Über 10 Milliarden $ wurden 2013 in Apples App Store ausgegeben

Aus der Pressemitteilung von Apple:

Apple® today announced that customers spent over $10 billion on the App Store℠ in 2013, including over $1 billion in December alone. App Store customers downloaded almost three billion apps in December making it the most successful month in App Store history. Apple’s incredible developers have now earned $15 billion on the App Store.

Das App-Store-Modell hat eine enorme wirtschaftliche Energie freigesetzt. Das ist einer von vielen Gründen, warum unter anderem auch Amazon versucht, eine vergleichbare Infrastruktur mit ihren Kindle-Fire-Tablets (und vielleicht bald auch -Smartphones) aufzubauen.

Facebook startet App Center. Kommt das Facebookphone als nächstes?

Nico Lumma:

Künftig gibt es wieder ein ordentliches Verzeichnis, in dem alle Apps zu finden sind, die bestimmten Qualitätskriterien entsprechen. Zusätzlich werden jetzt aber auch die mobilen Apps aufgelistet werden, die über ein Facebook Single Sign-On verfügen und damit auch leicht aus der mobilen Facebook-App gestartet werden können. Das ist ultra-praktisch für die Facebook-Nutzer, denn künftig kann man auch mobil neue Facebook-Apps finden, aus den mobile App Stores installieren und dann direkt der Facebook App starten[..]

Zwei Gedanken sind mir bei der Nachricht (siehe auch Techmeme) gekommen:

1. Dieser Schritt zeigt nochmal erneut den Irrsinn bei Twitter auf, nie ein App-Verzeichnis aufgesetzt zu haben. Warum hat Twitter das eigene Ökosystem nie auf der einen Seite mit mehr Sichtbarkeit unterstützt und auf der anderen Seite darüber Wege gesucht, über die man an den Twittermashups und -Diensten mitverdienen kann? Das Fehlen eines Appverzeichnisses, das sage ich seit Jahren, sagt viel über das Plattformverständnis des Unternehmens hinter Twitter aus. Eigentlich sagt es alles, was man wissen muss. Mir ist neben Twitter keine populäre Webplattform bekannt, die auf ein Verzeichnis der Angebote von Drittparteien verzichtet.

2. Dieses App Directory, das direkt auf mobile Apps abzielt, deutet meines Erachtens auf eine mobile Strategie von Facebook hin, in der zwangsläufig irgendwann ein eigenes mobiles OS liegt. Ich halte es für immer wahrscheinlicher, dass Facebook neben seinen mobilen Apps auch ein eigenes Mobiltelefon herausbringen wird

Das Verhältnis zwischen Appstores und App-Preisen

David Barnard, ein Entwickler mobiler Apps, über die Preisentwicklung im Appstore des iPhones:

In July 2009 the average price for games was $1.39 and all apps combined averaged $2.58. Today it’s $1.01 for games and $2.12 for all apps. Prices do tend to drop in a free market as competition, increased efficiency, economies of scale, and other factors come into play, but I still contend that Apple’s policies and the design of the App Store itself initiated and even accelerated the race to the bottom. It’s clear to me in hindsight that this was either Apple’s intent, or at least something they didn’t actively discourage. To Apple, apps are merely complements to their highly profitable hardware sales. And as Joel Spolsky posited, “All else being equal, demand for a product increases when the prices of its complements decrease.”

To the average consumer, the value proposition of buying an iPhone is amazing given the plethora of free and low-cost apps. After spending $200 on the iPhone 4S, it takes just a few bucks to load it up with Angry Birds, Facebook, Twitter, Instagram, Camera+, Yelp, Pandora, and a host of other great apps. If each of those apps were $10 and it took several hundred dollars to load an iPhone with great apps, the value proposition would be completely different.

Dass die Preise über die Zeit fallen, war vorhersehbar: Ein neuer Markt – eine zentrale Anlaufstelle für den Verkauf von Software, die direkt darüber zur Hardware vertrieben wird, weltweit im besten Fall – landet nicht sofort bei dem Preispunkt, bei dem er sich irgendwann einpendeln kann.

Zuerst kommen die Entwickler, also die Verkäufer. Und die machen in der Regel immer den Fehler, zu viel für ihre Angebote zu verlangen. Verständlich: Noch ist nicht klar, wie die Kaufwilligkeit der Käufer aussieht, und wie viele überhaupt Interesse an dieser Transaktionsform haben. (Wer keine Ahnung von Wirtschaft und auch keinen gesunden Menschenverstand hat, hat sich auch über die viel höheren anfänglichen App-Preise für iPad-Apps gefreut und geschlussfolgert, dass man auf dem iPad für die gleiche Leistung mehr Gewinn bekommt.)

Erst dann kommen die Käufer, die den Rest der Gleichung stellen. Und erst dann entwickelt sich der Markt in Richtung von Gleichgewichten. Der Preisabfall ist also gar nicht so abwegig. Besonders angesichts der dahinter stehenden Kostenstrukturen.

Barnard hat aber in einem anderen Punkt trotzdem teilweise recht:

1. Die Struktur der Appstores beeinflusst die Entwicklung der Marktpreise auf ihnen, weil sie die Informationsströme lenkt.

2. Apple und alle anderen Appplattform-Provider haben ein geringes Interesse daran, dass die App-Entwickler möglichst viel abschöpfen, weil die Apps Komplementärgüter zur Plattform sind. Je teurer die besten Apps, desto teurer der Gesamtnutzen der Plattform für Endanbieter.

Trotzdem haben die Plattformprovider, egal ob Apple, Microsoft, Google oder Amazon, kein Interesse daran, es den Entwicklern so schwer wie möglich zu machen, gut auf ihren Plattformen zu verdienen. Im Gegenteil. Erfolgsgeschichten von Appmillionären helfen den Plattformen, die die Apps genau so brauchen wie umgekehrt.

Immerhin konkurrieren die Plattformen auch untereinander. Und das nicht nur um Nutzer sondern auch um App-Entwickler.

Appstores und Apps für Digitalkameras

Wired.com:

“I believe the photo apps available for the iPhone right now are a glimpse into the future of what the next wave of cameras have in store for us,” Doc Pop says. “Within five years, app stores and internet connectivity will be standard on any point-and-shoot camera.”

Interessantes Gedankenspiel: Welche Geräte können von Internetverbindungen und eigenen Appstores und App-Ökosystemen profitieren?Digitalkameras sind eine offensichtliche Kategorie.

Welche noch?

Webdienst des Jahres Instagram lehrt uns 2 Lektionen über die neue Appwelt

Instagram

Instagram ist zweifellos der Webdienst des Jahres 2011. Der im September 2010 gestartete Fotosharing-Dienst ist 2011 in der Nutzung förmlich explodiert. Instagram ist der Beweis für die Ankunft des mobilen Webs, das mit seinen neuen Betriebssystemen und Appökonomien nicht so offensichtlich ist wie es manchem erscheinen mag.

Instagram unterscheidet sich massgeblich von herrkömmlichen Webdiensten, wie man sie bisher kennt: Man kann Instagram nur als mobile App benutzen. Und sogar nur auf iOS, also iPhone.

Trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen: Bereits 9 Monate nach dem Launch konnte man Instagram getrost als den erfolgreichsten Fotosharingdienst nach Flickr und Facebook bezeichnen:

That’s 150 million photos uploaded to Instagram in just the 9 months since the app launched. For comparison’s sake, it took Flickr nearly two years to hit 100 million total photos on their service. Incredibly, Instagram is now seeing 1.3 million photos uploaded each day — that’s a rate of 15 photos per second.
The service is now well past 7 million users, Instagram co-founder Kevin Systrom tells us. Again, that’s up over 2 million in under 2 months.

Die Geschwindigkeit, mit der der auch von Apple zur iPhone-App des Jahres gekürte Dienst gewachsen ist, ist erstaunlich, aber auch gut geeignet, um ein paar Lektionen aus der Erfolgsgeschichte zu ziehen.

1. Die Ankunft des mobilen Webs:

Manches lässt sich schlicht besser mit einem mobilen Gerät erledigen. Wenn die Kamera eigentlich ein Computer ist, der direkt mit dem Internet verbunden ist, wird das Fotografieren sozialer; es macht mehr Spass. Instagram wird bald den führenden Foto-only-Dienst hinter sich lassen. Spätestens wenn Instagram die Webpräsenz ausbaut, bekommt Flickr ein massives Problem.

Ein vergleichbares Verschieben von webbasierten Diensten hin zu mobilen Appdiensten kann man bei der Verschiebung von Qype/Yelp weg und hin zu Foursquare beobachten.

Welche Aufgaben, die heute von Webdiensten erledigt werden, lassen sich besser als App auf dem Hosentaschencomputer umsetzen? Und welche neuen Funktionen und Dienste lassen sich realisieren, die am Desktop wenig bis keinen Sinn ergeben hätten?

Das sind Fragen die uns 2012 beschäftigen werden, während immer mehr Dienste für das mobile (App-)Web entwickelt und ähnliche Dynamiken wie Instagram entwickeln werden.

2. Mobile Betriebssysteme unterscheiden sich in mehr als den Marktanteilen:

Aussagen, wie diese hier von Martin Weigert, dass man nicht nur für iOS, sondern immer auch für Android und am besten für beide sofort gleichzeitig entwickeln muss,  sind bestenfalls naiv: Wer nur Ressourcen hat, um entweder A oder B zu machen, findet den Ratschlag ‘Du musst A und B machen!’ eher belustigend als erleuchtend.

Im schlimmsten Fall sind solche Aussagen aber schlicht falsch: Würde es tatsächlich nur darum gehen, wie viele Marktanteile ein mobiles OS hat, dann müssten die Foto-Apps für Android oder für beide OS wie etwa picplz das iOS-only-Angebot Instagram längst hinter sich gelassen haben. Haben sie aber nicht. Warum?

Vielleicht weil sich Instagram darauf konzentriert hat, für eine Plattform das bestmögliche Angebot zu liefern. (Und auch nur mit der iPhone-App im Angebot musste Instagram bereits exponentielles Wachstum hinter den Kulissen handhaben, was keine leichte Aufgabe ist.)

Vielleicht spielt der tatsächliche Marktanteil auch gar keine so große Rolle wie gemeinhin angenommen. Immerhin wäre nach reinen Marktanteilen Symbian als das immer noch weltweit größte mobile OS dasjenige, dem die Entwickler aus allen Richtungen zulaufen müssten.

Ein weiterer Beweis dafür, dass Marktanteile allein Entwickler nicht zu überzeugen scheinen: Das größere Android zieht immer weniger Entwickler in seinen Bann, während prozentual immer mehr Entwickler iOS bevorzugen. Venturebeat:

About 73 percent of apps created for the fourth quarter are based on iOS, compared with 27 percent for Android. Three quarters ago, the figures were 63 percent iOS and 37 percent Android.
Over 2011, developer support for Android has declined from a third of titles to a quarter of them.

Gründe dafür kann es reichlich geben:

  • Wer Apps verkaufen will, hat es im iOS-System dank vertikaler Integration einfacher, weil diese die Transaktionskosten senkt. (Deswegen hat Amazon mit seinem eigenen Appstore gute Chancen innerhalb Android-Ökosystem.) Die Unterschiede können enorm sein. Instapaper wird aus diesem Grund nicht als Android-App angeboten.
  • Viele Entwickler dürften iPhones benutzen und deswegen bevorzugt für diese Plattform entwickeln wollen.
  • Entwicklung für Android und iOS unterscheidet sich drastisch. Vielleicht sind die Entwicklertools für Android einfach nicht ansprechend genug? (Oder zu schwer zu erlernen. etc.)
  • Androids Fragmentierung erschwert die Koordinierung der Entwicklung.
  • Man kann exponentielles Wachstum auch auf nur einer Plattform erleben, wenn man seine Kräfte bündelt und diese Entwicklung irgendwann als Sprungbrett benutzen, wie es Instagram macht, das eine eigene Android-App jetzt in Entwicklung hat.

Fazit: Android hat die Verbreitung auf seiner Seite, aber die hat Symbian auch. Viele verschiedene Gründe können gegen die Entwicklung sprechen. Viele sprechen auch dafür. (Wer maximale Reichweite will und die Ressourcen hat, für den ist es ein No-Brainer.) Auf keinen Fall ist es aber so einfach, dass man für das größte mobile OS entwickeln muss, um erfolgreich einen mobilen Webdienst aufbauen zu können.

Auf jeden Fall dürfen wir uns 2012 darauf freuen, noch mehr gut gemeinte, aber irreführende Ratschläge zu mobilen Apps zu lesen. Denn so offensichtlich, wie vieles erscheint, ist es am Ende dann doch nicht. Die 2011er Erfolgsgeschichte Instagram ist dafür der beste Beweis.

Last not least möchte ich auch noch einmal auf die Informationsarchitektur von Instagram hinweisen, die ich bereits im Oktober 2010 beschrieben hatte. Man findet in Instagram wichtige Elemente die, nicht nur aber auch besonders, bei mobilen Apps zunehmend zum Tragen kommen.

Trend für 2012: Clients, die Social Networks und traditionelle Branchen verbinden

Auf Exciting Travel schrieb ich anlässlich der Übernahme von Topguest, einer App die Check-Ins und Treueprogramme verbindet:

Spezielle Clients wie Topguest, die populäre Netzwerke wie Facebook, Instagram oder Foursquare mit traditionelleren Angeboten der Branche verbinden, werden einer der wichtigeren Trends der nächsten Jahre sein.

Dieser Trend wird nicht nur auf die Reisebranche sondern auf  steigende Zahl an Branchen zutreffen, egal ob B2C oder B2B.

Die allgemeinen Social Networks sind da, sie sind etabliert, ihre Daten steigen und Quantität und Ausdifferenzierung und sie bieten APIs an.

Wir haben die Infrastruktur, jetzt wird zunehmend auf sie aufgebaut.

2012 (und wahrscheinlich auch noch 2013) wird aller Voraussicht nach von Clients und Apps/Mashups dominiert werden, die branchenspezielle Funktionen und den Social Graph verbinden und so das Social Web in Bereiche bringen wird, die heute noch als davor ‘sicher’ gelten.

Ein weiterer Grund, warum Social Networks nicht auf Clients verzichten können, selbst wenn sie wöllten.

Die Appwelt ist eine Welt mit globaler Konkurrenz

Matthaus Krzykowski von der Berliner Appanalyse-Firma Xyologic fasst die Sicht von z.B Verlegern auf die Konkurrenzsituation bei Apps zusammen:

None of these guys is aware of all the international or indie apps which are disrupting them in their local markets. These local internet brand folks only look at the the other local internet folks as competition.

Das ist so wahr, dass es schmerzt. Sie wissen gar nicht was sie trifft. Eines der größeren Probleme für Medienkonzerne sind oftmals hanebüchen falsche Marktanalysen auf deren Grundlage Strategien für etwa iPad-Apps oder allgemeine digitale Strategien umgesetzt werden.

Ich war vor einigen Monaten bei der Evaluierung der iPad-Strategie eines großen Medienkonzerns involviert. Applikationen wie Flipboard wurden bei der vorher intern durchgeführten Konkurrenzanalyse erst gar nicht angeführt.

Die wahren Konkurrenten um die Gunst der Nutzer sind auch für Presseverlage und ihre Apps die oft technisch und konzeptionell besser umgesetzen Produkte der Techstartups aus den USA und anderen Ländern.

Im Silicon Valley schielt man auf ein globales Publikum, dass es jetzt einzufangen gilt.

Der einzige Vorteil für hiesige Unternehmen: Viele Gründer in den USA lassen sich mal mehr mal weniger Zeit für ihre Expansion in’s Ausland. Wie man an Groupon und Airbnb sehen kann, lernen die Gründer in den USA allerdings dazu.

Zusätzlich sorgen das Followerprinzip und Integrationen in Facebook und Twitter dafür, dass globale Expansion für viele Dienste zum großen Teil ohne Zusatzaufwand möglich ist.

Ein weiteres Problem für hiesige Unternehmen sind Risikoaversion und fehlendes Verständis für die Marktdynamiken:

Most of the Euro players look to get their ROI BEFORE usage. A European telco I am familiar with only commit to deals when these apps make them +50k profit. Most of key European app publishers, their advertising agencies make their apps “paid” as they focus to recoup the production costs quickly. Shortsighted thinking at its best. A friend, the CEO of a leading German app startup, had his sales rep approach the leading 25 German digital agencies about the possibility of striking a deal with the startup. The result: one 50% lead, 24 “no”s. European publishers and advertising agencies are letting their local hope startups starve. I am pretty sure the same folks will be lobbying the EU very hard two years from now to “break  the Google/Apple monopoly” in this space.

There won’t be many German app champions on iOS and Android. I do not expect a Rob Coneybeer to showcase German apps in his presentations anytime, soon.

Die Appökonomie ist international, die Konkurrenz ebenfalls:

As we see from our Xyologic data the app economy can not be seen as a local island, at all. The app animal is very different.
The main way how users currently search for apps is via the Top 25 of the Apple App Store. There they find and pick mostly English-language apps. On average, in the Top 150 most downloaded apps in a particular country we find 120 international apps.
Hence, the competition in the app stores is mostly among international brands. The app economy, the way it is structured today, is international.

Bleibt nur noch die Frage, wie lang es dauern wird bis Medien wie SPON und Politiker, die sich nicht um Kausalitäten scheren, sich über die Dominanz der ausländischen Anbieter auf allen Ebenen beschweren und Massnahmen, am besten Regulation und Protektionismus, fordern.

Die 4 Moment-Apps

Momentapps

Auf dem ZDF-Blog Hyperland habe ich vor ein paar Tagen über – ich habe sie mal so genannt – Moment-Apps geschrieben. Mobile Apps, die darauf ausgelegt sind, ein bestimmtes Element, also ein eben gehörtes Lied oder eine gerade gelesene Buchseite, bestmöglichst festhalten und online verbreiten zu können:

Die kleinteiligere Arbeitsteilung, die bei mobilen Apps beobachtbar ist, ist faszinierend. Plattformprovider wie Facebook oder Google (oder, Gott bewahre, Apple) können diese Angebote in der Regel nicht einfach erfolgreich imitieren und integrieren. Dafür sind sie, wenn sie richtig umgesetzt sind, zu gut auf ihre jeweilige Zielgruppe zugeschnitten.

Ähnliche Angebote großer Plattformprovider, die aber generischer bleiben (müssen), können den kleinen Anbietern ganz im Gegenteil eher noch helfen. Abgesehen davon dürfte eine vertikale Integration in den meisten Fällen wenig Sinn ergeben. Hier steckt noch viel Marktpotential für Appentwickler.

Es gibt keinen Krieg zwischen Facebook und Apple

Facebook logoLaut TechCrunch plant Facebook unter dem Namen “Project Spartan” eine neue mobile Plattform auf HTML5-Basis, die vor allem auch als Basis mobilen Webapplikationen unter die sozialen Arme greifen soll.

Aus mir unerklärlichen Gründen macht der TechCrunch-Autor MG Siegler aus diesen Informationen einen Angriff von Facebook auf Apple. Die Überlegung: Eine Webapps unterstützende Facebook-Plattform ist ein direkter Angriff auf den Appstore von Apple.

In Deutschland nimmt FAZ-Netzökonom Holger Schmidt die unglückliche Interpretation auf und schreibt von einem Krieg der Plattformen.

Technews sind in den letzten zehn Jahren dank explosionsartiger Zunahme der Publikationen und daraus folgender Diversifikation enorm besser geworden. Aber es gibt etwas, das sich hartnäckig hält und fast immer Blödsinn ist: Wann immer ein Unternehmen etwas macht, das das Angebot eines anderen Unternehmens direkt betreffen könnte, ist sofort von “Killer” und von “Krieg” die Rede.

Wie bei der Filesharingdebatte liegt der Irrtum unter anderem darin, von Märkten als Nullsummenspielen auszugehen. Gleichzeitig werden entfernt vergleichbare Produkte immer als Substitute angesehen. Das ist natürlich meistens Quatsch.

Besonders in diesem Fall ergibt der konstruierte Kampf um Leben und Tod keinen Sinn.

Apples iOS-Geräte (iPad, iPhone, iPodTouch) kommen alle mit einem HTML5-fähigen Browser, der in dieser Richtung auch nicht beschränkt wird. Das ist einer der faszinierendsten Aspekte der Diskussionen rund um iOS: Es wird immer von einem rundherum geschlossenen System gesprochen, und dafür, notwendigerweise, der Browser ausgeblendet. Aber natürlich ist der Browser enorm wichtig für iOS, das gar nicht soo geschlossen ist, wie oft suggeriert. Über den Browser kann man auch auf iPad und iPhone Pornos konsumieren und Publikationen wie die Financial Times  können ihre Applikation direkt ohne Apple als Zwischenhändler anbieten.

Nun könnte eine Initiative von Facebook, die HTML5-Webapps stärkt, tatsächlich auch Auswirkungen auf Apples iOS haben. Nur welche?

Stellen wir ein Gedankenspiel an.

Nehmen wir an, es hätte bereits in den Neunzigern flächendeckende Internetanbindung und hohe Internetnutzung mit dem Einsatz von Webapps etc. gegeben. Hätte ein qualitativ unterlegenes Betriebsystem (Windows) sich in dieser Welt so fest verankern können? Relativ unwahrscheinlich.

Die Tatsache, dass immer mehr Computernutzung OS-agnostisch im Browser stattfindet, hilft einem auf Qualität und User Experience ausgerichteten Rundumanbieter wie Apple: Der Wechsel von System zu System wird leichter. Gleichzeitig verschiebt sich die Differenzierung von der schieren Masse an verfügbarer lokal zu installierender Software hin zu verfügbarer Software und dem Drumherum (Hardware).

Wobei natürlich lokale Software, also native Apps, immer noch extrem wichtig sind und wichtig bleiben. Aber die Bedeutung verschiebt sich, weil die neue Klasse der Webapps hinzugekommen ist und die indirekten zweiseitigen Netzwerkeffekte im Softwarebereich für Betriebssyteme abschwächt.

Die Folge: Gute Hardware wird als Differenzierungsmerkmal wichtiger.

Natürlich stellt sich die Frage, wie sehr der leichte Systemwandel in alle Richtungen wirkt. Natürlich stellt sich auch die Frage, wie hoch die direkten Einkünfte für Apple über den Appstore sind, und ob ein Rückgang zu gunsten von Webapps stark ins Gewicht fallen würde. Vorausgesetzt dieser würde überhaupt stattfinden, und die die Webapps würden nicht einfach zum Beispiel zusätzliche Angebote von neuen Akteuren sein.

Aber natürlich wird Apple von Facebooks eventueller HTML5-Offensive profitieren: Mehr nützliche mobile Webapps machen auch Geräte wie das iPhone noch attraktiver. Und natürlich würden auch Android, WebOS und co. davon profitieren: Die HTML5-Apps wären gleichzeitig auch auf diesen Geräten verfügbar, was auch Attraktivität dieser Systeme steigert. Und für App-Entwickler ist mehr Auswahl, die im Bestfall sogar aufwandsenkend wirkt, auch positiv.

Wie unglaublich das für viele Technewsjournalisten erscheinen muss: Alle könnten gewinnen.

Wie auch immer das Zusammenspiel letzten Endes aussehen wird: In diesem Fall ist es auf keinen Fall ein vereinfachendes “entweder oder”.

Aber das ist eben auch keine Schlagzeile.

Was für Apples Appstore und dessen Review-Prozess spricht

In der Regel wird Apples Ansatz, Apps vor der Zulassung in den iOS-Appstore von Mitarbeitern prüfen zu lassen, ausschließlich kritisiert. Vergessen werden dabei die offensichtlichen Vorteile, die die strengere Kontrolle mit sich bringt.

Marco Arment, Entwickler von Instapaper und Mitgründer von Tumblr, über die Vorteile des Review-Prozesses für das iOS-Ökosystem:

First and foremost, the review process has created a level of consumer confidence and risk-taking that has enabled the entire iOS app market to be far bigger and healthier than anyone expected. Average people — the same people who have been yelled at for decades for clicking on the wrong button on the wrong incomprehensible dialog box and messing up their computers — can (and do) confidently buy large quantities of inexpensive apps impulsively, without having to worry that any of them will “break” their iPhones or iPads, rip them off, destroy their data, or require them to embarrassingly visit the corporate IT department, the Geek Squad, or their computer-savvy relatives (us) for help. Part of this is due to the highly sandboxed architecture enforced by the OS, but a big part is the app review process.

For software makers and trademark owners, Apple’s review process significantly cuts down on name squatters, illegal clones, piracy apps, legally risky apps (for better and for worse), and trademark infringers.

Jeder Ansatz, wie ein Plattformprovider seine Plattform handhabt, hat seine eigenen Vor- und Nachteile. Die Vorteile von Apples Review-Prozess finden in der Regel kaum Beachtung.

Diese Ausführungen sind auch vor dem Hintergrund potentieller Regulierungsüberlegungen interessant: Sollte Apple gezwungen werden, den Review-Prozess zugunsten größerer ‘Offenheit’ aufzugeben? Oder sollte man dem Endnutzer die Wahl zwischen verschiedenen App-Marktplätzen und Bereitstellungsprozessen mit ihren eigenen Vor- und Nachteilen lassen?

Mac App Store: Warum erst 2011?

Das Bemerkenswerte am diese Woche gestarteten Mac App Store ist tatsächlich, dass er erst 2011 gekommen ist.

Michael Seemann:

Vor knapp 10 Jahren kam Microsoft XP auf den Markt. Ich sehe nicht, warum ein Appstrore da nicht schon wunderbar funktioniert hätte. Das Internet war schon so weit, dass man da Programme herunter lud. Allen: den Kunden, den Herstellern und auch Microsofts Systemintegrität hätte ein Appstore vieles erleichtert. Und man hätte von Anfang an viel Geld machen können.

Chris Dixon:

Mac App Store: It’s amazing it took until 2011 for Normals to not be asked which directory to install stuff and other techie questions.

Im Nachhinein ist es natürlich leicht, auf scheinbar Offensichtliches zu verweisen.

Ähnliches gibt es zwar in Form von zentralen Software-Repositories bereits für Linux-Distributionen. Ein wesentliches Merkmal der neuen App Stores ist allerdings die Einfachheit der gesamten Handhabung. (Etwas, worin Linux bis dato immer eher nicht glänzte. Tatsächlich dürfte der Vorgang des Hinzufügens von Programmen unter Linux für normale User eher abschreckend sein.)

Windows 8 wird voraussichtlich ebenfalls einen App Store bekommen. Es wäre nur logisch.

Da das reguläre appstore-unabhängige Installieren von Programmen weiterhin bestehen bleibt, sehen wir hier entgegen der vielerorts geäußerten Kritik eine Zunahme der Möglichkeiten, keine Verringerung.

(Siehe auch auf neumusik.com die Anmerkungen, was der Mac App Store für Musiker (mit Macs) bedeuten kann.)

iOS: In-App-Verkäufe generieren mehr Einnahmen als Werbung

ReadWriteWeb verweist auf eine neue Studie von Flurry, nach der App-Entwickler für Apples iOS (iPhone, iPod Touch und iPad) zunehmend über In-App-Verkäufe Umsatz generieren:

[..] in-app purchases have taken over as the leading source of revenue for social networking and social gaming applications.

Flurry’s analysis revealed that, during 2010, there has been a shift away from advertising to virtual good sales as the major source of revenue for apps in these two categories. And as of September, in-app purchases accounted for 80% of revenues generated by mobile developers.

Über In-App-Verkäufe als alternative Freemium-Strategie zum Anbieten mehrerer Apps (eine kostenfrei, eine kostenpflichtig) hatte ich im Mai dieses Jahr auf Exciting Commerce geschrieben.

In Lieblingsorte automatisch auf Foursquare einchecken mit Future Checkin

future-checkinIn meinem Artikel über den Aufstieg der Ein-Klick-Geste hatte ich auch über die Bedeutung der Ein-Klick-Geste bei ortsbasierten Diensten in Form der von Foursquare eingeführten Check-Ins geschrieben. Zur Wechselbeziehung zwischen Protokoll-Ansatz und Ein-Klick-Geste/Check-In sagte ich sinnvolle Überschneidungen voraus:

Denkbar ist beispielsweise etwa ein ortsbasierter Dienst, der sich automatisch bei Aufenthalt an oft besuchten Orten eincheckt, wenn man das so vorher eingestellt hat. Auch im Bereich der Micropayments erscheint ein Ansatz, der die Funktionen von Flattr und Kachingle clever vereint, sinnvoll.

TechCrunch berichtet nun über Future Checkin, eine iPhone-Applikation, die genau diese Funktion für Foursquare erfüllt. Future Checkin nutzt die Foursquare-API und die Möglichkeit von iOS4, Applikationen im Hintergrund einige Funktionen ausführen lassen zu können, wie etwa das Senden des aktuellen Standorts.

In Future Checkin markiert man die eigenen Favoriten, also Orte, die man oft aufsucht. Anschließend führt das im Hintergrund laufende Future Checkin automatisch den Foursquare-Check-In für diese Orte aus, wenn man sich in deren Nähe befindet:

Here’s how it works: you sign in to the app with your Foursquare account, and it shows you a list of Foursquare venues nearby. Or you can search for your favorite venues. From this list, you choose the ones to mark as “Favorites.” You can also scan your recent check-in history and select venues from here to add to your Favorites. This Favorites list is key — these are the venues you will be automatically checked-in to when you get close enough to them (within 300 meters).

Future Checkin zeigt auch ein weiteres Mal, wie wichtig eine beschreibbare API ist, um vom Markt nachgefragte Funktionen zum Hauptangebot abdecken zu können, selbst wenn der Plattformprovider (in diesem Fall Foursquare) die Funktionen aufgrund fehlender Ressourcen, anders gelagerter Prioritäten oder Ähnlichem nicht anbietet.

Der Entwickler sagt gegenüber TechCrunch über die Unterstützung von Gowalla, dem zweitgrößten Dienst hinter Foursquare im ortsbasierten Check-In-Bereich:

As for the future of Future Checkin, [Future-Checkin-Entwickler] Sears says that he plans to implement Gowallaintegration too, as soon as their write API is ready to roll [..]

Die Implementation von Gowalla, wenn dessen API es erlauben wird, ist auch sinnvoll für den Anbieter von Future Checkin, sollte Foursquare irgendwann die Funktion von Future Checkin ebenfalls einführen.

Implementiertes Multihoming ist immer eine gute Möglichkeit für App-Entwickler, sich gegen die konkurrierenden Angebote der Plattformprovider zu behaupten.

New York Times wird mobile App an andere Publisher lizenzieren

Die New York Times plant, die Technik hinter ihrer mobilen App an andere Publisher zu lizenzieren, bzw. eine Plattform mit Templates aufzubauen. Interessant:

The NYT is reportedly experimenting with a platform dubbed Press Engine, which will allow other publishers to produce their own apps for devices such as the iPhone and iPad, apparently because they kept asking for a decent way to do so.

TechCrunch: New York Times To License “DNA” Of Its Mobile Apps To Other Publishers.

Aus der Pressemitteilung:

The iPhone and iPad application templates will include the following features:

- partial offline reading and the ability to save articles;
- share functionality;
- photo gallery, audio and video;
- horizontal and vertical reading;
- simple search; and
- device-standard advertising units.

Laut Pressemitteilung will man im vierten Quartal diesen Jahres starten.

(via)

Googles App Inventor ist für den Long Tail gedacht

0710-appinventor-logoLesenswerter Artikel über Googles App Inventor, dem neuen visuellen App-Entwicklungstool, auf O’Reilly Radar:

Apple is saying “trust us, it will just work.” Google is saying “We’ll help you to be creative and make your own stuff that works for you.” There’s nothing inherently wrong with either approach. Apple’s approach is more appropriate for an entertainment device, more like the ’60s TV, radio, or dial phone. It does more, but it’s still sealed; you can’t open it up and hack it. There are plenty of people who want that kind of experience — possibly a majority. Google is opening up the guts and letting you create — and taking the gamble that people who haven’t been creative in the past will start.

Allerdings ist mir der Artikel etwas zu kulturorientiert. Unternehmen geht es aber nicht um Kultur, sondern um Profit (erstere wirkt allerdings massiv darauf ein, wie man letzteres erreichen will). Das Interesse von Google liegt nicht in erster Linie in der Demokratisierung der App-Entwicklung. Das ist eher ein Nebeneffekt des ursprünglichen Ziels: Den Long Tail abdecken. (Im Long Tail des Webs liegt etwa Googles AdSense-Erfolg.)

Nicht wenige, die über App Inventor geschrieben haben, haben von der potentiellen Zunahme der Quantität an Android-Apps geschrieben und das mit dem Absinken der durchschnittlichen Qualität der Android-Apps gleichgesetzt. Während das zwar statistisch richtig ist, muss das nicht unbedingt eine Rolle spielen. Es geht nicht darum, dass viele minderwertige Alternativlösungen für das gleiche Problem Android überschwappen könnten.

Es geht viel eher darum, dass jeder für sein Angebot und/oder seine eigenen Bedürfnisse leichter eine App schreiben kann, sprich leichter auf die Möglichkeiten nativer Applikationen zugreifen kann. Damit können kleine Nischenanbieter (Long Tail!) etwa ihre Nutzerschaft kostengünstiger ansprechen. Mittelständische Unternehmen könnten etwa spezifische Applikationen für ihre Mitarbeiter umsetzen. Solche Anwendungsfälle können das Android-System sehr attraktiv weil vielseitig einsetzbar machen. Gleichzeitig hat sich Apple mit seinem eigenen Ansatz dieses Feld strategisch verbaut. (Zumindest wenn man davon ausgeht, dass diese Aufgaben nicht von HTML5-Applikationen erfüllt werden können.)

Natürlich muss Google es schaffen, die Masse an Apps verwaltbar zu halten. Besonders wenn diese stark zunehmen wird. Android-User dürfen von der Masse nicht erdrückt werden. Aber Google hat es geschafft, Ordnung in das Chaos des Webs zu bringen. Man kann davon ausgehen, dass Google das auch bei den Android-Apps gelingen kann, wenn deren Zahl explodieren sollte.

Gleichzeitig sollte man nicht vergessen, dass Android nicht auf einen einzelnen AppStore angewiesen ist. Während Google für den App Market vielleicht mehr Apps zulässt, könnte ein anderer Anbieter einen “High-End-AppStore” für Android starten und dafür nur vorher getestete Applikationen zulassen, die bestimmte Kriterien erfüllen; ganz nach Apple-Tradition quasi. Damit hätten die User neben dem riesigen App-Meer die Möglichkeit, sich auf eine dritte Partei verlassen zu können, wenn sie kein Risiko eingehen wollen.

Anders gesagt: Würde tatsächliche eine Masse an minderwertigen Apps den Android Market überschwemmen, entstünde damit automatisch eine Nachfrage nach einem ‘aufgeräumteren’ AppStore für Android, der früher oder später jemand nachkommen würde.

Android, und das ist Googles Strategie, gibt allen Beteiligten auf allen Ebenen der Wertschöpfung Wahlmöglichkeiten an die Hand. Und darin ist Google durch und durch konsequent.

iPhone: Apperang bezahlt Nutzer für das Herunterladen von Apps

Apperang will iPhone-App-Entwicklern bei der Verbreitung der Applikationen helfen, indem User für das Herunterladen und Installieren bezahlt werden. Ich bin mir nicht sicher, wie gut das funktionieren wird. Interessant ist es aber allemal.

mobile zeitgeist stellt Apperang vor und listet die Vorteile einer größeren Verbreitung auf, die zu einem selbstverstärkenden Effekt führen kann:

Der Entwickler zahlt an Apperang auf einer Pay-per-Download-Basis, entweder je nach gewähltem Programm 0.20 oder 0.40 US$/Download.

[..]

Doch die Rechnung kann durchaus aufgehen, denn erhöhte Downloads haben verschiedene positive Effekte:

  • WoM-Marketing, die App wird im Freundeskreis weiter empfohlen
  • Höhere Rankings im AppStore
  • Mehr Reviews
  • Weitere erhöhte Umsätze durch z.B. In-App-Purchase

Besonders das höhere Ranking im AppStore ist nicht zu unterschätzen.

Evernote bekommt eigenen AppStore

Das beliebte Digitale-Notizen-Tool Evernote wird zur Plattform und bekommt seinen eigenen AppStore. GigaOm:

Today, most Evernote customers use the app to coordinate their note-taking across at least one mobile device and at least one desktop. Now the company is using that strength to help out other companies and add functionality it hasn’t built itself with 100 “items” (aka apps) from 67 companies at launch.

[..]

Evernote wants its partners to both augment and take a piece of its freemium model. It promises it will soon add the ability for developers to charge within Trunk and earn affiliate revenue. Apps can also be region-specific; for instance, a German app called Paperboy takes pictures of newspapers or magazines so a user can read them later, and the Japanese device airpen records physical writing in digital form.

Das deutsche Paperboy beschreibt seine Evernote-Anbindung so:

Want to remember an interesting article while you’re reading it in your favorite newspaper or magazine? Simply snap a picture of the page with Paperboy. Paperboy automatically recognizes the page and stores a high quality digital version in your Evernote account along with related information like videos, images or links to selected topics.

Evernote ist mit dem Freemium-Geschäftsmodell überaus erfolgreich.

Facebooks mobile Strategie: Plattform

Venturebeat berichtet über Facebooks mobile Strategie:

Facebook is going to go beyond rolling out standalone applications for iPhones, Google Android devices or feature phones and start considering itself a platform for developers to distribute mobile apps with.

“Where we’re going from here is a platform strategy. We’re going away from a one-off app strategy,” said Erick Tseng in his first public appearance since joining Facebook as head of mobile products. Speaking at VentureBeat’s MobileBeat conference today, he said the company will start building out this effort over the next several months.

(Hervorhebungen von mir)

Das ist eine enorm wichtige Entwicklung. Das bedeutet letztlich, dass Facebooks Social-Graph-Daten für mobile Apps nachhaltig zur Verfügung stehen werden und Facebook darüber hinaus in jeder Hinsicht bezüglich der sozialen Daten als Infrastrukturanbieter für mobile Apps agieren will. Das wird die Entwicklung des mobilen Webs aufgrund Facebooks Größe stark beschleunigen.

Über ortsbasierte Anwendungen:

Tseng pointed to location as one area where social features could strengthen user experience. “If you can actually layer on top of [location] some kind of social intelligence — not just the fact that I’m near Starbucks, but the fact that 30 of my friends really like this frappuccino over the last couple months — I’ve got an interesting use case,” he said.

Über Apps und Appstores macht sich Facebook offensichtlich auch Gedanken:

Part of a mobile platform strategy could include making app discovery and distribution more social, he said. But he declined to comment on whether Facebook had been in discussions with app store operators like Apple or Google to add such social features.

Das ist ein radikal anderer Weg als beispielsweise der von Twitter, das sich Schritt für Schritt vom Plattformansatz weg und hin zum hierarchischen Ansatz bewegt. Während Twitter damit seinen langfristigen Erfolg gefährdet, erschafft Facebook mit der entgegengesetzten Richtung einen immer stärkeren Lock-In.

Mobile-App-Entwickler sollten jetzt mit Android anfangen

Guter Punkt von Louis Gray bezüglich Android und Entwickler:

When I first discussed my thoughts on Android, I made comments saying that if I were a software developer looking to deploy a mobile app, I would look to code for Android first and iPhone and iPad second, to gain highly visible mindshare in a fast growing marketplace. In a piece in the San Jose Mercury News last week, that theory was validated by developers who said the once small pond was turning into an ocean. The article said “early bets on Android and Google are paying off.”

Aktuell ist es noch wesentlich einfacher, mit einer guten Applikation auf Android bekannt zu werden als auf Apples iOS-System. Das wird sich bald ändern, denn das Android-Ökosystem nähert sich der Marke der 100.000 Apps. Aktuell werden laut Google täglich 160.000 Mobiltelefone mit Android ausgeliefert.

Android befindet sich aktuell im ‘Sweet Spot’ für Entwickler: zwischen anstehendem Mainstream-Erfolg, aber mit noch nicht ausgelastetem App-Ökosystem.

iOS ist und bleibt weiter wichtig. Aber die aktuell verschiedenen Konkurrenzsituationen auf den beiden mobilen Systemen sollte man nicht außer Acht lassen.

Angry Birds, eine weitere Freemium-Erfolgsgeschichte

Angry-Birds Nach Evernote ein weiteres Beispiel für die erfolgreiche Implementierung des Freemium-Geschäftsmodells (kostenlose Basisfunktionen, kostenpflichtige Premium-Funktionen) ist das von einem finnischen Startup kommende iPhone-Spiel Angry Birds:

Angry Birds have reached the #1 position of Paid Apps in tens of different countries. 61 to be exact. [..]

In total, Angry Birds have had over 10 million downloads of their game. 6 million downloads for the free Lite version and 4 million downloads for the paid app at approximately 99c a piece. This in return is about 2.8 million euros after the revenue share for Apple has been taken out.

Neben der Qualität von Angry Birds, von der sich die Nutzer mit der Lite-Version überzeugen können, hat sicher auch der relativ niedrige Preis für das eigentliche Spiel eine Rolle für den Erfolg gespielt.

Man sieht: Der wirtschaftliche Erfolg kommt nicht trotz kostenlosem Basisangebot und günstigem ‘Premium-Angebot’, sondern unter anderem gerade aufgrund dieser Ausrichtung.

Wer meint, kostenlose Angebote und im Verhältnis zu auf physischen Datenträgern distribuierten Programmen günstige Applikationen können keinen Gewinn, oder zumindest keinen signifikanten Gewinn, erwirtschaften, sieht hier ein weiteres Gegenbeispiel.

Sicher ist Angry Birds eine Ausnahme, was den enormen Erfolg angeht, aber was man hier sieht, ist auch, dass das Einbeziehen der digitalen Kostenstrukturen in die Preisgestaltung enormen Anteil am Erfolg haben kann.

Ein Angry Birds ohne Lite-Version und mit hohem Preis (sagen wir zum Beispiel um die 5 €) wäre nicht auf 61 Ländern auf Platz eins der iPhone-Appcharts und hätte aller Wahrscheinlichkeit dem Entwickler nicht annähernd bis dato 2,8 Millionen Einnahmen eingebracht. Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass man bei der iPad-Variante von Angry Birds mit 3,99€ auf einen meines Erachtens zu hohen Preis setzt. Die Entwicklung der iPad-App-Verkäufe wird also interessant werden.