel mehr) in einer Long-Tail-Welt verkaufen.

Die Long-Tail-Welt ist nur lediglich sehr viel attraktiver für Plattformprovider.

Es liegt dann am Seestern, auf  den Plattformen hervorzustechen.

Die Appwelt ist eine Welt mit globaler Konkurrenz

Matthaus Krzykowski von der Berliner Appanalyse-Firma Xyologic fasst die Sicht von z.B Verlegern auf die Konkurrenzsituation bei Apps zusammen:

None of these guys is aware of all the international or indie apps which are disrupting them in their local markets. These local internet brand folks only look at the the other local internet folks as competition.

Das ist so wahr, dass es schmerzt. Sie wissen gar nicht was sie trifft. Eines der größeren Probleme für Medienkonzerne sind oftmals hanebüchen falsche Marktanalysen auf deren Grundlage Strategien für etwa iPad-Apps oder allgemeine digitale Strategien umgesetzt werden.

Ich war vor einigen Monaten bei der Evaluierung der iPad-Strategie eines großen Medienkonzerns involviert. Applikationen wie Flipboard wurden bei der vorher intern durchgeführten Konkurrenzanalyse erst gar nicht angeführt.

Die wahren Konkurrenten um die Gunst der Nutzer sind auch für Presseverlage und ihre Apps die oft technisch und konzeptionell besser umgesetzen Produkte der Techstartups aus den USA und anderen Ländern.

Im Silicon Valley schielt man auf ein globales Publikum, dass es jetzt einzufangen gilt.

Der einzige Vorteil für hiesige Unternehmen: Viele Gründer in den USA lassen sich mal mehr mal weniger Zeit für ihre Expansion in’s Ausland. Wie man an Groupon und Airbnb sehen kann, lernen die Gründer in den USA allerdings dazu.

Zusätzlich sorgen das Followerprinzip und Integrationen in Facebook und Twitter dafür, dass globale Expansion für viele Dienste zum großen Teil ohne Zusatzaufwand möglich ist.

Ein weiteres Problem für hiesige Unternehmen sind Risikoaversion und fehlendes Verständis für die Marktdynamiken:

Most of the Euro players look to get their ROI BEFORE usage. A European telco I am familiar with only commit to deals when these apps make them +50k profit. Most of key European app publishers, their advertising agencies make their apps “paid” as they focus to recoup the production costs quickly. Shortsighted thinking at its best. A friend, the CEO of a leading German app startup, had his sales rep approach the leading 25 German digital agencies about the possibility of striking a deal with the startup. The result: one 50% lead, 24 “no”s. European publishers and advertising agencies are letting their local hope startups starve. I am pretty sure the same folks will be lobbying the EU very hard two years from now to “break  the Google/Apple monopoly” in this space.

There won’t be many German app champions on iOS and Android. I do not expect a Rob Coneybeer to showcase German apps in his presentations anytime, soon.

Die Appökonomie ist international, die Konkurrenz ebenfalls:

As we see from our Xyologic data the app economy can not be seen as a local island, at all. The app animal is very different.
The main way how users currently search for apps is via the Top 25 of the Apple App Store. There they find and pick mostly English-language apps. On average, in the Top 150 most downloaded apps in a particular country we find 120 international apps.
Hence, the competition in the app stores is mostly among international brands. The app economy, the way it is structured today, is international.

Bleibt nur noch die Frage, wie lang es dauern wird bis Medien wie SPON und Politiker, die sich nicht um Kausalitäten scheren, sich über die Dominanz der ausländischen Anbieter auf allen Ebenen beschweren und Massnahmen, am besten Regulation und Protektionismus, fordern.

Die 4 Moment-Apps

Momentapps

Auf dem ZDF-Blog Hyperland habe ich vor ein paar Tagen über – ich habe sie mal so genannt – Moment-Apps geschrieben. Mobile Apps, die darauf ausgelegt sind, ein bestimmtes Element, also ein eben gehörtes Lied oder eine gerade gelesene Buchseite, bestmöglichst festhalten und online verbreiten zu können:

Die kleinteiligere Arbeitsteilung, die bei mobilen Apps beobachtbar ist, ist faszinierend. Plattformprovider wie Facebook oder Google (oder, Gott bewahre, Apple) können diese Angebote in der Regel nicht einfach erfolgreich imitieren und integrieren. Dafür sind sie, wenn sie richtig umgesetzt sind, zu gut auf ihre jeweilige Zielgruppe zugeschnitten.

Ähnliche Angebote großer Plattformprovider, die aber generischer bleiben (müssen), können den kleinen Anbietern ganz im Gegenteil eher noch helfen. Abgesehen davon dürfte eine vertikale Integration in den meisten Fällen wenig Sinn ergeben. Hier steckt noch viel Marktpotential für Appentwickler.

Es gibt keinen Krieg zwischen Facebook und Apple

Facebook logoLaut TechCrunch plant Facebook unter dem Namen “Project Spartan” eine neue mobile Plattform auf HTML5-Basis, die vor allem auch als Basis mobilen Webapplikationen unter die sozialen Arme greifen soll.

Aus mir unerklärlichen Gründen macht der TechCrunch-Autor MG Siegler aus diesen Informationen einen Angriff von Facebook auf Apple. Die Überlegung: Eine Webapps unterstützende Facebook-Plattform ist ein direkter Angriff auf den Appstore von Apple.

In Deutschland nimmt FAZ-Netzökonom Holger Schmidt die unglückliche Interpretation auf und schreibt von einem Krieg der Plattformen.

Technews sind in den letzten zehn Jahren dank explosionsartiger Zunahme der Publikationen und daraus folgender Diversifikation enorm besser geworden. Aber es gibt etwas, das sich hartnäckig hält und fast immer Blödsinn ist: Wann immer ein Unternehmen etwas macht, das das Angebot eines anderen Unternehmens direkt betreffen könnte, ist sofort von “Killer” und von “Krieg” die Rede.

Wie bei der Filesharingdebatte liegt der Irrtum unter anderem darin, von Märkten als Nullsummenspielen auszugehen. Gleichzeitig werden entfernt vergleichbare Produkte immer als Substitute angesehen. Das ist natürlich meistens Quatsch.

Besonders in diesem Fall ergibt der konstruierte Kampf um Leben und Tod keinen Sinn.

Apples iOS-Geräte (iPad, iPhone, iPodTouch) kommen alle mit einem HTML5-fähigen Browser, der in dieser Richtung auch nicht beschränkt wird. Das ist einer der faszinierendsten Aspekte der Diskussionen rund um iOS: Es wird immer von einem rundherum geschlossenen System gesprochen, und dafür, notwendigerweise, der Browser ausgeblendet. Aber natürlich ist der Browser enorm wichtig für iOS, das gar nicht soo geschlossen ist, wie oft suggeriert. Über den Browser kann man auch auf iPad und iPhone Pornos konsumieren und Publikationen wie die Financial Times  können ihre Applikation direkt ohne Apple als Zwischenhändler anbieten.

Nun könnte eine Initiative von Facebook, die HTML5-Webapps stärkt, tatsächlich auch Auswirkungen auf Apples iOS haben. Nur welche?

Stellen wir ein Gedankenspiel an.

Nehmen wir an, es hätte bereits in den Neunzigern flächendeckende Internetanbindung und hohe Internetnutzung mit dem Einsatz von Webapps etc. gegeben. Hätte ein qualitativ unterlegenes Betriebsystem (Windows) sich in dieser Welt so fest verankern können? Relativ unwahrscheinlich.

Die Tatsache, dass immer mehr Computernutzung OS-agnostisch im Browser stattfindet, hilft einem auf Qualität und User Experience ausgerichteten Rundumanbieter wie Apple: Der Wechsel von System zu System wird leichter. Gleichzeitig verschiebt sich die Differenzierung von der schieren Masse an verfügbarer lokal zu installierender Software hin zu verfügbarer Software und dem Drumherum (Hardware).

Wobei natürlich lokale Software, also native Apps, immer noch extrem wichtig sind und wichtig bleiben. Aber die Bedeutung verschiebt sich, weil die neue Klasse der Webapps hinzugekommen ist und die indirekten zweiseitigen Netzwerkeffekte im Softwarebereich für Betriebssyteme abschwächt.

Die Folge: Gute Hardware wird als Differenzierungsmerkmal wichtiger.

Natürlich stellt sich die Frage, wie sehr der leichte Systemwandel in alle Richtungen wirkt. Natürlich stellt sich auch die Frage, wie hoch die direkten Einkünfte für Apple über den Appstore sind, und ob ein Rückgang zu gunsten von Webapps stark ins Gewicht fallen würde. Vorausgesetzt dieser würde überhaupt stattfinden, und die die Webapps würden nicht einfach zum Beispiel zusätzliche Angebote von neuen Akteuren sein.

Aber natürlich wird Apple von Facebooks eventueller HTML5-Offensive profitieren: Mehr nützliche mobile Webapps machen auch Geräte wie das iPhone noch attraktiver. Und natürlich würden auch Android, WebOS und co. davon profitieren: Die HTML5-Apps wären gleichzeitig auch auf diesen Geräten verfügbar, was auch Attraktivität dieser Systeme steigert. Und für App-Entwickler ist mehr Auswahl, die im Bestfall sogar aufwandsenkend wirkt, auch positiv.

Wie unglaublich das für viele Technewsjournalisten erscheinen muss: Alle könnten gewinnen.

Wie auch immer das Zusammenspiel letzten Endes aussehen wird: In diesem Fall ist es auf keinen Fall ein vereinfachendes “entweder oder”.

Aber das ist eben auch keine Schlagzeile.

Cory Doctorows Review von MacroWikinomics

Cory Doctorow reviewt Don Tappscotts und Anthony Williams MacroWikinomics und findet das Buch nicht sonderlich gut:

If a Macrowikinomics reader is meant to come away from the section on open source with an understanding of the dynamic that she can apply to her own firm, this will leave out the critical intelligence that much of that world is anti-authoritarian and skeptical of commercial co-option. The authors cite the great scholar Yochai Benkler but completely fail to get to grips with Benkler’s central thesis — that the kind of collaboration they’re urging is neither a marketplace nor a socialist planned system — rather, it’s a totally new thing, a “commons-based peer production” economy. This is one of the most important insights of the century when it comes to understanding how net-driven collaboration works, and the authors miss it in favor of an undemanding story about a new kind of free market. There are elements of truth to this account, but it lacks critical depth and doesn’t do justice to its subject.

[..]

Macrowikinomics isn’t a bad book, but it is a flawed one. In an effort to produce a nonthreatening primer for all audiences, the authors have oversimplified and elided the particulars in a way that leaves their account crucially incomplete. I like Tapscott and Williams’s work overall, and will be reading their future efforts, but with the hope of more rigor and willingness to touch on truths that might disturb their core constituents.

Schon der Vorgänger “Wikinomics” erschien eher wie eine etwas in jeder Hinsicht dünnere Nachahmung von Yocha Benklers Epochenwerk “The Wealth of Networks”.

Ein guter Anlass, um noch einmal die Empfehlung auszusprechen: Jeder der sich intensiver mit dem Internet und dessen gesellschaftlichen Implikationen beschäftigen will, muss Yochai Benklers “The Wealth of Networks” lesen. Entweder hier auf Amazon kaufen (Affiliatelink) oder auf Benklers Site kostenlos als PDF herunterladen oder in HTML und anderen Formaten anschauen.

Noch einmal unmissverständlich: Wenn man nur ein Buch über die gesellschaftlichen Implikationen des Internets lesen will, dann sollte es “The Wealth of Networks” sein.

26jährige Autorin reich dank selbstpublizierter E-Books auf Kindle

Soll noch mal jemand sagen, man könne als Kreativer kein Geld im Internet verdienen:

Amanda Hocking is 27 years old. She has 9 self-published books to her name, and sells 100,000+ copies of those ebooks per month. She has never been traditionally published. This is her blog. And it’s no stretch to say – at $3 per book*/70% per sale for the Kindle store – that she makes a lot of money from her monthly book sales.

Ebenfalls interessant ist die Tatsache, dass Amanda Hocking auf diese Art Konditionen erhält, die ihr kein Verlag bieten kann:

a publisher on the private Reading2.0 mailing list has said, to effect: there is no traditional publisher in the world right now that can offer Amanda Hocking terms that are better than what she’s currently getting, right now on the Kindle store, all on her own.

Die 26jährige veröffentlicht in ihrem Blog einige weitere, teilweise korrigierende Angaben (wie zum Beispiel, dass sie 26 und nicht 27 ist):

# All of my published full-length novels are available in both ebook and paperback.
# Three of my full length novels are priced at $.99 in ebook, and my novella is priced at $.99. The other five books are priced at $2.99. All my paperbacks are priced at $8.99 and $9.99.
# I was never traditionally published. I still have not been traditionally published.

[..]

# I first published two books in April 15, 2010. Since then, I’ve sold over 900,000 copies of over nine different books.

(via Mediagazer)