Healthbook: Apples “Zero-Setup-Plattform” für Gesundheitsapps?

Es lohnt sich genau anzuschauen, wie Apple und Google neue Plattformen, aktuell Wearables und speziell Smartwatches, angehen und wie sie planen, diese zu etablieren. Nicht nur die bereits etablierten Betriebssysteme, die natürlich eine bequeme Startposition ermöglichen, sondern auch und vor allem das Verständnis der Netzwerkdynamiken von Plattformen sind es, die Apple und Google auszeichnen.

Benedict Evans schreibt über die mögliche Healthbook-App von Apple, über die gerade Gerüchte kursieren:

Suppose, for the sake of argument, that Apple does indeed plan a health app that’s card-based, somewhat like Passbook. What would happen when you buy and turn on a blood pressure monitor that is certified for ‘Healthbook’? Well, one would expect that Apple would use the Bluetooth LE auto discovery that’s already in iOS7 to detect it automatically and tell you. And then, suppose it offers to install the Healthbook card to manage it (either from iTunes or from the device itself) – an HTML/Javascript package that runs in the Healthbook sandbox in some way. Suppose it does the same for any sensor you might buy? Then Apple has created a zero-setup platform for personal health devices. No apps, no native code, no app store, no configuration at all.

This would be one answer to why Apple’s recent hires of ‘wearables experts’ sound a bit like a team for a hospital device rather than a watch, measuring various quite technical things – because Apple plans to enable such devices, not try to pack every single one into its own device. That is, the straightforward sensors should live in the phone (like the pedometer that’s already in the iPhone 5S) and the complex and demanding ones should be enabled by an Apple platform, not become part of an Apple device.

Mit der Ausbreitung in Autos, in Wearables, in TV-Geräte verändert sich die Natur von iOS und Android. Ihre Lebensphase als reine Smartphone-Betriebssysteme endet 2014.

Project Ara: Motorola plant modulare Smartphones

Motorola hat ein spannendes neues Projekt vorgestellt, das modulare Smartphones erlauben soll.

The Verge:

Motorola has unveiled Project Ara, an open-source initiative for modular smartphones with the goal to "do for hardware what the Android platform has done for software." The company plans to create an ecosystem that can support third-party hardware development for individual phone components — in other words, you could upgrade your phone’s processor, display, and more by shopping at different vendors.
[..]
The modules "can be anything," says Motorola, giving examples ranging from a new keyboard or battery to more unusual components such as a pulse oximeter.

to "do for hardware what the Android platform has done for software." – Also mit Open Source die Hersteller zur eigenen Plattform locken und dann, wenn die Netzwerkeffekte wirken, mit Zusatzfeatures und Verträgen knebeln und knechten?

Etwas ernster: Der Plan der Google-Tochter Motorola erinnert natürlich an PCs und den IBM-Standard. Ich bezweifle, dass dieses modulare System jemals die Mehrheit des Marktes einnehmen wird. Zu groß sind die Vorteile einer geschlosssenen Hardware, die nicht auf Standards und Schnittstellen achten muss, wenn Leichtigkeit, Leistung, Größe und Laufzeit gleichzeitig so wichtig sind wie bei Smartphones.

Aber dieses Projekt könnte (Android-)Smartphones in interessante neue Bereiche bringen. Besonders im B2B-Bereich, wo spezielle Komponenten die Nutzungspotentiale erweitern können, stecken einige Chancen für ein solches Vorhaben.

Wichtiger als jemals zuvor ist es besonders hier, Smartphones nicht als Telefone sondern als Taschencomputer wahrzunehmen.

Das unter anderem von Union Square Ventures finanzierte Startup Bug Labs hat einige Jahre vor dem Wechsel der Strategie ebenfalls versucht, eine Plattform modularer Hardware zu etablieren. Erfolglos. Allerdings hat sich das Umfeld in den letzten Jahren stark gewandelt und besonders Android als Softwarebasis ist recht vielversprechend für einen erneuten Anlauf. Außerdem bringt Motorola als Google-Tochter nicht nur Ressourcen sondern auch Knowhow als Hardwarehersteller mit.

Ebenfalls interessant: Die Google-Tochter positioniert sich auf diesen Weg möglicherweise so, dass sie nicht direkt mit Herstellern herrkömmlicher Android-Smartphones konkurriert. Das ist nicht zu unterschätzen, wenn man bedenkt, dass die Hardwarehersteller angesichts eines Plattformproviders mit eigener Hardwaresparte zur recht nervös werden können. Rundum also spannende News für die Android-Plattform.

Man sollte Project Ara im Auge behalten.

Die offizielle Ankündigung von Project Ara findet man hier.

Vertikalisierung nach Amazon-Art: Offlinevideos, Goodreads-Integration & Support auf OS-Ebene

Amazon erlaubt künftig für einige Titel seines Videostreamingangebots “Amazon Instant Video” Offline-Konsum:

Amazon’s new line of Kindle Fire HDX tablets will let Prime Instant Video users* download some movies and TV shows to their devices, for free, for up to 30 days, so they can watch without an Internet connection. Once they start watching a particular title, they’ll have 48 hours to finish.
That’s a feature no other U.S. subscription-streaming service currently offers. And it might prove very handy for travelers, or anyone else who wants to watch something on a laptop or tablet but doesn’t have access to good broadband.

Das ist zunächst nur für einige Titel verfügbar, weil Amazon für das Zusatzfeature entsprechende Lizenzen erwerben muss.

Es ist bemerkenswert, wie Amazon zum einen Stück für Stück seine Services weiter voranbringt und zum anderen alle eigenen Angebote zusammenbringt. In diesem Fall kommen der Streamingdienst, Amazons Hardware und Tablet-OS (mit neuer Version 3.0) zusammen.

Es stellt sich mit diesen Entwicklungen immer mehr die Frage, wie die deutschen TV-Sender ernsthaft auf die Disruption ihres Heimatmarktes reagieren wollen, wenn Amazon Instant Video, Netflix und co. hier verfügbar werden.

Dass Amazon dieses Feature von den Rechteinhabern bekommt1, macht es praktisch unumgänglich, dass ähnliche Funktionen auch zu den Konkurrenten kommen werden.

In Deutschland ist Amazon Instant Video noch nicht verfügbar. Dafür die Amazon-Tochter Lovefilm, und der Konkurrent Watchever von Vivendi.

Als Randnotiz sei noch auf die weitergehende Vertikalisierung bei Amazon hingewiesen, die sich auch bei der neuen OS-Version bemerkbar macht:

As with the Paperwhite, Goodreads is now built in – or at least it will be by the time 3.1 rolls around. Once that 3.1 upgrade starts rolling out over the air (sometime in mid-November), Goodreads will offer the ability to share quotes, review titles and get recommendations as you're reading the book.

Und, noch spannender, die Integration von Support auf OS-Ebene:

The new feature that had Bezos particularly giddy is Mayday. The button's based in the Quick Settings (also accessible with a swipe), alongside options for Auto-Rotate, Brightness, Wireless, Quiet Time (to shut off those nagging notifications, when you're doing things like reading). The feature bakes a live, human help module directly into the OS (on the HDX, at least – the HD doesn't have a mic to support it). A little box will pop up with a real, live person on the other end. You can see them, but they can only see your screen – and, if prompted, they'll pause their end, so they can't see you do things like entering passwords.


  1. Beziehungsweise teuer einkaufen darf.. 

Amazon-Verlage setzen Buchverlage preislich unter Druck

Amazon setzt mit seinen eigenen Verlagen und damit seinen eigenen Inhalten Buchverlage preislich unter Druck. Eine naheliegende Plattformtaktik.

Buchreport:

Aktuell sind im deutschen Amazon-Shop rund 100 ins Deutsche übersetzte Amazon-Crossing-Titel verfügbar, darunter über 50 E-Books im Single-Format (5000 bis 30.000 Wörter). Unter den Autoren sind bekannte Namen wie Jeff Jarvis, Karin Slaughter und Hugh Howey (dessen „Wool“-Saga über Amazon bekannt wurde).

Während die „Singles“ ohnehin niedrigpreisig (ab 0,99 Euro) sind, bietet Amazon selbst opulentere Crossing-Romane, die seit Sommer 2012 auf Deutsch erscheinen, befristet (bis 29. Juli) extrem günstig an: 20 E-Books für je 2 Euro. In der Kindle-Bestsellerliste hat dies dazu geführt, dass die Crossing-Titel bereits das Ranking dominieren: In der Top-10 sind 6 Crossing-Titel für 2 Euro zu finden. Der einzige Top-10-Titel jenseits von 4 Euro: „Ein ganzes halbes Jahr“ von Jojo Moyes, bei Rowohlt als E-Book für 12,99 Euro erschienen.

Nicht nur bei den Verlagen, die mit den bisherigen Preispunkten zunehmend Schwierigkeiten bekommen, ihre Titel ins Kindle-Ranking – die wichtigste E-Bestsellerliste Deutschlands – zu bringen, sondern auch bei Selfpublishern sorgt die Amazon-Aktion für Kritik.

Den Buchverlagen bleibt nur die Wahl zwischen dem Verzicht auf größere Umsätze  auf dem wachsenden E-Book-Markt, indem sie an ihren (zu hohen, am Print-Markt orientierten) Preisen festhalten, oder sich auf den Preiskampf mit Amazon einzulassen, und damit den Printmarkt zu untergraben.

Amazon spielt Plattformschach. Und es zeigt, dass den Plattformanbietern oft gar nichts anderes übrig bleibt, als in eigene Strukturen (hier Buchverlag) zu investieren, um das eigene Angebot auch gegen die Widerstände der etablierten Unternehmen (und ihrer Wertschöpfungsnetzwerke) voranbringen zu können.

Siehe zu Amazon und den kürzlich gestarteten Amazon Kindle Worlds auch neunetzcast #26 mit Leander Wattig.

Plattforminterdependenzen

Shane Greenstein auf Digitopoly über die Unterschiede zwischen Plattformen verschiedenster Dimensionen, deren Auswirkungen nicht auf den ersten Blick ersichtlich sind:

Here’s another interesting way in which restrictiveness plays a role in competitive outcomes. The Apple approval process for new apps has a reputation for arbitrary decisions that can delay the launch of a service. In contrast, the Android platform has no process at all, which makes it easier to distribute applications. On first look that seems to suggest that less restrictiveness is a vertical trait favoring Android.

First looks are deceiving. Apple also controls iTunes, which reaches a huge audience. That audience hesitates to go anywhere else – in part, because the approval process keeps everything on iTunes clean, reliable, and within predictable bounds. In other words, the rules that developers dislike create a platform that users like.

Und eine Plattform, die Usern ‘gefällt’, wird wiederum für Entwickler attraktiv.

Beschränkungen von Plattformen, wie die 30-Prozent-Abgabe bei Einnahmen von iOS-Apps, können ebenfalls unterschiedliche Folgen haben:

Restrictiveness can also yield unpredictable results. For example, Apple’s requirement that it receive 30 percent of the revenue from any application sold on the iPhone has generated a range of clever application developer responses—to escape what many perceive to be an Apple tax. Some developers use subscriptions for their services and provide a free app, or simply charge more for other services and supplement with a free app. The key is to develop apps that enhance revenue opportunities off the smartphone.

Those examples all reinforce a broad point: the interplay between constituents shapes platform differentiation. It also means the usual intuition for competitive advantage has to adjust. You can see that confusion in analysis of platform competition for new online media—YouTube, Hulu, Apple TV, Google television, and so on. All the online platforms are trying to differentiate, but the content owners’ attempts to gain revenue through the exercise of copyright further shapes actions. It is no longer obvious how to generate the right features for a platform balancing all these partnerships. Analysts have not been able to predict winners and losers with any accuracy.

Die Welt der Konkurrenz und Kooperation von Plattformen wird komplexer und viele Einschätzungen von Journalisten oder Analysten beschränken sich noch auf zu wenige Aspekte, aus denen die Rückschlüsse gezogen werden. (Besonders in Deutschland kann praktisch fast jede Einschätzung von Internetplattformen in den Massenmedien getrost ignoriert werden.)

Where does that leave us? Platform competition has exploded in the last decade, and there is no end in sight to the interesting dynamics we should expect to see. Rarely will competitive outcomes between two platforms reduce to a simple comparison of one point of differentiation.

Gefragt sind Experten, die sich mit den quantitativ und qualitativ zunehmenden Interdependenzen dieser Plattformwelt kenntnisbringend auseinandersetzen.

Amazon: Alles aus einer Hand mit Kindle Fire, X-Ray, IMDB und Instant Video

The Next Web über eine Anekdote in Amazons Weg hin zur allumfassenden Plattform:

Amazon has expanded its X-Ray for movies feature, which enables Kindle users to tap on an actor or actress and discover which films they’ve starred in, by adding support for TV shows today.

The service, which uses the popular IMDB database, now supports some of the most popular shows available on Amazon Instant Video; Justified, Downton Abbey, The West Wing, Sons of Anarchy, Falling Skies, American Horror Story, Grey’s Anatomy, Doctor Who, The Walking Dead, Lost, Glee, Breaking Bad and Game of Thrones.

The feature is exclusive to the Kindle Fire, Kindle Fire HD and Amazon Instant Video app for Wii U. It follows an iOS version of X-Ray for Books, a similar feature focused on novels and textbooks, that was launched in December last year.

Schaut man sich das langsam entstehende Gesamtbild an, erscheint die Frage, die sich mancher beim ersten Kindle Fire noch gestellt hat, ‘Was will ein Online-Händler mit einem eigenen Tablet?’, geradezu naiv.

Google, Facebook, Twitter und LinkedIn setzen bei Werbegeschäft auf APIs

TechCrunch:

What Google and Facebook found, and Twitter and LinkedIn are now exploring, is that by offering programmatic access to their ads inventory, third parties solve the problems for them.

In exchange, the platforms allow providers of full-service advertising or ad tool licenses to earn a margin. Typically that comes in the form of a 10 percent to 20 percent cut of total spend by clients that typically goes down the more they spend. Otherwise the margin comes by charging a "cost per action" where clients pay a certain amount per click, download, or certain level of downstream engagement, and the provider keeps the difference between what they paid and what they charged. Sometimes there’s a monthly fee, too. Twitter refused to specify whether there were any restrictions for businesses built on its new ads API, saying "We’re not commenting on partnership terms."

Regardless, the idea is for the platforms to share the wealth, and thereby align their goals with the ad tool and service providers. This way they both can make a fortune when the third parties evangelize the channel. And my oh my can ads APIs bring in the dough.

APIs sind eine skalierende, und deswegen im Zweifel vorzuziehende Form der Geschäftsentwicklung.

Mit der damit verbundenen Aufgabe von Kontrolle haben sich deutsche Webdienste traditionell immer schwer getan, was zu weniger APIs und zu weniger damit verbundenen (Plattform-)Erfolgen geführt hat.

Sinkender E-Reader-Absatz ändert wenig für Buchverlage

Der Buchreport, der sich ausschließlich auf Zahlen und Schlussfolgerungen von iSuppli bezieht, es aber nicht schafft die Quelle zu verlinken:

Die Technologie-Marktforscher diagnostizieren einen „alarmierend rasanten Rückgang“ des E-Reader-Marktes, ausgelöst durch den Erfolg von Tablet-Computern:

In diesem Jahr würden weltweit 14,9 Mio E-Reader ausgeliefert, ein Rückgang von 36% gegenüber dem Vorjahr.

Im kommenden Jahr erwartet iSuppli nur noch 10,9 Mio Geräte, die von den Herstellern verschifft werden.

Bis 2016 werde die Zahl sogar auf 7,1 Mio sinken – zwei Drittel weniger als zum Höhepunkt im Jahr 2011. 

Bei einem so jungen Markt wie dem der E-Reader würde ich nicht allzu viel auf Schwankungen geben. Selbst wenn diese relativ groß sind. Ich würde auch die internationale Entwicklung nicht 1:1 auf den deutschen Markt übersetzen, der extrem hinter der globalen Entwicklung hinterherhinkt. Schon gar nicht würde ich, wie es iSuppli gemacht hat, eine Prognose für 2016 ausgeben. Bis dahin wird es mindestens drei Generationen von Tablets und E-Readern gegeben haben. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Amazon bis dahin angefangen hat, Kindle-Geräte an Stammkunden zu verschenken. Es ist nicht vorhersehbar, wie die Aufteilung der Geräteklassen am Markt im Jahr 2016 aussehen wird.

Letztlich aber ändert sich für die Buchverlage, die zu dem Publikum des Buchreports gehören, nur wenig: Wenn E-Reader zugunsten von Tablets einen geringeren Absatz finden, dann würde das bedeuten, dass zumindest für einen Teil der Käufer die Tablets als Substitute für E-Reader genügen. Das heißt also letztlich nur, dass das digitale Lesen auf einem anderen Gerät als einem dedizierten E-Reader stattfindet. Es heißt nicht, dass es zugunsten von Papierbüchern wieder zurückgeht.

Für Buchverlage ist das also, wenn überhaupt, dann alles andere als ein Grund zur Freude: Auf den Tablets ist die direkt auf dem Gerät befindliche Konkurrenz um ein Vielfaches größer als auf den E-Readern. Stichworte: AngryBirds und WorldWideWeb.

Durch die im Vergleich zu den etablierten E-Readern relative Offenheit der Tablet-Betriebssysteme von iOS über Android bis, irgendwann vielleicht, Windows RT, zeigt diese Nachricht allerdings zumindest, dass die Buchverlage auch dringend über ihre Plattformstrategien nachdenken und handeln sollten, solang der Markt noch in Bewegung ist.

Randnotiz zu den Plattformstrategien: Egal was passiert, ob nun E-Reader mit E Ink oder Multitouch-/Multipurpose-Tablets zu den bevorzugten Lesegeräten werden, Amazon ist mit seiner Kindle-Plattform praktisch überall präsent. Mit eigenen Readern, eigenen Tablets und Apps auf den Betriebssystemen der anderen Hersteller.

Instagram-Fotos nicht mehr über Twitter Cards in Twitter integriert

Twitter Loses Ability to Properly Display Instagram Photos – NYTimes.com:

Instagram on Wednesday disabled the ability for Twitter to properly display Instagram photos on its Web site and in its applications. The move escalates tensions between the two companies, which were once friends in the battle against Facebook but have now become direct competitors.

In a status update on Twitter’s Web site, the company said Instagram had disabled its integration with Twitter cards, which are used to display images and content within Twitter messages.

Überhaupt nicht überraschend. Twitter verschließt dem zu Facebook gehörenden Instagram die Möglichkeit, dass Nutzer ihre Twitter-Freunde auf dem Fotodienst finden können. Warum sollte Instagram im Umkehrschluss seinen Dienst tief in Twitter integriert lassen? Besonders, wenn Twitter zusätzlich nun wohl ebenfalls in das Geschäft der mobilen Fotos mit Filtern einsteigen will? (Weil es bei Instagram natürlich um die Filter geht, und auf keinen Fall um die soziale Komponente.)

Warum Twitter diesen Kampf gegen alle verlieren wird: Sie glauben, sie könnten notfalls mit allen konkurrieren, und sie alle, von Instagram bis Tumblr, hätten dank der Größe von Twitter keine andere Wahl, als gute Mine zum bösen Plattformspiel zu machen.

Aber so groß ist der Hebel von Twitter nicht. Je weniger aus Twitter an Wert herauskommen kann, desto unattraktiver wird die Plattform.

Das ist die Gefahr bei einem Schwenk hin zu vertikaler Integration bei Webdiensten, die bei ihrer Plattform auf die Verbindungen nach außen angewiesen sind. Darüber schreibe ich seit der Übernahme des Twitterclients Tweetie durch Twitter im April 2010.

Vertikale Integration ist für Twitter eine weitaus gefährlichere und damit nicht ansatzweise so sichere Strategie als etwa seinerzeit für Microsoft, als man neben dem Betriebsystem auch in den Office-Markt einstieg. Die Plattformdynamiken sind nicht vergleichbar. Unter anderem auch, weil die Markteintrittsbarieren anderer Natur sind.

Bei alldem verlieren kurzfristig natürlich vor allem die Endnutzer.

Arroganz, Hysterie und Hilflosigkeit

“But we buy ink by the barrel!”

Die Hysterie im Redaktionsblog von Spiegel, die den Autor “Spiegel-Red.” im Artikel Die Arroganz der Monopolisten vor allem auszeichnet, ist fast schon wieder amüsant:

Im App-Store wird auch der SPIEGEL-Preis erhöht – weil Apple das so entschieden hat. Wir halten das für einen skandalösen Vorgang von grundsätzlicher Bedeutung.

Max Winde findet auf Pinboard und in den Kommentaren unter dem Artikel die richtigen Worte:

Anstatt sachlich darüber zu berichten, welche Probleme durch die Änderung der Preisstufen für den Spiegel-Verlag entstehen und ein wenig über die Hintergründe im Digitalvertrieb von Nachrichten zu schreiben wird hier gleich im allerersten Satz die “Skandal” Keule rausgeholt und im Titel von Arroganz und Monopolisten geschwafelt. Kein Wort zu den Hintergründen, kein Wort dazu was eigentlich passiert ist, stattdessen falsche Marktplatz Metaphern und viel Hyperventilation. Ihr schafft es nicht mal zu sagen, was eigentlich passiert ist.

Und das, weil es Apple gewagt hat die Preisstufen in seinem Onlinestore nach über vier Jahren dem aktuellen Wechselkurs zwischen Euro und Dollar anzupassen.

Das ist genau die Kritik, die (nicht nur) dem Spiegel in Bezug auf Berichterstattung über die Netzriesen gemacht wird: keinerlei Distanz, keinerlei Objektivität, kein Wille zur Aufklärung sondern nur eine Skandalisierung auf Teufel komm raus um sich eventuell einen politischen Vorteil zu verschaffen.

Natürlich hätte Apple im Vorfeld über die Europreisänderung für iOS-Apps informieren müssen. Aber, dass es auf iOS feste Preisstufen für Apps gibt, die der Plattformprovider vorgibt, weiß jeder, der auf der Plattform als Anbieter teilnimmt. Niemand konnte ernsthaft glauben, dass diese Preisstufen frei von Währungsentwicklungen für immer nominal in Stein gemeißelt sein konnten.

Es ist eine Mischung aus Arroganz und Hilflosigkeit, die sich im Spiegelblogartikel zeigt, wenn es dort heißt:

Medienhäuser produzieren nun mal keine Schrauben oder Angry-Birds-Fortsetzungen. Sie liefern Informationen, Zusammenhänge, Nachrichten. Sie sind ein relevanter Baustein jeder funktionierenden Demokratie. Ihr Grundkapital ist ihre Glaubwürdigkeit, die sich wiederum aus Unabhängigkeit speist. Auch der ökonomischen. Auch der ökonomischen, den eigenen Preis in der gewünschten Höhe festzulegen – und nicht in von Apple vorgegebenen Schritten.

Übersetzung: Wir Presseverlage sind so wichtig, so viel wichtiger als alle anderen, verdammt nochmal, dass wir gefälligst eine Sonderbehandlung verdient haben.

Der Verlust von Macht in diesem Fall ist etwas vollkommen neues für Presseverlage. Aber: Die Plattformbedingungen waren vorher bekannt. Und: iOS ist bei weitem nicht die einzige Plattform, auf der der Spiegel seine digitalen Produkte verkaufen kann.

Aber es geht eben nicht aus der Sicht der Spiegel-Redaktion, dass man nur ein Unternehmen von vielen ist, dass man keine Freiheiten qua seiner staatstragenden Rolle erhält. Für die Unternehmen, die hierzulande zum Beispiel besondere, den Datenschutz stark abschwächende, Gesetze für sich verbuchen können, ist die Unterordnung etwas vollkommen neues.

Sie sollten sich daran gewöhnen; oder mit diesen Plattformen so umgehen, dass sie ihre ökonomische Unabhängigkeit wahren können.

Der Spiegel könnte zum Beispiel DRM-freie Versionen seiner Onlineausgabe auf der eigenen Site verkaufen, die dann in den gängigen iOS-Apps gelesen werden könnten. Oder er könnte die Inhalte gleich auf der Website zur Verfügung stellen. All das würde den Griff von Apple umgehen.

Aber das wollen sie nicht. Sie wollen ihre Ausgaben auf iOS verkaufen. Und zwar nicht zu den Bedingungen des iOS-Providers Apple sondern zu den eigenen.

Update: Felix Schwenzel:

das stimmt nicht ganz, der spiegel verkauft DRM-freie versionen der aktuellen ausgabe auf der eigenen site. die HTML5-ausgabe ist zwar per javascript verschleiert und kastriert (kein reguläre copy&paste, an den quelltext kommt man nur mit verrenkungen) — aber sie ist DRM-frei und ohne hilfestellung durch apple zu kaufen. dass man das weiter verbessern könnte, beispielsweise indem man epub-versionen zum download anbietet oder die HTML5-version des spiegels nicht unter ios sperren würde ist auch klar.

/Update

Ich hatte über das gespaltene Verhältnis der deutschen Presseverlage zu den konkreten Plattformarchitekturen bereits im Februar 2011 geschrieben. Damals schrieb ich:

Fassen wir zusammen: Erst feiern die Manager von Presseverlagen die Tatsache, dass Apple erfolgreich ein geschlossenes System aufbaut, in dem Apple die letztliche Kontrolle über alles hält und so zum Beispiel innerhalb des Systems keine ‘Piraterie’ möglich wird. (In Wirklichkeit wird sie nur stark erschwert.)

Endlich, frohlockten sie, macht jemand den Geburtsfehler des Internets rückgängig.

Jetzt beschweren sich die gleichen Vertreter von Presseverlagen darüber, dass Apple die Kontrolle über sein System hält. Und nutzt. Und zwar nicht nur ‘gegen’ Nutzer, sondern auch ‘gegen’ App-Anbieter.

Felix Schwenzel über den Spiegelblogartikel:

da regt sich die spiegel-redaktion (autorenkürzel SPIEGEL-Red.) so atemlos auf, dass das seitenlange klagelied gerade mal zwei absätze umfasst. prima stilmittel, dass illustriert an was es dem spiegel, bzw. seiner redaktion besonders mangelt: besonnenheit und liebe zum sauberen argumentieren. wer sich so staatstragend wie der spiegel gibt, sollte sich darüber im klaren sein, dass er sich mit solchen texten mindestens so lächerlich macht, wie ein sich auf den boden werfendes, schreiendes und strampelndes kind.

mein lieblingssatz aus dem artikel:

“Dabei weiß jeder heute: Was Google nicht auf den vorderen Rängen findet, existiert nicht.”

das schlimmste an solchen sätzen ist, dass die das wirklich glauben.

Übrigens: Die 30 Prozent, die Apple einsammelt, decken nach allgemeinen Schätzungen maximal die Kosten für die Datencenter und den Reviewprozess ab. Gewinne macht Apple damit nicht. iTunes ist ein Break-Even-Geschäft, das die Hardwareverkäufe komplementiert. Apple ist bei den App-Preisen singulär betrachtet also nicht auf Profitmaximierung aus. Im Gegenteil: Die Anreize von Apple sind eher mit niedrigen Preisen vereinbar, weil das die Attraktivität der Geräte für die Endnutzer steigt, also da, wo die eigentlichen Gewinne für Apple liegen. (Siehe für eine Analyse der Auszahlungen und der iOS-Ökonomie allgemein auch diesen Artikel auf Asymco.)

La Serrata

The Self-Destruction of the 1 Percent – NYTimes.com:

Businessmen like to style themselves as the defenders of the free market economy, but as Luigi Zingales, an economist at the University of Chicago Booth School of Business, argued, “Most lobbying is pro-business, in the sense that it promotes the interests of existing businesses, not pro-market in the sense of fostering truly free and open competition.”

Ähnliches kann man bei deutschen Wirtschaftspolitikern, besonders aus den Reihen von CDU/CSU und FDP, beobachten. Mit ‘Markt’ ist nicht der Markt gemeint, welcher als Anreizsystem uns als Gesellschaft voranbringt, sondern bestehende Unternehmen, deren Geschäftigkeit geschützt werden muss.

Das Gleiche gilt für die Debatten zum Urheberrecht oder zum Presseleistungsschutzrecht. Beide schützen oder sollen künftig bereits agierende Institutionen und Kreative schützen. Dass dieser Schutz systemisch auf Kosten künftiger Player geht, wird ignoriert.

Das Wohl der bestehenden Player wird mit dem Gemeinwohl der Gesellschaft gleichgesetzt, um tendenziell schädliche Entwicklungen öffentlich rechtfertigen zu können.

(Im verlinkten Artikel der New York Times geht es um die Durchlässigkeit von gesellschaftlichen Klassen und wie einmal etablierte Eliten daran arbeiten, ihren Status zu halten, indem sie gegen die Durchlässigkeit arbeiten. Sie vernichten also sozusagen hinter sich die Leiter, über die sie aufgestiegen sind. Diese Vernichtung der gesellschaftlichen Durchlässigkeit verfestigt zwar die relative Position der Eliten, zerstört aber gleichzeitig das System und macht die betroffene Gesellschaft insgesamt ärmer. Was man am mittelalterlichen Venedig beobachten kann, scheint sich aktuell in den USA zu wiederholen. Vergleichbare Vorgänge lassen sich im übrigen auch bei Plattformen beobachten, wie man aktuell etwa an Twitter sehen kann.)

(via Johannes Kleske)

Twitter war immer im Krieg mit Eurasien

Biz Stone, einer der Gründer von Twitter, im September 2007:

The API has been arguably the most important, or maybe even inarguably, the most important thing we’ve done with Twitter. It has allowed us, first of all, to keep the service very simple and create a simple API so that developers can build on top of our infrastructure and come up with ideas that are way better than our ideas …

So the API, which has easily 10 times more traffic than the website, has been really very important to us.

 Ev Williams, einer der Gründer von Twitter, im September 2012:

“virtually all of the network’s power and growth has come from outside the company itself”—a common myth but completely overblown

Twitter beginnt mit der Vernichtung der Plattform

Twitter setzt auf Werbung als einzige Einnahmequelle und will dafür (Pageviews! Reichweite!) die eigene Plattform unter Kontrolle bekommen. Nun wurden die ersten konkreten Änderungen bekanntgegeben.

GIGA hat eine gute Zusammenfassung der Veränderungen:

Ein Client darf nun nur noch 60 mal pro Stunde die Twitter-API aufrufen, zuvor waren es noch 350 API-Aufrufe. Davon sind allerdings nicht alle API-Calls betroffen. So fällt etwa das Aufrufen von Profilen und die Suche nach Nutzern unter ein höheres Limit mit 720 Aufrufen pro Stunde.

Durch die heute vorgestellten Änderungen limitiert Twitter effektiv aber auch die maximale Zahl der Nutzer, die ein inoffizieller Client jemals haben kann. Ohne spezielle Erlaubnis dürfen nur 100.000 Nutzer einen Dienst nutzen. Ausnahme sind Apps, die bereits jetzt mehr als 100.000 Anwender haben. Diese dürfen auf bis zu 200 Prozent der heutigen Zahl wachsen.

Diese Begrenzung auf 100.000 User mag groß erscheinen, ist sie aber nicht. Sie trifft sogar kleine Nebenfeatures bei kleinen Diensten wie Instapaper:

Instapaper’s “Liked By Friends” feature reads timelines and will need more than 100,000 tokens. And that’s a relatively minor feature in a small web service run by one guy.

Besonders Regel 5a hat weitreichende Auswirkungen:

[5a] Tweets that are grouped together into a timeline should not be rendered with non-Twitter content. e.g. comments, updates from other networks.

Marco Arment:

In other words, apps cannot interleave chronological groups of Twitter posts with anything else.

This is very broad and will bite more services and apps than you may expect. It’s probably the clause that caused the dispute with LinkedIn, and why Flipboard CEO Mike McCue just left Twitter’s board.

Closer to home for me, it affects Instapaper’s “Liked By Friends” browsing feature, which will need to be significantly rewritten if I want it to comply. (If.)

Naturally, this also prohibits any client from interleaving posts from Twitter and App.net, or any other similar service, into a unified timeline.

 Davon ebenfalls betroffen sind Apps wie die populäre Chrome-/Firefoxerweiterung Yoono.

Die Überlegung von Twitter: Sie sind groß genug, um von Entwicklern und Usern genutzt zu werden, ohne mit anderen Networks zusammengeworfen zu werden. Das Ergebnis kennt man aus dem Instant-Messaging-Markt: Während nahezu jedes IM-Network in einem allgemeinen Client genutzt werden kann, läuft Skype nur über den eigenen Client. Macht das Skype attraktiver? Nein. Aber es erlaubt Skype das Schalten von Werbung.

 Twitter wird künftig nicht mehr in Apps wie Flipboard vertreten sein. 

Wer glaubt, dass das Mainstreamuser nicht treffen wird, unterschätzt die Popularität von Flipboard und ähnlichen Diensten.

Das alles ist gut für das Web, wie ich schon einmal schrieb: Endlich wird die Kreativität der Entwickler wieder frei und beschränkt sich nicht auf Twitter, das bis vor kurzem noch das naheliegendste Ziel war. Auf Twitter entwickeln ist ein gefährliches Geschäft geworden, das sich nicht mehr lohnt. Selbst wenn man heute noch unter die erlaubten Apps fällt: Wer weiß schon, was sich Twitter morgen ausdenken wird?

Denn das hier ist keine leichte Richtungsänderung; das ist ein Strategiewechsel um 180 Grad.

Marco Arments (Instapaper, Ex-Tumblr) Fazit:

But Twitter has proven to be unstable and unpredictable, and any assurances they give about whether something will be permitted in the future have zero credibility.

I sure as hell wouldn’t build a business on Twitter, and I don’t think I’ll even build any nontrivial features on it anymore.

And if I were in the Twitter-client business, I’d start working on another product.

Zu dem gleichen Ergebnis dürften künftig noch mehr Entwickler und Investoren kommen als bereits seit der Übernahme von Tweetie.

Für Twitter, das auf die kurzfristige Profitentwicklung achten muss, dürfte das vorerst egal sein. Vorerst.

Mit der Vernichtung der Plattform beginnt auch die Vernichtung der Bedeutung von Twitter. Was gut für das Web ist, ist schlecht für die mittel- bis langfristige Position von Twitter. Twitter mag glauben, dass sie groß genug sind, um ohne die kleinen und großen Apps auszukommen. Twitter wird aber lernen, dass viele kleine Nadelstiche auch zum Tod führen können.

Twitters Ringen mit der eigenen Plattform begleiten wir hier schon länger:

 

Twitter-CEO: Wir wollen uns von Unternehmen abwenden, die Twitter bei sich einbinden

Twitter-CEO Dick Costolo benennt die Strategie des Mikrobloggingdienstes im Interview mit dem Wall Street Journal sehr direkt. WSJ.com:

In its events push, Mr. Costolo said Twitter is vying to “more closely tie the shared experience on Twitter to the actual event that is happening.” As Twitter burnishes its platform, Mr. Costolo added that Twitter also wants to move away from companies that “build off of Twitter, to a world where people build into Twitter.”

Die Übersetzung im deutschen Wall Street Journal:

Gleichzeitig wolle das sechs Jahre alte Unternehmen aus San Francisco anderen Firmen stärker erlauben, Funktionen bei Twitter einzubauen, die man selbst nicht anbieten könne oder wolle, sagte Costolo. Twitter wolle sich von Unternehmen abwenden, die Twitter bei sich einbinden, hin zu einer „Welt, in der die Leute ihre Angebote bei Twitter einbringen.” Das würde Twitter stärker zu einer Plattform machen, bei der Softwareentwickler wie bei Facebook oder Apple -Geräten ihre Anwendungen anbieten. 

(Hervorhebung von mir)

Es gibt zwei Formen der Integration von Drittanbietern bei Webplattformen:

  • Außenintegration, für die Twitter bisher das Aushängeschild war. Daten der Plattform werden in Angeboten abseits des Hauptangebots eingebunden. Beispiele: Clients, Like-Buttons, GoogleMaps-Mashups.
  • Binnenintegration, für die Facebook als Webplattform bekannt ist. Im Rahmen des Hauptangebots laufen Beispiele: Facebookgames, Apps im Spotify-Client.

Weil Twitter allein auf Werbung setzt, muss es weg von seiner erfolgreichen Außenintegration und will nun hin zur Binnenintegration. Alles auf der eigenen Site und den offiziellen Clients. Das klingt, wie bereits länger erwartet, nicht gut für Drittanbieter-Clients.

Das ist ein Paradigmenwechsel und, wie ich bereits mehrfach ausgeführt habe, für Twitter mittel- bis langfristig problematisch:

Interessant ist natürlich auch, dass der große Konkurrent Facebook den größten Teil des Umsatzes mit Werbung macht und mit Außenintegrationen von Open Graph bis Clients kein Problem zu haben scheint.

Twitters Kampf gegen die eigene Plattform geht in die nächste Runde

Twitter hat am letzten Freitag neben dem Ende der Kooperation mit LinkedIn bekanntgegeben, dass in den nächsten Wochen striktere API-Regeln eingeführt werden.

AllThingsD berichtet über die wahrscheinlichen Konsequenzen, die ein weiteres Ausbluten der Twitter-Clients bedeuten könnten:

While ending the LinkedIn deal was big, I’ve heard from several sources that we should expect more of the same in the not-too-distant future. Just give a close read to product manager Sippey’s blog post, which went up just minutes before LinkedIn’s post. Sippy’s missive contains some especially strong wording, a harbinger of what’s to come for other developers:

“…we’ve already begun to more thoroughly enforce our Developer Rules of the Road with partners, for example with branding, and in the coming weeks, we will be introducing stricter guidelines around how the Twitter API is used,” Sippey wrote.

Das ist lediglich die nächste Runde des Kampfes, den Twitter gegen die eigene Plattform führt, weil sie in ihrer aktuellen Form nicht mehr mit dem gewählten Geschäftsmodell kompatibel ist. Warum Twitter das macht und warum es für den Dienst nicht die beste Richtung ist, hatte ich in den letzten Jahren seit der Übernahme des Twitter-Clients Tweetie bereits mehrfach ausgeführt.

Hier die Kurzform: Das auf Werbung setzende Geschäftsmodell setzt voraus, dass die User die Werbung auch sehen. Wer weder die Website noch einen der offiziellen Clients benutzt, bleibt außen vor. Ab einem bestimmten Anteil an Nutzern wird das für Twitter inakzeptabel. Twitter muss also entweder die über Clients stattfindende Nutzung seines Netzwerks mit den eigenen Angeboten dominieren oder sie anderweitig kontrollieren. Daraus folgt der Verlust des Mehrwerts der Plattform für das Unternehmen wie seine Nutzer.

Der höchstwahrscheinlich nächste Schritt von Twitter, den ich seit längerem erwarte: Twitterclient-Anbieter, die mit ihren Angeboten eine normale Twitter-Nutzung abdecken, müssen die Werbeformen und andere ‘Features’ wie etwa Trending zwingend auf eine von Twitter vorgegebene Art integrieren. Angekündigt wird das indirekt bereits mit dem PR-Geschwurbel der ‘consistent Twitter experience’. Wie diese Vorgabe aussehen wird? Analog zu denen in den offiziellen Twitter-Clients. Twitter macht bereits über die Hälfte der Werbeeinnahmen über mobile Wege (Website, eigene App). Auf Smartphones dominieren Clients noch mehr als am Desktop. Der Schritt war unvermeidbar für ein rein auf Werbung fokussiertes Twitter.

Den Niedergang der Twitterplattform verfolge ich seit April 2010. Hier die Analysen in chronologischer Reihenfolge:

Das Problem für Twitter: Die für das Geschäftsmodell notwendige stärkere Kontrolle des User Interface steht diametral der Position von Twitter im Internet gegenüber.

Sichtbar wird das etwa am ersten Opfer, der Kooperation mit dem Businessnetzwerk Linkedin. Natürlich will Twitter lieber nicht, dass Tweets auf Linkedin statt auf dem werbefinanzierten Twitter gelesen, kommentiert und weiter verarbeitet werden. Aber erstens ist das Senden von Tweets an Linkedin dank Diensten wie ifttt ohnehin auch weiterhin einfach möglich, und zweitens, was wesentlich wichtiger ist, gehört dieses Multihoming für Poweruser zu den wichtigeren Eigenschaften des Mikrobloggingdienstes.

Das Dilemma: Twitters Position als einfacher Dienst ist auf die externen Erweiterungen über die API angewiesen. Jede kleinste Änderung am Kernprodukt kann sich sofort in der Nutzung bemerkbar machen und weitreichende Auswirkungen haben. Kein anderer Dienst, der auch nur ein Zehntel der Größe von Twitter erreicht hat, stand je vor diesem Problem in dieser Größenordnung.

Wahrscheinlich haben auch die Risikokapitalgeber diese Sonderstellung von Twitter bei ihren Bewertungen ignoriert. (Bei aller persönlicher Begeisterung dem Dienst als Nutzer gegenüber erschien mir Twitter immer als der am extremsten überbewertete Dienst der Web2.0-Ära. Bemerkenswerterweise sehen das bis heute die wenigsten Beobachter ähnlich, obwohl die Zeichen immer deutlicher werden.)

Diese Sonderposition von Twitter macht eine vertikale Integration strategisch genau so gefährlich wie das für andere Dienste offensichtliche Geschäftsmodell Werbung. Twitter hätte ein Grundstein der Webarchitektur werden können. Es hätte Geschäftsmodelle wie Yammer verfolgen können, das just für eine Milliarde US-Dollar von Microsoft übernommen wurde. Twitter hätte, genauer gesagt, in jede Richtung gehen können, die das asymmetrische Followerprinzip erlaubt; von Instagram bis Moped. Auch mit Nebenprodukten, die das Haupttwitter nur noch als Distibutionskanal und Identitätshub nutzen. Das alles wäre auf den ersten Blick riskanter erschienen, aber mit einem konsequenten Plattformansatz bei all diesen Richtungen aller Voraussicht nach erfolgreicher gewesen als die seit längerem eingeschlagene werbezentrische Richtung, die offensichtlich diesen Sommer zum lange erwarteten großen Clash führen wird. Gemeinsam mit Werbung als einer Einnahmequelle von vielen hätte Twitter sich mit diesem Ansatz tief in das Web verankern können. (Etwas, dass das aus unerfindlichen Gründen sehr viel stärker kritisierte Facebook erfolgreich macht.)

Tatsächlich scheint es laut Dalton Caldwell intern bei Twitter zwischen diesen zwei Ansätzen eine Debatte gegeben zu haben, deren Ausgang heute bekannt ist:

As I understand, a hugely divisive internal debate occurred among Twitter employees around this time [ca. 2008/2009]. One camp wanted to build the entire business around their realtime API. In this scenario, Twitter would have turned into something like a realtime cloud API company. The other camp looked at Google’s advertising model for inspiration, and decided that building their own version of AdWords would be the right way to go.

As you likely already know, the advertising group won that battle, and many of the open API people left the company.

Dalton Caldwell kommt zu dem gleichen Schluß, zu dem auch ich vor einiger Zeit gekommen bin:

While I can understand why the latter camp wanted to build an ad-based business, the futurist in me thinks this was a tragic mistake. If you are building an advertising/media business, it would then follow that you need to own all of the screen real-estate that users see. The next logical step would be to kill all 3rd-party clients, and lock down the data in the global firehose in order to control the “content”.

Dass Twitter die Ankündigung an einem Freitag Nachmittag veröffentlicht hat, zeigt, dass das Unternehmen weiß, welchen Shitstorm bei Entwicklern und Usern die eingeschlagene Richtung mit sich bringen wird. Eine gefährliche Richtung: Die Monetarisierung steht bei Twitter heute vor den Interessen der Entwickler und der User, und damit also der Plattform. Die Plattform hat Twitter groß gemacht. Das weiß man spätestens seit 2007. Ein plattformfeindliches Geschäftsmodell könnte bedeuten, dass Twitter wieder in die Bedeutungslosigkeit abrutscht.

Google Nexus 7 wird so günstig sein, weil Google damit keinen Gewinn macht

Das Google Nexus 7, Googles eigenes, diese Woche auf der Google I/O vorgestellte, von Asus produzierte Android-Tablet, wird über Google Play, dem Onlinestore des Suchgiganten, zum Break Even Point verkauft. Also noch einmal im Klartext: Zumindest Google wird keinen Gewinn mit dem Verkauf des Tablets machen.

AllThingsD:

One way the companies managed that is through razor-thin margins. Google is selling the device through its Google Play store, essentially at cost, and also absorbing the marketing costs associated with the device.

“When it gets sold through the Play store, there’s no margin,” Rubin said. “It just basically gets (sold) through.”

Klassische Catch-up-Strategie, die üblich für zweiseitige Märkte ist. Da der Tabletmarkt essentiell ein Plattformmarkt ist, ist er auch ein zweiseitiger Markt.

Google geht mit dem Nexus 7 also den Weg, den man etwa schon von Spielkonsolen kennt. Microsoft verkaufte sein Xbox jahrelang gar unter Kosten also verlustbringend, um Marktanteile aufzubauen. Konsolenhersteller verdienen ihr Geld anschließend mit selbst produzierten Spielen und mit den Lizenzzahlungen von Spieleherstellern.

Die Frage ist, ob für Google über Google Play und mobile Werbung genügend Spielraum vorhanden ist, um ähnlich gut über die dann auf der Plattform verkauften Güter zu verdienen. Die aktuelle Entwicklung spricht eher dagegen.

John Gruber über die Hardwarpartner von Google:

That must be music to the ears of Sony, Samsung, Acer, HTC, and anyone else trying to sell Android tablets for, you know, a profit. Where by “music to the ears” I mean “a shit sandwich”.

Google hatte keine andere Wahl, um gegen Apple Land auf dem Tabletmarkt zu gewinnen. Aber Google vergrault damit natürlich die Hardwarpartner, für die der Androidtabletmarkt bereits vorher nicht sehr attraktiv war.

In einer Plattformwelt bist du besser ein Plattformprovider.

24% der 10.000 größten Websites haben Facebook integriert

Pingdom:

A full 24.3% of the top 10,000 websites in the world have some form of official Facebook integration on their homepage. And if you include regular links to Facebook, the number soars up to a highly impressive 49.3%.

Facebook ist die erste kommerzielle Plattform, der solche Dimensionen gelungen sind. Entgegen da und dort geäußertem Wunschdenken wird Facebook deshalb auch nicht in absehbarer Zeit wieder in der Versenkung verschwinden. Diese Integrationen sind Facebooks Wassergraben.

Der nächste große Trend: Privates Filesharing über Facebook

Als ich vor einigen Tagen über den langsamen Aufstieg von Darknets im Filesharing schrieb, erwähnte ich auch das schnell wachsende Retroshare. Retroshare setzt für das private Teilen auf PGP-Schlüssel. Das ist ausgesprochen unhandlich und wenig mainstreamfähig. Bis heute verwenden verhältnismäßig wenige Leute PGP für Email. Werden sie für Filesharing damit auf breiter Basis anfangen? Unwahrscheinlich.

Welches Problem löst Retroshare mit PGP? Es löst das Problem der sicheren Identifizierung von Personen. Auf diese Art wird sichergestellt, dass man sich nur mit den Personen verbindet, mit denen man das auch möchte.

Die größere Hürde zur Verbreitung von Darknets ist die möglichst reibungsfreie Auflösung von Identitäten.

Moment. Identität haben wir im Netz doch schon gelöst. Facebook kann als größtes Social Network der Welt 850 Millionen aktive Nutzer verzeichnen.

Was wäre wenn Facebook und Darknets zusammen finden würden?

Martin Weigert auf netzwertig.com beschreibt mit dem aus Berlin kommenden Dienst Pipe einen ersten Filesharingdienst, der auf Facebook aufsetzt:

Das Trio nutzt für die kostenfreie Facebook-App, die momentan in einem kleinen Büro in Berlin-Mitte den letzten Feinschliff erhält, das so genannten Real Time Media Flow Protocol (RTMFP) von Adobe, welches eine direktere Peer-to-Peer-Verbindung zwischen zwei Adobe-Flash-Anwendungen ermöglicht. Nach der einmaligen Installation von Pipes Facebook-Anwendung können Nutzer jedem ihrer Kontakte bei dem sozialen Netzwerk direkt im Browser Dateien senden, die diese unmittelbar entgegennehmen, ohne dafür Facebook verlassen zu müssen. Die maximale Dateigröße beträgt ein Gbyte, was vorrangig auf übliche Begrenzungen des lokalen Browsers-Caches zurückzuführen ist. Pipes eigene Server übernehmen bei Datentransfers lediglich die Verbindung der zwei User und arbeiten nach den Worten von Mitgründer Eggersglüß “als eine Art Telefonbuch”.

Sean Parker, gebrannt von seinen Erfahrungen bei der Tauschbörse Napster, musste in den Anfangstagen von Facebook Mark Zuckerberg davon abbringen, neben Facebook an einem Filesharingdienst weiterzuarbeiten, den dieser mit Facebook verbinden wollte.

Welche Ironie der Geschichte:  Einige Jahre und beispielloser Erfolg von Facebook später, könnte dessen Plattform doch noch die von Zuckerberg angedachte Hochzeit von Social Network und Filesharing bringen. Aber eben nur, weil Zuckerberg von seinem Vorhaben doch abließ und sich auf Facebook konzentrierte.

Und die Rechteverwerter würden gar nicht zwingend etwas davon mitbekommen: Eben weil Darknets nicht in der Öffentlichkeit stattfinden, sind sie weder messbar noch verfolgbar. Auch Facebook merkt davon nichts, wenn die Architektur  des Darknets denn echtes P2P ist und nur für die initialen Verbindungen zwischen den Usern auf Facebooks Identifizierungssystem setzt.

Deswegen ist der Pipe-Ansatz zwar ein möglicher aber aufgrund der Beschränkungen nicht der interessanteste: Mehr Potential hätten Dienste, die nicht im Rahmen der Website von Facebook laufen, sondern ‘nur’ die Beziehungen zwischen den Facebooknutzern zur Erkennung von Freunden nutzt. Also mehr Facebook Connect als Facebook-App.

Man denke in die Richtung von Dropbox und Box mit Facebook Connect.

Auch andere Informationen wie etwa Streaminglinks oder von der jeweiligen Regierung nicht erwünschte Inhalte (Think Arab Spring) könnten über für die Identitäten an Facebook gekoppelte Darknet-Aggregatoren eine einfache aber sicherere Verbreitung erfahren, die trotzdem massenfähig ist.

Darknets fehlte immer eine einfache und damit massenkompatible Identifizierung von Nutzern. Die ist jetzt in Form von Facebook da.

Wie kann das künftig noch besser skalieren?

Die Antwort ist offensichtlich. Ein erweiterter Sharingbereich: Friend of a Friend.

Disqus macht Kommentarmoderation jetzt noch einfacher mit Reputationsanzeige

Das auch auf neunetz.com zum Einsatz kommende Kommentarsystem Disqus hat die Moderationsoberfläche überarbeitet und bietet jetzt unter anderem auch eine auf das ganze Netzwerk zurückgreifende Reputationsmessung der Kommentatoren. Man kann jetzt also zum Beispiel sehen, wenn Disqus-Nutzer, die neu auf der eigenen Site und damit noch unbekannt sind, sich in Disqus-Kommentaren auf anderen Websites schlecht benommen und dafür schlechte Bewertungen kassiert haben.

Das dürfte besonders die Arbeit von Moderatoren auf kommentarreichen Sites enorm erleichtern.

Über das Reputationssystem:

There are three reputation tiers:
High: These are your most active and liked users.
Average: This is where everyone starts.
Low: These users likely have many flagged and/or deleted comments.

Learn how long your users have been around and how active they are. Whitelist your regulars, welcome your newbies, encourage your lurkers, and investigate the troublemakers.

Über die Grundlage für das Reputationssystem schreibt Disqus:

Our vast network — now available on over 1.2 million sites, Disqus is used by 70 million commenters and reaches 700 million readers each month. These aggregate numbers make it all possible.

Die Möglichkeiten, die Kommentarsysteme wie Disqus, Livefyre, IntenseDebate und ähnliche Dienste wahrnehmen können, zeigen sehr deutlich, wie innovationsfeindlich das deutsche Like-Button-Datenschutzverständnis ist.

Die Chancen solcher Netzwerke entstehen erst durch die Dezentralisierung der Funktionen (Websitebetreiber geben die technische Umsetzung der Kommentare ab) und die anschließende Zusammenführung an der zentralen Providerstelle (Disqus), wo die aggregierten Daten bessere Angebote ermöglichen.

Genau so funktioniert übrigens auch zum Beispiel das Antispamsystem Akismet.

Facebook, Apple und Google brauchen das Web, und sie wissen das auch

Johnny Haeusler sieht auf Spreeblick zwei parallele Netze entstehen, ein offenes, chaotisches und ein geordnetes, ‘sicheres’, von Konzernen be- und getriebenes Netz:

Bei genauerer Betrachtung gibt es das „geschützte“ Netz schon an mehreren Stellen:

Ließe man auf einem iPhone von Apple auch noch den Browser weg, hätte man dieses Netz schon, denn Apps und deren Funktionen unterliegen den Entscheidungen von Apple, Netzfunktionalitäten sind meistens App-interner, also eingeschränkter Natur und schwer zu umgehen, die Funktionen des Geräts sowie seine Inhalte lassen sich nach Altersstufen einschränken. Der interne Zahlungsverkehr ist bei Apple bereits eingebaut, ebenso wie bei den Mitbewerbern.

Schließlich arbeitet auch Facebook daran, dass der Nutzer Zuckerbergs Kreation nicht mehr verlassen muss, nicht einmal Links „nach draußen“ braucht man noch, wenn die Facebook-interne Reader-App des Guardian dessen Texte innerhalb von Facebook erscheinen lässt. Gespielt, Filme geschaut und Musik gehört wird eh schon direkt bei Facebook, was also hindert Provider daran, auf Wunsch des Kunden nur Facebook frei zu schalten?

Das ist eine oft gemachte Befürchtung, die allerdings unrealistisch ist.

Egal auf welcher Ebene der Wertschöpfung die Plattformen stehen: Sie brauchen immer die Anbindung an den Rest des Webs.

Schauen wir uns iOS an: Was wäre das iPhone oder das iPad ohne einen Browser? iOS ohne Browser wäre ein minderwertiges Betriebssystem, dessen Attraktivität aufgrund der Nichtanbindung an ein unkontrolliertes Web stark sinken würde. Jede konkurrierende Plattform, die neben den nativen Apps auch einen Browser erlaubt, wird immer gegen die browserfreie Variante gewinnen. Wettbewerb auf dem Markt, schöne Sache!

iOS ist eine Plattform, die gerade aufgrund der zwei Schienen – native Apps und Webapps – und des konsequenten Verfolgens dieser zwei Schienen so gut läuft und so gut angenommen wird.

Was ist mit Facebook? Es ist kein Zufall, dass Facebook Connect und die anderen Plattformkomponenten von Facebook, die für eine offsite-Verknüpfung verantwortlich sind (Like-Button, Open Graph) sehr viel erfolgreicher sind als die Apps, die visuell komplett innerhalb von Facebook laufen.

Die zunehmende Außenanbindung von Facebook macht dieses so attraktiv. Facebook braucht diese Außenverbindungen. Facebook braucht Startups und Websites, auf denen die verrücktesten Sachen passieren, und die Facebooks Social Graph und Open-Graph-Daten dafür nutzen.

Johnny Haeusler beschreibt es bereits selbst, wenn auch leider ungenau:

Gespielt, Filme geschaut und Musik gehört wird eh schon direkt bei Facebook

Eben nicht. Musik wird auf Simfy, Spotify, Deezer oder Rdio gehört. Alle zeichnen sich dadurch aus, dass sie eigenständige Dienste mit eigenständigen komplexen Angeboten sind. Sie nutzen die Daten auf Facebook, um User besser zu vernetzen und das Angebot attraktiver (und viraler) zu machen. Alle gewinnen:  Die Nutzer, die Dienste und Facebook (Das ist die Win-win-win-Situation, die OpenID killt.).

Ich hatte das schon einmal in “Facebook ist nicht AOL 2.0, Facebook ist das Gegenteil” beschrieben:

Facebook ist nicht so erfolgreich, weil es so zentral wie möglich ist, sondern weil es, ausgehend von seiner Angebotskategorie, so dezentral wie möglich ist.

 

 

Die Mutmaßung, die Befürchtung, zwei getrennte Netze würden entstehen, ist also realitätsfern.

Was passiert aber stattdessen?

Statt die Plattformen als sich immer stärker abgrenzende ‘walled gardens’ zu betrachten, bieten sich eher Städte als sprachliches Bild an.

Facebook ist die stark wachsende Metropole. Sie bietet vielen Menschen mehr als die angrenzenden Dörfer, die untereinander über Straßen verbunden sind. Wer viel Zeit und Muße hat, kann auch in den Dörfern fast alles finden, was sein Herz begehrt. Aber eben nur mit viel Zeit und eben nur fast alles.

Die Metropole Facebook bietet, was die Dörfer nicht bieten (Nutzer, angebundene Dienste, Funktionen, die erst mit Masse Sinn ergeben). Aber erst die Möglichkeit für alles, was nicht direkt in der Stadt vorhanden ist, auf das Umland zurückgreifen zu können, macht die Stadt zu dem attraktiven Rundumangebot, das sie ist.

Programmierschnittstellen, sogar einfache Links im Newsfeed nach außen, sind die Straßen, die die Facebook-Stadt erst bewohnenswert machen.

studiVZ, war eine Stadt, die glaubte, ohne Straßen auskommen zu können. Das aktuell zu beobachtende Ergebnis dieser grotesken Annahme war seit Jahren vorhersehbar.

Das gleiche Bild lässt sich auf die Plattformen, die zunehmenden Rundumangebote, von Google und Apple übertragen. Die schönste Stadt kann ohne Verbindung nach außen nicht überleben. Und jeder Stadtdesigner und jeder Stadtliebhaber weiß das.

Mark Zuckerberg, Larry Page und Tim Cook würden sich mit Händen und Füßen gegen die Abtrennung ihrer Plattformen vom Rest des Internets wehren.

Weil die Anbindung an das Internet in ihrem eigenen wirtschaftlichen Interesse liegt.